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Full text of "Johann Weikhard Freiherr von Valvasor (geb. 1641, gest. 1693)"

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Jobann  (öcikbard  frcibcrr  von  Valvasor, 

der  Candscbaft  in  Krain  I^auptmann  und  flQitglicd  der  königlich 

cnglisd)cn  Socictät  (Royal  Society)  in  Condon 


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Johann  Weikhard 


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Freiherr  pon  Valpasor 

(geb.  1641,  gesL  1603) 

mit  5  Porträts  und  15  anderen  Abbildungen;  samt  Anhang,  üachtrag 
und  der  Genealogie  der  Familie  Valuasor 


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[laibach  1010 


Verlag  der  Krainisdien  Sparkasse  •  Druck  uon  3g.  u.  Kleinmayr  &  Fed.  Bamberg. 


Alle  Rechte  vorbehalten. 


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Inhalt. 


Seile 

llcrzcid)ni$  der  Porträts  und  Abbildungen V 

Zur  6infübrung VII 

Uorwort IX 

Der  erste  Ualvasor  in  Krain  —  Johann  Baptist  Ualvasor 1 

Rieronytuus  Ualvasor  und  dessen  Gemahlin  JIgnes  von  Scbeyer,  die  6rofKltern 

3obann  UJeikbards 13 

Die  eitern  Jobann   lUeikbards:  Bartbolomäus  von  Ualvasor  und  Bnna  niaria 

geb.  Rauber  von  Kreutberg 21 

Rerr  Bartbolomäus  von  Ualvasor  als  IHlitglied  der  krainiscben  Candscbaft   .    .  25 

3obann  CUeikbard  Jreiberr  von  Ualvasor  —  Geburt,  Geburtsbaus 55 

Studienjahre 60 

€rinnerungen  aus  dieser  Zeit 64 

Studienreisen  und  erste  CUaffentaten 67 

Uermäblung  und  Jamilie 80 

Jfnkauf  von  lUagensberg,  Cicbtenberg  und  Scbwarzenbacb 83 

Jorscbungsreisen 91 

Die  Sammlungen  auf  Scblol3  CUagensberg 97 

Bibliothek 98 

Sammlung  mathematischer  Instrumente 102 

münzkabinett ,    .  103 

Saiutulung  von  rHineralien 104 

Ualvasors  Erscheinung  und  CUesen ' 105 

Ualvasor  und  die  Daturkunde 121 

Ualvasor  und  die  Alchimie 125 

Stellung  zu  Ceufel  und  Rexen 130 

Ualvasor  und  die  Künste  -   selbst  Künstler 137 

Die  THarienstatue  in  Caibach,  Ualvasors  CUerk 141 

Ualvasor  als  Gründer  des  Feingusses 145 

Ualvasors  Stellung  zur  Hlusik 147 

ein  technisches  Projekt  (Cunnel  am  Jube  des  Coibl) 150 

Ausgabe  der  ersten  ÜJerke: 

Passionsbüd)lein  167Q 152 

Copographia  Carnioliae  modernae  I67Q 155 

Ovids  llletamorphosen  1680 158 

Aufruf  an  seine  Candsleute  behufs  Verausgabe  der  „Ghre  des  Herzogtums  Krain"  164 

l)ausankauf  in  Caibach 1^7 


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Das  erscheinen  weiterer  lUerke :  Seite 

Copoijraphi'i  flrchiducatus  Carintbiae  niodernae  16$1 171 

Copoijrapbia  Carinthiae  Salisburcjensis  lÖSl 172 

Cbeatruni  mortis  butnanac  tripartituni  1682 174 

Ualvasors  Kriegszug  getjcn  die  Cürken  nacb  Steiermark  1683 185 

CUicdcraufnabnie  der  literarischen  Cätigkeit 194 

Cod  der  ersten  6eniahlin  und  ÜJiederverbeiratung 197 

initglied  der  Königlidi  Englischen  Sozietät  Royal  Society  in  Condon  16$7   .    .    .  200 

Copographia  JIrchiducatus  Carintbiae  antiquae  et  tnodernae  conipleta  16$$  .    .    .  209 
Die  €hre  des  Herzogtums  Krain  16$9: 

üalvasor  als  Historiker 215 

erstes  fachmännisches  Urteil  über  Ualvasors  „ehre  des  Herzogtums  Krain"  in  den 

„Acta  eruditorum"  in  Ceipzig  16$9 242 

Ualvasors  letzte  Cebenstage: 

Cod  —  Beisetzung  in  der  Familiengruft  auf  Schloß  6alleneck  1693 245 

Uerlassenschaft 250 

Denkmäler  für  Üalvasor 253 

Jlnhang:  JIus  dem  Cestamente  des  Johann  Baptist  Üalvasor  15$1 259 

Supplik  der  Jrau  JInna  IDaria  Ualvasorin  und  ihrer  Schwester  geb.  Jreiinnen 

von  Rauber  an  Seine  IDajestät  und  deren  erledigung  1639  ....  263 
Briefe  Johann  Uleikhard  Ualvasors  an  die  Royal  Society  I6$0  bis  16$$: 

Über  seine  erfindung  des  Feingusses 267 

Beschreibung  des  Zirknitzer  Sees 272 

erfindung  des  Feingusses,  Bericht  an  die  Royal  Society  I6$7     ....  299 

Übersetzung  ins  englische 303 

Heiratsabrede  des  ]ohann  Uleikhard  Freiherrn  von  Üalvasor  mit  JInna 

maximilla  Freiin  von  Zetsd)ker  20.  Juli  16$7 307 

Inventarien    über    den    llachlab    des   Johann    ÜJeikhard   Freiherrn   von 

Üalvasor  1693 310 

nachtrag 335 

Genealogie  der  Herren  und  Freiherren  von  Üalvasor  in  Krain 343 


Porträts  und  Abbildungen, 


Porträt  des  3obann  (Ueikbard  Jreiberrn  von  üalvasor  (aus  dessen  „Gbrc  des  Herzogtums 
Krain)  (Citelbild). 

Porträt  der  ersten  ßemablin  des  ersten  üalvasor,  Jobann  Baptist  Uavasor,  in  Krain, 
emerentia  Uavasor  de  ßalleneck  geb.  von  Kbisel  (zu  Seite  9). 

Porträt  der  ßrol^mutter  3obann  ÜJeikbards  Jreiberrn  von  Ualvasor,  Hgnes  geb.  von 
Scbeyer  (zu  Seite  10). 

Porträt  des  üaters  Jobann  ÜJeikbards,  Bartboloniäus  von  Ualvasor  (zu  Seite  23). 

Porträt  der  Hlutter  3obann  Cüeikbards,  flnna  TDaria  geb.  Jreiin  von  Rauber  (zu  Seite  23). 
(Diese  letztangefübrten  vier  Porträts  Reproduktionen  des  pbotograpbiscben  Ateliers 
5^.  mayer  in  Graz  nacb  den  lebensgro(Kn  Ölgemälden,  vorber  im  Baron  Cüalters»  'j| 

kircbenscben  Scblosse  Plankenwartb  in  Steiermark,  gegenwärtig  u.a.  als  ßescbenk 
des  beutigen  Besitzers  des  genannten  Scblosses,  Rerrn  Advokaten  Dr.  ülattbias  Rudnik 
in  Caibacb,  im  IDuseum  Rudolfinum.) 

3obann  ÜJeikbard  üalvasors  Uäterscblol^  0a11eneck  in  Oberkrain  (nacb  einer  im  Besitze 
der  Iran  3osefine  Stedry  geb.  Prascbniker  befindlicben,  dem  üerfasser  freundlicbst 
mitgeteilten  Pbotograpbie)  (zu  Seite  15). 

3obann   UJeikbard   üalvasors   ßeburtsbaus   in   Caibacb   (nacb  dem   vom   lüiener  aka- 

demiscben  THaler  vyeil.  Rerrn  Konrad  Grefe  aus  der  „Gbre  des  Herzogtums  Krain"  —  "tc 

Panorama  von  Caibacb  —  in  vergröbertem  niat3Stabe  bergestellten  Aquarell)  (zu  Seite  5S).  -*^ 

3unge  Kavaliere  des  17.  3abrbunderts  auf  Reisen  (nacb  einem  Kupferstieb  von  ÜJoIfgang  ^ 

Kilian  in   des  krainiscben  landscbaftlicl)en  Beamten  von  Sietzenbeimb  Zuditspiegel  <© 

der  adelicben  3»9^"d)  (zu  Seite  69).  Pbotograpbisd)es  Atelier  Candau,  beute  Uiktor  P 

in  Caibacb.  C^: 

3obann  ÜJeikbard  üalvasors  Scblob  (üagensberg  in  ünterkrain,  beute  fürstlicb  Rugo 
ÜJindiscbgrätzscber  Besitz,  Reproduktion  nacb  der  „€bre  des  Herzogtums  Krain" 
(zu  Seite  $2  und  $3). 

Die  üalvasorstube  auf  Scblob  Cüagensberg  (siebe  Cextseite  $4).  Pbotograpbiscbes  Atelier 
Candau,  beute  Uiktor  in  Caibacb. 

3obann  Oleikbard  üalvasors  Cüappen  als  „Gx  libris"  (siebe  Cextseite  102).  Pboto- 
grapbiscbes  Atelier  Candau,  beute  Uiktor  in  Caibacb. 

messung  mit  dem  Astrolabium  (zu  Seite  92).  Pbotograpbiscbes  Atelier  Candau,  beute 
Uiktor  in  Caibacb. 

Die  von  3obann  ÜJeikbard  ^reiberrn  von  Ualvasor  im  Auftrage  der  krainiscben  Cand- 
scbaft  modellierte  IDarienstatue  auf  dem  St.  3akobsplatze  in  Caibacb  (zu  Seite  141). 
(Jür  den  üerfasser  freundlicbst  aufgenommen  von  den  Herren  weil.  3-  Seunig,  Haus- 
besitzer und  Cederbändler,  und  übald  von  Crnköczy,  Apotbeker  und  Hausbesitzer 
in  Caibacb.) 


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Cüidmiuu^sblatt    und   zwei    Szeneji   aus   Johann    CUeikbard    üalvasors    Husgabc    der 

Illustrationen  zu  Ovids  metaniorpbosen  (zu  den  Seiten  15$,  160  und  162).  Pboto- 

grapbiscbcs  Jltelier  weil.  ].  Kotar  in  Caibacb. 
CüidtnuMijsblatt  aus  Johann  CUeikbard  Ualvasors  Copograpbia  0arintbiae  Salisburgensis 

(zu  Seite  172).  Photographischcs  Jltelier  Candau,  heute  Uiktor  in  Caibacb. 
Jlltar   itn   ehemals   Freiherr  Zetschkerschen,    heute   Ritter  von   Scboepplscben   Schlosse 

Jreihof  in  ünterkrain  (zu  Seite  19$).  5^iir  den  Uerfasser  freundlichst  photographisch 

bei  Blitzlid^t  aufgenommen  vom  Rerrn  k.  k.  Candesschulinspektor  und  üorstand  der 

Caibacl)cr  Erdbebenwarte  flibin  Belar. 
Sterbebaus  des  Johann  CUeikbard  Jreiherrn  von  llalvasor  in  ßurkfeld   (zu  Seite  246). 

5ür  den  Uerfasser  freundlichst  aufgenommen  vom  Rerrn  Adolf  Brabetz,  k.  u.k.  IDilitär- 

verpflegsvervvalter. 
Pan.  Erklärung  zu  Johann  CUeikbard  Üalvasors  Erfindung  des  Feingusses  (siehe  Anhang). 

Pbotograpbiscl)e$  Atelier  weil.  J.  Kotar  in  Caibacb. 


Zur  Einführung. 


wir  haben  seit  Jahren  die  Forschungen  des  heimatlichen  Schriftstellers 
Rerrn  Peter  von  Radics  für  eine  Cebensbeschreibung  üalvasors  gefördert 
und  unterstützt.  l)iebei  lie(3en  wir  uns  von  der  Erwägung  leiten,  dal5  eine 
umfassende  Biographie  des  Uerfassers  der  „€hre  des  Herzogtums  Krain" 
eine  empfindliche  Cücke  in  der  historischen  Literatur  unseres  engeren  l)eimat-- 
landes  ausfüllen  werde  und  da(5  für  die  Behandlung  dieses  Gegenstandes 
sicherlich  niemand  geeigneter  sei,  als  Rerr  Peter  von  Radics,  der  die  Er- 
forschung des  Cebens  und  (üirkens  üalvasors  seit  einem  nienschenalter 
zu  seinem  besonderen  Studiengebiete  erwählt  hatte. 

Im  Jlugust  190S  lag  die  l)andschrift  abgeschlossen  vor  und  es  handelte 
sich  nun  um  deren  Drucklegung.  Bei  dem  geringen  Jlbsatze,  welchen  be-- 
kanntlich  üeröffentlichungen  finden,  die  sich  mit  unserem  Cande  befassen, 
war  nicht  anzunehmen,  dat^  sich  für  das  lüerk  ein  Uerleger  interessieren 
werde.  Gs  lag  daher  die  Gefahr  nahe,  dat5  die  5^rucht  der  jahrelangen 
Tätigkeit  eines  ebenso  emsigen  als  gewissenhaften  5^orschers  als  IDanu-- 
skript  vermodern  werde. 

(Dir  beschlossen  daher,  das  (üerk,  bei  dem  wir  gewisserma(5en  Paten-- 
stelle  bekleideten,  auch  fürderhin  in  unseren  Schutz  zu  nehmen  und  dessen  ^ 

Druckkosten   zu    bestreiten,   um    es   Unterrichtsanstalten   und   öffentlichen  ^ 

Büchereien  unentgeltlich  zuwenden  zu  können. 

Damit  wollen  wir  das  Andenken  eines  edlen  und  selbstlosen  um  die 
Erforschung  der  Datur  und  Geschichte  Krains  hochverdienten  [Dannes,  der 
ebensogut  die  5^eder  zur  Ehr'  als  das  Schwert  zur  CUehr  unserer  l)eimat 
zu  führen  verstand,  ehren  und  seinen  IDanen  eine  längst  fällige  Dankes-- 
schuld  abstatten. 

Caibacb,  im  Oktober  1909. 

Direktion  der  Krainiscben  Sparkasse. 


Vorwort 

Indem  ich  die  Biographie  unseres  berühmten  beimatlicben  Gelehrten, 
5^or$cber$  und  Schriftstellers  3ohann  CUeikhard,  Ireiherrn  von  Ualvasor, 
der  Öffentlichkeit  übergebe,  habe  ich  dieser  auf  Grund  vieljähriger  und, 
ich  darf  wohl  sagen,  oft  recht  mühevoller  Uorarbeiten  nun  — -  soweit  dies 
überhaupt  von  einem  Hlenschenwerke  behauptet  werden  kann  —  er-- 
schöpfenden  Studie  nur  wenige  Cüorte  vorauszusenden. 

Uor  allem  ist  es  mir  eine,  eben  bei  dieser  meiner  Arbeit  doppelt 
dringliche  Pflicht,  jener  maf^gebenden  5^aktoren  dankbarst  Erwähnung  zu  \ 

tun,  welche  mich  im  Einblicke  auf  den  patriotischen  Zweck,  im  l)inblid<e  s 

auf  die  unvergänglichen  Uerdienste  unseres  Ualvasor  zur  Forschung  über  Z 

dessen  Cebensgang  und  Cüirken  in  wahrhaft  munifizenter  (Ueise   unter--  - 

stützt  und  gefördert  haben.  5 

€s  gebührt  solcher  Dank  in  erster  Reihe  dem  k.  k.  Hlinisterium  für  i 

Kultus   und  Unterricht   und   der  k.  k.  Candesregierung   für  Krain,   dem  . 

krainischen   Candesausschusse,   der  krainischen  Sparkasse --Direktion,   der  ; 

Stadtgemeinde  Eaibach,  von  denen  allen  mir  wiederholt  Subventionen  für 
meine   5^orschungen   und   5^orschungsreisen   zuteil    geworden    sowie    für  i 

besonders   freundliche   5^örderung   zu   letzteren   der  Generaldirektion   der 
k.  k.  priv.  Südbahn-ßesellschaft. 

Besonderer  Dank  gebührt  ferner  auch  den  Uorständen  jener  wissen^ 
schaftlichen  Institute  des  In--  und  Jluslandes,  die  mich  durch  die  liberalste 
mitteilung  von  5^orschung$behelfen  an  JIrchivalien  und  Büchern  auch  in 
dieser  meiner  Jirbeit  wesentlich  unterstützt  und  gefördert  haben,  er  gebührt 
den  Uorständen  der  k.  u.  k.  5amilien--5ideikonimi[)--Bibliothek  in  lUien,  der 
k.  k.  l)ofbibliothek  in  CUien,  der  k.  [)ofbibliothek  in  Hlünchen,  der  Royal  Society 
in  Condon,  ferner  des  k.  k.  Jldelsarchives  in  Cüien,  der  k.  k.  Universitäts- 
bibliotheken in  CUien  und  Graz,  des  steiermärkischen  Candcsarchivcs  in 
6raz,  der  Stadtbibliothek  in  Frankfurt  a.  IlL,  des  llhiseums  in   lllainz, 


-2)      X      'S) 

des  altberühmten  Benediktinerstiftes  St.  Peter  in  Salzburg,  der  k.  k,  Studien-- 
bibliotbeken  in  Caibacb  und  Salzburg,  des  k.  k.  Candesgericbtes  (Candtafel-- 
arcbives),  des  Candesniuseunis  Rudolfinum,  der  f.  b.  Seniinarsbibliotbek, 
des  städtischen  Jlrcbives  und  der  städtischen  Bibliothek  in  Caibach,  sowie 
zahlreichen  Besitzern,  beziehungsweise  üorständen  von  Schloff-,  Kloster--, 
Pfarr-  und  ßemeindearchiven  in  Krain  und  Steiermark  —  allen,  allen  mu(5 
hier  der  herzlichste  Dank  gesagt  sein. 

Und  nun  noch  ein  paar  CUorte  über  das  (Uerk  selbst,  wie  es  vor 
seinen  Leserkreis  im  In--  und  Auslände  hintreten  will. 

Jlbweichend  von  der  JIrt,  in  welcher  ich  die  diesem  Buche  vor  fahren 
vorausgesandten  Skizzen  über  Ualvasor  behandelt  habe,  abweichend  von 
der  darin  vorherrschend  gewesenen,  fast  ausschlief^lich  lokalen  Cendenz 
war  ich  in  diesem  nun  auch  für  weitere  Kreise  berechneten  UJerke  in  erster 
Cinie  bestrebt,  die  Bedeutung  unseres  edlen  5^reiherrn  der  Jlllgemeinheit 
gegenüber,  die  Bedeutung  desselben  als  mann  der  CUissenschaft  zu  kenn-- 
zeichnen,  war  ich  bestrebt,  es  aufzuzeigen,  wie  sich  dieser  unser  heimatlich-- 
krainische  Gelehrte  zu  fragen.  Strebungen  und  Cüirken  seiner  Zeit  gestellt 
und  verhalten,  um  dann  erst  seine  hingebungs=  und  aufopferungsvolle, 
unentwegte  und  rastlose  Tätigkeit  für  die  geliebte  krainische  Reimat  zu 
beleuchten. 

Daf5  Ualvasor,  der  sich  auf  grofKn  und  weiten  Studienreisen  in  Öster-- 
reicb,  Deutschland,  Italien,  5^rankreich,  ja  bis  nach  Jlfrika  zu  seinem  selbst-- 
gewählten  Berufe,  später  seine  und  unsere  geliebte  schöne  l)eimat  der 
grollen  Jlu|Knwelt  bekanntzumachen,  auf  das  gründlichste  vorbereitet 
und  dann  diese  edle,  selbstlose  üorname  in  der  umfassendsten  und  bis= 
her  nicht  wieder  erreichten  JIrt  unter  grof^en  persönlichen  Opfern  in  die 
Cat  umgesetzt,  da[)  er  sich,  nebenbei  bemerkt,  durch  die  auf  den  Studien= 
reisen  gesammelten  Erfahrungen,  soweit  es  die  Zeitverhältnisse  gestatteten, 
von  Jlberglauben  und  Jlmmenmärchen  seiner  Cage  zu  möglichst  freien 
und  selbständigen  Anschauungen  durchgerungen,  da(5  er  sich  einer  Uiel-- 
seitigkcit  im  Künstlerischen  und  Citerarischen  erfreuen  konnte,  welche  seine 
Uielseitigkeit  geradezu  staunenerregend  erscheint,  dat^  er  in  kunstindustrieller 
Beziehung  als  Erfinder  des  5^einerzgusses,  in  technischer  aber  schon  als 
Projektant  eines  Cunneldurchschlages  aufgetreten,  und  da[5  all  dieses  sein 


Streben,  Schaffen  und  CUirken  von  der  glühendsten  Beirnatliebe  sowie 
von  dem  aufrichtigsten  Patriotismus  für  Kaiser  und  Reich  erfüllt  war,  all 
diese  niomente  zusammengenommen  werden  in  ihm  jenes  geistig  hoch-- 
stehende  CUesen  erkennen  lassen,  das,  trotz  der  Hachwehen  des  unseligen 
Dreif^igjährigen  Krieges,  trotz  der  noch  in  seinen  tagen  unsere  inner-- 
österreichischen  Cande  arg  bedrohenden  Cürkengefahr,  zu  deren  Bekämpfung 
und  Jlbwehr  er  sdbst  die  5eder  mit  dem  Schwerte  zeitweilig  hat  ver-- 
tauschen  müssen,  so  voll  geeignet  war,  neben  einer  Reihe  anderer  ge= 
diegener  Uüerke  seiner  Schöpfungskraft  als  monumentales  Cüerk  „Die 
Chre  des  l)erzogtums  Krain"  zu  schreiben  und  durch  dasselbe  für  immer- 
währende Zeiten  selbst  zu  sein  und  zu  bleiben  im  besten  Sinne  des 
(Uortes :  die  Ehre  Krains ! 

Caibacb,  im  September  190$. 

Der  Uerfa$$cr. 


U    ! 


Der  erste  Pabasor  in  Krain. 


Q   Q   O 


V.  Radicj,  Ualvasor. 


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Johann  Baptist  Palüason 


finem  rührigen  Kaufmanne,  später  6ro(5bändler,  dem  5^inanzmanne 
Berrn  Jobann  Baptist  Ualvasor,  welcher  in  der  ersten  Rälfte  des 
16.  Oahrhunderts  aus  Italien  (Celgate,  Provinz  Bergamo)  nach 
Krain  kam  und  dem  in  dessen  neue  Beimat  gar  bald  ein  Hamens- 
verwandter,  Bieronymus  Ualvasor,  gefolgt  war,  haben  wir  es  in  erster  Einie 
zu  danken,  dat3  uns,  eben  ein  3ahrhundert  nachher,  in  der  Person  des 
Johann  CUeikhardt  5^reiherrn  von  Ualvasor,  eines  Gnkels  des  Berrn  Bieronymus, 
unser  bodenständiger  Gelehrte  und  Schriftsteller  erstand,  der  uns  nicht 
nur  die  „Ghre  Krains**  geschrieben,  sondern  selbst  die  ehre  Krains  geworden 
für  alle  ferneren  Zeiten! 

Dem  Bieronymus  Ualvasor,  obgleich  er  nur  ein  namensverwandter 
gewesen,  vermachte  Berr  Johann  Baptist  Ualvasor  in  seinem  Testamente  (15S1) 
für  ihm  zeitüber  geleistete  treue  Dienste  die  Jeste  ßolnek  (ßallened^)  in 
Oberkrain,  welche  später  an  den  Sohn  des  Bieronymus,  Berrn  Bartholomäus 
Ualvasor,  Johann  lUeikhardts  Uater,  überging  und  wo  unser  Geschichts- 
forscher und  Bistoriograph  dann  die  Cebensjahre  bis  zu  seiner  Uerheiratung, 
beziehungsweise  bis  zum  Jlnkaufe  des  Schlosses  CUagensberg,  verbrachte. 
Johann  Baptist  Ualvasor,  von  dem  wir  nun  zunächst  sprechen  wollen, 
als  erster  dieses  Hamens  in  Krain  bisher  nachweisbar,  war  jenem  Zuge 
„wälscher  Gäste"  nach  den  reizvollen,  und  zwar  in  (o  mancher  Be- 
ziehung reizvollen,  weil  erzreichen  österreichischen  Jllpengegenden  gefolgt, 
denen  man  hier  schon  im  IDittelalter  begegnet  und  der  namentlich  im 
16.  Jahrhundert  aus  verschiedenen  Jlnlässen  zu  verschiedenen  Zwecken 
ein  besonders  starker  geworden,  wie  dies  der  um  die  Jlufhellung  der 
innerösterreichischen  Geschichte  so  hochverdiente  Organisator  und  unermüdlich 
tätig  gewesene  Direktor  des  steiermärkischen  Candesarchivs,  Regierungsrat 
Ritter  von  Zahn,  in  einem  eigenen  Gssai  „CUälsche  Gäste"  ebenso  gründlich 
als  anziehend  und  fesselnd  dargestellt  hat.' 


*  StVTiacal.  p.  158-204. 


-2)     4     -^ 

Die  Italiener  --  Uenetianer  und  Conibarden  —  wüteten  nämlich  seit 
langem,  was  die  Jllpen  und  die  Cauern  an  Hlineralscbätzen  boten,  das 
war  übrigens  mehr  das  Ziel  von  ßebeimwanderungen  einzelner  (0old-- 
sucber).  Bhzx  die  Zeit  kam  bald,  wo  die  österreichische  Regierung  Candes-- 
schätze  durch  5^renide  erschlief^en  lie(5,  wofür  den  einheimischen  die  Kennt-- 
nisse,  der  Pfennig  und  der  Unternehmungsgeist  fehlten.  So  wurden  zu- 
erst die  lüälder  angegriffen,  dann  frachtete  man  das  Uieh  herdenweise 
an  die  See,  räumte  die  Jllmen  von  dem  wohlriechenden  Speik,  sammelte 
Bonig  und  schürfte  €rze  und  alles  in  Gesellschaften  und  mit  Hlonopol-- 
berechtigung.  Selbst  das  alteingelebte  Gewerbe  der  eisenerzeugung  be-- 
einflut^ten  die  Cüälschen  insofern,  dat5  sie  die  Lämmer  wirkungsvoller 
machten,  und  haben  sid)  die  sogenannten  „wälschen  Rämmer"  noch  lange 
nach  dem  Rückzuge  ihrer  erfinder  oder  Begründer  erhalten. 

Die  als  5olge  der  steten  Cürkengefahr  notwendige  bessere  (Uehrhaft-- 
machung  der  meist  bedrohten  Plätze  in  den  innerösterreichischen  Cändern 
brachte  die  tüchtigen  italischen  Baumeister  auch  in  unser  Cand,  wie  aud) 
immer  mehr  und  mehr  üertreter  anderer  Berufe  aus  Italien  nach  unseren 
nördlichen  Gegenden  zogen,  als  Jlpotheker,  flrzte,  Kaufleute,  5inanz-- 
männer,  welch  letztere  ob  ihres  findigen  CUesens  hierlands  von  immer 
gröt^erem  CUerte  wurden.  Jlus  allen  denen  wurden  bald  vermögliche 
männer,  Gutsbesitzer  und  Ständeherren. ^ 

In  solchem  Jalle  war  auch  Johann  Baptist  üalvasor,  welcher  als 
Bandeismann  mit  Hlajolikaware^  nach  Caibach  kam,  durch  Calent  und 
Glück  bald  gröfKre  Geldoperationen  durchführte,  in  Krain  und  der  benach-- 
barten  Steiermark  Güter  und  Schlösser  erwarb  und  schlief^lich  als  „Hlit-- 
landmann"  zu  den  Standesherren  von  Krain  zählte  und  seinen  „Sitz" 
im  krainischen  Candtage  einnahm,  gleichwie  er  vorher  schon  das  Bürgerrecht 
der  1.  f.  [)auptstadt  Caibach  erhalten  hatte;  im  dienstlichen  Uerbande  mit  der 
Landschaft  stand  er  um  1570  als  Oberster  Proviantmeister  für  die  „Grenze'', 


^  Das  älteste  vorhandene  Steuerbuch  der  Stadt  Caibach  vom  Jähre  1600  nennt 
uns  41  Damen  von  italienischen  €inwohnern,  zum  9rö[3ten  Ceil  zugleich  hausbesitzern 
in  den  vornehmsten  Ceilen  der  Stadt:  am  Platz,  am  fliten  und  am  neuen  markte; 
man  begegnet  da  den  Hainen:  Civitator,  Posarelli,  ßajonzel  (Piero  0ajonzel,  Grob- 
kaufmann mit  der  Steuer  von  25  fl.,  der  höchsten  in  diesem  Steuerbuche),  niartin  Ca« 
jasel  (mit  20  fl.),  £ortboni,  Rerr  von  Cantberi,  ßuintilio  Romano  (Apotheker),  Cocatelli, 
Salvator,  Pellizoroll,  JIdam  ITJoscon,  Bianchini,  Cravisani,  6uga,  de  Catharo,  Raub  B. 
flgnelati  (Apotheker),  Spadon,  Pantaleon,  Picardo,  Cancilli,  Donin  (Ulaurer),  ßonomo, 
Bidinelli,  Uidalbo,  üinizianer,  Pucinaro,  Dadal  „ein  u?elli$cl)er  Cramer"  (mit  7  fl.  Steuer), 
£ondut  (Riemer),  0uglia,  Caminar  usw.  (Jlrcl)iv  der  Stadt  Caibach.) 

^  Diesen  Randel  setzte  dann  noch  Bartholomäus  üalvasor  fort. 


-2)      5      'S) 

Dacbdem  uns  in  den  Büchern  der  Stadt  Caibacb  1527  aus  der  der 
Ualvasorscben  verwandten  Tamilie  Hloscon  Innocenz  ITloscon  als  neu-- 
aufgenommener  Bürger  begegnet  ist*  (unter  der  gestellten  Bedingung 
seiner  „üerbeiratung  binnen  O^bresfrisf',  gegen  eine  Strafe  von  100  fl. 
rbeiniscb  im  5^alle  des  Hicbteinbaltens  dieser  Bedingung),  erscheint  im 
3abre  1547  Babtista  Uavisor,  wie  der  Dame  damals  meist  geschrieben 
wurde,  als  Zeuge  genannt,  in  dessen,  wie  auch  anderer  „guter  Cent" 
als  Berrn  Paulsen  Cüiener,  „Chumbherrns  zu  Caibach'*,  lHathesen  Klombner, 
landschaftlichen  Sekretärs,  des  Bans  Baptist  Posch  und  des  Rannsen  Khisl 
Gegenwart  der  kurz  vorher  verstorbene  Caibacher  Bürgermeister  Berr  üeit 
Khisl,  des  Johann  Baptist  Ualvasor  Schwiegervater,  bei  guter  üernunft  sein 
Cestament  gemacht  und  seine  5^rau  (die  5^rau  Khislin)  für  ihr  Ceben  lang 
zur  vollmäd)tigen  5^rau  und  Inhaberin  eingesetzt.^ 

Im  „ersten  Stadtrecht"  des  3ahre$  1547  unterm  11.  Itlärz  wird  „bap- 
tista  Uavisor*'  zum  „Purger*'  der  Stadt  Caibach  aufgenommen.*^  CUenige 
monate  später,  am  6.  lHai,  erhält  er  die  angesuchte  Bewilligung  und  die 
Ausfertigung  des  „0ewaltbriefes",  mit  anderen  CUaren  (Eisen)  nach 
Encona  zu  handeln. 

Jllle  diese  zu  Bürgern  der  Stadt  Jlufgenommenen  waren  selbstredend 
aud)  Bausbesitzer  in  Caibach  —  also  auch  Johann  Baptist  Ualvasor; 
in  weld)em  der  drei  Steuerbezirke  dessen  Baus:  am  Platze,  am  Jllten 
oder  Heuen  Hlarkte,  gelegen  gewesen,  lä(5t  sich  aber  gegenwärtig  nicht 
mehr  feststellen,  da  die  Steuerbücher  der  Stadt,  wie  bereits  vorher  in 
einer  Jfnmerkung  angedeutet  worden,  nur  mehr  bis  1600  zurückreichend 
erhalten  sind  und  Oohann  Baptist  Ualvasor,  wie  gleich  näher  zu  erörtern 
kommt,  schon  um  1554  den  Schwerpunkt  seiner  Tätigkeit  nach  der  unteren 
Steiermark  verlegt  und  auch  zumeist  dort  und  in  Unterkrain  weiterhin 
gelebt  hat. 

€s  war  im  3ahre  1554,  dat5  Johann  Baptist  Ualvasor  vom  Bofe  die 
Bewilligung  erhalten  hatte,  die  Pfandherrschaft  Cüffer  in  Untersteiermark 
von  den  Huerspergschen  Erben ^  abzulösen  und  innezuhaben;   auch  war 

^  Innoccnt  moscon  Ist  burgcriicl)e  Recht  verlieben  worden  In  der  £ondition,  das 
man  Ime  nachdem  er  unbeheyratet  ein  gantz  3ar  dato  frist  vnd  weyll  lasst  sich  zu  behey. 
ratben.  CUo  er  sich  aber  zu  Ausgang  des  3ars  nit  bebeyrat  Ist  er  100  U.  rb.  zu  gcmainer 
Stau  in  Peen  verfallen  zu  bezallen.  1527  Ireitag  den  25.  Oktober.  (Gericblsproiokoll 
der  Stadt  Caibach  de  1527;  Archiv  der  Stadt  Caibach.) 

^  6erichtsprotokoll  de  1547,  21.  Jänner. 

^  Ungebundenes  heft,  Beilage  zum  Gericbtsprotokoll  de  1547. 

^  hans  von  fluersperg  hatte  Cüffer  von  Kaiser  IHax  I.  um  die  Pfandsummc  von 
21.691  fl.  rh.  innegehabt. 


"&     0     '& 


ihm  biebei  freigestellt,  dieselbe,  docb  nur  „mit  Consens  der  Bofkammer", 
zu  versetzen.^ 

mit  dem  Datum  (öüien)  21.  Jlpril  1554,  unter  welcbem  diese  „Jlblösung" 
von  Cüffer  erfolgt  war,  begann  die  lUirksamkeit  Jobann  Baptist  üalvasors 
auf  diesem  von  der  Datur  so  reicb  gesegneten  Boden,  dessen  Güter  unter 
seinen  Bänden  und  mit  l)ilfe  der  von  ibm  berangezogenen  italiscben 
Jlrbeitskräfte^  erst  recbt  geboben  und  zur  Gntwicklung  gebracbt  vourden. 
Rascb  vermebrte  sieb  infolgedessen  sein  Uermögen.  Dies  setzte  ibn  in  die 
Cage,  dem  Regenten  der  innerösterreicbiscben  Cande  Grzberzog  Karl 
wiederbolt  gröf^ere  Darleben  zu  macben,  voas  ibn  binwieder  im  Besitze 
von  Cüffer  festigte;  so  wurde  ibm  ddo.  CUien,  6.  3uni  1564,  für  sieb  und 
seine  Grben  auf  das  gemad)te,  7000  fl.  (ä  6Vo)  betragende,  Darleben  die 
Berrscbaft  Cüffer  auf  16  3abre  verscbrieben,  und  zwar  „ungesteigert  und 
unabgelöst",  und  dann  gegen  das  weitere  Darleben  von  5000  fl.  (ä  6Vo) 
unter  dem  Datum  CUien,  23. 3änner  1566,  aucb  für  seine  Grben  auf  16  O^bre, 
und  zugleicb  die  Jlufricbtung  einer  neuen  Pfand--  und  Scbuldverscbreibung 
anbefoblen."' 

Inzwiscben  bat  der  scbon  vielvermögende  ßutsberr  dem  engeren  Bezirke 
von  Cüffer  die  bilfreicbe  Band  geboten,  indem  er  1560  das  Heuspital  in 
Cüffer  „refundierte", 11  welcbe  seine  Heustiftung  er  später  dann  —  wie 
wir  seben  werden  —  in  seinem  Cestamente^^  reicblicb  bedacbte  und  für 
ferne  Zeiten  sicberte. 

In  dem  Zeiträume  von  1560  bis  1570  bat  3obann  Baptist  aucb  scbon 
die  Scblösser  Candstra(5  und  Cburn  am  Bart  in  Unterkrain,  $cblo(5 
0allened{  in  Oberkrain  (dieses  1562  in  „ebrlicbem  Kauf"  von  einem 
Berrn  von  Berberstein)  erworben  ;i^  dazu  kamen  um  dieselbe  Zeit  $cblo(5 
ßonobitz  in  Untersteier  und  Cüeinberge  bei  üUindiscb--5^eistritz  mit  der 
Perle   von    „Rittesneu"    (Ritoznoi   =   Rittersberg);    $cblo(5    ßurkfeld    in 


^  Schmutz,  bist. -top.  Ccxikon  von  Steiermark,  IV.  p.  220. 

^  Der  um  die  HufbeMung  der  0esd)icl)te  Untersteiermarks  vielverdiente  unvergef^Iicbe 
Propst  Orozen  schreibt  in  seiner  lHonograpbie:  Das  Dekanat  Cüffer  (Graz  ISSl,  p.  76), 
dal3  sieb  in  der  Pfarre  und  im  Dekanate  Cüffer  nocb  mehrere  Bauernfamilien  finden, 
die  aus  jener  Zeit  her  den  üulgarnamen  „Bergamask"  führen. 

*°  Grazer  StatthaUerei-Hrchiv,  f)ofkammerakten  Dr.  16. 

'*  Orozen  1.  c.  p.  72. 

"  Bnhang  I. 

'^  üalvasor,  ehre  des  I)erzogtums  Krain  III.  (XL)  333.  In  einem  Inventar  aus 
dem  3ahre  1625  heil3t  es  unter  Briefl.  Urk.  Hr.  72 :  15$0  St.  Georgentag  €in  Kaufbrief 
von  f)errn  Ceopold  Rambschibl  ausgebendt  an  berrn  Johann  Babt.  Üalvasor  des  Guets 
Gallenekh- 


'S)     7     'S) 


Unterkrain  etwas  später,  desgleid)en  montpreis,  Seiz  und  ßeirad)  in 
Untersteier,  $cblo(3  Scbeyer  bei  Steinbrüd^,  Garten  und  (Uiesen  in  und  um 
Pettau  und  andere  kleine  Besitzungen  in  Untersteier. 

Jetzt  war  Rerr  Oobann  Baptist  Ualvasor  aucb  scbon  länger  ber  mit 
der  Stellung  eines  Obersten  Proviantmeisters  in  der  Cüindisd)en  IDark 
und  an  den  kroati((ben  Grenzen  von  Seiten  der  krainisd)en  Eandscbaft 
betraut  und  wir  treffen  (lHärz  1571)  auf  einen  Grlaf?  der  innerösterreicbiscben 
Bofkammer  an  den  Uerwalter  der  ßerrscbaft  0illi  bezüglicb  200  Star 
Getreide,  so  der  Uavasor  von  „Cüffer  gen  Caybacb"  (obne  rnautaufsd)lag) 
„fübren  möge".^* 

In  demselben  O^bre  (1571)  wurde  der  nun  aucb  scbon  der  krainisd)en 
Eandscbaft  für  ibren  Kriegsetat  gegen  die  Cürken  vielwicbtige  und  förder- 
same  0ro(5grundbe$itzer  und  Unternebmer,  da  überdies  für  ibn  der  Grz-- 
berzog-- Regent  interzedierte,  von  den  Ständen  Krains  zum  „Candmann" 
aufgenommen^^  und  wir  seben  Berrn  ]obann  Baptist  Ualvasor  denn  aucb 
im  selben  3abre  nod)  in  den  Jlusscbu(5sitzungen  vom  17.  und  19.  Dezember 
und  in  späteren  Candtagen  sitzen.^^ 

Der  allseits  bocbangesebene  und  einfluf^reicbe  „Berr",  der  —  wie  aus 
einer  Stelle  seines  Cestamentes  bevorgebt  —  aucb  seinen  „Untertanen" 
gegenüber  sieb  durcb  bumane  Gesinnung  auszeicbnete  (bei  allen  Berr-- 
scbaften  und  Gütern  erliefe  er  den  Bauern  die  Scbulden  völlig),  er 
sab  sieb,  als  die  CUogen  des  grot5en  windiscben  Bauernkrieges  des 
Oabres  1573  gegen  sein  Scblo(5  Cburn  am  Bart  berandrängten,  das, 
nebenbei  bemerkt,  1515  von  den  aufrübreriscben  Bauern  zerstört  worden 
war,  genötigt,  aus  diesem  seinen  Eieblingsaufentbalte  zu  flücbten.^^ 

Bh  eine  ^olge  der  durcb  den  weitausgedebnten  Bauernkrieg,  in  weld)em 
aucb  die  Ualvasorscben  ßerrscbaften  Gurkfeld  und  Candstraf^  in  Krain  und 
seine  untersteiriscben  Besitzungen  in  mitleidenscbaft  gezogen  waren,  er- 
standenen allgemein  drückenden  Cage  der  Besitzenden  und  ibrer  fried- 
liebenden Untertanen  ist  aucb  das  „Ginscbreiten"  Ualvasors  und  seiner  Unter- 
tanen der  Berrscbaft  Cüffer  anzuseben,  dabingebend,  daf^  ibm  das  begehrte 
„doppelte  Jlnleben,  Rüst^  und  Cüartgeld,  aucb  Graben-  und  Baugeld"  er- 
lassen werden  möge  (Wim  1574).^® 


"  Grazer  Stattbaltcrci-flrcbiv,  Rofkamtnerakten  Hr.  26. 
*^  muscum  Rudolfinum  in  Caibad),  Uizedomardiiv. 

'^  muscum  Rudolfinum  in  Caibad),  landsd).  Hrcbiv.  CandtagsprotokoU  I.,  fol.  3S0/6, 
fol.  432/a,  fol.  435/b. 

"  mein:  berbard  VIII.  von  Huersperg,  p.  307. 

'^  Grazer  Stattbalterei-JIrcbiv,  Rofkammerakten  Hr.  20. 


c: 


'S)      $      'S 

Und  noch  im  selben  Hlonate  des  ]abres  1574  erfolgte  von  selten  der 
innerösterreicbiscben  l^ofkanimer  der  Jluftrag  an  den  von  Poppendorf,  daf^ 
er  des  üalvasors  Untertanen  zu  ßrof^marascbove  die  „Bebülzung  aus  dem 
Krakauerwald",  docb  „unverscbwendlicb'\  erfolgen  lasse. ^^ 

Im  3abre  15S0  scbritt  l)err  3obann  Baptist  Ualvasor  in  ßemeinscbaft 
mit  l^errn  Kaspar  Hlauritscb^^  bei  der  innerösterreicbiscben  Regierung  um 
die  Konzession  zur  Grricbtung  einer  neuen  Miaut  ein.  Die  Rofkammer 
bescblot5,  das  Ginscbreiten  „alsbald  in  flei(5ige  wolerwogene  Beratb$d)lagung** 
zu  zieben,  docb  wurde  als  Prinzip  ausgesprocben,  diese  neue  lHaut  sei 
zu  Caibad)  und  nid)t  zu  ßörz  (voelcber  Ort  offenbar  im  Ginscbreiten  an- 
gegeben voar)  aufzustellen. 21  €s  ist  aus  den  J!kten  nicbt  voeiter  ersicbt- 
lid),  ob  es  zur  Jlufricbtung  dieser  maut  durcb  die  Kompanie  Ualvasor 
und  IDauritscb  gekommen. 

niöglid)  und  wabrscbeinlid)st  ist  aucb,  da(5  es  nicbt  dazu  kam.  Denn  scbon 
im  näcbsten  jabre  am  2.  Dovember  bescblo[)  ja  jobann  Baptist  Ualvasor  sein 
arbeitsreicbes  Ceben  auf  seinem  Scblosse  Cburn  am  Rart^^  im  beiläufigen 
Alter  zwiscben  60  und  70  jabren.^^ 

€in  Uierteljabr  vorber,  auf  den  tag  —  am  2.  Jlugust  1581  —  batte 
er  sein  Testament  aufgesetzt  und  gefertigt.  Dasselbe  datiert  aucb  aus 
Cburn  am  f)art  und  es  erscbeinen  als  Hlitfertiger  und  Zeugen  für  dasselbe 
die  Rerren  Cbristopb  5^reiberr  von  Jluersperg,  (Uilbelm  von  Camberg, 
Rerr  zu  Savenstein,  Hiclas  Bonbomo  zu  CUolfsbübel,  Uizedom  in  Krain, 
Jranz  von  Scbeyer  und  Kaspar  IDauritscb. 

Dieses  Cestament,  welcbes  icb  im  Jlnbange  I  seinem  Rauptinbalte 
nacb  mitteile,  bietet  eine  solcbe  Jü\k  von  Details  über  die  verwandt-- 
scbaftlicben  Uerbältnisse,  über  den  Uermögensstand,  über  persönlicbe  Be-- 
ziebungen  und  Gigenscbaften  des  Testators,  da(5  es  eben  in  ßanzbeit  auf- 
genommen werden  mut^,  um  das  anscbaulicbe  Bild  zu  bieten,  das  es  eben 
im  Rabmen  letztwilliger  Jlnordnung  entbält. 


''  ebenda  Hr.  55. 

^°  Die  berren  von  Hlauritscb  waren  Besitzer  des  Gutes  moostbal  bei  Caibacb. 
Ualvasor  XI.  382. 

^'  Grazer  Stattbalterei-Hrcbiv,  bofkammerakten  Hr.  10  (Graz,  6.  Hugust  15$0). 

"  Siebe  Cestament  im  Hnbange. 

"  Indem  uns  die  Hacbricbt  über  sein  Geburtsjahr  feblt,  so  kann  das  Alter,  in 
welchem  er  von  binnen  scbied,  nur  beiläufig  festgestellt  werden.  Cüenn  man  an- 
nimmt, dab  seine  1547  stattgehabte  JTufnabme  als  Bürger  von  Caibacb  ibn  im  Jflter 
zwiscben  30  und  40  ]abren  traf,  so  ergibt  sieb  bei  seinem  Code  das  Alter  zwischen 
60  und  70. 


®      0      'S) 


Bier  mögen  jedoch  nur  ein  paar  Stellen  herausgehoben  sein,  die  mit 
dem  Cüeitergange  unserer  biographischen  Darstellung  in  inniger  Uerbindung 
erscheinen. 

nachdem  er  im  Eingänge  darauf  hingewiesen,  da(5  er  mit  seinem  von 
3ugend  auf  gehabten  5=lei[5e,  mühe  und  JIrbeit  hart  und  mit  mannig-- 
faltigen  Gefahren  des  Eeibes  und  Cebens  sein  Uermögen  zusammengebracht, 
erspart,  gewonnen  und  zum  geringsten  Ceile  ererbt  habe,  verordnet  er, 
dal5  sein  Ceichnam  in  dem  Spital  zu  Cüffer,  wo  auch  seine  erste  liebe 
Gemahlin  ^rau  Gmerentia,  eine  geborne  Khisl,  beigesetzt  sei,  zur  Bei-- 
setzung  gelangen  solle. 

Diese  seine  erste  Gemahlin  hatte,  wie  der  noch  heute  am  Kaplanei-- 
gebäude  zu  Cüffer  erhaltene  Grabstein  besagt,  neun  Jähxz  vor  ]ohann 
Baptist  üalvasor  das  Zeitliche  gesegnet  (19.  Jänner  1572). 

Die  Bemerkung  im  Testamente,  dat5  die  5rau  Gmerentia  seine  erste 
Gemahlin  gewesen  und  der  Zusammenhalt  mit  der  Grabsteinlegende,  welche 
einfach  nur  die  Cüorte:  „Sein  Bausfrau"  enthält,  erregte  schon  lange  die 
Aufmerksamkeit  der  Forschung  und  legte  die  5^rage  nach  der  zweiten 
5^rau  nahe,  die  Johann  Baptist  üalvasor  in  der  Zwischenzeit  von  neun 
Jahren  heimgeführt  haben  mu(5te. 

Die  Jlufklärung  erhellt  aus  einer  Kalendereintragung  aus  dem  Jahre  1579 
—  also  drei  Jahre  vor  Johann  Baptist  Ualvasors  Code. 

Der  von  mir  bei  der  Ordnung  der  musealbibliothek  im  Rudolfinum 
zu  Caibach  aufgefundene,  bisher  unbekannt  gewesene  Caibacher  Kalender 
aus  der  Druckerei  des  Johann  lHannel  auf  das  Jahr  MDLXXIX  weist 
nämlich  von  der  Band  des  Besitzers  Rerrn  Banns  von  Gallenberg  auf 
dem  Uermerkblatte  zum  lHonate  lllai  nachstehende  interessante  Jln» 
merkung: 

„17  (lllai)  Huf  Churn  am  Bart  in  der  alten  brauen  von  CUernekh 
Cochter  sachen  gegen  Berrn  Uavasor  wegen  lerer,  als  seiner  Bausfrauen, 
so  er  bey  sich  nicht  dulden  will,  heyrathlichen  abfertigung  beschehenen 
Zusagung,  in  fall  Cüens  ehehafften  (ehestens)  nid)t  fürfallen  (sollte)  zu 
verraiten." 

Jlus  dieser  Hotiz  geht  also  folgendes  hervor:  Johann  Baptist  Ualvasors 
zweite  5^rau  war  eine  geborne  von  CUernekh,  demnach  aus  einer  alt- 
berühmten krainischen,  namentlich  in  Unterkrain  reichbegüterten  Jamilic 
stammend,  aber  es  geht  auch  daraus  hervor,  daf^  er  mit  dieser  seiner 
zweiten  Jxän  nicht  im  besten  einvernehmen  lebte  und  sie,  wie  Berr  von 
Gallenberg  beifügte,  bei  sich  nicht  dulden  wollte.  Die  angedeutete  Jlbfcrtigung. 
zu  deren  Jlustragung   der   letztgenannte   Kavalier   nach   Churn   am   Bari 


'S)    10     'S) 

gekommen  war,  mu(5  erfolgt  sein,  worauf  wir  um  so  mehr  scblie(Kn  müssen, 
als  Rerr  Johann  Baptist  Ualvasor  in  seinem  Testamente  dieser  zweiten 
Jrau  mit  keiner  Silbe  Grwäbnung  tut.  Gs  war  somit  eine  friedlicbe  Cösung 
des  €beverbältnisses  erfolgt. 

(Jon  beiden  brauen  binterblieben  keine  Kinder,^*  daber  die  im  Testa- 
mente entbaltene  üerteilung  seines  gro(5en  6üterbesitzes  und  Barvermögens 
an  näbere  und  entferntere  Blutsverwandte,  ja  selbst  an  nur  namensverwandte, 
und  biezu  zäblt  der  ßrol^vater  unseres  Ristoriograpben,  der  Berrßieronymus 
üalvasor,25  welcbem  im  letzten  Cüillen  vor  allem  die  ^este  ßallened^, 
das  Stammbaus  der  eigentlicb  krainiscben  Cinie  der  Ualvasore,  zuerkannt 
erscbeint. 

Der  Ceicbnam  des  zu  Cburn  am  Bart  verstorbenen  3<>b^nn  Baptist 
Ualvasor  wurde  laut  besagter  Cestamentsbestimmung  nacb  Cüffer  überfübrt 
und  in  der  Kapelle  des  von  ibm  dotierten  Spitals  beigesetzt, ^^  wo  ibm 
dann  aud)  die  Grben  —  im  engeren  Sinne  wobl  die  ibm  zunäcbst  bluts- 
verwandten Berren  von  IDoscon  —  ein  scbönes,  aus  niarmor  gemeif^eltes 
Denkmal,  eine  Grabplatte  erricbteten,  auf  welcber  Rerr  Oobann  Baptist 
Ualvasor  und  seine  l)ausfrau  Gmerentia  kniend  dargestellt  erscbeinen 
und  aul^erdem  eine  Darstellung  von  Cbristi  Jluferstebung  zu  seben  ist, 
wie  aucb  ringsum  und  zwiscbendurd)  Bibelsprücbe  zu  lesen  sind.  Die  auf 
die  beigesetzten  Dabingescbiedenen  bezüglicbe  Grabscbrift  lautet: 

HIE  LIGT  BEGRABEN  DER  EDL  VND  ERNVEST  HERR  lOHAN  | 
BABTISTA  VAVASOR  ZVM  THVRN  AM  HART  VND  PHANTINHABER 
I  DER  HERRSCHAFT  TIEFER  DER  GESTARBEN  IST  AM  2  TAG  | 
NOVEMRIS  DES  1581  lAR  VND  SEIN  HAVSFRAV  EMERENTIANA 
I  DIE  EIN  GEBARNE  KISLIN  SO  GESTARBEN  IST  AM  19  TAG  | 
lENVARI  DES  72  lAR  DERN  lEDER  SELL  GOT  GENEDIG  |  VND 
BARMHERZIG  SEIN  WELLE  AMEN. 

"  In  einem  aus  dem  3abrc  159$  stammenden  Bnsprud)  auf  eine  Jobann  B.  Dal* 
vasoTScbe  angeblid)  bestandene  Spitalsgründung  in  ßonobitz  wird  erwäbnt,  da|3  etlicbe 
seiner  Kinder  aus  der  ersten  Gbe  daselbst  in  der  ßeorgskircbe  beigesetzt  worden  seien; 
meine  Ualvasorstudien,  Caibacber  Zeitung  1$96,  1.  Jebruar. 

"  Siebe  die  nächste  Abteilung. 

^^  In  den  30er  3abren  des  vorigen  3abrbunderts  wurde  die  Kapelle  des  Spitals 
in  Cüffer  niedergerissen.  Der  Ceicbnam  Jobann  B.  Ualvasors  lag  in  einem  kupfernen 
Sarg,  der  dann  als  mctall  zu  einem  6lod<engusse  verwendet  wurde;  die  Gebeine  wurden 
auf  den  Friedhof  übertragen,  der  Grabstein  aber  an  der  Jlubenwand  des  Kaplanei- 
gcbäudes  eingefügt,  wo  er  nod)  beute  rosenumrankt  zu  seben  ist. 


'S)      11      'S) 


Had)  den  Bibelinscbriften  des  Steines, ^^  welche  mit  JIus$d)lie(5ung  der 
rnutter  Gottes,  der  Beiligen  usw.  und  unter  Zitierung  der  I)eil.  Schritt  in 
deutscher  Sprache  die  Erlösung  durch  den  Glauben  und  Christus  betonen, 
kann  man,  namentlich  wenn  man  auf  die  üerwandtschaft  mit  den  rHoscons 
und  die  Schwägerschaft  mit  den  Khisls  und  auf  die  Begleitung,  in  der 
3ohann  Baptist  Ualvasor  schon  1547  beim  Cestament  üeit  Khisls  erschien, 
auf  die  Begleitung  von  CUiener  und  Khlombner  denkt,  wohl  schlietKn, 
da(5  auch  der  Gutsherr  von  Cüffer,  wo  kurz  vor  Erwerbung  durch  Ualvasor 
Primus  Cruber  üikar  war,  der  evangelischen  Eehre  anhängig  gewesen,  wozu 
dann  aud)  die  so  leicht  erfolgte  Cösung  seiner  €he  mit  der  CUernekherin 
stimmen  mag. 

In  Cüffer  hat  sich  der  hochherzige  und  menschenfreundliche  Johann 
Baptist  Ualvasor  durd)  die  von  ihm  durd)geführte  Erbauung  eines  neuen 
Emtshauses  oder  I)errsd)aft$gebäudes ^^  —  das  alte  Schloff,  die  heutige 
Ruine  Cüffer  lag  sd)on  damals  darnieder  — ,  sowie  durd)  die  Refun-- 
dierung  des  Spitals  (Spitalspfründen)  und  durd)  seine  sonstigen  zahlreid)en 
CUohltaten  an  die  Untertanen  und  die  Umwohnenden  auf  weit  und  breit 
das  danksd)uldigste  Jlndenken  bewahrt! 

Ein  gleid)  dauerndes  danksd)uldigstes  Andenken  hat  sid)  Rerr  Johann 
Baptist  Ualvasor  auch  in  der  Stadt  Gurkfeld  gesid)ert,  wo  er  als  Sd)lot5- 
herr  au(5er  anderen  zahlreichen  lUohltaten  die  ansehnlid)e  Stiftung  von 
200  fK  für  das  Bürgerspital  laut  Punkt  dreizehn  seines  Cestamentes  ge-- 
widmet  hat. 


"  Oberhalb  der  figuralcn  Allegorie:  Christus  am  Ölberg  und  Christi  Auferstehung 
(Christus  über  Cod  und  Rolle  siegend)  „Confidite  ego  vinci  mundum".  Unterhalb 
der  figuralen  Allegorie:  M  bin  die  Auferstehung  und  das  Eeben,  wer  an  mich  glaubt, 
wird  leben,  ob  er  gleich  stürbe,  und  wer  da  lebt  und  glaubt  an  mich,  der  wird  nimmer- 
mehr sterben"  (Johann.  XL).  Unter  dieser  Stelle  und  dann  zu  beiden  Seiten  der  knienden 
Jiguren  der  Dahingeschiedenen  verteilt,  beziehungsweise  den  beiden  CUappenschildern 
(Ualvasor  und  Khisl)  unterstellt,  liest  man:  „Christus  ist  mein  Ceben  und  Sterben  ist 
mein  Gewinn"  (Philipp.  I.)»  dann:  „Ich  liege  und  schlafe  und  erwad)e,  der  herr  halt 
mich"  (Psalm  111). 

^^  Das  von  Ualvasor  erbaute  Amtshaus  stand  am  Platze  an  Stelle  der  Räuser 
Dr.  I  bis  5  und  es  wurde  noch  Gnde  des  1$.  3ahrh.  das  nachmals  Ualentini(schsd)e 
Raus  Dr.  5  stara  gra§ina,  das  alte  Sd)lo|3gebäude,  genannt.  Das  dermalige  Schloff 
gebäude  hat  1675  Johann  Cüeikhard  Uetter  Craf  von  der  Cilie  erbaut.  Orozen  I.  c,  p.  210. 


ßieronymus  Valuasor 

und  dessen  Gemahlin  Eignes  pon  Sdieyer, 
die  Grolselfern  Johann  V^eikhards. 


o  o  o 


fm  elften  Punkte  seines  Testamentes  verordnete  Jobann  Baptist 
Ualvasor:  „Hacbdem  3^i'oninio  Uavasor  gleicbwol  meines  Hamens 
vnd  aber  in  der  Blutfreundscbaft  mir  gar  nicbts  verwand  nocb 
befreund  ist,  umb  das  Gr  aber  bey  mir  etlicbe  3abr  lang  treulieb 
vnd  flei(5ig  gedient  vnd  mir  bievor  in  etlicben  meinen  von  0ott  gesd)ickten 
Ceibsscbvoacbbeiten  vnd  anjetzo  Gmbsig  vnd  mit  besten  5^1ei(5  auf^gewart 
vnd  meiner  gepflegt  bat,  wie  ers  dann  nocb  tbun  soll  vnd  wirt,  derobalb 
vnd  sönderlicb,  da(3  mein  Hamen  der  Uavasorn  in  diesen  Ibrer  5^ürstlicben 
Durcblaucbt  €rblanden  erbalten  werde,  so  scbaffe  icb  ibme  vnd  seinen 
6rben"  usw.  usw.,  „die  Uesten  6ollnekb  an  der  IHuday  gelegen  mit  sambt 
allen  Uorratb,  Uieb  vnd  anderes  so  jetzt  dabei  ist  nicbts  davon  ausgenobmen 
vnd  aucb  die  ßerberstaneriscbe  0ült  mit  sambt  derselbigen  zuegebörigen  frey 
eigentbumblicben  und  bekannten  Gütern  wie  icb  die  an  micb  erkauft  babe." 
Berr  3obann  Baptist  macbt  an  Berrn  ßieronymus  Ualvasor  dieses  Cegat  unter 
der  Bedingung,  „da(5  Gr  (3eronimo)  sieb  im  land  oder  au(5er  des  Candts 
verbeiratben  möge  vnd  doeb  im  Candt  wobne"  und  „da  es  sieb  naeb  dem 
CUillen  Gottes  begäbe,  wie  er  (3obann  Baptist)  zu  Gott  verboffe,"  „da(5 
er  (]eronimo)  ebelicbe  Ceibserben  IHannesstammen  bekomme,"  so  sollen  dem- 
selben die  erben,  die  drei  üettern  Peter,  Hliebael  und  IHax  J!nton  (ITloscon) 
„noeb  zeben  Causent  Gulden  rbeiniseb  Baargeld  ausriebten  und  erlegen,  womit 
er  vnd  seine  Grben  mit  vermaeben,  versebaffen  vnd  in  ander  weeg  zu  tbun 
vnd  zu  bandeln  als  mit  andern  ibren  frei  eignen  Gütern  5^ug  vnd  THad)t 
sollen  baben  obne  menniglicbe  Irrung,  Bindernit^  und  CUiderspreeben.** 

Berr  Bieronymus  Ualvasor  erbte  also  von  dem  ibm  namensverwandten 
Gönner  die  Berrsebaft  oder,  wie  es  bier  genannt  ersebeint,  die  „Ueste" 
Galleneck  und  noeb  andere  Gülten  mebr  sowie  die  Summe  von  10.000  fl., 
letztere,  nachdem  die  vom  Erblasser  gestellte  Bedingung  der  ebelicben 
Haebkommen  lHannesstammes  in  Erfüllung  gegangen  war. 

Berr  ßieronymus  Ualvasor  war,  wie  ibm  zuvörderst  zur  Bedingung 
der  erbsebaft  der  Güter  gemaebt  worden,  im  Cande  (Krain)  geblieben  und 
batte  sieb  bierlands  aucb  sein  Gemabl  gewäblt. 

Gr  vermäblte  sieb  nämlieb  mit  einer  Coebter  des  altbcrübmten  Geschlechtes 
der  Berren  von  Sebeyer,  aus  dem  im  Stammlande  Bayern  das  Kegentenhaus 


'S)    16    ^ 

der  lüittelsbacber  hervorgegangen;  er  nahm  nämlich  die  Agnes  von  Scheyer 
zur  Gemahlin,  die  ihm  dann  die  Söhne  Bartholomäus  und  Jldam  gebar, 
durch  welche  der  niannesstamm  der  krainischen  üalvasore  begründet  erschien. 
Durch  seinen  Sohn  Bartholomäus  wurde  Rerr  Rieronymus  der  0ro(5vater 
unseres  Ristoriographen. 

l)ieronymus  üalvasor  vermehrte  den  Besitzstand  durch  Jlnkauf  von 
Sd)lol5  Kreutz  in  Oberkrain  (1595,  $.  juli),^^  das  er  vom  Rerrn  Jlndre  von 
Oberburg  erwarb,  und  weiters  durch  Jlnkauf  der  0ült  Grkenstein  in  ünter- 
krain  (1596).3o 

Jlus  der  €rbschaft  der  Berbersteinschen  Gülten  war  ihm  ein  Proze(3 
erwachsen,  indem  ein  gewisser  3uri  üasel  wegen  der  sogenannten  „IDündt- 
hüben",  die  ein  gewisser  Copolaschik  und  Dorothea,  dessen  Ghewirtin, 
seinerzeit  vom  l)errn  Bernhardin  Jreiherrn  zu  l)erberstein,  Deidperg  und 
ßuettenberg  erkauft  hatten  und  von  der  ihn  (üasel)  Berr  Bieronymus 
üalvasor  nun  (15S3)  verstof^en  habe,  unterm  17.  Hlai  des  Jahres  15S3 
klagbar  beim  üizedomamte  für  Krain  aufgetreten  war.  Der  im  üizedom- 
verhöre  nun  aber  gefällte  „Jlbschidt"  lautete  dahin:  „(üeil  üavisor  für- 
gibt,  das  er  als  ein  Jldelsperson  und  ITlitlandmann  der  Candtsfreiheit 
sowol  als  andere  Berrn  und  Candtleut  zu  genielKn  habe,  das  Gericht 
aber  umb  dieses,  das  £r  ein  Jldelsperson  vnd  angenommener  Candt-- 
mann  wäre,  khein  wissen  habe,  demnach  werde  diese  sach  in  die  nächste 
üerhör  angestellt"  und  es  wird  zu  diesem  vorläufigen  Urteile  angefügt: 
es  habe  zu  diesem  nächsten  üerhöre  er  (üavisor)  seine  Jldelsfreyheit 
(das  heilet  die  Kompetenz  des  Falles  für  die  sogenannten  Cand--  und 
Bofrechte)  und  auch  seine  mitlandmannschaft  zu  beweisen,  „mittlerweile 
solle  aber  der  Kläger  üasel  samt  sein  Stief-  und  rechten  Kindern  bei  der 
Buben  unbetrübt  bleiben"  und  demselben  der  durch  den  Beklagten  ent-- 
zogene  Jicker  wieder  ausgefolgt  werden. ^^ 

Der  adelige  Stand  des  Bieronymus  üalvasor  erscheint  aber  infolge- 
dessen von  der  krainischen  Candschaft  unter  dem  jähre  1602  anerkannt. 

(üir  begegnen  nämlich  in  den  landschaftlichen  Jlkten^^  unterm  12.  Jlpril 
1602  der  Hufzeichnung,  dat^  dem  Bieronymus  von  üalvasor  über  sein 
einschreiten  „aus  dem  währenden  Candtage"  „in  Jlnsehen  seines  ehr- 
lichen und  adeligen  Standes   und   dann  nicht  weniger  seiner  erkannten 

''  Inventar  1625,  Briefliebe  Urkunde  Hr.  SO. 

"^  0ül(bud)  von  Krain  1500,  fol.  57/b.  JTrcbiv  des  k.  k.  Candesgerid)les  in  Caibacb 
(Candtafel). 

"  mitteilungen  des  bist.  Der.  f.  Krain  1863,  p.  6  f. 
'-  üizedomarcbiv  im  landsd).  IDuseuni  Rudolfinuni. 


'S)    17    'S) 

und  berühmten  Cugenden  und  Qualitäten  wegen  die  JTufnabme  in  die 
Candmannscbaft  des  Herzogtums  Krain  bewilligt  wurde." 

Gs  geborte  nun  Berr  Bieronymus  von  Ualvasor  den  Ständen  des 
Herzogtums  Krain  an  und  diese  Zugehörigkeit  zum  JIdel  Krains  blieb  für 
die  5^amilie  fortan  aufrecht. 

Im  selben  Oahre  1602  finden  wir  Herrn  Hieronymus  von  Ualvasor  als 
Ceilhaber  der  Kupfergewerkschaft  Ratschach  in  ünterkrain. 

Herr  Johann  Baptist  Ualvasor  hatte  in  seinem  Testamente  den  Herren 
von  moscon  auch  die  Herrsd)aft  Ratschach  bei  Steinbrück  testiert  und  zu 
dieser  Herrschaft  gehörte  auch  ein  Kupferbergwerk  im  sogenannten 
0oldbache  zu  Ratschach. 

Bezüglich  dieses  Kupferbergwerkes  richteten  nun  die  Ceilhaber  Herr 
niarx  Jlnton  Hloscon  und  Hieronymus  Ualvasor  an  die  innerösterreichisd)e 
Regierung  die  Bitte,  ihnen  wegen  zu  geringer  Grgiebigkeit  des  CUerkes 
einerseits  und  wegen  zu  grot^er  für  die  Erzgewinnung  und  lUerkseinrich-- 
tung  auferlaufenen  Kosten  anderseits  die  5^ron  und  Jlbgaben  auf  sechs 
3ahre  zu  erlassen.  Die  innerösterreichische  Hofkammer  riet  aber  nur  auf 
eine  nachsieht  für  drei  3ahre  ein. 

Ihr  diesbezüglicher  Bericht  an  den  Erzherzog --Regenten  5^erdinand 
(Kaiser  5^erdinand  IL)  lautet  wörtlich  wie  folgt: 

Bericht  der  n.  ö.  Hofkammer  an  Hrstl.  Durchlaucht. 

Irer  fürstl:  Dur:  etc.  Unserem  genedigisten  Herrn  von  der  n.  ö.  Cammer, 
dass  lHarx  Anthony  moskhon  und  Hieronimi  Uavasors  Pro  auf  Sechs  3ar 
Grlassung  der  5^ron  von  Trem  zu  Ratschach  in  Goldpach  pauenden  Kupfer 
Perkwerch  vnd  den  dabey  aufbringenden  Kupfer  gebierenden  Jlufschlag 
eingebracht  vnderthenigist  Supplicieren  vnd  des  Oberperkrichters  daselbst 
in  Crain^^  darüber  gethanen  Bericht  zu  übergeben  und  anzuzeigen:  dass 
es  sich  3a  befinde,  dass  dieses  Perchwerch  gar  schmal  und  einen  geringen 
Halt  (Gehalt)  der  Pruch  und  dahero  mehrer  Uerlag  (Kosten)  auf  das 
Pud)en,3*  wasch, 2^  schlich, ^^   Rost^^   und   schmelzen ^^   als   die   ganzen 


"  Don  1595  bis  1602  versah  dieses  JTmt  Rerr  midiael  Rarrer  von  fldelsbübel,  von 
1602  bis  161$  herr  llalentin  Oslar.  (Ualvasor,  ebre  des  Herzogtums  Krain,  I.  [III.],  p.  3$3  f.) 

^^  Zerschlagen  der  Grze  in  kleine  Stücke.  —  ^^  Das  Gebäude,  in  welchem  das  zer- 
kleinerte €rz  mittelst  auf  dasselbe  geleiteten  Olassers  gewascl)en  wird.  —  ^^  Das  klein- 
gepochte,  von  allen  Unarten  oder  Bergarten  durch  Schlämmen  oder  Waschen  gereinigte 
Erz.  —  ^^  €ine  mit  drei  mauern  eingefaßte,  oben  offene  Stätte,  worin  Erz  geröstet  wird, 
acht  bis  zwölf  eilen  im  Geviert  und  drei  eilen  tief.  —  ''^  erz  durch  Feuerkraft  in 
flüssigen  Zustand  versetzen  und  das  Gestein  oder  die  Unarten  zu  Schlacken  oder  in 
einen  glasartigen  Körper  verwandeln. 

V.  Radics,  Ualvasor.  ^ 


'S      1$      'S) 

(sämtlichen)  Bxit  (Grze)  gern  (bieten),  zudem  solches  Pruchwerch  nicht  allein 
vnd  ohne  andere  Jlerzt  geschmelzt  werden  kann,  sondern  fast  (starke) 
doppelte  üncosten  auferlauft,  inmassen  denn  die  vorigen  vnd  jetzigen 
Gewerken  sanimt  Grpauung  der  CUerchgader  (Cüerkhütten)  bereits  über 
die  4000  fl.  darin  verpaut  vnd  darnach  nichts  ergiebiges  dabey  auf-- 
gepracht,  aber  dennoch  auf  die  gepetenen  sechs  jare  die  Grlassung  der 
5ron  und  Jlufschlags  —  unerachtet  es  nicht  soviel  eintragen  würde  — 
zuviel  wäre.  CUan  Ire  fürstl.  Durchlaucht  aber  Inen  0ewerkhen  dieselben, 
—  dass  dan  zu  Ihrer  fürstl.  Durchlaucht  gnädigsten  Belieben  steht,  die 
Cammer  es  auch  in  Unterthenigkheit  nicht  widerrathen  haben  wollte, 
zu  Grhaltung  des  Paulusts  auf  die  drei  j^bi*  gnädigst  nachliessen,  Sie 
(die  6ewerken)  Ihres  (der  Cammer)  gehorsamsten  Trachtens,  für  dies-- 
mal  content  sein  sollen,  doch  steht  es  zu  Ihrer  5^ürstl.  Durchlaucht 
gnädigsten  Belieben,  wessen  Sie  Sich  hierüber  mit  Gnaden  entschliessen 
werden  wollen.  Ihro  (Jürstl.  Durchlaucht)  sich  dabey  in  ünterthänigkeit 
befehlend.  Jlctum  Graz  den  zwölften  Ouny  im  eintausend  Sechshundert 
und  änderten  (zweiten)  O^br. 

üierzehn  Cage  später,  ddo.  Graz,  26.  Juni  1602,  erfolgte  die  Entscheidung 
des  Grzherzog-Regenten  im  Sinne  des  eben  mitgeteilten  Uorschlages  der 
innerösterreichischen  [)ofkammer  mit  Gewährung  des  5ron--nachlas$es  auf 
drei  jähre  und  unter  Hervorhebung  des  IDotivs  dieses  Hachlasses,  damit 
nämlich  die  Bittsteller  „bei  dem  Pawlust"  erhalten  bleiben. 

Die  erzherzogliche  Entscheidung  hat  nachstehenden  (Uortlaut: 

t 

^Ferdinand 

Bus  denen  in  Guren  über  Hlarxen  Jlnthonjen  Hloscon  vnd  Rieronimi 
üavasor  vmb  Erlassung  der  von  Irem  zu  Katschach  pauenden  vnd  auf- 
bringenden Hupfer  vndterthenigists  Suppliciern  vns  gehorsambist  vber-- 
reichten  guetachten  vnd  rath  inserierten  vrsachen  zumall  aber  darumben, 
damit  die  Supplicanten  bei  dem  Pawlust  erhalten  werden,  lassen  wir  Inen 
die  5^ron  auf  drey  3ar  lang  gnedigist  nach,  Euch  befelchent  sy  dieser 
vnserer  Resolution  gemä(5  zu  bescheiden  und  die  verner  notwendige  Uer- 
ordnung  fürzukeren.  Bn  dem  dato  Graz  26  3i^"J  1^02. 

En  die  Camer.^Q 

Es  entsteht  nun  die  5^rage:  CUie  lange  hin  wurde  dieses  Kupferberg- 
werk ((Jüaschwerk)  dann  noch  in  Betrieb  erhalten? 

^^  StattbaHcrei-Hrcbiv  in  Graz,  hofkammcrakten  llr.  47. 


-2)      10      '§) 

Die  Berrscbaft  Ratscbacb  ging  noch  im  Caufe  des  17.  Jahrhunderts  aus 
dem  Besitze  der  Berren  von  nioscon  in  den  der  Berren  von  Gall  über*<> 
und  es  scheint  das  „zu  Ratschach  im  ßoldbach"  gelegene  Kupferbergwerk 
zur  Zeit  unseres  Chronisten  Johann  CUeikhard  Ireiherrn  von  Ualvasor 
nid)t  mehr  in  Betrieb  gewesen  zu  sein,  da  wir  unter  den  von  ihm  in 
seiner  Ghre  des  Herzogtums  Krain*^  aufgeführten  Kupfererzstätten  des  Candes 
Krain  eine  sold)e  zu  Ratschach  in  Krain  nicht  erwähnt  finden. 

üom  Großvater  ßieronymus  käme  hier  nur  noch  zu  berichten,  daf? 
derselbe  im  Jahre  1612  das  Zeitliche  segnete;  denn  es  wird  in  einem 
Inventar  nach  seinem  Sohne  Edam  (vom  Jahre  1625)  unter  den  brief= 
lid)en  Urkunden  erwähnt:  „Gin  Inventar]  vber  weilandt  Berrn  ßieronymi 
Ualvasoren  seel  hinterlassen  brieflichen  Urkunden  1612,  4  Jlpril."'^^ 

In  demselben  Inventar  nach  Berrn  Jldam  Ualvasor  vom  Jahre  1625 
begegnen  wir  unter  den  brieflichen  Urkunden  erwähnt:  Inuent:  Berrn 
Bieronimo  Ualvasor  so  zwischen  5^rauen  Jignes  Ualvasorin  (Gemahlin  des 
Bieronymus),  dann  Berrn  fldam  (Sohne)  Ualvasorn  gleiche  Cheil  abgeteilt 
worden  Sie  5^rau  auch  Berrn  Bartlmeen  (erstgebornen  Sohnes)  Ualvasorn  ^ 

theil   empfangen  solchen  Ihme  Berrn  zu  überantworten  wirdet  wissen.  1 

datum  Caybach  in  wehrenden  Candtrechten  nach  Crium  Regum  anno  1613.*^ 

J\u{m  den   Söhnen  Bartholomäus   und  J^dam   Ualvasor  besa[5  Berr  ^ 

Bieronymus  von  Ualvasor  aus  seiner  €he  mit  Jlgnes  von  Sd)eyer  auch  .1 

eine  Cochter  Sophie,  welche  als  CUitwe  nach  Johann  J!dam  von  JRpfaltrern 
im  Jahre  1624  das  Schloff  Obermötnikh  (in  Oberkrain)  erkaufte.** 


^'^  Ualvasor,  Gbre  des  herzogtums  Krain,  III.  (XI.),  p.  464. 

''  I.  (III.),  p.  427. 

*^  JIrd)iv  des  k.  k.  Candesgerid)tes  in  Caibad):  Inventar. 

"  ebenda. 

**  Ualvasor,  €bre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  424. 


3^. 


-w* 


Die  eifern  ?ohann  Weikhards: 

Bartholomäus  pon  Valpasor 
und  Hnna  maria  geb.  Rauber  pon  Kreutberg. 


o  o  o 


fuf  dem  höben  landscbaftlicben  Uertrauensposten  eines  „Uerordneten" 
der  krainiscben  Candscbaft  (nacb  beutigem  Ausdrucke  Candes- 
ausscbu(5-Beisitzer)  und  zugleich  mit  dem  JImte  eines  „General-- 
einnebmers"*^  betraut,  tritt  uns  der  Uater  unseres  3obann  Cüeik-- 
bard  Jreiberrn  von  Ualvasor,  als  ßerrscbaftsbesitzer  auf  die  Uermebrung  und 
Besserung  seiner  Ciegenscbaften  bestens  bedacht,  festen  und  entschiedenen 
Charakters,  streng  im  CUillen,  manchmal  etwas  hart  in  Jlusfübrung  seiner 
Absichten,  nicht  ohne  Streitsucht,  namentlich  wo  es  die  Uertretung  der 
herrschaftlichen  Interessen  gilt,  doch  stets  loyal  in  Uertretung  der  Candes-- 
interessen,  als  feudaler  von  altem  Schrot  und  Korn,  entgegen.  Eeutseligkeit 
gegen  jene  Untertanen,  die  er  ins  Berz  geschlossen,  fehlt  ihm  nicht. 

Und  an  der  Seite  des  Berrn  Bartholomäus  von  Ualvasor  waltet 
3obann  CUeikbards  Hlutter,  Iran  Anna  IDaria  aus  dem  altberübmten, 
im  Uaterlande  so  volkstümlich  gewordenen  Gescblecbte  derer  von 
Rauber;  wir  erinnern  nur  an  das  von  Anastasius  0rün  so  meisterhaft 
ins  Deutsche  übertragene  sloveniscbe  Uolkslied  „Uom  Rerrn  Rauber",  dem 
heldenhaften  !?übrer  in  der  Gntscheidungsschlacht  bei  Sissek  (1593)  gegen 
das  Cürkenbeer  des  ßassan  Pascha;  sie  waltet,  die  wahrhaft  vornehme 
Dame  voll  edler  Gesinnung,  aber  auch  ebenso  entschiedenen  festen  Charak- 
ters gleich  ihrem  Gemahl,  als  tüchtige  Schlol5frau  und  vielbesorgte  mutter 
einer  Schar  von  Kindern  —  es  waren  deren  im  ganzen  17,  in  deren  Reibe 
unser  3ohann  (Ueikbard  der  zwölfte  gewesen  —  mit  haushälterischem 
Gebaren,  ohne  jedoch  die  Rücksichten  aus  dem  Auge  zu  lassen,  die  ihr 
Stand  erfordert,  in  Kleidung  und  Schmuck  und  im  allgemeinen  dasjenige 
wohl  beachtend  und  verfolgend,  was  wir  heute  den  Crain  des  vornehmen 
Rauses  nennen. 

-X- 

Bartholomäus  von  Ualvasor  hatte  als  Erstgeborner  aus  der  Ghe  seines 
Uaters  Rieronymus  mit  Agnes  von  Scheyer  um  1596  auf  Schlo(5  Calleneck 


a 


*^  „Der  GeneTalcinnebmer  nimmt  die  Cand-  (landschaftncl)en)  Gelder  ein,  flibl  sie 
aucb  wiederum  aus  und  bat  die  Candkassa  in  Uerwabrung."  (Ualvasor,  III.  (X.),  p.  4.) 


'S)    24    'S) 

das  Cicbt  der  CUelt  erblickt.  Im  Jllter  von  beiläufig  sieben  jabren  erscheint 
er  in  ßemeinscbaft  mit  seinem  Bruder  Jldam  durcb  Cebensbrief  des  Grz-- 
berzog-Regenten  Ferdinand,  ddo.  Graz,  17.  Hpril  1603,  mit  der  Rerrscbaft 
6alleneck  belehnt,"  welche  Belehnung  für  ihn  dann  später  durch  Cehens-- 
brief  Kaiser  5^erdinand  III.,  ddo.  UJien,  4.  Februar  1651,  erneuert  wurde/' 

Im  3äbre  1610  (unterm  15.  Februar)  wird  „Bartholomäus  Ualvasor 
De  ßollneg  Dobilis  Carniolus  Gx  Syntaxi"  in  der  Hlatrikel  der  ßrazer 
Universität,^^  damaligen  Kollegiums  der  Jesuiten,  eingetragen,  zählte  also 
als  Schüler  der  vierten  Cateinschule  beiläufig  14  Jahre;  1611  erscheint  er 
dann  als  „Sacrae  Poeseos  Studiosus"  eingeschrieben  in  einem  noch  in 
Jlgram  (erzbischöfliche  Bibliothek)  erhaltenen  Exemplare  des  „Sallust" 
aus  der  reichen  Bücherei  seines  Sohnes  Johann  Cüeikhard,  die,  wie  wir 
später  ausführlich  dartun  werden,  aus  dem  Besitze  des  Bistoriographen  in 
das  eigen  des  Jigramer  Erzbistums  überging. 

„nachdem  l)err  Christoph  von  Obritschau,  der  letzte  dieses  Hamens 
und  Stammes,  um  das  Jahr  1615  durch  den  Cod  entseelt  worden,  hat  sich 
—  wie  Johann  Cüeikhard  Ualvasor  schreibt*^  —  seine  Erbschaft  in 
sed)zig  Cheil  getheilet  und  ist  das  Schloss  Jlltenburg  (in  Unterkrain)^® 
auf  Berrn  Bartholome  Ualvasor  seel.  gefallen,  der  es  hernach  einem 
Berrn  mathesitsch  verkaufft." 

Uon  seinem  Bruder  Jldam  erkaufte  Rerr  Bartholomäus  etliche  (um 
ßalleneck  herum  gelegene)  Buben  und  ßofstätte,  um  den  Besitz  der  ßerr-- 
schaft  zu  arrondieren  (Kaufbrief  ddo.  3.  Jlugust  1623). ^^ 

Um  diese  Zeit  war  Rerr  Bartholomäus  bereits  in  erster  €he  vermählt 
mit  niaria  Glisabeth,  gebornen  von  Dornberg,  die  1625  (5.  ITlai)  als 
Caufpatin  zusammen  mit  Dietrich  5^reiherrn  von  Jluersperg  bei  der  in 
Caibach  stattgehabten  Caufe  der  Cochter  Jlnna  5^ranziska  der  €heleute 
Johann  Jakob  Gdlen  von  Kirchmayr  und  Salome  €dlen  von  Kirchmayr  als 


^^  Candsd)aftlid)es  Hrcl)iv  im  Uluscum  Rudolfinum,  Cebensakten. 

*''  Inventar  nacb  JIdam  Scifrid,  ü.  16Q0,  Briefl.  Urk.  Hr.  I,  JIrd)iv  des  k.  k.  Candcs- 
gcricbtcs  in  Caibad).  In  demselben  Inventar  wird  auch  unter  den  briefl.  Urk.  (ür.  03) 
eine  undatierte  Urkunde  registriert:  €in  Hction  zwisd)en  Jrauen  Agnes  Ualvasorin,  dann 
f)crrn  Bartlme  und  Rerrn  fldam  üalvasorn,  v^obey  sieb  ein  Originalkaufbrieff  „so 
zwiscben  jetzbesagten  Partbeien  wegen  des  guts  ßalleneck  gescblossen  worden"  befindet. 

^^  ms.  der  k.  k.  Universitätsbibliotbek  in  Graz,  fol.  26/a. 

"  €hre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  15. 

'"  f)eute  im  Besitze  des  Rerrn  k.  k.  Regierungsrates  i.  R.  Rudolf  0rafen  margberi, 
der  dieses  Scblol?  —  eines  der  ältesten  Krains  —  auf^en  und  innen  stilgerecbt 
restauriert,  flnm.  d.  Uerf. 

^'  Inventar  von  1625,  JIrcbiv  des  k.  k.  Candesgericbtes  in  Caibad). 


'S)    25    'S) 

lHaria  €li$abetb  Ualvasorin   nata  a  Dornberg  in  der  matrikel  der  Dom- 
pfarre Caibacb  eingetragen  erscbeint.^^ 

Diese  seine  erste  ßemablin  be$cbeni<te  ibn  mit  sieben  Kindern,  vier 
Söbnen  und  drei  Cöcbtern,^^  von  denen  zur  Zeit  des  Erscheinens  der 
„€bre  des  Berzogtbums  0rain"  (16S9)  nur  mehr  der  Sobn  Karl^*  und 
die  Cocbter  Elisabeth,  Klosterfrau  zu  lHünkendorf,  am  Ceben  waren. 

Berr   Bartholomäus   pon  Paluasor   als   Illitglied 
der  krainisdien  [landsdiaft* 

Die  Candtagsprotokolle  vom  O^bi*^  ^^23  an  geben  uns  ein  anschau- 
liches Bild  seiner  Cätigkeit  als  IDitlandmann;  er  erscheint  sehr  häufig  in 
den  flusschu(5--  und  Candtagssitzungen;  er  ergreift  oft  und  oft  das  (üort 
und  gibt  in  u)id)tig'en  Beratungen  und  Beschlüssen  seine  wohlerwogene 
Stimme  ab.  iXlir  lernen  in  ihm  im  allgemeinen  einen  gewiegten  Parla- 
mentarier kennen,  der  sich  nicht  scheut,  seiner  Überzeugung  Jlusdruck  zu 
geben,  wie  er  sich  anderseits  gern  und  willig  überzeugenden  Darlegungen 
des  einen  oder  anderen  tllitlandmannes  anschlief^t. 

Gleich  im  3ahre  1623  sehen  wir  ßerrn  Bartholomäus  von  üalvasor 
der  wichtigen  Beratung  vom  15.  IDärz,  9  Uhr  früh,  anwohnen;  da  sind 
in  der  Eandstube  u.  a.  versammelt:  Der  Präsident,  der  Eandesverwalter, 
der  Candesvizedom,  Berr  Rauber,  Graf  Dikolaus  von  Cersaz,  0raf  CUolf 
Christian  von  Cersaz,  Kazianer;  accessit:  Berr  Chumbprobst,  Berr  Ein- 
nember,  dann  die  Berren  Balthasar  Rambschissel,  Georg  ßussitsch.  Bans  Oakob 
Jlpfaltrer,  3obst  0all,  Ualerj  nioscon,  Bartlme  Ualvisor,  Pantaleon  usw. 

Gegenstand  der  Beratung  war  die  durch  ein  Schreiben  des  Baupt- 
mannes  in  Hlitterburg  (Pisino)  angeregte  Besorgnis  vor  einem  frieden- 
bredienden^^  ,Jürbruch  der  Uenediger'*,  dem  vorzubeugen  die  krainische 
Landschaft,  wie  gegen  die  Cürken  so  auch  gegen  den  Cöwen  von  S.  fllarco 
seit  mehr  als  einem  Oahrhundert  mit  Gut  und  Blut  auf  der  Cüehr,  wie 
immer  so  aud)  jetzt  eifrigst  bestrebt  war.  Die  Beratung  endete  mit 
dem  einhelligen  Beschlüsse,  dahingehend:  „dass  vor  allen  Dingen  der 
Pa(5  am  Uutschkaberge  (monte  maggiore)  und  zu  IHune  zeitlich  besetzt 

'^  Cibcr  Baptiz.  IV.,  p.  1$2. 

^'^  Siebe  Stammbaum:  Im  JTnbange. 

^^  Siebe  Abteilung:  hervorragende  Familienmitglieder  in  den  Cagcn  und  nacb 
3obann  Hleikbard. 

"  Der  Friede  mit  Uenedig  war  von  der  kais.  lllajestät  1017  geschlossen  worden. 
Friedensartikel  bei  üalvasor  IV.  (XV.),  p.  5$6  ff. 


'S)    26    -© 

und  Rerr  Banns  3akob  Jlpfaltrer  zu  desto  eigentlicher  Grforscbung  der 
Sachen  hineinwärts  abgeordnet  werde,  welcher  auch  die  darinigen  Raubt-- 
leuth  in  der  bereitschaft  zu  stehen  vennanen  sollte.**  ferner  beschlo(5  man : 
des  l)auptnianns  von  mitterburg  Schreiben  dem  geheimen  Kriegsrate  „ein-- 
zu$chlie[5en"  und  denselben  zu  erinnern,  da(5  man  die  Jlbordnung  des 
Berrn  von  Jlpfaltrer  und  „was  in  der  eyl  zu  thun  gewest",  beschlossen, 
zugleich  „bittend,  zeitlich  gute  5ürsehung  zu  thun**;  auch  beklagte  man 
sich  beim  geheimen  Kriegsrate,  da(5  der  Berr  Oberst  an  der  kroatischen 
Grenze  von  seiner  Stelle  „so  lang  auf^en  sei**  und  stellte  es  dringend 
vor,  es  möge  mit  der  Hlunition  so  viel  als  möglich  geholfen  werden. ^*^ 

In  der  Candtagssession  Oänner  1625  begegnen  wir  unserem  Berrn 
Bartlme  üalvasor  in  den  Sitzungen  vom  15.,  16.,  1$.,  23.,  24.,  21,,  2$. 
und  30.  3änner.  Jim  24.  3änner  waren  die  Berren  Uor--  und  nachmittag 
versammelt  und  es  wurde  eine  den  landschaftlichen  Geschäftsgang  auf 
das  innigste  berührende  Angelegenheit  verhandelt.  ITlan  hatte  nämlich  im 
Jahre  1620  einen  Beschlu(5  betreffs  „der  Ersetz-  und  Bedienung**  der 
Uerordneten-- (Candesau$schu[5-)  Stelle  gefa(3t,  der  sich  in  der  Praxis  die 
jähre  her  nicht  bewährt  hatte,  da(5  nämlich  alle  zwei  Jahre  die  zwei 
ältesten-''  Uerordneten  abtreten  und  die  zwei  jüngsten  im  JImte  ver- 
bleiben sollten;  es  wurde  aber  befunden,  da(5  solche  Ordnung  dem 
gemeinen  Putzen  schädlich,  denn  in  zwei  Jähren  erfährt  man  kaum  den 
Stand  der  Candessachen.  Die  Berren  beschlossen  nun  in  diesem  Landtage, 
es  sollen  der  Berr  Chumbprobst  und  der  Berr  Rauber  auch  noch  über 
das  dritte  Jahr  in  der  Stelle  bleiben, ^^  da  sie  über  das  „statutum 
drey  Jahr  gedient  und  die  Grfahrenheit  allererst  recht  erlangt**. 

Diesem  Beschlüsse  trat  auch  Berr  Bartlme  üalvasor  gewi(5  gerne  bei, 
da  wir  ihn,  wie  schon  angedeutet,  bei  allen  die  Candeswohlfahrt  betreffen-- 
den  Jlktionen  auf  Seite  der  CUohlerwägenden  finden. 

Bauptsächlich  aber  in  Jinanzangelegenheiten  hatte  er  stets  diese 
Candeswohlfahrt  unverrückt  im  Jluge.  Da  sind  es  die  üerhandlungen  des 
Jahres  1626,  die  ihm  in  dieser  Richtung  wiederholt  Jlnlaf^  geben,  sein 
Cüort  einzulegen  für  die  Schonung  der  Candesfinanzen,  so  namentlich  in 
puncto  des  Salzappalto  (üenedig  gegenüber),  dann  des  von  der  Regierung 
begehrten  Beitrages  zur  Reise  auf  den  Deputationstag  im  römisch--deutschen 
Reich,   „nachdem   kein    Geld   im  Jlmt   und   bei   den   leulhen,   alle  mittel 


'«  CandtagsprotokoH  nr.  15  vom  Jahre  1622  bis  1633,  fol.  70/b,  71/a. 

"  Der  OJabl  nad). 

'«  CandtagsprotokoH  1.  c,  fol.  330/a,  331/b,  332;b. 


"&  n  'S) 

abgescbnitten  seien  und  Geld  keines  zu  bekommen  sei,"^^  weiters  in' 
Hngelegenbeit  der  proponierten  Grböbung  der  2V2  ßültsteuer  und  anderer 
JInlagen,  wogegen  er,  den  Jlusfübrungen  des  ßerrn  Bans  3^riedrid)  Räuber 
folgend,  seine  Stimme  erbebt;  ebenso  ist  er  in  der  Sitzung  vom  1$.  Jlugust 
1626  gegen  die  Bewilligung  eines  Restes  von  15.000  fl.  für  die  Grenze, 
nacbdem  in  der  Sitzung  vom  10.  Juni  bereits  die  Summe  von  75.000  fl. 
für  das  beurige  3^br  bewilligt  worden,  da  das  bare  Geld  nicbt  vorbanden, 
und  er  stimmt  mit  dem  Präsidenten  dafür:  es  solle  mit  einem  Raufmanne 
gebandelt  werden,  der  um  10.000  fl.  Cüare  bergeben  möge,^*^  sowie  in 
anderen  5^ällen  mebr. 

mit  einem  selbständigen  und  gewi^  zu  einer  Jlbbilfe  in  der  5^inanz-- 
not  der  Candscbaft  best  geeigneten  Anträge  seben  wir  unseren  Berrn 
von  Ualvasor  in  dem  Candtage  von  1636  bervortreten,  in  welcbem 
sieb  eine  lebbafte  Debatte  wegen  Bescbaffung  einer  Summe  von  30.000  fl. 
entwickelte,  welcbe  wir  bier  nacb  dem  bezüglicben  Protokolle  nabezu  wört-- 
licb  wiedergeben  wollen,  zugleicb  als  ein  Bild,  wie  man  vor  270  3abren 
im  krainiscben  Candtage  zu  verbandeln  pflegte. 

Scbon  im  O^bre  1630  war  die  Hot  der  Candscbaft  eine  grolle  gewesen 
und  es  macbte  der  Grblandmarscball  Dietricb  5^reiberr  von  Jluersperg  im 
Candtage  vom  30.  Oänner  die  Eröffnung,  daf?  die  ausgaben  die  Ginnabmen 
um  16690  fl.  übertreffen;  „es  möge  Ratb  gescbafft  werden";  in  der  Be-- 
ratung  stimmte  Ualvasor  mit  dem  Berrn  Paradeiser  dabin,  „Geld  auf 
Interesse  aufzunebmen,  darauf  sei  keine  Raitung  zu  macben",  und  so  kam 
er  dann  1636  mit  seinem  selbstäiidiöen  Mrage  auf  £infubrunö  der  ifeopf« 
Steuer* 

es  war  am  1$.  Februar  des  ]abres  1636,  vormittags,  da(5  der  Grb- 
landmarscball  im  Candtage  die  Eröffnung  macbte,  „es  sei  in  jüngster 
Session  der  Scblu(5  dabin  ergangen,  der  Römiscb-Rayserlicben  majestät  als 
Bilfe  (für  die  Rriegsläufe)  30.000  fl.  zu  verwilligen,  von  den  mittein 
(der  Bedeckung)  aber  in  einer  absonderlicben  Session  zu  bandeln,  derent- 
wegen wolle  er  den  Uorscblag  der  mittel  (von  den  lierren)  erwarten". 

mit  diesen  CUorten  war  die  Debatte  eröffnet.  Als  erster  Redner  batte 
das  mitglied  der  geistlicben  Bank  Dompropst  Peter  von  Ceuscbenboff 
das  [Uort,  der  sieb  jedocb  mit  der  kurzen  Bemerkung,  er  wisse  keine 
mittel  vorzuscblagen,  nicbt  weiter  an  der  üerbandlung  beteiligen  wollte 
und  seines  Cüortes  begab. 


^^ 


^*  CandtagsprotokoH  1.  c,  fol.  403/b. 
«'^  ebenda,  fol.  414/a. 


'S)    2$    -© 

B\$  nächster  Redner  trat  der  Präses  der  üerordneten  ßerr  Georg 
Baltbasar  5^reiberr  von  Kazianer  auf  und  fafcte  seine  lUeinung  dabin-- 
gebend:  „Ulan  bab  neulieb  auf  die  Enlag  (Steuer)  auf  den  Rerrn  und 
Pauren  gedacbt,  die  sey  nun  also  beschaffen,  da(5  die  Schwierigkeit  (Be-- 
scbwerung)  noch  nit  aus  dem  Sinn  und  derentwegen  sey  auf  dieselben 
zu  schlagen  (sie  noch  weiter  zu  besteuern)  gantz  bedenklich,  der  Berr  und 
Candtmann  können  es  auch  nit  übertragen  (aushalten).  Hlan  solle  sich 
nach  den  Steierischen  und  Kbärndtnerischen  Hlitteln  regulieren."  „Die  üer-- 
fübrung  der  Ochsen  sey  auch  ein  mittel,  die  €rsanibe  Candtschaft  könne 
einen  Pa(5brief  auf  dieselben,  ungefähr  auf  12.000  Stück,  begehren  und 
den  Pa[5brief  wegen  des  6etreid  urgiren." 

Berr  l)ann(5  Jldam  Khaysell,  Chumbdechant:  „nian  solle  auf  die 
Offiziere  (Beamten  der  Landschaft),  so  sich  bei  der  Candtschaft  bereichert  (!), 
schlagen." 

l)err  üalerius  5^reiherr  von  ITloscbkan  (llloscon):  „Uermeint,  man 
solle  auf  den  Berrn  und  Untertban  ein  anlag,  als  30  oder  45  Kreuzer 
schlagen,  item  den  einen  Gulden  vom  Interesse  (in  Jlbzug  bringen)  (von 
den  bei  der  Landschaft  angelegten  Kapitalien);  item  die  Pa(5brief  (urgieren)." 

Berr  l)ann(3  Jranz  von  Sigesdorff:  „üt  (wie)  ßerr  Hloscon";  „addirt 
(mit  dem  Zusatzantrage):  man  solle  auf  die  Hobilitierten  (Heugeadelten) 
eine  Jlnlag  machen." 

Rerr  ITiax  Paradeyser,  Freiherr ^M  „Uermeint,  es  werde  bey  den 
Unterthanen  einen  Jlufstand  verursachen,  doch  könnte  man  zwischen 
denen  von  Unter--  und  Oberkrain  einen  Unterschied  machen  und  pro-- 
portionaliter  auf  die  Oberkrainer  45  kr.,  auf  die  Unterkrainer  30  kr.  und 
auf  den  Candmann  auch  30  kr.  legen.  Item  den  Sechsten  Gulden  von 
l)undert,  6  pGt.  (Vo),  hey  den  Obligationen;  auch  in  der  Candtagsschrift^^ 
inseriren  (anfügen),  dat5  Ihre  niajestät  die  Jlufkündung  verhueten.  Item 
die  vorbemelten  mittel  (Pa()brief)." 

¥}zu  Innocent  5^reiherr  von  Ggk:  „Caf^t  sich  die  30  kr.  auf  den  f)errn 
und  Candtmann  gefallen." 

Berr  [)anns  3acob  von  3uritsch,  Freiherr:  „üt  f)err  max  Paradeyser 
einen  proportionirten  Anschlag  auf  die  Unter-  und  Oberkrainer  zu  machen, 
weil  (auch)  das  Getreid  in  Ober-  und  Unterkrain  in  einem  verschiedenen 
Jlnscblag  (verschieden  besteuert  sei).'' 

Rerr  Jlchaz  Issenbäuser  macht  darauf  aufmerksam:  „der  Unterschied 
zwischen  den  Unter-  und  Oberkrainern  möchte  ein  Rebellion  verursachen. 

*^  Gcncralcinncbmcr  der  Steuern  und  Abgaben  für  die  krainiscbe  Candscbaft. 
^-  Candtagsreplik  auf  die  kais.  Forderung. 


-©    20    'S 

€r  $d)lägt  die  Besteuerung  vor  auf  die  (Uecbsler  (Bankiers).  Item  so 
Geld  in  den  Cruben  haben  (Kapitalisten),  item  auf  die  Dobilitierten  (Heu-- 
geadelten)  einen  Enscblag  zu  macben." 

Berr  Bannf^  Hdam  ÜJernegk:  „Ut  Berr  Praeses." 

Berr  Eeopold  Rambscbif^l:  ,,Ut  Berr  ßeneraleinnemer  und  Berr  Issen- 
bäuser," 

Berr  JIndree  Daniel  Barbo:  „Hlan  solle  die  Offiziere  (landscbaftlicben 
Beamten)  befragen,  durcb  was  Hlittel  sie  sieb  bereichert  und  dieselben 
gebraueben.  Ca(5t  sieb  die  30  kr.  (auf  den  Berrn  und  Candmann)  gefallen. 
Item  die  Pa(3brief,  item  die  Freisassen." 

Berr  €mericb  Giall:  „Ut  Berr  ßeneraleinnemer." 

Berr  Georg  Sigmund  Baller:  „Ut  Berr  Barbo." 

Dun  kommt  Berr  Bartholomäus  Ualvasor  zum  CUort  und  er  spricht 
gelassen  das  gro[5e  CUort  aus:  „Hlan  soll  auf  die  Ceiber  ein  Jlnscblag 
mad)en*';  er  schlägt  also  die  €inführung  der  Kopfsteuer  vor  (nach  Corenz 
von  Stein  die  roheste  5^orm  aller  Besteuerung*^^),  über  deren  Jlnwendung  in 
au(5erordentlicben  3^ällen  jedoch  ältere  Finanzschriftsteller,  wie  wir  später 
sehen  werden,  CUorte  der  Gntscbuldigung  vorzubringen  wu(5ten. 

Berr  Banns  Georg  Posarel:  „Uermeint,  man  solle  auf  die  Crabati- 
sehen  Ochsen  einen  Anschlag  machen,  auf  die  ungarischen  könne  man 
nichts  begehren,  denn  der  Bergamasco  (Bändler  aus  Bergamo)  bat 
diesen  Bändel.  Jluf  das  Interesse  solle  man  schlagen  generice  (im  all-- 
gemeinen).'' 

Berr  Georg  Khaisell:  „Drei(5ig  Kreuzer  auf  den  Berrn  und  Candmann  und 
den  Unterthan  zu  schlagen.  Item  auf  die  reichen  Pfleger  (Uerwalter)."^* 

Berr  3obann  Sonze:  „Ut  Berr  Generaleinnemer,  doch  solle  der  Berr 
und  Candmann  zwischen  den  Reichen  und  Armen  ein  Unterschied  machen." 

Berr  Grafenweger:  „Ut  Berr  Generaleinnemer." 

Berr  Christoph  Otto  (Bürgermeister  der  Candesbauptstadt  Caibach) 
versuchte  das  Interesse  der  Candesbauptstadt  zu  wahren  mit  seinem  Uor- 
schlage:  „^ill  man  die  Pa(3brief  begehren,  so  solle  man  die  Anlag 
bei  der  Stadt  aufheben."  Cüeiters  beantragte  der  Berr  Bürgermeister: 
„Ulan  solle  die  Interessent^  einbringen,   item   sich   um    die  Ausstand! 


^'  Ccbrbud)  der  Jinanzwissenscbaft.  2.  Jlufl.  Ceipzig  1$7!,  p.  307. 

^*  man  befand  sid)  bereits  in  der  Zeit,  da  die  berrscbaftsbesitzcr  die  Bewirt- 
schaftung ihrer  6üter  häufig  in  den  bänden  der  üerwalter  iief^cn  und  diese  sich  auf 
Kosten  der  Inhaber  bereid)erten,  was  im  kommenden  1$.  3abrhunderl  in  stetiger 
Zunahme  begriffen  war. 

"  Uon  bei  der  Candsd)aft  haftenden  Darlehen,  Uor$d)üssen  usw. 


'2)    30    ^ 

(Steuerrüd^stände)  anneniben  (eintreiben),  item  man  solle  auf  das  Uer-- 
mögen  die  Jlnlag  machen,  und  zwar  solicbes  auf  alle  Stände  indifferenter." 
nachdem  in  der  so  wichtigen  Debatte  21  Mitglieder  des  hohen  Cand-- 
tages  das  Cüort  ergriffen  und  die  verschiedensten  mittel  zur  Beschaffung 
der  bewilligten  Rilfe  von  30.000  fl.  in  Anregung  gebracht  hatten,  wurde 
nun  der  nachstehende  „Schlut?"  (Beschlu(0  in  das  Protokoll  verzeichnet: 

„$chlu{5." 

„Die  majora  gehen  dahin,  da(5  man  auf  das  Pfundt  Berrngült 
und  die  Rueben  drei(5ig  Kreuzer,  auf  die  5^reisassen,  nobilitierte 
personas  (neugeadelte),  Pfleger,  Pauren  doppelt  schlagen  und  die  flb-- 
forderung  (Steuereinhebung)  dem  Rerrn  Ginnember  und  Berrn  Candesvice- 
dom  anbevelchen,  deren  gefallen  betreffend,  so  ihnen  untergeben.  Unter 
diesen  sollen  auch  die  Geistlichen,  so  nit  im  ßültbuch  begriffen,  ver-- 
standen  sein;  item  (solche)  so  vermüglich  und  landtsfürstliche  Pfarren 
possedieren.  Item  die  Paf^brief  auf  die  Ochsen  und  das  6etreid  zu 
erbitten.  Item  auf  den  sechsten  Gulden  Interesse."  ^^ 

Ersieht  man  aus  der  vorangeführten  Debatte,  da(5  die  verschiedensten 
mittel  zur  Bedeckung  der  30.000  fl.  vorgeschlagen  worden  waren,  so  er-- 
sieht  man  daraus  namentlich,  daf^  unser  l)err  Bartholomäus  von  Ualvasor 
die  Kopfsteuer  in  Uorschlag  gebracht  hatte,  welche  nach  einem  zeit-- 
genössischen  5^inanzpolitiker,  Berrn  Ueit  Cudwig  von  Sed<endorff,  in  solch 
einem  hohen  Dotgehaben  gerechtfertigt  erscheinen  konnte. 

Berr  von  Sed<endorff  schreibt  nämlich  in  seinem  (1695  neuaufgelegten)  ^'^ 
ÜJerke  „deutscher  5^ürstenstaat"^^  über  diese  Jlrt  der  Besteuerung  wie 
folgt:  „In  hohen  Hothfällen  aber  sind  auch  wol  ehr  (früher)  Kopf-- 
steuer  oder  ein  gewi(5  Geld  einem  jeden  Raupte  zu  erlegen  angesetzt 
worden:  CUiewohl  solche  Gapitation  oder  Kopfsteuern  in  der  Billigkeit  keinen 
Grund  dargestellt  haben,  da(3  nemlich  einer  wie  der  andere  und  also  der 
Jlrme  soviel  als  der  Reiche  geben  solle.  Cüenn  aber  gewisse  Classes  der 
üermögenden  und  Unvermögenden  gemacht  oder  gar  ein  weniges  zur  Capital 
Steuer  angesetzt  oder  auf  die  ßäupter  zwar  gezälet  und  ihnen  eine  gewisse 
Hnlage  zugeeignet  aber  gleichwol  nach  dem  Uermögen  nochmals  flusthei-- 
lung  getroffen  wird,  wie  denn  solche  und  dergleichen  Umstände  bei  der 
Reichssteuer  der  gemeine  Pfenning  genannt,  hiebevor  in  Jlcht  genommen 

••  Candtacisprotokon  Hr.  17  ex  1634  bis  1046,  fol.  152  bis  155. 

*"  1656  zuerst  erschienen. 

"  Frankfurt  und  Ceipzig.  Uerlegts  Jobann  lUeyer,  Buchhändler,  1605. 


'S)    31    'S) 

worden,  so  bat  man  sieb  dessen  zutnal  in  vorfallenden  Hötben,  die 
öfters  keine  lange  Betracbtung  und  Eustbeilung  leiden  wollen,  so  bocb 
nicbt  zu  bescbweren." 

Diesen  JFlusfübrungen  des  5^acbniannes  Seckendorff  entsprecbend,  bätten 
die  mitglieder  der  krainiscben  Candscbaft  im  Candtage  von  1636  sieb  mit 
einer  flnnabme  des  Ualvasorseben  JIntrages  für  die  Jluflage  der  Kopf-- 
steuer  gegen  den  Geist  der  Zeit,  wie  er  um  die  mitte  des  17.  ]abrbunderts 
und  noeb  am  Jlusgange  desselben  in  der  5^inanzwissensebaft  zum  JIus-- 
drucke  kam,  keineswegs  arg  vergangen  —  denn  es  war  ja  tatsäeblieb  bobe 
Hot  vorbanden! 

Die  Casten  des  Dreif^igjäbrigen  Krieges  drückten,  wie  alle  kaiserlieben 
Grbländer,  aucb  das  Herzogtum  Krain  und  dieses  wobl  doppelt  empfind- 
licb,  batte  es  ja  zur  selben  Zeit  noeb  die  sebwierige  und  kostenvolle  BuU 
gäbe,  treue  CUaebt  zu  bilden  gegen  die  Cürken  und  Uenetianer. 

Hiebt  allein  da(5  unsere  Candsebaft,  wie  wir  wiederbolt  geseben,  nam-- 
bafte,  weit  über  ibre  Kräfte  reiebende  ßeldbilfen  zu  den  Kriegskosten  leisten 
mut5te,  wurde- sie  aueb  überdies  noeb  in  die  Hlitleidensebaft  gezogen  für 
die  Sorge  betreffs  der  Cüinterquartiere  für  die  kaiserlieben  Beere.  So  liegt 
uns  z.  B.  in  der  Candtagsverbandlung  vom  5.  5^ebruar  1633  die  kaiser-- 
licbe  Proposition  an  die  löblieben  Stände  der  innerösterreicbiseben  Cande 
vor,  welebe  „auf  Jlnsebung  dero  General  Obristen  ^eldbauptmanns 
Ibr  fürstl.  Gnaden  des  Berrn  Elbreebt  Herzogen  zu  Hleebelberg"  für 
die  (Uinterquartiere  auf  fünf  IDonate  die  Summe  von  2,127.940  fl. 
begebrte,  auf  die  einzelnen  Cande  Tnnerösterreiebs  also  repartiert:  von 
Steiermark  994.045  fl.,  von  Kärnten  584.490  fl.,  von  Krain  345.350  fl., 
von  der  Grafsebaft  Görz  $1.725  fl.,  von  der  Grafsebaft  mitterburg  122.330  fl., 
auf  welebes  Begebren  die  in  dieser  Sitzung  versammelten  Berren  und  Cand-- 
leute  beseblossen,  die  Beratung  bis  auf  der  steieriseben  Candsebaft  Besebeid 
in  suspenso  zu  lassen. ^^  Jlber  sebon  fünf  Cage  später  wird  auf  des  Bisebofs 
Kaspar  von  Piben  Hlotivierung:  „€$  sei  nit  obne,  daf^  dieses  begeren  ein 
unerbörtes  Begebren,  weil  aber  Ibre  kaiserlicbe  Majestät  zu  demselben 
notgedrungen,  könne  man  Sie  bey  ibrer  gereebten  Saeb  nit  verlassen", 
in  altgetreuer  loyaler  Eingebung  an  das  Kaiserbaus  auf  die  Bedeckung  der 
mittel  aueb  für  dieses  Begebren  gedaebt  und  es  wird  beseblossen  —  Berr 
BartIme  Ualvasor  stimmt  mit  dem  Bisebof  —  in  Erwägung  zu  ziehen, 
ob  man  zu  dem  vom  genannten  Bisebof  angeregten  ücrfabren,  „Jcder- 
männiglieb  ins  mitleid  zu  zieben,  auf  den  Bauer  ein  gülden  oder  zwei 


''  Candtagsprotokoll  1622  bis  1633,  fol.  59Q/b. 


©    32    'S 

anzuscblagen*',  „wegen  der  $00.000  fl.  eingeraumbten  mittel  der  45  kr. 
von  jeder  bueben"  daber  zu  verwenden,  die  doppelte  Mittelding  daber  zu 
applizieren  und  von  dem  Interesse  einen  Gulden  in  Jlnsprucb  zu  nebmen 
wäre  oder  aber  ob  man  zu  bessern  IDitteln  greifen  solle. '^^  Docb  wurde 
aucb  in  dieser  Sitzung  nocb  der  aufscbiebende  Bescbluf^  gefa(5t,  der  Stände 
von  Steiermark  und  Kärnten  diesbezüglicbe  Erklärung  abzuwarten.^^ 

Bei  den  vielfacb  in  diesen  tagen  der  Hot  an  die  krainiscbe  Candscbaft 
berangetretenen  Begebren  war  man  im  Landtage  von  1631  im  l)inblid< 
darauf,  „da(5  die  münzen  sieb  ganz  unbältig  am  Scbrot  und  Korn 
befunden  und  da(5  aucb  zu  befürcbten,  dal5  sieb  das  gute  Geld  verlieren 
und  das  sd)lecbte  einreif^en  möcbte,**  zum  Bescblusse  gekommen,  an  die 
Regierung  die  Bitte  zu  stellen :  „entweder  Geld  ins  £and  zu  verordnen 
oder  einer  Gbrsamen  Candscbaft  die  Gerecl)tigkeit  (das  Recbt)  zum  münzen 
(zur  Prägung  eines  eigenen  Geldes)  zu  vergönnen".  In  der  Debatte  bier-- 
über  batte  der  mebrgenannte  Bi$d)of  von  Piben  die  motion  beigebracbt,  daf^ 
man  in  Oberkrain  zu  Krainburg  dem  armen  mann  die  scblecbten  Groseben  ^^ 
anzunebmen  nötige  und  die  sieb  Cüeigernden  gar  gefänglicb  einziebe."^^ 

Das  wicbtige  Jlmt  eines  Generaleinnebmers  der  Candscbaft  war,  wie 
sd)on  eingangs  dieses  Jibteils  bervorgeboben  wurde,  unserem  Bartbolomäus 
von  Ualvasor  im  3abre  1630  übertragen  worden^*  und  stand  er  dem-- 
selben  nocb  im  Oabre  1632  vor,  nacbdem  er  scbon  1627  als  Beisitzer  bei 
den  Candrecbten  fungiert  batte."'' 

Ratte  man  ibn  scbon  1629  in  die  Kombination  zur  €rsetzung  einer 
üerordnetenstelle  der  Candscbaft  einbezogen,  so  wurde  er  als  üerordneter 
im  jabre  1640  tatsäcblicb  gewäblt.'^^' 

Gr  blieb  in  diesem  für  das  ganze  landsd)aftlicbe  (Uesen  so  bedeutungs-- 
vollen  Jlmte  eines  üerordneten  (Candesausscbut^-Beisitzers)  zuerst  in  der 
Dauer  von  1640  bis  1642  (einscblie(5licb)  und  dann  wieder  von  1646 
bis  164$  (einscblief^licb),  was  wobl  am  deutlicbsten  für  seine  bervor- 
ragende  und  vielbewäbrte  Gignung  zu  dieser  Stelle  sprecben  mag. 

es  wird  nicbt  überflüssig  sein  zu  erwäbnen,  welcbe  Jimtskollegen 
Berr  Bartlme  Ualvasor  in  diesem  Zeiträume  in  der  üerordnetenstelle  batte 


'°  CandtagsprotokoU  ebenda,  fol.  601/b. 

'•  ebenda,  fol.  602/b. 

'^  Kippennünzen. 

"'  CandtagsprotokoU  ebenda,  fol.  545/b  bis  547/b. 

'*  Candtagsbescbluf^  vom  13.  märz.  Candtagsprotokoll  1622  bis  1633,  fol.  527/b. 

"  ebenda,  fol.  491;b. 

'«  Ualvasor,  ehre  des  Herzogtums  Rrain,  III.  (IX.),  p.  $$f. 


'S)    33    'S) 

und  welcher  CUecbsel  in  den  Posten  der  einzelnen  biebei  eingetreten.  (Dir 
folgen  der  Zusammenstellung  seines  Sobnes  3obann  lüeikbard  in  der 
„€bre  Krains"."^^  UJir  lesen  da: 

1640, 

Berr  lüolf  Gngelbrecbt  0raf  Euersperg,  JImtspräsident, 

„  Paul  Prior  zu  5^reudnitz,^^ 

„  Beinrieb  Paradeiser, 

„  Bartlme  Ualvasor. 

1641,  1642. 
Berr  CUolf  €ngelbrecbt  Graf  Euersperg,  JImtspräsident, 
„    3^^^^^  Edam  Kayseil,  Cbumbdecbant, 
„    3obann  5^erdinand  Graf  Portia, 
„    Bartlme  Ualvasor. 

1644,  1645,  1646. 

Berr  Cüolf  Gngelbrecbt  0raf  Jluersperg,  JImtspräsident, 

„  niicbael  von  Kbumberg,  Cbumbdecbant, 

„  3<^b^nn  5^erdinand  Graf  von  Portia, 

„  Ceopold  Raumbscbifcl,^^ 

„  Bartlme  Ualvasor  anstatt  Berrn  Raumbscbif^l,  anno  1646. 

1647. 

Berr  (Uolf  Gngelbrecbt  Graf  Jluersperg,  JImtspräsident, 

„  rnicbel  von  Kbumberg,  Cbumbpropst, 

„  Bartlme  Ualvasor, 

„  €berbard  Ceopold  Ursin  Graf  von  Blagay. 

164$. 
Berr  CUolf  Gngelbrecbt  Graf  Jluersperg,  JImtspräsident, 
„    3obann  Jlbt  zu  Sitticb,«*^ 
„    Bartlme  Ualvasor, 
„     Gberbard  Ceopold  Ursin  Graf  von  Blagay. 

lUäbrend  der  JImtsdauer  1640  bis  1642  war  Berr  Bartlme  Ualvasor  „er« 
sucht  worden",  sieb  in  Gemeinschaft  mit  Berrn  ITlax  Paradeiser,  Jreiberrn, 


"  I.  c.  p.  $$  f. 

"  ehemalige  Kartause  Jreiidentbal  unweit  Oberlaibad). 
'®  welcher  auch  $cl)on  1643  Uerordneter  gewesen. 
^'^  Zisterzienserkloster  in  Unlerkrain. 
V.  Radics,  Ualvasor. 


'S)    34    -© 

als  Kommissär  zu  der  mit  der  kärntneriscben  Candscbaft  angestellten  Kon= 
ferenz  wegen  JIngelegenbeiten  der  5^estung  Petrinia  (in  Kroatien)  gebraud)en 
zu  lassen  «1  (1641,  1$.  Jlpril). 

„Zur  Unterbaltung'*  dieses  festen  Ortes  gegen  die  Cürken  bat  „die 
Candscbaft  von  Krain  viel  tausend  6ulden  gutwillig  beigetragen  neben 
anderen  Benacbbarten  (Steiermark  und  Kärnten),  bis  167$  ein  üergleicb 
zustande  kam,  dat5  fortan  Steiermark  allein  dafür  Sorge  zu  tragen  babe."^^ 

Bier  sei  nocb  erwäbnt,  da(5  der  als  Uerordneter  der  krainifcben  Cand-- 
sd)aft  erprobte  Rerr  von  Ualvasor  in  dem  Candtage  von  1633  infolge 
„der  von  Ibrer  Kayserlicben  IDajestät  begebrten  denomination  zu  der  vacie- 
renden  RegimentsratbsstelT'  (bei  der  innerö'sterreicbiscben  Regierung  in 
6raz)  in  seiner  Jlnwesenbeit  als  für  diese  Stelle  tauglicb  in  Uorscblag 
gebracbt  wurde,  gemeinsam  mit  Berrn  Ualerius  5^reiberrn  von  Hloscon.^^ 
Obscbon  es  zu  einer  Ernennung  nicbt  kam,  wurde  zwei  O^bre  nacbber 
betreffs  einer  gleicben  Stelle  von  Seiten  der  innerö'sterreicbiscben  Regierung 
auf  [)errn  Bartlme  Ualvasor  bingewiesen,  aber  aucb  diesmal  kam  es  nicbt 
dazu,  dal5  er  diese  Stelle  eingenommen  bätte.^* 


Hacbdem  wir  uns,  soweit  es  der  Raum  gestattet  bat,  mit  der  öffent« 
lieben  Tätigkeit  unseres  Berrn  Bartlme  von  Ualvasor  bescbäftigt  baben, 
wollen  wir  nun  unseren  Blick  auf  seine  bäuslicben  Uerbältnisse  zurück- 
wenden. 

Diesbezüglicb  stebt  obenan  seine  für  den  ßauptinbalt  dieser  Scbrift  so 
bedeutungsvolle  zweite  Uermäblung  mit  Jlnna  niaria  von  Rauber,  aus 
welcber  Uerbindung  unser  Bistoriograpb  3obann  CUeikbard  5reiberr  von 
Ualvasor  dann  bervorgegangen. 

Diese  Uermäblung  erfolgte  zu  Caibacb  am  20.  Jlpril  1632  und  ist  in 
der  matrikel  der  Dompfarre  zu  St.  Dikolaus  also  verzeicbnet: 

„1632  Jlpril  20  bujus  matrimonio  juncti  sunt  Hobilis  et  generosus 
Dominus  Bartbolomaeus  Ualvasor  quaestor^-*  provinciae  Carnioliae  et  virgo 
Hobilis  Mm  Hlaria  Rauber  in  Krei(t)perg  Praesentibus  lllustribus  Dominis 


"'  Ireundlid)c  mittcilung  des  gewesenen  landscbafll.  Kustos  am  museuni  Rudolfinum 
in  Caibad),  berrn  Jllfons  müllner,  aus  dem  landsd)aftl.  flrcbiv,  Jasz.  (alt)  93. 
'^^  Ualvasor,  €l)re  des  berzogtums  Krain,  IV.  (XII.),  p.  47. 
'=»  CandtagsprotokoU  1.  c,  fol.  623/b. 
^*  ßrazer  Stattbalterei-flrcbiv,  0utad)ten-Protokoll. 
"  6eneraleinnebmer. 


^2)    35    'S) 

Baronibus  Reinprecbt  Röndl,^^  Commendatore  Ccutonici  Ordinis  et  Ualerio 
lHoscon.^^ 

Jlus  dieser  seiner  zweiten  Gbe  entsprossen  ihm  17  Kinder,  darunter 
als  zwölftes  unser  ßistoriograpb;  es  waren  zehn  Söhne  und  fünf  Cöcbter^^ 
und  einmal  Zwillinge,  deren  ßescblecbt  nicbt  angegeben  erscheint.  (Jon 
diesen  seinen  rechten  Geschwistern  führt  ]ohann  ^eikhardt  in  seiner  „Ehre 
Krains"  (16S9)  als  zur  Zeit  lebend  noch  an  den  einzigen:  (Uolfgang  Bar-- 
tholomäus,  Pfarrherrn  und  Kommissarius  in  Sacbsenfeld  in  der  unteren 
Steierniark;^^  der  älteste  Bruder  Bans  Dietrich  war  aus  dem  Eande  gezogen, 
aber  im  jähre  16S9  auch  bereits  verstorben.^*^ 

Im  rnonate  vor  seiner  Uermählung  mit  Jlnna  Hlaria  von  Rauber  hatte 
Berr  Bartholomäus  von  Ualvasor  den  ihm  1630  von  der  lUitwe  Gsther  von 
Scheyer,  geh,  Issenhauserin,  „freieigentümlich  hingegebenen"  Gdelmannsitz 
und  Bof  Scheyer  (oberhalb  Steinbrück),  der  1621  auf  3960  fl.  geschätzt ^^ 
und  in  dem  steierischen  ßültbuch  mit  12  Pfund  4  Schilling  25  Pfennig  ver-- 
ansagt  war,  an  einen  gewissen  Jldam  Jlsch  freieigentümlich  verkauft.  In 
der  ßültaufsendung  helfet  es:  1632  Graz  31  FHärz  Jlufsandt  Berrn  Bartlme 
Ualvasor  auf  Jldamen  Jlsch  pro  12  Pfund  4  Schilling  25  Pfennig  5=iat 
7  Jlpril  1632,  „da(5  Ich  umb  meiner  ferneren  CUolfahrt  willen  mein  Gdel-- 
mannsitz  und  Boff  Scheyer  so  mit  zwelff  Pfundt  vier  Schilling  fünfund-- 
zwanzig  Pfennig  in  einer  CöbL  Candtschaft  in  Steyer  0ültbuch  in  der  Bn= 
sag,  dem  Gdlen  und  Uesten  Berrn  Jldamben  Esch  freyeigenthümlich  verkaufft 
und  übergeben."  ^^  JTus  der  Bemerkung,  da(5  er  diesen  Gdelmannsitz  wegen 
seiner  ferneren  (Uohlfahrt  verkauft  habe,  mag  wohl  hervorgehen,  da(5  die 
materielle  Seite  dieses  Besitzes  für  ihn  wenig  CUert  gehabt. 

Um  diese  Zeit  hatte  Berr  von  Ualvasor  die  Gggsche  Post  (Gggsche  Bof-- 
schuld)^^  im  Betrage  von  3730  fl.  44  kr.  übernommen  und  es  wurden  dann  ]j 

im  3ahre  1633  die  Berren  Uerordneten  in  Krain  von  selten  der  inneröster-- 
reichischen  Bofkammer  wiederholt  ersucht,  da(5  sie  Berrn  Bartholomäus 
Ualvasor  „als  yberhabern  der  Hlarquard  Gggischen  Post  aus  der  neuen 
JInlag  (der  neuen  Steuer)  3730  fl.  44  kr.  bezahlen  sollen".^* 

^^  handl,  Komtur  des  Deutseben  Ritterordens  in  Caibad). 

^^  Eiber  matrimonioruni  Dr.  2. 

^^  Siebe  die  Stammtafel  im  JTnbange. 

^*  Siebe  Abteilung:  (Jalvasors  Gescbwister. 

»°  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  IIL  (IX.),  p.  lOQ. 

^'  Steierm.  Candesarcbiv,  Candrecbtsakten :  $d)atzliste  d.  steir.  Gült  u.  Güter.  Hm  Scbaycr. 

^^  Steierm.  Candesarcbiv,  Gültaufsendungen  Hr.  1851  (Ualvasor),  fol.  3  und  4. 

^^  der  herren  von  Ggkb. 

^'  Grazer  Stattbalterei-JIrcbiv,  hofkammerakten  1633, 2.  Sept.,  Hr.!;  1633, 12. Dez.,  Hr. 50. 

3* 


•^ 

» 

^ 


'S)    36    -2) 

Zwei  3abre  später  erwarb  er  von  einem  Berrn  von  Kbaysel  den  Bot 
CUagenbübel. 

Um  das  3abr  1637  finden  wir  ibn  im  Besitze  des  Scblosses  Hltenburg 
in  Unterkrain  —  eines  der  ältesten  Scblösser  Krains,  welcbes  er  aber 
scbon  1639  mit  allem  Zugebör  gegen  einen  Kaufpreis  von  32.000  fl., 
100  Dukaten  Scblüsselgeld  und  einem  Reitpferde  an  Berrn  Gregor  matosic 
verkaufte.  (Siebe  mein:  Ualvasor,  biogr.  Skizze,  ßraz  1S66,  p.  11.)  —  Das 
Scblol)  ist  beute  Gigentum  des  Grafen  Rudolf  IDargberi. 

Jlls  er  das  üerordnetenamt  antrat,  nabm  sieb  Berr  Bartlme  von  üal- 
vasor  in  Caibacb  eine  CUobnung  (1640),  und  zwar  in  dem  städtiscben  Cüag-- 
bause  am  Alten  IDarkt  (beute  Baus  Hummer  4),^^  welcbes  Baus  das  3abr 
darauf  zum  ßeburtsbause  unseres  Bistoriograpben  wurde.  ^^ 

Berr  Bartlme  und  seine  ßemablin  bewobnten  dieses  Baus  urkundlicb 
nacbweisbar  durcb  drei  3abre  (1640  bis  1643  einscblief^licb)  und  batten  das 
zweite  Stod^werk  um  den  Hlietzins  von  42  fl.  inne,^'  der  balbjäbrig  ent> 
ricbtet  wurde,  denn  es  findet  sieb  in  einem  späteren  Inventar  von  1659 
unter  den  brieflieben  Urkunden  angefübrt:  „Gin  Pagkbetel  mit  6  Quittun-- 
gen  wegen  bezalten  Bauszin(5  von  dem  zu  Caibacb  in  bstandt  gebabten 
aiagbaus."^« 

Da  er  auf  seinem  Scblosse  6alleneck,  für  welcbes  er  im  landscbaftlicben 
ßültbucbe  mit  47  Pfund  2  Scbilling  2V2  Pfennig  eingetragen  erscbeint,  ver-- 
scbiedene  Jldaptierungen  und  aucb  neubauten  vornabm,  begegnen  wir  ibm 
in  den  Ginnabmebücbern  der  Stadt  Caibacb  wiederbolt  als  Jlbnebmer  von 
Baumaterialien  aus  den  städtiscben  Ziegeleien  und  üorräten  aus  den  städti- 
scben CUaldungen  aufgefübrt. 

Gs  dürfte  für  die  ßescbicbte  der  Preise  nicbt  obne  Interesse  sein,  ein 
paar  solcber  JInkäufe  bier  auszubeben.  So  verzeicbnet  das  Gmpfangsbucb 
des  städtiscben  Oberkammeramtes  vom  jabre  1640:^^  Berr  Bartbolomäus 
üalvasor  aus  der  städtiscben  Ziegelbütte  vom  3.  Brand  am  24.  Juli  200  BolN 
Ziegel  4  fl.  26  kr.  2  Pf.,  vom  4.  Brand  am  24.  Jlugust  300  6welbziegel 
2  fl.,  vom  5.  Brand  am  20.  September  1000  ßwelbziegel  6  fl.  40  kr.,  vom 
6.  Brand  am  20.  September  270  Gwelb--  und  30  niauerziegel  2  fl.;  an 
Bolz  bezog  er  im  selben  3abre  (S.  Jlugust)  6  kleine  „balbpaimber" 
ä  11  kr.  =  1  fl.  6  kr.,  15  „gemeine  Pretter"  ä  2  kr.  =  30  kr.  und  im 


"  Gegenwärtig  im  Besitze  des  bandelsmanns  3o$«^  Pctkosig. 

"•^  Siebe  nächste  Abteilung. 

•»^  Städtiscbes  Hrcbiv-Urbare  1640  bis  1643. 

•*  flrcbiv  des  k.  k.  Candesgericbtes  in  Caibacb,  Inventare  üalvasor. 


•'  Städtiscbes  flrcbiv,  Ginnabmebücber. 


'S)    37    'S 

november  (5.)  nahm  er  5  „Puscben  Ceistcn"  und  4  „Cafclpretter",  zu- 
sammen um  36  kr. 

(Jon  neuem  bat  er  die  Kapelle  in  Galleneck  erbaut.^^«  Jüx  diesen  Heu- 
bau  wandte  er  sid)  mit  einem  Crsucbscbreiben  an  den  IHagistrat  der  Stadt 
Caibacb,  dabingebend,  ibm  6000  Dacbziegel  zum  Bürgerpreis  zu  über- 
lassen,  worauf  ibm  der  ITlagistrat  die  J^nzabl  von  1500  Dacbziegel  ver^ 
ebrte  und  die  übrigen  zu  genanntem  Preise  abliefe. 

Das  bezüglicbe  €rsucbscbreiben  Ualvasors  lautet:  „€dl  Ue(5te  fürsicbtig 
vnd  weise  H.  Burgermeister,  Ricbter  vnd  Ratb  der  fürstl.  Baubtstatt  Caibacb . . . 
niein  0scblo(5  Capein  zu  ßalnegg,  die  icb  von  Heuen  erbaut  ist  mit  steinern 
zwar  bedeckt  worden  wegen  der  kbelte  aber  das  Cacb  also  ruinirt,  dat? 
id)  notwendig  solcbes  zu  repariren  vnd  mit  Ziegl  bedeckben  zu  lassen 
micb  resolvieren  müssen.  Diesem  nacb  babe  icb  die  Berrn  freundlicb  er-- 
sucben  wollen,  die  ßerrn  die  wollen  mir  den  favor  erweisen  vnd  6000  tacb-- 
ziegel  gegen  baare  bezalung  in  dem  (Uertb  als  den  Burgern  verlieben  wird 
ervolgen  vnd  per  decretum  sollicbe  anzuscbaffen.  Solicb  favor  begebre  icb 
gegen  denen  Berrn  anderwärts  zu  fürfallenden  0elegenbeiten  binwiderum 
zu  bescbulden."  Diese  von  der  Rand  eines  Scbreibers  berrübrenden  Zeilen 
unterscbrieb  er  mit  eigener  Rand  also:  „der  berrn  d(ienst)  willig  Bartlme 
üalvasor  m.  p." 

Die  €rledigung  von  seiten  des  Magistrates  ist  auf  dem  Scbriftstücke 
selbst  a  tergo  entbalten:  „Damit  wegen  der  Ziegl  practic  kbein  Consequenz 
erfolge,^°i  also  will  Gin  Grs.  lHagistrat  Ibrer  Gnaden  Berrn  üalvasorn  an 
denen  nemenden  6000  fünfzebenbundert  Cacbziegl  zu  sondern  gefallen  ver-- 
ebren,  darnacb  sieb  Berr  Cbristopb  Crapp  Oberstattrammerer  allbie  mit 
Zustellung  dits  zu  ricbten  dergestalt,  da[5  er  wolgedacbt  Trer  gnaden  die- 
selben nacb  und  nacb  zukbommen  lasse,  wie  Ime  dann  aucb  dieser  ver- 
willigte nacbla(5  bey  der  raitung  pro  aut^gab  passirt  werden  solle.  25  Play 
flo.  164$  Cudwig  Scbönlebl  Uice  Burgermeister."  ^^^ 

Der  nacbla(5  mit  1500  Dacbziegel  ist  im  Jlusgabenbucb  mit  12  fl.  an- 
gemerkt; es  blieben  also  4500  Ziegel  mit  36  fl.  zu  bezablen. 

Bei  dieser  Kapelle  stiftete  er  1650  im  Betrage  von  vier  Buben  den 
Unterbau  eines  ßeistlicben  im  Scblosse,  der  in  der  Olocbe  drei  messen 
lesen  mu(3te,  das  Evangelium  in  der  sloveniscben  Spracbe.  Jlu[5er  der  Kapelle 


'°°  Siebe  Abteilung:  Ualvasors  Cod  und  Beisetzung  in  GaUcncck. 

'"^^  Um  kein  Präjudiz  zu  scbaffen  —  würde  man  im  flmtsstilc  heule  sagen. 

'"''  Ausgabenbuch  der  Stadt  Caibacb  104$,  Beleg  7$. 


'S    3$    'S) 

führte  l)err  Bartolomäus  in  Galleneck  auch  einen  gro(5en  ßetreidekasten  und 
einen  lHarstall  aui.''' 

Im  3abre  1641  hatte  Rerr  Bartholomäus  die  in  der  Hachbarschaft  von 
Galleneck  gelegene  Herrschaft  Gallenberg  von  dem  Rerrn  Georg  Siegmund 
Paradeiser,  5^reiherrn  und  Candeshauptmann  in  Kärnten,  mit  kaiserlicher 
Bewilligung  (ddo.  4.  julJ  I^^O  angekauft.  i°* 

üon  diesem  Jlnkaufe  erwuchsen  ihm  aber  gar  bald  Unannehmlichkeiten 
mit  einer  Jlnzahl  Untertanen,  die  sich  plötzlich  „der  praestirung  der  Roboth 
strafmäl^ig  widersetzten"  —  die  Angelegenheit  ging  bis  an  den  Bof.  Ual-- 
vasor  erhielt  unterm  Datum  Graz,  21.  lHärz  164$,  gefertigt  von  Gabriel 
Jreiherrn  von  Dietrichstein,  von  selten  der  innerösterreichischen  Regierung 
die  CUeisung,  die  Untertanen  von  Gallenberg  „bei  ihrem  alten  Brauch  und 
Urbarsgerechtigkeit  verbleiben  zu  lassen",  „vmb  da(3  ihr  dieselben  zu-- 
wider  ihrer  althabenden  Jreyheiten  mit  allzuschwererDienstbarkeit  belästiget". 
Jluf  diesen  Grlaf^  aus  Graz  wendete  sich  Ualvasor  aber  zunächst  an  den 
Candesverwalter  (nachherigen  Candeshauptmann)  CUolf  €ngelbert  Grafen 
Jluerspergi^^  mit  der  Bitte,  er  geruhe  gedachte  Untertanen,  deren  Hamen 
er  unten  spezifiziere,  zu  zitieren,  und  zwar  „extra  ordinem  praetoriae" 
(d.  h.  aut^er  der  Zeit  der  ordentlichen  Candrechte)  und  ihnen  ernstlich  auf- 
zuerlegen, sämtlich  gewif^  in  persona  zu  erscheinen  und  die  Ursache  ihrer 
Cüidersetzlichkeit  vorzubringen  wie  auch  sich  wegen  der  deshalb  gefallenen 
Strafe  mit  ihm  (Ualvasor)  zu  vergleichen,  „al(5  widrigenfalls  ihre  kaufrechts-- 
gerechtigkeit  gefallen  und  verwirkt  auch  mit  mehrerer  Bestrafung  wider 
solche  als  rebellische  Unterthanen  verfahren  werden  solle".  Die  „Homina" 
dieser  Untertanen  lauten:  Gregor  Sirkh,  Gregor  und  3uri  Sterban,  mathia 
Grobilschigkh,  jergez  und  Primosh  3akhun,  Andre  und  Pankraz  Skerbinz, 
niathia  und  CUalthasar  Priman,  Andre  Resworschigkh,  Anshe  und  Primosh 
Drolz.  Diese  Schrift  an  den  Candesverwalter  hatte  au(5er  Herrn  Bartlme 
üalvisor  m.  p.  auch  Hicolaus  Künzelman  ].  U.  Dr.  m.  p.  gefertigt.  Unterm 
4.  IDai  fügte  Herr  Ualvasor  an  die  gleiche  Adresse  die  Beschwerde  gegen 
weitere  fünf  Untertanen:  Andre  Supan,  jakhelle  Sef^ler,  Cüastian  und  ]acob 
3anitsch  und  CUolkho  Se(5mann  an.  Seine  Äul^erung  gegenüber  der  inner-- 
österreichischen  Regierung  war  am  15.  Hlai  noch  ausständig,  unter  diesem 
Datum  bedeutete  man  ihm,  daf^  dazu  zwar  der  Cermin  noch  nicht  ver-- 
strichen  sei,  doch  „vermelde  man  ihm,  berührte  Unterthanen  mitls  (inzwischen) 
dergestalt  zu  halten,  damit  sie  zu  weiterer  Klag  keine  befugte  Ursache 

"'^  mein:  Ualvasor,  Biographische  Skizze,  Graz  l$66,  p.  II. 

"^*  0razer  Statthalterei-Jlrchiv,  Rofkammerakten  I64S,  ]änner— Juli. 


105 


ebenda,  1643,  22.  Jlpril. 


-©    30    'S) 

haben."  1^^  Bei  der  vor  der  Candesbauptmannscbaft  durchgeführten  Uer-- 
handlung  wurde  dem  Berrn  von  üalvasor  die  landsgebräuchige  Robot  sowie 
auch  die  Eieferung  des  Zinsgetreides  zuerkannt,  was  aber,  wie  aus  einem 
Berichte  der  Bofkammer  an  den  Kaiser  hervorgeht,  die  dagegen  remon-- 
strierenden  Untertanen  als  eine  „Uerlistigung"  (Überlistung)  ihrer  Person 
darstellten;  da  jedoch  die  Bauern,  die  sich  auf  eine  kaiserliche  üisierung 
ihrer  Freiheiten  berufen  hatten,  in  ihrer  Bitte  an  die  l)ofkammer  auch  das 
€rsuchen  gestellt  hatten,  es  möge  ihnen  aus  dem  durch  den  gewesenen 
erzherzog--Regenten  Karl  ^^^  neu  aufgerichteten  Urbare  (aus  dem  bei  der  Rof- 
kammer  erliegenden  Original)  eine  Kopie  „in  glaubwürdiger  Jlbschrift" 
gegeben  werden,  so  erklärte  sich  die  Bofkammer  dagegen  und  wies  „die 
unruhigen  Supplicanten"  mit  ihrem  Begehren  ab.^*^^ 

(Uelchgearteten  Proze(5  Rerr  von  üalvasor  im  selben  Oahre  mit  CUolf 
Siegmund  Freiherrn  Paradeiser  durchzuführen  hatte,  ist  aus  einer  uns  in 
einem  rechtshistorischen  IDanuskripte  eines  Berrn  von  Grberg^^^  enthaltenen 
Bemerkung  nicht  ersichtlich,  doch  ist  diese  Bemerkung  selbst  von  Interesse,  * 

insofern  sie  feststellt,  da(5  in  besagtem   Prozesse  über  60  Zeugen  zu--  ^ 

gelassen  wurden,  was  bei  „einreden  in  der  UJeisung"  die  nach  dem  3us  5 

can.  fixierte  Zahl  von  40  Zeugen  weit  übersteige,  doch  sei  dies  also  praxis  ^ 

nostra  und  verstof^e  nicht  gegen  unsere  Schrannenordnung,  welche  keine 
Zahl  fixiere,  „wie  viel  Zeugen  über  jeden  Artikel  das  niehriste  geführt 
werden  können". 

Eis  Berr  der  Herrschaft  ßallenberg  hatte  Bartholomäus  von  üalvasor  auch 
die  Jlusübung  der  Gerichtsbarkeit  daselbst,  und  zwar  auch  in  mordprozessen. 
Da  ereignete  es  sich,  da(5  im  Hlai  des  Jahres  1644  Bauern  des  unter  diese  ^ 

Gerichtsbarkeit  gehörigen  Dorfes  Cemsenik  den  Pfarrer  von  Cemsenik  matthias  ^ 

3uvan  in  grausamer  Cüeise  töteten,  indem  sie  ihn  mit  Steinen  erschlugen,  ^ 

dann  umgewendet  an  ein  Ko(5  banden  und  dieses  mit  ihm  fortjagten. 
In  der  darüber  gepflogenen  weitläufigen  üerhandlung  führte  die  Unter-- 
suchung  üalvasor  mit  ebensoviel  Umsicht  als  Sicherheit  und  es  gelang  ihm 
zu  konstatieren,  da[5  Parteilichkeit  für  einen  durch  den  Patronatsherrn,  das 
Stift  Sittich,  an  die  Stelle  eingedrängten  anderen  Pfarrer  zunächst  den  lllord 
veranla(5t,  da(5  ein  gewisser  Bans  Cextor,  der  sich  dann  nach  Graz  geflüchtet 


'°''  Grazer  $lattbalterci-JTrd)iv,  hofkammcrakfen  164$,  22.  JTpril. 

'"  nach  dem  grof^en  windiscben  Bauernkriege  1573  waren  die  Urbare  neu 
zusammengestellt  worden. 

'°^  Graz,  25.  mai.  —  Grazer  Stattbalterei-JIrcbiv,  Rofkammerakten. 

'"''  „Observationes"  —  in  der  Bibliotbek  des  hcrrn  Jlnton  Grafen  Barbo  auf  Schieb 
Kroibenbacb,  p.  312  f. 


-©    40    'S 

und  dort  gefangen  genommen  worden,  der  Rauptscbuldige,  und  auf^er  ihm 
nocb  vier  Bauern  den  Hlord  vollbracht  hatten.  Cextor  wurde  von  Graz  aus 
durch  den  Candesprofol^en  an  die  krainische  Grenze  geliefert,  von  Cand- 
gericht  zu  Candgericht  übergeben  und  es  erhielt  der  ßerichtsherr  von  ßallen-- 
berg  von  der  innerösterreichischen  Regierung  den  Jluftrag,  „vermittelst  recht-- 
schaffener  und  ganz  unverdächtiger  Personen"  ehestens  den  Proze(5  abzuführen 
(3.  3uli  1645),  doch  war  dieser  Prozel^  noch  im  IDärz  1646  nicht  beendet 
und  es  liegen  über  den  Jlusgang  desselben  auch  keine  weiteren  Daten  vor.^^^ 
I)err  Bartholomäus  von  üalvasor  starb  in  dem  Jahre  1651/52.  Zu  Beginn 
des  Jahres  1652  (7.  märz)  findet  sich  das  „Inventarium  über  Bartlme  üalvasor 
seel.  zu  Caibach  ligend  und  vertheilte  5^ahrnuf5"^^^  und  unterm  21.  Jlpril 
1652  liegt  eine  Quittung  vor  der  Söhne  Bartimes  aus  erster  €he,  Karl  und 
5^ranz  fldam,  „wegen  der  empfangenen  vätter--  und  mütterlichen  lahrnuf^."^^^ 

* 

Jlnna  niaria  von  üalvasor,  welche  Berr  Bartholomäus  am  20.  Jlpril 
1632  als  seine  zweite  Gemahlin  heimgeführt,  war  die  Cochter  des  in  sehr 
bescheidenen  üerhältnissen  befindlich  gewesenen,  1617  bereits  verstorbenen  ^^^ 
Berrn  Georg  von  Rauber  auf  Kreutberg  und  seiner  Gemahlin  Dorothea  D.; 
au(5er  der  Jlnna  ITlaria  war  bei  des  üaters  Code  die  Schwester  derselben, 
Regina  Dorothea,  am  Ceben,  die  ihr  im  Jllter  vorgieng  und  an  Berrn 
I)ann(5  Cudwig  Rasp  vermählt  war,  der  durch  diese  Beirat  die  Herrschaft 
Kreutberg  eigentümlich  erlangte. ^^* 

Die  beiden  Schwestern  Regina  Dorothea  Raspin  und  Unna  lHaria 
üalvasorin  wandten  sich  im  Jahre  1639  an  die  Römisch-Kaiserliche 
majestät  mit  einer  alleruntertänigsten  Supplik  betreffs  „enormissimae 
laesionis",  welche  Cäsion  ihnen  durch  einen  zwischen  ihrer  Hlutter  als 
„Gerhabin"  (üormünderin)  und  Johann  Gkhinger  Roo  als  Kurator  mit 
weiland  ihrem  üetter  Banns  5^riedrich  von  Rauber  1619  abgeschlossenen 
üertrag  zugefügt  worden  wäre,  durch  welchen  üertrag  ihnen  nicht  nur  die 
spezifizierte  Summe  von  50.000  fl.,  sondern  auch  das  Raubersche  Schlo(5 
CUeinek  (in  Unterkrain)  entzogen  und  Bannf^  Friedrich  Rauber ^^-^  zum 
üormund  gesetzt  worden,  welcher  „propter  titulum  affectatum   suspect" 

^'°  ßrazcr  StattbaUcrei-JIrcbiv,  Gemeine  Copeyen. 

***  Candesgericbts-Ürcbiv  Caibacb,  Inventarien  Üalvasor  ex  1057.  Briefl.  Urk.  Rr.  15. 
'''  ebenda,  Dr.  11. 

"^  Herr  Georg  v.  Rauber  wurde  am  5.  Jänner  1617  in  Hieb  begraben.  Iv.  ürbovnik, 
Izvcslja  inuzejskega  dru^tva  za  Kranjsko  1S99,  p.  9S. 

'•*  üalvasor,  €bre  des  herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  317. 

"^  Im  3abre  1626  Uerordnetenamtspräsident  (üalvasor  1.  c.,  III.  [IX.],  p.  $$). 


'S)    41     -© 

daneben  seine  Kinder  bereichert  und  sie,  die  Bittstellerinnen,  an  den 
Bettelstab  gebracht  habe;  sie  baten  daher  um  eine  „restitutio  in  inte-- 
grum".  Die  innerösterreichische  Regierung,  an  weld)e  dieses  niajertäts-- 
gesuch  gediehen  war,  lie(5  nun  an  die  Röniisd)'Kaiserliche  ITlajestät  die 
jiu(5erung  gelangen,  dahingehend:  „da(5  mehrgedachter  Georg  Rauber  bei 
ÜJeinek  kein  eigenthumb  hat  praetendiren  können,  sondern  Jldam 
Raubers^^*^  Grben,  gegen  ablegung  seiner  ansprach,  ihme  (Georg  Rauber) 
und  seine  Grben  abzufertigen,  die  Cöchter  (aber)  bei  demselben  als  einem 
mannstämmlichen  Eehengut  kein  3us  derzeit  praetendiren  können".  Die 
vorgebrachten  Lotionen  der  Bittstellerinnen  beruhten  —  wird  weiters 
dargelegt  —  auf  „aus  weiblicher  Schwachheit  hergenommenen  üer-- 
muthungen",  auch  seien  in  den  gegenseitigen  Angelegenheiten  „die 
Commissarien  ehrlid)  recht  und  redlich  vorgegangen".  Das  Schrannen-- 
gericht  in  Rrain,  um  sein  gutad)tliches  Uotum  angegangen,  habe  dahin 
geschlossen,  „da(5  die  Supplicantinnen,  welche  Tre  5^rau  Hlutter  (mit) 
12016  fl.  zu  ihrer  abfertigung  tacendo  haben  ziehen  lassen,  und  ihrem 
3uri,  wann  sie  ainiges  gehabt  hätten,  guetwillig  renunciert,  sollten  von 
ihrer  angesuchten  restitution  abgewiesen  werden".  Die  i.  ö.  geheimen  Räte 
sd)lossen  daher  unterm  1$.  3uni  1639,  dat5  die  Supplikantinnen  dahin  zu 
restituieren,  „die  anziehende  laesion  rechtlich  klagen  und  dociren  mögen", 
d.  h.  die  Bittstellerinnen  wurden  auf  den  Rechtsweg  verwiesen,  weld)er 
Beschlu(5  ihnen  unterm  1.  Juli  1639  ausgefertigt  wurde. ^^^  Ob  die  Bitt-- 
stellerinnen  den  Rechtsweg  in  der  Sache  betreten  haben  oder  nid)t,  ist 
aus  den  Akten  weiter  nicht  zu  entnehmen.  Doch  scheint  es  zu  irgend 
einem  gütlid)en  üergleiche  gekommen  zu  sein,  da  wir  in  des  Sohnes  der 
Ualvasorin  ausführlidier  Darstellung  über  die  Raubersche  Familie  ^^^  keiner 
wie  immer  gearteten  Bemerkung  oder  Anspielung  auf  noch  weiters  nach- 
geklungene  Differenzen  zwischen  den  beiden  0eschled)tern  begegnen! 

5rau  Anna  FHaria  Ualvasorin  fand  ja  auch  in  ihrem  eigenen  [)eim, 
in  dem  wohlbestellten  €igen  auf  ßalleneck,  volles  Genügen,  wie  aus  dem 
nad)  ihrem  Code  aufgenommenen  Hachlafe-lnventar  sprechend  hervorgeht. 

(Dir  wollen  es  versud)en,  in  nad)stehenden  Zeilen  vor  allem  aus  den 
dürren  Aufzählungen  der  einzelnen  Objekte  des  Baushaltes:  der  Sd)lol5- 
einrid)tung  in  Gallened^,   des  Bausrates  in  Caibad),  ein  Bild  davon  zu 


"'  Uatcr  des  hannf?  Triedrid)  Rauber. 

''''  0razer  $tattbalterei'Hrd)iv,  expeditum  1639,  3uli,  Ilr.  I.  -  lUir  teilen  das  in 
red)tsbi$torisd)er  Beziebung  interessante  $d)riftstück  des  örazer  Gebeimen  Rates  im 
flnbange  wörtlicb  mit. 

"«  üalvasor,  ebre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  031  bis  03S. 


'S)    42    'S) 

entwerfen,  wie  Jxän  Hnna  Hlaria  als  Rausfrau  gewaltet  und  dann  in 
gleicher  (Ueise,  wie  sie  sieb  im  „Jrauengescbmuck"  als  Gdeldame  der  0e-- 
sellscbaft  gezeigt ^^^  und  wie  sie  sieb  und  ibre  Cöcbter  im  pause  getragen! 

Die  erste  Stelle  im  wohlgeordneten  Rausbalte  der  5^rau  JInna  Hlaria 
nimmt  das  „Pettgewandt"  ein.  Da  fallen,  wenn  man  die  Bettvorhänge 
lüftet  —  Bettvorhänge  aus  rot  und  gelb  gestreiftem  „Rässeto"  — , 
besonders  auf  die  schönen  „Khulter"  (Bettdecken),  solche  mit  Brokatüberzug, 
gewirkt  mit  gelbem  „Poden"  (Untergrund)  und  grollen  roten  „Pluemben", 
oder  solche  aus  Seide,  der  „Poden"  aus  spanischem  Caffet  mit  schwarz 
und  gelben  Blumen,  „herumb  aber  mit  Piaben  Cafet  ausgemacht,"  dann 
wieder  solche  aus  Seide  mit  Silberwirkerei  auf  blauem  Grunde,  „herumb 
mit  goldfarbenem  Caffet  ausgemacht,"  mehr  dann  solche  das  „Plat"  (Boden) 
aus  rotem  glatten  Samt,  mit  kleinen  goldenen  Schnüren  verbrämt  und 
ringsum  mit  grünen  Quasten  versehen,  oder  aus  rotem  Juttas,  mit  grünem 
Caffet  durchwirkt,  und  eine  Anzahl  anderer  mehr  oder  minder  kostbarer 
Khulter  aus  Seide  oder  Caffet.  Jluch  die  Kinderkhulter  waren  aus  fltlas 
—  goldgestickt  —  oder  aus  goldgestreiftem  „Cobin". 

Die  Ceilacher  (Ceintücher),  eine  JInzahl  aus  „subtiller  Ceinwath",  an 
den  Gnden  „mit  wei(Kr  JIrbeit  ausgenäht",  andere  aus  mittelmäl^iger 
Leinwand,  mit  grof^en  Spitzen  ausgearbeitet,  „reistene"  mit  weif^em 
Klöckelwerk.  Die  Rauptpolster  aus  Barchent  oder  Zwilch,  gestreift  oder 
ungestreift,  die  Rauptkissen  (Kopfpolster)  aus  Barchent  oder  „gewürfeltem 
Zwilch".  Die  „Jederpetten"  mit  weiften  oder  gestreiften  (meist  blau-- 
gestreiften)  Überzügen  aus  Barchent,  dann  auch  solche  mit  weiften  oder 
gestreiften  Zwilcl)überzügen,  —  dies  die  Bettbestände.  [Dir  ziehen  die 
üorhänge  aus  gestreiftem  „spanischen  Caffet"  wieder  zu! 

Uor  den  Betten  liegen  türkische  Ceppiche  —  solche  auch  unter  den 
tischen  in  den  anderen  UJohnräumen.  Reich  ist  der  Uorrat  von  Ceinenzeug 
in  den  Schränken:  Ceintücher,  Tischtücher,  damastene  mit  fransen,  reistene 
mit  rotem  0arn  ausgearbeitet,  zwilchene  mit  Klöckelwerk  an  den  Gnden 
usw.  usw.  Randtücher,  feinere  und  gröbere,  auch  zwilchene,  teils  mit 
Klöckelwerk,  teils  mit  5^ransen  an  den  „orthen"  (Enden),  auch  ein 
„spinatenes  Randtuch",  „mit  schwarzer  Seide  ausgenäht",  liegt  darunter. 
Dort  liegt  wieder  in  Dutzenden  das  „Ciscbfazelet"  (die  Serviette)  aus 
Ccinen  oder  Zwilch,  mit  und  ohne  „Zotten"  (5^ransen).  Selbstredend  ist 


""  Das  Inventar  datiert  Schloff  Galleneck  am  20.  August  1657,  umfallt  40  Jolio- 
blättcr  und  ist  von  den  landschaftlichen  Kommissären  6.  Rambscbissl,  Seyfridt  Ramb« 
schisse)  und  ]]).  Rasiber  unterzeichnet.  Candesgerichts-.Hrcl)iv,  Inventar  flr.  205. 


'S)    43    ^ 

aud)  das  zum  (Uecbseln  bestimmte  „Bettgewandt"  in  den  oben  an-- 
gefübrten  Sorten  in  der  dem  sorgenden  Sinne  der  emsigen  l)ausfrau 
entsprecbenden  FHenge  vorbanden. 

Reicb  ist  aucb  der  Uorrat  an  „Capezereyen",  womit  dem  6escbmaci<e 
der  Zeit  entsprecbend  die  Cüobnräume  des  Scblosses  ausspaliert  erscbeinen 
und  die,  wie  das  Inventar  besonders  betont,  „vermög  väterlicben  (des 
Berrn  Bartbolomäus)  Inventar  völlig  vorbanden",  d.  b.  aus  dem  Jlmtsstil 
übertragen:  sieb  in  tadelloser  Grbaltung  befunden. 

Ringsum  auf  den  Stellen  in  Zimmern  prangt  das  glänzende  Zinn-- 
gescbirr,  das  zusammengenommen  rund  drei  Zentner  wog.  Celler,  Scbüsseln, 
Kannen,  5^1ascben,  darunter  grof^e  zu  ein  „üiertl"  baltende,  aucb  secbs» 
eckige  5^1ascben,  „Konfektscbalen",  „Opferkändlein",  dann  Ceucbter  mit 
„Degkblein"  (Cicbtputzer),  Hacbtleucbter  u.  a.  m. 

Jlucb  an  niajolika--0e$cl)irr  war  das  nötige  vorbanden:  Scbalen, 
Krüglein,  Konfekt--Scbü(3lein  und  aucb  „essig--Scbü(5lein". 

mannigfaltigen  0ebraucbes  erscbeint  das  angefübrte  Hlessing-  und 
Kupfergescbirr,  gleicb  dem  Zinngescbirr  einige  Zentner  wiegend;  da  gibt  ^ 

es  rnörser,  Kessel,  ein  „Rosenbrennkessel",  ein  „Branntweinkessel"   mit  J 

„zinnernen  Bütten",  ein  „Rosensprengkbandl",  kupferne  „Soldatenkessel",  ;^ 

„'5itcbkbö(5lein",   Cortenpfannen,   Pradtpfannen   usw.  usw.,   Ölkessel,  ge--  ^ 

wöbnlicbe  Kupferkessel,  kupferne  Platten  u.  a.  m.  J!u(5erdem  ist  das 
Kücbengefcbirr,  insofern  es  aus  IHetall  bestebt,  in  guter  Uerfassung, 
Pfannen,  5^euerrost,  Dreifu(5,  Bratspie(5  und  dergl.  mebr.  Das  gebred)licbe  i 

Conwerk  ist  nicbt  aufgezäblt,  wobl  aber  Reuter,  Körbe  und  „lüasserscbäff 
6  guete  und  scblecbte". 

Speise--    und    Uorratskammern    sind    gut    gefüllt.    Bn    „Pökb-    und  2 

geselcbtem  3^1eiscb"   finden  sieb  „Scbultern",  „Rammen",  „Rückgradt"  in  j| 

entsprecbender  Zabl  »35  Zender"  geselcbtes  ^leiscb,  „Pacben"  oder  Seiten-  fi 

speck  an  die  3  Zentner  und  „Caibscbmer"  (16  Caib);  da  liegen  gedörrtes 
Obst,  Kirscben,  Hüsse,  flpfel,  dann  Birnen  und  jipfelspalten;  die  Getreide- 
kammer weist  alle  Sorten  vom  „Cürkiscben  Cüeiz"  bis  zu  den  „Zisern",  an 
Beiden  146  Star,  Scbmalz  findet  sieb  in  37  Kübeln  im  Gesamtgewicbt 
von  4V2  Zentnern,  Unscblitt  „(Inslet")  in  6  Kübeln  von  2  Zentnern 
ßewicbt;  dann  in  „gemacbten  Inl^letkberzen"  30  Pfund. 

Der  Cüeinkeller  weist  nur  zwei  Fässer,  eines  mit  rotem  niarwcin, 
20  eimer  Steirermaf^  baltend,  und  eines  mit  wei[Km  marwein  gleicher 
rnenge. 

Bn  „Ceinwatb,  Streu  und  Spinbaar"  batte  das  emsige  „Frauen- 
zimmer" an  Uorrat:  „16 V2  stab  grober  scbmaller  leinwatb  zu  Ciscb--  und 


» 


-2)    44     'S) 

Randtücbern",  „21  stab  grober  Reisten",  „22  Stab  scbmaller  ruepfener 
Ceinwatb  so  alles  51ei[5  für  die  Ciscbfazellet  (Servietten)  gewürkbt 
worden",  „niebr  15  stab  deto  in  etlicben  Stukben";  auf^erdern  in  „Stren 
und  Kbnoden",  ruepfenen  und  reistenen  über  3  Zentner. 

J\n  Ceder  sind  Kalbs--  und  Scbaffelle,  darunter  „Cordubanene"  und 
„geliderte"  und  aucb  „16  paar  Soolen"  vorbanden. 

unter  das  „Rolzwercb"  zäblen  ein  kleines  Baus„appotbekbr*,  ein 
„RaiI)betr'^2o^  70  milcbscbafflein  oder  „Stöf^lein",  zebn  Krautpotting, 
ein  „Scbreibtiscbl"  und  ein  „$d)reibtrigl",  eine  Badewanne  u.  a.  m. 

Im  Pferdestalle  steben:  ein  alter  Rotscbimmel,  ein  alter  grof^er  Braun 
und  ein  „kleines  Räpl";  das  maier-üieb  beim  $cblo(5  ßalleneck  zäblt 
156  $tüd{,  darunter  27  nielkkübe,  2  Stiere,  zweijäbrige,  einjäbrige  und 
„beurige"  Kbalber,  6ai(3en,  Böcke,  Scbafe,  CUidder,  Lämmer,  „reverendo" 
Scbweine,  indianiscbe  Rübner  und  Rabnen,  „Junten",  mit  Bienen  („Pajen") 
sind  secbs  $töd<e  gefüllt;  aucb  der  niaierbof  in  Podgorica  war  gut  be-- 
stellt  mit  rnelkküben,  Zug-  und  Jlrbeitsocbsen,  Stieren,  Kälbern, 
Scbweinen  usw. 

Unter  „allerley  5^abrnus"  trifft  man:  eine  gro()e  und  eine  kleine 
»Scblagubr",  einen  5^rauensattel,  ein  „Rot^gescbirr",  ein  „Paar  5^u(5eisen", 
44  neue  Bufeisen  usw.  usw.,  aucb  ein  Dscbbestekl,  darin  fünf  Hlesser  mit 
Perlmuttergriff,  und  eine  „gläserne  Dacbtlatern". 

Der  Bausbalt  in  der  Cüobnung  zu  Caibacb  stellt  sieb  äbnlid)  dar,  wie 
der  auf  Scblo(5  0alleneck,  selbstredend  alles  in  geringerer  lllenge;  das 
üorbandensein  von  „6utscben-- Rädern"  mag  darauf  bindeuten,  daf^  sieb 
die  l^errscbaft  in  der  Candesbauptstadt  Gquipage  bielt,  von  Pferden  ist 
jedocb  keine  Rede  bier,  aucb  wird  kein  Stall  erwäbnt! 

eilenden  wir  uns  nun  zur  Betracbtung  des  „5^rauengescbmuckes",  wie 
er  die  acbtunggebietende  Crscbeinung  der  Hlutter  unseres  job^^n  Cüeik-- 
bard  zierte !  Den  Kopf--  und  l^alsscbniuck  eröffnen  die  0oldketten  und  die 
Perlscbnüre,  da  finden  wir  die  „balbgezogene  güldene  Kbette"  im 
6ewicbte  von  29 V2  Goldkronen,  „mebr  eine  Perlenkette  mit  güldenen 
Pollen"  (Bullen  =  Köpfe,  Kugeln)  und  Untermarken^^i  (Zwiscbenzierat). 
Heben  einfacben  und  doppelten  spaniscben  goldenen  Ketten  im  Gewicbte 
von  9V2  bis  11  Goldkronen  begegnen  wir  einem  venetianiscben  goldenen 
Ketterl   von  6   Dukaten   in   0old,   einem    kleinen  goldenen   Krausketterl 


*-°  Rcisbett  (Bedeutung  ?)  im  Gegensatz  zu  Spannbetten  erwäbnt  in  mebreren 
Inventaren  Ungcr-Kbun,  Steier.  ÜJortscbatz,  p.  500. 

'^'  In  der  KIcidcrordnung  von  1626  wurden  verboten  die  aus  0old,  guten  Steinen, 
verguilen   Unlerniarcben  ($d)nicner,  Bayerisches  lU.-B.  I.,  1645)  geniad)ten  Jlrmbänder. 


'S)    45    'S 

(kraus  =  feinst  gearbeitet)  im  Gewichte  von  11 V2  Goldkronen  und  noch 
mehreren  grö(5eren  und  kleineren  Gold-  und  Perlenketten.  „Gine  güldene, 
wei(5-  und  grüngeschmelzte  (emaillierte)  Rosen  ^^^  ^\i  20  Rubinen"  wird 
mit  dem  Gewichte  „von  9  Rronen  in  Gold"  angegeben. 

einen  $t.  Georgs--Ritter  in  der  Itlitte  weist  ein  „Kleinod  mit  11  kleinen 
Rubindl  und  2  Smaragden",  4  Goldkronen  im  Gewicht.  Gin  Paar  goldene 
Ohrgehänge  mit  19  Rubinen  in  weif^em  Gmail,  ein  Paar  goldene  Ohr- 
gehänge mit  „lHohrenköpfen"  mit  9  kleinen  Rubinen,  ein  Paar  goldene 
Ohrgehänge  mit  6  Perlein  und  2  Rubinlein  variieren  im  Gewichte  von  3 
und  5V4  Goldkronen. 

CUir  kommen  zu  den  „Balspantln"  mit  16,  1$  und  24  goldenen 
„Pollen",  zum  Ceil  mit  Perlein  (32)  und  roten  Korallen  (1$)  besetzt,  im 
Durchschnitte  im  Gewichte  von  5  Goldkronen. 

J\h  und  zu  paradierte  wohl  5^rau  Jfnna  IDaria  mit  dem  altvaterischen 
„Hufsatz'' 123  mit  drei  wei(5-- atlassenen  Spitzen,  darauf  12  durchbrochene  a 

goldene  Rosen,  um  und  um  mit  kleinen  Perlein  versetzt,  erschienen.  Dicht  jt 

weniger  Interesse  als  dieser  alte  Kopfschmuck  erregt  das  „Pertr*^^*  (Raube)  mit 
19  güldenen  kleinen  „5^ünfröslein",  mit  Rubinen  versetzt,  auf  wei(5em  Mas, 
auch  mit  Perlen  geschmückt.  Und  solcher  Pertl  hat  unsere  €deldame  nod) 
mehrere  in  ihrem  Besitze,  so  eines  mit  12  goldenen  Rosen,  mit  roten  und  § 

grünen  Granaten  und  mit  Perlen  versetzt,  ein  kleines  Pertl  mit  20  goldenen 
Rosen  und  mit  Perlen  versetzt  und  eines  mit  12  goldenen  Rosen,  roten 
Granaten  und  Perlen. 

Kostbar  waren  auch  die  JIrmbänder,  die  die  Dame  trug,  und  schwankte 
das  Gewicht  der  meist  gebrochen  gearbeiteten  goldenen  ürmbänder  zwischen  ^ 

$V2  und  16  Goldkronen.  5 

€ine  reiche  Auswahl  von  Ringen  findet  sich  vor.  Zunächst  gewahren 
wir  einen  goldenen  Ring  mit  17  Diamanten,  dann  einen  altvaterischen 
mit  einem  „Cafel-Diamant'S^^s  ^inen  goldenen  Ring  mit  einem  „gespitzten" 
Diamanten,  einen  goldenen  „Sternring''  mit  7  Diamanten,  einen  goldenen 
Sternring  mit  10  Rubinen  und  in  der  Hlitte  mit  einem  Smaragd,  einen 
goldenen  schwarzgeschmelzten  (emaillierten)  Ring  mit  einem  Cafel-Rubin, 
einen  „altvaterischen"  Ring,  grün  und  wei(5  emailliert,  mit  einem  Rubin 


'2^  Bei  den  0oldsd)niieden  sind  Rosen  aus  Diamanten  und  anderen  Steinen 
solche  Ringe  oder  Geschmeide,  die  wegen  ihrer  Uersetzung  eine  Gleichheit  mit  den 
Rosen  haben.  Zedier,  Universallexikon,  Bd.  XXXII,  p.  $55. 

'2'  Aufsatz  =  aufgesetzter  Kopfputz  bei  Irauen.  Sanders'  lü.-B.  IL  (2),  p.  $03. 

124  pgjti  =  Bartel,  mutze,  Raube.  Schmeller  I.  c.  L,  p.  2$3. 

125  Cafcl  =  die  obere  horizontale  5läche  beim  Brillantschnitt.  Sanders  1.  c.  I.,  p.  $53. 


a 


c: 


« 

^ 

a» 


'S)    46    'S) 

und  eine  Jlnzabl  anderer  mehr  oder  minder  wertvoller  Ringe;  da  gab  es 
darunter  „ülascbr'-- Ringe,  „gewundene''  Ringe,  Kreuzl-Ringe  u.a.m.  Jlud) 
der  Jlberglaube  ibrer  Cage  war  mit  dem  und  jenem  Ringe  vertreten,  als 
sold)  einem  begegnen  wir  dem  €llentklau--Ring,^2f.  g^-üi^  und  rot  emailliert. 
Jlud)  ein  Denkringel  mit  5  Rubinen  barg  das  Scbmuckkästcben  der  Hlutter 
unseres  jobann  (Ueikbard.^^?  n^itten  unter  den  Ringen  lag  unter  anderen 
aud)  eine  silberne  vergoldete  5^rauen--Jlufsatz--  (Kopfputz--)  Hadel  mit  einer 
grün  und  rot  emaillierten  (goldenen)  „Rose''. 

M  Gürteln  besa(5  diese  5rau  Ualvasorin  eine  Reibe  von  „silbernen 
51as(ben--0ürteln",  darunter  welcbe  mit  vergoldeten  Untermarken  (Zwiscben-- 
zierat),  im  ßewicbte  von  4  und  19  Cot,  mebrere  „Krausgürtel"  aus  Silber, 
dann  durcbgebrocbene  Silbergürtel,  aber  aucb  „rnöt5ing--Ketten"  auf  die 
^lascben--  und  aucb  „auf  die  spaniscbe  Hlanier"  gemacbt.  Daneben  fand 
man  15  Dutzend  silberne  „niederringe". 

Gines  von  drei  silbernen  Scbkatlein  (Scbatullen)  birgt  aucb  wieder  ein 
Sympatiemittel,  einen  „Pisenknopf"  (==  ein  Kügelcben,  so  aus  mancberlei 
woblriecbenden  Sacben,  Pulvern  aus  iXlurzeln,  Blumen  usw.  mit  Cragant-- 
scbleim  und  unter  Zusatz  von  Jlmbra,  rHoscbus  oder  Bisam  formiert 
wurde), ^^^  als  mittel  u.  a.  gegen  starke  Ceibesverstopfung  gerne  an-- 
gewendet. 

Die  Jlbteilung  „'Jrauenkleider"  beginnt:  ein  „"Jrauen-jankber"  mit 
spanischen  weiten  flrmeln  aus  scbwarzem  gro(5geblumten  Samt  und 
mit  silbernen  Spitzen  verbrämt;  die  inwendigen  (unteren,  engen)  flrmel 
sowie  der  Brustteil  der  O^cke  und  das  „üortucb"  sind  aus  „feilgrauem" ^^^ 
Jltlas  und  mit  goldenen  Blümlein  gestid<t.  Bei  einer  anderen  scbwarz-- 
samtenen  ]acke  sind  die  spaniscben  flrmel  mit  zweireihigen  goldenen 
Spitzen  verbrämt,  während  die  inwendigen  flrmel  aus  pomeranzenfarbigem 
Jltlas  gefertigt  sind,  lüieder  eine  andere  Jacke  mit  spaniscben  Ürmeln 
ist  aus  „failpromben",  „mosierten"^^^  Samt  und  die  Uerbrämung  der 
Jirmel  bilden  goldene  Borten.  Diese  j^cke  bat  keine  inwendigen  Hrmel, 
wies  also  entblö[5te  JIrme  (Jesttoilette).  Zum  5^eststaate  geborte  wobl  aucb 


""  GIcndsring  =  ein  Ring  mit  einer  eiendsklaue  als  vermeintlidies  mittel  gegen 
Krämpfe,  fallende  $ucl)t,  aucb  Kampfring  genannt.  Sanders  1.  c.  III.,  p.  2$9. 

"'  0edäcl)tni$ring  =  ein  Ring  auf  drei  Ringeln,  von  denen  man  eines  nieder-- 
bängen  lief>  als  Grinnerungszeicben,  um  etwas  nid)t  zu  vergessen.  Sanders  1.  c.  II., 
p.  760. 

'^'^  Zedier,  Universallexikon  III.,  p.  1933  f. 

'■^^  kupferfarben. 

'='0  mit  Stid<erei  verziert.  Sanders  1.  c.  II.  (I.),  p.  335. 


-2)    47    -© 

der  französische  „Dobinere^^^i—  5^rauenjankber  —  aus  Caffet  „mit  isabell- 
farbenen Pluemben"  und  einer  silbernen  „goldeingetragenen"  (durch--*' 
wirkten)  Schnur  verbrämt.  Stattlich  nahm  sich  dazu  der  Kod<  aus  von 
rotem  glatten  Samt  und  mit  neuen  goldenen  „0alonen"^32  verbrämt.  M 
Röcken  finden  wir  in  der  Garderobe  der  5^rau  J!nna  IDaria  u.  a.  auch 
Jltlasröcke  in  pomeranzener  5^arbe,  mit  sechsreihigen  Silberspitzen  ver- 
brämt, dann  solche  aus  grünem  Jltlas  mit  goldenen  silberdurchwirkten 
Borten  u.  a.  m. 

Da  gab  es  auch  eine  Jluswahl  von  altvaterischen  „Priestlein"  (Brust-- 
einsätze  zu  3ad<en)  in  bunter  3^arben--Blumenstid{erei  oder  „Silber-- 
stücken'',  solche  Priestlein  mit  flrmeln  daran  aus  Samt  oder  Jltlas,  mit 
silbernen  oder  anderen  Schnüren  verbrämt,  ferner  eine  Jluswahl  von 
ITliedern,  so  z.  B.  ein  „^rauenmieder  aus  weichselfarbenem  güldenen  und 
silbernen  Cobin''  und  mit  güldenen  ßalonen  verbrämt,  daran  12  Paar 
einfache  niederringe,  oder  ein  lUieder  aus  haarfarbeneml3^  mit  6old 
eingestreiften  „gebliemleten*'  Cobin,  mit  silbernen  Schnüren  verbrämt, 
daran  21  silberne  einfache  niederringe. 

Jln  mänteln  finden  wir  solche  aus  „fltlas--Samt  und  mit  schwarzem  - 

Caffet    unterfüttert'*,    aus    schwarzem   „Caffet-Samt    und   gleichfalls   mit  l 

schwarzem   Caffet  unterfüttert''.   €s  wird  eine  rotseidene,  mit  6old  ein--  - 

getragene  „Chamoseln"^^*  (Kamisol),  mit  rotem  Caffet  unterfüttert,  besonders 
genannt  und  im  Anschlüsse  daran  eine  Reihe  von  „mizl"  oder  Frauen- 
manteln aus  schwarzgedrucktem  Samt. 

Gin  sdiwarzgedruckter^^^  Samtmantel  erscheint  mit  aschfarbenem  „5^ilpa"  = 

(Pelzwerk)  durch  und  durch  „unterzogen"  (gefüttert).  * 

Uon    mehreren  „Kasakhen"^^^    ist    eine    aus  Caffetsamt,    mit  zwei         « 
goldenen   ßalonen   verbrämt   und   die  Schöffe   mit   „leifarbenem"   Caffet  ij 

ausgefüttert,  besonders  hervorzuheben.  S 

Die  Garderobe  weist  ferner  verschiedene  Sorten  von  „5^rauenkappen", 
so  aus  „51or"  mit  gewirkten  grof^en  Spitzen,  dann  sogenannte  „böheimische", 
mit  schwarzem  5^utter  überzogen  und  eine  mit  Edelmarder  gefüttert,  daneben 
landesübliche  (krainerische)  Pecen,  eine  „schlärene"  (aus  Schleierstoff)  und 
andere   von  „gemeiner  hiciger"   (hiesiger)  Jlrbeit;   daneben   eine  gro(5e 


'^^  Cobincrc  =  gewässerter  Caffet,  franz.  tabis.  Sanders  l.  c.  II.  (I.),  P-  1320. 

132  Cressen. 

^'^  flachsfarben. 

'^'^  Olams,  Unterwams.  Sanders  I.  c.  I.,  p.  $57. 

^^^  €rböbte  Arbeit;  geprellt. 

'''  Kasak  (frz.  Casaque)  =  Oberkleid,  mantel.  Sanders  I.  c.  L,  p.  $73. 


'S)    4$    'S 

Jlnzabl  von  „Baustücbern''  mit  gro(5en  Spitzen  und  „Sternen*'  und  von 
„Yazeneten"  (Sad<tücbern),  darunter  kostbare  Stücke  mit  gemalter  Jlrbeit 
und  Gold  „eingetragen"  (eingevoirkt),  aucb  goldene  Spitzen  um  und  um. 

Die  seidenen  Strümpfe  der  Dame  sind  in  allen  5^arben  vorbanden, 
rot,  blau,  nagel  (nelken)  usw.,  mit  0old  und  Silber  eingewirkt. 

Reicb  erwies  sieb  aud)  der  Uorrat  an  nocb  unverarbeiteten  Stoffen, 
an  Samt  und  Seide,  an  Bändern,  Spitzen  und  Scbnüren,  einfacben 
und  gold-  und  silberdurcbwirkten,  wie  nicbt  minder  an  scbimmernder 
Cüolle  und  scbneeigen  Cein,  den  aucb  diese  wackere  Bausfrau  aus  dem 
altdeutscben  ßescblecbte  der  Ferren  von  Rauber  bier  gesammelt  im  reinlicb 
geglätteten  Scbrein! 

Bn  Barscbaft  konnten  die  Kommissäre  verzeicbnen:  in  einer  silbernen 
Scbacbtel  befindlicb  Golddukaten  secbs  grof^e  Stücke,  so  10  Denare  wägen 
macbt  Stück  60,  mebr  fünf  Stüd<e  zu  $  Ducaten  in  goldt,  wicbtige 
Gold  Denare  macbt  40  Stükb;  in  einfacben  Goldducaten  zwainzig  Stücke 
„vnd  ein  viertl  Zicbini'*  id  est  207*,  Silbercronen  154V2  Stück,  in  Reicbs-- 
tbaler,  darunter  ein  doppelter,  16  Stüd?,  drey  „Zanfroni",  in  alten  Groseben 
14  fl.  33  kr.,  in  neuen  16  fl.  25  kr.,  „in  alten  zu  zwey  Kreutzern''  10  fl.  24  kr. 
„Jlilff  dukatboini",  in  „Oustini"  7  fl.,  in  doppelten  Petaken  2  fl.  29  kr.. 
In  unterscbiedlicber  kleiner  „ITlünz"  fK  13,  in  neuen  Kreuzern  oder  Zweiern 
5  fl.  31  kr.,  in  alten  dreyern  1  fl.  27  kr.,  in  quatrini  105  fl.  12  kr.  —  J\u{Hr= 
dem  fand  sieb  ein  „Scbuldbrief  oder  assecuration  von  l)errn  Bartlme 
UalvasoVen  sei.  unter  Dato  26.  Jlpril  1640  aul^gebendt  und  an  dessen 
Gbegemalin  5^rauen  Bnm  ITlaria  per  4000  fl.  lautend".^" 

Jür  die  Genauigkeit,  mit  der  5^rau  JInna  niaria  ibre  CUirtscbaft  zu 
fübren  gewobnt  war,  zeugten  die  in  ibrem  llacblasse  gefundenen  Scbreib-- 
kalender,  in  die  sie  der  Sitte  ibrer  tage  gemäf^  Empfänge  und  Jlusgaben 
eintrug. ^2^ 

Dat5  sie  als  Hlutter  für  die  Grziebung  ibrer  Kinder  bestens  besorgt 
war,  erseben  wir  daraus,  dat5  sie  diese,  die  Söbne  namentlicb,  zu  den 
Studien  anbielt.  Yür  den  ältesten,  [)ann(5  Dietricb,  der  in  Graz  studierte, 
bezablte  sie  bei  Banns  Cbomas  Kunst  —  Jluerspergscben  Jlgenten  — , 
1653  das  Kostgeld  (per  3abr?)  mit  65  Stück  Silberkronen  und  55  kr.;'^» 
Jobann  CUeikbard  batte  sie  im  3esuitenkollegium  in  Caibacb. 


"'  Inventar  1657,  Brief!.  Urk.  Hr.  3. 
•'«  ebenda,  Briefl.  Urk.  Hr.  30. 
'"  ebenda,  BrieH.  Urk.  nr.  19. 


-2)    49    -© 

Gs  erübrigt  nur  noch,  vom  Cestamente  der  5rau  J?nna  IHaria^^^  hier 
zu  sprechen.  Tn  diesem  setzte  sie  ihre  drei  jüngsten  Söbne,  Bans  Cüeikbard, 
Bans  ßerward  und  Cüolf  Bartlme  zu  Universalerben  ein,  den  ältesten, 
Bans  Dietrich,  voill  sie  so  lange  ausgeschlossen  wissen,  als  er  das  Uer= 
hältnis  „mit  einer  schlechten,  schlimmen  nienscbin'',  die  er  gar  ehelichen 
wolle,  aufrecht  erbalte;  die  Cöchter  erhielten  Cegate  ausgeworfen.  Das 
Begräbnis  wünscht  3^rau  Jlnna  IHaria  ohne  besondere  Zeremonien,  mit 
gewöhnlichen  Seelenmessen  und  exequien,  die  Beisetzung  ihres  Ceichnams 
in  der  Gruft  der  Bauskapelle  in  0a11ened<. 

Da  die  5^assung  des  Cestaments  so  recht  geeignet  ist,  den  vollen 
Ginblick  in  CUesen  und  Charakter  der  Hlutter  unseres  Bistoriographen  zu 
gewähren,  so  halte  ich  es  für  geboten,  dasselbe  hier  in  seinem  vollen 
UJortlaute  folgen  zu  lassen. 

£$  hat  nachstehenden  Inhalt: 

In  Hamben  der  Ellerheilligsten  vnd  Unzertrenten  Dreyfalthigkheit 
Jlmen. 

nad)dem  mich  Jfnnam  lHariam  üaluasorin  eine  geborne  Rauberin 
der  Jlllmechtige  €wige  Barmbherzige  Gott  mit  einer  ligerhafften  khrankheit 
nach  (einem  göttlichen  willen  dergestalt  haimbgesud)t,  das  id)  die  mensd)- 
liehe  schwacheit  vnd  Uerändrung  zu  betrachten  ahngefangen,  Jllso  hab  ich 
vndter  anderen  aud)  eines  zu  hertzen  gefa(5t,  da(5  wan  €in  Perschon  ohne 
Cestament  verschaden  thut  sid)  hernacher  villveltige  Zwischbalt  zwischen 
deren  Grwen  thuen  erwelhen. 

Damit  nun  $olid)es  werde  verbietet  als  hab  ich  zwar  mit  sd)wachen 
leib  doch  mit  gueter  Uernunft  disen  meinen  letzten  willen  hiemit  zu 
Papier  bringen  und  nachvolgende  Uerordung  wegen  meiner  Uerlassenschaft 
aufrid)ten  vnd  nach  besten  5^ormb  des  rechtens  landtsgebrauch  vnd  ge- 
wonheit  verordnen  wollen. 

Euf  da(5  mir  Uiers  €rste  mein  arme  Seel  so  nad)  dem  Gwenbildt 
Gottes  ersd)affen  vor  allen  dingen  werde  versorget  also  vnd  wan  es  zu 
solid)er  stundt  khumben  wirdt  so  thue  ich  mein  arme  Seel  in  die  Bändt 
meines  Erlösers  3esv  Christi  als  durch  we1d)e$  rosenfarbes  bluet  disselbe 
erlöset  worden  von  hertzen  befelchen. 

üors  andere  will  ich  das  mein  leichnamb  nad)  Gristlichen  Gatholisd)en 
gebrauch   zu   der   allgemeinen   Ulueter   der   Grden   in   der  Gapellen   zu 


^ 


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'*"  Ccstamenta  de  JInno   I5$l-I742.  Uon  Or.  I  bis  16,  Cittcra  ü,  Hr.  3.  Candes- 
geTicbts-flrcbiv  in  Caibad). 

V.  Radicj,  Ualvasor.  4 


'S    50    -2) 

ßallneg  doch  ohne  sonderbaren  Zeremonien  mit  gewöhnlichen  $eelen= 
messen  vnd  Gxequien  bestattet  werde. 

mein  weniges  Uermögen  betreffendt  weilen  solches  niastns  (meistens) 
in  meinen  heyratlichen  Sprüchen  mainem  zuebringen  und  in  meiner  ab-- 
fertigiing  bestehet  vnd  ich  soliches  aus  den  volligen  guet  meines  in  Gott 
ruhenden  l)errn  Ghegemahl  sei.  zu  haben  in  Specie  aber  auf  das  0uet 
ßallneg  versichert  bin  worden.  Also  verordne  vnd  verschaffe  ich  zumb  dritten 
aus  solchem  meinem  Uermögen  meiner  jüngsten  Cod)ter  Hlaria  Isabella 
wan  sy  zu  ihrer  üohtbarkheit  gelangen  vnd  ihren  Standt  gemä(5  auf  vor-- 
gehunde  berattschlagung  vnd  einwilligung  ihrer  negsten  befreundten  Jldelich 
sid)  verheyrathen  wirdt  zwa  Causendt  gülden. 

Und  weilen  der  Jlllmechtige  Gott  meine  andern  zwa  ältren  Cöchter-- 
lein  als  Rosaliam  Constantiam  und  Jlnnam  Gatharinam  dergestalt  er-- 
schaffen,  da(5  dieselben  schwerlichen  in  dise  weit  taugen  werden  vnd  sich 
zeitlichen  vmb  ein  Jlndechtiges  geistliches  Closter  werden  bewerben  muessen 
also  verschaffe  ich  einer  jeden  aus  meinem  Uermögen  sibenhundert  vnd 
funffzig  gülden. 

Jünfftens  weil  meine  liebe  Shtiefftochter  ITlaria  Clara  Ualuasorin  in 
meiner  khrankheit  mir  trewlich  vnd  vleissig  gewartet  also  verschaffe  id) 
ihr  aus  meinem  Uerla^  ainhundert  Gronen  desgleichen  verschaffe  ich  auch 
aus  meinem  Uermegen  meiner  Shtiefftochter  Itlaria  Elisabeth  conuent 
Schwester  zu  minkhendorff  ainhundert  Cronen  dergestalt,  das  ihnen  beeden 
a  dato  meines  Codfahls  inerhalb  Oahrtag  baar  solle  gegeben  werden. 
Und  darnach  vors  sechste  eines  3eden  letzten  willens  grundtvest  vnd 
haubtzwekh  die  einsetzung  eines  Grbens  ist  also  setze,  ordne  vnd  instituire 
ich  zu  den  vbrigen  meinen  Uerlat5  meine  drey  jüngste  Söhne  als  l)an[3 
CUeikhardten,  Ranf^  Berwardten  vnd  CUolff  Barthlmeen  alle  drey  zu  gleichen 
€rben  dat5  sy  alle  drey  gleich  Grben  vnd  ziehen  sollen,  jedoch  dergestalt, 
dal5  sy  in  Gottes  horcht  vnd  Gatholischen  Religion  verbleiben  sich  nach 
Jldelichen  vnd  Ehrlichen  sitten  vnd  Cugendten  bewerwen  Jldelich  ihren 
Standt  gemä(5  auf  vorgehunde  berattschlagung  vnd  einwilligung  ihrer 
negsten  befreundten  entweder  verheirathen  oder  sunsten  Jideliche  Dienst 
annehmben  sollen  in  widrigen  aber  do  einer  oder  der  andre  disen  meinen 
treulichen  mütterlichen  willen  vnd  befelch  übertreten  würde  derselbe  solle 
auch  von  meiner  Uerlassenschafft  hiemit  völlig  ausgeschlossen  vnd  endterbt 
sein  vnd  ihnen  einiger  (kein)  zutritt  zu  der  Grbschafft  verstattet  werden. 

Und  sintemallen  ich  zumb  sibenten  meinen  Citren  Sohn  Bans  Dietrichen 
als  Gr  zu  Gratz  in  studijs  baldt  in  die  2  Jahr  sich  befunden  vber  die 
sechshundert  gülden  guetgemacht  dan  absonderlichen  als  er  die  Verschafft 


'S)    51    'S) 

Osterwitz  in  bstandt  angenumben  eintausendt  gülden  überlassen  vnd  dabey 

nicbt  änderst  verbofft   er  werde  sein  gegen  mir  scbuldige  kbindlicbe  lieb 

erbalten  vnd  den  gebübrenden  respect  erzeigen  icb  aber  leider  0ott  er-- 

barmbs  das  widerspill   spieren  müssen  in  deme  er  nicbt  allein  solicbes 

nicbt  in  ad)t  nimbt  meinen  treuen  mütterlicben  Ratt  nicbt  volgen  wollen; 

viernemblicb  (vornebmlicb)  aber  vmb  das  er  sieb  einer  scblecbten  scblimen 

menscbin  dergestalt  angenumben,   dat5  er  auf  meinen  vnd  der  gantzen 

freundscbafft  so  starkes  bitten  vnd  Kattben  dieselbe  nicbt  verlassen  wollen 

sondern  ia  sogar  sid)  verlautten  lassen,   da(5  er  dieselbe  gar  €belicben 

und  beyratten  vnd  also  der  gantzen  freindtscbafft  ein  vnverlöscblicbe  IDakbl 

vnd  scbandt  anlegen  wolle.  Jllso  will  icb  aucb  nicbt,  das  ibme  die  obige 

in  zwan  Posten  vermelte  vnd  in  ainer  Summa  auf  Causendt  sed)sbundert 

gülden  Post   an  dem   mütterlicben  €rbtbeil  passirt  sondern  will  icb  dal5 

ibme   solcbe  obn  der  vatterlicben  Grbsportion   eingerattet  (eingerechnet) 

vnd  deffalciert  werden  solle;  will  aucb  nicbt,  dat5  ibme  von  dem  meinigen 

einiger  Beller  oder  Pfennig  zu  tbeill  werden  sondern  bis  vnd  solang  er 

sieb   der  scblimen  Hlenscbin  nicbt  gantzlicben  endtbalten  vnd  entscblagen 

wirdt,  viernemblicb  aber  da  er  sy  Gbelicben  solle  von  meinem  bab  vnd 

guet  biemit  völlig  enterbt  sein  solle.  Da  er  aber  seinen  übl  angenumbenen 

bandl  vnd  wandl  in  kbiertzen  (kürze)  verandern  vnd  sieb  endtweder  mit  « 

einer  seinen  standt  gemä(5  Jldelicb  €brlicben  vnd  frumben  verbeyratben  'S 

oder  sunsten  andere  €brlicbe  vnd  JTdelicbe  dienst  annebmen  wurde,  also  1 

solle   er  mit  meinen  obigen  instituirten  dreyen  €rben  vnd  Söbnen  zu 

meiner  üerlassenscbafft  docb  dergestalt,  da(5  ibme  das  allbereit  empfangene 

vor  allem   abgezogen  werde  ein  gleid)er  mit  €rb  sein  vnd  verbleiben. 

Zumb  acbten  versd)affe  icb  meiner  iungsten  (jüngsten)  Cocbter  niaria 
Isabella  mein  völliges  5^rauen  gescbmukb  vnd  kblanodien  ingleicben  aucb 
alle  meine  seidenen  vnd  andern  leibskblader  völlig  nirgendt  vnd  nichts 
ausgenumben. 

Zumb  9ten  da(5  Silber  gescbmeidt  betreffendt,  weillen  solches  so  da 
vorbanden  das  meinige  von  dem  vatterlicben  so  auf  meine  kbinder  gefallen 
derzeit  noch  nicht  zertheilt,  doch  aber  woll  wissendt  das  darbey  vmb  ein 
guets  mebrers  das  meinige  als  meiner  kbinder  sein  wirdt  also  will  ich 
das  €rstlichen  von  dem  volligen  Silbergescbmeidt  meinen  dreyen  Cöchtern 
einer  jeden  ein  silbernes  kbandle  solle  gegeben  werden  das  vbrige  will 
ich  da(5  solches  alles  vnd  völlig  in  4  gleiche  tbeill  zertheilt  vnd  ain  theil 
meinem  Sohn  Bans  CUeikbardten  der  andere  Cheil  Bans  Berwardten  der 
drite  theil  dem  CUolf  BartIme  vnd  der  4  Cheil  meiner  iungsten  Cocbter 
Isabella  solle  gegeben  vnd  zuegestelt  werden. 


r 


®    52    '2) 

neuntens  (sie!)  (recto  10)  solle  von  dem  vorhandenen  Rdo  Uieb 
meinen  ältren  zwan  Cöcbtern  einer  ieden  vier  Hlelcbkbie  (ITlelkkübe)  vnd 
meiner  Sbtiefftocbter  Hlaria  Clara  vier  gegeben  werden,  das  ibrige  (übrige) 
aber  in  vier  gleicbe  Cbeile  zertbeilt  vnd  denen  jüngsten  dreyen  Söbnen 
ein  jeden  ein  Cbeil  vnd  der  virte  Cbeil  meiner  Cocbter  lllaria  Isabella 
gegeben  werden. 

ümb  Jlilfften  die  nocb  ibrige  5^abrnut5  als  nemblicb  Ciscb,  Petb  vnd 
wai(5gewandt  versebaffe  icb  dergestalt,  daf^  aus  der  völlig  vorhandenen 
5^abrnu(5  die  besten  vnd  scbensten  Zebn  Ciscbtuecber,  die  scbensten  zebn 
Cuzet  Ciscbfazelet,  die  scbensten  zebn  ßandtücber,  die  scbensten  vnd  besten 
zebn  paar  Ceilacber,  die  scbensten  zebn  paar  Bauptziecben,  der  schönsten 
vier  khülter  der  scbensten  drey  ^ederpetber,  der  besten  sechs  Jederpolster, 
die  besten  zwa  paar  Baubtkbif^  und  der  schönste  5^ürhang  meiner  iungsten 
Cochter  Hlaria  Isabella  vor  allem  vnd  zum  ersten  mal  sollen  gegeben 
werden,  ferner  verschaffe  ich,  da(5  aus  der  übrigen  5^ahrnu(3  meiner  Shtieff-- 
tochter  IDaria  Clara  die  besten  zwa  haar  leilacber,  zwa  guete  Jeder  Petter, 
vier  gute  5^ederpolster,  der  beste  kbolter  vnd  der  beste  Jürbang  solle 
gegeben  werden. 

Jlus  der  nocb  übrigen  5^ahrnu(5  solle  meinen  €ltern  zwa  Cöchterlein 
als  Rosalia  Constantia  und  JInna  Catbarina  einer  jeden  ein  guets  5eder- 
peth  zwa  Jederpolster  ein  Raubtkif^,  fünff  paar  Ceilacber  ein  Paar  haubt- 
zied)en  ein  kbolter  fünff  Cutzet  Cischfatzallet  vnd  fünff  ßandtiecher  gegeben 
werden,  die  noch  überbleibende  5^ahrnu(5  aber  solle  in  drey  gleiche  Cbeil 
zertbeilt  vnd  meinen  jüngsten  drey  Söbnen  ein  jeden  ein  Cbeil  sein  vnd 
verbleiben. 

CUeil  also  scblie(3lichen  hiemit  meinen  letzten  willen  so  ein  zierliches 
Cestament  Donation  oder  Codicill  oder  sunst  ein  letzter  (Uill  in  aller 
bester  bestandigkheit  des  Rechtens  vnd  landtsgebrauch  sein  solle  hiemit 
geschlossen  beynebens  die  löbl.  Candtsobrigkheit  damit  sy  meine  arme 
CUaisen  vnd  instituirten  Grben  bey  disen  meinen  letzten  willen  vnd 
testament  schitzen  vnd  schermben  vnd  niemandt  darwider  zu  handeln 
verstatten  diemittig  ahngerufft  vnd  gebeten  haben  dessen  zu  wahren 
Urkbundt  vnd  damit  dises  Cestament  desto  besser  Crafft  haben  solle. 
Also  bestatte  ich  soliches  bey  den  landtschadenpundt  in  Crain  habe  auch 
zu  besserer  bekbrafftigung  die  hernach  vnterschribene  ansehnliche  Rerrn 
durch  absonderliche  Pettzedl  zu  Zeigenschafft  erbetten  Creulich  vnd  ohne 
geferde  dessen  zu  noch  mehreren  Urkbundt  hab  ich  auch  meine  aigne 
ßandt  herunter  gezogen,   bescheben   zu   ßollneg  den  10  3uny  J\,  1657. 


©    53    'S 

Rote  Seidenfadenscbnur,  doppelt  gelegt,  darüber  $  Siegel  (rotes 
Siegellad)  gedruckt. 

JInna  niaria  Ualuasorin  (sehr  zitternde  Rand). 

Bernardin  Barbo  5^reib.  m.  p.         5^er.  Grnst  Jlpfaltrer  m.  p. 

JI.  V,  Gfall  m.  p.  melicber  Basiber. 

1).  Seyfridt  Ranib$cbi(5l  m.  p. 

5^.  B.  Scbwab  m.  p. 

Jranz  Bernbard  0all  m.  p. 
Dieses  Cestament  wurde  bei  Uornabme  der  Kommission  auf  $cblo(5 
Gfallened    unter    den    „Brieflieben    Urkunden"    als    „derzeit    nocb   ver-- 
scblossenes  Original'*  aufgefübrt.^^^ 

Zum  Uormund  über  die  Pupillen  wurde  der  älteste  Bruder  Karl 
von  Ualvasor  aus  des  Berrn  Bartbolomäus  erster  €be  bestimmt;^*^  ^^^^^ 
Bistoriograpb  zäblte  beim  Code  seiner  lHutter,  der  5^rau  J\nm  niaria, 
erst  16  3^bi*^- 

Sd)lo(5  Galleneck,  welcbes  unter  dem  3äbre  1662  im  ßültbucbe  der  krai« 
ni$d)en  Candscbaft  mit  42  Pfund  2  Scl)illing  2V2  Pfennig  eingetragen^^^  und        | 
das  nacb  dem  Code  des  Berrn  Bartbolomäus  5^rau  JInna  Hlaria  bis  zu  ibrem        ^ 
Code  innegebabt,  „erbandelte"  nun  der  Uormund,  indem  er,  wie  3obann         ^ 
CUeikbard  sagt,  „uns  andern  unsern  Cbeil  berausgab,"  verkaufte  es  aber 
ungefäbr  im  3äbre  1670  an  den  Bruder  3<^bänn  Berward,  nacb  dessen  ^ 

Jlbleben  es  der  Uetter  Jldam  Seifried  Jreiberr  von  Ualvasor  im  Causcb-- 
wege  für  $cblo(5  Heudorf  in  ünterkrain  „mit  einiger  Jlufgabe"  erwarb. ^^^  ^^ 

Bierauf  folgten  im  Besitze:  dessen  Sobn  5^ranz  Jldam,  dann  nacb  diesem  ^ 

5ranz  Enton  (1747),  5^rau  Franziska  Ursula  5^reiin  von  Ualvasor  (1760).  J 

CUeiters  ging  es  über  auf  3o$ef  3^nescbitz  5^reiberrn  von  Cicbtenberg 
(1765),  5ranz  Xaver  5^reiberrn  von  Cicbtenberg,  Jlnton  von  Pilpacb  (1S07), 
€manuel  Grafen  von  Scbärfenberg  (180$)  —  laut  Kaufkontrakt  um 
36.325  fl.,  —  5ranz  Benjamin  Skubitz  (1$26)  —  laut  Kaufkontrakt 
um  5900  fl.,  —  5^rau  Edelbeid  von  Uarga  de  Szigetb,  geb.  5^reiin 
von  Scbweiger  (1$33),  und  sodann  wieder  auf  5ranz  Benjamin  Skubitz 
(1836),  ferner  auf  Cudwig  Grafen  von  Ceiningen-CUesterburg  (1$50),  nacb 
dessen  Code  auf  die  mj.  5^riedricb  und  Berso  Grafen  Jlltleiningen-- 
(Uesterburg  und  Bermine  Gräfin  Ceiningen-CUesterburg  (29.  September 
1S6S)   und  von  diesen   auf  Berrn  Jllois  Prascbniker  laut  Kaufvertrages 

'''  Inventar  1057,  Brief).  Urk.  Dr.  1. 

^*^  €inlage  zum  Inventar  von  1057. 

'*'  Gültbud)  de  anno  1062  bis  1753,  Candesgericbt  Caibacb.  Candtafel  Wt.  13. 

"^  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  105. 


«5 


'S)    54    -2) 

ddo.  6.  Oktober,  ratifiziert  14.  Hovember  IS6$^*^  dessen  Grben  es  am 
4.  Jlpril  1902  an  Berrn  5^ranz  Celestina,  den  gegenwärtigen  Besitzer,  ver-- 
kauften.^^^  Oobann  Cüeikbards  Uormund,  der  Stiefbruder  Karl,  wurde  im 
3abre  1667  —  in  welcbem  H^bre  3obann  CUeikbard  bereits  26  3^bre  zäblte 
—  in  den  Jreiberrnstand  erboben,  und  zwar  für  sieb  sowie  für  seines  (des 
Karl)  verstorbenen  Uetters  Jobann  Baptist  binterlassene  Cüitwe  Kegina 
Sidonia,  geb.  5^reiin  von  Barbo,  ibrem  Sobne  Ranns  JIdam  und  dessen 
Scbwester  Jlnna  Glisabetb.^*^  CUann  der  5reiberrnstand  des  Stiefbruders 
Karl  auf  unsern  Jobann  CUeikbard  übergegangen,  ist  beute  nocb  fraglicb. 
In  seinen  Cüerken  erscbeint  er  scbon  ^reiberr  genannt  in  der  16$1  er-- 
scbienenen  „Copograpbia  Carintbiae  Salisburgensis". 


*^5  tandcsgcricbt  Caibad),  Candtafel,  bauptbud)  U,  fol.  1$6. 

'^«  Candtafel,  Caibacb. 

''''  K.  k.  Jldel$ard)iv  in  Cüien. 


Johann  Weikhard  h 

*■!■ 

Freiherr  uon  Pabason  » 


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Geburt  *  Geburtshaus* 

fn  welcbem  tage  des  Hlonates  ITlai  1641  Oöbann  Cüeikbard 
Freiherr  von  Ualvasor  geboren  wurde,  ist  nicbt  aufgezeicbnet; 
wabrscbeinlicb  am  2$.,  vielleicbt  bereits  am  21,  ITlai. 

Die~~Täufniatrikel  der  Dompfarre  zu  $t.  nii<olaus  in 
Eaibad)^*^  verzeicbnet  zum  3abre  1641,  2$.  Hlai,  da(5  an  diesem  tage 
unser  nacbber  so  berübmt  gewordene  3<>bann  Cüeikbard  von  Ualvasor 
die  beilige  Caufe  empfangen  bat.  Die  Übung  jener  Cage  lief?  die  Caufe 
alsbald  der  Geburt  folgen. 

Der  CUortlaut  der  Eintragung  ist  nacbstebender: 

1641  niai  2$  Baptizatus  est  O^annes  CUai  |  cbardus  legitime  natus  ex 
patre  perillu  |  stri  et  generoso  Domino  Bartbolomaeo  |  Ualuasor  etc.  et  ex 
matre  Hlaria  |  Patrini  erant  generosus  Dominus  |  Conradus  Rues 
C  :  B  :  I  €t  Regina  Dorotbea  Raspin. ^*^ 

(Uas  diese  beiden  Paten  betrifft,  war  Berr  Ronrad  Rue(5  5^reiberr 
von  Ruessenstein  Besitzer  des  von  ibm  „zierlicb"  neubergestellten 
Scblosses  StermoP^o  (in  Oberkrain,  auf  dem  (liege  von  Rrainburg  nad) 
Stein)  und  die  5^rau  Patin  Regina  Dorotbea  von  Rasp,  geb.  von  Rauber, 
die  Scbwester  von  Oobann  CUeikbards  lHutter,  welcbe  5^rau  Raspin  in  eben- 
demselben 3abre  das  $cblo(5  Ueselka  (in  Oberkrain)  neu  aufgebaut  bat.^^^ 

ÜJie  bereits  im  vorigen  Jlbteil  festgestellt  worden,  war  die  Geburt 
3obann  CUeikbards  in  dem  pause  der  Stadt  Caibacb  auf  dem  Jllten 
ITlarkte  —  beute  Dr.  4  — ,  und  zwar  in  dem  zweiten  Stockwerke  desselben 


**^  Die  Benützung  der  niatrikeln  der  Dompfarre  Caibacb  verdanke  icb  der  ganz 
besonderen  ?reundlid)keit  des  bod)w.  Rerrn  Kanonikus  und  Donipfarrers  3o$ef  Grker, 
weld)er  mir  dieselben  in  der  zuvorkommendsten  lUeise  zur  Uerfügung  stellte,  wofür 
id)  eben  an  dieser  Stelle  meinen  pflid)t$d)uldigsten  Dank  darzubringen  in  der  an- 
genehmen tage  bin.  (Der  Uerfasser.) 

"^  Caibad)er  Dompfarr-Brcbiv,  Ciber  Baptizatoruni  Cabaci  de  flnno  Salvtis  Rc- 
paratae  163$  vsque  1643,  nr.  7. 

*^°  Ualvasor,  Gbre  des  l)erzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  562. 

'^*  ebenda,  III.  (XL),  p.  614. 


'S)     5$     -2) 

erfolgt.  In  dieser  Gtage  des  $tädtisd)en  Diederlags--  und  Uüagbauses 
hatten  nämlicb  dessen  Eltern  in  den  jabren  1640  bis  1642  CUobnung 
gemietet.  Da  dieses  Raus  von  so  eminent  lokalge$cbicbtlid)er  Bedeutung 
und  auch  eben  durcb  die  darin  erfolgte  Geburt  des  in  aller  (üelt  berübmt 
gewordenen  üerfassers  der  „€bre  des  Herzogtums  Krain"  —  welches 
epochale  CUerk  in  allen  Bibliotheken  des  In-  und  Jluslandes  vorfindig  — 
Jlnspruch  auf  das  Interesse  der  weitesten  Kreise  erheben  kann,  so  wollen 
wir  dasselbe  hier  des  näheren  besprechen  und  auch  dessen  Jlbbildung  im 
damaligen  und  heute  noch  erkennbaren  Zustande  hier  mit  einrüd<en  lassen. 
I)eute  drei  $tod<werke  weisend,  zählte  es  zu  jener  Zeit  deren  nur  zwei 
und  hatte  den  zweiten  $tod<  erst  vier  3^hre  vor  der  Geburt  Ualvasors 
aufgesetzt  erhalten. 

nachdem  die  Stadtgemeinde  in  ihrer  Ratsversammlung  am  11.  Jlpril 
1636  den  Beschlut^  gefa(5t  hatte,  da(5  das  Cüag-  und  Hiederlagshaus^^^ 
auf  dem  Jllten  Hlarkte  umgebaut  und  erweitert  werden  solle,!^^  fügte 
sie  unterm  1.  September  desselben  Jahres  die  nähere  Bestimmung  hinzu: 
„Das  Hiederlaghaus  soll  noch  um  einen  0aden  (Stockwerk)  hochgebaut 
werden,  damit  aus  den  Zimmern  der  Zin(5  eingebracht  werden  mag" 
(d.  h.  da(5  durch  die  Hliete  das  Kapital  für  den  Umbau  sich  verzinse). 

lüie  wir  weiters  aus  den  Urbaren  der  Stadt  Caibach  von  1636  bis 
164$  ersehen,  bewohnten  diesen  oberen  Baden  des  neuhergerichteten 
(Uag-  und  Hiederlagshauses  der  Stadt  mit  einer  miete  von  42  fl.  (per 
Halbjahr)  der  Reihe  nach:  Berr  JIndrä  üidmayr,  Jldvokat  (1637  bis  1639), 
Herr  Stieff  und  Herr  Bartlme  von  üalvasor  (1640  bis  1643)  und  dann 
wieder  Herr  Jlndrä  Uidmayr  (1643  bis  1648).  Den  unteren  (ersten)  Stock 
aber  bewohnte  unentgeltlich  der  städtische  CUagmeister  und  Brotsitzer, 
denn  in  diesem  städtischen  Gebäude  war  auch  (in  den  Parterreräumen) 
die  städtische  „Brotkammer"  untergebrad)t  und  es  erscheint  dieses  0e-- 
bäude  „im  Uerzeichnisse  der  in  Caibach  befindlichen  Gassen,  Häuser  und 
derselben  Inhaber"  im  Instanzkalender  für  Krain  vom  3ahre  1782^^* 
unter  Hr.  113  noch  als  städtische  Brotkammer  bezeichnet.  Zwei  O^^^"^ 
später  (1784)  verordnete  das  k.  k.  i.  ö.  Gubernium  (ddo.  Graz,  25.  Ok» 
tober),    „es   seien    alle    der    landesfürstl.   Haubtstadt   Caibach   gehörigen 


^^"^  Hiebt  zu  verwechseln  mit  dem  im  vorigen  Jahrhundert  neben  der  Ularkthütte 
hinter  dem  Bischofhofe  gestandenen  niederlagshause,  einem  geräumigen  Ulagazine, 
wo  die  fremden  Kaufleute  ihre  CUaren,  die  sie  zu  den  niari<tzeiten  nicht  verkaufen 
konnten,  niederlegen  mufften.  Urhovec:  Die  1.  f.  Rauptstadt  Caibach,  pag.  122. 

'"  Archiv  der  Stadt  Caibach,  Gerichtsprotokoll  vom  ]ahre  1636,  fol.  $5/a. 

'•■^^  K.  k.  Studienbibliothek  in  Caibach. 


-©    59    'S 

Realitäten  und  Gefälle  licitando  bintanzugeben"  und  es  erstand  bei  der 
am  17.  3änner  17S5  auf  dem  Ratbause  stattgebabten  5^eilbietung  die 
städtiscbe  Brotkammer  —  das  ebemalige  Uüag--  und  Hiederlagsbaus  — 
der  0etreidefaktor  und  Mitglied  des  natura]ien--lnspektorates  und  Kasten-- 
amtes  5^ranz  Jlnton  lUerP^^  um  den  Betrag  von  3050  fl.  Hlerl  kaufte 
aucb,  nebenbei  bemerkt,  bei  diesem  anlasse  das  städtiscbe  ßetreide-- 
magazin  (Hiederlagsbaus  der  fremden  Kaufleute)  binter  dem  Biscbofbofe. 
Die  grundbücberlicbe  Eintragung  5^ranz  Jlnton  ITierls  im  Besitze  der 
Brotkammer  erfolgte  unterm  30.  IDai  17$6.^^^ 

Cüeiters  erscbeinen  eingetragen  als  Besitzer  dieses  Bauses  1$01 
(16.  September)  Ignazio  Hlerl,  ISOl  (6.  Oktober)  5^ranz  Bartlme  ZebuU, 
1$40  (4.  3uli)  Oosef  CUeber,  1870  (6.  Dezember)  August  Oleber,  1S76 
(23.  Dezember)  ^einrieb  Hicman,  gegenwärtig  3osef  Petkosig. 

Das  Baus,  welcbes  in  seinem  Grdgescbosse  nocb  beute  die  aus  dem 
15.  3abrbundert  stammenden  Cüölbungen  der  alten  Brotkammer  aufweist, 
finden  wir  im  Jiufbau  der  späteren  Zeit  mit  seiner  dem  recbten  Ufer  des 
Caibacbflusses  zugekebrten  Rüdfront  auf  der  in  der  „Gbre  des  ßerzog-- 
tums  Krain**  befindlid)en  grof^en  JInsicbt  der  Stadt  Caibacb  als  zweites 
Baus  in  der  Bäuserreibe  von  der  „Crantscbe"  flußaufwärts  abgebildet. 

niein  Uetter  und  freund,  weil,  der  akademiscbe  Hlaler  Berr  Konrad 
Grefe  in  (Uien,  bat  aus  dieser  Darstellung  eine  üergröt^erung  gescbaffen 
und  mir  das  so  angefertigte  Aquarell  zur  Reproduktion  freundlicbst  zur 
Uerfügung  gestellt. 


9& 


^"  Instanzkalender  für  das  berzogtum  Krain,1793.  K.k.Studienbibliotbek  in  Caibad). 

^^^  Eandtafel  beim  Candesgericbte  Caibad).  Relatenbucb,  Com.  III,  b- 13  (C.  3).  ^ 


Studienjahre« 

'a[5  Jobann  lUeikbard  an  der  Seite  seiner  ausgezeichneten  lHutter 
in  den  ersten  Cebensjabren  die  „rHutterscbule"  im  Sinne  des 
Comenius  in  vorzüglicber  CUeise  genossen,  den  mit  liebevoll 
erklärenden  Cüorten  begleiteten  Jlnscbauungsunterricbt  über  die 
umgebende  Datur,  dafür  spricht  mebr  als  deutlich  sein  Buch  der  Datur 
der  engeren  Beimat,  wie  es  im  ersten  Bande  seiner  „Gbre  Krains"  auf= 
geschlagen  vor  uns  liegt  zur  Belehrung  der  Zeitgenossen  im  Daheim  und 
in  der  5erne,  aber  aud)  als  unerschöpfliche  5^undgrube  der  5^orschung  für 
alle  späteren  tage. 

UJer  dem  aufgeweckten  Knaben  die  „Elemente"  alles  weiteren  Studiums, 
das  Cesen,  Schreiben  und  Rechnen  beigebracht  haben  mag,  darüber  fehlen 
uns  jedwede  Dachrichten.  Gs  ist  wohl  anzunehmen,  da(5  Johann  lUeikhard, 
da  seine  Gltern,  wie  wir  in  einem  früheren  Jlbteil  ausgeführt,  bis  164$ 
einschliet^lich  in  der  Candeshauptstadt  Caibach  weilten,  in  diesen  Clementar-- 
gegenständen  von  einem  der  zu  jener  Zeit  hier  wirkenden  vier  Schul-- 
lehrer  unterrichtet  worden  ist. 

lUir  begegnen  nämlich  in  Caibach  —  das,  dank  dem  seine  hohe 
Kulturmission  auch  auf  unserem  Boden  treu  erfüllenden  hohen  „Ceutschen 
Ritterorden",  schon  im  ITlittelalter  eine  Schule  neben  dem  Ordensgebäude 
besaf^  und  wo  auch  schon  im  15.  Jahrhundert  (1493)  ein  Schullehrer 
am  Caibacher  Domkapitel  genannt  wird^"  —  im  Jahre  1647  den  vier 
Schulmeistern  f)ann(5  Comissarius,  Balthasar  0umrer,  Philipp  Specht  und 
üalentin  Pistorius,  letzterer  Schulmeister  bei  der  St.  Dikolaikirche. 

Diese  Schulmeister,  von  denen  wir  dem  Johann  Comissarius  und 
dem  Balthasar  0umrer  noch  im  Jahre  1661  in  CUirksamkeit  begegnen  und 
deren  ersterer  sich  in  diesem  Jahre  beim  niagistrate  arg  darüber  beschwert, 
da[)  sich  ein  CUeib,  eine  „Kramerin'',  unterstanden  habe,  eine  neue  Schule 
knapp  neben  der  seinen  zu  errichten,  erhielten  vom  „€rsamen  niagistrate 


157 


Dimitz,  0e$d)ic})te  Krains,  I.,  p.  31$. 


*^^  flufzeicbnung  der  zur  Uornabme  des  flderlassens  angezeigten  Cage. 
^•^^  Stadtarchiv,  flusgabenbücber. 
"^'^  IL  (VIIL),  p.  704. 
^«'  IL  (VL),  p.  342. 

^^-  mein:  Der  krainiscbe  Ristoriograpb  3obann  Cudwig  Scbönleben,  Separatabdruck 
aus  den  mitteiiungen  des  IDusealvereins  für  Krain  1394,  p.  13  ff. 


# 


-2)      61      'S 

der  Stadt"  alljäbrlicb  zu  Heujabr  für  die  dargebracbten  ßlückwünscbe  und 
der  eine  und  der  andere  für  überreicbte  „Ca(5tafeln"i^^  „Uerebrungen" 
gereicbt,  die  deutseben  Scbulmeister  je  3  fl.,  der  Scbulmeister  und  niusik-- 
lebrer  am  Dome  Pistorius  aber  4  fl.,^^^  nicbt  selten  mit  der  €rmabnung 
in  den  Belegen,  dal5  sie  im  5^1ei(5e  des  Unterricbtes  der  Kinder  in  der 
cbristlicben  Cebre,  im  Cesen,  Scbreiben  und  Reebnen  eifrig  fortfabren  mögen. 

Da  die  CUobnung  der  €ltern  3obann  (Ueikbards  auf  dem  Jllten  lHarkte 
gelegen  war  und  das  Baus  zur  Dompfarre  geborte,  so  können  wir,  die 
ünnabme  vorausgesetzt,  da(5  der  Knabe  öffentlicb  die  Scbule  besucbte, 
aucb  darauf  scblief^en,  dal5  der  Domscbullebrer  und  Hlusikmeister  Pistorius 
sein  €lementarlebrer  gewesen;  üalvasors  gro(5es  Interesse  für  lHusik  wäre 
demnad)  scbon  im  zartesten  Jllter  geweckt  worden! 

Jlls  es  galt,  den  Sobn  die  Cateinscbule  besucben  zu  lassen,  vertraute 
ibn   die  IHutter  —  der  Uater  starb   eben   in   dem  Jährte   als  3obann  % 

(Ueikbard  ins  Gymnasium  kam  —  der  Ceitung  der  Uäter  aus  der  6e-- 
sellscbaft  3^su  im  Caibacber  Kollegium  an,  „dieser  gelebrten  Ceute",  wie 
Ualvasor  sie  in  seiner  „€bre  Krains"  dankbarst  apostropbiert,^^^  die  in 
ibren  Collegiis  —  wie  er  weiters  bervorbebt  —  die  studierende  3i*9^nd 
in  „Bumanioribus  bevorab  in  der  Catinität,  €loquenz  und  Scblul^kunst 
(oder  Eogik)  meisterlicb  abzufübren,  einen  lobwürdigen  ^lei[5  anlegen  und 
in  solcber  Unterricbtung  sonderbare  ITIanier  und  ßescbid^licbkeit  braueben". ^^^ 

In  diesem  Eaibacber  Kollegium  wirkten,  namentlicb  in  den  tagen,  da 
unser  Ristoriograpb  die  grundlegende  Bildung  in  den  CUissenscbaften  erbielt, 
ausgezeid)nete  Pädagogen  und  Cebrer,  darunter  eine  Reibe  von  Scbrift- 
stellern,  in  erster  Cinie  der  ßeimatgenosse,  der  Präfekt  der  Studien  3obann 
Cudwig  Sd)önleben,^^2  der  erste  ßescbicbtscbreiber  Krains  der  Zeit  nacb, 
dessen  üorbild  unseren  3öbann  lüeikbard  Ualvasor  wobl  den  ersten 
Ensporn  zum  selbsttätigen  5^or$cben  und  Schaffen  auf  diesem  CUissen-- 
scbaftsgebiete  mag  geboten  baben. 

Jlucb  am  Caibacber  Kollegium  bestanden  die  „Studia  inferiora"  der 
3e$uiten  in  diesen  3abren  allein  nocb  (die  Studia  superiosa  traten  bier  erst  im 
1$.  33b'"bundert   binzu),    und   zwar   gab    es    aucb    bier   fünf   Klassen: 


'S)    62    'S) 

1.)  Die  Infinia  classis  ßrammaticae/^^  2.)  media  classis  Granimaticae,^*^* 
3.)  suprenia  classis  ßrammaticae,^^^  4.)  Bumanitas,  aucb  Poesie  genannt, 
und  5.)  Rbetorica. 

üalvasor  absolvierte  diese  Cateinscbule  der  3^suiten  als  Konviktist, 
selbstredend  mit  dem  besten  geistigen  Erfolge  für  seine  literariscbe  Zu-- 
kunft  und  ward  in  der  Grziebung  jener  beiden  berrscbenden  Prinzipien 
teilbaftig,  welcbe  die  Uäter  3^su  wie  für  die  Crziebung  ibrer  eigenen 
mitglieder,  so  aucb  für  die  der  ibnen  anvertrauten  Jugend  als  oberste 
Regel  festgebalten:  Disziplin  und  €bre. 

„Disziplin"  —  sagt  der  objektive  Paulsen  in  seiner  ßescbicbte  des 
Unterricbtes^'^'^  —  bedeutet  bier  nicbt  äuf^ere  Unterwerfung  durcb  Strafe  und 
5urcbt,  in  der  Uerwendung  dieser  mittel  waren  die  Jesuiten  zurüd<baltender 
als  die  mittelalterlicben  und  die  protestantiscben  Scbulen,  die  von  der 
Rute  täglicb  ausgiebigsten  ßebraucb  macbten,  wogegen  die  3^5uiten-- 
pädagogik  die  körperlicbe  Zücbtigung  als  ein  letztes  Hilfsmittel  der  Dis-- 
ziplin  in  der  Reserve  zu  balten  rät  und  sie  dann  durcb  einen  nicbt  dem 
Orden  angebörigen  Jlngestellten  (den  corrector)  ausfübren  läj^t  —  eine 
bemerkenswerte  Uorsicbt,  den  Eebrer  nicbt  mit  dem  Scbüler  bandgemein 
werden  zu  lassen,  sondern  ibm  den  nötigen  Jlbstand  zu  wabren.  Statt 
mit  diesen  äu(Krlicben  mitteln  sucbten  sie  mit  den  mitteln  innerer  Dis-- 
ziplin,  besonders  den  religiösen  IDitteln  der  Beicbte  und  der  Betracbtung 
zu  wirken;  dem  üerbältnis  zur  Religion  Spontaneität  und  inneres  Ceben 
zu  geben,  dienten  dann  vorzüglicb  die  Rongregationen,  in  denen  die 
Jugend  sieb  als  das  Glied  einer  bis  ins  jenseits  reicbenden  ßenossenscbaft 
füblen  lernt.  Daneben  gilt  als  weltlicber  Jlntrieb  die  Cbre.  In  Überein-- 
stimmung  mit  den  ^Forderungen  der  bumanistiscben  Pädagogik  macben 
die  Scbulen  der  ßesellscbaft  von  allen  Itlitteln,  den  Gbrtrieb  der  Scbüler 
und  deren  Gbrgeiz  ins  Spiel  zu  bringen,  ausgedebntesten  ßebraucb: 
Öffentlicbe  Jluffübrungen  —  in  betreff  deren  scbon  ßoetbe  „die  5^reude 
an  der  Sacbe  dabei"  lobend  bervorbob  und  die  aucb  Devrient  in 
seiner  6e$cbicbte  des  deutseben  Cbeaters  in  ibrer  erzieblicben  Bedeutung 
würdigt  — ,  Deklamationen,  Prüfungen,  Cektionen,  Prämien,  Certationen, 
diese  zwiscben  Einzelnen  und  ganzen  Rlassen  und  Scbulen,  alle  dienen 


*"  aud)  Rudiment  genannt. 

^'''*  aud)  Grammatik  schlechtweg. 

'^^  oder  Syntax. 

""'  Geschichte  des  gelehrten  Unterrichtes  auf  den  deutsd)en  Schulen  und 
Universitäten.  Dom  Ausgang  des  IHittelalters  bis  zur  Gegenwart,  von  Dr.  Friedrich 
Paulsen,  Professor  an   der  Universität  zu  Berlin.  2.  J!ufl.,  Leipzig  i$96,  I.,  p.  429  ff. 


'S    63    'S) 

dem  Zwecke  zur  Jlnspannung  der  Kräfte."  Und  Paulsen  fügt  dieser 
Enfübrung  bei:  man  solle  nicht  vergessen,  da(5  der  CUetteifer  in  der 
Scbule  unentberlid)  ist,  „freilieb"  —  sagt  er  —  „ist  mit  der  guten 
eQig  die  böse  nabe  verwandt,  aber  obne  jene  ist  nie  eine  gute  $d)ule 
gewesen".  „Und  aucb  das  vergesse  man  nicbt"  —  scbliel^t  er  — ,  „da(5 
die  3^$uitenpädagogik  es  in  erster  Cinie  mit  Internaten  zu  tun  hatte,  in 
denen  zum  Ceil  die  vornehme  Ougend  ihre  Crziebung  empfing.  Dem- 
entsprechend war  denn  aucb  die  äuf^ere  Ginrichtung  und  Cebensbaltung 
in  den  Kollegien  vielfach  eine  recht  stattliche." ^^^ 

mit  gro(3em  Pompe  war  die  Aufführung  von  des  Präfekten  $cbön= 
leben  lateini$d)er  Cragödie:  Baeresis  fulminata  Enastasius  Cyrannus 
Orientis  Raereticus  wiederholt  in  Szene  gegangen,  zu  deren  Jlusstattung 
mit  Subvention  der  krainischen  Candschaft,  die  eine  Summe  von  300  fl. 
gespendet,  eine  Jlnzahl  prachtvoller  Kostüme  aus  kostbaren  Stoffen  neu 
angeschafft  waren  und  bei  welcher  94  Zöglinge  und  ein  ITlagister  mit=  J 

„agirten".^^^   Unseres  Johann  (Ueikhard   patriotischer  Sinn   erhielt  auch  " 

frühzeitig  Hahrung  durch  die  1651  am  22,  Juni  für  die  ganze  Caibacher 
Diözese  angeordnete  Echatiusfeier  zur  Erinnerung  an  den  1593  am  ^est-- 
tage  des  hl.  Jlchatius  durch  Andreas  von  Auersperg  erfochtenen  wunder-- 
baren  Sieg  gegen  Bassan  Pascha,  welche  Erinnerung  auch  in  der  Kirche 
und  im  Kollegium  der  Jesuiten  durch  Predigt  und  JImt  gefeiert  wurde. ^^'^ 


'''  1.  c,  p.  430. 

^^^  mein:  $d)önleben  usw.,  I.  c,  p.  17 ff. 

'''  1.  c,  p.  IQ. 


"3 
J 


Grinnerungen  aus  dieser  Zeit, 

fu  3<>b^"^i  CUeikbards  frühesten  jugenderinnerungen  zählt  das 
Ereignis  des  Gintreffens  eines  Bären  auf  Schloff  Gallenberg. 
Rören  wir  ihn  davon  selbst  in  späteren  Cagen  erzählen;  er 
sagt:^'^  „und  damit  ich  ja  nichts,  wessen  ich  mich  erinnern 
kann,  unangemeldet  lasse,  so  thue  dieses  hinzu  (zur  Beschreibung  von 
Gallenberg),  da(5,  als  mein  lieber  seliger  Berr  Uater  dieser  Herrschaft 
Inhaber  gewest,  einsmals  ein  grotKr  wilder  Bär  in  das  Schloff  ge= 
kommen,  alda  er  aber  übel  bewillkommt  und  auf  dem  Platz  mit  einer 
Kugel  darnieder  gelegt  worden,  ist  also  der  Bestie  ihre  Guriosität,  die 
Schlösser  zu  besehen,  schlecht  belohnt,  wiewol  namentlich  keine  andere 
Guriosität  (Heugierde)  sie  dahin  verleitet,  als  zu  erfahren,  obs  nicht 
etwast  für  sie  etwas  darin  zu  fressen  setzte  und  ihr  ein  Buhn  oder  Schäf-- 
lein  oder  anderes  Chier  zur  Beute  werden  mögte." 

eine  andere  seiner  3ugenderinnerungen  ist  das  „IDiraker*  der  wunder-- 
baren  Reilung  einer  erblindeten  bei  der  CUallfahrtskirche  U.  C.  brauen  am 
hl.  Berge  (lilialkirche  der  Pfarre  Cüatsch  in  Oberkrain),  „als  diese  5rau 
beim  dritten  lllal  auf  den  Knieen  um  den  Jlltar  herumgekommen,  sei  ihr 
nicht  anders  gewest,  als  ob  sie  von  einem  starken  Cüinde,  der  ihr  auch 
die  Petschen  oder  Schleier  vom  Kopfe  gerissen,  angeblasen  würde,  worüber 
sie  vor  Schrecken  einen  Schrei  gethan,  zugleich  aber  auch  denselben 
Jlugenblick  wieder  sehend  worden".  „Dieses  hat  sich  —  so  beteuert  noch 
in  späten  Jahren  üalvasor  —  in  der  Cüarheit  begeben,  wie  es  viel  Ceute 
bezeugen  können.  Jluch  habe  ich  —  fügt  er  bei  —  selber  mit  ihr  oft 
geredet,  als  zu  solcher  Zeit  ihr  ehewirth  JImtmann  zu  Galleneck  bei  uns 
war,  seines  Hamens,  soviel  ich  mich  erinnern  kann,  l)anshe  (Johannes) 
Pein."^'^  man  sieht  bei  dem  reifen  Hlanne  üalvasor  noch  die  späte  Hach-- 
wirkung  der  innern  Disziplin,   die  dem  Studio  des  Eaibacher  Kollegiums 


^'^  üalvasor,  ehre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  162. 
'''  ebenda,  IL  (VIIL),  p.  $29. 


'S)    6S    'S) 

zuteil  geworden;  die  tiefe  religiöse  Überzeugung,  die  der  sonst  so 
vielfach  in  seinen  Jlnscbauungen  und  Jlnsicbten  geläuterte  vielerfabrene 
Gelehrte  und  5^ors(ber  unentwegt  bis  an  sein  Eebensende  festgehalten  hat. 

eine  3ugenderinnerung,  speziell  aus  dem  Kreise  seiner  niitsd)üler, 
frischt  er  aber  bei  Behandlung  des  Chemas  von  den  „Pactis  expressis 
und  implicitis"  auf  —  von  welchem  Chema  wir  im  üerlaufe  unserer 
Darstellung  von  üalvasors  „Stellung  zum  Ceufels--  und  Bexenglauben" 
nod)  näher  sprechen  werden. 

Bier  sei  nur  die  Stelle  herausgehoben,  welche  die  eben  angezogene 
Ougenderinnerung  in  sich  schliefet.  „Ich  habe  —  schreibt  Ualvasor  — 
in  meiner  3ugend  einen  Knaben  gekannt,  der  allererst  (eben)  in  die  vierte 
Schul  (oder  01a(O  nemlich  ad  Syntaxim  gekommen  war,  als  sich  ein 
liederlicher  Kerl  in  seine  Kundschafft  ^^^  schmeichelte.  .  .  .  Dieser  heil-- 
loser^^^  überredete  gedachten  jungen  fürnemen  Knaben,  er  sollte  sich  in  den 
Hrm,  oder  Ju{^  oder  sonst  an  einen  beliebigen  Ort  des  Ceibes,  da  es 
fleischig  ist,  auch  gar  durch  die  Backen  oder  Cefftzen  eine  Stedinadel  stolzen 
bis  an  den  Knopf  und  anders  nichts  dabei  thun  als  drei  Uaterunser  und 
drei  flve  lHaria  beten,  hernach  diese  CUorte  dazu  sprechen:  Gott  Uater, 
Gott  Sohn,  Gott  heiliger  Geist  verla(5  mich  nicht  und  folgend  mit  der  Hadel 
ein  Kreuz  auf  die  Stätte,  wo  er  hinein  stechen  wollte,  machen,  so  würde 
ihn's  nicht  schmerzen,  auch  der  Stich  kein  Blut  geben.  Der  also  überredete 
Knabe  practicirte  dieses  Herfahren  wol  zwei  oder  drei  3ahr  lang,  der 
betrogenen  Ginbildung,  da(5  die  heiligen  Cüorte  ihn  alles  Schmertzens 
befreyeten  und  meinte  CUunder,  was  für  eine  vortreffliche  Kunst  er  hätte 
erlernt.  Gndlich  erfuhr  es  unser  Professor,  nämlich  in  Poesie  ^^^  und 
verbot  ihms;  also  that  er  es  auch  von  dem  an  nicht  mehr."  —  Ualvasor 
schliefet  daran  die  „moral",  der  gedachte  Knabe  sei  durch  das  ge- 
schilderte Uorgehen  in  ein  doppeltes  Paktum,  in  das  Pactum  implicitum 
Pseudo--Sanctum,  weil  er  geistliche  CUorte  dazu  gemif^braucht,  und  in  das 
Pactum  implicitum  naturale  gefallen,  in  letzteres  deshalb,  weil  es  ohne 
die  CUorte  natürlich  geschehen  kann.  Und  nun  gibt  unser  Bistoriograph 
und  Haturforscher  diesbezüglich  nachstehende  „natürliche"  Erklärung.  Gr 
sagt:  „JRls  ich  über  viel  3ahr  hernach  .mich  der  Haturkundigung  befli(5, 
fing  ich  auch  an,  diesen  Iladelstich   des  Knaben,  der  mit  mir  in  einer 


^''^  Kundschaft  (veraltend)  =  persönliche  Bekanntschaft.  Sanders'  Cü.-B.  I.,  p.  1052. 

*^^  heillos  (baillos)  =  nichtswürdig,  nichtsnutzig  in  moralischem  Sinne,  ein  heil- 
loser Strick,  ein  nichtswürdiger  Schlingel.  Schmeller,  Bayer.  Cü.-B.  I.,  p.  107$. 

*^*  UJenn  die  Angabe  von  drei  Jahren  richtig  wäre,  so  mü^te  der  Jüngling  eine 
Klasse  wiederholt  haben. 

V.  Radics,  Ualvasor.  9 


-©    66    'S) 

01at5  gesessen,  zu  exaniiniren,  ob  es  nicht  ein  Pseudo-sanctum  naturale 
iniplicituni  wäre,  weil  zu  sotbanein  (sogearteteni)  Stieb  keine  näb--nadel, 
sondern  allein  eine  IDessings  Hadel  zugelassen  wurde?  Da  icb  dann 
gefunden,  es  sei  ganz  natürlicb,  daf5  einer  sieb  mit  einer  Sperr--  oder 
Stecknadel  so  unscbnierzlicb  stechen  könne,  weil  solche  Dadeln  von 
IDessing,  in  dem  IDessing  aber  ßalmey^^^  und  üictril  ^^^  sitze,  denn  der 
niessing  wird  aus  Kupfer  und  ßalmey  bereitet.  Das  Kupfer  ist  ganz 
vitriolisch  beilsam  und  blutstillend,  gleichwie  auch  der  ßalmey  trefflich 
für  alle  Cüunden  dienet,  lind  also  haben  ich  sowol,  als  etliche  andere 
naturbeflissene  wir  uns  ohne  einigen  Spruch  hernach  manchesmal  mit 
dergleichen  Dadeln  von  innen  zu  durch  die  Backen  gestochen,  dal5  die 
nadelspitze  von  au(5en  wieder  hervorgegangen,  welches  nicht  wehe 
gethan,  aud)  kein  Blut  gegeben,  nur  gar  selten  ein  Cröpflein  gleichwie 
vormals  besagten  Knaben.  Diesem  nach  darf  man  weder  dazu  beten,  noch 
einige  Cüorte  dazu  sprechen,  noch  das  Kreuz  machen,  denn  es  ist  aller-- 
dings  (durchwegs)  natürlich  (geht  auf  natürlichem  CUege  dabei  zu)  und 
die  Hatur  operirt  selbst  dabey.  H^doch  mu(5  sich  einer  ohne  Entsetzen 
oder  Furcht  stechen;  denn  es  geschieht  doch  nicht  ohne  einige  Gmpfin-- 
dung,  welche  aber  nur  gering  und  leidlich  ist,  massen  einer  nicht  viel 
mehr  dabei  empfindet,  als  ob  ihn  eine  niücke  oder  5^1iege  stäche.'* ^^^ 


"^  0almei  =  natürliches  kohlensaures  Zink.  —  Uiteril  =  Kupfervitriol. 
"^  Ualvasor,  Ghre  des  berzogtunis  Krain,  III.  (XL),  p.  $6  f. 


-j»  Q 


Studienreisen  und  erste  Waffentaten* 

Ibn  kennen,  die  Gr  kennt,  drey  Cbeile  dieser  Cüelt 
er  reiste  wie  nid)t  viel  von  Seinem  Stande  reisen, 
ein  andrer  IXIandrer  gafft  nad)  eitlem  Cüollust  Cand, 
er  forschte  nad)  dem  Reid)  der  nun  bestürtzten  Cürken 
und  wadete  mit  yrud)t  durd)  Cibj'ens  dürren  Sand! 
europa  kunnt  Ibn  nid)t  in  ibren  Kreis  bezirken, 
er  lernte,  däh  er  lebr* 

fit  diesen  Porten  begrü(5t  der  Professor  der  bayerischen  Universität 
Jlltdorf^"  Christoph  CUegleiter  in  seinem  dem  G[esd)macl<e  der 
Zeit  entsprechenden  Begleitgedichte  zur  „Ehre  des  Herzogtums 
Krain"  den  Studienreisenden  O^bann  CUeikhard  5reiherrn 
von  Ualvasor,  sowie  wir  auch  in  einem  zweiten  derartigen  Gedichte,  in 
den  Uersen  des  geheimen  Rates  der  freien  Reichsstadt  Regensburg  und 
zu  fürwehrenden  Reid)s--0omitiis  Deputierten,  des  Johann  Cudwig  Prasch, 
dessen  Reisen  als  besondere  Cugend  hochgestellt  finden/^® 

Indem  Ualvasor  in  seinem  Hauptwerke,  der  €hre  Rrains,  in  scharfen 
Umrissen  den  JIdel  seiner  engeren  Beimat  d)arakterisiert,  hebt  er  be-- 
sonders  hervor,  da(5  sowohl  die  vom  Berrenstande  als  die  Gdelleute 
„zuvörderst  ihre  Jugend  mit  freien  Künsten  zu  zieren  und  der  Pallas 
aufzuwarten  pflegen",  nad)mal$  „sich  in  zuwad)senden  Jahren  in  ritter= 
liehen  Gxercitien  qualificiren  und  fremde  Cänder  bevorab  Italien  und 
5^rankreich  bereisen,  massen  ihnen  die  Häherung  Italiens  gro(3en  Jlnlaf^ 
und  Bequemlichkeit  zur  Peregrination  gibt"^^^  —  ihn  aber  trieb  sein 
Bang  zur  Kuriosität,  wie  schon  oben  angedeutet,  noch  weiter  hinaus,  weit 
übers  nieer  nach  Cibyens  Cüüste  hin! 


"^  Jlltdorf,  Stadt  in  Bayern,  nürnbergisd)es  Gebiet,  nebst  einer  Universität,  die 
im  ]abre  157$  von  Kaiser  Rudolf  II.  errid)tet  wurde;  sie  batte  zur  Zeit  ein  Cbeatrum 
anatomicum,  ein  Caboratorium  d)ymicuni,  eine  Sternwarte,  eine  Bibliothek  und  ein 
Haturalienkabinett.  —  Später  wurde  die  Universität  nad)  erlangen  verlegt. 

"^  Ualvasor,  €bre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (im  unmittelbaren  flnsd)lusse  an  die 
lüidmung  Ualvasors  für  die  Candstände). 

"^  Ualvasor,  ehre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (VI.),  p.  342. 


-©    6$    'S) 

€bevor  wir  aber  von  3obann  CUeikbards  Studienreisen  eingebend 
spred)en,  wollen  wir  aus  einem  bierlands  verfaf^ten  didaktiscben  CUerke 
eines  seiner  adeligen  Zeitgenossen,  der  zudem  Beamter  der  krainiscben 
Eandscbaft^^^  war,  aus  des  Berrn  von  Sietzenbeimb  „Zucbt--$piegel  der 
Jldelicben  ^ugendt"^^^  in  aller  Kürze  jener  CUinke  gedenken,  die  derselbe, 
eben  in  den  Cagen  von  Ualvasors  erster  JTusfabrt  ins  römiscb-deutscbe 
Reicb,  den  reisenden  jungen  Kavalieren  im  allgemeinen  mit  auf  den  lUeg 
gegeben. 

Der  dritte  und  letzte  Ceil  dieses  vielfacb  lebrreicben  Bucbes^^^  „ver- 
merkt die  woblgeordnete  Besucbung  fremder  Eänder'*,  wie  notwendig  das 
Reisen  dem  jungen  Jldel  sei,  zu  welcber  Zeit  man  solcbes  anstellen, 
dabei  der  jungen  Berren  Cauglicbkeit  beobacbten  und  wie  man  ibnen 
sonst  dasselbe  ersprie(5licb  und  nützlicb  macben  solle,  aber  aucb  „im 
Gegenspiel,  au(5  der  üblen  Reysens  Jfnstalt,  sowol  der  Jugend  als  dem 
Uaterland  selbsten  für  bocbbetawrlicbe  Scbäden  erwacbsen". 

Der  üerfasser  erkennt  vier  Dinge,  die  den  Jldeligen  „vorsicbtig  im 
Ceben,  bebutsam  im  Reden,  sittlicb  im  CUandel  und  zur  Uorstebung  der 
Gemein  tawglicb  macben  können".  Das  erste  dieser  Dinge  ist  „die  Unter-- 
nebmung  wicbtiger  Gescbäfte'*,  das  zweite  „die  Übertragung  grof^er  IDübe 
und  Jirbeit",  das  dritte  „das  £esen  vieler  Bücber"  und  das  vierte  „das 
wolbestelte  Reysen  in  fremde  Cänder". 

Hacbdem  er  des  weiteren  ausgefübrt,  da[5  der  antritt  von  Reisen, 
bevor  der  junge  Hlann  zu  pause  (in  der  Beimat)  wobl  unterricbtet  worden, 
nur  scbädlicb  wirken  könne,  setzt  er  das  20.  3abr  fest,  in  dem  derselbe 
„in  die  Cänder  verscbickt  werden  könne,  allerwenigst  (mindestens)  aber 
nad)  Grsebung   eines  glückseligeren  Geistes  und  guter  Ceibesbewandtnus 


^"^  Rerr  JTdam   Sebastian  von  Siezenbeimb  war.   cbevor  er  ßantzleibeamter  der 
krainiscben  Candscbaft  wurde,  Stadtscbreiber  von  Caibad). 

'*^'  Der  volle  Citel  lautet:  üewbegläntzter  Zucbt=$piegel  der  Jldelid)en  Jugendt. 
Klärlicb  entwerffend:  UJic  die  €dle  3"9^ndt  von  jbren  Cüiegen  J^bren  bis  zur  an- 
ruckenden  reiften  mannbarkeit  mit  scbönen  Cugendten  Seelen  €rspriel3licb  geziert: 
flucb  in  boldseligen  Sitten  vnd  böflicben  Geberden  Ceibsbebaglicb  gepflantzt  werden 
solte.  flub  vnderscbiedcnen  Geist-  vnd  UJeltlicben  Cebrreicben  Uerfassern  vnd  tbeils 
eigenen  müglicbsten  Dacbsinnen  in  vnser  Ceutscbgebundne  Relden-Sprad)  trewiicb  zu- 
sammengezogen vnd  eiferigist  gesamblet  Durcb  ildamen  Sebastian  von  Sietzenbeimb  etc. 
In  eygner  Uerlegung  gedruckt  in  Hlüncben  1659.  —  S  ^  324  SS.  mit  5  Kupferstieben, 
von  UJolfgang  Kilian.  —  Gewidmet  den  Ständen  von  Steiermark,  Kärnten  und  Krain, 
deren  von  Putten  getragene  Eandeswappen  die  Abbildung  der  drei  Candesbauptstädte 
krönen. 

'''  SS.  281  bis  324. 


©    69    'S) 

das  erfüllte  1$."  —  Ualvasor  zählte,  als  er  die  erste  Reise  ins  Jlusland 
unternabm,  eben  1$  jabre  und  erfreute  sieb  der  eben  angegebenen  Be-- 
dingungen,  da  er  gleicb  bei  dieser  ersten  Cour,  wie  weiter  unten  gezeigt 
werden  wird,  mit  nutzen  reiste. 

Die  Betrachtung  der  von  ibm  aufgestellten  drei  Hauptzwecke  des 
Reisens,  nacb  welchen  die  adelige  Jugend  ihre  Jlbsicht  richten  solle,  um 
die  Besichtigung  der  Eänder  sich  rechtschaffen  zunutze  zu  machen,  leitet 
Berr  von  Siezenbeimb  mit  dem  folgenden  Satze  ein:  „Das  Reisen  in  die 
Eänder  soll  mehrentheils  zu  diesem  €nde  angestellet  werden,  damit  man 
der  Uernunft  das  Cicht,  dem  Tillen  die  rechte  lHaf?,  der  Jlnmutung 
(Begierde)  den  Zaumb,  den  CUerken  (Caten)  die  ordentliche  Regel,  dem 
Ceib  eine  sonderbare  (besondere)  Stärke  beibringen  und  das  Gemüt  (niut) 
mit  Capferkeit  zieren  möge.  Cüer  anderer  Gestalt  reiset  —  schliefet  er  — 
und  hieraus  keinen  nutzen  ziehet,  von  dem  kann  gesagt  werden:  Gr 
seye  als  ein  0ans  über  das  Hleer  geflogen  und  als  ein  0a,  ga,  ga  wieder 
nach  Baus  gelangt." 

Bh  ersten  Hauptzweck  des  Reisens  erkennt  dieser  Eehrmeister  das 
längere  Uerweilen  an  berühmten,  durch  Seltenheiten  der  Runst  und  IHerk-- 
würdigkeiten  der  Hatur  ausgezeichneten  Orten  und  Besichtigung  alles 
desjenigen,  was  in  einer  Stadt,  in  einem  £ande  eben  „zu  besichtigen 
denkwürdig".  J\h  da  sein  alle  öffentlichen  0ebäude,  der  hingeschiedenen 
tapfern  Beiden  statliche  Begräbnisse,  der  Rönige  und  5^ürsten  Paläst,  die 
prächtigen  und  herrlichen  Cempl,  die  gewaltigen  Cheatra  oder  Schau-- 
spielplätz,  die  wolgebauten  Rathhäuser,  Plätze,  Brücken,  Chore  und 
Basteien  usw.  usw.,  0ollegien,  Schulhäuser,  IDeerhäfen  und  Schiffe,  alle 
Schönheiten  der  Hatur,  wunderliche  Schroffen  (Gfebirgsformationen),  trotten, 
(üasserfälle  und  dergleichen  sich  hie  und  dort  befindende  Raritäten,  deren 
Renntnis  „bei  fürfallenden  Discursen  oftermals  eine  nützliche  Hnnehm-- 
lichkeit  verursacht".  (Dazu  das  nebenstehend  reproduzierte  Bild  Rilians.)^®^ 

„Der  andere  Zwed  des  Reysens  sey  aber  —  wie  der  Uerfasser 
betont  —  noch  nützlicher,  ja  sehr  notwendig,  da(5  nämlich  ein  adeliger 
Jüngling  neben  der  vorerwähnten  äu(5erlichen  ersehung  und  au(5er  der 
Übung  in  den  ritterlichen  €xercitien  auch  den  Uerstand  mit  seltenen 
Rünsten  und  geheimen  CUissenschaften  reichlich  beladen  möge",  da(5  er 
eben  lerne,  au(5er  dem   kunstreicl)en  5^echten,  Reiten  und  Canzen   „die 


'^'  CUolfgang  Kilian,  ein  Illitglied  der  Künstler- (Kupferstecher-)  Familie  in  Jlugs- 
bürg  (*I5$1,  11662),  als  dessen  Hauptwerk  das  nach  Sandrats  Gemälde  ausgeführte 
Jest  des  CUestfälischen  Friedens  zu  Hürnberg  1640  gilt,  flllg.  Deutsd)e  Biogr.,  XV.,  p,  736. 


'S    70    'S) 

Zunge  zu  einem  sittsamen,  klaren  und  lieblichen  Jlnspracb  zu  gewöhnen, 
untersd)iedlid)e  Sprachen  mit  ihren  rechten  JIccenten  und  aussprach  auf-- 
merksam  zu  begreifen,  sid)  in  allerhand  üocal--  und  Instrumentalischen 
IHusiken  trefflid)  zu  üben,  zum  Cheil  dem  Grund  der  5^eldmessereikunst 
und  des  Zirkels  schöner  eigensd)aft  emsig  nachzuforschen,  einen  zierlichen 
Bandrit)  (Zeichnung),  welcher  allen  Künsten  das  beste  Cicht  gibt,  selbst 
zu  erlernen  und  dergleichen  adeligen  CUissenschaften  mehr  rühmlich  nach-- 
zugehen". 

„Der  dritte  und  letzte  Hauptzweck"  aber,  dem  die  adelige  O^gend 
vor  allem  ihre  besondere  Beachtung  zuwenden  solle,  besteht  in  dem 
„lnnerlid)en",  nämlid)  darin,  „die  fremden  Länder  nach  ihrer  Uerfassung, 
ihrer  inneren  Ginrichtung  kennen  zu  lernen,  was  für  vornehme  Herren 
im  Cand,  ob  viel  Gelehrte,  was  es  für  eine  Gelegenheit  mit  den  Festungen, 
wie  diese  erbaut,  versorgt  und  bewacht  werden,  ob  der  Eingang  in  ein 
Cand  leid)t  oder  sd)wer  sei,  wie  die  Sitten  dieser  oder  jener  Uölker  be- 
schaffen usw.  usw.,  was  alles  durch  öfteren  Uerkehr  mit  verständigen, 
vornehmen  und  erfahrenen  Ceuten  füglich  ergriffen  (erfahren)  wird  und 
wodurch  der  adelige  3üngling  seinen  Uerstand  handgreiflich  schärft  und 
sid)  zu  künftigen  üorstehungen  (Ämtern  und  Cüürden)  tauglich  macht, 
seinen  Eltern  eine  unbesd)reiblid)e  5^reude  heimbringt  und  zur  Cüohlfahrt 
des  üaterlandes  wesentlich  beiträgt". 

„Die  Uerfolgung  dieser  Hauptzwecke  des  Reisens  —  so  schliefet  Herr 
von  Siezenheimb  diese  seine  Jlusführungen  —  ist  unvergleichlich  rühmlicher, 
als  wenn  von  seinen  Reisen  nichts  anderes  fürzubringen  wei(5,  als  da(5 
an  diesem  oder  jenem  Ort  köstliche  Cüein  wachsen,  allerhand  gute  Schnabel-- 
weid  von  tischen,  nieer-Geschnalz  und  trefflichen  CUildpret  zu  bekommen, 
bequeme  CUirths-,  Cantz--  und  Spielhäuser  bestellt,  oder  da(5  sich  hie  und 
dort  ein  überaus  holdseliges,  mit  schönem  wei(5  und  zartem  Jell  über-- 
zogenes  5^rauenzimmer  befinde,  welches  —  wie  er  entschuldigend 
beifügt  —  noch  zum  Cheil  hingienge,  da  man  nur  nicht  unterweilen  von 
diesem  oder  jenem  Ort  des  sich  anbey  (daselbst)  enthaltenden  zwar  wol-- 
gestalt  doch  Seelenhä(5lich  befled<ten  Courtesanen  üolks  und  deren  5^alsch-- 
scheinenden  vergiften  Ciebesstrid<en  mehr  als  zuviel  zu  erzählen  wü[5te!'* 


Uerfolgt  man  die  Jirt  des  Reisens,  wie  unser  Johann  ÜJeikhard  sie 
zu  üben  pflegte,  so  könnte  es  einem  fast  bedünken,  als  wäre  er,  um  sich 
so  auszudrücken,  nach  Uorschrift  des  Herrn  von  Siezenheimb  gereist,  und 


'S)     71     -2) 

dod)  war  es  nur  die  tücbtige  Hnlage  seines  CUesens,  was  diese  Überein-- 
stimmung  der  guten  Cbeorie  des  Reisescbriftstellers  mit  seiner,  des  Berrn 
von  Ualvasor  Praxis  herbeiführte. 

mit  welchem  Blicke  er  geschaut,  wie  er  die  Dinge  aufgefa(5t,  welche 
Resultate  er  von  seinen  Reisen  mit  heimgebracht,  darüber  geben  uns 
seine  Cüerke  den  besten  J[ufschlu(5. 

Die  erste  grö(3ere  Reise,  die  er  von  der  Beimat  aus  unternahm,  seine 
erste  „Peregrination",  ging  jedoch  nicht,  wie  sonst  bei  seinen  Cands-- 
genossen  üblich,  nach  Italien;  Ualvasor  lenkte  sein  Rö(5lein,  auf  dem  er, 
von  einem  Diener  begleitet,  seine  meisten  Reisen  und  Couren  unternahm, 
nad)  —  Deutschland,  und  zwar  nach  dem  nächstgelegenen  Bayern,  dem 
er  über  Kärnten  und  Salzburg  zustrebte,  indem  er  grof^enteils  die  alten 
Bandeiswege,  die  aus  dem  Südwesten  Deutschlands  gen  Italien  führten 
und  heute  wieder  durch  die  zweite  Bahnverbindung  nad)  Criest  in  ihrem 
Bauptzuge  erneuert  ersd)einen,  benützte.  —  Diese  seine  erste  gröf^ere 
Reise  fällt  in  das  ]ahr  1659.  JInfänglich  wählte  er  von  Eaibach  aus  den  3 

kürzesten  CUeg  über  Rrainburg  nad)  Uillad),   „allda",  wie  der  Bädeker  -^ 

des  17.  Jahrhunderts  IDartinus  Zeiller ^^*  bemerkt,  „ein  zimlid)er  Bändel 
nad)  Italien  getrieben  wird",  üon  Uillach  ging's  dann  über  Spittal 
an  der  Drau,  Gemünd,  St,  mid)ael,  dann  über  den  Radstätter  Cauern, 
niauterndorf  nach  Salzburg.  Uon  Salzburgs  Merkwürdigkeiten  prägte  sid) 
dem  Sinne  des  ISjährigen  Jünglings  am  meisten  „das  ^elsentheater  in 
Bellbrunn" ^^^  ein,  „jene  wilde  phantastische  Szenerie,  die  heute  noch  die 
einbildungskraft  des  Be$d)auers  anregt,  sie  mit  Gestalten  der  Dichtung  zu 
beleben,  und  wo  bei  festlichen  Jlnlässen  Pastorale  und  Opern  aufgeführt 
wurden", ^^^  das  ihm  jedoch  später  im  Uergleid)e  mit  den  „allerschönsten 
und  wunderwürdigsten  (llatur--)  Cheatern  der  Jldelsberger  Grotte"  in  seiner 
krainisd)en  Beimat  nid)t  mehr  so  imponierte  als  vordem.  In  Bayern 
besuchte  Johann  CUeikhard  zunächst  lHünchen,  dann  Ingolstadt,  Dürnberg 
und  Augsburg. 

Dod)  gar  bald  rief  ihn  der  „Cärm  an  den  Grenzen"  „gegen  den  Grb-- 
feind  der  Christenheit"  wieder  heim,  und  zwar  zu  den  ersten  CUaffentaten. 

Sd)on  Jlnfang  der  Sechzigerjahre  sehen  wir  ihn  unter  dem  Kommando 
des  tapfern  „Parteigängers",  des  Grafen  von  Serin  (Hikolaus  Zriny), 
des   nad)herigen   Beiden   von   Sziget,    in    Zengg^^^    wo   er   mitten   im 


c 


'^*  Tidus  fld)ate$  oder  Getreuer  Reisgefert.  Ulm  1651,  p.  200. 

^^^  Ualvasor,  Gbre  des  Rerzogtums  Krain,  I.  (II.),  p.  279. 

^®^  Die  Jlbbildung  im  Rronprinzenwerke:  Österreich  in  UJort  und  Bild,  Bd.V,  p.  491. 

*®^  CUicbtige  Festung  „an  den  meergränzen". 


-2)    72    'S) 

Cüaffenlärm  die  Gebräuche  der  üskoken  kennen  lernte,  die  er  dann  später 
in  seiner  „€bre  Krains"  ausfübrlicb  und  anziehend  geschildert  bat.  Zengg 
hatte  aber  auch  für  den  „Gelehrten"  üalvasor  zeitlebens  seine  eigene 
Bedeutung  als  die  Geburtsstadt  seines  intimen  5^reunde$  und  Mitarbeiters 
an  der  Gbre  Krains,  des  Paul  Ritter  Uitezovic.  nachdem  er  den  Zenggern 
das  rühmliche  Zeugnis  ausgestellt,  „da[5  sie  über  die  Hlal^en  trefflich 
gute  und  unerschrockene  Soldaten,  dergleichen  man  an  wenig  Orten  findet", 
setzt  er  sofort  hinzu:  „Damit  aber  niemand  meine,  als  lebten  zu  Zengg 
nur  lauter  Eisenfresser  und  brave  Soldaten,  hingegen  keine  sinnreiche  und 
kunstgeschickte  gelehrte  Köpfe:  so  will  ich  hier  einen  zenggerischen  von 
J!del  zum  persönlichen  Beweis  darstellen,  da(5  mancher  Zengger  sowol 
einer  gelehrten  5eder  als  tapfern  Degens  fähig  sei  als  den  mir  seiner 
guten  Resolution  als  scharfsinnigen  Geistes  und  gelehrten  5^eder  wegen 
sehr  lieben  Rerrn  Ritter."  ^^^ 

rnit  dem  Grafen  Serin  unternahm  üalvasor  —  nachdem  er  in  dessen 
Gefolge  mehrere  kleinere  CUaffengänge  gegen  die  Cürken  glücklich  getan 
—  den  Zug  gegen  die  Cürken  1663/64.  „In  diesem  Kriege  —  schreibt 
er  —  haben  sich  viel  krainerische  l)errn  und  von  Jldel  gegen  den  Grb-- 
feind  gebrauchen  lassen  und  seind  unter  denselben  unserer  Zwölf,  deren 
id)  selbst  €iner  gewest,  alle  als  Uolontierer  oder  ^Freiwillige  sammt  unsern 
Dienern  und  Knechten  mitgeritten."  Den  Krieg  selbst  zu  beschreiben,  hält 
er  jedod)  für  unnötig,  zumal  Ortelius  redivivus  und  gar  viel  andere 
Bücher  es  zur  Genüge  getan. ^^^ 

Don  besonderem  Interesse  ist  aber,  was  üalvasor  aus  den  Grinnerungen 
über  seine  ersten  CUaffengänge  betreffs  einer  Kriegssitte  der  seinem 
Kommandanten  unterstellten  Grenzmannschaft  berichtet.  „Rier  an  den 
Grenzen  —  sagt  er  —  habe  ich  zum  Öftern  mit  meinen  eigenen 
Jlugen  gesehen,  da(5  die  Zengger,  Cüallachen  oder  üskoken,  wann  sie 
einem  Cürken  den  Kopf  abgehauen,  selben  in  die  Rohe  gehalten  und 
das  warme  Blut  davon  barbarischer  Cüeise  mit  grö(5ter  Begierde  sich 
Selbsten  ins  Hlaul  tropfen  lassen,  woraus  dann  ihre  üerbitterung  gegen 
die  Cürken  und  unersättliche  Blutbegierde  nicht  ohne  Entsetzen  ab-- 
zunemen  ist."  ^»° 

€s  waren  aber  diese  seine  CUaffengänge  unter  einem  so  bewährten 
Kriegsmanne,  wie  der  Graf  von  Serin  es  gewesen,  für  unsern  üalvasor, 

*'*  Üalvasor,  Gbrc  des  I)CTzog(ums  Krain,  IV.  (XII.),  p.  90.   —    lUir  sprccben 
über  die  Beziehungen  Ritters  zu  üalvasor  nod)  an  anderer  Stelle. 
'»»  ebenda,  IV.  (XV.),  p.  601. 
'^°  ebenda,  IV.  (XII.),  p.  93. 


'S)    73    'S) 

im  allgemeinen  genommen,  eine  treffliebe  Kriegsschule,  deren  €rfabrungen 
ihm  später,  als  ihm  (16$3)  von  der  krainiscben  Candscbaft  die  5^übrung 
einer  Jlbteilung  der  krainiscben  IDiliz  gegen  die  Cürken  im  Osten  der 
Steiermark  anvertraut  war,  bestens  zustatten  kamen. ^^^ 

CUenden  wir  uns  nun  wieder  des  Jünglings  üalvasor  weiteren 
Reisen  zu. 

Im  3abre  1666  begab  sieb  O^^b^nn  Cüeikbard,  jetzt  bereits  im 
25.  Cebensjabre  stebend,  naeb  der  Residenzstadt  (Uien,  von  welcher  Stadt 
der  zeitgenössische  hervorragende  englische  Reisende  Itled.  Dr.  Gdward 
Brown^^^  bei  eingebender  Hervorhebung  von  deren  rnerkwürdigkeiten 
und  Schätzen  ausgerufen:  „Der  grö(5te  und  vornehmste  Ruhm  der  Stadt 
ÜJien  besteht  in  dem,  da(5  des  jetztmaligen  Kaysers  Ceopoldi  Kbays. 
rnajestät  Ihre  Residentz  dortselbst  haben."  In  diesem  altberübmten 
rnittelpunkte  des  geistigen  Cebens,  wo  alle  schönen  Künste  unter  der 
flgide  des  erlauchten  Komponisten  und  Förderers  der  Hlusik  blühten,  in 
CUien,  fand  der  CUissenstrieb  unseres  üalvasor  vornehmlich  Anregung  in  J/ 

der  vortrefflichen,  vom   hochgelehrten  Peter  von  Cambeck   (Cambeccius)         ^ 
geleiteten   Bofbibliotbek,    deren   ausgezeichneten   WJert   der   vorgenannte 
englische   Reisende   und   5^orscber   in   die   Cüorte  fa(5t:    „Derjenige,   der 
gesehen  hat  die  Bibliothek  von  Bodlay  zu  Oxford  und  die  vaticanische  « 

zu  Rom,  würde  sieb  sehr  verwundern  müssen,  da(5  hier  ebenso  was  ; 

merkwürdiges  anzutreffen,  welches  mit  jenen  sich  wol  kann  vergleichen  :L 

lassen,  zumal  dieser  Ort  an  der  äuf^ersten  Grenze  des  gelehrten  Cheiles  ^ 

von  Curopa  gelegen  ist."   Und  nicht  minder  als  die  Bibliothek  war  es  ^ 

die  kaiserliebe  Schatzkammer,  durch  deren  „sehr  kostbare  und  herrliebe  5 

ungemeine   Kuriositäten"   sich   Gdward  Brown,    trotzdem    er  vorher  die  ^ 

Kunstsehätze  und  Raritäten  von  Florenz,  Coretto,  San  Itlarco  in  üenedig, 
St.  Denis  und  Dresden  kennen  gelernt,  dennoch  „über  die  IDaf^en  hoch 
vergnügt  gefühlt"  und  die  auch  auf  üalvasor  in  hohem  6rade  anregend 
gewirkt  haben  mag. 

Über  diesen  seinen  ersten  (üiener  Jlufentbalt  berichtet  üalvasor  in 
seinem  Hauptwerke  in  Kürze,  da(5  er  1666  im  Oktober  zu  Cüien  „nahe 


^^^  Abteilung:  Ualvasor  als  Krieger. 

*^^  Cdward  Brown  m.  D.  Durch  niederland,  Ceiitscbland,  bungarn,  Servien,  Bul- 
garien, macedonien,  Cbessalien,  Oesterreid),  Steiermark,  Kärntben,  Carniolen,  Jriaul  etc. 
getbane  gantz  sonderbare  Reisen  .  . .  (Deutscbe  Übertragung,  niirnberg  1711),  p.  235.  — 
Dr.  €dward  Brown,  zu  dem  aud)  üalvasor  in  Beziehungen  gestanden,  hatte  diese 
Reisen  im  JTuftrage  des  königl.  Kollegiums  zu  Condon  zwisdien  160$  bis  1073 
unternommen. 


-g)    74    'S)  •     . 

beim  rotben  Cburm  in  dem  Jlrnoldscben  Bausc"  gewobnt  babe.  G$  gab 
zur  Zeit  zwei  Jlrnoldscbe  Bäuser  (in  Cüien)  in  der  Habe  des  roten 
Curmes,  das  eine  auf  dem  beutigen  Rabenplatze,  das  der  Edelsfamilie 
Jlrnold^^^  geborte,  und  das  andere  die  alte  Krebsapotbeke  am  Roben 
niarkte  (beute  Hr.  12),  die,  im  3abre  154$  unter  Oobann  Jlrnold  gegründet, 
bis  auf  Karl  VI.  die  vornebmste  der  Stadt  war,  da  sie  selbst  für  den  kaiser-- 
licben  Bof  die  llledikamente  liefern  durfte  ^^^  Cüelcbes  dieser  beiden 
Hrnoldscben  l)äuser  gemeint,  ist  zwar  nicbt  mit  voller  Bestimmtbeit  an-- 
zugeben,  docb  möcbte  icb  mit  Einblick  auf  die  Kostgänger--0emeins(baft 
mit  dem  „Jllcbimisten  und  CUunderdoctor  Jobann  Hlonte  Snyders"  auf 
das  letztere  Baus,  auf  das  Jlpotbekerbaus,  scblief^en!  üalvasor  erzäblt 
nämlicb,  da(5  er  im  Hrnoldscben  pause  bei  einem  ßerrn  nieintzer  in  der 
Kost  gewesen,  wo  aucb  Hlonte  Snyders  mit  seiner  „männlicb  verkleideten" 
5rau  in  Kost  sieb  befand.  In  diesem  Kostorte  bei  Berrn  nieintzer  war 
also  üalvasor  mit  dem  JUlcbimisten  zusammengetroffen,  der  die  Cinktur 
bereitete,  durcb  die  er  selbst  (l)err  üalvasor)  mit  eigenen  Bänden  obne 
einigen  Betrug  ein  Pfund  Blei  mit  einem  0ran  Cinktur  ins  köstlicbste 
6old  tingiert  babe.  Cüir  werden  an  anderer  Stelle  seben,^^^  wie  üalvasor 
später  über  die  Jllcbimie  geurteilt  bat.  Das  plötzlicbe  üerscbwinden 
Snyders  und  seiner  „männlicb  verkleideten"  5^rau  aus  Cüien  war  wobl 
dazu  angetan,  ibm  zeitlicb  über  die  nieister  dieser  ßebeimlebren  (Jllcbimie, 
£apis  Pbilosopborum  usw.)  die  Jlugen  zu  öffnen;  obscbon  ibn  Snyders 
nicbt  so  leicbt  aus  seinen  Banden  loslassen  wollte  und  nocb  fort  mit  ibm 
die  üerbindung  unterbielt,  wie  es  üalvasor  selbst  mit  den  lüorten  be-- 
zeugt,  da(5  Snyders  (bei  seiner  Ilucbt  aus  (üien)  „docb  sowol  von  mir 
als  von  dem  Kostberrn  Urlaub  genommen  aucb  bernacb  mit  mir  gekorre-- 
spondirt,  solange  er  gelebt". ^^''^ 

Bh  einem  der  imponierendsten  Gindrüd{e  von  seinem  ersten  (üiener 
Jlufentbalte  gibt  üalvasor  demjenigen  vorab  J]usdrud<,  den  der  JInblick 
des  Domes  zu  St.  Stepban  auf  ibn  ausgeübt.  In  seiner  Bescbreibung  der 
österreicbiscben  Candesfürsten  bebt  er  bei  Dennung  des  Hamens  Herzog 
Jlibrecbt  IV.  dessen  üerdienst  um  den  Stepbansdom  ganz  besonders  bervor, 
„zu  unsterblicbem  Rubm  —  sagt  unser  0bronist  —  gebe  ibm  (dem  Berzog) 


"'  berr  Sicgmund  Tricdricb  Brnold  von  Ccbcnau  war  Rom.  Kais,  majestät  baupt- 
mann  bei  der  Stadtquardi  (16$3,  während  der  Cürkenbelagerung  UJiens). 

^^*  3acques  3äger:  Gin  Stück  Hit-ÜJien.  Die  Krebsapotbeke  am  hoben  markte. 
Wiener  fllmanad),  herausgegeben  von  3acques  Jäger.  Jahrgang  I$97,  p.  411  ff. 

*^^  Abteilung:  Blchimie,  Ceufel-  und  bexenglauben. 

^^^  üalvasor,  Ghre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IL),  p.  416. 


-©    75    'S) 

der  herrliche  Stephansturm  ein  schier  unvergängliches  Zeugnis,  wie  er  in 
Sachen,  so  zur  €hre  der  Kirche  gereichen,  nicht  niüt5ig  gewesen'*,  was 
Rudolf  IV.  begonnen,  Jllbrecht  III.  weitergeführt,  habe  Jllbrecht  IV.  voll-- 
endet,  der  diesen  Curm  habe  vollends  ausbauen  lassen  „zu  einer  solchen 
f)öhe,  Kunstzier  und  Perfection,  womit  er  noch  heute  pranget".  Im  J!n= 
Schlüsse  an  dieses  durch  die  Andacht  künstlerischer  Anschauung  abgeklärt 
ruhige  und  doch  begeisterungserfüllte  Cob  des  kolossalen  kirchlichen  Kunst-- 
werkes  gibt  Ualvasor,  der  sich  schon  in  jungen  Jahren  mit  der  lUet^kunst 
beschäftigt,  die  Rohe  des  Curmes  in  Übereinstimmung  mit  Jeckels  Altographie 
mit  434  V2  CUerkschuhen  an.^^^ 

trotz  der  vielfachen  Anregungen  und  Annehmlichkeiten,  die  seinem 
lUissensdrange  und  seiner  Cebenslust  CUien  geboten,  strebte  Ualvasor  in 
seiner  Reiselust  nach  wenigen  Oahren  auch  wieder  von  (Uien  fort,  da  er 
die  CUelt  weiter  sehen  und  kennen  lernen  wollte  und  in  ihm   vorerst 
noch  das  topographische  Interesse  sowie  das  Interesse  für  die  Hatur  und 
für   die  Erforschung   ihrer   Geheimnisse   vorwiegend  war.    „Ich  bekenne         f; 
—  schreibt  er  diesbezüglich  ganz  ausdrücklich  —  ohne  eitle  Ruhmsucht        g 
und  3aktanz,  da(5  mich  alle  meine  Cebtage  die  Kuriosität  oder  (Ui(5-  und         .r 
Grfahrlust  zwischen  ihren  Sporen  gehabt  und  auf  möglichste  Untersuchung 
natürlicher  Raritäten  oder  Geheimnissen  stäts  angehauen,  als  einen  gro(5en 
Ciebhaber  aller  freyen  und  natürlichen  Künsten.  CUo  ich  nur  einen  curiosen  B 

mann  in  Grfahrung  bringen  können,  da  bin  ich  hingereist  und  ist  mir  t 

kein  (lieg  zu  weit,  noch  die  Gefahr  zu  gro(5,  noch  die  Hlühe  zu  ver--  \ 

drief^lich  gewest:  die  Hoffnung,  etwas  ungemeines  zu  erlernen  und  er--  ^, 

kundigen,  hat  alles  Saure  versü(5t,  also  gar,  da(5  mich  solche  blof^e  Gurio--  % 

sität  nicht  allein  in  Europa,  sondern  auch  in  Afrika  etliche  3ahre  lang  weit  g 

und  breit  herumgeführt,  um  den  natürlichen  CUissenschaften  nachzujagen." ^^^  ^ 

Indem  wir  uns  nun  anschicken,  unsern  Berrn  von  Ualvasor  auf  dieser 
seiner  grof^en  Reise  durch  Deutschland,  Italien,  Afrika,  5^rankreich  und 
zurüc1{  durch  Deutschland,  die  Schweiz,  Italien  in  die  ßeimat  im  Geiste 
zu  begleiten,  können  wir  es  nur  lebhaft  bedauern,  da(5  jenes  Cagebuch 
seiner  Reisen,  auf  das  er  an  einer  Stelle  seiner  Ghre  Rrains^^^  hindeutet, 
nicht  erhalten  geblieben  und  da(3  wir  uns  daher  auf  die  von  ihm  ge-- 
legentlich  in  seinem  Hauptwerke  da  und  dort  hingeworfenen  Angaben 
über  den  und  jenen  Aufenthalt  in  dem  und  jenem  Orte  des  Auslandes 
beschränken  müssen  und  aus  den  chronikalen,  oft  nur  beiläufigen  Angaben 


"^  Ualvasor,  ebrc  des  Rcrzogtums  Krain,  III.  (X.),  p.  265. 
*°«  ebenda,  I.  (IIL),  p.  416. 
"«  ebenda,  III.  (XL),  p.  2\\. 


'S)    76    'S 

(z.  B.  etwa  20  3abre  vor  diesem  [vor  der  Jlusgabe  der  Gbre  Hrains  16$9] 
oder  so  und  soviel  jabre  vor  Jlbfassung  dieses  oder  jenes  Bucbes  der 
Gbre  Krains)  die  Reiseroute  selbst  zu  konstruieren  gezwungen  sind. 

Dieser  sein  zweiter  Besucb  Deutscblands  ging  von  iXlien  aus,  und  zwar 
nacb  Braunscbweig  (in  die  ßrafscbaft  Stolberg)  zur  Besicbtigung  der  be-- 
rübmten  Bauniannsböble  (einer  Cropfsteingrotte  mit  sieben  Gewölben  und 
krummen,  von  der  Hatur  gemacbten  Gängen), ^o«  die  er  aber  im  üergleicbe 
mit  unserer  JIdelsberger,  ja  selbst  der  Cueger  Grotte  diesen  weit  nacb-- 
stellt,  welcbes  Urteil  aucb  ein  Engländer  und  zwei  Holländer  fällten, 
denen  Ualvasor  später  (um  1684)  unsere  Röblen  zeigte  und  die  gleicb= 
falls  die  Baumannsböble  aus  eigener  Jlnscbauung  kannten. ^^i  Über  Bayern, 
wo  er  Bamberg  zu  einem  mebrtägigen  Jlufentbalte  besucbte^^^  und  wo  er, 
nebenbei  bemerkt,  zwei  ]abre  darnacb  (1671)  ein  aus  dem  Jranzösiscben 
übersetztes  Bücblein  obne  Dennung  seines  Hamens  drucken  liet^,^^^  und 
Italien  (Uenedig)  trat  er  nocb  im  selben  jabre  (1669)  die  5^abrt  über 
das  nieer  nad)  Jlfrika  an. 

„Im  scbwarzen  Grdteil"  aber  —  wo  er  u.  a.  aucb  die  Cibyscbe  Cüüste 
besucbte  —  wurde  er  von  einem  IDobammedaner  in  der  Bereitung  eines 
starken  Giftes  unterricbtet,  welcbe  Giftbereitung  ibm  die  Uermutung  nabe 
legte,  daf5  die  Cürken  dasselbe  Gift  zu  bereiten  verstünden,  da  man  ja 
bierlands  gut  wisse,  wie  die  aus  türkiscber  Gefangenscbaft  mit  gro(Km 
Lösegeld  losgekauften  l)eimatsgenossen  dabeim  an  diesem  ibnen  von  dem 
Erbfeinde  mitgegebenen  üiatico  dabinsiecbten,  so  ein  CUolf  Engelbert 
Jluersperg,  der  Sobn  des  bei  Budascbki  gefallenen  l)erbard  VIII.  von 
Jluersperg,  desgleicben  ein  Berr  von  Camberg,  Rauber,  Gall,  Hlordax  und 
viele  andere. '-°*  Diese  Giftbereitung  batte  ibm  am  15.  3uli  1669  zu  Cunis 
der  fürnebme  und  gelebrte  Jlli  Baisa,  der  beim  Cafilete  in  bobem  Jinseben 
stand,  gegen  niitteilung  anderer  den  Jlfrikanern  unbekannter  Gebeimnisse 
entdeckt  und  „dabey  gemeldet,  dat5  solches  UJenigen  bekannt  sey".  „So- 
bald er  mir  —  sagt  Ualvasor  dann  weiter  —  diese  ßeimlicbkeit  geoffen-- 
bart,  merkte  icb  gleicb,  da(5  er  warbafftig  also  damit  bewandt  und  mutete 
mich  verwundern,  da(5  ein  solches  mittel  in  der  Datur  vorbanden."  Es 
war  dies  weder  das  aus  Schlangengift  mit  Baumsamen  gemischte  mittel 


^^^  Rübner,  Zeitungsicxikon.  neue  Ausgabe    1705,  p.  22$.  (JTcta  cruditorum  in 
Ccipzig  1702.  Scbilderung  durd)  hermann  von  der  Rardt.) 
^^"^  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (II ),  p.  21^. 
^"^  ebenda,  III.  (XL),  p.  90. 
"'  ebenda,  II.  (VI.),  p.  36$,  Hr.  $. 
'"*  ebenda,  III.  (XL),  p.  207. 


©    77    'S) 

zum  Uergiften  der  Canzen  und  Speere,  noch  das  aus  der  CUurzel  JIddad 
bereitete  0ift,  das  binnen  einer  Stunde  tötete, ^o^  nocb  andere  Gifte  aus 
Dubien  (und  Bettele),  sondern  es  niu(5te  ein  beimtüdiscb  wirkendes,  lang- 
sam tötendes  0ift  gewesen  sein,  das  jedocb,  wie  üalvasor  versicbert,  durcb 
kein  ßegengilft  entkräftet  oder  abgetrieben  werden  könne  und  durcb  eine 
„Hntipatbia"  seine  Cücke  verübe!  „Um  solche  Zubereitung  —  schliefet  die 
Mitteilung  darüber  —  bin  icb  schon  vor  diesem  (vor  der  Jlusgabe  der 
€bre  Krains)  von  etlichen  Orten  ersucht,  aber  niemals  noch  überredet  worden, 
es  mitzuteilen  und  wird  sie  auch  niemals  ein  mensch  von  mir  erhalten,  denn 
mein  Gewissen  will  mir  nid)t  erlauben,  eine  so  hochschädliche  Sache  zur 
Gefährdung  vieler  menschen  Cebens  gemein  zu  machen  und  dem  höllischen 
mordgeist  oder  dessen  Kreaturen  und  merkzeugen  damit  einen  Uorschub 
zu  thun."^*^^  Zur  Bekräftigung  dieses  seines  festen  Uorhabens  der  Geheim» 
haltung  versichert  er  des  weiteren,  da(5  er  in  der  Stunde,  da  er  die  €r-- 
zählung  von  der  Catsache  der  Erlernung  dieser  Giftbereitung  aufs  Papier 
gesetzt,  die  betreffende  Aufzeichnung  darüber  in  seinem  Reisetagebuche 
ausgelösd)t  habeP^^ 

Jlus  Jlfrika  kam  Üalvasor  im  darauf  folgenden  3ahre  1670  nach  Irank=  3 

reich,  er  landete  in  Coulon,  wo  er  in  einer  engen  Gasse  näd)st  dem  Bafen 
im   Gasthause   „Zum    goldenen  Cöwen"   Cogis    nahm  ^^^  und   hier   mit  ^: 

einem  „Pacto  pseudo--sancto",   einem   Spruchzettel   aus  der  Beil.  Schrift,  ^' 

samt  zwei  Charakteren,  wie  ein  5^ranzose  ihm  vorgetan,  Uersuche  anstellte, 
die  jedoch  nur  teilweise  gelangen,  in  (Uahrheit  aber  mi(5langen.  Uon  da  i^or 

reiste  er  über  marseille,  Beaucaire,  Jlvignon  usw.  nach  Cyon.  „In  Beaucaire  v* 

—  schreibt  er  —  fand  ich  ober  dem  Chore  eines  Palastes,  so  in  der 
Stadt  fast  der  schönste  von  zierlich  ausgestatteten  Quaderstücken  aufge-- 
rid)tet  und  mit  schönen  in  Stein  ausgeschnittenen  5^iguren  und  JIrchitectur 
geschmückt  ist,  unser  Ualvasorisches  CUappen  sammt  den  Hamen  und  einer 
Inscription  gar  sauber  in  Stein  gebildet." 

Jluf  dieser  5ahrt  war  es  auch,  da(5  er  in  der  Provence  die  Stadt 
maximin  besuchte,  wo  er  sich  die  ^"^  Kirchenschätze  und  heiligen  Reliquien 
besah  (6.  3uli)  und  in  die  zwei  meilen  entfernte  Grotte  de  la  St.  Baume 
eintrat  (7.  3uli),  die  ihn  in  mehrfacher  Richtung  an  die  heimatliche  Grotte 


^^^  Ca  dcscrittionc  dcU'  Jlfrica.  üenetia  1554.  Cfr.  ücleno  im  Index. 
'^^  üalvasor,  Cbrc  des  Rerzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  20Q. 
^''  ebenda,  III.  (XL),  p.  211. 
2««  ebenda.  IIL  (XL),  p.  101. 

^'^  hier  soll   niaria  fDagdalena  mit  ibrem  Bruder  Cazarus  bei  30  ]abre  in  be- 
ständiger Bubübung  zugebracht  baben,  weswegen  bäufige  lüallfabrten  bieber  gescbeben. 


'S    7$    'S) 

von  $t.  Scrf  erinnerte,  indem  er  sieb  im  Geiste  nach  St.  Baume  zurück- 
versetzte. Mi  dem  Cüege  nach  St.  Baume  fühlte  sieb  der  bobe  Haturfreund 
aucb  besonders  angemutet  dureb  das  Uorbandensein  „eines  lüäldleins  von 
allerley  T)olz,  so  nimmermebr  zu  erdenken".  „Da  richten  sieb  —  so 
schreibt  er  wörtlich  —  allerley  Gattungen  geradsteigender  Richten  und 
Cannen  empor,  da  breiten  sich  die  Gichen  und  Buchen  auseinander,  obn 
was  sonst  für  wildes  Bolz  allerley  JIrt  daselbst  grünet,*'  und  er  gesteht 
gerne,  „dat5  es  einem  keine  geringe  Grgötzlicbkeit  schafft,  sondern  sehr 
anmutbig,  lustig  und  seltsam  vorkommt,  in  diesem  Cande  einen  solchen 
lüald  anzutreffen,  weil  sonst  das  gemeine  und  gewöhnliche  Bolz  allhier 
in  Pomerantzen,  Zitronen,  Hlandel,  IDargaron  oder  Granatäpfel,  Oliven, 
IDaulbeeren  und  andern  dergleichen  fruchtbaren  Bäumen  besteht;  denn 
von  wilden  Bäumen  habe  keine  erblickt,  obn  allein  in  diesem  lUalde". 
nachdem  dieser  (üald  durchschritten  worden,  kam  Ualvasor  mit  den  ihn 
begleitenden  Personen  —  es  waren,  ihn  eingerechnet,  vier  lüanderer  — 
an  den  5^elsenberg,  auf  dessen  beträchtlicher  Böhe  sich  die  Grotte  befindet. 
„Die  Datur  selbst  bat  —  schreibt  er  in  seiner  Schilderung  fortfahrend  — 
einen  5ul5steig  in  die  Felsen  gemacht,  dafc  man  hinauf  geben  kann; 
wiewol  solcher  5^u(5steig  sehr  schmal  ist,  bat  ihn  doch  menschliche  Jirbeit 
so  verbessert,  daf?  man  ohne  Gefahr  hinaufsteigt."  £r  erzählt  nun  weiters, 
wie  sie  oben  in  einer  in  den  5^elsen  gehauenen  Kammer  nach  in  der 
Grotte  abgelegter  Jlndacbt  von  einem  (Uirte  „ums  Geld  Speis  und  Crank 
zu  sich  genommen".  In  der  Grotte  selbst  verrichtete  die  Gesellschaft  also 
beim  J^ltar  der  heiligen  IDagdalena  ihre  JIndacbt  und  nachdem  aucb  das 
„unerschöpfbare  Cüasser"  probiert  war  —  durch  dreimaliges  Berausschöpfen 
und  Cüegtrinken,  wodurch  es  jedoch  immer  gleich  blieb  — ,  stiegen  sie  durch 
ein  ziemlich  grot^es  Coch  wie  in  einen  tiefen  Keller,  „worin  jedoch  nichts 
Schauwürdiges"  zu  sehen.  „Dieses  ist  aucb  wahr  und  gewi^  —  so  schliefet 
Ualvasor  die  Darstellung  seines  Besuches  an  diesem  Cüallfabrtsorte  — 
dal5,  wenn  einer  (in  diese  Grotte  von  St.  Baume)  hineingeht,  ihm  das 
Gewissen  aufwache  und  alles,  was  er  seine  tage  gesündigt,  ihm  vor-- 
komme.  Inmassen  mir  allerdings  etliche  Personen  reformirter  Religion, 
welche  es  vorher  nicht  glauben  wollen,  nach  eigener  Erfahrung  solches 
gestanden  haben."  Hoch  erwähnt  er  der  an  der  rechten  Jlnt^enseite  der 
Grotte  befindlichen  kleinen  Stüblein  für  die  Hlöncbe,  deren  vier  darin  ihre 
Cüobnung  haben  und  einen  weiften  Babit  tragen. ^'^  „Bernach,  als  wir 
wieder  heruntergestiegen,   schlugen  wir   uns  zur  linken  Band  mitten  in 


Ualvasor,  Gbrc  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  p.  502  ff. 


'S)    70    'S) 

den  Cüald  zurück,  giengen  wieder  bergauf,   also   da(5  St.  Baume  an  der 

rechten  Band  liegen  blieb  und  kamen  gar  hoch,  ja  auf  das  ßöcbste  dieses 

steinigen  Berges,  woselbst  eine  kleine  Kapelle,  St.  Pillon  genannt,  gerade 

über  der  Grotte.  Hlan  sagt,  die  bl  Hlaria  Magdalena  sey  von  den  beil. 

Engeln  alle  tage  siebenmal  aus  der  Grotten  da  hinauf  erhoben  worden." 

Biezu  bemerkt  der  mitarbeiter  an  der  Ghre  Krains,  Grasmus  5^rancisci: 

„Ich  hielte  dafür,  wenn  die  heil.  Gngel  alle  tage  mit  jemandem  so  leut- 

und  holdselig,  freundlich  und  vertraulich  umgiengen,  so  würde  die  BuJ^e 

gar  zu  sehr  versü(5t,  ihre  Strengheit  und  Schärfe  einbü(5en.    Setzt  dero- 

halb  der  Berr  ßaupt-Jluthor  (Ualvasor)  wolbedacht  und  behutsamlich  dazu: 

,rnan  sag  es*."  „Bei  dieser  Kapelle  —  von  der  aus  es  einen  allerschönsten 

Prospekt  nach  allen  Seiten  hin  gebe  —  wird,  wie  unser  ßerr  Ualvasor 

noch  hinzufügt,  der  Brauch   geübt,   da(5   der  Besucher  drei,  vier,  fünf 

und  mehr  Steine,  ja  soviel  er  kann  aufeinander  setze,  so  dal5  sie  ruhig 

stehen  bleiben.  Ich  —  sagt  er  —  habe  viel  tausend  solcher  Steine  aufeinander  !L 

daselbst  gesehen  und  auch  selber  es  also  gemacht  wie  Hndre,  wiewol  ich  nicht  ? 

wu(5te,  noch  von  jemandem  erfahren  konnte,  warum  es  geschähe,  sondern  Z, 

mit  der  JTntwort  vorlieb  nemen  müssen,  da(5  es  ein  alter  Gebrauch  wäre."2ii  ?- 

Tn  Tyon  blieb   unser  heimatliche  Gelehrte  nahezu   zwei  jähre  und  f. 

widmete  sich  dem  Studium  der  historischen  CUissenschaf ten  und  vorzüglich  J 

der  Archäologie,  nebenbei  die  Haturhistorie  und  besonders  die  IHagie  und 
Jflchimie  betreibend.  Bier  machte  er  die  Bekanntschaft  eines  Haturkundigen, 
des  nionsieur  Benry  Garbusat,  dem  er  dann,  nach  pause  zurückgekehrt, 
„Uersteinerungen"  (wie  sie  ihm  bei  Candspreis  in  die  Bände  kamen  und 
wie  sie  auch  beim  Schlosse  Galleneck  zu  finden  waren)  zusandte.^^^ 

Cüährend  seines  Aufenthaltes  in  5^rankreich  besuchte  Ualvasor  auch 
die  Bohle  bei  Cours,^!^  „les  caves  goutieres"  genannt,  in  welcher  er  Cropf-- 
steingebilde  ähnlicb  diesen  und  jenen  5^rüchten  (z.  B.  Hüssen)  oder  Hadeln 
und  dergleichen  vorfand,  die  ihm  mit  den  Gebilden  in  der  Grotte  bei 
Kropp  (Oberkrain)  ähnlich  erschienen. 

Die  Rückkehr  von  dieser  grof^en  Reise  und  vom  längeren  Hufenthalte 
in  Frankreich,  wo  ihm  auch  in  Paris  u.  a.  der  „(Uahrsagerspiegel  eines 
französischen  Berzogs"  gezeigt  worden,  nahm  er  1672  über  Deutschland 
und  die  Schweiz  —  er  besuchte  auch  den  Rheinfall  bei  Schaffhausen  ^i*  — , 
dann  über  Italien  in  die  Beimat. 


^''  Ualvasor,  €brc  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  p.  504.  -  ^'^  ebenda,  I.  (IV.), 
p.  47$.  -  ^'^  ebenda,  I.  (IV.),  p.  565.  -  '•*  ebenda,  I.  (IL),  p.  15$. 


Uermählung  und  Familie» 


^auni  heimgekehrt,  schickt  sich  der  im  31.  Cebensjahre  stehende 
Johann  CUeikhard  von  üalvasor  nun  an,  einen  eigenen  l)erd 
zu  gründen,  indem  er  sich  eine  Cebensgefährtin  wählt  und  in 
einem  der  schönsten  Celle  Krains  ein  eigenes  $chlo(5  erwirbt. 


da  nach  dem  Code  seiner  Hlutter  sein  ältester  Bruder  und  Uormund  Karl 
das  väterliche  Schlof)  0allened<  „an  sich  erhandelt"  und  den  Geschwistern 
ihren  Ceil  hinausgegeben  hatte. 

Jlus  dem  unweit  Cittai  (in  Unterkrain)  gelegenen  Slatenek,  einem 
malerisch  inmitten  von  Grün  auf  einem  mä(5igen  Bügel  liegenden,  heute 
in  den  Besitz  des  Fürsten  Bugo  zu  Cüindischgrätz  gehörigen  Schlosse 
holt  sich  Ualvasor  seine  Gemahlin  Hnna  Rosina  Grafenweger  von  Grafenau, 
eine  Cochter  des  Berrn  Balthasar  Grafenweger  und  seiner  Gemahlin 
maria,  welches  Gdelfräulein  aus  altberühmter  Familie  am  11.  Oktober  165$ 
zu  Caibach  geboren  war,  denn  das  Caufbuch  der  Dompfarre  Caibach^^^ 
besagt:  165$  Octobris  11  baptizata  est  Jlnna  Rosina  filia  legitima  Patris 
Perillustris  Dni.  Balthasari  Graffenbeger  et  ejus  Dnae  Gonjugis  Itlariae 
Cenantibus  Perillustri  Duo  Joanne  Garolo  a  Samburg  et  lllwi^  Dna  Jinna 
von  Raunachin. 

Jlls  unser  Berr  Ualvasor  das  5^räulein  von  Grafenweg  heimführte  — 
es  war  das  am  10.  3uli  1672  — ,  da  zählte  das  5^räulein  14  jähre 
10  rnonate  und  1  Cag,  denn  das  Crauungsbuch  der  Pfarre  St.  Hlartin  bei 
Cittai  besagt:  1672  ]ulius  10  hujus  copulatus  est  lllm."^  Dns.  Dns.  joaes 
CUaichardus  üaluasor  de  Gollenekh  cum  sua  sponsa  lll"ia  Domiceila  Anna 
Rosina  Groffenbegerin  de  Graffenhau.^^*^' 


*'"'  Cibcr  baptizatomus,  Wi.  9,  p.  207. 

^^^  Eibcr  copulatomus  Hb  anno  1600—1720.  —  Die  Benützung  der  niatriken 
in  St.  martin  bei  Cittai  verdanke  id)  der  Ciebenswürdigkeit  des  ehemaligen  Pfarrers 
daselbst,  nun  Decbanten  von  Stadt  Stein,  Rocbu).  herrn  Cavrencic,  dem  verdienstvollen 
Erbauer  der  neuen  Kirche  in  St.  IHartin  —  eine  der  schönsten  Kirchen  in  Krain. 


'&    $\    ^ 

J\u$  dieser  Gbe  Oöbann  Cüeikbards  entsprossen  im  ganzen  neun 
Kinder;  nachdem  Enna  Rosina  üalvasorin  ihren  Ghegemahl  vorerst  mit 
vier  Cöchtern  beschenkt:  Hlarie  Sidonie  (*  1674,  16.  Jlpril,  aber  erst  am 
29.  getauft,2i7  |  ]676,  17.  3uli),  maximilla  Cordula  (*  1675,  10.  Hpril, 
1 1677,  13.  3uni),  Jlnna  Cheresia  (*  1677,  15.  lebruar,  f  ^^^l  27.  Hov.), 
Johanna  (*  167$,  ll.juni,  welche  zur  Zeit  der  Ausgabe  der  ehre  Krains  nod) 
am  Ceben  war),  gebar  5^rau  von  Ualvasor  am  25.  Sept.  1679  den  ersten  Sohn. 

Dieser  sein  erster  Sohn  ward  aber  auch,  entgegen  dem  sonst  in  Krain 
gebräuchlichen  und  auch  auf  Schlössern  eingehaltenen  Eandesgebrauche, 
der  Uollziehung  des  hl.  Caufaktes  am  Geburtstage  selbst,  erst  nach  einer 
ÜJoche  zur  taufe  gebrad)t,  denn  wir  finden  erst  zum  2.  Oktober  1679  in 
der  nialrikel  der  Pfarre  St.  Hlartin  mit  einem  Hotabene  versehen  die 
Hotiz  der  Eintragung,  da(5  am  genannten  tage  (2.  Oktober)  der  eheliche 
Sohn  des  Berrn  Johann  UJeikhard  Ualuasor  und  der  Hlutter  5^rau  JInna 
geb.  von  ßraffenweger  auf  den  Hamen  [Uolfgang  CUeikhard  getauft 
worden  sei;  als  Caufpaten  fungierten  Berr  Ferdinand  von  ßraffenweger 
und  5^rau  Katharina  5^reiin  von  Khaysell,  den  Caufakt,  der  wahrscheinlich 
in  der  Bauskapelle  des  nun  Ualvasorschen  —  ehemals  Khaysellschen  — 
Schlosses  CUagensperg  (bei  St.  Hlartin)  vollzogen  wurde,  nahm  der  Pfarrer 
von  St.  IDartin,  ßerr  6eorg  J^ndreas  Schiffrer,  selbst  vor.^^^ 

Zu  den  vorgenannten  fünf  Kindern,  von  denen,  wie  oben  angedeutet,  die 
drei  ersten  im  zartesten  Jllter  von  zwei  und  drei  Oahren  hinwegstarben, 
erhielt  Ualvasor  von  dieser  seiner  (ersten)  5^rau  noch  vier  Kinder,  und 
zwar  nun  durchwegs  Knaben:  O^hann  ßottlieb  (*  16$1,  16.  Juli,  f  ^^^7, 
4.  märz),  Johann  Cudwig  (*  16$3,  1$.  Jlpril),  Johann  CUolf  Engelbert 
(*  1684,  25.  Juli)  und  5^ranz  Josef  (*  16$6,  13.  Juni,  f  1687,  14.  märz). 

Zur  Zeit,  da  unseres  Gelehrten  Hauptwerk,  die  Ehre  des  Herzogtums 
Krain,  erschien  (1689),^^®  waren  also  von  seinen  neun  Kindern  aus  erster 
€he  vier  noch  am  Ceben,  und  zwar  eine  Cochter  und  drei  Söhne. 

(Jon  diesen  drei  Söhnen  begegnen  wir  später  dem  Erstgeborenen 
(Uolfgang  lUeikhard  im  Jahre  1692  auf  1693,  also  noch  zu  Cebzeiten  des 
Uaters,  als  Schüler  der  zweiten  Cateinschule  und  zugleich  Konviktisten  im 
Kollegium  der  Jesuiten  zu  Caibach;^^*^  er  wurde  nach  Uollendung  seiner 


^"  Cibcr  baptizatorum  in  St.  martin  bei  Cittai.  —  Caufpaten  waren  der  älteste  Bruder 
Ualvasors,  Karl,  und  die  Iran  flnna  IDaria  ßraffenweger,  die  mutter  der  ^rau  von  Ualvasor. 

^'^  Ciber  baptizatorum  in  St.  Ifiartin  bei  Cittai. 

*'^  Die  Angaben  der  Geburts^  und  Sterbejahre  seiner  Kinder  bat  Ualvasor  in  der 
„ehre  des  Herzogtums  Krain",  III.  (IX.),  p.  109,  genau  verzeicl)net. 

"°  historia  Seminarii  Cabacensis.  ms.  der  k.  k.  Studienbibliotbek  in  Caibad),  fol.  204,  b. 

V.  Radics,  Ualvasor.  6 


'S)      $2      -2) 

Studien  mit  dem  Klosternamen  P.  Jllois  Ordensbruder  der  P.  P.  5ranzi$i<aner 
strenger  Observanz  und  zeichnete  sieb  sowobl  durch  5^römmigkeit  als  Gelehr- 
samkeit aus,  auch  war  er  schriftstellerisch  tätig  und  verfa(5te  die  geistlichen 
CUerke:  Dominieale,  5^estivale  seu  proprium  de  Sanctis  und  Quadrigesimale.^^i 

Der  16$3  geborene  3ohann  Cudwig,  der  gleichfalls  als  Konviktist  im 
Caibacher  Jesuitengymnasium  studierte,  erscheint  I69S  als  Schüler  der 
vierten  Cateinschule  „Syntaxista"  und  1699  als  „Poeta"  (Schüler  der 
fünften  Schule) ;222  ^^^  dieser  Sprosse  3ohann  (Ueikhards  trat  in  den 
Orden  S.  ^rancisci,  und  zwar  mit  dem  Klosternamen  Donatus;  er  befand 
sich  im  Kloster  zu  Stein  (Oberkrain)  und  bekleidete  bereits  im  Jahre  172$ 
die  UJürde  eines  Guardian  daselbst,  war  durch  30  Jähre  Beichtvater  der 
Donnen  zu  IDünkendorf  (bei  Stein)  und  zu  IHichelstetten,  er  starb  im  Jahre 
1752,  29.  Jlpril,  im  Jllter  von  69  Jahren  und  5K  seines  Klosterlebens.223 

Bus  dem  Jahre  1729  liegt  noch  im  J^rchive  der  Stadt  Caibach  eine 
von  ihm  als  Guardian  gefertigte,  vom  22,  Juli  datierte  Quittung  von 
„über  zechen  Gulden  Candtswehrung,  warmit  mir  Berr  IDartin  IDariner 
OberStattGamrer  das  Interesse  von  denen  bey  Ginem  £öbl  Dlagt.  an- 
liegenden Gapital  von  100  fl.  L  Ol.  seit  3,  July  1727  bis  3.  July  1729 
also  von  2  Jahren  anheut  par  bezalt  hat".^^* 

Der  1684  geborene  Sohn  Johann  CUolf  €ngelbrecht,  der  wie  die 
beiden  vorgenannten  als  Konviktist  bei  den  Jesuiten  in  Caibach  studierte, 
ersd)eint  169S  und  1699  als  „Syntaxist", ^^s  ^^er  erst  1703  als  „Cogicus" 
am  Grazer  Cyzeum  der  Jesuiten^^«  (wo  er  jedoch  fälschlich  als  Josef  Cüolf» 
gang  und  Garinthus  [aber  doch  als  (Uagenspergensis]  eingetragen  wurde). 

Später  wurde  Johann  Cüolf  engelbrecht  als  Jr,  Stephan  Zisterzienser 
in  Candstraf5  (Unterkrain),  wie  dies  in  der  Bistoria  Seminarii  Cabacensis 
nachträglich  angemerkt  worden. 

€s  hatten  sich  also  alle  drei  ihn  überlebenden  Söhne  dem  geistlichen 
Stande  gewidmet  und  die  5^orterhaltung  des  Stammes  üalvasor  in  Krain 
erfolgte  durch  Johann  Cüeikhards  ältesten  Bruder  Karl. 

"'  Dolnicar  (Cbalni(sd)cr  von  Cbalbcrg),  Bibliotbcca  Cab.  publica  cd.  Stcska. 
Izvcstja  muzcjskcga  Dru^tva  za  Kranjsko.  Cetil.  X.,  p,  171. 

"-  historia  Seminarii  Cabacensis  1.  c,  fol.  209/a. 

^"  Diese  Daten  aus  den  Hekrologien  des  Klosters  Stein  verdanke  id)  der  freund- 
lieben  mitteilung  des  ßuardians  bod)W.  P.  JIngelus  miejnik  (1900). 

^"^^  Beleg  2$  zum  Einnabmenbucb  des  Oberkämmerers  ex  1729. 

-"'•'  historia  Seminarii  Cab.  I.  c,  fol.  210/a. 

""  niatrikel  der  0razer  Universität.  —  üniversitätsbibliotbek  in  Graz,  Uls.  fol.  193/a. 


Ankauf  von  Wagensberg,  Lichtenberg  und 

Schwarzenbach, 

[enigc  lUocben  nach  seiner  Uermäblung,  am  27,  September  1672, 
kaufte  sid)  üalvasor,  wie  angedeutet,  in  Unterkrain  an,  und  zwar 
brachte  er  unter  einem  den  Berrscbaftsbesitz  (üagensberg,^^^ 
dann  das  „einen  Bücbsenscbu{5"  davon  entfernte  ruinenbafte 
Scblofc  Cicbtenberg228  sowie  das  auf  dem  CUege  von  St.  lHartin  nad) 
[Uagensberg  gelegene  Scblo(5  Scbwarzenberg,229  alle  drei  Besitze  von  5^ranz 
Hlbrecbt  5^reiberrn  von  Kbaysell,  käuflid)  an  sid). 

Sd)lo(5  (Uagensberg. 

Beute  im  Besitze  Sr.  Durd)laud)t  des  5^ürsten  Bugo  zu  (Uindisd)grätz 
—  temporärer  Jlufentbalt  Ibrer  königl.  Bobeiten  des  Berrn  Berzogs  Paul 
von  nied<lenburg--Scbwerin  und  ßemablin  ^rau  Berzogin  Hlarie  geb.  5^ürstin 
zu  CUindiscbgrätz  — ,  bietet  uns  Scblol5  uagensberg  im  großen  ganzen 
nod)  dasselbe  Jlusseben,  wie  zur  Zeit,  da  unser  3obann  CUeikbard  ^reiberr 
von  Ualvasor  es  besessen,  und  die  Pietät  der  gegenwärtigen  fürstlid)en 
Besitzer  erbält  aucb  die  „Ualvasorstube"  in  altem  Stande,  das  bei(5t, 
soweit  eine  restitutio  in  integrum  möglieb  war,  nad)dem  der  Scblo(5besitz 
nacb  dem  1692  erfolgten  Uerkaufe  durd)  eine  Reibe  von  Bänden  gewandert 
war,  bis  um  die  niitte  des  vorigen  O^brbunderts  die  fürstlicbe  5^amilie 
(üindisd)grätz  denselben  erwarb.  In  dieser  Ualvasorstube  sd)rieb  3obann 
(Ueikbard,  der  Cradition  zufolge,  sein  Bauptwerk,  die  „Gbre  Krains". 

5reiberr  von  Ualvasor  schildert  sein  Scblo(3  mit  nacbstebenden  Cüorten 
in  der  das  „$d)lösserbud)"  scbled)tbin  genannten  Abteilung  seiner  „Gbre 
des  Berzogtums  Krain":  Dieses  $cblo[5  ist  nocb  eines  von  denen  alten 
Bergsd)lössern,  auf  einem  boben  Berge  mitten  in  CUäldern  erbaut,  bat  ein 

"'  Ualvasor,  €bre  des  Rerzogtunis  Krain,  III.  (XL),  p.  ^22. 
"«  ebenda,  III.  (XL),  p.  339. 
""  ebenda,  IIL  (XL),  p.  517. 


'S)    $4    'S) 

weites  Jlusscben  (Jlussicbt)  auf  das  hohe  Scbneegebirge  gegen  Kärntben 
(die  Karawanken)  und  Steiermark  (Steiner  oder  Sulzbacber  fllpen)  einen 
friscb  gesunden  £uft,  zwar  keine  Gbene,  docb  Baufelder  auf  dem  Gebirge 
und  überaus  köstlicbes  Obst,  verscbiedener  Jlrten  Kirscben,  derer  vier  bis 
fünff  auf  einem  Stiel  und  näcbst  dabey  das  lUeingebirge,  unfern  vom 
Scblosse  aucb  einen  scbönen  scbwarz-  und  gelben  IHarmelstein."  „Obwol 
dieses  Scblo(5  aber  bocb  ist  docb  näcbstdabey  ein  Quellbrunn,  so  im  Sommer 


Die  „Valvasorstubc" 
im  beute  fürstl.  CQindischgrätjsdien  $d)losse  öQagensbcrg  in  dnterkrain. 


eiskalt,  überdas  aucb  ein  5iscbteicb,  sonsten  aber  garnicbts  Gbnes;  sondern 
bingegen  alles  abbängig."  —  Beute  fübrt  zu  dem  Scblosse  eine  präcbtige, 
in  bequemen  Serpentinen  angelegte  Strafte  empor,  ein  abkürzender  steiler 
5u(5weg  aber  mitten  in  die  dicbtscbattigen  Parkanlagen. 

Das  Scblo(5,  dessen  erstes  Gntsteben  auf  das  Gnde  des  14.  oder  den 
Beginn  des  15.  jabrbunderts  zurückzufübren  sein  dürfte,  weist  in  seiner 
äu(5eren  Gestalt  das  Jlusseben  der  Scblösser  Krains  aus  dem  16.  und 
17.  3abrbundert.  Gs  bildet  ein  fast  regelrecbtes  gleicbseitiges  Uiereck,  das 
mit  seinen  Gcken  gerade  nacb  den  vier  CUeltgegenden  gestellt  erscbeint;  der 
l^aupteingang  befindet  sieb  in  der  mitte  der  Jront,  welcbe  links  von  einem 


©    $5    'S 

runden,  das  übrige  Gebäude  wenig  überragenden,  rechts  von  einem  mit  der 
5^ront  gleid)laufenden,  um  ein  bedeutendes  höheren  eckigen  Curme  begrenzt 
wird;  die  der  Cüestseite  zugekehrte  €d<e  des  Schlosses  hat  einen  runden 
Curm.  Die  „Ualvasorstube"  befindet  sich  im  ersten  Stockwerke  des  gegen 
Süden  zugekehrten  viered<igen  Curmes. 

Jlls  Ualvasor  ÜJagensberg  (dieses  Stammhaus  der  (üagen  von  lUagens-- 
berg)  käuflich  erv^orben,  nahm  er  mehrere  bauliche  Berstellungen  vor, 
er  lie(5  einen  ohnedies  tiefen  Schlo(5brunnen  noch  mehr  vertiefen  und 
aus  einem  CUeinkeller  „durch  die  grausamsten  Felsen"  staffelweise  einen 
6ang  bis  zu  dem  Grunde  eines  Brunnens  legen,  „auch  daselbst  unten 
ein  kleines  Gewölbe  oder  Keller  aufführen,  der  im  Sommer  überaus  kalt 
und  angenehm"  —  zur  Aufbewahrung  von  fleisch  und  Delikatessen, 
fügen  wir  bei,  deren  ganz  besonderer  5^reund  unser  5^reiherr  gewesen, 
wie  aus  verschiedenen  zerstreuten  Bemerkungen  in  seiner  „€hre  Krains" 
deutlich  hervorgeht. 

CUie  er  so  und  im  allgemeinen  für  die  leiblichen  Bedürfnisse  des 
Bauses  vorgesorgt,  so  war  der  neue  SchloJ^herr  aber  auch  darauf  bedacl)t, 
für  das  geistige  und  geistliche  CUohl  der  Schlo(5bewohner  zu  sorgen  und 
lie(5  vorerst  für  letzteres  eine  Schlo(5kapelle  herrichten,  die  „Unserer  Cieben 
brauen"  gewidmet  wurde  und  das  Bild  U.  £.  5rau  mit  dem  3^$ukindlein 
und  der  „5^1ucht  nach  Ägypten"  zum  Eltarblatt  erhielt.  Dieses  ursprünglich 
beigestellte  Bild  fand  Ihre  königliche  Roheit  die  durchlauchtigste  ^rau 
5^ürstin  niarie  von  niecklenburg--Schwerin  auf  dem  Dachboden,  nachdem 
es  von  einem  der  vorigen  Besitzer  mit  einem  anderen  Jlltarblatte  ver-- 
tauscht  worden. 

Zu  seinen  Untertanen  stand  Ualvasor  in  jenem  Uerhältnisse,  das 
allzeit  den  Gebildeten  im  üerkehre  mit  dem  sozial  Cieferstehenden  aus- 
gezeichnet, in  dem  Uerhältnisse  leutseligen  Rerablassens,  bei  ihm  noch 
besonders  verschönt  durch  echt  christliche  Hächstenliebe,  wie  dies  aus 
zahlreichen  Stellen  seines  Hauptwerkes  hervorleuchtet  oder  selbst  zwischen 
den  Zeilen  zu  lesen.  Jlls  ein  kleiner  Beleg  dafür  mag  vielleicht  auch  das 
gelten,  da(5  wir  sowohl  ihn  als  seine  Gemahlin  wiederholt  in  den  Cauf= 
matriken  der  Pfarre  St.  IDartin  bei  Cittai  als  Caufzeugen  des  Bauern-- 
standes  seiner  Schlof^umgebung  angeführt  finden. 

Seinen  Pfarrort  St.  niartin  schildert  er  in  recht  anschaulicher  Jlrt,  indem 
er  hervorhebt,  daf^  dieses  Dorf  in  einem  lust--  und  fruchtreichen  Boden 
nicht  weit  von  der  Save  gelegen  und  von  mehr  als  100  Ginwohnern,  alle 
in  kleine  Bäuschen  zerteilt,  bewohnt  sei,  darunter  viele  „Sanier"  (Jracht- 
fuhrleute)  und  allerlei  Bandwerksleute,  „die  einem  ausarbeiten,  was  man 


-©    $6    'S) 

verlangt",  besonders  viele  Cederer,  die  sd)warze$  Ceder  bereiten.  Dann 
fügt  er  bei:  „So  findt  man  gleichfalls  ziemlid)  viel  lUirtbsbäuser  darin, 
und  zwar  in  dem  3abr,  da  icb  diese  Copograpbiam  auffübr  (um  1687), 
1$  derselben,  denn  diesen  Ceuten  —  sagt  er  lakonisch  bemerkend  — 
scbmeckt  der  Cüein  viel  besser  als  das  CUasser",  wiewol  sie  dennoch  die 
5isd)e  —  fährt  er  zu  erzählen  fort  —  so  aus  dem  Cüasser  kommen,  solieb 
haben,  daj^  kein  5^ischwasser  (es  spricht  der  5ischereibesitzer!)  vor  ihnen 
etlid)en  ruhig  verbleiben  kann.  „Scheinen  also  —  schliefet  er  —  diese 
Jisch'Häscher  das  Sprid)UJort:  Piscis  in  tertia  aqua  venenum,  der  5isch 
ist  im  dritten  Cüasser  ein  Gift,  zu  scheuen,  daher  sie  ihn  lieber  bei  sich 
in  (Uein  als  in  Cüasser  schwimmen  lassen."  Hlit  dieser  humorvoll 
versöhnlichen  Pointe  nimmt  der  üerfasser  von  dieser  Ortsschilderung 
Abschied. 

Dad)  St.  IDartin  stieg  üalvasor  häufig  hernieder,  nachdem  er  daselbst 
das  Kupferstich-Jltelier,  von  dem  in  dem  Abteil  „€hre  des  Herzogtums 
Krain"  des  näheren  gehandelt  werden  wird,  eingerichtet  hatte,  ja,  er  hatte 
aud)  in  St.  Ulartin  eine  eigene  Schreibstube,  wie  die  Cradition  zu  erzählen 
wei(5,  und  wird  uns  als  solche  ein  mit  Bolzestrich  versehenes  Zimmer 
im  „Benefizium  Reschen-Cichtenthal"  bezeichnet,  in  welchem,  nebenbei 
bemerkt,  ober  einer  Cur  rückwärts  die  Jahreszahl  1586  in  Stein  gehauen 
zu  finden  ist. 

Die  „Berrngült"  von  Schloff  (Herrschaft)  Cüagensberg  und  den  Depen-- 
denzen  Cichtenberg  und  Schwarzenbach  betrug  64  Pfund. 

Cüir  finden  nämlich  im  ßültbud)  de  Anno  1662  bis  1753^30  folgende 
Gintragung  unter  der  Rubrik:  „Ritterstand": 

Berr  Johann  Cüeikhard  üaluasor  vnd  dessen  Chefrau  5^rau  Anna  Rosina 
geborene  ßraffenweegerin  wegen  des  von  Berrn  5^ranz  Albrecht  Khaysela 
erkhaufften  ßuets  Cüagensperg,  Ciechtenberg  vnd  Schwartzenbach  Berrngült 
64  Pfund. 

Und  darunter  stehen  dann  des  weiteren  Abschreibungseintragungen 
des  Inhalts: 

Ao.  16S9  hat  Berr  üalvasor  Jreyherr  vor  sich  als  nothgerhabe  seiner 
Ersten  Ghekhinder  der  brauen  brauen  Anna  IDaximilla  5reiin  von  nioschkhon 
Schwarzenbach  ins  Gigen  verkhaufft  vnd  allein  vermug  aufsandt  mit  12  Pfund 
Berrngült  vnd  13  Bueben  zu  vnd  alda  abschreiben  lassen,  bleiben  also 
noch  alda  Pfund  52. 


"°  flrdiiv  der  Eandtafcl  für  Krain  beim  k.  k.  Candesgericble  in  Caibad),  ßültbud) 
Hr.  13,  p.  103. 


©    $7    'S) 

1691  ist  dem  Kloster  Sittich  ein  getreide,  Sakb-  vnd  3ugendzebent  in 
der  Cemeniz  von  30  Bueben  ins  eigen  verkbaufft  vermüg  aufsandt  albie 
zue  vnd  alda  mit  5  Pfund  Berrngültabgescbrieben  worden  bleibt  hierüber 
nocb  0ült  Pfund  47. 

Die  Berrngült  von  Cüagensberg  erscheint  dann  noch  1752  unter  dem 
Besitzer  JInton  Jllexander  von  ßöffern  mit  47  Pfund  und  15  ßuben 
veransagt.231 

€in  3ähr  vor  dem  Uerkaufe  von  $chlo(5  CUagensberg  und  Dependenzen, 
im  3ähre  1691,  hatte  also  Berr  3obann  CUeikbard  5^reiberr  von  Ualvasor 
den  3ugendzebent  samt  30  Buben  des  Gutes  CUagensberg  an  das  Zister» 
zienserstift  Sittich  in  Unterkrain,  und  zwar  um  den  Betrag  von  2250  fl., 
dann  30  Reichstaler  Drangeid  verkauft.232 

Über  die  Hacbfolger  Ualvasors  im  Besitze  von  ^lagensberg,  das  er 
1692  verkaufte,  gibt  das  ständische  6ültenbuch^^^  die  näheren  Daten.  Caut 
Urkunde  vom  $.  Oktober  1692  gelangte  der  Besitz  an  Berrn  3ohann 
Jfndreas  Gfandini  von  Cilienstein,  welcher  mit  einer  5^reiin  von  Cauferer  | 

verehelicht  war  und  von  welchen  es  deren  Cochter  5^ranziska  verehelichte  ^ 

von  Böffern  ererbte.   Zur  Zeit  des  unter  der  Kaiserin  Hlaria  Cheresia  ^ 

eingeführten  Kektifikatoriums,  seit  1750  war  dann  der  Obigen  Sohn  Berr  *" 

Jlnton  Jllexander  von  Böffern  Besitzer  von  CUagensberg.   Da  aber  über 
diesen   in   der   lolge   schuldenhalber    der   Konkurs   ausbrach,    gelangte        ^  S 
diese  Berrschaft  in  die  Bände  des  ßantgläubigers  michael  Skube,  welcher  ^^ 

Anfang   Oktober  1783  darauf  ein  Kapital  von  2000  fl.  geliehen  hatte  '^ 

und  dessen  €rben  1793  die  Umschreibung  auf  ITlichael  Skube  und  sich  ^ 

erwirkten.  Uon  diesen  kam  CUagensberg  durch  Kauf  laut  landesgericht--  % 

liehen  Bescheides   vom   27.  Jlpril  1$01   an  Johann  Hep.  CUogathei  und  B 

von  diesem  durch  Erbrecht  laut  ßubernial-Ratschlusses  vom  3.  niai  1$19  ® 

an  Ignaz  CUogathei.  Uon  letzterem  kaufte  es  Se.  Durchlaucht  ^ürst  CUeriand 
CUindischgrätz,  welchem  es  laut  bezirksamtlichen  Bescheides  vom  1,  3uni 
1853  zugeschrieben  wurde.  Uon  da  an  blieb  es  bis  heute  im  Besitze  der 
hochfürstlich  CUindischgrätzschen  3^amilie  und  hat  namentlich  der  Uater 
des  gegenwärtigen  Besitzers  5^ürsten  Bugo  zu  CUindischgrätz,  Se.  Exzellenz 


"^  Hrcbiv  der  Candtafel  für  Krain  beim  k.  k.  Candesgericbte  in  Caibad),  0ültbucf) 
Hr.  13,  p.  103. 

"■'  K.  k.  Eandesgericbt  Eaibacb,  krain.  Candtafel.  Beantwortung  einiger  von  der 
k.  k.  Rektifikation$bud)baIterei  gerichteten  Jragstücke  über  die  verfertigten  Doniinikal- 
lassiones  um  1755  durch  den  damaligen  Besitzer  von  CUagensberg  Hnton  Alexander 
von  böffern  zum  Saalfeld. 

"'  ebenda. 


der  durcblaucbtigste  Berr  k.  u.  k.  Generalmajor  Bugo  Jmsi  zu  Cüindiscb-- 
grätz,  und  namentlicb  ßocbdessen  erste  ßemablin  Ihre  königlicbe  Roheit 
Eouise  geb.  Prinzessin  von  tHecklenburg-Scbwerin,  die  aucb  daselbst  ver= 
starb  und  in  der  nebenan  errichteten  Familiengruft  rubt,  wesentlich  zur 
pietätvollen  Erhaltung  des  Schlosses  sowie  zur  üerschönerung  desselben 
im  Innern  und  zur  fashionablen  Herstellung  der  €ntitäten  im  allgemeinen 
mit  aller  Sorgfalt  beigetragen.  (Uar  doch  die  erlauchte  hohe  Dame  von  dem 
entzückenden  Panorama  von  Cüagensberg  in  gleicher  (üeise  angezogen,  wie 
es  der  berühmte  einstige  Besitzer,  unser  5^reiherr  von  Ualvasor,  gewesen 
war.  —  Jluch  die  gegenwärtig  hier  oft  und  gerne  weilende  Jrm  Herzogin 
IHarie  von  rned{lenburg--Schwerin,  geb.  Prinzessin  UJindischgrätz,  waltet 
in  den  altberühmten  Räumen  mit  voller  Pietät  für  Ualvasor,  gleichwie 
Ihre  königliche  Roheit  im  allgemeinen  der  Jlrchäologie  Krains  das  höchste 
Interesse  zuwendet  und  sich  auch  durch  eigene  Grabungen  an  der 
Förderung  derselben  tatkräftig  beteiligt,  wie  es  denn  auch  dem  Uerfasser 
dieses  Bud)es  gegönnt  gewesen,  von  Ihrer  königlichen  Roheit  in  diesem 
Sinne  huldvollst  zu  Rate  gezogen  zu  werden,  bei  welchem  anlasse  der-- 
selbe  das  Glück  geno(5,  die  stilgerechte  Jlusstattung  des  Innern  von 
lUagensberg,  die  Porträtgalerie  der  erlauchten  üerwandtschaft,  die  Biblio-- 
thek  usw.  besichtigen  zu  können. 

Uon  den  Sammlungen,  die  Johann  Cüeikhard  hier  in  seinem  „museum" 
lUagensberg  zusammengebracht,  sprechen  wir  an  anderer  Stelle. 

Sd)lo(5  Schwarzenbach. 

Das  heute  im  Besitze  des  Rerrn  Jllfons  Baron  CUurzbad)  von  Cannen-- 
berg  befindliche,  so  besonders  anheimelnde  Schloff  Schwarzenbach  unweit 
CUagensberg  charakterisiert  Freiherr  von  Ualvasor  mit  den  (Uorten:  „Gs 
steht  auf  einer  Jlnböbe,  doch  unter  einem  hohen  Berge  und  grofKU 
Uüalde,  solchem  nach  gleichsam  in  einem  Graben  zwischen  hohem  Gebirge: 
hat  aber  dennoch  ebne  schöne  CUiesen  und  Felder.  Und  ob  es  gleich  mit 
keinem  weiten  Jlusseben  (Jlussicl)t),  ist  es  doch  mit  einer  schönen  Hachbar-- 
schaft  der  nahe  beisammen  liegenden  Schlösser  beglückt." ^34  Der  Uer-- 
fasser  hebt  in  den  letzten  CUorten  den  Uorteil  der  Dachbarschaft  der 
beiden  ihm   gehörigen  Schlösser  CUagensberg  und  Schwarzenbach  hervor. 

Uon  dem  wahrscheinlich  1693  vollendeten  Umbau  des  Schlosses  blieb 
das  Schlafzimmer  Ualvasors,  welches  noch  heute  als  Ualvasorzimmer 
mit  Pietät  behandelt  wird,  unberührt;  in  diesem  Zimmer  soll  Ualvasor, 


"*  Ualvasor,  ehre  des  bcrzogtums  Krain,  III.  (XI.),  p.  517. 


'S    $9    ^ 

wie  die  Cradition  zu  erzählen  wei(5,  das  im  XI.  Buche,  p.  71,  der  „€hre 
Krains"  beschriebene  „erschred<liche  Krachen"  beim  Cesen  einer  Be-- 
schwörungsformel  vernommen  haben.  Gleichfalls  traditionell  ist  die  Sage, 
da(5  die  Schlösser  lUagensberg  und  Schwarzenbach  durch  einen  unter-- 
irdischen  Gang  in  Uerbindung  standen. ^^^ 

Caut  „Kauf--Ebrede"  ddo.  ^agensberg,  30.  3änner  16$9,  verkaufte 
Johann  CUeikhard  Freiherr  von  Ualvasor  das  8ut  Schwarzenbach  der 
Jlnna  IDaximilla  5^reiin  von  Mloscon,  geborenen  Gräfin  Jluersperg,  um 
den  Kaufschilling  von  6400  fl.  Candeswährung  und  100  Caler  Ceihkauf, 
„wie  auch  durch  ihren  Rerrn  Ghegemahlen  eine  Cattenbacherische  Präten-- 
sion  mit  allen  Recht  und  Gerechtigkeit  (jedoch  ohne  Schutz  und  Schirm);" 
die  „Bauptquittung"  betreffend  diesen  Uerkauf  erfolgte  unterm  Datum 
Caibach,  letzten  lebruar  1689,  und  geschah  demnach  laut  „Jlbrede"  die 
Gutsübergabe  binnen  vier  CUochen.^sß 

€s  erübrigt  uns,  betreffs  des  Schlosses  Schwarzenbach  nur  noch  zu 
erwähnen,  da(5  der  gegenwärtige  kunstsinnige  Besitzer,  dessen  Uorliebe 
für  Erwerbung  landesgeschichtlich  interessanter  Gegenstände,  namentlich 
von  Resten  kunstindustriellen  Charakters  allbekannt,  sowie  dessen  Uersiert-- 
sein  in  der  Angabe  stilgerechter  Restaurierungen  in  gedachter  Richtung, 
das  durch  seinen  einstigen  Besitzer,  den  5^reiherrn  von  Ualvasor,  lokal= 
geschichtlich,  aber  auch  für  weitere  Kreise  anziehende  Schlot^  Cüartenberg 
in  einer  Cüeise  au(5en  und  innen  restaurierte,  so  da(5  dasselbe  heute 
einen  Schmud<kasten  altkrainischer  Schlo(5einrichtung  darstellt  und  es  uns 
nicht  wundernehmen  kann,  da(5  der  dasselbe  mit  soviel  Uorliebe  be-- 
handelnde  gegenwärtige  Schlo(5herr  nicht  ermüdet,  es  immer  mehr  und 
mehr  in  diesem  Sinne  noch  weiter  auszugestalten.  CUem  es  durch  die 
Ciebenswürdigkeit  des  Berrn  Baron  CUurzbach  gegönnt  gewesen,  in  den 
Räumen  des  heutigen  Schlosses  Schwarzenbach  weilen  zu  können,  der 
wird  den  €indrud<  davon  nie  vergessen. 

Das  ehemalige  Schloff  Cichtenberg, 

welches  von  der  Familie  Schwab  an  l)errn  Georg  Khaysell  gekommen 
war,  wurde  von  diesem  sofort  nach  erfolgtem  Kaufabschlüsse  „ab-- 
gebrochen"  und  zur  Ruine  gemacht,  wie  wir  sie  in  der  „Ghre  Krains" 


"*  mittcilungen,  die  icb  der  liebenswürditjen  Jreundlicbkeit  des  cjecjenwärtigen 
Besitzers  Rerrn  Baron  Cüurzbacb  bei  meinem  Besucbe  daselbst  verdanke. 

"^  Die  den  Uerkauf  betreffenden  Urkunden  im  Besitze  des  Rerrn  Baron  tüurzbad) 
wurden  mir  gleicbfails  freundlicbst  mitgeteilt  und  babe  icb  dieselben  sowie  einen 
Urkunde-Gntwurf  in  der  „Caibacbcr  Zeitung"  vom  2$.  Dez.  1$96  ausfübrlid)  bcsprocbcn. 


'S)    90    'S 

abgebildet  sehen. ^^^  Dieses  zerstörte  Cicbtenberg  mit  dem  dazugehörigen 
JRreale  ging  von  Georg  Khaysell  an  seinen  jüngeren  Sohn  Berrn  Johann 
5^erdinand  Khaysell  und  nach  dessen  Code  an  seinen  Bruder  ßerrn  Jranz 
JRlbred)t  5^reiherrn  Khaysell  über,  von  voelch  letzterem  es  dann,  voie  wir 
gesehen  haben,  1672  Berr  Johann  (üeikhard  Freiherr  von  Ualvasor  erkaufte. 
„Ich  habe  —  schreibt  dieser  —  auch  selber  schon  viel  von  diesem 
$chlo(5  abgebrochen,  um  die  davon  erhaltenen  Steine  zu  CUagensberg 
anzuwenden,  damit  dieses  aus  jenem  weiter  erwad)sen  möchte." 


"^  Ualvasor,  €brc  des  hcrzogtums  Krain,  III.  (XI.),  p.  33$. 


Forschungsreisen^ 

fuf  seinen  Studienreisen  war  Ualvasor  zu  der  Überzeugung 
gekommen,  da(5  man  auf^erbalb  seiner  geliebten  Reimat  Krain 
keine  genügende  Kenntnis  von  dieser  besitze,  ja,  da(5  die 
„falsche  Hleinung"  verbreitet  sei,  „als  wäre  dieses  preisgelobte 
Herzogtum  ein  schlechter,  kleiner,  unbeträchtlicher  CUinkel  der  europäischen 
€rde,  gänzlich  von  lustbaren  Städten  und  prächtigen  Schlössern  leer  und 
also  andern  Cändern  nicht  gleichen  schätzbar."  ^^^ 

Diese  Überzeugung  festigte  in  ihm  die  ernste  Uornahme,  dieses  sein 
teures  Uaterland  mit  all  seinen  Sehenswürdigkeiten,  mit  seinen  eigen= 
tümlichkeiten  in  allem  und  jedem  den  weitesten  Kreisen  vorzuführen,  ein 
Cüerk  darüber  zu  verfassen,  welches  die  bisherigen  kurzen  Crwähnungen 
und  Darstellungen  des  nierian,  des  Jltlas  major  von  Blaev,  des  Georg 
Brown  und  Jlbraham  Sauer  ergänzen  und  richtigstellen  sollte,  um  so  mehr, 
als  ja  rnatthäus  lüerian  in  seiner  „Copographia  Provinciarum  Jlustria-- 
carum"  oder  Beschreibung  derer  dem  pause  Österreich  unterworfenen 
Candschaften  auf  dem  dritten  Blatte  für  Krain  das  Bedürfnis  nach  einem 
manne  ausspricht,  der  „Rilfe  und  üerlag  dazu  hätte",  eine  Chronik  oder 
wenigstens  eine  Beschreibung  von  dem  „hochlöblichen  Rerzogtume  Krain" 
zu  verfertigen  und  solches  „edle  £and"  den  Jlusländern  und  selbst  den 
Inwohnern  besser  bekanntzumachen. 

Der  Uornahme  Ualvasors,  solch  ein  CUerk  zu  schaffen,  folgte  die  Cat, 
die  „€hre  Krains"!  Doch  zuvor  galt  es  ihm,  die  Beimat  zu  diesem 
gro(5en  Zwecke  selbst  erst  genau  und  nach  allen  Richtungen  hin  zu  er« 
forschen,  denn  er  wollte  nicht  in  den  5^ehler  seines  üorgängers  auf  dem 
lokalgeschichtlichen  Gebiete,  des  Ristoriographen  und  Topographen  Johann 
Cudwig  Schönleben  —  seines  ehemaligen  Präfekten  im  Jesuitenkollegium 
—  verfallen,  „der  selber  nirgends  hingereist,  wodurch  er  ein  mehreres 
erfahren  oder  in  Jlugenschein  hätte  bringen  können". 

"^Ualvasor,  €bre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  €inleitinuj. 


'S)    92    'S) 

Unserin  5^reiberrn  von  Ualvasor  war  durch  seine  vielen  Reisen  im 
Jluslande  die  Jlutopsie  von  hervorragendster  Bedeutung. 

$0  machte  er  sid)  denn  bald,  nachdem  er  sich  in  seinem  Schlosse 
lüagensperg  häuslid)  eingerichtet  und  daselbst  eine  Bücherei  angelegt 
hatte,  für  die  ^Forschungsreisen  zurecht,  indem  er  sich  mit  den  zur  Jlb-- 
messung  der  Candschaften,  der  Burgen  und  anderer  Gebäude  nötigen 
Instrumenten,  dem  „Uiatorio"  und  „Jlstrolabio",  ausrüstete. 

Zu  Pferd,  des  sicheren  Schrittes  wegen  meist  Karstrosse,  die  Pistole 
im  I)alfter,  von  einem  berittenen  Diener  und  einem  Runde  begleitet,  zog 
er  hinaus  in  die  verschiedenen  Eandesteile,  aber  auch  über  die  Grenzen 
in  die  benachbarte  Untersteiermark,  nach  Kroatien  und  an  die  Jldria. 

Und  nicht  nur  einmal  besuchte  er  die  einzelnen  Candesteile  Krains, 
er  hat  das  ganze  Cand  etlichemal  „kreutzweise  durchgereist".  Jlllein  bis 
in  den  Jlf^linger  Boden  (Oberkrain)  hinauf,  den  er  einen  „gesunden" 
Grund  nennt  vuegen  der  hier  herrschenden  Kühle,  war  er  über  drei(5ig-- 
map39  gekommen. 

Desgleichen  begegnen  wir  ihm  häufig  in  Unterkrain,  noch  häufiger 
in  Innerkrain,  da  wie  dort  sind  es  vornehmlich  auch  die  Bohlen  und 
Grotten,  die  sein  eingehendes  Studium  herausfordern,  sowie  in  Inner-- 
krain  namentlich  der  Zirknitzer  See  es  ist,  dessen  Beschaffenheit  er 
wiederholte  Untersuchungen  widmet,  zumal  derselbe  schon  vor  ihm  die 
Jlufmerksamkeit  der  ausländischen  ^^orscher,  insbesondere  der  Gngländer 
Brown,  Uanderduz  und  Sentemayer,^*^  erregt  hatte,  wie  auch  anderer,  so 
des  Georg  CUerner  (De  admirandis  I)ungriae  [sie!]  aquis),  des  Pfarrherrn 
von  Ravenna  Francesco  Hegri  u.  a.  m.  Letzterer  hatte  wiederholt  diesen 
unsern  „Cüundersee"  besucht,  16S4  und  1685,  und  im  ersteren  3^^^^ 
zwei  nionate  da  geweilt,  „weil  er  aber  die  Grainerische  Sprache  nicht 
verstanden,  manches  nicht  begriffen  und  oft  Schwarz  für  CUei(5  auf= 
gezeichnet  hat". 

Der  Gngländer  Brown,  der  für  den  Zirknitzer  See  sowie  für  den 
Besuch  der  Gold--  und  Silberminen  Ungarns  vom  ßofbibliothekar  Kaiser 
Leopolds,  von  P.  Cambeck,  eigene  Instruktionen  erhalten  hatte,  war  1671 
in  Begleitung  eines  Irländers,  des  IDr.  Donellan,  dagewesen  und  nennt 
ihn  „cet  extravagant  Cac  de  Zirknitz".^*! 


"•  Ualvasor,  Gbrc  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IL).  P-  135. 

'''  ebenda,  I.  (IV.),  P-  621. 

"'  Brief  des  Gdward  Brown  an  Cambeccius  ddo.  Condon,  6./I6.  flpril  1671,  bei 
P.  Cambecius  eonunentarium  litlerarum  III.,  1070-1673,  fol.  71.  K.  k.  Rofbibliotbek 
in  lUien. 


'S)    93    «) 

Doch  wenden  wir  uns  nad)  dieser  kurzen  Jlbscbwenkung  wieder  zu 
den  Kreuz--  und  Querfabrten  unseres  edlen  5^reiberrn  im  Cande  Krain. 

trotzdem  die  CUege  auf  dem  Karste  „wegen  der  vielen  Steine  und  leisen 
unwegsam  und  betrüglicb  sind",^*^  durcbreiste  er  denselben  öfters,  und 
^  in  die  beute  weltberübmte  JIdelsberger  Grotte  war  nad)  seiner  Uersicbe= 
rung  vor  ibm  nod)  niemand  so  weit  vorgedrungen,  als  er,  „bindurd)  — 
sagt  er  aber  —  ist  jedocb  nod)  niemand  gekommen".  In  die  Kleinbausler 
Grotte  (bei  Planina)  bat  er  sid)  nur  eine  Uiertelmeile  bineinbegeben,  in 
der  von  Cueg  war  es  ibm  nicbt  möglid),  über  eine  Hleile  vorzudringen; 
in  die  JIdelsberger  Grotte  begleitete  er  im  3<ibi*^  ^^^*  ^'^^n  Engländer 
und  zwei  Holländer,  „gar  curiose  und  scbaugierige  Peregrinanten".^*^ 
Dem  Qued<silberbergwerk  Tdria^**  widmete  Ualvasor  eingebendste  Studien, 
nid)t  nur,  dat?  er  die  Relationen  der  Engländer  Pope  und  Brown  sowie 
des  Siterus  bei  Kird)er  (Hlundus  subterraneus)  in  vergleicbende  Betrad)-- 
tung  zog,  er  stieg  selbst  in  die  Bauptscbäcbte  St.  Jld)atii  und  St.  Barbarae 
binab,  besab  sieb  alles  genau  und  bescbrieb  die  Gesamtbeit  des  Betriebes,  ^ 

bei  dem  in  seinen  tagen  365  Personen  bescbäftigt  waren,  ja,  er  bat  uns  S 

aucb  einen  alten  ldrianisd)en  Bergwerksreim  des  3^bres  1497  bewabrt.  ^ 
Im  selben  O^bre  besucbte  er  aucb  die  Grotte  von  Gorniale  oder  Coque  Zj 
(Cokve)  bei  Criest,^^^  von  wo  aus  er  aud)  auf  der  Rüd^kebr  nad)  Eaibad)  ^ 

die  Eindwurmböble  zwiscben  Coitscb  und  Oberlaibacb  untersud)te.  Seinen  « 

Besucben  in  Tstrien  (das  damals  als  „fünftes"  Uiertel  [Kreis]  zu  Krain  c 

geborte)  verdanken  wir  die  Jlbbildung  der  alten  Kircbe  von  St.  jakob  am 
Stöd^cben  S.  Giacomo  al  palo,^*^  die  altbestandene  Benediktinerabtei  in  dem 
beutigen  Kurorte  Jlbbazia  an  der  österreicbisd)en  Riviera.  Ober  derselben 
besicbtigte  Ualvasor  zur  Zeit  aucb  die  antiken  (Uasserleitungen  in  Gastua.^*^ 

In  Unterkrain  besucbte  er  gleicbfalls  alles  nur  immer  merkwürdige  an 
Grotten  und  kleinen  fiöblen,  zollte  16$2  dem  altbewäbrten  Cüarmbade 
Cöplitz  des  5^ürsten  Jluersperg  die  vollste  Jlufmerksamkeit  sowie  den 
Gisgrotten  dieses  Bodens  —  in  die  Gisgrotte  bei  Rosseck  stieg  er  im 
selben  3abre  16S2  im  Bugust  binab  —  und  untersucbte  den  Urainer  Berg- 
see  bei  Carisd)endorf  an  dem  5^1usse  neuring. ^^^  (Uaren  es  in  Inner--  und 


^*^  Ualvasor,  €brc  des  Rerzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  403. 

'''  ebenda,  I.  (IL),  p.  27$. 

^''  ebenda,  L  (IIL),  p.  307  bis  413. 

'''  ebenda,  L  (IV.),  p.  570. 

'*'  ebenda,  IIL  (XL),  p.  2$0. 

''*'  ebenda,  IIL  (XL),  p.  46. 

"«  ebenda,  I.  (IL),  p.  195. 


Jf. 


'S)    94    'S 

Unterkrain  insbesondere  die  Grotten,  f)öblen  und  Cüässer,  die  von  den 
naturnierkwürdigkeiten  Krains  ihn  am  meisten  zur  Jlutopsie  antrieben,  so 
waren  es  in  Oberkrain  in  erster  Cinie  die  aucb  unseren  5^reiberrn  im- 
ponierenden gewaltigen  5^elsmassen  der  „boben  und  böcbsten  Scbnee-- 
gebirge",  weld)e  seine  rne(5kunst  berausforderten. 

üor  allem  erregt  unser  Interesse,  da(5  Ualvasor  dem  Criglav  vom 
Kermasattel  die  Bezeicbnung  „Kerma"  gibt,  indem  er  scbreibt:  „Zwiscben 
nioisterna  und  Pflitscb  (IHoistrana  und  5^1itscb)  in  Oberkrain  stellt  sieb 
der  bobe  Berg  Kerma  dem  Cand  Krain  und  dem  Cändlein  Pflitscb  ins 
mittel.  Derselbe  bat  dieses  merkwürdige  an  sid),  daf5  auf  seiner  ßöbe 
im  Beumonat  der  Cag  gar  lange  wäbret,  also,  da(5  man  nicbt  viel  länger 
als  eine  Stunde  spüren  kann,  wie  die  Hacbt  abgenommen  und  bernacb 
der  Cag  zunemen  werde." ^^^ 

Das  durcb  die  jüngst  erfolgte  Eröffnung  der  CUocbeiner  Babn  aktuell 
gewordene,  vom  Criglavmassiv  überragte  Cüocbeiner  Cal  fand  Ualvasor 
auf  seinen  CUanderungen  durcb  Oberkrain  „von  der  Datur  selbst  un-- 
zugänglicb  gemacbt,  angeseben  es  von  dem  böcbsten  Scbneegebirge  der- 
gestalt eingescblossen,  daf5  kein  Rund  gescbweige  menscb  binein  kann, 
ausgenommen,  wo  einiger  Eingang  nämlicb  unfern  vom  Ueldeser  See, 
allda  eine  Scblutten  (tiefe  oder  Graben)  ist,  zwiscben  zwei  Scbnee* 
gebirgen,  so  lauter  5^elsen  sind.  Daber  einem  ein  Gntsetzen  ankommt, 
so  man  nur  bineinblickt.  Da  mu[5  man  in  die  (Uocbein  binein  reiten  oder 
geben.  Die  zwei  Berge  dringen  so  nabe  zusammen,  da(5  man  von  einem 
zum  andern  (scbier)  einen  Stein  werfen  kann  und  einiger  Orten  bangen 
die  Felsen  ganz  über  den  CUeg,  derbalben  ist  bier  ein  so  fester  Pa(5, 
da()  icb  dergleicben  niemals  geseben".^^^ 

Scblicbt  und  einfacb  im  Geiste  seiner  Zeit  und  in  seiner  drastiscben 
Scbreibweise  bat  er  die  Daturromantik  dieser  wunderberrlicben  Gegend, 
die  beute  das  Jluge  aller  Couristen  so  bocb  entzückt,  gezeicbnet,  treffender 
als  die  scbönsten  Redewendungen  es  je  vermöcbten. 

Hiebt  übersab  er  aber  aucb  bier  wie  allerwärts,  wobin  sein  durcb 
sein   Interesse  an   allem   Uolkswirtscbaftlicben  gescbärfter  Blick  traf,   die 


"^  ualvasor,  €bre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  p.  562.  —  Daf3  der  Criglav 
schon  im  ]abre  1404  diese  Bezeichnung  (Cerglau)  geführt,  folgert  Östirner  in  seiner 
Ausführung  „Die  ]ulisd)en  Blpen"  in  der  Zeitschrift  des  Deutschen  und  Österreichischen 
fllpenvereines  1900,  p.  400  f.,  nach  einer  im  lHuseum  zu  Uillach  befindlichen  Konfinien- 
beschreibung  des  Candgerichtes  Straf^fried,  welche  aus  einem  manuskriptc  des  Ulilbelm 
Cheodorich  von  Gera  vom  Jahre  1464  geschöpft  ist  und  u.  a.  den  Hamen  Cerglou  aufweist. 

'''"  ebenda,  I.  (IL),  p.  140. 


-ö    95    -© 

damalige  rege  ßewerbstätigkeit  und  das  industrielle  Schaffen  innerhalb 
des  von  Gebirgen  eingeschlossenen  und  vom  reizenden  Cüocheiner  See 
begrenzten  Gebietes  „in  wad<eren  und  gro(5en  Dörfern  durch  Knappen, 
Drahtzieher  und  allen  anderen  Schmiede  bethätigt". 

€$  war  im  O^bi*^  ^^^0,  da{5  er  anlä(5lich  seines  Besuches  des  Savica- 
CUasserfalles,  den  er  zu  5u(3,  von  einem  träger  begleitet,  besichtigt  hatte 
—  die  j^bbildung  desselben  in  der  „€hre  Krains^^si  verewigt  diesen 
Besuch  —  das  Bammerwerk  (Jllthammer)  des  Berrn  George  Cocatelli 
aufgesucht  und  daselbst  mit  einem  Hetzzuge  aus  der  CUocheiner  5^eistritz, 
die  viele  Bämmer  und  rHühlen  zur  Arbeit  nötigte,  70  5^orellen  fangen  sah. 

Jluch   die  Belschiza,  die  Kozhna,  den  Stol  —  wo  wir  heute  eine 

Ualva$or--Schutzhütte    für    Couristen    treffen    —    hat    er    besucht.    Den 

,Jeistritzsd)en  Schneeberg"  oberhalb  der  Stadt  Stein  hatte  er  mit  10.274 

Cüerkschuhen  gemessen  —  den  Schneeberg  in  Innerkrain  mit  7816  CUerk- 

schuhen  — ,   beim  Besuche   der  Berge   in   der  CUocheiner  und  Ueldeser 

Gegend  hatte  er  jedoch  seine  mathematischen  Instrumente  nicht  mit  sid) 
geführt.252 

(Uie  schon  oben  angedeutet  wurde,  hat  unser  Freiherr  aut5er  auf 
seinen  früheren  ersten  CUaffengängen  die  „Grenzen"  in  Kroatien  und  an 
der  Jldria  besehen;  in  einem  Briefe,  den  er  I6$7  nach  Cngland  richtete, 
sagt  er:  „Unlängst  war  ich  in  Kroatien"  und  entwirft  dann  in  seiner, 
„ehre  Krains"  ein  anschauliches  Bild  von  der  ßauptstadt  JIgram,  dessen 
Dom  ihn  durch  seine  Pracht  und  Herrlichkeit  besonders  anzog  und  deren 
3ahrmärkte  ihm  durch  das  Berbeikommen  türkischer  Cüaren  bunt  genug 
erschienen.  JTus  der  Chronik  der  Stadt,  die  er,  wie  das  weitaus  meiste  in 
seinen  geschid)tlichen  Jlusführungen,  aus  handschriftlichen  Quellen  schöpfte, 
hebt  er  u.  a.  die  starken  Erdbeben  der  3^b^^  ^502  und  1590  hervor, 
wie  solche  dieser  den  Crderschütterungen  ausgesetzten  Stadt  in  empfind- 
]id)er  CUeise  oft  widerfuhren.^^^ 

Da(5  er  bei  diesen  seinen  ^Forschungsreisen  im  Cande  Krain  und  den 
angrenzenden  Eändern  überall  auch  den  Städten,  Ulärkten  und  anderen 
Ortschaften,  den  Schlössern  und  Burgen,  den  Stiften  und  Klöstern,  den 
Kirchen  und  Kirchlein  die  vollste  Aufmerksamkeit  geschenkt,  überall  das 
Charakteristische,  Eigentümliche,  Besondere  herausgefunden  und  in  CUort 
und    selbst    gefertigtem    Abrisse    für    kommende    Zeiten    festgehalten, 


"*  Ualvasor,  Gbrc  des  Herzogtums  Krain,  I.  (II.).  P-  I5Q. 
"^  ebenda,  I.  (III).,  p.  302  f. 
'''  ebenda,  IV.  (XIL),  p.  4  ff. 


-©    06    'S) 

beziebungsweise  der  Grmnerung  bewabrte,  der  Uergessenbeit  entri(5,  dafür 
zeugt  Blatt  um  Blatt  seiner  „Gbre  Krains". 

Dat5  er  Sitten  und  Gewobnbeiten  und  Cracbt  und  Bantierung  der 
Bevölkerung  Krains  seiner  tage  auf  diesen  seinen  Couren  kreuz  und 
quer  im  Cande  mit  dem  scbärfsten  Blicke  und  der  innigsten  patriotiscben 
Eingebung  an  Cand  und  üolk  aufgefat^t  und  dargestellt  bat,  macbt  ibn 
beute  zum  Konkurrenten  in  moderner  5^olklori$tik. 

Den  JRufentbalt  in  Scblössern,  Stiften,  Klöstern,  Pfarreien,  in  den 
Jlrcbiven  der  Städte  und  Hlärkte  benützte  er  zur  5^orscbung  in  den  alten 
Urkunden  und  Randscbriften,  Bauscbroniken  usw.,  sowie  in  den  Candes--, 
Stadt-  und  Privatbibliotbeken  zur  Benutzung  der  zur  Zeit  im  Cande 
angebäuften  Büd)erscbätze,  insbesondere  aber  war  Ualvasors  Cendenz  als 
Historiker  bauptsäcblicb  auf  die  bandscbriftlicben  Quellen  gericbtet,  die  er 
sd)on  mit  Recbt  als  die  Grundlage  der  gescbicbtlicben  5orscbung  erkannt 
batte,  und  wie  bedauert  er  es  nicbt  genug,  welcbe  geringe  Sorgfalt  man 
leider  so  bäufig  in  Bewabrung  alter  Briefe  als  Beiratsstiftungen,  Cesta-- 
mente  oder  sonst  anderer  scbriftlicber  Uergleicbe  beobacbtet  babe.^^* 

Da[5  Ualvasor  auf  seinen  Kreuz-  und  Querzügen  im  Cande  und  in 
den  Dacbbarländern,  so  16S0  in  Kärnten,  sebr  viele  Objekte  selbst  „ab-- 
gerissen"  (gezeicbnet)  bat,  darüber  belebren  uns  die  in  die  f.  e.  Bibliotbek 
in  Jigram  gekommenen  Kartons  zu  seiner  „Gbre  Krains",  sowie  in  dieser 
selbst  die  mit  seinem  Sonogramm  ^^^  oder  aucb  mit  den  Jlnfangs-- 
bucbstaben  J.  W.  V.  del.  signierten  Kupferstiebe,  einer  der  scbönsten  das 
Uollbild  von  5^iume,  auf  welcbem  der  „Jlrcbäologe"  Ualvasor  aucb 
getreulieb  die  alte  von  ibm  selbst,  wie  er  sagt,  weit  in  die  Cürkei 
verfolgte  Römermauer  mit  der  JRufscbrift  „Rudimenta  muri  antiquissimi" 
verseben  bat.^sR 


^^*  Ualvasor,  Gbre  des  bcrzogtums  Krain,  III.,  Kap.  XII. 
'^^  Siebe  Jlbteil:  Copograpbia  .  .  .  Carintbiae  16$5,  16$$. 
"«  Ualvasor,  ebre  des  berzogtums  Krain,  IV.  (XIL),  p.  101. 


Die  Sammlungen  auf  Schiolg  Wagensberg» 

}\t  der  vollen  Bescbeidenbeit,  die  unserm  edlen  3^reiberrn,  dem 
trefflieben,  geistvollen  manne,  eigen  gewesen,  stellt  er  in  der  ^ 

oben  angezogenen  Bescbreibung  seines  Scblosses  Cüagensberg 
das  Cicbt  seiner  Sammlungen  unter  den  Scbeffel,  Hacb  J\n= 
fübrung  der  von  ibm,  wie  scbon  erwäbnt,  im  Scblosse  erricbteten  Kapelle 
und  der  Grwäbnung  eines  vorbandenen  boben,  runden  Curmes,  „auf 
welcben   öfters   der  Donner  seine  Streicbe   loskeilet,"    sagt  er  wörtlicb:  >, 

„Sonst    wird    es   (das  Scblo(0   wenig  Scbauwürdiges   oder   Sonderbares  f- 

darstellen  können;  es  möcbten  dann  meine  matbematiscben  Instrumente 
bei  den  Ciebbabern  solcber  Sacben  oder  meine  kleine  Bibliotbek  von 
einem  böflicben  Huge  eines  Blickes  würdig  geacbtet  werden  nebst  einigen 
andern  Sacben,  darunter  aucb  ein  ülagnet,  der  zwei  und  vierzig  mal 
scbwerers  Gisen,  als  sein  eigenes  ßewicbt  austrägt,  in  die  ßöbe  bebt: 
welcbes  vermutblicb  einer  Uerwunderung  wertb  sein  dürfte", ^^^  in  seiner 
Bescbeidenbeit  diesen  Hlagnet  als  den  Rauptmagnet  zur  Besicbtigung 
seiner  Sammlungen  darstellend. 

Sein  IDitarbeiter  Grasmus  5^rancisci  kann  es  sieb  jedocb  nicbt  ver-- 
sagen,  den  Scbeffel  zu  beben  und  das  bellere  Cicbt  auf  die  Sammlungen 
des  l)errn  Rauptautors  fallen  zu  lassen.  €r  scbreibt:  „CUas  berübrte 
matbematiscbe  Instrumente  wie  aucb  die  Bücberei  des  Rerrn  l)auptautors 
betrifft,  dürften  dieselben  nicbt  nur  einen  oder  andern  Blick,  sondern  eine 
gute  Uerweilung  curiöser  und  gelebrter  Jlugen  verdienen  und  die  Cieb-- 
baber  der  CUissenscbaften  dadurcb  gar  ergötzlicb  unterbalten  werden." 
er  fübrt  des  weiteren  aus,  da()  die  matbematiscben  Instrumente  vor-- 
trefflicb  und  „dergleicben  anderswo  nicbt  allein  in  Krain,  sondern  aucb  in 
vielen  andern  Cändern  scbwerlicb  viele  werden  anzutreffen  sein,"  sowie 
da(5  Ualvasor,  der  in  der  ITlatbematik  und  Haturerfabrenbeit  eine  bobe 
Stufe  erreicbt   babe,   auf  Uermebrung   derselben   JInsebnIicbes   spendiere. 

'^^  Ualvasor,  €brc  des  Rerzogtiuns  Krain,  III.  (XL),  p.  620. 

V.  Hadics,  Ualvasor.  7 


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;» 
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'S)    0$    'S) 

lüas  aber  die  Bibliothek  des  Jreiberrn  bemffe,  auf  deren  Stand  er  gleich- 
falls viel  aufwende,  „so  zähle  sie  —  sagt  Jrancisci  — ,  wie  er  berichtet  sei, 
etliche  tausend  Bände  und  wachse  dieselbe  von  Jahr  zu  jähr  an,  wie 
denen  Buchführern  zu  Dürnberg  und  Frankfurt  unverborgen  sein  kann; 
unter  denen  aber,  welche  er  bereits  gesammelt,  seien  lüerke  und  Jlutoren 
begriffen,  so  nicht  alltäglich  und  3emanden  anderswo  leicht  vor  die 
Jlugen  kommen".  „Dahero  —  schliefet  der  getreue  Mitarbeiter  im  Einblick 
auf  diese  festgestellte  Tatsache  —  kann  dieses  hohe  Bergschlo(5  lüagens- 
berg  mit  allen  Ghren  für  einen  Parna(5  geachtet  werden."  ^ss 

Jlut^er  den  mathematischen  Instrumenten  und  einer  trefflichen  wohl-- 
geordneten  Bücherei  gab  es  hier  auch  die  schönsten  Bilder  aus  der  Beimat 
und  der  !Jerne,  Mausende  von  alten  IDünzen  und  eine  Raritätenkammer 
von  Haturmerkwürdigkeiten  aller  Länder.  Hlanche  Gelehrte,  zu  denen  der 
Ruf  dieser  Sammlungen  gedrungen,  namentlich  die  Gngländer,  kamen 
eigens  daher,  um  sie  zu  besichtigen,  der  gastfreie  Freiherr  lud  den  und 
jenen  zu  sich,  um  ihn  des  Genusses  derselben  teilhaftig  werden  zu 
lassen  und  mit  ihnen  gelehrte  Zwiesprache  zu  pflegen.  lUie  bedauert  er 
z.  B.  nicht  genug,  da(5  der  5^orscher  nach  den  Gigentümlichkeiten  des 
Zirknitzer  Sees,  der  Pfarrherr  von  Ravenna  Berr  Degri,  des  schlechten 
Cüetters  wegen  und  aus  Furcht  vor  einer  etwaigen  mühseligen  Rückreise 
übers  Hleer  nicht  zu  ihm  nach  CUagensberg  gekommen,  wie  er  ihm  es 
doch  versprochen  hatte;  „ich  wäre  ihm  —  versichert  Ualvasor  —  gern 
an  die  Rand  gegangen  T'^öo 

Ualvasor  nannte  diese  seine  Sammlungen  im  ßeschmacke  seiner  Zeit 
sein  IDuseum. 

lüir  wollen  nun  dieses  von  ihm  mit  den  grö(5ten  Hlühen  und  Kosten 
zusammengebrachte  und  dann  leider  noch  vor  seinem  Code  infolge  des 
gro(5en  Jlufwandes  für  sein  l)auptwerk,  die  „Ghre  Krains",  aufgeteilte 
museum  im  Geiste  durchwandern,  wie  es  sich  uns  aus  den  erhaltenen 
Resten  und  aus  den  bezüglichen  Jlufzeichnungen  zusammensetzt. 

Cüir  beginnen  mit  der  Bibliothek. 

Die  BiDliotbcK. 

üalvasors  Bücherei  umfat^te  an  die  10.000  Bände  —  wie  der  fleil^ige 
Sammler  und  Bewahrer  geschichtlicher  und  kulturgeschichtlicher  Jlufzeich- 
nungen  unserer  J)eimat  5^reiherr  von  Grberg  in  seinem  entwürfe  einer 
Citeraturgeschichte  Krains  bemerkt. 


"^  Ualvasor,  Gbrc  des  herzogtunis  Krain,  III.  (XL),  p.  020;  JInmcrkung, 
"'  ebenda,  I.  (IV.),  p.  t22. 


©    90    -§) 

Dieser  Bücberscbatz,  alle  Disziplinen,  die  zu  jener  Zeit  vorlagen,  in 
woblgewäblten  Cüerken  bietend,  mag  analog  der  Einteilung  anderer  zeit-- 
genössiscber  beimatlicber  Sammlungen,  vielleicbt  der  von  Scbönleben  ge- 
ordneten und  katalogisierten  Kavaliersbibliotbek  im  ebemaligen  5^ür$tenbofe 
in  Caibacb,  der  Bücberei  des  kunstsinnigen  Candesbauptmannes  UJolf 
Engelbert  Grafen  Jluersperg,^^'^  des  Bruders  des  ersten  5^ür$ten  Huersperg, 
aufgestellt  geujesen  sein. 

Diese  Jlufstellung  wies  dann  neun  Klassen:  I.)  Cbeologie,  2.)  Juris- 
prudenz mit  €inscblu(5  der  CUerkc  über  kanoniscbes  Recbt,  3.)  Politik 
und  Gtbik,  4.)  Gescbicbte,  5.)  Pbilosopbie,  6.)  lUedizin,  7.)  IDatbematik, 
$.)  ßumanistik,  9.)  Pbilologie;  —  wir  finden  nämlicb,  wenn  wir  beute 
in  der  f.  e.  Bibliotbek  in  Jfgram,^^!  zu  deren  Gntstebung  um  1690  die 
Ualvasorscbe  Sammlung  den  Grundstock  abgab,  nacbseben,  die  vorge- 
nannten Disziplinen,  durcb  Stiebproben  an  mit  üalvasorscben  „€x  libris" 
gekennzeicbneten  Bücbern,  sämtlicb  vertreten. 

Jür  unsere  krainiscbe  Eandesgescbicbte  erscbeinen  von  vorzüglicbstem 
Belange  an  Bandscbriften  der  über  700  Blätter  zäblende  Foliant  „lUis-- 
cellanea",  der  auf  449  Blättern  die  Genealogien  aller  Jldelsfamilien  Hrains 
von  Scbönleben  —  welcbe  Sammlung  dann  unserem  5^reiberrn  als  ITlateriale 
gedient  —  und  die  Oabrbücber  des  bekannten  Caibacber  lürstbiscbofes  und 
Gegenreformators  sowie  aucb  Stattbalters  der  i.  ö.  Cänder,  Cbomas  Cbrön, 
auf  150  Blättern  entbält;  auf^erdem  der  Stammbaum  der  gräflicben  Familie 
Strassoldo,  die  Zusammenstellung  aller  landscbaftlicben  Gericbtsbeisitzer  in 
Krain  von  1523  bis  1662  u.  a.  m. 

€in  beraldiscbes  (Uerk  von  bedeutendem  künstlerischen  CUerte  und 
zugleicb  von  vorzüglicb  lokalbistoriscbem  Interesse  für  Krain  ist  das  von 
üalvasor  selbst  zusammengestellte  und  von  Bartl  Ramscbissl  (Raumb- 
scbüssel)  im  O^bre  16$S  gemalte  grofce  CUappenbucb;^^^  dieser  Foliant 
zäblt  auf  3$$  Blättern  2023  Cüappenscbilder  —  das  Register  füllt  IS  Blätter, 
—  ein  gut  teil  der  bier  abgebildeten  Cüappen  sind  solcbe  krainiscber 
Jldelsfamilien,  wie  sie  aucb  üalvasor  dem  dritten  Bande  seiner  „Gbre 
Krains"  (Bucb  IX)  einverleibt  bat. 


^^"  Diese  unserrn  Ireiberrn  von  üalvasor  behufs  gründlicher  Benutzung  in 
liberalster  CUeise  geöffnete  Sammlung  wurde  nach  dem  Caibacber  Erdbeben  l$Q5  nach 
Oberösterreicb  überführt. 

*^'  Siehe  weiter  unten  das  nähere. 

^^^  „üalvazorjeva  knjiga  grbov"  von  3.  Barl^  in  Hgrani.  Izvestja  muzcjskega 
dru^tva  za  Kranjsko.  Urejuje  flnton  Koblar,  letnik  VIII..  seütck  IL,  str.  47  itd. 


'S)    100    'S) 

Gin  anderes  grof^es  Saninielbucb,  gleichfalls  von  Ualvasor  angelegt, 
das  von  seinem  riesigen  51ei(K,  von  seinem  ausnehmenden  Kunstsinne  und 
Kunstverständnisse  das  glänzendste  Zeugnis  ablegt,  ist  die  Reihe  von 
IS  5oliobänden,  jeder  mit  400  bis  500  Blättern,  durchaus  Holzschnitte, 
Kupferstiche  und  Randzeichnungen  alter  Hleister  aller  Cänder  enthaltend. 
UJie  die  zu  Cüagensberg  gedruckten  Citel  besagen,  hat  unser  5^reiherr  alle 
diese  Bilder  selbst  gesammelt,  geordnet  und  aufgeklebt,  lüir  begegnen 
da  Szenen  aus  dem  Jllten  und  Heuen  Cestament,  der  alten,  mittleren 
und  neueren  Geschichte,  ein  Reisealbum,  Darstellungen  von  Sitten  und 
Gebräuchen  der  Uölker,  eine  Porträtgalerie  berühmter  Regenten,  Staats-- 
niänner,  Priester,  Krieger,  Gelehrter  usw.  usw.,  ja  auch  eine  Galerie 
komischer  Figuren  (Karikaturen)  findet  sich  darunter. 

Die  von  üalvasors  Rand  „abgerissenen"  (gezeichneten)  Schlösser, 
Burgen  usw.,  Jlnsichten  aus  Krain,  die  Kartons  zu  seinen  Topographien 
von  Krain  wurden  bereits  oben  erwähnt. 

Unter  den  Bandschriften  von  allgemeinem  Interesse  und  zugleich  mit 
Bezug  auf  den  Jreihern  selbst  von  Bedeutung  ist  ein  französisches 
IDanuskript  aus  dem  17. 3ahrhundert,  wahrscheinlich  ein  Studienheft  üalvasors 
aus  Cyon,  es  handelt  von  mathematik  und  militärischen  Cüissenschaften 
(Befestigung  und  Belagerung),  ist  mit  Abbildungen  (Bandzeichnungen) 
versehen  und  führt  den  Citel:  „Diverses  lecons  prises  dans  le  premier  des 
eiemens  d'€uclide  €t  autres  livres  Suivant,  und  zwar  Craite  des  5^ortifi-- 
cations  (spanischer,  französischer,  venetianischer  und  holländischer  Jlrt). 

Unter  den  Büchern  der  ersten  Drucke  (Incunabeln)  erregt  unsere  J^uf-- 
merksamkeit  ein  sehr  schön  erhaltenes  Gxemplar  der  Schild-Jlltschen  Chronik, 
Dürnberg  1493. 

Jlus  dem  16.  Jahrhundert  sind  besonders  nennenswert  die  nachstehen-- 
den  UJerke:  Römische  Historie  vsz.  Cito  Eivio  gezogen  1505  (vide  Panzer, 
Jlnnalen  der  älteren  deutschen  Citeratur  I.  269  f.).  Uergily  maronis 
dryzehen  Jleneadische  Bücher  .  .  .  durch  Doctor  [Durner  vertutst  dem 
weisen  5^ürsten  ITlaximilian  gewidmet  (A  •  E  •  I  •  0  •  V.),  Slraf^burg  bei 
Joannes  Grüninger  1515,  Kleinfolio,  mit  vielen  schönen  Holzschnitten).  Jiuf 
dem  letzten  Blatte  dieses  Buches  liest  man  von  üalvasors  Hand  ein  Cob 
auf  die  lateinische  Sprache,  auf  das  wir  in  dem  nächsten  Jlbteil:  „üalvasors 
Cüesen  usw."  noch  zurückkommen.  5^erner  sind  zu  erwähnen:  Biblische 
Figuren  des  alten  und  neuen  Testaments,  Dürnberg  1560,  mit  vielen  Bh- 
bildungen;  Joannes  Reuchlin  de  arte  cabalistica,  Hagenau  1517;  Jacob 
Zieglers  Copographie  von  Syrien,  Palästina  usw.,  Jirgentorati  1532;  Cüar-- 
hafftiger  vnd  gründlicher  Bericht  der  habenden  Gerechtigkeit  Kaiser  Carls  5 


-2)      101      '2) 

zum  Rerzogtbum  Gellem  und  der  Grafscbafft  Zütpben  $.  1. 1541;  Jlbscbiedt 
des  Reichstags  zu  Regensburg  ü.  MDXLI;  Prorogation  und  Grstreckung 
des  Reichstags  im  Jahre  MDXLV  in  Cüormbs ;  Jlbscbidt  des  Reichstags  in 
Regensburg  MDXLVI;  Gedenkwürdige  Bistoria  des  Gdlen  und  streitbaren 
Relden  und  sieghafften  Ritters  Cheuerdank,  5^rankfurt  bei  Christian  Ggenollfs 
€rbenl596;  Geographicus  über  per  Conradum  Birsfogel  artium  et  philo-- 
sophiae  magistrum  divique  lHaximiliani  Imperatoris  Gapellanum  et  band 
mediocrem  mathematicum  .  .  .  Hürnberg  bei  3<>b^^^n  Stuchs  1514;  Spiegl 
der  Jlrtzney  .  .  .  von  Caurentio  Phriesen  von  Golmar  der  Philosophy  vnd 
JIrtzney  Doctor,  Straf^burg  bei  Johann  Grüninger  1519  mit  Jlbbildungen; 
Rippiatria  sive  Hlarescalia  Caurentii  Rusii  ad  Dicolaum  sancti  Badriani 
diaconum  Kardinalem,  Parisiis  excudebat  Christianus  ^echelus  1531 ;  .  .  . 
6pitome  compendiosaque  introductio  in  libros  Jlrithmecos  (JIrithmeticos) 
divi  Severini  Boety  Parisiis  Benr.  Stephanus  1510;  Cextus  de  Sphera 
Johannis  de  Scarabosco  .  .  .  Parisiis  in  officina  Renr»  Stephani  1511 ;  Civre  m 

de  Perspective  de  Jehan  Cousin.   Jl  Paris  de  Timprimerie  de  Jehan  le  3 

Royer  Imprimeur  du  Roy  es  IDathematiques  1560  mit  vielen  Cafein  Jib--  3 

bildungen  (Brunet  im  ITlanuel  du  libraire  IL  339  sagt:  Gdition  originale  ». 

et  assez  rare  de  ce  traite);  Perspectiva  Corporum  regularium  durch  CUenzel  « 

Jamnitzer,  Bürger  und  Goldschmiedt  in  Hürnberg  156$,  mit  vielen  pracht-- 
vollen  Rupfertafeln;  Gxtraordinario  libro  di  Jlrchitectura  di  Sebastiano 
Serlio  Erchitetto  del  re  christianissimo  In  Cyone  appresso  Juglielmo  Ro-- 
villio  1560,  mit  vielen  Jlbbildungen;  Podagrammisch  Crostbüchlein  durch 
Buldreich  €lloposcleion  ($tra(5burg)  1591;  5^1öh--l)atz,  üüeiber--Cratz  von 
demselben,  $tra(3burg  1594;  Civres  des  edifices  antiques  Romains  Par 
Jacques  Jlndrouet  du  Cercean  15S4,  mit  vielen  Jlbbildungen;  lliuminir-- 
buch  s.  L  e.  a.  (beigebunden  5^abulae  155$)  Quarti  elementorum  niusices 
Jacobi  Stapulensis  Parisiis  Renr.  Stephani  s.  a. 

Der  reichste  Ceil  des  Bücherbestandes  war  aber  der  aus  dem  17.  Jahr= 
hundert  stammende,  die  Zeitliteratur  umfassende;  hievon  aber  auch  nur 
die  bedeutendsten  anzuführen,  würde  der  Raum  hier  nicht  genügen.  Gs 
sei  daher  nur  kurz  erwähnt,  da(5  wir  au(Kr  den  in  die  eingangs  angeführten 
l)auptabteilungen  der  Disziplinen  gehörigen  zahlreichen  vorzüglichsten 
Güerken,  von  denen  besonders  die  Kosmographie  und  Geschichte  (Jlventin, 
Kircher,  merian,  Cheatrum  Guropaeum  u.  v.  a.),  Reisebeschreibungen  (so 
in  erster  Cinie  das  sehr  seltene  Itinerarium  des  Rerrn  Georg  von  Ghigen, 
Jlugsburg  1600,  welches  Professor  Pfeiffer  in  dem  ersten  Bande  der  Bibliothek 
des  literarischen  üereines  in  Stuttgart  1S42  aus  der  Originalhandschrift  wieder 
herausgab)  und  die  Romanliteratur  in  den  französischen  Originalausgaben 


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'S)    102    -e) 

und  in  deutseben  Übertragungen  vertreten  sind,  bier  aucb  Scbriften  über  die 
Cacbigrapbie,  sebr  interessante  politiscbe  Jlugscbriften,  so  z.  B.  Jrankreicb, 
scbäme  dicb  (auf  dem  Citelblatte  ist  der  französiscbe  Rabn  und  ein 
altes  CUeib  abgebildet,  das  ibm  den  Pips  kurieren  will,  auf  dem  Kamme 
und  den  Jedem  des  Rabnes  liest  man  die  Cüorte:  raison  francaise,  auf 
dem  Rasiermesser  der  Elten  aber:  purgatio  acerbitatis),  die  Entdeckung 
der  von  5^rankreicb  allen  Böfen  gescbmiedeten  und  sebr  übel  gelungenen 
Ratscbläge  s.  1.  16S5,  tücbtige  landwirtscbaftlicbe  CUerke  (aucb  eines  über 
die  bocbnutzbare  und  bewäbrte  Bierbraukunst,  Ceipzig  und  ßotba  168$)  und 
viele  andere  ganz  abstrakte  Gegenstände  bebandelnde  CUerke  finden  können. 
Jlucb  in  der  glagolitiscben  Scbrift  gescbriebene  Bücber  besa(5  Ualvasor, 
wie  er  es  selbst  ausdrücklieb  in  seiner  „Gbre  Krains"  bemerkt. ^^^ 

Die  der  Bibliotbek  einverleibt  ge-- 
wesenen  Bücber  tragen  zumeist  sein 
„€x  libris",  welcbes,  von  Crost  in 
Kupfer  gestocben,  das  Ualvasorscbe 
lüappen  mit  den  Jlnfangsbucbstaben 
seines  Hamens  aufweist.  Bei  einer 
grö(5eren  J^nzabl  von  Bücbern  er- 
scbeint  diesetti  Ualvasorscben  Gx 
libris  ein  anderes  untergeklebt,  näm-- 
licb  das  des  kaiserlicben  Rates  und 
Zeugleutnants  CUinkbler  von  €ricb-- 
beim,  dessen  Devise  „Plus  etre  que 
paroitre"  dem  (Uappen  desselben 
beigefügt  erscbeint;  aus  diesem  ur-- 
sprünglicben  „€x  libris"  scblief^en 
wir,  da(5  Ualvasor  von  dem  ge-- 
nannten  Kavalier  und  Offizier  eine 
ganze  Sammlung  meist  matbe-- 
matiscber  und  militäriscber  CUerke 
(käuflieb)  an  sieb  gebracbt  batte. 
CUas  die  Sammlung  matbcmatiscber  Tnstrumcntc  unseres  Jreiberm 
betrifft,  so  werden  wir  den  nocb  bei  seinem  Code  vorbandenen  Bestand  der« 
selben  nacb  dem  flufgezäbltwerden  im  am  zuständigen  Orte  wiedergegebenen 
Dacblaf^protokolle  entnebmen,  wo  wir  aucb  nocb  dem  Uorbandensein  einer 
kleinen  i)andbibliotbek  3obann  CUeikbards  begegnen  werden,  die  ibm  nacb 


Valvasors  öQappcn  und  „ßx  libris' 


^^'  Ualvasor,  ebrc  des  bcrzogtums  Krain,  II.  (V.),  p.  272. 


®    103    ^ 

dem  üerkaufe  des  Rauptbestandes  seiner  Bücherei  geblieben  war.  Über 
diesen,  wie  bereits  erwähnt,  1690  —  drei  ]ahre  vor  üalvasors  Code  — 
erfolgten  Uerkauf  lesen  wir  in  dem  Extrakte  der  üisitationsdekrete  des 
Erzbistums  Jlgram  unter  Citel  XVI,  Kapitel  III,  „de  JIrchivo  et  Bibliotheca" 
folgendes:  „Bibliothecae  praesentis  initium  fecit  magnae  memoriae  Gpiscopus 
Ignatius  niikulizh  (16$$— 1694),  qui  magno  aere  comparatis  libris  eruditi 
üalvasoris  prima  ejus  fundamenta  posuit,  operam  suam  in  ponendo 
aedificio  et  consignandis  libris  capitulum  laudabiliter  adjuverit."264  Daraus 
geht  hervor,  da(5  der  JIgramer  Bischof  Tgnaz  IDikulic  mit  vielem  6elde 
die  Bibliothek  des  gelehrten  Ualvasor  —  vielleicht  durch  üermittlung  des 
unserem  3^reiherrn  so  innig  befreundeten  Ritter  üitezovic  —  angekauft 
und  mit  dieser  ansehnlichen  Sammlung  den  Grund  zur  gegenwärtigen  so 
stattlichen  rnetropolitanbibliothek  in  JIgram  gelegt  hat, 

Freiherr  von  Grberg  erwähnt  an  vorher  angezogener  Stelle,  da(5  diesem 
üerkaufe  der  Ualvasorschen  Bücherei  aus  Cüagensberg  das  JIngebot  der- 
selben an  die  krainische  Candschaft  vorausgegangen  sei,  die  Angelegenheit 
sich  jedoch  zu  sehr  in  die  Cänge  gezogen  habe,  indem  man  sich  gegen- 
seitig —  die  Berren  Stände  und  Ualvasor  —  über  die  Kaufbedingungen  nicht 
habe  einigen  können;  die  weitere  JIngabe  €rberg$,  die  Sammlung  sei 
nach  dem  Scheitern  des  Projektes  mit  der  Candschaft  an  das  Kollegium 
Societatis  2z$n  in  Jfgram  gelangt,  lä(5t  sich  vielleicht  so  erklären,  da(5 
auch  die  Jesuiten  in  Jfgram  —  ein  oder  der  andere  persönliche  Bekannte  ir 

üalvasors  darunter  —  sich  beim  Bischof  Itlikulic  für  den  Ankauf  durch  M 

den  Kirchenfürsten  interessiert  haben.  ^ 

Ich  wurde  auf  das  üorhandensein  der  ualvasorschen  Bücher  in  Agram 
seinerzeit  (1$63)  durch  den  Sammler  Rerrn  Alessandro  üolpi  aufmerksam 
gemacht  und  erhielt  von  weiland  Sr.  Eminenz  Kardinal  ^ürsterzbischof 
Ritter  von  l)aulik  die  hochdankenswerte  erste  Erlaubnis,  diesen  reichen 
Schatz  durchforschen  zu  können. 

Au(3er  einer  zahlreichen  Bibliothek  und  der  Sammlung  mathematischer 
Instrumente  besa(5  der  5^reiherr  von  ualvasor  auf  Cüagensberg  auch  ein 
reid)haltiges  miinzcnkdbtnctt  griechische  und  römische  Hlünzen,  besonders 
was  letztere  betraf,  war  Krain  ein  ergiebiger  5^undort;  ualvasor  selbst 
führt  im  zweiten  Bande  seiner  „Ehre  Krains"  (im  Anhange  zum  fünften 
Buche)  die  im  Cande  gemachten  Ausgrabungen  von  Römersteinen  und 
münzen  an  und  auch  sonst  an  der  und  jener  Stelle  seines  Haupt- 
werkes  erzählt  er  davon,   wie   er  von  Bauern  IHünzen  erhandelt  habe. 


er 
t. 

.X: 


264 


?.  e.  ürcbiv  in  Bgratn. 


'S)    104    ^ 

Professor  Richter  erwähnt  in  seinem  Jlufsatze  über  Ualvasor,  da(5  Ualvasor 
„einem  5^reunde  in  5^rankfurt  a.  Hl.  $000  Stück  münzen  mitgeteilt  habe". 
Ich  bemühte  mich,  bei  meiner  Forschungsreise  in  Deutschland  an  Ort  und 
Stelle  dem  Uerbleibe  dieser  ansehnlichen  rnünzenmitteilung  aus  Krain  auf 
die  Spur  zu  kommen,  doch  weder  in  den  öffentlichen  noch  in  den  Privat-- 
sammlungen  zu  Frankfurt  und  auch  nicht  in  IDainz,  wohin  ich  von 
Frankfurt  aus  diesbezüglich  gewiesen  worden,  konnten  wir  die  Provenienz 
von  münzen,  die  man  allenfalls  auf  krainische  Fundorte  beziehen  könnte, 
als  wirklich  aus  Krain  stammend  urkundlich  nachweisen. 

Jluch  der  Zeitgenosse  üalvasors  Chalnitscher  (Dolnicar)  von  Chalberg 
sagt  in  seinem  manuskript:  JIntiquitates  urbis  Cabacensis  1693,  p.  43,^^^ 
wo  er  von  den  münzensammlungen  in  Krain  spricht  (beim  Fürsten  Jluersperg 
goldener  Pokal  mit  den  seltensten  Goldmünzen  geziert,  dann  bei  Dr.  ].  ]. 
Cukantschitsch,  Fürstbischof  Otto  Friedrich  von  Caibach,  Grafen  Barbo  in 
Dragembl,  landschaftl.  Sekretär  Dr.  Beinrich  m.  Schweizer  u.  a.),  bezüglich 
der  münzensammlung  üalvasors  in  tadelndem  Sinne :  Ualvasorius  tantam 
horum  copiam  habuit,  ut  una  solum  vice  aliquid  milia  (non  absque 
dispendio  Patriae,  quae  uno  tractu  tantum  Chesaurum  omisit)  in  imperium 
Germaniae  transmisit.  —  CUir  fügen  diesen  tadelnden  Cüorten  Chalnitschers 
—  des  Zeitgenosen  —  nur  bei,  da(5  unser  patriotische  Freiherr  gewi(5 
auch  diese  Mausende  zählende  münzensammlung,  bevor  er  sie  ins  Ausland 
wandern  lie(5  —  als  ihn  die  üerhältnisse  zur  Dahingabe  nötigten  — ,  in 
der  Beimat  zum  ankaufe  angeboten  haben  mochte  und  das  Jlngebot, 
wie  das  der  Bücher,  infolge  der  Dichteinigung  über  die  Bedingungen  hier 
unerfüllt  blieb. 

Hoch  einer  Sammlung  auf  CUagensberg  sei  hier  zum  Schlüsse  dieses 
Jlbteils  kurz  Grwähnung  getan,  nämlich  einer  Sammlung  von  UlincrallClt^^'''' 
und  Petrefakten  aus  Krain,  wie  er  sie  auf  seinen  Kreuz-  und  Querzügen 
im  Cande  aufgebracht  und  aus  der  er,  wie  schon  oben  in  der  Jlbteilung 
Studienreisen  bemerkt  worden,  merkwürdige  Stücke  an  auswärtige  Sammler 
abgegeben  und  (gewit^  auch)  gegen  fremde  Fundstücke  ausgetauscht  hat. 


^"^  J.  b.  Seminarbibliotbck  in  Caibacb-  Frcundlid)e  mittcilung  des  hcrrii  f.  b.  Kon- 
sistorialratcs  und  Direktors  der  Ordinariatskanzlei  Uiktor  Steska. 

-''^  Über  seine  Grabungen  auf   Ulineralien  siebe   „Gbre  des  Herzogtums  Krain", 


1.(111.),   p.  429  ff. 


Paluasors  ersdielnung  und  Wesen* 

fnseres  3obann  (Ueikbard  Ireiberrn  von  üalvasor  persönlicbe  £x= 
scbeinung  können  wir  uns  nur  aus  dem  seiner  „Gbre  Krains" 
vorangestellten,  von  dem  lüiener  Künstler  Hlattbias  ßreyscber  in 
Kupfer  gestocbenen  Brustbilde  annäbernd  zur  Uorstellung  bringen, 
da  leider  gröf^ere  Porträts  desselben,  die  uns  aucb  die  ganze  Gestalt  vor 
Jlugen  balten  könnten,  nicbt  mebr  vorbanden  zu  sein  scbeinen,  trotzdem 
dieselben  in  Hacblaf^protokollen  nacb  seinem  und  dieses  und  jenes  5^amilien-- 
gliedes  Jlbsterben  als  vorgefunden  verzeicbnet  erscbeinen. 

Hacb  den  in  Greyscbers  Porträt  eingebaltenen  0rö(5enverbältnissen 
scbeint  unser  0elebrter  von  mittlerer  Statur  gevoesen  zu  sein.  Das  stark 
geformte,  von  an  den  Scbläfen  und  bis  auf  die  Jlcbseln  lang  berabvüallen-- 
den  Cocken  des  oben  glatt  gescbeitelten,  mitten  abgeteilten,  nacb  dem 
vom  Künstler  gegebenen  Cicbte  zu  scblie(3en,  blonden  Scbeitelbaares  um-- 
rabmte  Raupt,  weist  eine  ziemlicb  bobe  und  breite  Stirne,  grof^e  geistvolle 
flugen  —  die  Pupille  des  recbten  Jluges  etvoas  nacb  dem  recbten  Jlugen-- 
winkel  gekebrt  — ,  scbmale,  den  langgezogenen  Jlugenböblen  entsprecbend 
liniierte,  wenig  gescbweifte  Augenbrauen,  eine  starke,  ziemlicb  weit  aus 
dem  abgerundeten  6esicbtsumfange  bervorlugende  nase,  die  an  der  Spitze 
etwas  eingekerbt  ist,  wäbrend  die  Hasenflügel,  stark  ausgeweitet,  die  bobe, 
von  einem  winzig  scbmalen,  fast  in  0estalt  zweier  5^1eckcben  auslaufenden 
Bartstreifen  begleitete  Oberlippe  überragen;  das  ein  wenig  nacb  der  Unter- 
lippe binaufragende  Kinn  erscbeint  mit  einem  zarten  ßrübcben  geziert. 
Die  Obren  sind  von  den  berabwallenden  Cocken  verdeckt. 

Im  ganzen  ist  es  ein  besonders  cbarakteristiscber  Kopf,  den  wir  da 
scbauen.^'^'^  ^ir  seben  die  miscbung  italieniscber  und  deutscb-krainiscber 
Herkunft,  es  sprecben  aus  Blick  und  ITliene  die  bervorstecbendsten  Gigen-- 
scbaften  seines  lUesens,  wir  lesen  das  tiefe  Denken  von  der  Stirne,  das 
sinnige   Betracbten  und   klare  Erfassen   der  Dinge   aus   dem  fluge,   die 


2"  Siebe  das  Citelbild. 


'S)    106    'S) 

Gnergie  des  Cüillens  von  der  Hase  sowie  das  ihn  in  allem  auszeichnende 
CUoblwollen,  gepaart  mit  gutmütiger  Schalkhaftigkeit  vom  munde, 

Cüas  die  5orm  seines  Oberkörpers  betrifft,  so  lä(?t  die  denselben  be-- 
deckende  und  umhüllende  Stahlrüstung  des  landschaftlichen  „üiertelhaupt-- 
manns"  auf  einen  mä()ig  starken  Umfang  schliefKu,  den  der  Cräger  dieser 
Kriegsgewandung  erst  späterhin  gewonnen  haben  mag,  da  er  in  seinen 
früheren  Cebensjahren  „sehr  dürr  gewesen",  wie  er  es  selbst  bezeugt. ^ß» 
Die  auf  die  Brust  des  Barnisches  herabhängende  Spitzenhalsbinde  —  aus 
dem  in  vorherigen  Zeiten  üblichen  Spitzenkragen  zum  Spitzenviereck  (rabat) 
zusammengeschrumpft  —  erscheint  hier  mittelst  eines  Bandes  derart  geknüpft, 
da(5  dieselbe,  der  ülode  entsprechend,  sich  nach  unten  fächerförmig  ausbreitet. 

Cüas  die  oben  erwähnte,  so  äußerst  schmale  Bartform  anbelangt,  der 
sich  Ualvasor  gewi(5  nur  aus  dem  Grunde  der  ihm  eigenen  Bescheidenheit 
—  um  nicht  eine  Jlusnahme  vom  ßeschmacke  seiner  Cage  zu  bilden  — 
anbequemt  hatte,  so  war  ihm  diese  durchaus  nicht  sympathisch,  denn  er 
lä(5t  sich  dagegen  bei  Besprechung  des  berühmt  gewordenen,  überaus 
langen,  in  zwei  bis  auf  die  5u[5spitzen  herabreichenden,  in  Zöpfen  ge-- 
flochtenen  Bartes  seines  1575  gemalten  mütterlichen  Uerwandten  Berrn 
Jlndre  Eberhard  Rauber,  Ritter,  auf  Schloff  Cüeineck  in  Unterkrain  in 
deutlichster  CUeise  aus.  Gr  sagt:  „Damals  waren  noch  die  langen  Barte 
in  grofKu  Ghren  und  nicht  für  so  altfränkisch  oder  bäurisch  geachtet,  wie 
heutiges  Cages,  da  man  unter  glatten  mäulern  gar  oft  rauhe  Berzen 
verbirgt,  und  eine  solche  ITlanier  von  Barten  eingeführt,  welche  den  Jlugen 
unserer  Uorfahren  wie  eine  gemähte  Cüiesen  würde  vorgekommen  und  für 
einen  grofKu  einbu(5  der  Ernsthaftigkeit  und  lllannhaftigkeit  aufgenommen 
sein  ....  In  unserer  Zeit  ist  dieses  Zeichen  männlicher  Gravität,  der 
Bart  nämlich,  gewaltig  subtil,  und  die  Cang-  oder  Breitbärtigkeit  von 
Ceutschland  unter  politen  Ceuten  ganz  ausgemustert  worden;  hingegen 
aber  pflog  das  ernste  Ceutsche  Jllterthum  damit  zu  prangen  .  .  .  weswegen 
f)crr  Jindre  Gberhard  Rauber  selten  nach  Bof  gefahren  oder  geritten, 
sondern  meist  zu  5ut5  dahin  gegangen,  weils  ihm  mächtig  wolgefallen, 
dafi  ihn  die  Ceute  in  grof^er  lllenge  an  und  nachgesehen,  indem  er  den 
Bart  gemeinlich  alsdann  ganz  fliegen  lief^,  als  wie  ein  ausgebreitetes 
Fähnlein  seiner  mannhaften  Strengheit  und  Ghrbarkeit."  ^ß» 

Darüber,  wie  Ualvasor  in  Zivil  aufgetreten,  gibt  uns  einigen  Jlnfschluf? 
das  nach  seinem  hinscheiden  aufgenommene  Inventar  seines  Hachlasses."'' 

'*"  Ualvasor,  €brc  des  hcrzogtums  Krain,  I.  (III.),  P-  343. 
""  ebenda.  III.  (XL),  p.  622  f. 


270 


Jlrct)iv  des  k.  k.  Candcsgcricbtcs  in  Caibad). 


'©    107    'S) 

Da  finden  wir  einen  ganzen  Hnzug  aus  „baarfarbener"  (flacbsfarb)  Halb- 
seide —  Rod<,  CUeste,  Rose  und  Strümpfe  — ,  einen  „tristaminfarbenen'* 
halbseidenen,  mit  silbernen  und  vergoldeten  Borten  verbrämten  Rock  mit 
silbernen  Knöpfen,  einen  grünen  Rock  von  Plüsch  mit  gegossenen  Knöpfen, 
einen  Rock  aus  schwarzem  Samt  mit  silbernen  und  vergoldeten  Knöpfen, 
für  den  Cüinter  war  er  mit  einem  rottuchenen,  mit  5^uchs  gefütterten  Pelz 
—  darauf  vergoldete  Knöpfe  —  samt  einer  zugehörigen  Pelzkappe  ver-- 
sorgt.  Die  Büte  sind  „verbrämt",  in  die  Rand  nahm  er  ein  Spanischrohr 
mit  Silber  beschlagen,  daran  ein  silbernes  Kettel;  ein  „altvaterischer'* 
Spazierdegen  mit  silberner  vergoldeter  Scheide  hing  ihm  in  einem  ledernen 
CUehrgehänge  an  der  Seite. 

(Jon  seinen  Cebensgewohnheiten  ist  uns  nur  wenig  bekannt.  Inter- 
essant ist  jedod)  der  hygienische  Zug  in  seiner  Gewohnheit,  bei  offenem 
5^enster  zu  schlafen,  wie  er  auch  im  allgemeinen  in  der  und  jener  5^rage 
die  Stimmen  der  flrzte  gerne  gehört  und  bei  Beschreibungen  von  Bädern 
z.  B.  schon  Jlnalysen  und  Indikationen  längeren  ümfanges  von  heimat-- 
lichen  und  anderen  Kapazitäten  in  seine  „€hre  Krains"  aufgenommen 
hat.  er  erzählt  nämlich,  da(5  er  um  167$  im  Berbst  auf  dem  Schlosse  Prem 
(in  Innerkrain)  übernachtet  habe,  in  welcher  Dacht  eines  der  heftigsten 
Karstgewitter  losgebrochen  und  bei  diesem  JInlasse  eines  Blitzes  „gro(5e, 
sehr  feurige  5^1amme"  bei  einem  5^enster  seines  Schlafgemaches  —  da 
er,  seiner  Gewohnheit  gemä(5,  beim  Schlafengehen  alle  Jenster  offen  ge-- 
lassen  —  herein  und  beim  anderen,  wie  er  „gar  eigentlich  gesehen", 
wieder  hinausgefahren  sei.^^^  öüie  er  theoretisch  dem  Badewesen  und  den 
Bädern  und  Beilquellen  seiner  ßeimat  eifrig  das  WJort  redet,  ich  erinnere 
nur  an  die  Beschreibungen  der  Chermen  von  Cöplitz  in  Unterkrain  und 
der  auf  seinem  väterlichen  Sitze  in  Gallenegg  (in  Oberkrain),  dann  des 
von  ihm  auch  selbst  versuchten  Sauerbrunnen  in  Seeland,  den  er  für 
ziemlich  gut  befunden, ^^^  ^^  fm^^-^  g,.  ^j^i^  ^^^i^  ^i^  Dauerbadender  —  wenn 

wir  so  sagen  dürfen  —  bei  uns  ein  in  seiner  Schilderung  davon,  wie 
er  in  der  Cöplitz  im  lüarmbade  die  ganze  Dacht  durch  auf  dem  Rücken 
gelegen,  „dazu  besser  und  sanfter  als  auf  einem  Bette".  In  Gonobitz  in 
Südsteiermark  lernte  er  von  einem  holländischen  Soldaten,  der  bei  der 
Stadtguardia  in  Graz  in  Dienst  gestanden  und  den  der  Graf  Cattenbach 
zu  sich  nach  Gonobitz  hatte  kommen  lassen,  das  Wassertreten. "^ 


"*  Ualvasor,  €brc  des  hcrzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  3Qf. 
"'  ebenda,  I.  (IL),  p.  140. 
"'  ebenda,  III.  (XL),  p.  $$. 


©    10$    'S) 

In  Speis  und  Crank  war  unser  edler  5^reiberr  tTiä(5ig,  wie  dies  aus 
dem  Cenor  aller  seiner  diesbezüglichen  fluf^erungen  hervorgeht,  speziell 
was  das  Crinken  betrifft,  war  er  jedem  überma(5  abhold  und  indem  er, 
nach  dem  Berichte  über  die  1517  in  ßraz  durch  Siegmund  v.  Dietrichstein 
für  Innerösterreich  gegen  das  übermä(5ige  Zutrinken  und  gottslästerliche 
fluchen  gegründeten  St.  Christophsbruderschaft,  in  seiner  Chronik  leider 
die  bald  darauf  erfolgte  Gründung  eines  eigenen  Crinkordens  in  Krain 
einfügen  mu(>,  kann  er  es  doch  konstatieren,  „da(5  nunmehr  diese  01as= 
bruderschaft  ziemlich  auf  die  Deige  gekommen"  und  schlie(5t  mit  dem 
Jlusrufe:  „Cüollte  0ott,  es  wäre  überall  von  solcher  übler  Gewohnheit  kein 
einziges  Cröpflein  mehr  übrig." ^'^  Uon  Speisen  scheint  er  ganz  besonders 
das  „meergeschnalz",  alle  Gattungen  llleerfische,  besonders  bevorzugt  zu 
haben  als  festtägliche  Leckerbissen,  da  er  derselben  wiederholt  Erwähnung  tut. 

In  dem  zu  seiner  Zeit  eben  heftig  entbrannten  Streite  über  die  Hützlich-- 
keit  und  Schädlichkeit  von  Cee  und  Kaffee  entscheidet  sich  Ualvasor  für 
beide  Getränke  und  führt  er  den  Cee  als  ein  heilsames  Getränk  an, 
namentlich  zur  Besserung  des  verlorenen  J^ppetits  und  dann  zur  Ber-- 
stellung  von  Heiserkeit.  Ratte  ihm  auch  der  herzogl.  holsteinsche  Ceib-- 
medikus  Dr.  Pechlinus  den  Cee  widerraten,  „weil  er"  (Ualvasor)  „phleg-- 
matischen  Cemperaments  und  dazu  sehr  dürr  wäre,  dergleichen  Personen 
der  Cee  nicht  diene,"  so  entschied  er  sich  doch  für  den  gelehrten  Praktikus 
allhier,  der  ihm  und  einer  anderen  von  Gliederschmerzen  oft  gequälten 
Person  sowohl  den  Cee  als  auch  den  Kaffee  als  heilsam  empfahl,  letzteren 
auf  gewisse  und  nicht  gemeine  CUeise  am  5^euer  gedörrt  und  auch  nur 
in  der  Cüoche  zwei  oder  dreimal  morgens  und  gleich  nach  dem  IDittag-- 
essen  in   geringer  Dosis,  nämlich  etwas  weniger  als  ein  halbes  Seitel.^^^ 

Jluch  ein  freund  des  Cabaks  war  unser  Gelehrter,  den  er  „sehr  nützbar" 
nennt  und  den  er  auch  als  Schnupftabak  selbst  genot^;  in  seinem  Dach-- 
lasse  fand  man  10  V2  Rollen  von  Brasil.  Gs  waren  dies  Cabakstenglein 
aus  Brasilien  (Bahia),  die,  zu  Pulver  gerieben  und  mit  etwas  Kalk  und 
Schmalz-'^'  vermengt,  zum  Gebrauche  des  Schnupfens  in  eigenen  Glas-- 
fläschchen  verwahrt,  aus  diesen  auf  den  ^andrücken  gestreut  und  von  da 
hinaufgeschnupft  wurden.  Der  Brasil--  oder  Brisiltabak  ist  noch  heute  ein 
im  Böbmerwalde  sehr  beliebter  Schnupftabak  und  es  teilt  unser  verehrte 
Landsmann,  Rerr  Universitätsprofessor  in  Prag  Dr.  Jldolf  ßauffen  in  dem 

-'^  Ualvasor,  Gbre  des  Rcrzogtums  Krain,  III.  (IX.),  p.  2$. 
='"•'  ebenda,  I.  (III.),  p.  343. 

^'^  Daher  auch  der  Scbmälzler  genannt.  $cl)meller,  Bayer.  CU.-B.  I.,  p.  364, 
II.,  p.  551. 


-g)    109    'S) 

Jacbblatte  „Deutsche  JIrbeit"  (L,  p.  190)  eine  Scbilderung  des  Gebrauches 
desselben  und  ein  paar  launige  Strophen  eines  „Lobliedes"  auf  den 
Brasil  mit,  davon  die  lHoral  lautet:  „Ts  wer  gstorb'n  und  hat  ma  a 
rechts  Ceid  |  Odr  is  a  Kloans  komrna  und  hat  ma  a  5^reud;  |  Is  a  Gwittr 
am  Bimml  und  schlogts  ei'  |  Odr  vafolgt  am  d'  Suppn  und's  Ceben  a 
ÜJei(b)  I  Schnell  nimmt  ma's  Jlascbl  her  und  schnupft  —  |  Und  schnupft, 
und  schnupft  und  schnupft".  —  Bätte  unser  Ualvasor  dieses  Coblied  auf 
den  Brasil  gekannt,  er  mit  seinem  ausgesprochenen  und  unverwüstlichen 
Rumor  hätte  es  sicher  in  seinen  Dutzen  des  Cabaks  eingeflochten,  man 
mü(5te,  oder  besser,  man  könnte  schier  eine  eigene  Schrift  herstellen, 
wollte  man  alle  Stellen  aus  der  „€hre  Krains"  ausheben,  an  denen 
Ualvasor  seiner  humoristischen  Hder  freien  Cauf  gelassen,  aber  immer 
und  überall,  wo  er  in  seinem  vierbändigen  5^oliowerke  eine  humorvolle 
Jlndeutung,  Bemerkung  oder  ÜJendung  angebracht,  geschieht  es  in  voll- 
kommen harmloser  und  diskreter  Cüeise,  freilich  wohl  in  der  drastischen 
Diktion  seiner  Cage. 


Die  römisch--katholische  Kirche  erklärt  er  ausdrücklich  als  diejenige,  zu 
der  er  sich  „aufrichtig  bekenne", ^^  was  ihn  jedoch  nicht  hindert,  ander-- 
seits  den  Jlusspruch  zu  tun:  „Der  Geistlichen  ihr  Gxorcisiren^^s  und 
beten  auf  dem  ^reythofe  lasse  Ich  in  seinen  CUürden,  dann  Beten  ist 
allezeit  und  überall  gut:  allein  es  könnte  doch  auch  sowol  daheim  im 
pause  oder  in  der  Kirche  geschehen;"  doch  beschränkt  er  selbst  diesen 
Jlusspruch,  indem  er  beifügt:  „CUiewol  man  def^wegen  nicht  zu  leugnen  p 

begehrt,  da(5  das  allgemeine  Kirchengebet  bei  öffentlichem  Gottesdienste 
einen  noch  grö(5eren  Hachdruck  habe."^^^ 

Die  schöne  Devise  der  Ordensbrüder  vom  hl.  Benediktus,  das  „Ora 
et  labora",  schwebt  ihm  vor  dem  geistigen  Jfuge,  indem  er  anläf^lich  der 
Einweihung  der  1684  erbauten  Kapelle  beim  Gisenhammer  Sava  -- 
welche  Konsekration  der  Caibacher  Fürstbischof  1685  vorgenommen  —  den 
Satz  aufstellt:  „da(5  Jlndacht  und  5^1eil5,  Gebet  und  Jlrbeit  einander 
secundiren  müssen."  ^^^ 

Kraft  seines  religiösen  Bekenntnisses  zur  römisch-katholischen  Kirche  und 
au(5erdem  als  Freund  des  Uolkes,  als  welcher  er  sich  auf  den  Blättern  seiner 


"^  Ualvasor,  Gbrc  des  herzogtums  Krain,  IV.  (XV.),  p.  606. 
^'^  CcufclaustreibcM. 

"^  Ualvasor,  Gbrc  des  Rcrzogtunis  Krain,  I.  (III.),  p.  316. 
='«"  ebenda,  I.  (III.),  p.  3Q4. 


m 


ß. 


'S)    110    'S) 

„€bre  Krains"  oft  und  oft  erweist,  bat  er  auch  nicht  unterlassen, 
Kircbweibfeste  und  Cüallfabrten  mitzuniacben.  So  berichtet  er  von  dem 
Kircbweibfest  U.  C.  5^rauen  auf  dem  bl.  Berge  Sonntags  nacb  3^J<ö^'  ""d 
der  Sitte  dabei,  da(3  der  Zupan  von  Revise  dem  Eandgericbtsberrn  beim 
5^rübmabl  auf  einem  Celler  einen  guten  alten  Dukaten  in  0old  präsen- 
tiere, „massen  icb  —  wie  er  versichert  —  als  welcher  ich  gleichfalls 
etliche  mal  dabey  gesessen,  selbst  solches  mitangesehen". ^^^  Und  an 
anderer  Stelle  erzählt  er,  da[5  er  am  Sonntag  nach  St.  Bartholomäus  (dem 
grofKU  CUallfabrtstage  für  die  Kirche  St.  JIgnes  auf  dem  Kumberge)  am 
29.  Jlugust  16SS  diese  Cüallfahrt  mitgemacht  habe,  bei  welcher  aus 
Krain,  Steiermark,  Kärnten,  Kroatien  und  anderen  Gegenden  an  50.000 
Personen  anwesend  waren  und  40.000  gebeichtet  und  kommuniziert 
haben.  „Diese  grof^e  Jinzahl  der  Eeute  —  fügt  er  bei  —  hat  verursacht, 
da(5  an  selbigem  Cage  über  140  Sam  (fuhren)  CUein  ausgeschenk, 
worden."  Ohne  Prüderie  bemerkt  er  noch,  da(5  in  der  versammelten 
nienge  üolkes  „drey  Cüeiber  alda  die  Bürde  ihrer  Schwangerschaft  ab- 
gelegt". 2^2  entschieden  tritt  er  aber  für  Jlbschaffung  der  Kirchweihfeste 
ein  dort,  wo  sie  Jlnlat5  zu  totschlagen  zu  geben  pflegen,  so  billigt  er 
die  Jlufhebung  des  Kirchweihfestes  bei  der  Pfarre  Klan  an  der  Poikt 
wobei  gewöhnlich  drei,  vier,  fünf  und  wohl  auch  mehr  Personen  er-- 
schlagen  worden. ^«^ 

Ualvasors  Objektivität  in  Behandlung  der  geschichtlichen  Greignisse, 
sofern  sie  die  Religion  betreffen,  die  Darstellung  der  kirchlichen  Refor-- 
mation  und  Gegenreformation  in  Krain  ist  eine  so  hervorragende,  da(5 
sie  im  I)inblicke  auf  die  Zeitverhältnisse,  unter  denen  die  Jlbfassung 
seiner  „Gbre  Krains"  erfolgte,  und  ganz  besonders  im  Einblicke  darauf, 
da(5  in  seinen  Cagen  die  Gegenreformation  bereits  in  Krain  vollends 
durchgeführt  war,  in  der  Cat  wunder  nimmt.  Dicht  nur  der  Umstand, 
da(5  er  in  seinem  Hauptwerke  in  der  Jlbteilung  vom  Schrifttume  Krains 
das  Uerdienst  des  gelehrten  lutherischen  Predigers  Primus  Cruber  um  die 
slavische  Landessprache  und  Literatur  ausführlich  behandelt  und  auch  alle 
von  den  Gegenreformatoren  verpönten  und  verbrannten  evangelischen 
(lutherischen)  Bücher  aufzählt  und  bespricht,  sondern  auch  anderseits 
seine  aus  den  untrüglichsten  Quellen  —  den  eigenen  Jlufzeichnungen 
des  scharfen  Gegenreformators  Fürstbischof  Chomas  Ghrön  —  geschöpften 


"*  Ualvasor,  Ehre  des  Rerzogfutns  Krain,  I.  (II.),  p.  i24. 
"'  ebenda,  II.  (VIIL),  p.  802. 
"=»  ebenda,  II.  (VIIL),  p.  754. 


^    111    '& 

Schilderungen  der  gegenreformatoriscben  Bandlungen  mit  5^euer  und 
Schwert,  sie  stempeln  seine  diesbezügliche  ßeschichtsdarstellung  zu  einer 
derart  objektiven,  da(5  JInhänger  und  Gegner  der  einen  oder  der  anderen 
religiösen  Richtung  mit  gleichem  Gewinne  und  gleichem  Genüsse  daraus 
niaterial  für  ihre  eigenen  Darstellungen  schöpfen  konnten  und  können. 
lUie  hochsinnig  üalvasor  überhaupt  in  konfessioneller  Richtung  gedacht 
und  sich  geäuf^ert,  erhellt  aber  im  glänzendsten  Eichte  aus  der  ethischen 
Jlusführung,  die  er  der  von  ihm  mitgeteilten,  unter  den  gräflich  Camberg- 
schen  Schriften  gefundenen  „Berufung"  des  Berrn  5^riedrich  von  Camberg  an 
die  Juden  zu  lllarburg  usw.  127$  wegen  etwa  an  seine  Familie  zu  habende 
Jlnforderungen^^*  und  deren  beabsichtigter  Cilgung  vorangestellt  hat.  Gr 
schreibt  da:  „Uiele  vermeinen,  es  sei  wenig  daran  gelegen,  ob  man 
einem  3uden,  Türken  oder  Ketzer  mit  Jlbrichtung  des  Geliehenen  zuhalte 
oder  nicht,  er  sei  doch  nur  ein  ungläubiger  Bund  und  ein  solches  Hlast- 
Vieh,  welches  dermaleins  dem  höllischen  Plutoni  geopfert  werde,  darum 
man  einem  solchen  von  der  Kirche  entfremdeten  weder  Creu  noch  glauben 
zu  halten  oder  ihm  einen  Beller  zu  bezalen  schuldig  sei,  auch  sich 
weniger  dann  nichts  zu  bekümmern  habe,  ob  derselbe  wieder  zu  dem 
Seinigen  gelange  oder  nicht,  dafern  nicht  nur  etwan  eine  gerichtliche  Un- 
ruhe oder  sonst  ein  anderes  gro(5es  Übel  daraus  entstehe."  „Jlber  — 
hebt  er  nun  seine  nioral  an  —  „wahre  und  tugendergebene  Christen 
lassen  ihre  Redlichkeit  hierin  auch  bei  denen,  die  au(Kr  der  Kirche  leben, 
blinken,  um  zu  verhüten,  da(5  der  ITlann  Christi  bei  den  Un--  oder  Irr- 
gläubigen nicht  desto  mehr  verlästert  werde."  ^ss 


IDit  der  Bemerkung,  dat5  obgenanntem  Berrn  Friedrich  von  Camberg 
„auf  der  Cugendbahn,  die  er  in  diesem  Stuck  gegangen,  heut  wenig  Cent 
nachlauffen  werden,"  wie  zugleich  mit  der  weiteren  Bemerkung:  „man 
darf  heutiges  Cags  den  jüdischen  Greditoren  nicht  lange  rufen  lassen,  sie 
werdeu  vielleicht  manchem  wol  ungefordert  erscheinen",  hält  üalvasor  den 
Zeitgenossen  einen  doppelten  ITloralspiegel  vor.  Das  moralisieren  ist 
überhaupt,  wie  im  allgemeinen  auch  das  Didaktische,  eine  starke  Seite 


^"^  Crotz  der  „Berufung"  in  der  judenscbule  zu  IHarburg  und  trotzdem  die  3uden 
von  Raus  zu  Raus  gingen,  fanden  sieb  keine  Canibergscben  Scbuldbriefe,  was  fünf 
hebräer  am  22.  des  monats  Scbewat  im  5206.  J^br  „nacb  der  CUeltbescbaffung"  be« 
urkundeten. 

'"'  Üalvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  IV.  (XV.),  p.  309. 


'S)    112    '& 

in  seinen  Eusfübrungen,  —  es  gibt  in  seiner  „€bre  Krains"  wenig  Gr-- 
zäblungen,  ßescbicbtcben,  Jlnekdoten  und  Jlnekdötcben,  denen  er  nicbt 
nioraliscb-didaktiscbe  Cinleitungen  oder  Scblüsse  beigegeben. 

üornebmlicb  die  Jlbsicbt,  den  jungen  Eeuten  ein  gutes  Beispiel  zu 
geben,  leitet  ibn  bei  der  Abfassung  der  Caten  der  adeligen  CUürdenträger 
in  der  I)einiat.  „Indem  wir  —  sagt  er  —  die  CUürden  und  Gbrenämter 
unserer  in  6ott  rubenden  Uäter  vorstellen,  balsamiren  wir  nicbt  allein 
den  Rubin  ibrer  Gescbicklicbkeit,  da(5  er  nicbt  verwese,  und  tbun  dadurcb 
unserer  5^aniilie  eine  €bre  an,  sondern  stellen  damit  aucb  uns  und  unseren 
Zeitgefäbrten,  bevorab  aber  unsern  jungen  Ceuten  gleicbsam  eine  5^ackel 
vor,  die  ibnen  leucbte  zur  nacbfolge!"^^^ 

„Robe  Gemütber  streben  nacb  der  Böbe"^^^  —  „Selbstüberwindung 
überwindt  alle  Überwindungen"  ^^^  —  „Gbrenleuten  sind  6br  und  Rubm 
die  angenebmste  5^rucbt  ibrer  IDübe"  ^^^  —  diese  und  äbnlicbe  Jlussprücbe 
cbarakterisieren  seine  Stellung  zum  moraliscben  5^üblen,  gleicbwie  seine 
ecbtcbristlicbe  Demut  der  Jfusruf:  „Jllso  bäuffet  sieb  die  ßöttlicbe  Racbe, 
wie  wir  leider  unsere  Sünden  bäuffeni"^^^ 

Seine  Stellung  zur  öffentlicben  Hloral  kennzeicbnet  seine  bereits  in 
einer  trüberen  Jlbteilung  angedeutete  und  angefübrte  Haltung  gegenüber 
der  niä()igkeit  und  ünmäf^igkeit. 

CUie  er  die  „beutige  robe  und  in  rucbloser  ünmäf^igkeit  scbier  er- 
trunkene Zeit"-'"^^  verdammt,  so  gibt  ibm  der  erbabene,  vom  Orden  der 
rnä()igkeit  berrübrende  (Uablsprucb  des  „letzten  Ritters"  Kaiser  HlaximilianL: 
„Balt  rna(5  in  allen  Dingen"  Jlnla(3  zu  nacbstebender  Jlpostropbe:  „Gine 
treffliebe  und  sowol  zur  Sicberbeit  oder  Rub--Stande  als  zum  Cüolstande 
unseres  Ceutscblandes  gelingende  Sacbe  wäre  es,  wenn  alle  deutseben 
Fürsten  und  l)erren  dieses  Zeicben  (das  Ordenszeicben  mit  dem  CUablsprucb) 
zu  solcber  Zeit,  da  sie  zur  Cafel  geben,  nicbt  allein  am  Balse,  sondern 
aucb  im  l)alse  und  im  l)erzen  trügen,  ja  daf^  alle  fürneme  und  mittelmäf^ige 
(inittelstands--)  Personen  in  den  Orden  der  IDäf^igkeit  träten  und  sieb  bei 
ihren  Custbarkeiten  als  Glieder  solcbes  berrlicben  Ordens   erzeigten."  ^'-^^ 

Da(5  5^reiberr  von  üalvasor  für  seine  Person  IDät^igkeit  übte,  ist  bereits 
vorher  festgestellt  worden. 


"«  UalvasoT,  €brc  des  berzogtums  Krain,  III.  (IX.),  p.  72.  -  =^«'  ebenda, 
III.  (X.),  p.  165.  —  ^^^  ebenda,  III.  (IX.),  p.  11.  -  '''  ebenda,  IIL  (X.),  p.  357.  - 
'''  ebenda,  IV.  (XV.),  p.  459.  —  '''  ebenda,  III.  (IX.),  p.  23.  -  '''  ebenda, 
III.  (IX.),  p.  27. 


'S)    113    'S) 

Ualvasors  patriotiscbes  Denken  und  fühlen,  das  er  im  Heben  sowohl 
„mit  dem  Gewehr  an  der  Seiten/*  dem  Schwerte,  als  auch  „mit  dem 
Gewehr  hinter  dem  Ohre,"  mit  der  5^eder,  in  gleich  trefflicher  und  treffender 
(Ueise  zum  Jlusdrucke  brachte,  war  nicht  nur  seiner  engeren  Reimat  Krain, 
sondern  auch  dem  ßesamtstaate  der  erlauchten  habsburgischen  Dynastie 
gegenüber  ein   ebenso  eminentes  als  herzerhebendes  und  beispielreiches. 

Doch  so  erfüllt  unser  Chronist  auch  immer  von  Uaterlandsliebe  und 
dynastischer  Eingebung  erscheinen  mag,  so  hat  er  doch  diese  seine  edlen 
Gefühle  stets  in  die  würdigste  5^orm  gefa{5t,  und  seine  geschichtlichen 
Jlusführungen  über  die  Caten  der  Candesfürsten  und  der  Candessöhne 
sind  stets  auf  Grund  objektiver  Jluffassung  gegeben,  ferne  von  Cobhudelei 
und  Byzantinismus,  wenngleich  die  Sprachwendungen  öfters  an  exotische 
Blumenpracht  gemahnen  —  doch  das  lag  im  Geschmacke  der  Zeit  und 
dürfte  an  manchen  Stellen  auf  das  Kerbholz  des  Mitarbeiters  am  Raupt« 
werke,  des  fürstlichen  Rates  €rasmus  5^rancisci,  zu  setzen  sein, 

Cüo  aber  üalvasor  mit  kurzen  Cüorten,  mit  Beifügung  von  Gpithetis,  die 
einzelnen  Fürsten  aus  dem  pause  Rabsburg  in  ihrem  allgemeinen  lUesen 
und  in  den  Beziehungen  zum  Cande  Krain  charakterisiert,  da  wei(5  er 
es  mit  einer  Sicherheit  und  einer  Genaufgkeit  im  Jlusdrucke  zu  treffen,  ^ 

da(3  ihn  diese  Charakterisierung  allein  schon  als  einen  lieberfüllten  und  -^ 

dabei  gerechten  Patrioten  vor  der  strengsten  Kritik  bestehen  lie(5e.    So  ^ 

wenn  er  den  Stifter  des  Caibacher  Bistums,  den  Krain  stets  so  freundlichen  3 

Kaiser  Friedrich  HI.  wiederholt  den  „guten  Kaiser"  nennt,  dessen  Sohn  w 

rnaximilian  I.  die  „alleredelste  5^ürstenblume";  wenn  er  bei  der  thron--  ^ 

besteigung  Kaiser  Karls  V.  den  Jlusruf  tut:  „Gin  Cand,  das  seinen  Rerrn 
einbü(3te,  kann,  wenn  derselbe  löblich  regieret  hat,  nicht  kräftiger  getröstet 
werden,  als  wenn  einer  an  seine  Stelle  kommt,  der  seinem  Uorfahren  in 
der  Uortrefflichkeit  nicht  weichet,  sondern  denselben  noch  wohl  übertrifft;" 
vom  Kegenten  Innerösterreichs,  Grzherzog  Karl,  „in  der  Sorgfalt  für  seine 
Cande  der  5^ürnehmsten  Ginem"  hebt  er  rühmend  hervor,  „da(5  er  sich 
seinen  Cändern  nicht  allein  in  ^Feststellung  ihrer  Sicherheit  wie  einen 
leiblichen  Schutzengel,  sondern  auch  sonst  einen  emsigen  Beförderer  allerlei 
ersprie[5licher  und  nutzreicher  Sachen  erwiesen;"  den  Geburtstag  Kaiser 
Ferdinands  III.,  den  er  einen  „goldenen"  nennt,  möchte  er  „billig  mit 
Demanten  und  Perlen  anzeichnen,  als  denjenigen  hohen  l)auptes,  welches 
durch  seine  unvergleichliche  Klugheit  den  deutschen  Canden  nach  der  lichten 
Cohe  der  Kriegsflammen  endlich  wieder  den  goldenen  Frieden  herbei-- 
geleitet."  Das  Buch  von  den  Candesfürsten  in  der  „Ghre  Krains"  schliefet 
er  mit  dem  Kapitel  „vom  jetzt  lebenden  Kaiser  Ceopoldo,"  „den  Guropa 

V.  Kadics,  Üalvasor.  S 


©    114    'S) 

für  den  höchsten  Fürsten  der  Christenheit  erkannt".  „ÜJie  ein  junger  Hdler 
bald  zu  merken  gibt,  da(5  er  von  keiner  Krähen  oder  Guten,  sondern  von 
dem  Fürsten  der  Uogelwelt  erzeugt  sei,  so  blinkte  gleich  alsofort  in  erster 
fugend  aus  allen  Bezeugungen  dieses  kaiserlichen  jungen  Prinzen  ein 
klares  Merkzeichen  neben  andern  hervor,  da(5  er  von  kaiserlichem  Geblüt 
und  ßeniüth  wäre.  Hlassen  dann  auch  die  Grfüllung  klär--  und  wirklich 
nacheinander  der  Uermuthung  beipflichtete,  da(5  ihn  der  Bimmel  zu  den 
höchsten  und  wichtigsten  Dingen  der  CUelt  bestimmt  hatte." 


Dem  Krieger  Ualvasor,  dessen  ersten  lUaffengängen  gegen  den  Erb- 
feind der  Christenheit  wir  schon  gelegentlich  der  Unterbrechung  seiner 
Studienreisen  begegnet  sind,  galt  die  ritterliche  Cugend  der  Capferkeit 
nur  in  Ausübung  des  Kriegshandwerks  und  da  nur  zur  Abwehr  des 
Feindes  von  auf^en  und  im  Innern  der  Cänder.  Hlit  Stolz  auf  seine 
l)eimat  hebt  er  das  Cob  der  Candesfürsten  hervor,  das  diese  wiederholt 
den  Söhnen  Krains  für  ihre  Capferkeit  erteilt,  so  Kaiser  5^erdinand  L, 
da(5  Krain  zwar  ein  kleines  Cand,  aber  gute  Bauptleute  habe,  und  Erz- 
herzog Karl  von  Innerösterreich,  der  sich  eigens  aus  Krain  Gdelleute  zum 
Zeugdienste  erkor,  weil  sie  so  bewährt  seien.  lUie  aber  Ualvasor  auch 
für  die  vollste  Betätigung  der  Capferkeit  mit  dem  Degen  und  mit  der 
Jeder  eingetreten  —  seine  persönliche  weitere  Betätigung  als  Krieger 
werden  wir  im  Uerlaufe  dieser  unserer  Darstellung  seines  so  vielseitig 
rühmlichen  Lebenslaufes  noch  ausführlich  vorführen  — ,  wie  er  auch  für 
die  Übung  der  Capferkeit  im  Kriege  eingetreten,  so  war  er  doch  dabei 
des  Sinnes,  da(5  er  den  Krieg  überhaupt  gerne  beschränkt  gesehen  hätte, 
denn  seinem  ausgesprochenen  l^umanitätsgefühle  widerstritt  der  Krieg  von 
Christen  gegen  Christen, '-'-^^  und  in  gewissem  Sinne  war  er  demnach  ein 
üertreter  der  gegenwärtigen  ,Jriedensidee". 

Desgleichen  war  unser  tapferer  Kriegsmann  ein  Gegner  der  zu  seiner 
Zeit  so  arg  eingerissenen  Duellwut  und  er  hält  in  seiner  „Ghre  Krains"  ^y* 
eine  arge  Philippika  dagegen.  Indem  er  eines  längeren  den  „Unterschied 
zwischen  den  alten  und  den  heutigen  Duellen"  darlegt  und  betreffs  der 
ersteren  die  Bedingungen  anführt,  unter  denen  sie  gestattet  gewesen, 
kommt  er  zu  dem  Schlüsse:  .Jetzt  werden  oft  die  liederlichsten  Ursachen, 
so  zu  reden  vom  Zaun  gebrochen,  da(5  einer  dem  andern  den  Rals  breche 
und  ihn  fein  warm  auf  der  Post  zum  Ceufel  schicke.   3etzo  streitet  man 

"'  Ualvasor,  ehre  des  hcrzogtiuns  Krain,  IV.  (XV.),  p.  306. 
''-"  ebenda,  II.  (V),  p.  184. 


®    11$    '& 

nicbt  nur  wider  seinen  Beleidiger,  sondern  auch  wider  seinen  Oberberrn, 
der  das  Balgen  durcb  öffentlicbes  Uerbot  untersagt,  und  reiset  lieber 
bundert  Hleilen  einander  nacb,  als  daf^  man  die  empfangene  Beleidigung 
oder  Uerunglimpfung  auf  Befebl  des  Königs  oder  5^ürsten  gericbtiicb  aus-- 
fübren  oder  gütlicb  beilegen  sollte.  Die  vermeinte  Reputation  gibt  es  nicbt 
zu:  es  liegt  mebr  an  ibr  als  an  Gottes  und  des  Candesfürsten  Uerbot,^^^ 
als  an  Bimmel  und  l^ölle.  Grscbeint  man  nicbt  auf  erbaltenen  5^ebdezettel 
oder  mündlicb  gescbebene  5^orderung,  so  besorgt  man  mit  einem  0oyon 
oder  Bernbeuter  betitelt  zu  werden,  seine  Gbre  aber  oder  renomme'e  (oder 
€brenscball  und  Jlcbtbarkeit)  vielmebr  mit  Degen  und  Pistol  weder  (als) 
mit  recbtiicbem  Sprucb  bebaupten,  das  wird  für  cavalieriscb,  tapfer  und  für 

eine  ßlori  gescbätzt  I l)öcblicb  zu  bejammern  ist  es  gewi(5,  da{5  so 

mancbe  brave  Rittersleute,  die  im  übrigen  tapfer  und  tugendbaft,  dieses 
oft  so  gar  (ganz)  au(5er  Jlicbt  scblagen,  sieb  den  Zorn  und  falscben  Cüabn 
befürcbteter  Ueracbtung  so  sebr  einnemen  und  blenden  lassen,  Ceib  und 
Ceben,  Seel  und  Seligkeit,  dafür  iKbristus  ein  Opfer  worden,  sein  Blut 
vergossen  und  die  tiefste  Scbmacb  erlitten  bat,  so  liederlicb  dem  zeitlicben 
und  ewigen  Code  aufopfern!"  ^96 

* 
*  * 

Seine  bumanitäre  Gesinnung  in  sozialer  Ricbtung  bekundete  unser  edle 
5^reiberr  am  scbönsten  durcb  Ginbaltung  der  Sonntagsrube  gegenüber  der 
arbeitenden  Bevölkerung.  So  sebr  ibn  nämlicb  sein  ÜJissensdrang  bätte 
bewegen  können,  bei  Untersucbung  der  sogenannten  Cindwurmgrotte  bei 
Oberlaibacb,  die  scbwere  Jlrbeit  mit  Anwendung  eiserner  Instrumente  zu 
forzieren,  so  nabm  er  docb  davon  vorläufig  Jlbstand.  „CUeil  es  aucb  eben 
Sonntag  war,  wollte  icb  die  Ceute  nicbt  arbeiten  lassen,  sondern  solcbes 
lieber  auf  eine  andere  Zeit  verscbieben."  Dies  war  im  Juni  16$4;  im 
September  desselben  jabres  kam  er  wieder  dabin  zu  neuerlicben  Unter-- 
sucbungen."^^^ 

eine  bumane  Gesinnung  zeicbnete  ibn  überbaupt  ganz  besonders  aus, 
so  in  erster  Cinie  aucb  dadurcb,  da(5  er  durcbaus  nicbt  skandalsücbtig  war, 

^^^  Unterm  3abrc  1666,  2$.  September,  batte  Kaiser  Ceopold  I.  in  erneuerung  des 
üerbotes  durcb  Kaiser  Ferdinand  II.  (1637)  die  Rinausforderungen,  Rauf-,  Rumor-  und 
Balgbändel  auf  das  scbärfste  verboten  und  weiters  (23.  September  1682  und  24.  Ok- 
tober 1687)  die  Strafen  derer  Duellirer,  Uerbelfer  und  Injurianten  erneuert.  Codex 
Jlustriacus  Cit.  D.  I,  p.  2$5  ff.  Jfucb  unter  Cit.  R.  Rumor. 

-'"'  In  UJien  batte  sieb  1681  ein  sebr  trauriger  5all  eines  Zweikampfes  ergeben. 
Beern,  neueröffnete  Crauerbübne  1677—1710,  Hürnberg,  III,  p.  62. 

''''^  üalvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  p.  506  und  508. 

$♦ 


und  es  liegen  in  der  „Gbre  Krains"  zahlreiche  Beispiele  davon  vor,  wie 
er  üorfallenbeiten  aller  Brt  erzählte,  dabei  aber  die  Hamen  der  beteiligten 
Personen  verschwieg,  auch  nie  einem  Stande  der  Gesellschaft  durch  Kenn-- 
zeichnung  zu  nahe  trat,  so  spricht  er,  um  ja  nicht  zu  verletzen,  bei  Erzählung 
einer  versuchten  Brandlegung  in  Caibach  (151$)  (welche  er  aus  dem  ITlanu-- 
skripte  der  Chronik  Caibachs  vom  Bürgermeister  Schönleben  geschöpft)  von 
der  Person  des  Brandlegers,  als  den  Schönleben  einen  Priester  bezeichnet 
hatte,  ohne  Damennennung  einfach  als  von  einem  niordbrennerl 

Diesen  seinen  humanen  Sinn  beurkundete  er  auch  gegenüber  den  auf 
gleichem  Gebiete  der  5^orschung  arbeitenden  gelehrten  Genossen  und,  was 
hervorragend  charakteristisch,  gegenüber  dem  Beimatgenossen,  dem  Bistorio- 
graphen  ]ohann  Cudwig  Schönleben.  So  sagt  er  an  einer  Stelle:  „lllich 
treibt  keine  Ruhm-Gierde  durch  Uerkleinerung  seines  Urteiles  und  auch 
übrigen  Berichtes  von  der  Grotte  (in  Cueg)  meine  Observation  zu  ver-- 
gröfiern  oder  durch  Schattirung  seiner  Relation  dieser  meinigen  einen 
Glantz  zu  geben,  sondern  die  Hoth  bemüssiget  mich  anzudeuten,  da[5  er 
hiebei  übel  berichtet  worden,  damit  die  rechte  wahre  Beschaffenheit  ans 
Cicht  komme/' -'-^^  Und  an  einer  anderen  Stelle,  wo  er  demselben  gelehrten 
Zeitgenossen  bezüglich  der  Dichtübereinstimmung  zweier  seiner  Jlngaben 
über  denselben  Gegenstand  Inkonsequenz  zum  Uorwurfe  zu  machen  sich 
gezwungen  sieht,  tut  er  dies  in  der  zartesten  5^orm  mit  den  CUorten: 
„Jlllein  es  muf^  diesem  gelehrten  [Dann  damals  (als  er  das  zweite  IDal 
schrieb)  der  rechte  Inhalt  dessen,  was  er  hievon  in  seinen  .Hnnalibus, 
auf  welche  er  sich  bezieht,  gemeldt,  vielleicht  entfallen  sein.''^'^^'-^ 

Stark  ausgeprägt  war  auch  Ualvasors  Gerechtigkeitssinn,  wie  dies  aus 
zahlreichen  Bemerkungen  und  Ausführungen  in  seinen  Cüerken  heraus-- 
leuchtet.  ÜJir  haben  oben  bei  Kennzeichnung  von  Ualvasors  Objektivität 
in  religiösen  fragen  seine  musterhafte  I)altung  gegenüber  den  evangelischen 
besonders  zu  betonen  Gelegenheit  gehabt,  und  es  gewinnt  diese  seine 
l^altung  namentlich  Cruber  gegenüber,  sowie  gegenüber  anderen,  die  Sache 
ihres  Glaubensbekenntnisses  fördernden  Jlnhängern  der  „neuen  Cehre** 
um  so  mehr  Gewicht,  als  wir  ihn  da,  wo  sich  ihm  die  Dotwendigkeit  auf- 
drängt, einem  evangelischen  ein  wohlverdientes  hartes  Urteil  zu  sprechen, 
dies  auch  in  voller  5^orm  tun  sehen.  Im  jähre  159S  hatte  der  5eldprediger 
der  krainischen  Candschaft,  der  Jlugsburgischer  Konfession  war,  aus  der 
dem  Ceutschen  Ritterorden  gehörigen  Pfarrkirche  zu  Semitsch  (in  Unter-- 
krain)  einen  vergoldeten  Kelch  nebst  etlichen  in  Silber  gefalzten  Reliquien 

"*  üalvasor,  €hrc  des  Rerzogtuins  Krain,  I.  (IV.),  p.  522. 
'"'  ebenda,  IL  (VIII.),  p.  503. 


'S)    117    'S) 

einige  Stolas  binweggenommen  und  überdies  zwölf  Jfltartücber  zur  Unter-- 
fütterung  seiner  Kleider  verwendet.  Der  Crzberzog-Regent  von  Inner-- 
österreicb  batte  den  Prädikanten  daraufbin  des  Eandes  verwiesen.  Dazu 
bemerkt  üalvasor:  „welcbes  für  ein  so  grobes  Stück  eine  nocb  gar  zu 
gnädige  Strafe  gewest,"  womit  er,  dessen  Coyalität  und  Gbrfurcbt  für  den 
Candesfürsten  ja  über  jeden  Zweifel  erbaben,  wobl  nicbts  weniger  als 
eine  Kritik  der  Handlung  des  Grzberzog-Regenten  aussprecben,  sondern 
nur  seiner  boben  Indignation  über  den  5^revel  des  Kircbenraubes  Jlusdruck 
verleiben  wollte,  obne  jedocb  die  vom  Candesfürsten  geübte  Gnade  in  der 
Strafsacbe  zu  ignorieren. 


Das  üerbältnis  Ualvasors  zu  den  Spracben  war  das  des  wabrbaft 
akademiscb  Gebildeten  mit  dem  Grundsätze:  quot  linguas  cales,  tot 
bomines  vales! 

Sein  Eob  der  lateiniscben  Spracbe,  das  er,  wie  scbon  in  dem  Jlbteil 
von  den  Sammlungen  (Bibliotbek)  angedeutet  worden,  in  das  Bucb  üergils 
deutscb  und  lateiniscb  eingetragen,  lautet:  „Die  lateiniscb  Spracb  ist  vnder 
allen  Spracben  scbier  die  fürnemst  vnd  wölcber  zu  dieser  Zeit  wol 
lateiniscb  roden  kan,  der  ist  nit  der  wenigist  vnder  dem  bauffen,  wölcber 
aber  der  lateiniscben  Spracb  vnerfarn,  der  wird  aucb  gemainlicb  für  vn-- 
gescbickt  gebalten,  dan  sie  ist  gleicbsam  ein  Scbatz  aller  gescbicklicbkait 
vnd  fast  alle  andern  Künste  sind  in  Catein  gescbrieben,  zu  wölcber  obne 
dieser  Spracb  erkanntnus  kainer  komen  mag,  darumb  wende  allen  flei(5 
an,  da(5  du  ein  volkumner  Catinus  werden  magst."  MIhx  der  lateiniscben 
Spracbe  beberrscbte  üalvasor  aucb  die  französiscbe  und  italieniscbe  Spracbe, 
was  ibm  auf  seinen  Studienreisen  zugute  kam. 

Die  deutscbe  Spracbe  —  die  Spracbe  seiner  IDutter  JInna  IDaria  Kauber 
—  stand  bei  ibm  in  böcbsten  Gbren,  bei  ibm,  der,  aus  italiscbem 
Stamme  entsprossen,  im  zumeist  slaviscben  Cande  geboren  worden.  Seine 
Gesinnung  für  deutscbe  Spracbe,  Sitte  und  J\rt  kommt  in  seinem  Haupt- 
werke wiederbolt  nacbbaltig  zum  ausdrucke,  am  deutlicbsten  scbon  aucb 
dadurcb,  da(5  er  dieses  CUerk,  die  „Gbre  Krains",  eigens  einem  reicbs-- 
deutscben  Scbriftsteller,  dem  wiederbolt  genannten  fürstlicb  Robenlobescben 
Rate  Grasmus  Jrancisci  in  Dürnberg  —  einem  der  Rauptsitze  der  eben 
zur  Zeit  auf  die  Babn  gebracbten  deutseben  Spracbreinigung  —  im 
IDanuskripte  zugesendet,  „um  es  in  ein  reines  Ceutscb  zu  bringen". 
Unserm  üalvasor  erscbien  die  ältere  deutscbe  Spracbe  (des  15.  und 
16.  jabrbunderts)    als    eine    gute,    denn    er   sagt    bei    Einfügung    von 


'S)      11$      -2) 

derartigen  Spracbdenkniälern  in  sein  Buch,  da(5  man  solche  „ohne  Gckel 
für  den  guten  alt--teutscben  CUorten"   vernebmen  könne.^^^*^ 

In  seiner  Diktion  beliebte  es  ibni,  „die  alte  teutscbe  Cüabrbeit"  im 
ausdrucke  zu  gebraueben,  die  ibm  aber  als  „raub  und  runzlicbt"  für 
mancbe  zarte  Obren  und  Jlugen  ein  gro(5er  scbmerzlicber  Dorn  zu  sein 
scbien,  daber  er  dann  in  der  CUeise  nicbt  weiter  fortfabren  zu  wollen 
erklärte,^«^ 

Seinem  kerndeutscben  Sinne  baben  wir  es  auch  beute  zu  danken, 
dal5  er  uns  kostbare  Dacbricbten  von  den  alten  deutseben  Kolonien  in 
Krain,  von  den  Spracbinseln  in  ßottscbee,  von  lUeif^enfels  und  den 
Zarzern  hinterlassen  bat,  namentlicb  von  der  ßottscbee.^'^^ 

Jlber  nicbt  minder  bat  er  der  Sprache  sowie  der  Jlrt  und  Sitte  der 
slaviscben  Bewohnerschaft  seiner  Reimat,  der  krainischen  (sloveniscben) 
Bevölkerung  die  gebührende  Gerechtigkeit  immer  und  überall  in  seinen 
Cüerken  zuteil  werden  lassen.  €r  greift  dabei  auch  weiter  aus,  bespricht 
die  grofK,  weitreichende  üerbreitung  der  sclavonischen  (slaviscben)  Sprache 
im  allgemeinen,  gibt  eine  graphische  Darstellung  der  cyrillischen  und 
glagolischen  Schrift,  weist  auf  die  Ähnlichkeit  („61eichbeit")  der  russischen 
und  „krainerischen"  Sprache  hin  und  stellt  in  einer  eigenen  Cabelle  das 
„Uaterunser"  in  dreizehn  slaviscben  Sprachen  nebeneinander,  und  zwar 
neben  dem  lateinischen  texte  1.  altslaviscb  (cyrillisch),  2.  bulgarisch, 
3.  dalmatinisch,  4.  kroatisch,  5.  slavonisch,  6.  böhmisch,  7.  polnisch, 
$.  wendisch,  9.  lausitzisch,  10.  russisch  (moskovitisch),  11.  krainerisch 
(sloveniscb),  12.  novazemblisch,^^^  13.  wallachisch.  —  Gr  schliefet  den 
slavisch-sprachlichen  Gxkurs  mit  „etlichen  Observationen  bey  der  kraine-- 
rischen  Schreibart"  (Orthographie),  bricht  aber  dann  ab,  nachdem  er  keine 
Grammatik  oder  vollkommene  Schreib--  und  Sprachlehre  zu  schreiben 
vorhabe. ^°^ 

Der  sich  selbst  gestellte  Beruf,  die  geliebte  l^eimat  nicht  nur  den 
!?remden,  sondern  auch  den  Ginbeimischen  bekannter  zu  machen,  als  dies 
bis  auf  seine  Cage  der  Jall  gewesen,  dieser  Beruf,  der  es  mit  sich  brachte, 
selbst  das  Cand  aus  eigener  Jlnscbauung  bis  in  alle  Ginzelbeiten  genau 


**'°  Ualvasor,  Gbrc  des  Rerzogtunis  Krain,  III.  (IX.),  p.  23. 
^°'  ebenda,  I.  (III.),  p.  417. 
''''  ebenda,  II.  (VI.),  p.  299  ff. 

^"^  In  Ungarn,   in   der  an   Kroatien   grenzenden   Ciirkei   nnd  aucb   in  Dalniatien 
gebräuchlid).  -  ebenda,  II.  (VI.),  p.  272. 
""  ebenda,  II.  (VI.),  p.  276. 


©    119    '■& 

ZU   crforscben  und  kennen  zu  lernen,   war   wesentlich   unterstützt  und 
gefördert  worden   durch  Ualvasors  ausgesprochene  5^reude  an  der  Hatur. 

CUir  sehen  ihn  im  Geiste  vor  uns,  wie  er  zu  Pferd  und  zu  5^ut5  durch 
die  lieblichen  Cäler,  die  Rohen  hinauf,  in  die  CUälder  hinein  mit  seiner 
Zeichenmappe  und  seinen  Dotizheften  dahinpilgert  und  auch  das  üor-- 
dringen  bis  zu  den  „höchsten  Schneegebirgen,"  wie  er  unsere  Jllpen  zu 
nennen  pflegt,  nicht  scheut,  getrieben  von  seinem  Berufe,  aber  auch  die 
5^reude  an  der  Datur  im  Berzen. 

Seine  Ciebe  für  die  Datur  war  eine  überaus  grof^e  und  dieser  gro(Kn 
Ciebe  ist  es  wohl  zuzuschreiben,  da(3  er  seinen  Schilderungen  und  Be- 
schreibungen der  Schlösser  seines  Beimatlandes  Krain  wie  nicht  minder  der 
des  benachbarten  Candes  Kärnten  fast  durchwegs  eine  kurze,  wenn  auch 
nur  paarzeilige  Charakteristik  der  natürlichen  £age  der  betreffenden  Stätte 
voranstellt,  wobei  die  CUorte  „eine  lustige  Gegend"  nicht  selten  wieder- 
kehren. 

Schon  beim  Kinde  hatte  sich  dessen  Haturfreude  zu  voller  Blüte  ent- 
falten können  im  Jlnschauen  der  umgebenden,  entzückend  schönen  Datur 
um  das  Uäterschlof)  Galleneck,  und  noch  im  Sinne  des  reifen  IDannes  bei 
Jlbfassung  seiner  „Ghre  Krains"  ist  der  Eindruck  des  reizenden,  zwischen 
Sagor  und  Galleneck  sich  hinziehenden  sogenannten  Pyramidentales,  „wo 
die  5^elsen  sich  wie  Pyramiden  so  artlich  aufthürmen,  als  hätte  man  sie 
mit  51ei(5  auf  solche  5^orm  gehauen", ^^^  ein  ungeschwächt  lebhafter. 

Aber  auch  der  CUald,  den  Ualvasor  so  sehr  geliebt  und  dessen  Eoblied 
er  in  den  Satz  ausklingen  läf^t:  „Summa  im  CUalde  steht  nicht  so  mancher 
Baum  (soviele  Bäume),  als  manchen  (sovielen)  Dank  der  IDensch  für  die 
Cüälder  dem  l^öchsten  schuldig",  auch  der  „lustige  grüne  CUald"  hatte  sich 
mit  seinem  mystischen  Dunkel,  mit  seinem  sirenenartigen  flüstern  und 
Summen  schon  dem  Kinde  Ualvasor  ins  Berz  gesungen,  ganz  still  und 
sanft  von  den  herrlichen,  das  üäterschlo(5  umsäumenden,  Cüaldbergen! 

und  an  die  Beschreibung  der  krainischen,  so  vielwerten  CUälder  gehend, 
hält  es  der  dieselben  nun  mit  dem  Jluge  des  reflektierenden  niannes  be- 
trachtende Schriftsteller  für  geboten,  dieser  seiner  Schilderung  eine  ebenso 
praktisch  durchdachte  als  begeisterungsvolle  Jlpotheose  voranzustellen. 

„Die  (Dälder  können  —  so  hebt  er  an  —  für  eine  Krone  mancher 
Berge  und  Felder,  für  einen  Schatz  des  Candes  und  für  einen  lustver-- 
mengten  nutzen  seiner  Ginwohner  gerechnet  werden.  Sie  sind  der  all- 
gemeine Chierkasten,  darin  Gott  uns  zum  Besten  das  CUild  hegt,  bis  es 


""^  Ualvasor,  Cbrc  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IL),  p.  144. 


'S)    120     'S) 

mit  €rgetzung  erjagt  und  durch  solche  adelige  Übung  der  Ceib  sowol  bei 
guter  Gesundheit  als  wie  die  Cafel  mit  gutem  lüildpret  beehret  wird. 
Sie  kühlen  in  der  Ritze  und  wärmen  in  der  Kälte.  lUider  die  Sommer-- 
Pfeile  der  Sonnstrahlen  erstatten  ihre  Zweige  uns  einen  Schild  und  wider 
die  scharfschneidende  Kälte  ihre  Bäume  einen  Barnisch,  indem  sie  das 
Bolz  zum  Jener  hergeben.  lUären  keine  Cüälder,  so  würden  wir  wider 
Schnee,  ßagel  und  Regen  schlecht  bedeckt  sitzen, ^^^  noch  einige  Bütten, 
geschweige  denn  ein  Baus  besitzen.  €s  bezeugen  uns  je  Balken,  Getäfel, 
Cische,  Stühle,  Bänke,  Bausthüren,  mein--  und  Bierfässer  sammt  allerley 
andern  hölzernen  Geschirr,  da(5  wir  der  (üälder  übel  können  entrathen. 
Sollte  man  auch  von  den  Jlrtzney-Künstlern  medicis  und  Apothekern  eine 
Stimme  fordern,  würden  sie  mancherlei  Gummi  und  Caub  der  Bäume  den 
CUäldern  zur  Recommandation  darlegen  und  aus  deren  Zweigen  denselben 
einen  Ährenkranz  flechten."  ^^^ 

So  sehr  er  aber  auch  den  (Uald  geliebt  und  vielleicht  mehr  noch  hoch- 
geschätzt, so  schwärmte  Ualvasor  doch  am  meisten  für  die  offene  Gegend 
mit  der  Cüeitausschau  auf  ein  Bügelpanorama,  das  da  einschliefet  „schönes 
ebenes  und  gutes  Baufeld,"  mit  „Obstpflanzungen"  und  „CUeinreben"  die 
Böhen  emporklimmend,  wo  er  das  in  einer  Gegend  findet,  sei  es  auf  dem 
oder  jenem  „Boden"  der  Beimat,  da  ist  sein  Entzücken  ein  volles!  — 
und  dazwischen  „zerstreut  sehend  die  Dörfer  und  Ginzelhütten  des  Cand-- 
mannes,  die  Schlösser  und  Schlöfelein  der  adeligen  Berren",  da  erfreut  er 
sich  des  Jlnblickes  der  wohlgeordneten  Baushalte,  des  JleifKS  und  der 
Cüchtigkeit  der  Bewohner,  seiner  lieben  Candsleutel 

Und  wie  er  dies  alles  mit  5^reude  und  Befriedigung  den  5^remden 
weiset,  so  führt  er  sie  denn  auch  gerne  und  willig  auf  den  und  jenen 
höheren  Berg,  um  ihnen  die  daselbst  sich  bietende  Fernsicht  zu  weisen  — 
„den  trefflich  weiten  und  ungemein  schönen  Prospect,"  wie  er  sich  aus- 
zudrücken pflegt. 


'"^  CUas  würde  Ualvasor  beute  zu  den  so  scbwungbaft  betriebenen  flbstockungen 
der  (Llälder  sagen,  wie  würde  er  aber  aud)  die  Umsicbt  und  5^ür$orge  der  Regierung 
loben,  die  auf  die  Cüiederaufforstungen  strenge  bedacbt  ist.  Der  Uerfasser. 

""'  Ualvasor,  €hre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (II.),  p.  145. 


i 


Paluasor  und  die  Raturkunde, 

'ie  Stellung,  welche  Ualvasor  zur  Haturkunde  einnabm,  war 
selbstredend  von  den  JTnscbauungen  und  den  niitteln  seiner 
Zeit  abhängig.  Immerhin  haben  aber  doch  seine  über  Gr- 
scheinungen  und  Uorkommnisse  in  der  Hatur  gemachten  Euf= 
Zeichnungen,  wenn  auch  seine  bezüglichen  Untersuchungen  und  Forschungen 
heute  vom  fachmännischen  Standpunkte  nicht  durchwegs  in  bewertenden 
Betracht  gezogen  werden  können,  einen  historischen,  bezw.  kultur-- 
historischen  Cüert. 

CUenn  der  um  die  Grforschung  des  krainischen  Pflanzen--  und  ITlineral-- 
reiches  hochverdiente,  vor  wenigen  Jahren  erst  verstorbene  Professor  WJilhelm 
üof^^'^^  namentlich  im  Einblicke  auf  die  Botanik  sagt,  da(5  Ualvasors 
Darlegungen  in  seiner  Beschreibung  der  Pflanzen  des  Candes  au[5er  den 
allgemein  bekannten  Dingen  über  Enbau  und  Uerwendung  nichts  bringen, 
was  den  Botaniker  interessieren  könnte,  ausgenommen  das  Kapitel  über 
„allerlei  Kräuter"  —  eine  wahre  Blütenlese  von  mitteilungen  über  I)exen-- 
geschichten,  Bereitungen  der  Zaubersalben  und  dergleichen,  Zeugnis 
gebend  von  dem  krassesten  JRberglauben  des  Uerfassers  — ,  wenn  dieser 
unser  zeitgenössische  ^Fachgelehrte  über  Ualvasors  Stellung  zur  Botanik 
also  aburteilt,  so  haben  wir  doch  von  anderen  rHännern  der  Wissenschaft 
von  der  Datur,  die  durch  die  Resultate  ihrer  Studien  und  ^Forschungen 
über  die  Daturbeschaffenheit  Krains  vielleicht  auch  ein  Jlnrecht  darauf 
haben,  Ualvasors  bedingte  Uerdienste  auf  diesem  Gebiete  in  Betracht  zu 
ziehen.  Beweise  der  Jlnerkennung  seiner  Ceistungen  auf  eben  diesen 
Gebieten  vorliegen. 

Und  da  ist  es  in  erster  Cinie  der  von  Professor  Uo()  selbst  so  hoch-- 
gehaltene  Haturforscher  Belsazar  Bacquet  (*  1739,  t  1^15),  „jene 
ungemein  interessante  Persönlichkeit,  deren  ganzes  Ceben  durch  eine 
unermüdliche  Tätigkeit  und  rastloses  Streben  ausgezeichnet  ...  der  sich 


'""  Uersud)  einer  0e$cbid)te  der  Botanik  (1754-1$$3).  3ahresbericbt  der  Staats- 
oberrealsd)nle  in  Caibacl)  für  das  Scbuljabr  i$$4,  Caibacb  1$$4,  p.  5. 


©122-2)  • 

durch  sein  lUerk  ,Plantae  alpinae  carniolicac'  einen  bleibenden  Ruf  als 
Botaniker  erworben /'^^'-^  da  ist  es  Belsazar  [)acquet,  der  in  seiner 
„Oryctograpbia  Carniolica"  ^^'^  unserni  5reiberrn,  dessen  Jlngaben  über 
die  und  jene  üorkoninmisse  in  den  drei  Haturreicben  für  ihn  auf  seinen 
Forschungsreisen  hodogetisch  waren,  seine  hohen  Uerdienste  auch  nach 
dieser  Seite  gerne  zuerkennt.  „CUenn  ich  aber  —  schreibt  ?)acquet  —  an 
einigen  Orten  von  seinem  Cüerke  abweiche,  so  benimmt  das  doch  keines- 
wegs die  gro(5en  Uerdienste  dieses  Hlannes,  den  wir  sammt  den  Bus= 
ländern  wegen  dem  vielfältigen  5^1ei[5,  den  er  auf  die  historisch-physische 
Beschreibung  seines  üaterlandes  angewandt  hat,  jederzeit  hochschätzen, 
diejenigen  aber,  die  ihn  dermalen  bei  uns  tadeln  wollen,  thun  es  mehr 
aus  Unwissenheit  als  aus  Grund,  ohne  auf  die  Zeit  Rücksicht  zu  haben, 
in  welcher  er  lebte  .  .  .  was  aber  das  Übernatürliche  gewisser  Jllfanzereien 
betrifft, =^'^  so  mut?  man  betrachten,  daf^  er  in  einem  Jahrhundert  lebte, 
wo  man  es  nicht  anders  wu(5te  und  bei  uns  der  niönch  nicht  erlaubte, 
das  Gegentheil  zu  denken."  „Doch  in  aufgeklärteren  Cändern  als  das 
unsere  —  fährt  Racquet  fort  —  dachte  man  nicht  viel  anders,  man  sehe 
nur  einmal  in  die  alten  ßedenkschriften  berühmter  Gesellschaften, ^^^  ^\^ 
auch  bei  Scheuchzern  in  seinem  lUerk,  ,ltinera  alpina'  betitelt,  was  da  nicht 
vor  (für)  abentheuerliche  Sachen  von  Schlangen  darin  stehen."  „€s  sey, 
wie  ihm  wolle  -  schliefet  i^acquet  seine  Cobeserhebungen  über  Ual-- 
vasor  — ,  er  wird  ein  für  allemal  bey  der  Hachwelt  als  eine  Zierde  des 
JIdels  seiner  Candesleute  und  als  ein  fleif^iger  Schriftsteller  gelten  und 
ich  stimme  ganz  dem  von  niurr  bei,  der  ihn  nach  Uerdienst  in  der  Über-- 
setzung  der  spanischen  Daturgeschichte  des  Uaters  Corrubia,  ßeschicht-- 
schreibers  des  ganzen  5ranziscaner--0rdens,  in  folgender  CUeise  schildert: 

Qui  mcntis  sublimi  acie  per  coeca  vagatus 
Antra,  vctustatis  tot  rcferauit  opcs 
Pracscrtim  variac  miracula  inaxinia  terrae 
In  quibus  attonitus,  quae  notet,  orbis  habet; 
Speluncas,  viuosque  Cacus,  niontesque  resertos 
Dolibus  omnigenis. 

Und  gewi(i,  er  sparte  weder  niühe  noch  Unkosten,  um  alles  aufzuzeichnen." 

Und  vor  l^acquet  war  es  ein  anderer  Haturkundiger  Krains,  der  leider 

nach    seiner    vollen   Bedeutung    noch    viel    zu    wenig   gewürdigte  5^ranz 


'"'  Jahresbericht  der  Oberreal$d)iile  in  Caibad)  1$$4,  p.  21  f. 

^^"^  I.,  p.  2  f,  Anmerkung. 

^"  Ceufels-  und  Rexengeschichten  und  anderes  Jlbergläubisdies. 

^'-  In  England  und  Deutschland. 


-2)    123    'S) 

Jinton  von  Steinberg,  der  in  seinem  umfangreichen,  auf  Studien  und 
Forschungen  von  Jahrzehnten  gegründeten  Cüerke  über  den  Zirknitzer 
See 2^2  auch  unseres  Freiherrn  von  Ualvasor  Uorarbeiten,  dieselben  zwar 
ergänzend  und  berichtigend,  doch  stets  als  anerkennenswerte  Cätigkeit 
hervorhebt. 

(Jon  ganz  besonderem  Interesse  in  dem  Buche  dieses  Forschers  ist 
aber  die  Stelle,  wo  er,  vom  „ablaufe  des  Sees  im  Sommer"  handelnd, 
den  Umstand,  da(5  „manche  Gruben  binnen  fünf,  andere  aber  innerhalb 
zwey  bis  drei  Cagen,  etliche  gar  binnen  wenigen  Stunden  ablaufen  und 
versiegen",  als  eine  „Ordnung"  bezeichnet,  „welche  einem  Daturkundigen 
grofK  mühe  verursacht,  wenn  er  die  Beschaffenheit  dieses  Sees  unter- 
suchen will".  Indem  er  sich  nun  betreffs  seiner  Anschauung  über  dieses 
Ablaufen  des  Sees  in  Gegensatz  stellt  zu  den  Anschauungen  üalvasors, 
sagt  er  weiter  wörtlich:  „Unterdessen,  obzwar  ich  gar  gerne  gestehen 
will,  daf)  ich  in  der  Denkungsart  viel  schwächer  sei,  als  kurz  (eben) 
angezogener  Author  (Ualvasor),  so  hoffe  ich  doch,  es  werde  vermöge  des 
allen  Schriftstellern  zukommenden  Rechtes,  ihre  Gedanken  frey  entdecken 
zu  können,  mir  ebenfalls  frei  stehen,  meine  diesfälligen  nieinungen  an 
den  tag  zu  legen;  sollte  selbige  hernach  jemand  verbessern  können,  dem 
werde  ich  seine  Chre,  welche  er  sich  bei  der  lehrbegierigen  CUelt  zu 
erwerben  suchet,  keineswegs  mi(5gönnen."  „Indem  ich  —  so  schliefet 
Berr  von  Steinberg,  in  charakteristischer  Cüeise  sich  an  unseres  Freiherrn 
von  Ualvasor  Ciefblick  ins  CUesen  der  Datur  anschlief^end  —  eben  der 
nieinung  bin,  wie  der  ,von  Ualvasor'  gleich  Anfangs  seiner  Beschreibung 
des  Candes  Krain  meldet:  daf^  noch  vieles  in  dem  tiefen  Busen  der  Datur 
verborgen  stecke,  welches  uns  nicht  wissend,  sondern  in  künftiger  Zeit 
der  Dachwelt  zu  erforschen  überlassen  würde."  ^^* 

einer  ganz  hervorragenden  Anerkennung  von  Üalvasors  Ciefblick  in 
das  CUesen  der  Datur  begegnen  wir  aber  bei  einem  durch  seine  Cei-- 
stungen  auf  dem  Gebiete  der  Höhlenforschung  als  Autorität  geltenden 
Gelehrten  unserer  Cage,  beim  leider  zu  früh  dahingegangenen  Franz 
Kraus,  der  Üalvasors  Stellung  zur  Kunde  von  den  Petrefakten  in  wenigen, 
aber  scharf  bezeichnenden  CUorten  also  fixiert:  „Die  ältere  geologische 
Citeratur  steht  auf  dem  montanistischen  Standpunkte,  weil  sie  dazu  durch 
den  Umstand  gezwungen  war,  da(>  man  es  aus  religiösen  Gründen  nicht 

^'^  Jranz  flnton  von  Steinberg,  1.  oe.  hof-Caninier-Ratb,  ßründlicbe  Hacbricbt  von 
dem  in  Innerkrain  liegenden  Cirknizer  See  .  .  .  Ulit  dem  Porträt  des  Uerfassers  und 
35  Cafein  in  Kupfer.  Grätz  1761,  4",  235  SS. 

^''  ebenda,  p.  $0. 


'&    124    '& 

gelten  lassen  wollte,  dat5  die  Uersteinerungen  etwas  anderes  als  Hatur-- 
spiele  seien.  Gs  gab  aber  schon  im  17.  Jahrhundert  Ceute,  welche  die 
wahre  Datur  der  Petrefakten  erkannt  haben.  Im  vierten  Buche  von  Ual-- 
vasor,^^^  welches  von  den  Haturraritäten  handelt,  wird  diese  alte  Streit-- 
frage  schon  (16$9)  besprochen."  ^^^^ 

Had)  den  Urteilen  verschiedener  Zeiten  und  verschiedener  l^achmänner 
über  üalvasors  Ceistungen  auf  dem  Gebiete  der  Haturkunde  mag  es  denn 
doch  vielleicht  der  ITlühe  wert  erscheinen,  wenn  einer  oder  der  andere 
unserer  zeitgenössischen,  mit  den  Fortschritten  in  den  Haturwissenschaften 
vertrauten  Gelehrten,  namentlich  solcher,  die  durch  Geburt  oder  Beruf  unserer 
Beimat  angehören,  daran  ginge,  üalvasors  Cätigkeit  im  Sammeln  und 
Besprechen  naturgeschichtlichen  IDaterials  einer  eingehenden  Schilderung 
zu  unterziehen. 


'''  I.  (IV.),  p.  475  ff. 

^'^  5ranz  Kraus,  höblcnkunde,  CUicn,  Karl  Gerold  Sohn,  1$94,  p.  4. 


üalpasor  und  die  flldiimie. 


m 


>alva$or$  Ringen  nacb  lüabrbeit,  die  Geistesschärfe  und  Bebarrlicb-- 
keit,  womit  er  dieses  Streben  verfolgte,  kennzeichnet  am  meisten 
und  besten  der  Grfolg,  den  er  in  jenem  Zweige  der  Haturkunde 
aufzuweisen  batte,  der  in  seinen  tagen  und  aucb  nocb  lange 
danach  hoch  im  Schwünge  gewesen,  in  der  Erkenntnis  von  der  Dichtig- 
keit des  6oldmachens  und  des  Suchens  nach  dem  „Stein  der  CUeisen".  '^ 
Jlber  unser  Freiherr  bat  sich,  wie  schon  angedeutet,  zu  solcher  €r--  ^ 
kenntnis  erst  mit  grof^er  Olübe  durchgerungen. 

Und  das  war  kein  klein  Slück  Arbeit  angesichts  der  überall  am  (liege  -j» 

gelegenen  üersuchungen  und  angesichts  der  Reibe  von  wissenschaftlichen  3 

Autoritäten,  die,  wenn  auch  nur  zumeist  auf  theoretischer  Grundlage,  der  ^ 

lUetallverwandlung  das  Cüort  redeten. 

„Alle    uns    als    die    ausgezeichnetsten    schon    bekannt    gewordenen 
Chemiker  dieser  Zeiten,  Cibavius  im  16.,  van  ßelmont  und  Silvius  de  le  ^ 

Boe  in  der  ersten  Bälfte  des  17.  3abrbunderts  wie  alle  andern,  erkennen  ^ 

—  sagt  Dr.  Bermann  Ropp  in  seiner  Geschichte  der  Chemie  ^^^  —  noch 
die  rnöglicbkeit  der  Hletallverwandlung  an,  einige  aus  eigener  Anschauung 
andere  aus  theoretischen  Gründen  oder  weil  ihnen  schon  die  historischen 
Beweise  dafür  genügen,  aber  keiner  setzt  sich  die  Realisirung  zur  höchsten 
Aufgabe,  keiner  sagt,  daf5  er  wisse,  wie  die  Uerwandlung  der  unedlen 
rnetalle  in  Gold  oder  Silber  zu  bewerkstelligen  sei.  Dafür  schwärmen  zu 
dieser  Zeit  eine  IDenge  eigentlicher  Alchemisten  umher,  die,  ohne  Chemiker 
zu  sein,  sich  als  Besitzer  des  Geheimnisses  rühmen.'*  Und  an  anderer  Stelle 
seines  angezogenen  Cüerkes  sagt  dieser  Historiker  der  Chemie:  „üan 
Belmont  ist  der  berühmteste  Chemiker,  welcher  sich  für  die  Existenz  des 
Steins  der  (üeisen  ausgesprochen  bat  und  dem  dabei  eine  gewisse 
Unbefangenheit  zuzutrauen  ist.  üon  der  Uerwandlung  des  Quecksilbers 
(niercur)  in   Gold   mittels   einer  kleinen  IDenge   des  Steins   der  Cüeiscn 


817 


Braunscbweig  I$44.  SpecicUc  Gcscbicbtc  der  Cbcniie,  II.,  p.  15$  f. 


®     120     '& 

—  die  er  in  niebreren  seiner  Schriften  beschreibt  —  war  er  so  erbaut, 
da(5  er  den  ihm  eben  geborenen  Sohn  mit  dem  heidnischen  Hamen 
niercurius  taufen  lie(5.^^^  üan  l)elmont  hatte  die  Substanz  —  die  kleine 
nienge  des  Steins  der  Cüeisen  —  nicht  selbst  dargestellt,  sondern  mehr» 
mals  von  unbekannt  gebliebenen  Alchimisten  kleine  Proben  davon  erhalten. 
161$  wurde  ihm  z.  B.  V4  ßran  von  dem  kostbaren  Körper  zugestellt, 
hieniit  verwandelte  er  $  Unzen  Quecksilber  in  vollkommen  reines  6old. 
Dieses  Faktum  erzählt  er  zu  wiederholtenmalen.  Diese  llletallverwandlung 

—  schliefet  Kopp  —  ist  eine  der  merkwürdigsten,  über  die  uns  Hlit-- 
theilungen  gemacht  sind;  es  ist  schwer  einzusehen,  wie  van  [)elmont  sich 
täuschen  konnte,  da  er  ein  guter  Chemiker  war;  wie  ein  Betrug  geschehen 
konnte,  da  in  seinem  Rause,  ohne  Beisein  des  Jllchemisten,  von  welchem 
die  Substanz  herrührte,  die  Operation  geschah.  Gs  gehört  dies  5^actum 
zu  denen,  wie  sich  in  der  Geschichte  der  Cüissenschaften  mehrere  finden, 
wo  es  einem  fast  ebenso  schwer  wird,  die  IDöglichkeit  einer  Täuschung 
anzunehmen,  als  an  die  Cüahrheit  der  Sache  selbst  zu  glauben." 

CUir  verweilten  bei  dem  „ausgezeichneten  Erzte  und  Chemiker" 
van  Relmont,  der  aul^erdem  „im  besten  Rufe  einer  oft  sehr  weit  getrie-- 
benen  Gewissenhaftigkeit  stand,"  deshalb  etwas  länger,  um  durch  Anführung 
von  dessen  üerhalten  gegenüber  der  Alchimie  die  ersten  und  weiteren 
Schritte  unseres  5^reiherrn  von  Ualvasor  in  der  anfänglichen  [)ingabe  an 
dieselbe  zu  erklären  und  gewisserma(5en  zu  rechtfertigen. 

Cüir  haben  nämlich  schon  in  dem  Abteil  „Studienreisen"  bei  Be-- 
sprechung  des  ersten  Aufenthaltes  des  jungen  ^reiherrn  von  Ualvasor  in 
ÜJien  erwähnt,  da(5  der  damals  25jährige  wipegierige  Kavalier  in  der 
Reichshaupt--  und  Residenzstadt  unter  Anleitung  des  Alchimisten  de  ITlonte 
Snyders  ein  Stück  Blei  in  6old  verwandelt  habe. 

Doch  zwanzig  und  soviele  J^hre  später,  da  Ualvasor  in  dem  Kapitel 
seiner  „Ghre  Krains"  „von  dem  vermeinten  Silbermachen  in  Idria"  auf 
die  „Alchimie,  Alchimisten  und  Stein  der  CUeisen-Sucher"  zu  sprechen 
kommt,  fügt  er  der  Grinnerung  an  jenes  sein  Experiment  zu  (JUien  die 
aufklärende  Bemerkung  bei:  „Damit  ist  noch  lange  kein  Capis  Philo- 
sophorum  oder  gerühmter  CUeisen-- Stein  erwiesen:  Angemerkt  solche 
Cincturen  und  Cransmutationes  oder  Uerwandlungen  nichts  anders  seynd, 
als  eine  concentrirte  Gxtraction  des  Goldes  und  (dies)  mit  keinem  nutzen, 
sondern  grof^n  Schaden  geschieht,  also  daf)  llhith  und  Arbeit  verloren 
geht  und  auch  etwas  Bold  dazu.  Gs  fällt  nicht  leicht  möglich,  just  soviel 


Braunschweig  IS44.  Spccielle  Geschichte  der  Chemie,  II.,  p.  16$. 


'&     127     'S» 

ZU  tingiren,  als  vorbin  des  Goldes  gewesen,  weil  von  der  Cinctur  bald 
da,  bald  dort  voas  abgebt,  verstreut  oder  verzettelt  wird;  denn  es  bleibt 
bald  da,  bald  dort  bin  und  wieder  etwas  benken  oder  ankleben.  CUo-- 
durcb  also  der  Hutz  verscbwindt."  ^19  ,,nian  kann  sonst  durcb  cbymiscbe 
Kunstgriffe  unglaublicbe  Kuriositäten  aucb  die  allerköstlicbsten  niedica- 
nienten  zuricbten,  wie  mir  dergleicben  Dinger  viel  zu  Gesiebt  gekommen, 
aber  einen,  der  Gold  bätte  macben  können  und  den  weisen  Stein  gebabt, 
bat  mir  das  Glück  niemals  nocb  in  die  Eugen  gebracbt,  welcbe  icb  ver-- 
mutblicb  aucb  wol  zur  seligen  Rübe  scblief^en  werde,  ebedann  sie  eines 
solcben  Cüunder-Künstlers  ansicbtig  werden l"^^** 

Der  gewissen  Sorte  von  Jllcbimisten  aber  ruft  Ualvasor  zu:  „da(3  sie 
gro(5er  Rerren  Betrüger  seien,  die  von  einem  ßofe  zum  andern  gezogen 
und  gro(5e  Rerren  und  aucb  andere  Ceute  mit  ibrer  Goldmacberei  betrogen 
baben".32i 

Darob  aber,  da(5  Ualvasor  sieb  „unterstanden",  „öffentlicb"  zu  scbreiben, 
da(5  der  Capis  Pbilosopborum  niemals  in  der  Datur  gewesen,  da(5  er  in 
seinem  Cüerke  das  Crügeriscbe  und  nutzlose  der  Jllcbimisten  und  Sucber 
nacb  dem  Stein  der  CUeisen  klar  und  deutlicb  dargetan,  zollt  ibm  sein 
gelebrter  Hlitarbeiter  an  der  „Gbre  Krains",  Grasmus  Jrancisci,  das  böcbste 
Cob  und  er  sagt  es  unumwunden  beraus,  da(5  „der  Bauptautor  dieses 
lüerkes  als  ein  Sacbverständiger  und  in  sovielen  CUissenscbaften  bocb-- 
erfabrener  Berr  mit  dieser  seiner  ,Jlbmabnung*  sowol  an  boben  f)äuptern 
und  andern  fürnemen  Berren  als  aucb  denjenigen  Ceuten  selbst,  die  sieb 
des  Capidis  vorzüglicb  rübmen  und  grof^en  Ferren  diese  ibre  Dunstkunst 
oder  kunstgleifKnden  Dunst  anpreisen,  sieb  keines  geringen  Dankes  würdig 
gemacbt  babe."322 

Drei  3abre  vor  Jlbfassung  dieses  Celles  seiner  „€bre  Krains",  als  er 
16S5  wieder  im  Deutseben  Reicbe  gereist,  ward  er  „zu  seiner  böcbsten 
Uerwunderung"  an  zwei  Orten  von  Ciebbabern  der  Gbemie  darauf  gefübrt, 
„da(5  sie  aus  gewissen  Bücbern  etlicber  seiner  Candsleute  sieb  mit  gro(5er 
Hoffnung  angefüllet,  den  Cüeisenstein  zu  ergraben  und  nacb  Anleitung 
derselben  (Bücber)  tapfer  darauf  gearbeitet  (tapfer  ibren  5^1ei(5  in  die  Cuft 
ausgesät),  indem  sie  festiglicb  geglaubt,  solcbe  seine  Candsleute  wären 
des  Cüeisen  Steins  tbeilbaftig  gewesen''.  Sie  zeigten  ibm  aucb  Briefe  nebst 
vielen  anderen  Dokumenten. ...  allein  bei  ibm  „wollte  der  Glaube  nicbt 


"''  Ualvasor,  Gbrc  des  Herzogtums  Kraiii,  I.  (HI),  p.  415. 

''^'  ebenda. 

'''  ebenda. 

^"  ebenda,  I.  (III.),  p.  422. 


'&    12$    "& 

haften".  „Cüeil  ich,  —  so  scblie(5t  diese  Reisereminiszenz  —  dem  nicht 
allein  solche  Personen  als  Candsleute  jederzeit  gar  wol  bekannt,  sondern 
auch  in  etwas  befreundt  (verwandt)  gewest,  am  allerbesten  wei(3,  gleichwie 
auch  das  ganze  Cand,  wie  weit  derselben  CUissenschaft  darin  gereicht  oder 
noch  reiche."  2'^^ 

Gs  dürfte  unter  den  oben  angezogenen  Büchern  in  erster  Reihe  wohl 
des  Krainers  Johann  Friedrich  von  Rain  zu  Stermol  und  Radeiseck  des 
Herzogtums  Krain,  Rof--  und  Candrechten-Beisitzer  usw.,  Schrift  über  den 
Stein  der  CUeisen  gemeint  sein,  welche,  der  Kaiserin  Gleonore  gewidmet, 
im  jähre  1680  zu  Caibach  bei  Johann  ITlayr  erschienen  war  und  den 
Citel  führt:  Praeservativum  universale  naturale  et  natura  et  arte  depromptum 
in  omni  morborum  genere  Gst  Capis  Philosophorum,  cujus  possibilitas, 
realitas,  existentia  et  praeparatia,  quantum  licet  quodque  is  solus  sit 
unicus  morborum  debellatorßercules  contra  Jacobum  Joannem  (Uenceslaum 
Dobrzenski  de  Higro  ponte  Philos.  et  nied.  Doctorem,  Capidem  Philo^ 
sophorum  ejusque  indefinitam  in  omnibus  morbis  curandi  excellentiam 
negantem.2''* 

In  dem  Jlbteil  über  die  krainischen  Skribenten  in  seiner  „€hre 
Krains"  bemerkt  unser  5^reiherr  von  Ualvasor,  dat5  er  es  aus  Ghrerbietung 
gegen  die  Kaiserin,  der  des  ßerrn  von  Rain  Schrift  gewidmet,  unterlasse, 
an  dieser  Stelle  über  die  Dichtigkeit  der  Gxistenz  des  Steins  der  UJeisen 
nochmals  zu  handeln,  jedoch  gegen  eines  in  der  Schrift  verwahrt  er  sich  wohl 
ganz  entschieden,  dagegen  nämlich,  „daf^  der  Jlutor  diejenigen,  welche  den 
weisen  Stein  für  einen  blo(Kn  CUahn,  falsche  Ginbildung  und  vergebliche 
Hoffnung  ausgeben,  für  majestäts  Uerletzer  halte".  „IDöchte  wol  gerne 
wissen  —  ruft  Ualvasor  aus  — ,  in  welchem  Corpore  juris  oder  kaiser- 
lichen Reichsconstitution  derselbe  solches  gefunden,  die,  welche  ich  in 
meiner  Bücherey  habe,  wissen  gewisslich  (wahrhaftig)  nichts  drum.  Cr 
von  seiner  Seite  wolle  weder  den  Herrn  Jlutor  noch  seine  rnitgesellschafter, 
welche  nur  aus  einer  vorgefa(5ten  starken  IDeinung  ohne  Uorsatz  eines 
Betruges  gro(Kn  Herrn  den  CUeisen  Stein  recommendirt  eines  Crimen 
laesae  lllajestatis  zeihen;  allein  fügt  er  bei  —  sie  mögen  zuschauen, 
dal5  sie  nur  nicht  Crimen  laesae  Ueritatis  et  5^acultatis  et  Prudentiae 
begehen!"   Zum   Schlüsse   dieser  Refutation   wünscht  unser  5^reiherr  dem 


^"  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (III.),  P-  410. 

■"  Den  Kupferstich  —  CitelaUegorie  den  IDerkur  verberrlicbend  —  zu  diesem  zu 
Caibacb  gedruckten  Buche  zeichnete  m.  0.  (IHattbias  ßreyscher  ?)  und  ging  das  Blatt 
aus  dem  auch  für  andere  Parteien,  nid)t  blol3  für  Ualvasor  selbst  arbeitenden  Jltelier 
unseres  !?reiherrn  in  (Uagensberg  hervor. 


'&    129    -2) 

Berrn  von  Rain,  da(5  er  Goldes  genug  davon  aufbebe,  besorgt  aber,  „der 
Gewinn,  so  ibm  diese  Kunst  und  Jirbeit  verspricht,  stecke  nocb  ziemlich 
fest  und  hart  in  Centro  Impossibilitatis  et  Jlbysso  Invisibilitatis!" 

Berr  jobann  5^riedricb  von  Rain  hatte  vor  der  Dedikation  dieses 
seines  Buches  —  etwa  vor  sieben  oder  acht  Jahren  —  der  Kaiserin 
„etliche  eigenhändig  geschriebene  gro{5e  chymische  5^olianten,  mit  schönen 
(in)  chymischen  Farben  wunderlich  gemalten  5^iguren  geziert,  selber  über-- 
geben."  „ÖJas  nun  diese  Bücher  für  ÜJürkungen  gethan  —  bemerkt 
Ualvasor  — ,  wei(5  ich  nicht."  ^^^ 

HufKr  dem  Rerrn  von  Rain  sind  aus  dem  17.  Jahrhundert  als 
Alchimisten  in  Krain,  zumindest  Interessenten  dafür,  bekannt:  ein  Oheim 
unseres  Jreiherrn  Rerr  Edam  von  Ualvasor  (Inventar  seines  Dachlasses  1625, 
Bücherverzeichnis:  Drey  lat.  Bücher  Disquisitionum  magicarum  autore  Del 
Rio),  rnartin  JRdam  Kunstl,  anno  1646  Besitzer  des  Cüerkes  von  Del  Rio: 
Disquisitionum  magicarum  libri  sex  MDCIII,  dann  5^reiherr  von  Ruessen-- 
stein  in  5^1ödnig,  zu  dem  l)ans  Peter  von  Cattin  als  „Caborant"  ge- 
kommen war,  der  aber  „die  Ceuth  um  etlich  1000  Gulden  angeführt". 2-''' 


^"  Ualvasor,  Gbre  des  herzogtutns  Krain,  II.  (IV.),  p.  303  ff. 

^^^  CUladiniir  Cevec,  Mitteilungen  des  musealvereins  für  Krain  1$06,  p.  1$2. 


V.  Radics,  Ualvasor. 


Stellung  zu  Ceufel  und  Bexen, 

feber  Ualvasors  „Befangenbeit"  im  „Ceufels--  und  Bexenaber- 
glauben"  ist  vielfacb  gescbrieben,  geurteilt  und,  sagen  wir  es 
nur  ganz  offen,  meist  in  einer  lüeise  geurteilt  worden,  und 
zwar  alles  eber,  als  zugunsten  unseres  ßelebrten,  was  uns 
den  Beweis  erbringt  zum  mindesten  davon,  dat^  wir  nocb  beute  die 
Gxistenz  eines,  nicbt  blol5  Personen--  und  Ortsnamen  und  dazwiscben  die 
flnfübrung  ins  jluge  gefallener  Realien  umfassenden,  Repertoriums  zur 
„Gbre  des  Herzogtums  Krain"  scbwer  vermissen.  Die  Scbaffung  eines 
auf  die  Person  des  Jlutors  nach  seinen  Gigenscbaften,  Jlnscbauungen, 
Überzeugungen  binweisenden  Inbaltsverzeicbnisses  würde  wobl  scbon 
längst  der  oberfläcblicben  Jlburteilung  seines  Uerbältnisses  zum  Jlber-- 
glauben  seiner  Zeit  für  immer  einen  festen  Riegel  vorgescboben  baben. 
Sebr  viel  Scbuld  an  der  falscben  Jluffassung  dieses  Uerbältnisses  trug 
aber  aucb  der  IDitarbeiter  an  der  „Gbre  Krains"  Grasmus  Jrancisci, 
„der  tief  in  dem  Glauben  an  den  Ceufel  steckte"^"  ^^^j  ^5  jj|  ^\^^^t^  seiner 
langatmigen  und  scbwülstigen  „Jlnmerkungen"  —  die,  nebenbei  gesagt, 
besser  dem  ganzen  Cüerke  ferngeblieben  wären  —  so  binstellt,  als  ob 
der  „lierr  Rauptautor"  in  allem  diesem  Jlberglauben  des  Ceufelsspukes 
zugestimmt  bätte.^^® 

5^rancisci  war  es  aucb,  dessen  CUerk  „Der  bölliscbe  Proteus"  den 
ganzen  ßespensterglauben  des  17.  Jabrbunderts  aufgespeicbert  entbielt. 
„5^eblt,  sagt  Roskoff,^29  \^^\  f\^j^  protestantiscben  Uerfasser  aucb  der 
bittere  €rnst  der  5^urcbt  vor  der  Hlacbt  des  Satans  von  ebedem  und  sind 
dessen  Repräsentanten  nicbt  viel  mebr  als  ,CUind,  Cuft  und  Raucb',  so 
ist  jene  (die  niacbt)  docb  immer  so  gro(5,  um  dessen  bittere  5^eind$cbaft 
gegen  den  Illenscben  auf  empfindlicbe  Cüeise  an  den  Cag  zu  legen,  sieb 
,gescbäftig   und    trutzig*   zu    erweisen,    die   ganze    CUelt   mit   teufliscben 


'''  Roskoff,  Geschichte  des  Ceufcls.  Ceipzig,  Brockhaus,  1869,  IL,  p.  442  f. 
"^  üalvasor,  Ghre  des  Rerzogtinns  Krain,  I.  (III.),  p.  362. 
»"  1.  c. 


^    i31    'S 

,5^ürbildungen'  zu  erfüllen  und  dem  IDenscben  sein  Ceben  zu  vergällen. 
Denn  der  Satan  tbut  seinen  möglicbsten  Uersucb,  da(5  er  ibn  von  dem 
Jlcker  der  Hoffnung  auf  Gott  verrücke  und  in  Uerzweiflung  stürze." 

CUie  gegenüber  der  Jllcbimie  seben  wir  unsern  Ualvasor  aucb  im 
Ceufels--  und  Rexenaberglauben  sieb  nacb  und  nacb  böber  stellen,  als 
viele  seiner  Zeitgenossen. 

Stellt  !?rancisci  den  Satz  auf:  „Gs  ist  aucb  leider  nur  allzu  gewi(5, 
da(5  der  Satan  mancber  Orten  Scbul  balte  und  einen  academiscben  Professor 
nacbaffe,  aucb  die  Zubörer  entweder  ausdrücklieb  oder  stillscbweigends  mit 
ibm  in  einen  Bund  eingeflocbten  sind,  nemlicb  sowol  die,  welcbe  aus 
Uorwitz  obne  Tntention  sieb  ibm  zu  ergeben,  darin  erscbeinen,  als  die, 
welcbe  wie  seine  gescbworene  Sclaven  sieb  dabey  einfinden**;  ^^^  so  sagt 
Ualvasor  für  seine  Person  ausdrücklieb,  da(5  er,  obscbon  von  einem  guten 
5^reunde  dazu  eingeladen,  die  Satansscbule  nicbt  babe  betreten  wollen, 
„und  ob  icb  gleicb  —  setzt  er  bei  —  nacbmals  nocb  mit  vielen  andern 
Kundscbaft  gewonnen  (Bekanntscbaft  gemacbt),  die  diese  Satansscbule 
besucbt  baben  und  micb  gleicbfalls  zum  Hlitscbüler  verlangten,  ist  docb 
Gott  sei  Dank  solcbes  verdammte  Jluditorium  von  mir  verscbmäbet  worden 
und  alle  ibre  Bemübung  an  mir  verloren  gangen."  ^^^ 

Gr  weist  ferner  an  verscbiedenen  Stellen  seiner  „€bre  Krains"  bei 
JTnfübrung  konkreter  5^älle,  vom  Befangensein  gelebrter  und  ungelebrter 
Ceute  im  Jlberglauben  an  den  Ceufelsspuk  auf  €rden,  diesen  Eberglauben 
auf  das  entscbiedenste  zurück.  So  z.  B.  gegen  Remigius  beweist  er,  da(5 
der  Ceufel  die  Glöckner  nicbt  durcb  den  Blitz  erscblage,  „sondern,  wofern 
dem  so  wäre,  da(5  die  Glocken-Cäuter  vom  CUetterscblage  öfter  getroffen 
und  getödtet  würden,  als  andre  IDenscben  (daran  dennocb  sebr  zu 
zweifeln),  dürfte  es  vielmebr  daber  entsteben,  weil  sie  sieb  in  der  Böbe 
befinden,  angeseben  vieler  Orten  die  Glocken  nicbt  unten,  sondern  oben 
im  Cburm  gezogen  oder  getreten  werden:  in  bobe  Cbürme  aber  oder  in 
Scblösser  scblage  der  Strabl  leicbter  als  in  niedrige  Gebäude."  ^^'^  Gin 
anderes  Beispiel.  „Die  Bauern  in  der  Gegend  von  üigaun  erzäblen  — 
scbreibt  er  —  aus  mündlicbem  Beriebt  ibrer  Uoreltern,  daf^,  als  man  das 
Scblot5  Stein  (unweit  Katzenstein-Uigaun  in  Oberkrain)  bauen  wollen, 
solcbes  der  Ceufel  nicbt  zugegeben,  sondern  was  Cags  zuvor  aufgefübrt, 
bei  der  Dacbt  wieder  eingerissen,  endlicb  aber  die  Jluferbauung  desselben 


^'°  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  p.  672. 
"*  ebenda,  III.  (XL),  p.  70. 
''^  ebenda,  I.  (III.),  p.  31$. 


-©    132    'S) 

bewilligt  habe,  wofern  man  ihm  zwar  ein  anderes  $cblot5  darzunäcbst 
anlegen  wollte,  weswegen  man  denn  in  einem  benachbarten  Felsen  ein 
kleines  Cocb  sauber  ausgereinigt,  eine  kleine  steinerne  Cafel  darein 
gesetzt  und  also  vermauert,  doch  aber  ein  kleines  Fenster  offen  gelassen, 
zu  welchem  man  jedoch  ohne  Beihilfe  einer  langen  Ceiter  nicht  gelangen, 
noch  hinein  sehen  kann.  Bei  dem  l)ineinschauen  entdeckte  man  noch  bis 
jetzo  die  kleine  steinerne  Cafel."  üalvasor  konnte,  wie  er  sagt,  bei  seiner 
Jlnwesenheit  auf  Schloff  Stein  in  Grmangelung  einer  so  langen  Ceiter 
nicht  den  Jlugenschein  nehmen.  Gegen  die  Sage  vom  Ceufel  hat  er  aber 
nur  die  lUorte:  „Ich  stelle  zwar  die  0ewi(5heit  aus",  das  Uüort  „zwar" 
in  der  Bedeutung  von:  in  der  Cüahrheit.^^^  Doch  vermutet  er,  da(5  es 
mit  diesem  kleinen  Coche  in  der  Felswand  ein  merkwürdiges  Bewenden 
haben  müsse,  stimmt  aber  der  Jlnnahme  nicht  zu,  daf5  es  „zur  Jlbtrei- 
bung  des  5^einde$"  gedient  haben  möge,  um  durch  das  5^enster  5^euer  auf 
denselben  geben  zu  können,  „da  ja  dieses  Coch  keinen  Eingang  habe, 
noch  soviel  Öffnung,  da[5  sich  eine  lllaus  hineinschleichen  könnte,  gleichwie 
auch  durch  das  Fenster  mit  genauer  Doth  eine  Katze  durchkriechen  würde". 

Und  noch  von  einem  so  gestörten  Schlof^bau  ging  die  Hlär,  vom 
Schlö()l  Chal  (in  Unterkrain),  „wo  der  Ceufel,  was  man  tag  über  gebaut, 
nachts  wieder  abgeworfen  habe",  weshalb  der  Grbauer  es  nicht  höher 
habe  bauen  wollen.  Ualvasor  weist  nach,  „dat5  etliche  dort  in  der  Dähe 
wohnhafte  Bauern  , dieses  Stücklein  gepracticiert',  weil  sie  ihre  Obrigkeit 
nicht  so  gar  nahe  auf  dem  Balse  haben  wollten"  —  „seind  also  leibhaffte 
Dorfteufel  gewest".^^* 

ÜJie  sehr  Grasmus  5^rancisci  im  Ceufelsaberglauben  befangen  gewesen, 
geht  aber  aus  nachstehender  Stelle  in  der  „€hre  Krains"  hervor.  Ualvasor 
schreibt:  „Jlls  mir  die  ausgedruckten  Bögen  ,Uon  den  Haturraritäten  des 
Candes  Krain',  so  im  vierten  Buch  dieses  Cüerkes  begriffen,  überschickt 
wurden,  erblickte  ich  darin  unterschiedliche  subtile  und  scheinbare  Ob- 
jedionen  oder  Ginwürfe,  womit  der  Jlutor  der  Jlnmerkung  (^rancisci) 
meine  flleinung,  da(5  die  üersammlung  der  Igeln  in  einer  gewissen 
Gruben  des  Cirknitzer-Sees  durch  einen  gewissen  Zuruf  sowol,  als  der 
Schwertfischfang  in  Sicilien  etc.  natürlich  und  ohne  einigen  Uerstand 
(Ginverständnis)  oder  Bund  mit  dem  Satan  geschähe,  bezweifelt  hat. 
lüiewol  ich  nun  gestehe,  da(5  er  solche  seine  Objectionen  nicht  allein 
mit   natürlichen,   sondern   auch   theologischen  üernunftfarben   geziert  und 


"='  Ualvasor,  ehre  des  Rcrzogtutns  Krain,  IV.  (XL),  p.  54$. 
"'  ebenda,  IV.  (XL),  p.  572  f. 


-2)    133    'S 

wolaufgepufzt  bat,  so  babe  icb  docb  nacb  weiterer  Überlegung  keine  Un-- 
umgänglicbkeit  darin  gefunden,  den  Cirknitz'scben  Igelruf  sammt  dem  Sicilia-- 
niscben  Scbvoertfiscbfang  von  der  natürlicben  CUirkung  auszuscbliet^en."^^^ 

JIn  die  weitere  Erklärung  betreffs  des  Igelrufes  im  Zirknitzer  See 
scblief^t  Ualvasor  nun  einen  ausfübrlicben  „curiosen  Scbalt-Discurs  von  den 
Pactis  expressis  und  implicitis",^^^  der  mit  einer  Reibe  interessanter  €inzel-- 
beiten  angefüllt,  aber  aucb  durcb  die  miteingefügten  JInmerkungen  und 
Bemerkungen  Iranciscis  oft  bis  zur  Unverständlicbkeit  im  Jlusdrucke  ver- 
wirrt erscbeint. 

Cüenngleicb  Ualvasor  in  diesen  seinen  Erklärungen  von  den  „Pactis 
expressis  und  implicitis"  selbst  dem  Ceufelsaberglauben  nabestebt  und 
z.  B.  sagt:  „Gin  pactum  expressum  corporale  singulare  sive  particulare 
bat  der  Doctor  jobann  5^austus  nur  auf  gewisse  Zeit  und  Jabre  ver- 
mittels scbriftlicber  üerbindung  oder  Uerscbreibung  mit  dem  Satan  ge-- 
troffen," 22^  so  tritt  docb  in  seinen  Jlusfübrungen  überall  die  Cendenz  nacb 
Feststellung  eines  natürlicben  und  erklärbaren  Uorganges  zutage. 

So  bericbtet  er,  da(5  er  sieb  von  dem  ]uden  in  üenedig,  der  ibm  in 
einem  Glasspiegel  sein  Scblof?  CUagensberg  seben  lie(5,  die  Zuricbtung 
eines  solcben  Zauberspiegels  erklären  lie[5  „gegen  Communicirung  (ITlit' 
teilung)  eines  andern  ßebeimnisses,  welcbes  sein  6ebeimnis  aber  nicbt 
teufliscb,  sondern  natürlicb  war".  „CUeil  aber  —  fäbrt  Ualvasor  zu  er-- 
zäblen  fort  —  die  Zubereitung  nicbt  natürlicb,  sondern  recbt  nigroman-- 
tiscb  (oder  scbwarzkünstleriscb)  ist:  babe  icb  die  dabei  gebräucblicben 
CUorte  und  Cbarakteren  (Scbriftzeicben)  nicbt  aufzeicbnen  wollen."  Uom 
Gxperimente  der  Uorweisung  seines  Scblosses  durcb  den  jüdiscben  Zauber-- 
spiegel  bericbtet  unser  5^reiberr  in  jokoser  ÜJeise,  wie  er  anfänglicb  den  3uden 
durcb  yjorte  in  kraineriscber  Spracbe,  die  keine  5^rage  oder  Begebr,  etwas 
zu  seben,  entbielten,  vexiert  babe,  dann  aber,  als  er,  aucb  in  kraineriscber 
Spracbe,  die  Frage,  das  Begebren  gestellt  babe:  „leb  begebre  mein  Scblo(5 
zu  seben",  da  wurde  alsobald  der  Uorbang  von  dem  Spiegel  weggerückt 
und  er  sab  sein  Scblo(3  CUagensberg  recbt  eigentlicb  in  dem  Spiegel. 
„Damals  babe  icb  erst  gemerkt,  da(5  die  Frage  das  medium  pacti  wäre, 
weil  sieb  das  Scblof^  CUagensberg  obne  CUortsprecbung  meinem  Gesiebt 
nicbt  praesentiren  wollte,  obnangeseben,  da(3  es  mein  CUill  und  Uerlangen 
war,  dasselbe  zu  erblicken.   Diesem   nacb   bin  icb  selber  in  das  Pactum 


''^  Ualvasor,  Gbrc  des  Rcrzogtunis  Krain,  III.  (XL),  p.  57. 
'''  ebenda,  III.  (XL),  p.  55  bis  100. 

^"  lüobei    er   des    Doktor   Hobamies    Pfitzer    Bcscbreibmuj    des   ärcjerlicben    und 
scbrecklicben  Gndes  dieses  erzscbwarzkünstlers  lausli  zitiert. 


'S)    134    'S) 

iniplicituni  gefallen,  indem  ich  die  CUorte  gesprochen.  Ob  ich  solches 
gleich  mit  keinem  andern  Jlbsehen  gethan,  ohn  (als)  allein  zu  suchen, 
wo  das  medium  steckte,  dann  so  ich  es  aus  neugierigkeit  gethan,  hätte 
ich  wol  andere  Sachen  mehr  in  selbigem  Spiegel  zu  sehen  verlangt,  hat 
es  mich  dennoch  hernach  genug  gereuet." ^^^ 

Jluch  dem  mit  Ceufelsaberglauben  innigst  zusammenhängenden 
I^exenglauben  gegenüber  hat  üalvasor  bei  aller  sonstigen  Befangenheit 
nach  der  natürlichen  Erklärung  gestrebt.  Und  da  war  es  in  erster  Cinie 
die  „Bexensalbe",  die  ihn  zu  der  Grkenntnis  des  Betruges  oder,  besser 
gesagt,  des  fürchterlichen  Betrogenseins  der  unglücklichen  Opfer  des 
Rexenwahnes  und  der  Bexenverfolgungen  führte.  Dr.  3.  B.  Rolzinger^^^ 
hat  in  seiner  so  verdienstvollen  wie  gründlichen  und  anziehenden  Schrift: 
„Zur  Haturgeschichte  der  l)exen"  (Graz,  Uerlag  des  naturwissenschaft- 
lichen üereines  für  Steiermark)^*^^  zum  Beweise  der  Bereitung  der  Rexen-- 
salbe  aus  betäubenden  giftigen  Kräutern  auch  die  Stelle  aus  unseres 
Jreiherrn  von  üalvasor  „Ghre  Krains"  ausgehoben,  welche  solche  Be-- 
reitung  angibt.  Dr.  Bolzinger  schreibt:  „Jluch  üalvasor  in  seiner  ,ehre 
des  Herzogtums  Krain'  (Caibach  16$9,  Com.  I,  p.  359)  nennt  ebenfalls 
das  ,5ünffingerkraut'  (Pentaphyllon)  und  den  ,Schlaff--nachtschatten*  (C0II-- 
kirsche),  dann  den  ,(Jüassermelk*,  die  ,Jlckerwurz',  den  ,eppich*  und  die 
,(üolffswurtz'  (Jlconitum)  als  in  Krain  wachsende  Kräuter,  die  mit  noch 
einigen  andern  Sachen  die  Rexen  zur  Bereitung  ihrer  Zaubersalbe 
brauchen",  wobei  er  zugleich  erklärt:  „Die  Salbe  macht  einen  tiefen 
natürlichen  Schlaff  und  unterschiedliche  Phantaseyen,  darin  der  Rexe  von 
lauter  Canzen,  Pressen,  Sauffen,  niusik  und  dergleichen  träumt,  also  da(5 
sie  vermeinet,  sie  sei  (tatsächlid))  geflogen." 

Und  an  anderer  Stelle  hebt  üalvasor  es  hervor,  „da(5  solche  Personen, 
die  nur  im  Schlafe  die  Ginbildung  der  5^ahrt  zum  ,l)exensabath'  vor-- 
gehabt,  vor  Gericht  dennoch  bekennen,  daf^  sie  persönlich  zum  Rexentanz 
geflogen  und  werden  auf  solche  ihre  Bekenntnis  unschuldig  verbrannt, 
indem  sie  vermeinen,  beim  l)exentanz  gewesen  zu  sein;  denn  das 
Bannrecht  sagt  nicht:  Cüann  jemand  bekennt,  da(5  er  zur  Rexenversamm-- 
lung  geflogen  etc.,  sondern:  Cüann  Jemand  wirklich  zur  l)exenzusammen-- 
kunft  geflogen  ist,  soll  er  zum  5^euer  verurtheilt  werden."  „Derhalben  — 
schlie(5t  üalvasor,  freilich  wohl  mit  dem  für  seine  Zeit  nur  fruchtlosen 


"^  üalvasor,  Ebrc  des  Rcrzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  03  f. 

"'  hof-  und  Gcricbtsadvokat  in  Graz. 

^"  Sonderabdruck  aus  den  mitteilungen  des  oben  genannten  üereines. 


'S    135    -a) 

JIppell:   „wäre  gut,  da(5  mancher  Bannricbter  die  Pacta  und  die  Hatur 
besser  unterscheiden  lernte  und  sieb  in  solchen  Uorfällen  nicht  übereilte." ^^^ 

Die  richterliche  Untersuchung  in  den  Bexenprozessen  hat  sich  nämlich 
seit  €nde  des  15.  3ahrhunderts  vorzugsweise  immer  auf  den  sogenannten 
Bexensabbat  und  die  persönliche  teilnähme  der  Inkulpaten  an  demselben 
bezogen.  In  gewissen  Zeiten  versammelten  sich,  wie  der  Rexenhammer 
(nialeus  maleficarum)^*^  —  „dieses  von  Elbernheit,  Zynismus  und  Un= 
Tätigkeit  strotzende  Opus,  den  Rexenrichtern  ein  über  sanctissimus"^*^  — 
es  lehrt,  die  Bexen,  um  sich  dem  Ceufel,  insbesondere  auch  körperlich  auf 
feierliche  J\\t  zu  ergeben,  der  ihnen  dafür  61ück  und  langes  Ceben  ver-- 
sprach.  Und  sie  verliefKn  (wie  man  vielfach  annahm,  meist  in  der  Hacht 
des  1.  niai)  ihre  Cüohnungen  meist  auf  Besen  oder  Gabeln  und  flogen, 
oft  in  ein  Der  verwandelt,  durch  die  Cüfte  dem  Zusammenkunftsorte  zu, 
wo  getafelt,  um  den  Ceufel  herum  ein  Canz  aufgeführt  und  zuletzt  mit 
dem  Ceufel  gebuhlt  wurde.  Im  rnorgengrauen  ging  dann  die  Rexenfahrt 
wieder  durch  die  Cüfte  zurück. ^^^  ä 

Charakteristisch  ist  es,  da(5  Ualvasor,  der  auf  seiner  Karte  des  Zirknitzer  S 
Sees  auf  dem  Berge  Slivenca  „beim  Ungewitterloch"  eine  Bexenausfahrt  ^ 
auf  Besen  und  Gabeln  in  optima  forma  abgebildet  hat,^*^  auf  dem  für  ?> 

die  englische  Societät  in  Condon,  die  „Royal  Society",  deren  IDitglied  er  ^ 

ward,  bestimmten  Jlbzuge  dieser  Kupfertafel  besagte  ßexenausfahrt  weg- 
gelassen.^*^ -'^ 

Jluf  Seite  43$  des  ersten  Bandes  bringt  unser  Freiherr  die  Kupfertafel 
mit  der  lokalkulturgeschichtlich  interessanten  Darstellung  der  Sage,  wie 
der  Satan  die  Billiche  auf  die  Uüeide  treibt;  und  er  unterlä(5t  es  auch 
nicht  zu  melden,  da(5  er  vor  etlichen  Jahren  selbst  mit  anderen  bei  der 
Dacht  in  einen  CUald  zum  Billichfange  gegangen,  „wo  wir  dann  —  fügt 
er  bei  —  ein  starkes  Knallen  und  Schnalzen  gehört,  wie  die  5^uhrleute 
mit  der  GeifKl  (Peitsche)  schnalzen".  „Die  Ceute  sagen,  wann  ein  solches 
Peitschen-ßeklatsch,  so  vom  Ceufel  herrühre,  erschallt,  auch  hernach  darauf 
gepfiffen  wird,  so  müsse  man  davon  lauffen,  wiewol  derselben  keiner  mir 
die  rechte  Ursach  zu  sagen  wei(5,  ohn  allein,  wie  andere  ausgeben,  daf^  der 
Satan  denjenigen,  der,  wann  er  gepfiffen,  nicht  ausweichen  will,  umstof^e!" 


3*'  Ualvasor,  ehre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  102. 

'*''  Zuerst  gedruckt  zu  Köln  a.  Rb.  14$9. 

'^^^  Dr.  Rolzinger,  a.  a.  0.,  p.  9. 

^**  nialeus  maleficarum,  Pars  II,  questio  I,  cap.  2. 

^^  Ualvasor,  Gbre  des  Rerzogtunis  Krain,  I.  (IV.),  p.  632  u.  633,  Ginlage. 

^^^  Brcbiv  der  Royal  Society. 


^    136    ® 

Der  scbon  genannte  üerfasser  des  Buches  über  den  Zirknitzer  See,  Rerr 
von  Steinberg,  stellt  es  aber  um  die  IHitte  des  1$.  Jahrhunderts  fest, 
dal?  das  Schnalzen  und  Pfeifen,  das  man  bei  den  zur  Dachtzeit  und  bei 
5^ackelschein  angestellten  Billichjagden  in  den  benachbarten  CUäldern  zu 
hören  bekomme,  nicht  vom  Ceufel,  sondern  von  der  Hachteule  herrühre, 
die  „aus  Zorn  über  das  lackellicht  schnalzet  und  pfeifet,"  worauf  die 
Billiche  zur  Rettung  ihres  Cebens  die  Flucht  ergreifen  und  in  die  von 
den  Bauern  an  die  Billichlöcher  hingeworfenen  Kleider  schlüpfen  und  auf 
diese  Cüeise  leicht  gefangen  werden. ^^^ 

Obschon  wir  üalvasor  diesem  Ceufelsspuke  mit  den  Billichen  gewisser-- 
ma(Kn  beipflichten  sehen,  da  „viele  vornehme  Personen  im  Cande,  die 
es  nicht  haben  glauben  wollen,"  bei  Selbsterfahrung  des  „Schnalzens, 
Klatschens  und  Starkpfeifens"  „allen  Zweifel  aufgegeben",  kann  man  doch 
im  allgemeinen  und  im  Einblicke  auf  die  früheren  Ausführungen  es  fest- 
halten, dal5  er  einem  irdischen  Jluftreten  des  Satans  im  ganzen  mehr  als 
skeptisch  gegenübergestanden  habe. 

J!nders  verhält  er  sich  dem  d)ristlichen  Glauben  an  den  ßöllenteufel 
gegenüber  in  seinem  Cheatrum  mortis  humanae,  Pars  III.  Uaria  tormenta 
damnatorum  oder  Schaubühne  des  menschlichen  Cods,^*^  wo  er  im  dritten 
Ceil  „Die  Unterschiedliche  Röllenpein  der  üerdammten"^*^  in  lüort  und 
Bild  zur  Darstellung  bringt  und  in  feinst  ausgeführten,  von  seinen  Jltelier-- 
künstlern,  dem  Zeichner  ].  Koch  und  dem  Kupferstecher  Jl.  Crost,  gefertigten 
Kupfern  in  30  üariationen  den  Ceufel  an  seinen  Beschäftigungen  mit  der 
Böllenpein  aufweist,  wobei  auch  als  erstes  Bild  das  CUeib,  das  sich  durch 
kleine  ÜJollust  beim  Hexensabbat  gro(Ks  ewiges  Ceid  aufgeladen  hat,  zu 
schauen  ist,  wie  es  mit  entsetzten  ITlienen  und  sich  sträubendem  Raar, 
die  verhängnisvolle  Reitgabel  in  der  Cinken,  mit  der  Rechten  sich  anhaltend 
am  Schweife  des  in  Bocksgestalt  dargestellten  Satan  —  auf  diesem  reitend  — 
zu  dem  Röllenflammenmeere  hinabfährt,  darüber  die  Inschrift:  Dolite  dare 
locum  Diabolo  —  Gebt  auch  nicht  Raum  dem  Ceufel  (Gphes.,  Kap.  4), 
welche  Cüarnung  der  Schrift  aber  die  l)exe  im  Ceben  in  die  Cuft  geschlagen, 
da  sie  den  Ritt  mit  dem  buhlenden  Ceufel  unternommen  —  am  l)exensabbat! 


"'  Gründliche  Dachricbt  vom  Zirknitzer  See,  p.  12  ff. 

'*"*  Uon  ]obann  ÜJeikbard  üalvasor:  Cbeafrum  mortis  humanae  triparlitiim, 
I.  Saltum  mortis  (Codtentanz),  II.  Uaria  genera  mortis  (Undtcrscbiedlicbe  Cods- 
gattung), III.  Poenas  damnatorum  continens  (Der  Uerdammten  höllenpein).  Gedruckt 
Caybacb  1682,  4^  255  SS. 

'■'''•'  ebenda,  p.  194  bis  255. 


Palpasor  und  die  Künste  —  selbst  Künstler* 


r 
iJJ 


er  auf  seinen  weiten  Reisen  in  Deutschland,  Italien  und  5^rankreicb 
mit  Cüerken  der  Kunst  erster  IDeister  bekannt  gewordene  5^reiberr 
von  Ualvasor,  der,  von  diesen  seinen  Studienreisen  auf  sein 
roniantiscb  gelegenes  $cblo(3  Cüagensberg  beimgekebrt,  bier  in 
seinem  „museum"  —  wie  er  seine  Sammlungen  nannte  —  ungefäbr 
9000  Bandzeicbnungen,  Rolzscbnitte,  Kupferstiebe  aus  allen  Cändern  be-- 
wabrte,  war  ein  feiner  Kenner  der  Kunst  in  allen  ibren  Zweigen  und 
selbst  Zeicbner,  dann  Künstler  im  modellieren  von  Statuen,  beziehungsweise 
in  Herstellung  des  verfeinerten  Grzgusses  für  dieselben. 

5^reund  und  Schätzer  der  Hlalerei,  Bildhauerei,  der  Kunst  des  Kupfer-- 
stechens,  bat  er  die  in  der  Beimat  zu  seiner  Zeit  vorhandenen  CUerke  der 
beiden  erstgenannten  Künste  getreulich  der  Dacbwelt  bekanntgemacht  und 
der  Erinnerung  bewahrt,  sowie  für  letztgenannte  in  seinem  Beim  zu 
Cüagensberg  ein  eigenes  Kupferstichatelier  eingerichtet,  zunächst  zu  seinem 
eigenen  Bedarfe,  für  seine  in  Uornahme  begriffenen  CUerke,  für  die  er 
von  vornherein  das  Erscheinen  „in  lüort  und  Bild"  ins  JFluge  gefaf^t  hatte, 
aber  auch  zur  Übernahme  von  Illustrationsarbeiten  für  (Uerke  anderer. 

Ualvasors  Jlufzeicbnungen  verdanken  wir  vorerst  die  ^Feststellung  des 
Uorhandenseins  eines  Cintoretto  in  Krain,  in  der  Stadt  Rudolfswert  in 
Unterkrain,^^^  und  zwar  in  der  heute  sich  einer  besonderen  Sorgfalt 
erfreuenden  Kollegiatkapitelkirche,  deren  kunstsinniger  Uorstand,  der 
infulierte  Propst  Dr.  Glbert,  auch  Cintorettos  Gemälde  gegenüber  vor-- 
züglich  bewährt.  In  betreff  des  Gemäldes  von  Cintoretto  daselbst  schreibt 
aber  Ualvasor  also:^*^^  „Die  Collegiatkircbe  hat  lauter  neue  Jlltäre  nebst 
den  schönsten  Gemälden,  in  dem  hoben  Jlltar,  so  ehelängst  nach  denen 
prächtigsten  Bauregeln  von  Berrn  Grafen  von  Churn  Probsten  aufgeführt, 


^^°  über  dieses  beute  noch  daselbst  vorbandetie  ITIeisterwerk  bandelt  Prof.  Riuio 
Skopal  ausfübrlid)  im  3abre$bericbte  des  OberciV"inasiuni$  in  Rudolfswert  IQOI. 
^^*  Ualvasor,  Gbre  des  berzogtunis  Krain,  III.  (XL),  p.  4$5  f. 


'S    13$    'S 

ist  das  ßeniäbl  des  beil.  Bischofs  Dicolai  gro(5  und  unvergleicblicb  von 

dem  Pinsel  des  beriibniten  Künsllers  Cintoret  eines  unscbätzbaren  lüertbs 

zu  seben." 

ferner  bericbtet  unser  treiben  von  den  Cüerken  eines  niederländiscben 

Künstlers,  des  Jlntwerpener  IDalers  Jllnianak,  der  das  Refektorium  des 
alten  Caibacber  Jranziskanerklosters  (später  Cyzealgebäude,  seit  dem  Erd- 
beben 1$95  demoliert), 2^2  ^ann  $cblol5  Stroblbof  bei  Caibacb,^^^  das  kleine 
$cblö(5lein  Cburnigg  bei  Sonnegg  (unweit  Caibacb)^^*  und  $cblo(5  Stauden 
(in  Unterkrain)^^^  mit  kunstreicben  IDalereien  geziert  babe;  in  den  meisten 
Scblössern  des  Candes  wurden  denn  aucb,  wie  er  feststellt,  Stukko-- 
arbeiten  ausgeführt,  welche  die  Gemälde  dieses  Hleisters  und  anderer  mehr 
oder  minder  hervorragender  Kunstgenossen^^^  umrahmten.  Uon  Jllmanak 
fanden  sich  auch  noch  Gemälde  der  Stadt  Caibacb  und  von  Schloff 
CUagensberg."'" 

Diese  letztgenannten  Kunstwerke  sind  heute  fast  sämtlich  verschwunden, 
zum  mindesten  verschollen  —  nur  Rudolfswert  bewahrt,  wie  schon  erwähnt, 
seinen  Cintoretto!  —  und  in  Stroblbof  sind  auch  noch  die  5^resken  von 
1693  erbalten. 

„Cüo  die  Kunstwerke  von  JInschauern  verlassen  sind  und  keinen  Be= 
wunderer  finden,  da  müssen  sie  zu  Grunde  gehen,"  ruft  der  Kunstfreund 
üalvasor  entrüstet  aus  im  Binblicke  auf  das  Gebaren  des  zeitgenössischen 
Uerwalters  von  Schloff  Kaltenbrunn  bei  Caibacb,  welcher  „das  mit  köstlicher 
rnalerei  von  den  fürnemsten  meistern  bekünstelte  Getäfel"  auf  diesem 
damals  den  PP.  3^suiten  von  Criest  gehörigen  Herrensitze  achtlos  zu- 
grunde geben  lief^,  „bei  welchen  Uerwaltern  die  Silber--5^arbe  (der  Caler) 
und  die  Rechnungen  allein  Jlufsicbt  und  Fürsorge  genief^en".  £s  wundert 
unsern  edlen  5^reiherrn,  da(5  die  Rerren  3esuiten  von  Criest  ihren  Pflegern 
und  Uerwaltern  dies  so  hingeben  liefen,  „wiewol  sonst  die  netten  Ordens-- 
leute  der  Societät  3esu  den  Kunststücken  der  rHalerei  wie  aucb  säubern, 
wolausgescbmückten  lUobnungen  ruhmbekanntermafKn  nicht  feind  seynd".'^-'^ 

folgen  wir  nun  dem  Uerfasser  der  „€hre  Krains"  auf  sein  Schlo[5 
Cüagensberg  und  in  den  Kreis  der  Künstler,  die  er  daselbst  zum  Zwecke 


'"  Üalvasor,  6brc  des  herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  602. 

^''  ebenda,  III.  (XL),  p.  566. 

'''  ebenda,  IIL  (XL),  p.  556. 

'''  ebenda,  IIL  (XL),  p.  578. 

""  01adid),  Gerici  u.  a. 

^"  Uiktor  Steska,  Izvestja  muzejskega  drustva  za  Kranjsko  1Q02,  XIL,  p.  51. 

^''^  üalvasor,  Cbre  des  l^erzogtunis  Krain,  HL  (XL),  p.  2951. 


'S)    130    'S) 

der  Tllustrierung   seines  Hauptwerkes  wie   seiner  übrigen  Publikationen 
versammelt  hatte. 

£x  ladet  uns  biezu  durch  nachstehende  CUorte  ein: 

leb  bin  aucb  ohne  Rubm  zu  sagen  der  erste  gewesen, 
der  in  dieses  bocblöblicbe  herzogtbum  0rain  die 
Kupferdruckerei  eingeführt,  ja  icb  babe  bier  in 
Cüagensperg  im  Jabre  167$  (am  12.  Jlpril) 
selbst  ein  solches  CUerk  aufgerichtet  und  etliche 
Kupferstecher  und  Drucker  bei  mir  im  Scblob  unterhalten.^^^ 

Da  waren  auf^er  ihm  selbst,  dem  flotten  Zeichner,  der  soviele  Schlösser, 
rnärkte  und  Orte  in  Krain  mit  eigener  Rand  „abgerissen",  die  Zeichner  und 
nialer  Peter  WJerex  (aus  Jlntwerpen),^^»  Johann  Koch  (aus  Rudolfswert) 
und  3^^^"^  ÜJerex,  ein  gebürtiger  Krainer,  die  Kupferstecher  Jlndreas 
Crost,  der  auch  üischers  Copographie  von  Steiermark  illustrierte,  Jltzelt 
und  rnüngersdorff  und  üalvasors  intimer  Ireund,  der  kroatische  Jldelige 
Paul  Ritter  Uitezovich^^^  in  Herstellung  der  künstlerischen  JIrbeiten  für 
das  Hauptwerk  zunächst  und  dann  für  die  übrigen  ÜJerke  üalvasors 
unermüdlich  tätig,  Jlu(5erdem  erschienen  als  Gäste  daselbst  die  maler 
3.  Jl.  Boener  und  IDatthias  Greyscher,  deren  ersterer  das  so  stimmungsvoll 
stilisierte  Citelblatt :  Die  Huldigung  Carniolas  für  das  Haus  Habsburg  in 
der  „€hre  Krains"  sowie  in  demselben  Cüerke  das  Poträt  des  Ritters 
Rauber  mit  dem  langen  Barte  gezeichnet,  während  Greyscher  das  Porträt 
des  5^reiherrn  von  Ualvasor  selbst  geliefert  hat,  das  wir  in  korrekter 
CUiedergabe  im  „Kronprinzenwerke'*,  Österr.--Ung.  Monarchie  in  CUort  und 
Bild,  Band  Krain,  begegnen,  das  weiters  k.  Rat  Professor  kranke  in 
gro(Km  rna(5Stabe  für  die  5^amilie  Praschniker  (auf  Schloff  Galleneck)  aus- 
geführt und  das  auch  diesem  Buche  vorangestellt  erscheint.  Cüährend  der 
Zeichner  Johann  Koch  seine  Bilder  in  der  „Ghre  Krains"  mit  seinem  vollen 
Damen  signiert  hat  —  wir  finden  von  ihm  hier  figurale  Zeichnungen 
im  ganzen  74  — ,  sind  die  von  Cüerex  und  von  Ualvasor  ausgeführten 
Zeichnungen  mit  den  ITlonogrammen  WV.  und  WV.,  auch  I.  W.  V. 
signiert,  solchen  Signaturen  begegnen  wir  im  ganzen  103  Stücken;  der 
Kupferstecher  Paul  Ritter  signiert  mit  P.  R.,  mit  P.  R.  f.  und  P.  R.  fc, 


^^^  Ualvasor,  Ehre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  620. 

360  Izvestja  muzejskega  drustva  za  Kranjsko  a.  a.  0.,  p.  53. 

^^^  Uon  Paul  Ritter  dürfte,  wie  der  Konsistorialrat  f.  b.  Kanzleidircktor  Rerr  Uiktor 
Steska  richtig  anzunehmen  scheint,  auch  ein  in  dem  f.  b.  museuni  für  kirchliche  Kunst 
in  Caibach  befindlicher  Kupferstich  „muhamcd"  mit  kroatischer  Unterschrift  herrühren, 
da  dieser  Stich  auch  mit  P.  R.  signiert  erscheint. 


®    140    'S) 

wir  zählen  im  ganzen  25  Stücke  von  seiner  Rand  (signierte),  der  Kupfer-- 
stecber  P.  niüngersdorff  erscheint  mit  dieser  Signierung  auf  10  Stücken. 

—  Die  übrigen  in  dem  CUerke  die  „Ghre  Krains"  enthaltenen  Bilder 
weisen  keine  Signierungen,  erscheinen  öfters  sehr  rüde  ausgeführt  und 
dürften  wohl  von  Jlnfängern  und  vielleicht  von  befreundeten  Dilettanten 
herrühren,  öfters  auch  von  besserer  Band  in  €ile  hergestellt  worden  sein, 
wie  es  eben  der  3^ortgang  des  in  llürnberg  in  Druck  gegangenen  ÜJerkes 
mit  sich  gebracht  haben  mag.  Den  meister-Kupferstecher  Jindreas  Crost 
finden  wir  mit  den  IDonogrammen  X,  S,  A.  T.  F.,  aber  auch  mit  dem 
vollen  Damen  Crost  und  dem  Beisatz  sculpsit,  auch  Ritter  erscheint  mit 
dem  Beisatz  sculpsit  einigemal,  Ritter  auch  als  Paulus  Ritter,  [Düngers» 
dorff  als  Petrus  niüngersdorff,  dieser  einmal  auch  P.  Mun.,  auch  einmal 
blo(5  P.  M.,  Crost  mit  An.  und  And.,  einmal  Andeas.  —  Köstlich  ist  eine 
Bemerkung,  die  Ualvasor  über  eine  Zeichnung  seines  sonst  so  tüchtigen 
lllustrateurs  3ohann  Koch  macht,  der,  als  es  sich  darum  handelte,  die 
Grmordung  des  Kaisers  maximinus  und  dessen  Sohnes  von  Jlquileja  zur 
Darstellung  zu  bringen,  beide  Fürstlichkeiten  unter  einer  Bettdecke  in 
einem  sogenannten  doppelspännigen  Bett  schlafend  zeichnete,  „weil  ihm 

—  wie  Ualvasor  bemerkt  —  das  Illuster  der  römischen  Zelt--  und  Ruh-- 
oder  Faulbetten  unbekanndt  gewest,"  der  Freiherr  entschuldigt  aber  das 
Ginrücken  dieses  Bildes  in  das  ÜJerk  mit  den  UJorten:  „dabey  maus 
dann  gern  hat  wollen  bewenden  lassen,  damit  der  Ceser  desto  besser 
erkennen  möge,  da(5  sie  (die  Fürsten)  in  der  Ruhe  überfallen  und  um-- 
gebracht  worden". 2*^2 

Dieser  Jlnachronismus  hat  übrigens  dem  Bilde  vom  Standpunkte 
künstlerischer  Jlusführung  keinen  Eintrag  tun  können,  da  auch  hier 
die  Zeichnung,  wie  im  allgemeinen  in  den  Bildern  Kochs,  eine  nach 
jeder  Richtung  hin  zufriedenstellende,  ja  in  betreff  der  figuralen  Dar-- 
stellung  auch  über  das  lliveau  des  6uten  weit  emporragende  ist, 
namentlich  was  die  Lebhaftigkeit  der  Bewegung  in  den  Figuren  der 
JIngreifer  anlangt,  die  in  dem  richtigen  Gegensatze  zu  der  Ruhe  der 
sorglos  Schlafenden  aufgefa(5t  und  wiedergegeben  erscheint. 

meisterhaft  sind  aber  geradezu  die  JIrbeiten  des  Zeichners  Koch  für 
des  Freiherrn  von  Ualvasors  Cheatrum  mortis  humanae  zu  nennen,  in 
welchem  (JUerke  er  die  kleinen  Bildchen  des  zweiten  und  dritten  Teiles 
„Unterschiedliche  Codsgattung"  und  „Peyn  der  Uerdammten"  geliefert  hat, 
über  die  J.  D.  Fiorillo   sich   sehr   lobend  ausspricht,  indem   er  bemerkt: 

''"'  Ualvasor,  Gbrc  des  Herzogtums  Kraiii,  IV.  (XIV.),  p.  141  f. 


'S)    141     ^ 


„Die  Kupfer  sind  sehr  interessant  und  mit  zarten  JIrabesken  verseben; 
die  zarten  JIrabesken  finden  sieb  übrigens  aucb  in  den  Umrabniungen 
der  Bildeben  des  ersten  Cbeiles,  des  eigentlicben,  ßolbein  nacbgebildeten 
Codtentanzes,  vvelcbe  Bildd)en  aber  keine  Signirung  3ob.  Kocb  del  weisen!" 


Die  ntarienstatue  In  Cafbacbt  Ualva$or$  UlcrK* 

Cüie  aber  Ualvasor,  der  —  was  wiederbolt  erwäbnt  worden  —  die 
Skizzen  zu  den  Bildern  in  dem  Scblösserbucbe  der  „Gbre  Krains"  zum 
grö(5ten  Ceil  nacb  der  Datur  entworfen,  ein  gescbickter  Zeicbner  gewesen, 
so  besa(5  er  aucb  zum  Bildbauer  ein  bobes  Calent,  wie  dies  nocb  beute 
die  den  St.  O^k^^l^^platz  in  Caibacb  scbmückende  formvollendete  Hlarien- 
statue  —  sein  CUerk  —  beweist. 

CUenn  wir  kurz  auf  die  €ntstebungsgescbicbte  dieser  Statue  unsern 
Blid  lenken,  so  erfabren  wir,  da(5  scbon  im  Jdihr^t  1664  die  Stände  des 
Herzogtums  Krain  aus  Dankbarkeit,  dat3  Pest  und  Cürkennot  vom  Cande 
ferne  geblieben,  die  €rricbtung  einer  Statue  zu  Gbren  der  niutter  Gottes 
gelobten.  Docb  bis  zur  Husfübrung  dieses  Gelöbnisses  wäbrte  es  eine 
Reibe  von  3abren.  Grst  im  ]abre  16S0  seben  wir  die  ersten  Uorbereitungen 
zur  Inswerksetzung  derselben  getroffen;  „die  Pest,  sagt  der  beimatlicbe,  best- 
verdiente  Historiker  unserer  Cage,  Herr  Pfarrer  j.  Urbovnik,  welcbe  1679  in 
CUien  gewütet  und  bis  Steiermark  berübergekommen  war,  bat  im  Caufe  dieses 
jabres  die  Herren  bei  uns  an  das  Gelöbnis  erinnert,  das  sie  getan  batten".^^^ 

Bm  10.  niärz  1680  erscbien  beim  3esuitenkollegium,  am  beutigen 
3akobsplatze  die  landscbaftlicbe  Kommission,  bestebend  aus  dem  Präsi-- 
denten,  dem  Grblandmarscball  und  dem  Grafen  Cburn,  um  über  die  Stelle 
scblüssig  zu  werden,  an  welcber  die  Statue  aufgestellt  werden  solle.  Ulan 
einigte  sieb  auf  den  Gottesacker  und  es  wurde  gleicb  tags  darauf  eine 
da  befindlicbe  Hlauer  niedergerissen.^^* 

Inzwiscben  batte  man  das  Jlnerbieten  Ualvasors,  die  Statue  zu 
modellieren,  entgegengenommen,  aber  zugleicb  aucb,  so  gleicbsam  in  der 
Jlbsicbt,  eine  Konkurrenz  zu  scbaffen,  in  Uenedig  ein  niodell  bestellt. 
Jluf  die  Bitte  Ualvasors,  „ob  er  an  der  Statue  zu  laboriren  anfangen 
solle,"  meinte  in  einer  Sitzung  der  Candscbaft  der  Dompropst:  „Cüegcn 
der  Statue  würde  das  von  Uenedig  erwartete  Mlpdell  diese  CUocbe  da  sein, 
worüber  die  Herren  Uerordneten  mit  Ualvasor  weiter  deliberiren  werden." ^''•^ 

^^^  Izvestja  muzejskcga  druslva  za  Kranjsko  l$Q5,  Cetnik  V.,  p.  200. 

^'^^  Diarium  Collegii  $.  ],  -  ms.  im  landschaftlichen  Archiv  iin  Illuscum  Rudolfinum. 


36 


•■  Candtagsprotokoll,  Band  XXX,  fol.  löl. 


'S)    142    'S 

und  da(5  tatsäcblicb  eine  niarienstatue  aus  üenedig  nach  Caibacb  kam, 
gebt  aus  einem  weiteren  Candtagsprotokolle  bervor.  Cüir  lesen  nämlicb 
unterm  jabre  1679,  17.  3inii:  $ub  eodem  erbellet,  wie  dat5  die  von  denen 
löblicben  Ständen  unser  lieben  5^rauen  zu  Gbren  aufgericbtete  Statue  bey 
denen  P.  P.  Soc.  Jesu  und  zwar  nur  was  den  Baumeister  betrifft,  3500  fl. 
gekostet,  die  Statue  Unserer  Cieben  5rau  aber,  welcbe  zu  Uenedig  gegossen 
ist,  sambt  der  grof^en  Saul  bat  a  parte  bezalt  werden  müssen."  ^^•^ 

In  einer  Sitzung  der  Candscbaft  nocb  im  Jabre  1680  vertröstete  der 
Candesverweser  unsern  5^reiberrn  von  üalvasor  mit  den  CUorten:  „CUegen 
der  Statue  wäre  die  JIntwort  (für  üalvasor)  zu  erwarten.  Inzwiscben  könne 
man  eine  bölzerne  bei  den  Jesuiten  aufsetzen,  bis  die  metallene  gegossen 
wird.  Übrigens  soll  man  üalvasor  1500  fl.  und  den  Jlusstand  nacbseben."^^^ 
--  Die  Statue  aus  üenedig  entspracb  nicbt! 

So  ging  er  denn,  der  edle  Patriot,  ungeacbtet  des  Zwiscbenfalles  mit 
der  Bestellung  in  üenedig,  aus  Ciebe  zur  Reimat  und  aus  Pietät  für  die 
Sacbe  rüstig  ans  Cüerk. 

Obne  eine  Crwäbnung  der  üenediger  Statue  scbreibt  in  vornebmer 
Gesinnung  der  üerfasser  der  „Gbre  Krains"  mit  scblicbten  Cüorten  von 
seinem  Cüerke  also: 

„Dieses  Cüerk  bat  die  Eöblicbe  Candscbaft  auf  eignen  Kosten  macben 
lassen  und  ist  zu  dessen  Jlusarbeitung  im  1680.  3abr  der  Jlnfang  ge= 
macbt  worden  im  nionat  IDärzen,  da  man  zu  einem  tiefen  Grunde  nacb-- 
gegraben.  Gs  ist  aber  alles  von  scbönem  verscbiedener  Arten  bestpolirten 
marmel  gebildet.  Die  Säule  bestebt  aus  einem  eingesprengten  rarem 
rnarmel  in  einem  Stück.  Das  Gapitell  oder  Scbafftgesims  aber  zeigt  den 
Genuesiscben  wei(5en  marmel.  Das  Postament  und  Säule  ist  nacb  meinem 
zuvor  gemacbten  niodell  ausgebildet  worden.  Jluf  den  untern  vier  Postu-- 
menten  sibet  man  von  barteni  grauliebten  oder  weiften  Stein  ausgearbeitete 
vier  Bilder:  1.  S.  3osepbs,  2.  S.  Ceopolds,  3.  S.  Ignatii  und  dann  4.  S.  5^ran-- 
cisci  Xaverii.  Oben  auf  der  Seul  aber  pranget  das  von  einem  Stück  ge-- 
gossene  Bild  der  ITlutter  Gottes,  so  icb  nacb  meiner  Erfindung  bilden  und 
giel^en  lassen  und  stetigst  dabei  verblieben.  Und  zwar  babe  icb  zum 
bilden  den   kunslreicben   Cüolff  (üeif^kircbnern,  Bildbauern  zu  Salzburg, 


^^^  Peritzhoffen  Carl  $.  v.,  Carnioliae  Pragmatica  (aus  den  Protokollen  der  krain.  Cand» 
scbaft),  Pars  I,  27.  Hr.  42.  IDs.  in  der  6raf  Barboscben  Scblobbibliotbek  (in  Kroif^enbacb). 

'^^  Dazu  bemerkt  llerbovec  in  seiner  0escbicl)te  der  Stadt  Caibacb,  p.  53:  Dabei 
mag  aber  bemerkt  werden,  dal3  man  nicbt  etwa  in  biober  Berücksicbtigung  seiner 
Uerdienste  üalvasor  diese  0nade  gewährte,  sondern  weil  man  damals  jedem  Bittsteller 
gerne  einen  Steuernacblati  bewilligte. 


'% 


"&    143    ® 

gebraucht,  zum  gleiten  aber  des  ßlockengief^ers  Christoph  Schlag's,  so  erst 
unlängst  gestorben,  mich  bedient;  da  es  dann  hier  zu  Caybach  vor  dem 
Carlstädter  Chor  in  dem  6ie(5hause  JRn.  16$1  den  16.  December  zwischen 
11—12  Uhr  glücklich  ohn  einigen  Stehler  sammt  der  (von  der  Darstellung 
der  Schlange  umgürteten  Grd)  Kugel  völlig  in  einem  Stück  so  acht  CUerkschuh 
hoch  und  auch  in  einem  Guf^  verfertigt.  Und  darauf  im  nachfolgenden 
16$2.  3ahr  den  21,  Hlerz,  so  damals  ein  Charfreitag  war,  von  dem  einer 
Cöbl.  Candschaft  verordneten  Baumeister  Hlarcello  Genevese  aufgesetzt 
worden."^^^ 

Das  0ie(3haus  des  01ockengie(5ers  Christoph  Schlag,  eines  üorgängers 
der  seit  der  ersten  Bälfte  des  1$.  Jahrhunderts  bis  heute  in  Caibach 
ansässigen  und  ruhmvollst  in  fachlicher  wie  sozialer  Beziehung  wirkenden 
ßlockengiefKrfamilie  Samassa  (k.  u.  k.  priv.  Rofglockengief^erei),  befand  sich 
in  dem  heutigen  pause  Hr.  15  der  Karlstädter  Strat^e  (durch  Dezennien 
unter  dem  Damen  CUasserkaserne  bekannt  —  der  Besitzer  hie(5  nämlich 
CUasser  und  das  ziemlich  grof^e,  mit  schöner  Rokokofassade  versehene 
Baus  diente  längere  Zeit  als  Kaserne),  gegenwärtig  Mietshaus  im  Besitze  % 

der  5^rau  Olga  Rudesch-Kosler.  ^ 

Zum  Zwecke  des  Gusses  der  ITlarienstatue  lie[5  üalvasor,  wie  er  an  ^ 

anderer  Stelle  berichtet, ^'^^  die  0rube  viel  tiefer  graben,  „damit  ich  — 
wie  er  beifügend  erklärt  —  das  IDodell  der  Statuen,  welche  ich  von 
IDetall  hatte  gief^en  lassen,  drein  setzen  mögte". 

Die  ^Feierlichkeit  der  Jlufstellung  der  Statue  der  unbefleckten  Gmp-- 
fängnis  Hlariens  ward  durch  eine  Prozession  eingeleitet  und  es  wohnten 
derselben   aufKr   den   zunächst  beteiligten  Faktoren    auch   die   Jesuiten--  : 

rektoren  von  6örz,  Criest  und  ^^iume  bei.^^*^  -^ 

Elle  aber,  welche  die  Statue  sahen,  waren  in  hohem  Grade  befriedigt 
von  der  künstlerischen  Ausführung  derselben.  In  der  Sitzung  vom  $.  ]uli 
16S2  wurde  unserm  S^reiherrn  „im  versammelten  Eandtage"  das  un- 
eingeschränkte Cob  für  diese  seine  künstlerische  Ceistung  zuteil.  Der 
Candesverwalter  enunzierte,  wie  wir  heute  sagen:  „Berr  üalvasor  hat  die 
Statue  mit  sonderm  Ruhm  gegossen,  die  alle  ^^remden  in  üerwunderung 
zieht  und  andere  Statuen  übertrifft.  Das  CUerk  wird  den  lUeister  viel 
hundert  ''Sd\)n  loben,  man  hat  ihm  derentwegen  noch  nichts  gethan 
(entschädigt),  au(Kr  da(5  man  ihm  die  Materialien  bezalte,  wären  also 


^^^  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  6$Q. 

=»««  ebenda,  I.  (III.),  p.  429. 

^'°  Diarium  Praefecturae  Scbolarum  $.].  -  JIrcbiv  im  Hhiseum  Rudolfinum  in  Caibacb. 


'&    144    'S) 

600  fl.  mit  Jlnitsgelegenbeit  anzuschaffen  und  auf  neudckberiscben  JFIus- 
stand  eine  Quittung  von  900  fl.  auszufertigen."  Freiherr  von  Cebenberg 
fügte  hinzu:  „Dem  I)errn  Ualvasor  soll  man  die  2000  fl.  völlig  ersetzen 
und  nach  und  nach  von  dem  ausstände  abraiten."  Endlich  wurde  der 
Beschlu(5  gefat)t:  „600  fl.  mit  Hmtsgelegenheit  anzuschaffen,  900  fl.  bei 
Heudek  anzuweisen  und  den  völligen  Jlusstand  (Steuerrückstände  von 
seinen  Gütern)  nachzusehen."  ^71 

Ualvasor  lie(5  schon  gleich  zur  5eier  der  Fertigstellung  der  Statue  die 
später  der  „Gbre  Krains"  einverleibte  Abbildung  derselben  in  ihrer  J!uf- 
stellung  auf  dem  St.  3akobsplatze"2  in  Kupferstich  ausführen  und 
präsentierte  ein  Gxemplar  dem  Magistrate  der  Stadt  Caibach  und  es  gab 
unterm  6.  O^ni  16S2  der  Oberstadtkämmerer  „auf  Befehl  des  l^errn 
Bürgermeisters  dem  Diener  des  i)errn  Cüeickhardten  Ualvasor,  welcher  das 
andre  Kupfer,  Jlbrif^  der  Statue  Unser  lieben  Frauen  der  vnbefleckten 
empfängnus  niariae,  Ginem  €r$amen  IDagistrat  Praesentirt,  2  Fünffer 
id  est  35  kr."373  q^s  Jahr  zuvor  (16S1,  1$.  Jlpril)  hatte  des  Rerrn 
Ualvasor  Diener  „pro  die  Ginem  Grsamen  IDagistrat  verehrte  Kupferstich 
(wahrscheinlich  eine  frühere  Jlbbildung  der  projektierten  Jlusführung  der 
Statue)  einen  Chaler  id  est  1  fl.  46  kr.  2  Pf."  als  Geschenk  aus  dem  Ober- 
stadtkammeramte  erhalten."* 

Tm  3ahre  1689  —  also  noch  zu  Eebzeiten  Ualvasors  und  gerade  um 
die  Ausgabe  der  „Ghre  Krains"  —  besuchte  der  berühmte  Kardinal 
Kollonitsch  auf  der  Reise  von  lUien  nach  Italien  die  Stadt  Caibach  und 
war  hier  Gast  der  Jesuiten;  vor  seiner  Jlbreise  auf  dem  Caibachflusse 
in  der  Richtung  gegen  Oberlaibach  verrichtete  der  Kardinal  an  der 
IDarienstatue  seine  Jlndacht  und  empfahl  seinen  CUeiterweg  niarien,  der 
[)ilfe  der  Christen."^ 

Im  3ahre  1844  wurde  das  im  Caufe  der  Zeit  durch  die  Unbilden  der 
CUitterung  arg  mitgenommene  Hlonument  abgetragen,  die  Statue  der 
lllaria  selbst  aber  in  die  St.  Jakobskirche  übertragen.  Durch  die  rastlosen 
Bemühungen  der  Pfarrherren  von  St.  Jakob,  I)rovat  und  Köstl,  gelang  es 
aber,  eine  neue  Säule  aufzurichten  und  im  Jahre  1870  konnte  weil,  der 
kunstsinnige  Fürstbischof  von  Caibach  Dr.  Johann  Chrysostomus  Pogacar 

="'  Candtagsprotokon,  Band  XXX,  fol.  357. 
''"'-  Ualvasor,  Gbrc  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  6$9. 
'"'  Archiv  der  Stadt  Caibach,  Busgabenbucb  ex  16$2,  fol.  Sl/b. 
^"*  ebenda,  Ausgabenbuch  ex  1681,  fol.  43/a. 

^'•'  Diarium  Collegii  Soc.  3esu  Cab.  (im  Archiv  des  Uluseums  Rudolfinuni  in 
Caibad)),  ad  annum  10$Q,  2S.  und  2<^.  August. 


'S    145    'S) 

die  5^eierlicbkeit  der  neuaufstellung  von  Ualvasors  Kunstwerk  vornehmen, ^'^ 
und  im  Jahre  1906  erstrahlte  das  üotivbild  in  ganz  besonders  schöner 
Beleuchtung  anläf^lich  der  seltenen  5^eier  der  Sekundiz  des,  wie  um  seine 
Pfarrkirche  und  seinen  Pfarrsprengel,  so  auch  speziell  um  die  Sorgfalt  für 
die  lllarienstatue  vielverdienten  Prälaten  und  Stadtpfarrers  zu  St.  Jakob 
Johann  Rozman. 


Ualv^asor  al$  Erfinder  des  Tcingusses. 

Rat  Ualvasor  durch  seine  Beschreibung  und  Abbildung  der  ITlarien-- 
statue  in  der  „€hre  Krains"  seine  Urheberschaft  dieses  noch  heute  eine 
Zierde  der  Stadt  Caibach  bildenden  Uotivdenkmals  dem  grofKu  Cese-- 
publikum  der  IDit-  und  tlachwelt  selbst  vor  flugen  gestellt,  so  blieb  bis 
vor  kurzem  —  als  es  mir  gelungen,  die  betreffende  Quelle  nachzuweisen, 
beziehungsweise  wiederzufinden  --  verschollen,  da(5  er  der  Grfinder  des 
verfeinerten  Grzgusses,  womit  er  in  Gngland  gerechtes  Aufsehen  erregte. 

Sein  diesbezüglicher  Brief,  den  er  als  in  Jlussicht  genommenes  IDit-- 
glied  der  Königlich  englischen  Gesellschaft,  der  Royal  Society  —  was  er 
dann  auch  geworden^"  — ,  an  den  Sekretär  dieser  „Sozietät"  Comas  0ale 
gerichtet,  wurde  von  diesem  auszugsweise  in  den  Cransactions  Philos. 
Jlngl.  vom  Jänner  I6$7  mitgeteilt  und  ging  von  da  in  die  Acta  Grudi-- 
torum  in  Ceipzig  1692,  Suppl.  I,  p.  315  ff.  über.  Cüir  teilen  diesen  Brief 
im  JInhange  mit,  unter  Beigabe  der  von  Ualvasor  gelieferten  Zeichnung, 
die  wir  aus  der  gleichen  Quelle  reproduzieren. 

Unser  5^reiherr  setzt  in  diesem  Schreiben,  welchem,  wie  angedeutet, 
ein  Kupferstich  —  eine  Panstatue  mit  zugehöriger  0u()Vorrichtung  —  bei-- 
gelegt  war,  dem  englischen  Gelehrten  im  Detail  die  methode  auseinander, 
Statuen  aus  Hletall  zu  fertigen,  und  zwar  nach  seiner  Erfindung  des 
feinen  Grzgusses,  welche  Feinheit  bisher  nicht  bekannt  gewesen  und  in 
der  Praxis  nicht  vorkomme. 

Die  ausführliche  technische  Beschreibung,  auf  die  wir  natürlich  hier 
nicht  näher  eingehen  können  —  und  die  wir  daher  in  den  Anhang  ver-- 
vveisen  müssen  — ,  umfaf^t  im  Drucke  der  Acta  Gruditorum  vier  Seiten 
Quart  und  es  ist  für  das  Uerständnis  der  beigeschlossenen  Kupfertafel 
durch  Erklärung  im  Cexte  bestens  gesorgt. 


"°  ürbovnik,  Izvestja  muzejskega  drustva  I.  c,  p.  200. 

^"  Siebe    den   Abteil:    Ualvasor,    lllitcilied   der   Köiiicjlicb   Giujländisdicn   Sozietät 
in  Condon. 

V.  Radics,  Ualvasor.  10 


^ 


■©    146    'S) 

üalvasor  sagt  in  der  Einleitung,  dal5  er  zu  dieser  IDitteilung  an  den 
Sekretär  6ale  schreite,  da  er  die  Genugtuung  besitze,  die  königliche  Sozietät 
habe  ihm  dazu  den  Befehl  erteilt. 

Jlber  nicht  allein  gro(5e  Statuen  aus  Grz  hatte  er  bei  seiner  neuen 
niethode  ins  Jluge  gefat^t,  auch  auf  die  Förderung  von  Kunstwerken  en 
miniature  war  er  dabei  bedacht  und  sorgte  für  Jlnfertigung  derselben  auf 
solchem  Cüege  vor.  ]a,  er  gab  auch  CUinke  wegen  besserer  Jlnfertigung 
von  Gipstypen,  aber  —  setzt  er  bei  —  er  sei  überzeugt,  da(5  man  die 
Jlrt,  solche  zu  fertigen,  in  Condon  bereits  sattsam  kenne,  daher  er  darüber 
nicht  viel  Cüorte  machen  wolle. 

Den  Schlu(5zeilen  dieses  Briefes  entnehmen  wir  die  hochinteressante 
Hotiz,  da[5  Ualvasor  um  diese  Zeit  (1687)  mit  den  Ständen  Krains  die 
Errichtung  einer  überlebensgrof^en  Reiterstatue  Kaiser  Ceopolds  I.  in  Caibach 
plante,  und  zwar  auf  Grund  der  eben  erörterten  Erfindung,  doch  mufften 
seitens  des  unruhigen  Dachbarn,  des  Cürken,  andere  Zeiten  kommen. 

Er  sagt  wörtlich:  „Ractenus  equidem  nullam  adhuc  fundere  aggressus 
sum,  quae  ultra  novem  pedes  altitudinis  habuerit:  neutiquam  tamen  dubito, 
quin,  eadem  observata  methodo,  tales  in  quacunque  magnitudine  desiderata 
parare  valeam.  Bc  sane,  quamprimum  quietiores  erimus  a  malo  nostro 
vicino  Curca,  animus  est  unica  fusione  conflare  statuam  Imperatoris  nostri 
Ceopoldi  I  equo  insidentis,  multo  grandiorem  naturali  statura:  imo  jamjam 
de  sumptibus  et  impendendis  cum  Statibus  hujus  provinciae  et  forte  dudum  res 
ad  finem  perducta  foret,  nisi  bellicis  hisce  motibus  turbati  fuissemus  etc."^^^ 

Ualvasor  erzählt  zwar  im  dritten  Bande  seiner  „Ehre  Krains"  bei 
der  Schilderung  der  im  j^'^i*^  ^^^^  i"  Caibach  dem  Kaiser  Ceopold  I. 
persönlich  dargebrachten  „Erbhuldigung"  der  Stände  des  Herzogtums 
Krain,3'3  daf)  der  aus  diesem  feierlichen  JInlasse  von  der  krainischen 
Candschaft  gefa(5te  Beschlufr  „zum  Jlndenken  an  diesen  historischen  J!ct 
ein  nionument  und  Gedächtnis-Säule  mit  einer  behörigen  Inscription  (oder 
Jlufschrift)  der  Posterität  zur  Dachricht  und  Jlngedenken  aufzurichten",  auch 
nach  der  Zeit  getreulich  ins  Cüerk  gesetzt  worden  sei.  I)iebei  ist  aber 
nach  der  ausdrücklichen  Bezeichnung  „Gedächtnis -Säule"  wohl  nicht  an 
die  Inswerksetzung  einer  Reiterstatue  Leopolds  L,  sondern  wohl  eher  an 
die  talsächlich  erfolgte  und  im  Sinne  des  frommen,  den  fllarienkultus 
fördernden  Kaisers  gehaltene  Jlufrichtung  der  niarienstatue  auf  dem 
St.  jakobsplalze  zu  denken. 


''^  Bda  eruditorum  I.  c,  p.  310. 

''•''  Ualvasor,  Ghrc  des  herzogtuins  Krain,  III.  (X.),  p.  371. 


'S    147    'S) 

Ua1^a$0r$  Stellung  zur  die  nienscbcnseele  meist  fesselnden  Kunst  der 
ItltlSlK  ist  mannigfaltig  gekennzeichnet. 

Zuvörderst  sind  seine  Aufzeichnungen  von  der  zeitgenössischen  Uolks-- 
musik  bei  der  in  unseren  tagen  leider  so  rasch  fortschreitenden  Hivellierung 
des  Uolkstums  von  bleibendem  lokalkulturgeschichtlichen  Cüerte. 

Cüie  lebhaft  schildert  er  nicht  in  seinem  vielgenannten  Hauptwerke, 
dieser  schier  unerschöpflichen  Fundgrube  zur  Kenntnis  des  altkrainischen 
Uolkstums,  bei  Jlufzeichnung  der  Rochzeitsgebräuche  in  den  einzelnen 
Candesteilen  die  lustfördernde  Begleitung  durch  die  ,Jrau  ITlusica"  bei 
diesen  üolksfestlichkeiten,  wie  da  Geiger  und  andere  Spielleute  dem 
Brautzuge  voranschreiten,  bei  mahl  und  Canz  aufspielen,  wie  speziell  in 
Oberkrain  der  „Baf^geiger"  die  Bursche  des  nächstliegenden  Dorfes 
dreimal  zum  Canze  auffordert,  während  sich  in  Unterkrain  der  Geiger  in 
zerrissene,  zerlumpte  Kleider  vermummt  und  den  Gästen  an  die  zwanzig-- 
mal  und  öfter  einen  Ochsen  feilbietet,  aber  immer  wieder  spöttisch  ab-- 
gewiesen  wird;  er  wei(5  von  der  schändlichen  TTlusik  mit  allerlei  mi(5- 
lautenden  Instrumenten  zu  erzählen,  „dargebracht  den  wieder  heiratenden 
lüitwern  und  Cüitfrauen'*,  sowie  auch  von  dem  damals  noch  im  Cande 
üblichen  „Klaggesinge  und  Singgewinsel  der  ÜJeiber"  (Klageweiber  an  den 
Ceichnamen  der  Uerstorbenen).  Gr  beschreibt  ausführlich  das  Institut  der 
„Umsinger"  (slovenisch  Koledniki),  die,  bewaffnet  mit  Säbeln  und  Racken, 
im  Eande  umherzogen  und  singend  Gaben  einsammelten,  um  CUachs  zu 
einer  ,Jigur"  kaufen  zu  können,  die  sie  mit  5^1itter  und  Seide,  auch 
Fähnlein,  Sternlein  und  allerlei  Zierat  von  gesottenen  Birkenschwämmen 
schmückten  und,  auf  eine  Stange  gesteckt,  zum  lUeihen  in  die  Kirche 
trugen,  gleichwie  er  auch  ganz  umständlich  die  „Zurichtung  der  sonder-- 
baren  Blashörner"  schildert,  mit  denen  beim  f)irseaustreten  durch  die 
Burschen  und  Dirnen  zum  Canze  aufgespielt  wurde. ^^^ 

Betreffs  der  Jluferbauung  durch  den  Kirchengesang  adoptiert  er  eine 
in  der  Kapitelkirche  in  Rudolfswert  unter  dem  Ghorgewölbe  angebrachte 
IDahnung,  wie  man  Gott  zu  Ghren  singen  müsse;  die  ITlahnung  in  alter 
Inschrift  lautete:  „Uüenn  man  in  dem  Kirchen--Ghor  Gott  zu  Ghren  singt, 
so  soll  es  geschehen  andächtig,  aufmerksam,  laut  und  vernehmlich,  ver-- 
ständig,  mit  hoher  Stimme,  sittsamlich,  flei(5ig  und  inbrünstig,  nicht  mit 
umhergaffenden  Jlugen  und  Gemüt,  nicht  eilfertig,  nicht  schläfrig,  nicht 
verdrief^lich,  nicht  obenhin,  dann  verflucht  sei,  der  das  Cüerk  des  Rerrn 
nachlässig  tut.  Die  in  Ghor  singende  bilden  die  Gngel  für."^'^^ 

^^•^  üalvasor,  Gbre  des  Rcrzogtimis  Krain,  II.  (VI.),  p.  111  bis  341. 
=*«'  ebenda,  III.  (XL),  p.  4S0. 

10* 


-©    14$    -e) 

In  der  Stadt  Eaibacb  führt  uns  üalvasor  zunächst  die  „Stadtthurner" 
vor,  Instrunientalnnisiker,  die  sich  im  Sommer  alle  tage,  im  CUinter  dann 
und  wann  in  ihrer  grünen  „Stadtliberey"  (Civree)  vom  sogenannten 
„Pfeifferthurm"  auf  dem  Schlo(5berge  mit  drei  Posaunen  und  einer  Zinken 
oder  £ornet  hören  lief^en.^^^ 

Gr  erzählt  uns  in  der  schon  erwähnten,  so  lebendigen  Schilderung 
von  den  Festlichkeiten  der  Grbhuldigung  für  Kaiser  Ceopold  I.  (1660), 
wie  die  „Pfeiffer  und  Pauker"  der  Ceibgarde  des  Grafen  Berbard  Buersperg 
„nach  türkischer  IHanier"  aufspielten,  die  kaiserlichen  und  erzherzoglichen 
Crompeter  und  Beerpauker  mit  den  rDusikern  der  landschaftlichen  Reiter 
und  der  auf  den  Plätzen  der  Stadt  in  Gewehr  gestandenen  Bürgerkorps 
um  die  Cüette  musizierten  und  wie  beim  Ruldigungsakte  selbst  sowohl 
Stimmen  als  mit  Instrumenten  „sehr  lieblich"  musiziert  worden;  bei  den 
5^estlichkeiten  in  den  Kirchen,  bei  den  Banketten,  bei  den  Custfahrten  auf 
dem  Caibachflusse,  beim  glänzenden  Gartenfeste  des  Candeshauptmannes 
(JUolf  Gngelbert  Grafen  Euersperg  in  der  Aufführung  einer  italienischen 
Oper,  die  die  Candschaftsbediensteten  darbrachten,  —  überall  ertönte 
Sang  und  IDusikklang.^^^ 

Und  noch  einmal  bei  Beschreibung  des  Caibachflusses  erwähnt  der 
musikfreundliche  Uerfasser  die  altbeliebten  und  dann  durch  die  1702  ge- 
gründete Jlcademia  Philharmonicorum  —  die  noch  heute  blühende 
Caibacher  Philharmonische  Gesellschaft  —  in  ihr  Programm  aufgenom-- 
menen  und  bis  ins  19.  Oahrhundert  in  Übung  gebliebenen  CUasserfahrten 
der  Caibacher,  die  nach  eingenommener  IDahlzeit  mit  unterschiedlicher 
musik  stattfanden,  „indem  der  51uf5  in  anmuthiger  Stille  fortschleicht 
und  also  durch  kein  Rauschen  dem  IDusikklange  einen  Gintrag  thut". 

Jlber  auch  über  sein  eigenes  Fühlen  und  empfinden  der  macht  der 
IDusik  gibt  er  uns  in  seinem  Cüerke  Rechenschaft.  „Denn  obgleich  ich  — 
sagt  er  —  in  manchem  Cande  manche  musik  und  musikalischen  In-- 
strumente  angehört,  bin  ich  doch  bei  allen  allezeit  ganz  traurig  und 
melancholisch  gewest:  ausbenommen  wäre  eine  einige  (einzige)  nielodey, 
welche  in  Italien  ganz  gemein  (welche?),  auch  in  Ceutschland  und  in 
andere  Cänder  wol  bekannt  ist,  erschallte.  Denn  wenn  ich  dieselbige 
höre,  werde  ich  ganz  fröhlich,  ja  derma[Kn  erfreut,  da(5  ich  mich  mit 
harter  Hlühe  des  Jlufhupfens  oder  Springens  enthalte,  gleichwie  mir  in-- 
dessen  doch  das  Berz  gleichsam  im  Ceibe  hüpft.  Und  ich  glaube,  wann 

'"*  üalvasor,  Gbre  des  herzogtums  Krain,  III.  (XI.),  p.  660. 
'''  ebenda,  III.  (X.),  p.  369  ff. 


'S)    149    ■© 

dieser  Con  oder  rHelodey  recht  vollkommlicb  nach  meinem  Bumeur  pro-- 
portionirt  wäre,  so  würde  ich  mich  des  Jlufspringens  und  ])üpfens  un-- 
möglicb  verwehren  können.  Dieses  widerfährt  mir  aus  keiner  Gewohnheit, 
sondern  recht  sympathetice  aus  einer  rechten  Proportion  des  Gesanges  zu 
meinem  [)umeur."2^* 

Jlus  diesen  Zeilen  geht,  zusammengehalten  mit  der  ganzen  an  l)umor 
und  ÜJitz  reichen  Diktion  Ualvasors  auf  allen  Blättern  seines  Hauptwerkes, 
hervor,  da(5  unser  Freiherr  mehr  ein  Ireund  heiterer  Sänge  als  ernster 
Klänge  gewesen,  wenngleich  er  auch  diese  nach  ihrem  vollen  Cüerte  zu 
schätzen  wu(5te. 

(Jon  seiner  Tätigkeit  als  Hlusikdilettant  gibt  das  Hacblaf^protokoll 
nach  seinem  Code  in  knapper  amtlicher  J!ufzeichnung  immerhin  genügende 
Jiufklärung.  ÖJir  lesen  da,  da(5  sich  in  seinem  „buen  retiro"  in  ßurkfeld 
unter  den  noch   in  seinem   Besitz  befindlich  gewesenen  mathematischen  j 

und  andern  Kunstinstrumenten,  von  denen  er  sich  nach  Gntäu(5erung  von  " 

anderem  Rah  und  6ut  bis  an  sein  Eebensende  nicht  habe  trennen  wollen, 
an  niusikinstrumenten  vorfanden:  „€in  neues  musikinstrument,  5agot 
genannt,  zwei  gro(5e  künstliche  Scbalmeipfeiffen  aus  5^rankreich,  drei 
kleinere  Scbalmeipfeiffen,  zwei  Rarfen,  darunter  eine  neue,  zierliche,  mit  | 

niessing  beschlagene,  und  zwei  neue  Dudelsack."  Uüenn  man  auch  gerade  i 

nicht  behaupten  wollte,   da(5  unser  !?reiherr  alle  diese   Instrumente  zu  l 

eigenem  Gebrauche  besessen,  so  ist  doch  die  J^nnahme  gewi(5  gestattet,  i 

da(5  er  das  eine  oder  das  andere  oder  vielleicht  sogar  ein  paar  selbst  3 

benützt   hat,   durch   die   ihm    dann   in   den   meist   recht   trüben   letzten  X 

Cebenstagen,  um  seine  eigenen,  oben  angeführten  ÜJorte  zu  gebrauchen, 
„das  Berz  im  Ceibe  hüpfen  gemacht"  werden  konnte. 


1 


^^^  üalvasor,  Gbre  des  herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  62. 


Ein  technisches  Projekt» 


fn  unseren  durch  die  phänomenalen  ^Fortschritte  wie  auf  allen 
Gebieten  der  exakten  ÜJissenschaften,  so  namentlich  auf  den 
technischen  Gebieten  ausgezeichneten  Cagen,  in  unsern  Cagen, 
da  speziell  durch  die  grof^artigen  Bahnbauten  an  der  Südbahn-- 
linie  lUien-Criest,  am  JIrlberge  und  jüngst  bei  der  Durchfahrung  unserer 
oberkrainischen  ßebirgswelt,  der  Karawanken--  und  öJocheiner  Bahn,  mu(5 
es  nicht  nur  für  den  Uaterlandsfreund,  sondern  im  allgemeinen  für  jeden 
Kenner  und  Jreund  des  technischen  Fortschrittes  von  hervorragendem 
Interesse  sein,  daf^  vor  mehr  als  zweihundert  3ahren  unser  Freiherr 
von  Ualvasor,  dessen  Uielseitigkeit  wahrhaft  staunenswert,  sich  schon  mit 
einem,  weit  späterer  Zeit  entsprechenden  kühnen  Projekte  trug:  am 
mächtigen,  Krain  und  Kärnten  trennenden  Coiblberge,  und  zwar  an  dem 
Ju\h  desselben,  einen  Cunnel  zu  bohren,  besser  gesagt,  „hindurchzuhauen". 
Gr  arbeitete  ein  leider  heute  trotz  vielfacher  Suche  nicht  aufzufindendes 
€laborat  aus,  welches  er  höheren  Ortes  zur  Uorlage  brachte, ^^-^  dessen 
Ausführung  her  an  dem  Dazwischentreten  der  eben  damals  in  CUien 
grassierenden  Pestseuche  scheiterte. 

Doch  hören  wir  ihn  über  die  Angelegenheit  selbst  sprechen. 
Gr  sagt  in  dem  ersten  teile  seiner  „Ghre  des  Herzogtums  Krain" 
darüber  folgendes  i^®^  „Uor  etlich  wenig  jähren  war  ich  gewillet,  unten 
im  Grunde  (des  Berges  Coibl,  wo  an  der  Spitze  ein  Durchschlag  für  die 
Strafte  war  gemacht  worden)  ein  Coch  durchzubrechen,  dadurch  man  hätte 
reiten  und  fahren  können,  hatte  es  auch  schon  abgemessen.  Das  Coch 
sollte  bei  St.  Anna  sein  hineingegangen  und  auf  der  andern  Seite  des 
Berges  bei  St.  Ceonhard  herauskommen  und  also  schnurgerad  vom  Gin-- 
zum  Ausgange  zielen,  aber  die  damals  einreif^ende  Cüienerische  Contagion 


^^^  möglid),  dal3  die  bezügliche  Eingabe  an  bisher  nicht  vermuteter  Stelle  oder  in       ' 
einem  bisher  nicht  geordneten  Archive  sich  vor  dem  Cageslichte  verborgen  hält,  —  u>enn 
es  nicht  seinerzeit  „skartiert"  worden! 

^^''  Ualvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  1.  (II.),  p.  170  f. 


'S)    151    'S) 

oder  Pcstilenzseucbe  machte  e$  binterstellig.  Denn  ich  verlangte  für  meine 
niübe  und  Unkosten  von  Ihrer  Keyserlichen  Hlajestät  einen  ewigen  Zoll 
nebst  einer  gewissen  Beihilfe,  welcher  Zweck  aber  bey  so' trübseligen 
und  gesperrten  Zeiten  der  Contagion  nicht  zu  erreichen  war.  Sonst  wäre 
es  wol  ein  gemeinnütziges  CUerk  und  jedwedem  damit  merklich  gedient 
gewesen:  weil  man  jährlich  auf  die  Jlusbesserung  der  Straften  ein  ehr- 
liches wenden  mu(5,  auch  zu  Winterszeiten  oft  viele  Ceute  darin  (in  dem 
Durchhau  auf  dem  Berge)  verbleiben  (ihren  Cod  finden),  wann  die 
£anen  (Cawinen)  herunter  schie(3en,  das  ist  wann  der  Schnee  oben 
schmilzt  oder  los  wird  und  herunter  rutscht**  (welche  Erklärung  üalvasor, 
der  Bewohner  eines  Jllpenlandes,  zum  näheren  Uerständnisse  anfügt), 
„man  hat"  —  so  schlie(5t  er  seine,  wenngleich  kurze,  so  doch  viel  ent-- 
haltende  Hotiz  über  das  leider  nicht  zustande  gekommene,  für  seine  Cage 
so  grof^artige  Cunnelprojekt  mit  der  weiteren  schwerwiegenden  lllotivierung 
für  seinen  Plan  —  „zwo  nieilwegs  über  den  Berg,  eine  hinauf,  die  andere 
hinunter:   Jllso  aber  hätte  man   durch  den  Berg  eine  halbviertel  ITleil." 

In  seiner  „Copographia  0arinthiae  16$S",  über  die  wir  noch  weiter 
zu  sprechen  kommen,  erwähnt  üalvasor,  obschon  er  (p.  120)  von  der 
Strafte  über  den  Coibl  ausführlich  handelt,  nichts  von  seinem  1679  ge-- 
stellten  Cunnelprojekte,  betrachtete  es  also  auch  da  als  bereits  vollkommen 
abgetane  Sache. 

Da(5  er  selbst  in  Wkn  nach  1679  die  Sache  betrieben,  scheint  daraus 
zu  erhellen,  da(5  wir  ihn  um  16$1  in  lUien  anwesend  finden  (nach  seiner 
JIngabe  in  der  „Ghre  Krains",^^^  wo  er  um  16$7  schreibt:  „Uor  6  Oahren 
ward  mir  in  lüien  von  Berrn  Rofmann^^^  eine  runde  Kristallkugel  verehrt"). 

^^^  üalvasor,  Gbre  des  Rerzogtunis  Krain,  III.  (XL),  p.  92. 
^^^  eines  später  verbrannten  böbmiscben  I)exenniei$ters. 


Ausgabe  der  ersfen  Werke* 

en  JInfang  mit  der  Verausgabe  von  CUerken  machte  unser 
5^reiberr,  dem  religiösen  Sinne  der  Zeit  und  dem  eigenen 
Drange  folgend,  mit  einem  Pa$$ion$DWCblein,  das,  mit  Kupfern 
gescbmückt,  zu  CUagensberg  gedruckt  wurde  und  1679  zu  Caibacb 
erschienen  ist.  Gezeichnet  hat  es,  wie  5^ranci$ci  in  seiner  Zusammenstellung 
der  Ualvasorscben  CUerke  bemerkt,  ]ohann  (Uerex  (Cüiriex)  „mit  unglaub-- 
lichem  grof^en  Jk\\i  und  Geduld". 

Diese  Publikation,  heute  eine  grolle  bibliographische  Seltenheit,  erwarb 
für  das  landschaftliche  ITluseum  Rudolfinum  in  Caibacb  erst  vor  wenigen 
Jahren  der  gewesene,  durch  seine  hervorragende  Uersiertheit  auf  allen 
Gebieten  der  krainischen  Candeskunde  bekannte  Kustos  des  genannten 
wissenschaftlichen  Institutes,  Professor  Jllfons  lHüllner,  auf  antiquarischem 
Cüege  und  hat  mit  dieser  Erwerbung  dem  Cande  eine  Cimelie  wieder 
zugeführt,  die  eine  recht  in  die  Jlugen  fallende  Aufstellung  in  den 
Besuchsräumen  des  Hluseums  verdienen  würde,  wenn  die  Räume  dieser 
Candesanstalt  nicht  so  äuf^erst  beschränkte  wären.  Doch  dies  gehört 
weiter  nicht  hieher. 

Die  Jlusgabe  umfa(5te  17  Blätter  —  davon  jedoch  in  dem  vorliegenden 
Gxemplar  nur  15  enthalten  sind,  die  Hummern  3  und  4  fehlen  — ;  jedes 
Blatt  enthält  einen  Kupferstich,  10*4  cm  hoch  und  13*2  cm  breit,  die 
Bildchen  messen  ohne  Umrahmung  in  der  ßöhe  3*5  cm  und  in  der  Breite 
5*5  cm.  - 

Die  Umrahmungen  weisen  Ciergestalten,  zwischen  Bäumen  und  Ge-- 
sträuchen  hervorlugend  und  zwischenhingestellt;  in  JInwendung  der 
christlichen  Symbolik. ^'^'-^ 

Die  Bildchen  selbst,  die  Stationen  des  Ceidens  Christi  illustrierend, 
überraschen  durch  die  auf  so  engem  Räume  zur  Darstellung  gebrachte 
jeweilige  !Jülle  der  Gestalten,  die   trotz   der  so  überaus  grof^en  Zartheit 

''"  3.  Krcuser,  Ebristlicbe  Syitibolik,  Brixen  l$0$. 


'S)     153     'S) 

in  der  Jlusfübrung  nichts  an  der  Deutlichkeit  eingebü()t  haben,  ja  selbst 
der  ßiesichtsausdruck  in  den  kleinen  Jigürchen  ist  zumeist  ein  so  niar-- 
kanter,  da(3  die  Kunst  des  Darstellers  nichts  zu  wünschen  übrig  lä(5t. 

Das  erste  Blatt  erscheint  als  Citel  und  (Uidmungsblatt  und  führt  den 
Citel:  0elsissinio  et  lllustrissimo  |  Domino  Domino  3osepho  ex  0omi-- 
tibus  I  de  Rabatta  Dei  et  Jlpostolicae  Sedis  |  ßratia  Gpiscopo  Cabacensi 
et  Principi  |  Ordinis  $.  johannis  Rierosolymitani  Gquiti  |  £ommendatori  in 
Cossen  Oberlübich  et  ßrosstünz  etc.  Sacr.  0aes.  Hlay.  Consilia  |  rio  Er 
cano  etc.  Domino  Domino  suo  gratio  |  sissimo  I)a$  Dominicae  Passionis 
3cones  I  a  Johanne  CUierix  inventos  et  delineatos  |  D.  D.  0.  Q.  |  demis-- 
sissimus  Servus  |  Joannes  ÜJeichardus  üalvasor  |  CU.  excudit  (Uagens-- 
pergi  |  in  Carniolia  1679  |  Jlnd:  Crost  Sculp:  |.  In  die  lllitte  gestellt 
erscheint  das  von  der  Inful  überragte  (bischöfliche)  CUappen  des  Grafen 
Rabatta. 

Das  zweite  Blatt  stellt  das  letzte  Jlbendmahl  dar,  der  Raum  erscheint 
im  Renaissancestil  gehalten.  Darauf  folgt  in  unserer  Sammlung:  Die 
Gefangennahme  Christi  am  Ölberge,  ein  äufKrst  belebtes  Bildchen,  auf 
dem  die  Person  des  l^eilandes  zwanzig  Personen  umgeben;  der  im 
Uordergrunde  auf  dem  Boden  liegende  Knecht  lllalchus  schwingt  gegen 
Petrus  das  zum  Ohrabhauen  bereite  Schwert,  im  Hintergründe  sieht  man 
Cüald,  die  mauerumgürtete  Stadt,  in  den  UJolken  die  Hlondessichel 
(Blatt  5  —  die  Blätter  3  und  4  fehlen,  wie  schon  erwähnt,  in  unserer 
Sammlung). 

Das  sechste  Blatt,  wieder  eine  ^ülle  von  Personen,  weist  Christus  vor 
Jlnnas  (eine  Person  links  im  Hintergründe  erscheint  durch  eine  von  ihr 
gehaltene  Dackel  herausgehoben);  charakteristisch  ist  auf  diesem  Bildchen 
ein  Zwerg  mit  einem  Bündchen,  dem  wir  dann  auch  auf  den  Blättern  7, 
10  und  13  begegnen. 

Das  siebente  Blatt:  Christus  vor  Kaiphas,  zeichnet  sich  wieder  durch 
besondere  Belebtheit  aus.  CUie  deutlich  drücken  sich  ITlif^gunst  und  Cod-- 
feindschaft  gegen  den  Rerrn  auf  allen  Gesichtern  aus. 

mit  einer  auf^ergewöhnlichen  Genauigkeit  erscheint  auf  dem  achten 
Blatte  die  Szene  ausgeführt,  da  Petrus  seinen  Cehrmeister  verleugnet. 
Crotz  der  Kleinheit  des  Darstellungsfeldes  ist  die  Zeichnung  eine  so 
scharfe  und  genaue,  da(^  man  Christus  den  tiefen  Schmerz  vom  Gesiebte 
lesen  kann,  der  ihm  ob  der  Kränkung,  die  er  durch  Petrus'  Uorgehen 
erlitten,  das  Rerz  erfüllt. 

Auf  dem  neunten  Blatte:  Christus  das  erstemal  vor  Pilatus,  ist  inter- 
essant die  Jlbbildung  des  Pilatus  mit  einem  Hasenreiter,  welche  Darstellung 


-2)    154    -© 

aud)  der  gelehrte  Uerfasser  der  ßescbicbte  der  Brille,  der  am  hiesigen 
Candesspital  rühmlich  wirkende  Primarius  Dr.  Gmil  Bock,  als  einen  nicht 
unwichtigen  Beitrag  zur  Charakteristik  bildlicher  Darstellungen  des  Brillen-- 
tragens  in  seinem  Cüerke  erwähnenswert  fand. 

Das  folgende  (zehnte)  Blatt  zeigt  uns  Christus  vor  Berodes;  der 
Beiland  beteuert  mit  bocherbobener  Rechten  seine  Unschuld. 

Bui  dem  elften  Blatte  siebt  man  die  „0ei(Klung",  drei  Schergen  hauen 
auf  Christus  ein,  einer  leuchtet  .mit  einer  Dackel;  im  Hintergründe  stehen 
zwei  Zuschauer. 

Das  zwölfte  Blatt  bringt  die  „Krönung  Christi  mit  der  Dornenkrone". 

Das  dreizehnte  Blatt  stellt  den  „€cce--l)omo"  dar;  Pilatus  zeigt 
Christus  dem  üolke  als  den  Zerfleischten  und  Dornengekrönten;  Christus 
erscheint  von  sechs  Personen  und  jenem  Zwerge  begleitet,  welcher  wahr-- 
scbeinlicb  die  teuflische  Bosheit  der  Juden  personifizieren  soll.  Dieses 
Bildchen  ist  mit  ganz  besonderer  Kunstfertigkeit  ausgeführt  bis  in  die 
kleinsten  Einzelheiten  und  namentlich  was  die  Cesichtsausdrücke  anlangt; 
ein  Blick  darauf  erfüllt  das  Berz  mit  dem  grö(5ten  IDitleid  für  den 
leidenden  Jesus. 

Im  vierzehnten  Bilde  wird  Jesus,  das  Kreuz  auf  dem  Rücken,  gegen 
Kalvarien  geführt,  im  fünfzehnten  Bilde  fällt  er  unter  dem  Kreuze,  im 
Hintergründe  rechts  der  Kalvarienberg;  eine  nienge  üolkes  umgibt  den 
Gestürzten,  ein  Ceil  der  begleitenden  Soldaten  erscheint  zu  Pferd. 

Das  sechzehnte  Blatt  enthält  die  Darstellung  der  „Kreuzigung";  das 
Kreuz,  schief  an  einen  Jlbhang  gelehnt,  erscheint  im  Hintergründe  und 
zu  Seiten  von  der  Begleiterschar  eingeschlossen,  die  Julie  der  Figuren  ist 
auch  hier  mit  nieisterscbaft  behandelt,  den  Ekt  der  Kreuzigung  nehmen 
vier  Schergen  vor,  zwei  schlagen  die  Hagel  in  die  Hände,  zwei  in  die 
Jü\h  des  Herrn! 

Das  letzte  Blatt  stellt  den  Cod  Christi  am  Kreuze  dar;  unter  dem-- 
selben  viel  üolk,  in  nächster  Habe  sind  Cüeinende  zu  sehen,  darunter 
die  niutter  Cottes  und  dann  auch  der  hl.  Johannes,  Hlaria  Magdalena 
umklammert  das  Kreuz. 

erhabenen  Kunstsinn  haben  aber  Herausgeber  und  Zeichner  dadurch 
bewiesen,  da(3  auf  diesem  Blatte  ein  IDoment  festgehalten  ist,  nämlich 
das  Jlbseben  von  der  realistischen  Darstellung  auch  der  beiden  mit-- 
gekreuzigten  Schacher,  wodurch  eine  Einheit  und  Harmonie  des  Eindruckes 
auf  den  Beschauer  geschaffen,  die  beider  Künstlerschaft  zu  aller  Gbre 
gereicht! 


'&    155    'S) 


mit  dieser  Scbluf^darstellimg  der  Ceidensgescbicbte  des  CUelterlösers 
baben  Jluftraggeber  —  der  ^reiberr  von  Ualvasor  —  und  der  von  ibm 
mit  der  J!usfübrung  betraute  Künstler  —  jobann  Cüerex  (Cüiriex)  —  sieb 
ein  dauerndes  Denkmal  idealer  Scböpfungskraft  gesetzt! 


Copographia  Carnioliae  tnodernae. 

Im  selben  Jabre  1679  edierte  Ualvasor  sein  erstes  Cüerk  über  Krain, 
die  nur  aus  Jlbbildungen  bestebende  „Copograpbia",  das  auf  die  „Gbre 
Krains"  vorbereitende  Jinsicbtenbucb  aus  Krain. 

Der  volle  Citel  lautet:  „Copograpbia  |  Ducatus  0arnioliae  |  ITlodernae"  | 
„das  ist  I  Controfee  aller  Statt  |  IDärckbt,  £löster  vnd  |  Scblösser,  wie 
sie  anjetzo  |  steben  im  Herzog  |  tbumb  0rain.  |  Bervorgebracbt  zu  | 
(Uagensberg  in  0rain  |  im  ]abr  1679.  |  Dlit  sonderbabrem  5^1eif5  |  durcb 
3obann  UJeikbart  Ualvasor  |  4.«q.  (Caybacb  j.  B.  mayr  1679.)" '''  In 
der  lateiniscben  Uorrede  an  die  Stände  des  Herzogtums  Krain  sagt  der 
Uerfasser,  da(5  er  unter  dem  glückliebsten  Sternzeicben  in  Krain  geboren 
und  erzogen  worden  (unter  der  flgide  der  löblicben  Stände),  daber  er 
sieb  ein  günstiges  Roroskop  stellen  könne  (sub  felicissimo  aspectu  siderum 
Carnioliae  volo  dicere  sub  tutela  et  Patrocinio  Inclytorum  Statuum  natus 
educatus  nonnisi  fortunatum  mibi  auguror  boroscopum). 

Diesem  Cüidmungskapitel  scblief^t  sieb  ein  lateiniscbes  0edicbt  von 
Paul  Kitter  üitezovicb  an,  ein  ßratulationsgedicbt  an  Ualvasor  für  sein 
neues  Bucb  (in  novum  librum).  Hierauf  folgen  die  Jlbbildungen,  im 
ganzen  316  Kupfertafeln  und  das  Citelkupfer  entbaltend.  Daran  reibt  sieb 
das  gedruckte  Uerzeicbnis  der  Abbildungen  mit  den  beigesetzten  Hamen 
der  Scblof^eigentümer  in  lateiniscber  Spracbe.  Die  Jlngabe  des  Druckortes: 
Caibacb,  gedruckt  bei  3ob.  B.  Hlayr  im  3^bre  1679  sowie  der  Index  aller 
Scblösser  (310)  in  sloveniscber  Spracbe  bildet  den  Scblut^  der  scbönen 
dankenswerten  Publikation. 

Jln  rnonogrammen  erscbeinen  in  diesem  CUerke  WD  (CUierix  del.), 
I.  W.  D.  (3obann  Oleikbard  del.),  P.  M.  fec.  (Peter  mungersdorf  fecit), 
P.  R.  fec.  (Paul  Ritter  fecit),  S  (Crost)  (sebr  oft  aucb  ganz  ausgescbrieben 
Jlnd.  Crost  sculpsit). 

eine  gröf^ere  flnzabl  der  Kupferplatten  dieser  „Copograpbia"  erscbeinen 
dann  in  der  „€bre  des  Herzogtums  Krain"  wieder  benützt,  nur  sind  sie 
dann  links  und  recbts  gestutzt,  von  21  cm  Breite  auf  zirka  16  bis  17  cm. 


300 


Das  Citelkupfer  niiht  in  der  böbc  11  cm,  in  der  Breite  21  cm. 


-2)    156    'S) 

$0  zum  Beispiel  wurde  die  Platte  Cburn  atn  l)art  in  der  Cüeise  verkleinert, 
da[i  links  die  in  der  „Copograpbia"  „zur  Jagd  ausziehenden  Rerren"  und 
rechts  das  IHonogramni  des  Kupferstechers  Paul  Ritter  in  der  „Ghre  Krains" 
wetjcjefallen  erscheinen;  das  Illonogranim  des  Zeichners  dieses  Blattes 
I.  W.  (Johann  Cüeikhard)  zum  Unterschiede  von  blof^  W(ierix)  liest  man 
erhalten,  da  es  Ualvasor  hier  auf  das  Uasenpostament  im  Ziergarten  ein-- 
gezeichnet  hatte,  der  bei  der  Uerkürzung  selbstredend  intakt  bleiben  mu(5te; 
bei  Kroif^enbach  fiel  der  linke  Uordergrund  weg:  „Rund  einen  Bären  ver-- 
folgend";  bei  Candstraf^  fehlt  das  „in  flagranti"  vom  Zeichner  ertappte, 
bei  Covrana  das  blof)  kosende  Ciebespaar,  bei  Cueg  in  Unterkrain  die 
kuhmelkende  Hlagd,  bei  niöttling  die  Jlbbildung  der  Kommende,  bei 
Hassenfeld  ^'-^^  der  von  zwei  Pferden  gezogene  Pflug,  bei  Ruzing  fehlen 
die  Debengebäude  der  Kirche  auf  dem  0rot5gallenberg,  bei  Schönperg 
fehlt  die  alte  Kapelle  mit  der  lHauer  ringsum,  um  0hor  und  Campanile, 
bei  Schwarzenbach  fehlen  links  der  51u(5  und  rechts  der  CUaldberg,  bei 
Sibenegg  fehlt  der  Zeichner  (Ualvasor)  mit  gro[5eni  ßut  und  wallendem 
Raar,  u.  a.  m. 

Gine  Reihe  von  Abbildungen  ist  auf^erdem  in  der  „Copographia"  ganz 
verschieden  von  den  dieselben  Objekte  darstellenden  Jlbbildungen  in  der 
„6hre  Krains". 

Da  aber  diese  erste  Publikation  unseres  5^reiherrn  heute  viel  seltener 
als  die  durch  3-  Krajec  neu  herausgegebene  und  so  zahlreich  verbreitete 
„Chre  des  Herzogtums  Krain"  ist,  so  wollen  wir  hier  die  markantesten 
Jlbweichungen  beider,  um  kurz  zu  sagen,  Schlösserbücher  in  gedrängter 
Überschau  herausheben. 

Die  Abbildung  Schloff  Auersperg  von  der  rückwärtigen  Seite  weist 
die  Inschrift  unter  dem  Auerochsen  grof^,  1511—1520,  dann  auch  zur  Seite 
einen  Jäger,  eben  auf  einen  [)irschen  den  Schuft  abgebend. 

0rundlhof  —  ein  Knabe  über  einen  Korb  gebückt,  ein  mann  mit  zwei 
Krücken,  rechten  Ju\^  nach  rückwärts  abgebogen,  im  ßof  ein  Reiter,  zwei 
niänner;  sehr  belebtes  Bild. 

Oberlaibach  —  ein  sehr  gutes  Bild  im  Gegensätze  zu  dem  in  der 
„Ghre  Krains",  hier  ist  die  damalige  Bedeutung  dieses  Schiffsplatzes  voll-- 
kommen  entsprechend  charakterisiert;  es  zeigt  sich  ein  sehr  bewegtes 
StrafKuleben,  es  wird  auf  eine  Anzahl  (sechs)  Schiffe  auf-  und  von  den- 
selben abgeladen,  Kaufherren  (Patrizier)  mit  Degen  sind  zu  sehen. 

■''•"  hier  ist  als  Besitzer  Rerr  Georg  Siegtnund  von  üJernek  noch  genannt,  während 
in  der  „€bre  Krains"  gesagt  wird,  daf^  derselbe  Hassenfeld  vor  zwölf  Jahren  (schon 
um  1Ö77  also)  an  herrn  von  ÜJusseth  verkauft  habe. 


-g)     157    'S) 

Oberstein  —  ganz  verschieden  von  dem  Bilde  in  der  „Gbre  Krains", 
doch  minder  gut  in  der  Eusfübrung. 

Pletariacb  (Pleteriacb)  —  ganz  verschiedene  Jlufnabme,  auf^erdem  im 
üordergrunde  ein  Hlann  mit  einem  langen  ßevuebr  in  der  Cinken,  neben 
ibm  ein  Hlann  sitzend,  aus  einer  kurzen  Pfeife  mit  geradem  Robr  scbmau-- 
cbend  und  dichte  Rauchwolken  von  sich  blasend. 

Savenstein  —  ganz  anderes  Bild  als  in  der  „Gbre  Krains**,  hier  erscheint 
das  halbverfallene  $chlo(5,  die  »Jestung  Savenstein'*,  auf  dem  Berge  noch 
besser  erhalten  und  viel  netter  dargestellt,  auch  ist  das  ansehen  des 
6etreidekastens  ein  viel  stattlicheres. 

Seisenberg  (Hlarkt  und  ScblofO  —  in  der  „Gbre  Krains"  mehr  gedrängt 
dargestellt,  hier  in  weiterer  Ausführung;  als  Kupferstecher  hier  P.  R.  f. 
(Paul  Ritter  fecit),  während  das  zweitausgeführte  das  lllonogramm  S 
(Andreas  Crost)  weist. 

$.  Serff  (in  Istrien)  wurde  für  die  „Ghre  Krains**  umgezeichnet,  die 
Baulichkeiten  sind  hier  gröf^er  gehalten,  doch  fehlen  auf  dem  Bilde  in  der 
„Ghre"  keine  Details. 

Schärffenberg  erscheint  hier  in  drei  Aufnahmen,  gleichwie  in  der  „Ghre 
Krains",  doch  sind  2  und  3  in  dem  grof^en  (Uerke  den  2  und  3  dieser 
Copographia  wohl  ähnlich,  aber  nicht  gleich. 

Sittich  (Kloster)  —  sehr  interessant  ist,  da(5  auf  dem  gro(5en  von 
Atzelt  in  Kupfer  gestochenen  Panorama  in  der  „Ghre  Krains"  der  gleiche 
Baum  rechts  vom  Zugbrückentor  (in  welchem,  nebenbei  bemerkt,  die 
schönen  alten  Stukkoarbeiten  heute  noch  vorhanden)  sichtbar  erscheint, 
daran  angebunden  eines  Besuchers  (üalvasors  ?)  Reitpferd,  wie  hier  auf 
dem  kleinen,  von  Crost  gestochenen  Bilde. 

Sonneck  bei  Caibach  —  ein  ganz  anderes  Bild  als  in  der  „Ghre  Krains". 

Stain  bei  Katzenstein -Uigaun  —  der  Bergabhang,  der  das  in  dem 
früheren  Abteil  (Ceufel  und  Bexen)  erwähnte  Bergloch  (SchlofO  enthält, 
ist  hier  mehr  in  Abstufungen  gezeichnet,  nicht  so  steil  abfallend,  wie  in 
der  „Ghre  Krains". 

Stein  (Stadt)  —  ein  ganz  anderes  Bild  als  in  dem  Hauptwerke;  doch 
auch  von  Crost  in  Kupfer  gestochen. 

Stroblhof  —  ein  ganz  anderes  Bild. 

Cörmetsch  insofern  interessant,  als  hier  in  der  Gartenmauer  eingezeichnet 
dasselbe  nionogramm  erscheint  wie  in  der  „Ghre  Krains"  F.  S.,  welches 
auf  einen  Zeichner-Dilettanten  hinweist,  der  in  so  gro[Kr  Bescheidenheit 
dieses  sein  fllonogramm  in  so  kleinen  Buchstaben  verewigt  hat,  da(i  man 
schier  eine  Cupe  braucht,  um  es  wahrzunehmen. 


-2)      15$      -2) 

üeste  Cybein  (das  beutige  fürstlicb  l)obenlobescbe  $cblo(5  an  der 
Edria)  —  ganz  anderes  Bild  als  in  der  „Gbre  Krains",  viel  belebter 
mit  Scbiffen,  Staffage,  lllulitreibern;  auf  den  türmen  die  Kanonen,  CUacbt-- 
posten  deutlicber  siebtbar. 

Cüagensberg  —  ganz  verscbieden  von  den  Jlbbildungen  in  der  „Gbre 
Krains",  die  Jlufnabme  bier  erinnert  nocb  am  meisten  an  das  kleine 
Bildeben  im  Panorama:  Cüagensberg  von  der  unteren  Seite;  aber  es  sind 
sieb  die  Darstellungen  docb  nicbt  ganz  gleicb,  da  man  bier,  zum  ünter- 
scbiede  von  der  eben  angefübrten  Jlufnabme,  aucb  einen  Ginblick  in  das 
ScbloI>innere  erbält. 

Cüördl  —  ein  anderes  Bild  als  in  der  „Gbre  Krains". 

Zobelsberg  —  ein  anderes  Bild  als  in  der  „Gbre  Krains". 


Ovids  nictdtiiorpDosem 

Der  von  Ovids  feinem  Dicbtergeiste  anziebend  und  lebendig  gestaltete 
Stoff  der  „Uerwandlungen",  diese  scbätzbare  Fundgrube  der  alten  Sagen-- 
gescbicbte  von  der  (Ueltscböpfung  an  bis  in  die  Cage  des  Dicbters  reicbend, 
batte  seit  dem  Cüiederaufleben  des  Humanismus  Scbriftsteller  und  Künstler 
auf  das  lebbafteste  bescbäftigt.  Deutscbe  und  Franzosen  seben  wir  in 
edlem  CUettstreite  daran,  dieses  Cüerk  des  gro(5en  Römers  der  Jlnscbauung 
und  dem  Uerständnisse  ibrer  Hationen  zu  vermitteln  und  namentlicb  die 
Bibliograpbie  vom  16. 3abrbundert  an  u)eist  eine  stattlicbe  Zabl  von  lllustra-- 
tionen  zu  Ovids  ITletamorpbosen.  Diese  lllustrationsvoerke  scbeiden  sieb 
aber  nacb  zv^ei  Riebtungen:  die  einen  illustrieren  den  Cext  des  ßedicbtes, 
die  andern  bescbränken  sieb  auf  die  Illustration  einzelner  ausgewäblter 
„5^abeln"  und  fügen  nur  kuze  erklärende  texte  in  Prosa  oder  üersen  bei. 

Zu  letzterer  Kategorie  gebort  nun  unseres  5reiberrn  der  Huldigung 
für  Ovid  dargebraebte  Publikation,  der  den  Gebildeten  seiner  Heimat  zum 
Uollgenusse  eines  der  bedeutendsten  Cüerke  der  römiseben  klassiseben 
Literatur  die  beliebte  weisende  Beigabe  bildlicber  Darstellung  bieten  wollte. 

Ualvasors  IHetamorpbosen  des  Ovid,  wie  sie  uns  in  dem  aus  dem 
ebemals  Baron  Grbergscben  Besitze  auf  Seblof?  Custtbal  stammenden  beute 
im  landscbaftlicben  IDuseum  Rudolfinum  in  Caibacb  bewabrten  Cxemplare 
vorliegen,  wurden  im  jabre  16$0  angefertigt  und  entbalten  96  Kupferstiebe, 
die  Kupfer  in  der  0rö(5e  von  13  :  $  cm.  Unter  jedem  Kupferstieb  befindet 
sieb  in  je  einer  Zeile  die  lateiniscbe  Cegende  der  dargestellten  5^abel  und 
darunter  wieder  in  je  einer  Zeile  die  deutscbe  Grklärung  in  zwei  gereimten 
guten  (vielleicbt  aus  Ualvasors  Jeder  stammenden)  deutseben  Uersen. 


'S)    150    ® 

Das  Citelblatt  enthält  eine  die  Cüidmungsinscbrift  uinrabmende  bildliche 
Darstellung  der  aristotelischen  vier  demente,  Jlllegorien  von  CUasser, 
Jeuer,  Cuft  und  Grde. 

Die  lUidniung  lautet:  lllustrissirno  Duo.  Duo.  lUolfgango  Gngelberto  | 
$.  Rom :  Imp :  Comiti  ab  Jluersperg  et  ßottschee  |  Duo.  in  Schön :  et 
Seisenberg  e  Supremo  et  Raeredi  |  tario  Inclyti  Carnioliae  Ducatus  et 
rnarchiae  Sclavo  |  niae  ITlareschalco  ac  Duo.  Duo.  Suo  gratioso  |  \)ä$ 
Ouidiji  IDetamorphoseos  Icones  |  D.  D.  0.  Q.  |  Devotissimus  01iens  | 
3oa(nne)s  Cüeichardus  |  üaluasor  |  16$0  |  J\.  Crost  f.  Cüagenspergi  in 
Carniolia.  |  Jim  unteren  Rande  der  Cüidmungstafel  aus  der  IHitte  empor- 
ragend das  Jluerspergscbe  (Uappen. 

Die  Uerslegende  lautet: 

Cotnposita  ex  4  Gicmentis  in  diuersa  Corpora  tnutantur. 

J\uh  vier  eiementen  was  endtstebt  in  viele  Ceiber  daf3  zergebt. 

Heben  Jlndreas  Crost  haben  an  diesem  Runstwerke  auch  Hlattbias 
Greyscher  und  zwei  andere  Rünstler,  die  ihre  Bilder  mit  MS  und  ASE 
chiffrierten,  mitgearbeitet. 

niit  dem  zuzeiten  Blatte  beginnen  die  einzelnen  Jabeldarstellungen  aus 
den  fünfzehn  Büchern  des  Ovid  selbst  und  es  weist  uns  die  Darstellung 
der  ersten  Jabel  des  ersten  Buches  der  ITletamorphosen  die  Grschaffung 
der  (üelt  als  Rerum  distinctio  und  die  erklärenden  deutschen  Uerse:  „Dif^ 
gantze  Rund  hat  0ott  gemacht,  au(5  einem  Rlumpen  aufgebracht"  —  wir 
sehen  Jupiter,  auf  einer  das  0haos  darstellenden  Rugel  stehend,  die 
vier  Elemente  sondern. 

Die  nächsten  zwei  Blätter  stellen  drei  Zeitalter  --  das  silberne,  eherne 
und  eiserne  —  dar;  das  goldene  Zeitalter,  in  andern  Illustrationen  der 
IDetamorphosen  durch  das  Paradies  versinnbildet,  fehlt  hier.  Im  silbernen 
Zeitalter  arbeiten  Candleute,  mit  der  Schaufel  den  Boden  lockernd  und 
mit  Ochsen  ackernd;  im  kupfernen  und  eisernen  Zeitalter  weisen  uns 
die  Bilder  Rrieg  und  Streit  und  alles  Rerzeleid  in  Szenen  des  üerfolgens 
und  l)inmordens.  Das  fünfte  Blatt  führt  uns  das  Cüagnis  der  Riesen  vor, 
den  f)immel  stürmen  zu  wollen,  die  aber  von  Jupiter  derart  mit  Blitzen 
bewillkommt  werden,  daf^  sie  die  Grde  mit  ihrem  Blute  benetzen,  woraus 
ein  anderes  rHenschengeschlecht  entsteht. 

mit  diesem  Bilde  sind  wir  mitten  in  die  üerwandlungen  versetzt, 
die  Goethe 2^2  ßerder  gegenüber  so   feurig  verteidigte,   indem   er  sagte: 


^^^  Bus  meinem  Ceben  ÜJabrbeit  nnd  Dicbtung,  X,  Bucb.  Goethes  sämtliche  lUerkc 
in  6  Bänden.  Ceipziij  1$70,  IV.,  p.  165. 


®    160    'S) 

„da()  für  eine  Jugendliebe  Phantasie  nichts  erfreulicher  sein  könne,  als  in 
jenen  heitern  und  herrlichen  Gegenden  mit  Göttern  und  l^albgöttern  zu 
verweilen  und  ein  Zeuge  ihres  Chuns  und  ihrer  Leidenschaften  zu  sein". 

Das  nächste  Blatt  stellt  dar,  wie  Jupiter  das  l)aus  des  Cykaon  durch 
5euer  vertilgt  und  ihn  selbst  in  einen  CUolf  verwandelt;  es  folgt  die 
üerwandlung  der  von  Jupiter  geliebten  lo  in  eine  Kuh  und  die  Bestellung 
des  Jlrgus  zu  ihrem  Rirten;  dann  schläfert  IDerkur  durch  seine  Schalmei 
den  Jlrgus  ein  und  tötet  ihn  und  die  lo  wird  aus  ihrer  üerwandlung 
befreit,  Phaethons  !?ahrt  auf  der  Sonnenbahn  und  sein  ^all  füllen  mehrere 
Blätter  und  so  geht  es  fort  in  der  Illustrierung  der  Uerwandlungen  der 
Götter  und  l)albgötter:  Galisto  als  Bär  in  die  Sternenwelt  versetzt,  Jupiter 
als  Stier  die  Guropa  raubend,  der  Untergang  von  Pyramus  und  Chysbe, 
3uno  gegen  Ino  die  Furien  aufregend,  Jltlas  zum  Berg  verkehrt,  die 
Ciebe  Plutos  zu  Proserpina,  wozu  üenus  den  Jlnla(5  bietet,  die  üerwandlung 
der  Cochter  der  Geres  in  eine  Gidechse,  des  Cynkus  zum  Cuchs  durch  Geres, 
da  ersterer  ihren  Sohn  in  Hot  gebracht,  der  Raub  des  goldenen  ülielKS 
durch  Jason,  Hledea  durch  ihre  Zauberkraft  dem  jtson  neue  Kräfte 
schaffend,  Dädalus  seinen  Sohn  Ikarus  im  ßöhenflug  unterrichtend, 
IDeleager  mit  seiner  Braut  das  wilde  Schwein  niederhauend,  Orpheus  mit 
seiner  l^arfe  Ciere  und  leblose  Dinge  bezwingend,  „den  Ganymed  ein 
Edler  führt,  bis  er  Jupiters  Rof  berührt"  usw.  usw.,  bis  auf  die  trojanischen 
Geschichten  und  bis  auf  Komulus  herunter,  „dessen  üater  Hlars  es  will, 
da(5  er  sitze  auf  der  Götter  Chron"  und  dann  weiters  bis  auf  Julius  Gäsar, 
„der  nach  dem  Code  wird  ein  Komet." 

Bus  der  Zahl  der  96  Kupferstiche  unserer  heimatlichen  Publikation, 
die  in  Entwurf,  Zeichnung  und  kunsttechnischer  Ausführung  durch  den 
Stich,  je  nach  den  damit  beschäftigt  gewesenen  Hkistern,  sich  sehr  ver- 
schieden  darstellen  —  die  einen  voll  idealen  Schwunges  in  der  J\n\= 
fassung,  von  sinniger  Ausführung  in  der  Zeichnung  und  von  zartester 
nuancierung  im  Stiche,  andere  dagegen  mit  ziemlich  prosaischer  Kom- 
position derbe  Ausführung  verbindend  — ,  wollen  wir  au(5er  dem  im 
Geschmacke  der  Renaissance  stilgerecht  gehaltenen  Citel-  und  Cüidmungs-- 
blatte  zwei  hervorragende  Blätter  hier  als  Probestücke  aus  diesem 
künstlerischen  Unternehmen  üalvasors  ausheben  und  diese  auch  eingehend 
besprechen. 

Das  eine  dieser  Probebilder  (Blatt  20  bei  üalvasor)  stellt  die  5^abel 
von  dem  in  eine  Blume  verwandelten  Darzissus  dar.^^'-^^^ 


Ovid,  mctamorpboscM,  Bud)  III,  Jabel  VI,  Ucrs  402  bis  510. 


'S    161    'S) 

Die  der  Dichtung  zugrunde  liegende  Sage  vom  Darzissus  ]ä(5t  sieb 
kurz  also  zusammenfassen: 

Als  des  von  der  CUassergöttin  Ceiriope  oder  Ceirioessa  geborenen 
Harzissus  Ceibesscbönbeit  von  tag  zu  Cag  sieb  mebrte,  mebrte  sieb 
auch  die  Hiebe  der  Dympbe  Ccbo,  die  ibm  auf  der  3agd  begegnet,  und 
die  Eiebe  anderer  Jungfrauen,  welcbe  Heigungen  alle  Harzissus  aber  aus 
angeborenem  ßoebmut  verscbmäbt.  Da  ist  es  die  Räcberin  alles  ßocbmutes 
Hemesis,  vuelcbe  ibm  die  Selbstliebe  einflöf^t,  welcbe  Heigung  für  seine 
eigene  Person  in  ibm  zugleich  nocb  dadurch  erhöbt  wird,  da(5  er  in  einer 
klaren  Quelle  seine  Gestalt  erblickt  und  von  diesem  Anblicke  so  entzüekt 
wird,  da(5  er  sich  vom  Schauen  nicht  trennen  kann  und  sehlie(3lich  an 
diesem  Jlnblicke  zugrunde  geht. 

Der  Kern  dieses  lHythus  ist  aber  —  wie  CUieseler^^*  in  seiner  geist= 
vollen  kunstmythologischen  Jlbbandlung  über  den  „Darkissos"  hervor-- 
hebt  —  nichts  anderes,  als  die  Geschichte  der  das  Gefühl  der  Elten  nach 
zwei  Richtungen  hin  in  Anspruch  nehmenden,  schönen,  lieblichen  und 
angenehmen,  anderseits  aber  durch  ihren  starken  Geruch  betäubend 
wirkenden,  Harzisse  benannten  Blume.  Diese  schöne  Blume  liebt  das 
Cüasser,  sie  senkt  bekanntlich  ihren  Kelch  nach  unten.  Darum  steht  oder 
sitzt  oder  kniet  ^^^  der  schöne  Jüngling  Darzissus  am  Rande  des  iXlassers, 
schaut  er  geneigten  Bauptes  in  dasselbe,  wo  er  sein  Bild  erblid^t,  wie 
das  Abbild  der  Darzisse  aus  dem  CUasserspiegel  zurückstrahlt.  €r  sd)aut 
und  schaut,  indem  er  immer  mehr  dahinschwindet,  bis  er  zuletzt  am  Ufer 
den  Geist  aufgibt,  wie  die  Harzisse  allmählich  verwelkend,  endlich  am 
Ufer  verdorrt  oder  absterbend  in  das  lUasser  fällt.    Dies  Jlbsterben  der  "i 

Blume  macht  sich   besonders  fühlbar  zur  Zeit  des  Sonnenbrandes,   üon  ^ 

dem  Jüngling  Harzissus  hei(5t  es,  er  sei  zur  Zeit  der  Sonnenhitze  an 
die  Quelle  gelangt,  um  anzudeuten,  wieso  es  kam,  da(5  er  Durst  hatte 
und  sich  nach  Kühlung  sehnte.  Da(5  Darzissus  in  der  Sage  gerade  zum 
Jäger  (wie  hier)  oder  zum  Rirten  gemacht  erscheint,  dafür  spricht  schon 
allein  der  Umstand,  da(5  es  eben  Heute  dieses  Zeichens  sind,  welcbe  sich 
zumeist  auf  CUaldwiesen  bewegen. 

Jluf  dem  Bilde  Ualvasors  steht  Harzissus  am  Brunnen,  während  im 
Cexte  Ovids  er  als  an  dem  CUasser  sitzend  geschildert  erscheint,  entsprechend 


^^*  Darkissos,  Ginc  kunstmytbologiscbc  Abhandlung  nebst  einem  Anhang  über 
narcissen  und  ihre  Beziehung  im  Ceben.  mythos  und  0ul(us  der  Griechen  von  Friedrich 
UJieseler.  mit  einer  Kupfertafel,  ßöttingen  (Dietrich)  1856,  p.  $1  f. 

^^^  Zum  Beispiel  in  der  üenetianer  Ausgabe  des  Ovid  von  1521.  Holzschnitt,  drei 
Phasen  der  Sage  zugleich  weisend  (k.  k.  Universitätsbibliothek  in  UJien). 

V.  Radics,  Ualvasor.  11 


'S 

■:-3 


'S)    162    'S) 

einer  Reibe  von  antiken  (Uandgemälden,  welche  die  gelehrte  Forschung 
als  Uorbilder  zu  mehreren  Gestalten  in  Ovids  Cüerken  bezeichnet.^^^' 

Die  stehende  Stellung  hat  jedenfalls  für  die  künstlerische  Darstellung 
den  Uorzug,  da  sie  der  Gestalt  eine  graziösere  ßaltung  zu  geben  ermög-- 
licht,  als  irgend  eine  andere  Stellung. 

Bm  Cüasser  sitzend  abgebildet  erscheint  Darzissus  in  der  WJiener 
Illustration  des  Ovid  von  3oh.  Cüilhelni  Bauer  aus  dem  3ahre  1641,^^^ 
in  dem  französischen  Prachtwerke  der  metamorphosen  von  Banier,  Jlnister= 
dam  1732,2^^  und  in  der  gleichfalls  ein  Prachtwerk  bildenden,  „von  einer 
Gesellschaft  zu  Cüien"  veranstalteten  Jlusgabe  (1791),  die  sich  in  der  Schlo(5= 
bibliothek  des  Rerrn  Candtagsabgeordneten  Candesausschut^beisitzer  Grafen 
Jlnton  Barbo  in  KroifKnbach  (in  ünterkrain)  befindet,  wo  ich  dieselbe  mit 
dankenswerter  Ciberalität  zum  üergleiche  ausgefolgt  bekam. 

Das  zweite  Probebild  aus  Ualvasor  (Blatt  67),  das  wir  hier  in  der 
Reproduktion  bieten  und  über  welches  ich  mich  kürzer  fassen  kann,  stellt 
die  Jabel  „von  der  arkadischen  jägerin  Jltalante  dar  in  ihrem  Cüettlaufe 
mit  l)ippomenes".2^^ 

nad)dem  Jltalanta,  eine  Cochter  des  Königs  khoneus,  von  vielen  zur 
ehe  begehrt  worden,  aber  nur  demjenigen  die  Ehe  versprechen  wollte, 
der  sie  im  ÜJettlaufe  besiegen  würde,  hingegen  den  von  ihr  Besiegt-- 
werdenden  mit  dem  Code  bedrohte,  meldete  sich  nach  vielen  von  ihr 
Besiegten  endlich  auch  Rippomenes,  der  Sohn  des  rnegareus,  zum  CUett- 
laufe.  Ihm  hatte  Uenus  drei  goldene  flpfel  übergeben,  indem  sie  ihn 
zugleich  unterrichtet,  wie  er  es  anzustellen  habe,  um  über  Jltalanta  zu 
siegen,  mitten  im  (Uettlaufe  lie(5  Rippomenes  die  goldenen  flpfel  zu  Boden 
fallen,  nach  denen  sich  nun  die  sonst  so  berühmte  lüettläuferin  nieder-- 
beugte,  dadurch  sich  im  (Ueiterlaufe  selbst  behindernd  und  —  besiegend! 
Die  Gestalt  der  arkadischen  Oägerin  malt  uns  Ovid  ausführlich  (Itleta-- 
morphosen.  Buch  VIII,  5=abel  IV,  Uers  31$  ff.).  Gine  Spange  hält  das 
Gewand  an  der  Jlchsel  zusammen,  das  Raar  ist  einfach  in  einen  Knoten 
geschlungen,  auf  der  Schulter  trägt  sie  den  Köcher,  in  der  Cinken  den 
Bogen;   der  Jlusdruck   des   Gesichtes  hat  etwas  männliches.   Bn  andern 


*^^  Cüilb.  lUundcrcr,  Ovids  Cücrke  in  ihrem  UcrbäUnis  zur  antiken  Kunst.  Acta 
Seminarii  Pbilologici  Grlangensis.  erlangen  und  Ceipzig  1891,  Hol.  V,  p.  15$  bis  225. 
Ireundlicbe  niittciiung  des  hiesigen  Rerrn  k.  k.  ßymnasialprofessors  Dr.  Josef  $orn  an 
den  Uerfasser. 

"'  K.  k.  Studienbibliotbek  in  Caibad). 

"®  R.  k.  Universitätsbibliotbek  in  CUien. 

""  Ovid,  metamorpbosen,  Bud)  X,  Jabel  XI,  und  Bucb  VIII,  Jabel  IV. 


^    163    'S) 

Stellen  seiner  Cüerke  spricht  Ovid  von  den  Beinen  der  Htalanta  und 
zieht  sie  zum  üergleiche  für  besonders  schön  geformte  Beine  an.  (Uie 
der  oben  angeführte  Gelehrte  (Uunderer*^*^  beifügt,  wird  Jltalanta  auf  den 
antiken  Bildwerken,  in  grof^er  Anzahl  auf  Sarkophagen,  immer  mit  hoch- 
geschürztem Gewände  dargestellt,  vom  Knie  abwärts  die  kräftig  gezeichneten 
Beine  sichtbar. 

Jfuf  unserem  Bilde  bei  Ualvasor  ist  jedoch  Jltalanta  mit  bis  an  die 
Knöchel  reichendem  faltigen  Gewände  bekleidet  dargestellt  und  hat  nur 
Unterarme  und  Busen  entblöf^t,  das  paar  trägt  sie  aber  traditionell  in 
einen  Knoten  zusammengefaj^t,  von  dem  hinweg  Bänder  flattern. 

niit  tief  herabreichendem  Gewände  erscheint  sie  in  der  Uenetianer 
JTusgabe  von  1521  und  in  der  Jlmsterdamer  Ausgabe  von  1732,  mit  an 
dem  linken  Beine  hochaufgezogenem  Gewände  nach  antikem  muster  in 
der  (Uiener  Ausgabe  von  1791. 

Zum  Schlüsse  sei  hier  noch  bemerkt,  da(5  unser  5^reiherr  die  Kupfer-- 
platten  dieses  seines  Cüerkes  fünf  2^^^^  "^^b  der  Verausgabe  seiner 
Metamorphosen  dem  Salzburger  Uerleger  3^^^^""  B-  Hlayr,  hochfürstl. 
Bof-  und  akad.  Buchdrucker  und  Bändler,  zur  Benützung  überlie(5  für  die 
von  diesem  16$5  veranstaltete  Ausgabe  von  Ovids  nietamorphosen,*^^ 
wobei  sämtliche  96  Stüde  aus  CUagensberg  zur  Uerwendung  kamen,  nur 
mit  der  Änderung,  da(5  bei  jeder  Platte  die  lateinische  Cegende  und  die 
deutschen  Uerse  weggestemmt  wurden,  was  dadurch  nod)  heute  nach- 
weisbar, da(5  diese  Uornahme  durch  Uerbleib  von  oberen  Endpunkten  höher 
gezogener  Buchstaben  erkennbar  erscheint. 

In  dem  Hachlat^protokoll  nach  seinem  Code  finden  sich  als  in  Ualvasors 
Bandbibliothek  in  Gurkfeld  zwei  französische  Ausgaben  der  ületamorphosen 
Ovids  mit  Figuren  verzeichnet.*^^ 


*<'°  1.  c,  p.  212. 

*^^  ein  excmpiar  dieses  Cüerkes  in  der  k.  k.  Studienbibliotbek  in  Caibacb. 


'''  Blau  9. 


Bufruf  an  seine  [landsleute  behufs  Verausgabe 
der  ,,ehre  des  Herzogtums  Krain'', 

er  JInklang,  den  Ualvasors  „Copograpbia  0arnioliae  niodernae" 
gefunden,  die  selbst  die  einheimischen  vielfach  erst  mit  den 
„schönen  Ortsgelegenheiten"  des  Candes  bekannt  gemacht  und 
namentlich  auswärts  das  gröf^te  Interesse  erregt  hatte,  bestärkte 
den  5^reiherrn  in  seinem  langgehegten  Cüunsche,  ein  gro(Ks  umfassendes 
UJerk  über  seine  Reimat  zu  schaffen. 

Doch  war  der  gründlich  arbeitende  Gelehrte  und  Forscher  überzeugt, 
da(5  er  allein,  ganz  nur  auf  die  eigene  Kraft  gestützt,  ein  solch  Riesen= 
werk,  wie  es  ihm  vorschwebte  und  wie  es  sich  dann  auch  herausgestaltete, 
nicht  würde  zustande  bringen  können  und  da(5  da  zu  fördersamem  und 
zweckentsprechendem  Schaffen  es  nötig  erscheine,  zur  JIrbeit  „mit  vereinten 
Kräften"  aufzufordern. 

Deshalb  wandte  er  sich  zu  Beginn   des  Jahres  16S0  mit  einem  ge- 
druckten „Jlufrufe"*^^  an  seine  Candsleute  um  geistige  mithilfe,  um  Bei-- 
träge    aus   Jlufzeichnungen   in    den   JIrchiven    des    Candes    und    eigenen 
CUahrnehmungen,  Mitteilungen  von  Inschriften  usw. 
Dieser  Jlufruf  lautet  wie  folgt: 

„Ich  Johann  Cüeichard  üalvasor  zu  ßallenek  und  Heudorff  Rerr  auf 
üüagensperg  fiege  neben  Grbiethung  meiner  gehorsamb,  schuldgeflissen 
und  willigen  Dienste,  allen  und  jeden  Geist--  und  weltlichen  Inhabern 
aller  und  jeder  löblichen  Stifter,  Klöster,  l^errschaften,  Schlösser,  Gdlmans-- 
sitz,  [)öf  und  [)äuser  auch  Stadt,  ITlärkt  und  blecken  im  ganzen  Cand 
Krain  auch  angereihten  Herrschaften  CUindischen  ITlark,  Hlöttling,  Isterreich 


"'  Dieser  Aufruf  befand  sich  in  der  Baron  Grbergscben  Bibliotbel<  in  Custtal  und 
wurde  von  ßaroii  Busetb,  Präsidenten  der  Krainiscben  Candwirtscbafts-0eseliscbaft  (1$23), 
für  diese  Gesellscbaft  kopiert  und  mir  durd)  die  Jreundlici)keit  des  gewesenen  Präsidenten 
kais.  Rat  3.  murnik  mitgeteilt. 


'S)    165    'S) 

und  Karst  löbl.  Stuft,  sambent  und  sonders  kund  und  zu  wissen,  dat5 

obwoblen   icb   fertigs   1679   3^bi'5   eine   Copograpbiam    aller  obbesagten 

Klöster,  l)errscbaften,   Scblösser,  Stadt  und  Hlärkt  in  Krain,   aufgericbt, 

contrafeitiscb   abgerissen,    folgends   in   öffentlicben   Kupferstieb   ausgeben 

lassen :  So  eracbte  icb  docb  zu  dessen  mebrer  Zierde  und  Jlnseben  dieses 

lUerks  eine  sondere  Hotbdurft  zu  sein,   da(5  deren  jedes  Ursprung,  Rer-- 

kommen,  Stand  und  CUesen,  aucb  wie  und  was  gestalt  es  von  einem  auf 

den  andern  Possessore  bis  auf  gegenwärtige  Zeit  gekommen  oder  bernacb 

wiederum  ruinirt,  zerstört,  verlassen  und  verödet  worden,  was  aucb  so-- 

woblen  in  Kriegs--  als  ^riedenszeiten  gekommen  oder  bernacb  dabey  denk-- 

würdiges  sieb  begeben  oder  zugetragen,  wie  nit  weniger  was  bey  einem 

oder  anderen  Ort  rares,  seltam  oder  fürwitziges  zu  seben  oder  zu  finden 

seyn  nit  allein  zu  des  gantzen  Candts,  sondern  aucb  jedes  Inbabers  des--  '^ 

selben  Kubm  und  Cob  umbständig  bescbrieben  und  zu  meniglicbes  nacb- 

ricbt   ebenmäf^ig   in   öffentlicben  Druck  gebracbt  werde.   Diesem   zufolge 

babe  icb  mir  fürgenobmen,  zu  des  geliebten  Uaterlandes  Gbr  und  Rubm 

aucb  der  gantzen  Posterität  babenden  Hacbricbt  dieses  CUerk  an  die  Band 

zu  nebmen.  Jllldieweilen  es  aber  obne  Bilf  und  Beistand  der  interessierten 

Besitzer  der  Rerrscbaften  und  Güter  aucb  aus  lHangel  genugsam  babenden 

wolgegründten   Informazion    nit   wol    und    leicbt   bescbeben   mag,    also 

bescbiebt  an  alle  und  jede  anfangs  specificierte  Berrn  Possessores  und 

Inbaber  deren  6ült  und  Güter  mein  Dienst--  und  freundlicbes  Ansinnen 

und   Bitten,    sie   wollten   zu   solcbem    €nde   mit   allerband   notwendiger 

Information   (wie   ob   stebet)   dergestalt   mir   unbescbwert   an   die  Rand 

geben,  damit  icb  solcben  (üerk  mit  ibrem  gnädigen  Zutbun  sogestalten 

einen  Jlnfang  macben  und  glücklieb  vollenden  möge,  damit  die  gebetene 

Information    längstens    bisbin    umb    St.    0eorgi    mit    allen    erforderten 

wolgegründeten   ümbständen   auf   CUagensperg   oder   auf   das    allbiesige 

Caybacberiscbe   Postamt    scbriftlicb    und   verscblossen    eingebracbt   werden 

wollten.  Das  begebre  icb  umb  einer  jeden  Insonderbeit  der  ßebübr  nacb 

in  allen  fürfallenden  Occurrentien   geborsamen   Dienst--   und  freundlicbst 

zu  bescbulden.  Caybacb  den  23.  5^ebruary  16$0. 

DB.  Ist  3emandten  eine  ßescbicbt  oder  was  rares  oder  sonsten  was 
änderst  wissent  von  eines  andern  Gut,  Scblo(5  oder  Berrscbaft,  bitte  also 
geborsamb,  aucb  Dienst-  und  freundlicb,  micb  aucb  zu  bericbten." 

In  welcber  CUeise  und  inwieweit  die  also  zur  niitbilfe  aufgerufenen 
Candsleute  des  edlen  ^reiberrn  diesem  seinem  patriotiscben  Bitten  nacb-- 
gekommen,  darüber  werden  wir  in  dem  der  „Gbre  Krains"  gewidmeten 
Jlbteil    des   näberen   zu  sprecben   ßelegenbeit  baben;    eine  allzu  gro(5e 


m 


-©    166    'S) 

mifbilfe  bat  er  diesbezüglid)  nicbt  erfabren,  mit  Jlusnabme  dessen,  da{5 
die  seinem  Hauptwerke  gegenüber  im  allgemeinen  sebr  fördernde  krainiscbe 
Candscbaft  ibm  ibr  reicbbaltiges  Jlrd)iv,  die  Stifte  desgleicben  ibre  Jlrcbive, 
der  Kunstmäzen  Candesbauptmann  Graf  Euersperg  scbon  vorber  seine 
woblgewäblte  Bibliotbek  und  andere  einzelne  Persönlid)keiten  IDitteilunäen 
über  dies  und  jenes  zur  Uerfügung  stellten. 


ßausankauf  in  [laibadi. 

fnfolge  seiner  durd)  die  Dacbforscbung  in  den  Archiven  der  Candes-- 
bauptstadt  sowie  in  den  damals  hier  befindlich  gewesenen  Privat-- 
bibliotbeken  befreundeter  Standesgenossen  bedingten  öfteren  und 
lü  längeren  Jlufentbalte  in  Caibacb  sab  sieb  unser  5^reiberr  jetzt 
aucb  nacb  einem  ständigen  Jlbsteigequartier  bier  um  und  er  erkaufte  sieb 
zu  dem  Gnde  nocb  im  j^bre  16$l  ein  bescheidenes  zweistockbobes  Baus 
inmitten  der  Stadt,  das  Baus  beute  Hr.  5  der  Scblossergasse  an  der  Gcke 
des  Jranzenskai  (beute  im  Besitze  von  Jllexander  und  Uiktor  Schreiner, 
durch  eine  Reibe  von  O^bren  Gasthaus  zur  goldenen  Sonne,  in  letzterer 
Zeit  Restauration  Codovico  ^antini). 

Dieses  Raus  als  Ualvasors  gewesenes  €igen  festzustellen  gelang  mir 
auf  6rund  des  bei  der  Candtafel  des  k,  k.  Candesgerichtes  in  Eaibach 
erliegenden  älteren  0rundbud)es  der  Stadt  Caibacb  sowie  anderer  älterer 
JTufzeichnungen  daselbst,  dann  der  in  dem  Jlrcbive  der  Stadt  Caibacb 
befindlichen  Steuerbücher  (von  1604  bis  1752),  der  alten  ßerichtsbücher 
der  Stadt  Caibacb  aus  dem  16.  und  17.  3abrbundert  und  einer  Reibe  älterer 
Bäuserverzeichnisse  der  Stadt  in  der  k.  k.  Studienbibliotbek,  in  der  Biblio-- 
thek  des  landschaftlichen  niuseum  Rudolfinum  in  Caibacb  und  im  Privat- 
besitze meines  leider  zu  früh  verstorbenen  5^reundes  weil,  des  ßerrn 
Candesrates  josef  Pfeiffer. 

Dieses  Baus,  das  Johann  Cüeikbard  5^reiberr  von  üalvasor  im  jähre  I6$l 
gekauft  und  nach  zwölfjährigem  Besitze  im  3^bre  1693  wieder  verkauft 
hatte,  erscheint  in  den  Steuerbüchern  der  Stadt  noch  bis  zum  jähre  1733 
als  das  Baus  CUeikbart  üalvasor  5^reiberr  bezeichnet.*«* 

Dicht  unerwähnt  darf  jedoch  bleiben,  da(5  die  erste  Spur  zur  systema-- 
tisd)en  Dad)forscbung  nach  dem  Standorte  dieses  üalvasor--Bauses  in  der 


*°*  Im  Besitze  eines  Heften  unseres  Treiberrn,  des  3obann  Karl  ^reiberrn  von 
üalvasor,  befanden  sieb  seit  16$4  die  Räuser  beute  Dr.  12  der  berrengasse  (gegenwärtig 
der  „Banka  Slavija"  gebörig)  und  fir.  4  des  fluerspergplatzes  (beute  €igentuni  der 
Yrau  maria  von  Pongratz  geb.  maurer). 


'S)    16$    'S 

seinerzeit  vom  gegenwärtigen  l)errn  städtischen  Polizeikornmissär  3obann 
Robida  —  einem  flei[iigen  Sammler  auf  lokalgescbicbtlicbem  Gebiete  — 
aufgefundenen  und  dem  landscbaftlicben  Hluseum  übergebenen  üerkaufs- 
urkunde  desselben  Rauses  von  1693  gegeben  u)ar.  Darüber  berichtet  ein 
Jlrtikel  „Jlus  üalvasors  letzten  tagen"  in  5^r.  Sumis  „Archiv  für  Reimat-- 
kunde"  *°^  folgendes :  „1693  23. 5^ebruar,  Caibach,  3obann  lüeikhardt  üalvasor 
Freiherr  etc.  verkauft  ein  bei  der  Ringmauer  gegen  den  Cüasserstrom 
Caibach  gelegenes  und  vorhin  5röhlichisch  gewesenes  Baus  sammt  Zugehör 
dem  Berrn  Berrn  Jranz  Cngelbrecht  Zetschker  ^reiherrn  von  und  zu 
CUaltekh,  Berrn  auf  Cüeinpüchl,  Grken=  und  CUeixelstein  um  eine  (nicht 
genannte)  Summe  Geldes  laut  des  am  10.  Februar  1692  abgeschlossenen 
Contractes.** 

(Jon  da  aus  galt  es  nun,  weiterzuforschen.  In  der  Urkunde,  womit, 
wie  wir  soeben  gesehen  haben,  5^reiherr  von  üalvasor  an  5^reiherrn  von 
Zetschker  sein  in  Caibach  befindliches  Baus  verkaufte,  helfet  es  ausdrücklich : 
„ein  bei  der  Ringmauer  gegen  den  Cüasserstrom  Caibach  gelegenes  und 
vorhin  5^röhlid)isch  gewesenes  Baus". 

Über  „die  Ringmauer  gegen  den  Cüasserstrom  Caibach"  schreibt  üalvasor 
selbst  in  der  „Gbre  Krains": 

„Im  3ahre  1534*^^  ist  die  Ringmauer  sammt  denen  Chürmen  bey  dem 
Cüasser  hinter  dem  Rauber'schen,  hernach  aber  Ziegelfestischen  und  nun- 
mehr Cochenheimischen  Bause  erbaut  worden:  und  erstreckt  sie  sich  von 
der  Obern  (der  heutigen  eisernen  Bradetzkybrücke)  bis  zur  untern  Brücke 
(heute  die  steinerne  5ranz--Karl--Brücke),  wo  man  die  Gasse  ,hinter  der 
rnauer*  nennet,  da  sonsten  zuvor  überall  ein  offener  Cüeg  zu  dem 
Cüasser  war."*«^"^ 

Der  hochverdienstvolle  Copograph  der  Stadt  Caibach,  der  leider  allzu- 
früh dahingeschiedene  Professor  ürhovec  bemerkt  in  seiner  Schrift  über 
die  Bürgerschaft  der  Stadt  Caibach  in  den  vergangenen  3ahrhunderten:*^^ 
„Unser  Chronist  üalvasor  hatte  auf  dem  Bauptplatze  irgendwo  ein  Baus" 
und  war  zu  diesem  Satze  durch  die  Einteilung  der  alten  Steuerbücher 
der  Stadt  verleitet,  welche  in  die  drei  Bauptabteilungen:  „Jim  Platz", 
„am  Jllten  IDarkt"  und  „am  Heuen  Hlarkt"  geschieden  erscheinen  und 
wo  wieder  das  Steuerbuch  „Jim  Platz"  diesen  selbst  samt  allen  seinen 
Debengassen  unter  der  einen   Bezeichnung    „Jim   Platz"  zusammenfallt. 

*''  IL,  p.  281  f. 

*""  Zur  besseren  üerteidigung  der  Stadt  gegenüber  der  Cürkengefabr. 

*''  Üalvasor,  Ebre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  666. 

*°^  Cjubljanski  me^canje  v  minulib  $toIetjib,  Cjubljana  1$$6,  p.  274. 


'S)    169    ® 

Demnad)  sind  auch  die  Bäuser  „hinter  der  IDauer"  —  wie  Ualvasor 
seine  Hacbbarscbaft  bezeichnet  —  in  diesen  alten  Steuerbüchern  vom 
„Platz"  und  hier  wieder  unter  der  Rubrik  „JFIm  Platz"  selbst  zu  suchen. 

Und  da  fand  ich  denn  in  dem  Steuerbuche  vom  jähre  1681  in  der 
Rubrik  „Jim  Platz"  eingetragen:  „Jansen  ^röhlichs  sei.  Erben  anjetzo 
Berrn  Johann  CUeykhardt  Ualvasor"  und  daneben  die  Steuervorschreibung 
per  4  fl.,  Bausgulden  1  fl.  45  kr.  und  „Gxtraordinarj"  3  fl.  33  kr. 
1  Pf.;  während  nun  die  beiden  ersteren  dieser  Steuerposten  bis  1693 
und  auch  noch  weiter  hinaus  sich  gleich  blieben,  stieg  der  extraordinarj-- 
Zuschlag  in  der  5^rist  des  üalvasorschen  Besitzes  (16$1  bis  1693)  von  der 
vorgenannten  Summe  von  3  fl.  33  kr.  I  Pf.  bis  auf  5  fl.  12  kr. 

Unterm  23.  Februar  1693  trat  dann  der  Uerkauf  des  Rauses  an 
5^reiherrn  von  Zetschker  ein  und  es  enthält  das  ßerichtsprotokoll  der 
Stadt  vom  selben  jähre  (fol.  40  a  und  b)  die  Aufzeichnung  über  das 
„ordnungsmä(5ige  Jlufschlagen",  welche  magistratsamtliche  5^eststellung  des 
üerkaufes  wir  hier  —  um  ein  Bild  solchen  Jlmtsvorganges  zu  bieten  — 
wörtlid)  folgen  lassen.  Die  bezügliche  protokollarische  lassung  lautet: 


<s^ 


4SI 


rnontag  den  23.  5^ebruar  1693  ^ 

Praesentes 

l^err  Gder,  Bürgermeister,  Jlmtsverwalter, 

Berr  Johann  ßrafenhueber,  ßerichtsverwalter, 

Berr  Puecher,  Berr  Kert,  Berr  Cau,  Berr  de  Giorgio,  Berr  Perne,  Berr 
nienegalia,  Cüobesch  (Hlitglieder  des  Innern  Rathes), 

Berren  Raster,  Cingau,  Bittorfer,  Schwertl,  Rephuen,  Hlraule,  Kuh, 
Chome,  Böfer  der  Jllte,  IDatthwaf^,  Bibeel,  Khazler,  5^ailler,  Polz, 
ITialy,  CUrätsch,  ITlarburger  (mitglieder  des  äu(Krn  Rathes). 

Berr  Johann  Beikhardt  üaluaf^or  5^reiherr  begert  sein  bey  der  Ring- 
IDauer  gelegene  hirvor  5^röllichisch  geweste  Behaufnmg  dem  Berrn  5^ranz 
€ngelbrechten  Zetschkher  5^reyherrn  in  Krafft  des  zwischen  Ihnen  den 
10.  5eber  verwichenen  1692  Jahrs  aufgerichten  Kauf  Contracts  aufzuschlagen. 

Paul  Schwertl  (des  äu(5ern  Rathes)  „sprengt  ein"  (ergreift  dagegen 
das  CUort)  und  melt:  £x  habe  von  dem  Berrn  üalua(5or  5^reyherrn  einen 
Revers  in  Banden  „wegen  des  verbauten  ßässels"  und  will  das  Auf- 
schlagen nit  gestatten,  es  seye  dann,  da(5  der  Berr  Baron  Zetschker  sich 
erklärt,  deme,  was  der  Revers  vermag,  nachzukommen.  —  Berr  Zetschker 
erklärt,  sich  an  den  Revers  zu  halten  und  erbietet  sich  auch  der  gemeinen 
Stadt  ein  gebräuchigen  Revers  wegen  des  bürgerlichen  Illitleidens  zu  geben. 


'S)    170     'S) 

(Protokoll--$d)lu(5bemerkung:)  Ist  das  Jlufscblagen  der  Ordnung  nach 
fürgangen. 

Cüie  aber  schon  eingangs  angedeutet  worden,  behielt  das  von  1681 
bis  1693  Johann  Cüeikhard  Ualvasor  eigen  gewesene  Baus  in  den  Steuer-- 
büchern  den  Damen  üalvasors  noch  bis  zum  j^b^^  ^733  und  erscheint 
der  Käufer  in  keinem  dieser  Bücher  als  Besitzer  verzeichnet,  es  war  eben 
keine  (grundbücherlidie)  Umschreibung  des  Bauses  auf  den  Damen  Zetschker 
erfolgt. 

CUiederholt  hatte  während  des  Besitzes  dieses  Bauses  durch  unsern 
3^reiherrn  der  Magistrat  der  Stadt  Caibach  demselben  behufs  Uornahme 
von  Jldaptierungs-  und  Renovierungsarbeiten  gröf^ere  mengen  von  Bau- 
und  Dachziegeln  aus  den  städtischen  Ziegeleien  in  der  Cirnau  entweder 
ganz  gratis  oder  zu  ermäf^igten  Bürgerpreisen  geliefert,  so  zum  Beispiel 
lesen  wir  im  Ausgabenbuch  der  Stadt  ex  1683  r**'^  „Imgleichen  seindt 
Ihro  Gnaden  ßerrn  Berrn  Johann  UUeykardten  Ualvasor  5^reyherrn  an  denen 
genombenen  Jinfahl  der  Ziegl  $9  fl.  46  kr.  laut  Decret  nachgesehen 
worden." 


409 


Jol.  41  a.  Beleg  nr.  09.  —  Archiv  der  Stadt  Caibad). 


Das  erscheinen  weiterer  Werke* 

Copograpbia  Hrcbiducatus  Carintbiae  moaernae. 


^■■^) 

\' 

p 

er  volle  Citel  lautet:  CopograpbiaJlrcbiducatusCarintbiaemodernae, 
d,  i.  Controfee  aller  Statt,  ITlärckbt,  Clöster  und  Schlösser,  wie 
sie  anjetzo  stehen  in  dem  ertzberzogtbumb  ""  Kbärndten.  ßervor-- 
gebracbt  zu  CUagensberg  in  Crain  und  im  3^^»*  l^^l-  Hlit 
sonderbabrem  51ei(5  durch  Johann  Cüeikbart  üalvasor.  (3oh.  Koch  delin. 
B,  Crost  f.)  4.«q.  (Eaibach,  3ob.  B.  mayr.) 

Gewidmet  erscheint  dieses  Cüerk  den  Ständen  von  Kärnten.  Die  CUidmung 
beginnt  mit  der  Ausführung  des  Grundsatzes:  „da[5  man  die  Hatur  nicht 
zwingen  soll  zu  Uerrichtungen,  welche  derselben  unliebig,  sondern  denen 
angeerbten  Heigungen  so  dem  Uerstand  und  Cugenden  gemä(5  einigen 
Uorschub  als  (statt)  Bindernissen  gönnen  solle".  Gr  sagt  weiters:  „ihm 
gefalle  von  Oabren  her  die  Abzeichnung  der  Candschaften,  Städte  und 
Gebäude,  ,welche  jetziger  Zeit  sehr  in  Schwung  kommen'  zum  gro(5en 
Uorteil  der  Reisenden  sowie  zum  nutzen  der  Cänder,  die  dadurch  mehr 
bekannt  werden".  —  Plan  sieht,  diesen  Sätzen  liegt  eine  dem  modernen 
CUesen  des  5^remdenverkebrs  kongeniale  Anschauung  zugrunde,  die  in 
spezieller  Anwendung  auf  die  ITlerkwürdigkeiten  unseres  schönen  Dachbar-- 
landes  Kärnten  hier  gegeben  erscheint,  und  er  bekräftigt  diese  Anschauung 
noch  weiter  durch  die  ITJotivierung:  „denn  mancher,  der  die  Bilder  sehe, 
trage  zugleich  das  Uerlangen,  sein  Auge  an  dem  Originale  zu  ergötzen" ; 
ein  Satz,  den  man  heute  ohne  weitere  Anfügung  als  Devise  unter  die 
polychromen  Reklameaffichen  unserer  5^remdenverkehrsvereine  und  Gtablisse-- 
mentsinhabungen,  wie  sie  unsere  schönsten  Gegenden  auf  Bahnhöfen  und 
an  Straf^enecken  popularisieren,  setzen  könnte,  ohne  dadurch  allzusehr 
hors  de  stilistique  zu  sein. 

Cr  habe,  schreibt  er  weiter,  viele  Cänder  durchreist  und  wahrgenommen, 
dal5  sein  üaterland  Krain  vielen  unbekannt  sei,  aus  tHangel  von  Beschreibung 


*^°  Die  österreichischen  Fürsten  heilten  Erzherzoge  nicht  blof^  wegen  Österreich  ob 
und  unter  der  Gnns,  sondern  auch  wegen  Steiermark,  Kärnten  und  Krain,  weil  diese 
aud)  €rziandc  (€rbländer)  sind.  [Ualvasor,  Ghrc  des  h^rzogtunis  Krain,  III.  (X.),  p.  310  f.J 


'S)    172    'S) 

und  „entwürfen''  (Abbildungen);  deshalb  habe  er  vor  zwei  Jahren  die 
Topographie  von  Krain  herausgegeben.  „(Ueil  nun  aber  —  sagt  er  wörtlich 
noch  weiter  —  die  Ceutseligkeit  erfordert,  auch  denen  Benachbarten  zu  will-- 
fahren,  so  habe  ich  anrainender  (angrenzender)  Rochlöblichen  Candschaft  in 
Khärndten  besonders  ansehnliche  Orth  ebenfalls  abzeichnen  und  denen  sowohl 
l)einiischen  als  5^reniden  vor  Jlugen  in  einem  kurzen  JRbrif^  stellen  wollen.'* 

Die  Datierung  ist  von  CUagensberg  3.  Jänner  16$1. 

Den  J^bbildungen  steht  auch  hier  ein  lateinisches  Gedicht  von  Paul 
Ritter  (üitezovich)  voran. 

Gs  folgen  dann  223  Kupfertafeln  und  am  Schlüsse  steht  das  Uer-- 
zeid)nis  der  Jlbbildungen  und  der  Besitzer.  „Gedruckt  zu  Caybach  bey 
]oh.  B.  mayr,  Candtschaftl.  Buchdrucker,  Jlnno  16$!."*^' 

Da  wir  weiter  unten  auf  die  Besprechung  der  ausführlicheren,  mit 
beschreibendem  Cext  versehenen,  16$$  ausgegebenen  Topographie  von 
Kärnten  kommen  werden,  so  können  wir  von  einer  eingehenderen  $chil= 
derung  dieses  Uorläufers  leichter  absehen. 

*  * 

Copograpbid  Carintbiae  Salisburgensis. 

Copographia  Carinthiae  Salisburgensis  |  Id  est  |  Gpiscopatvs  Prae-- 
positvrae  |  Civitates  oppida,  arces,  et  castella  |  Tu  £arinthia  l)abita,  | 
quae  Possidet  |  Brchiepiscopatvs  Salisburgensis  |  Cuci  edita  CUagenspergi 
in  0arniolia  |  16  Per  $1  |  loannem  Cüeichardum  üaluasor  etc.  etc.  |  loan: 
Koch  del:  J\,  Crost  f(ecit).*^2 

Dieser  lüidmungskupferstich  weiset  das  f.  e.  salzburgische  Cüappen,  links 
unten  seitwärts  die  JInsicht  von  Salzburg  mit  der  Jeste  Rohensalzburg, 
rechts  den  Residenzplatz  mit  dem  Dom  in  Salzburg. 

Die  dem  Sammelwerke  der  salzburgischen  f.  e.  Besitzungen  in  Kärnten 
—  entnommen  der  Copographia  Carinthiae  Ualvasors  —  vorangestellte 
Cüidmung  an  den  damaligen  5ürsterzbischof  von  Salzburg,  des  heil. 
Rom.  Reiches  Fürsten,  päpstl.  Cegaten,  Primas  von  Deutschland,  ITlaximilian 
Gandolph  Reichsgrafen  von  Küenburg  lautet  wörtlich  wie  folgt:  Celsissimo, 
ac  Reverendissimo  |  Principi  ac  |  Domino,  Domino  |  IDaximiliano  | 
Gandolpho  |  Gx  Sac.  R.  1.  Comit.  de  Küenburg,  Jlrchiepiscopo  Salisburgensi, 
S.  R.  Imp.  I  Principi,  S.  Sedis  Jlpostolicae  Cegato  Dato,  ßermaniae  Pri-- 
mati  etc.  etc.  Domino  |  Domino  suo  Gratiosissimo.  |  Peregr^  ad  Celsitudinem 


**'  In  der  k.  k.  Studicnbibliotbck  in  Caibad)  befindet  sid)  ein  gut  erhaltenes,  in 
Ccder  gebundenes  Exemplar  dieses  ÜJerkes. 


412 


Befindet  sid)  in  der  k.  k.  Studienbibliotbek  in  Salzburg. 


'S    173    'S) 

üestram  veniunt  Gpiscopatus,  Praepositurae,  |  Oppida,  Castra,  non  tarnen 

peregrina,  sed  domestica  |  etc.  quae  Domino  $uo  vti  fidem  debent,  sie  | 

praestant  obsequia :  atque  v  porro  praestare   possint  frequentius,  intra 

penetralia  Palaty  JIrcbiepi  |   scopolis   adnitti  postulant,   exbibitura   suae 

servitutis  bomagium  toties.  quoties  Celsitudinis  üestrae  Principa  |  li  oculo 

dignabuntur.  Jllia  subinde  Pastoralem   visitationem   metuunt,   baec  fre-- 

quentatam  ambiunt.  IDe  im  |  pulsore  id  agunt,  qui  Salisburgum  accedens, 

ne  solus  comparerem,  banc  mibi  comitivam  assumpsi :  ne  |  vacuus,  boc 

diguum  Principe  munus  judicavi.    Dibil   enim   aequ^  benigno  interentur 

oculo  Principis,  quam  |  ea,  quae  sibi  fidelitatis  vinculo  sciunt  subarrbata. 

Gn  igitur  Celsissime  Princeps,  Oppida  0astra,  Praepositu  |  rae,  Gpiscopatus 

ex  Ercbiducatu  Carintbiae,  quae  Pedo  Celsitudinis  Uestrae  substernuntur 

et  amant  subesse  |  vnä  mecum  se  sistunt,  ac  tacite  loqvuntur  me  inter-- 

prete :  Inclinamus  turritos  et  Infulatos  vertices  Pas  |  ri,  Patriae,  Pastori,  M 

Praesuli  vigilantissimo,  quem  boni  Coelites  si   |   cut  bactenus  voluerunt 

transcendere  Jlnnos  Regiminis   antecessorum   Jlrcbipraesulum   ßeminorum 

ex  an  |  tiquissima  et  nobilissima  Domo  Küenburgica,  ita  deinceps  quam 

diutissim^  servent  incolumem,  |  communi  bono  Salisburgensis  Catbedrae, 

ornamento   familiae,   subditorum    tutelae,   clientum   solatio   |    et  gaudio 

etiam  advenarum.  Quod  votems  ego  animitus  repetens,  perseverare  desi-- 

dero  I  Celsitudinis  Uestrae  |  Demississimus   Servus  loannes   Cüeicbardus 

Ualvasor,  L  B. 

Gs  folgen  nun  26  Kupfertafeln,  auf  welcben  die  dem  Salzburger  Grz-- 
bistum  zur  Zeit  in  Kärnten  gebörig  gewesenen,  sowie  die  unter  dessen  ^ 

Kircbengewalt  gestandenen  Besitztümer  abgebildet  erscbeinen;  die  Zeicbnung  "^ 

der  meisten  derselben  rübrt  von  der  l)and  unseres  5^reiberrn  von  Ualvasor 
ber  und  sind  die  von  demselben  gezeicbneten  Blätter  mit  dem  IDonogramm 
I.  W.  D.  verseben;  die  Stiebe  besorgte  zumeist  JTndreas  Crost,  nebenbei 
von  einigen  Blättern  Peter  ITlungerstorf  und  niattbias  ßreiscber,  sowie 
aucb  51.  Scbnabell. 

Die  einzelnen  Blätter  stellen  dar:  1.  Jlicb,  Rerrscbaft  im  ßurker  Uiertel. 
Dem  Domstift  0urk  gebörig.  2.  niarkt  Jlltenbofen,  Rerrscbaft  Jlltenbofen 
im  6urker  Uiertel,  ßocbfürstlicb  Salzburgiscb.  3.  Stadt  St.  Jlndrä  im 
Cavanter  Uiertel,  Jürstlicb  Cavantiscb.  4.  Stadt  5riesacb  im  ßurker  Uiertel, 
[)ocbfiirstlicb  Salzburgiscb.  5.  Pfarre  und  Scblo(5  ßliednitz  im  ßurker  Uiertel. 
Dem  Domstift  6urk  gebörig.  6.  niarkt  und  Scblo(5  Grodas  (Grades)  im 
6urker  Uiertel,  Jürstlicb  ßurkiscb.  7.  Illarkt  ßuettaring  im  6urker  Uiertel, 
[)ocbfürstlicb  Salzburgiscb.  S.  Illarkt  und  Domstift  6urk  im  ßurker  Uiertel. 
„Gin   Cbumbstüfft  der  Regulierten  Cbor-ßerren."    9.  Domstift  ßurk  „von 


3 


'Nl 


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'S)    174    'S) 

der  hintern  Seiten".  10.  Gurniz  (Schloff  und  Propstei)  im  Untern  üiertel. 
Rerrn  Benedikt  Ironiiller  gehörig.  11.  I)albegg  im  ßurker  üiertel,  fürstlich 
Gurkisch.  12.  niarkt  und  Schlot?  Iiüettenberg  (nionogramm  Ualvasors,  kein 
Kupferstecher  genannt,  vielleicht  auch  ein  üersuch  Ualvasors  selbst,  Baum-- 
schlag  primitiv)  im  ßurker  üiertel,  Rochfürstlich  Salzburgisch.  13.  St.  Jörgen 
am  Cängsee  im  Untern  üiertel.  „€in  5^rauen--01oster"  (heute  St.  Georgen, 
eine  hochbeliebte  Sommerfrische).  14.  Hlannsperg  im  Untern  üiertel.  Dem 
Domstift  0urk  gehörig.  15.  Hlaria  Saal  im  Untern  üiertel,  Rochfürstlich 
Salzburgisch  (auf  der  Darstellung  des  „5^ür$tenstuhls"  liest  man  ,,ELV 
DOMYVE'O.  16.  Pökhstein  im  Gurker  üiertel,  5^ürstlich  ßurkisch.  17.  Pregern 
im  ßurker  üiertel,  Rochfürstlich  Salzburgisch.  IS.  IDarkt  Saxenburg  im 
Obern  üiertel,  Rochfürstlich  Salzburgisch.  19.  Stain  im  Cavanter  üiertel, 
Rochfürstlich  Salzburgisch.  20.  Stadt  und  Schloff  Straf^burg  (links  zur  Seite 
Propstei  Cidnig)  im  ßurker  üiertel,  fürstlich  ßurkisch.  21.  Ceggenprun 
im  ßurker  üiertel,  Rochfürstlich  Salzburgisch.  22,  Propstei  Ceynach  im 
Untern  üiertel.  Rochfürstlich  Salzburgisch.  23.  Chürn  im  Cavanter  üiertel, 
fürstlich  Cavantisch.  24.  markt  Cüeittensfeld  im  ßurker  üiertel.  Dem  Dom-- 
stift  ßurk  gehörig.  25.  ÖJeyer  im  ßurker  üiertel.  Dem  5rauenkloster  zu 
St.  Jörgen  gehörig.  26.  Propstei  Cüieting  im  ßurker  üiertel,  Rochfürstlich 
Salzburgisch.  (Der  hochw.  Jlbt  von  St.  Peter,  gegenwärtig  Prälat  Cüilibald 
Rauthaler,  bekleidet  auch  die  (üürde  eines  Pröpsten  von  Cüieting.)  Im 
ganzen  waren  11  Besitztümer  Gigentum  des  5^ürsterzbistums  Salzburg 
selbst  und  15  standen  unter  dessen  Kirchengewalt. 

* 

*  * 

Cbeatrum  mortis  Dumanae  tripartitutn. 

Ratte  die  Pestseuche  von  1679  das  Cunnel-Durchschlagungsprojekt 
ualvasors  „hintersteilig"  gemacht,  so  war  diese  ßottesgei(5el  es  hinwieder, 
die  ihm  die  JRnregung  zur  Rerausgabe  einer  künstlerischen  Produktion  gab. 

Und  diese  war  das  Cheatrum  mortis  humanae  tripartitum,  das  unser 
5^reiherr,  nachdem  16S1  wieder  die  Pest  gewütet,  im  Jahre  16S2  aus  seinem 
Kupferstichatelier  zu  Cüagensberg  hervorgehen  lie(5. 

Gs  ist  das  eine  Publikation,  bei  welcher  wir  uns  aus  verschiedenen 
ßründen  etwas  länger  verweilen  wollen. 

üor  allem  müssen  wir  eine  kurze  Richtigstellung  der  bisherigen  in  die 
Öffentlichkeit  darüber  gelangten  Jlnsicht  oder,  besser  gesagt,  Schilderung  un= 
serer  freilich  wohl  hier  auch  gedrängt  möglichen  Beschreibung  voraussenden. 

Diese  Richtigstellung  besteht  nämlich  darin,  da(5  man  bisher  nach  den 
flüchtigen   Anzeigen   meinte,    üalvasor   habe    da   vornehmlich   nur   einen 


'S)    175    '2) 

Cotentanz  geboten,  und  die  eine  dieser  JInzeigen  beschränkte  sieb  darauf, 
Ualvasors  Cotentanz  nur  als  eine  Dacbabmung,  wo  nicbt  gar  als  ein 
scbwacbes  Plagiat  von  Rolbeins  Cotentanz  hinzustellen  —  wo  hingegen 
es  erstens  nicht  richtig  ist,  was  in  letzterer  Behauptung  ausgesprochen 
wurde,  und  zweitens,  da(5  ganz  übersehen  wurden  die  beiden  von  üalvasor 
dem  Cotentanz  angehängten  Jlbteilungen  „von  den  verschiedenen  Codes- 
arten"  der  menschen  und  von  der  Pein  der  Uerdammten. 

Der  vollständige  Citel  von  Ualvasors  Cüerk  lautet:  Cheatrum  |  mortis 
humanae  |  tripartitum  |  I  Pars  Saltum  mortis  |  II  Pars  Uaria  genera  mortis  | 
III  Pars  Poenas  Damnatorum  continens.  |  5^iguris  aeneis  illustratum.  | 
Das  ist:  |  Schau-Bühne  |  de(5  menschlichen  Codts  in  drey  Cheil.  |  1  Cheil 
Der  Codten-Cantz,  2  Cheil  Underschidliche  Codts--0attungen  |  3  Cheil  Der 
Uerdambten  l)öllen--PeYn  vorstellend.  |  mit  schoenen  Kupffer--$tichen  geziehrt 
vnd  an  Cag  |  gegeben.  |  Durch  |  Ooannem  Cüeichardum  |  üalvasor  etc.  etc.  | 
Cum  facultate  Superiorum  et  Speciali  Privilegio  |  $ac.  Caes.  majest.  | 
6edrud<t  zu  Caybach  vnd  zu  finden  bey  3^^^^^^  Baptista  |  mayr  in 
Saltzburg,  J!nno  16$2. 

Das  dem  Citel  zur  Seite  gestellte  Kupferblatt,  das  von  üalvasor  selbst 
komponiert  erscheint,  stellt  eine  Jlpotheose  des  Codes  dar,  in  welcher  das 
durch  die  Grbsünde  aus  dem  Paradiese  gewiesene  erste  menschenpaar 
durch  den  in  vielerlei  Gestalten  repräsentierten  Cod  unter  Crompeten-  und 
Paukenschall  zu  den  aufgeschaufelten  Bestattungsgruben  geleitet  wird. 

Dem  Citelblatte  folgt  die  Guthei(5ung  des  (üerkes  durch  den  geistlidien 
Zensor  5r.  JInton  Cazari,  welcher,  Caibach  2.  Jlpril  16$2,  in  vier  Zeilen 
erklärt,  dafe  dasselbe  nichts  enthalte,  was  dem  orthodoxen  Glauben  und 
den  guten  Sitten  widersprechen  könnte,  woran  sich  dann  die  Jlpprobation 
für  den  Druck  des  Buches  reiht:  gegeben  Caibach,  7.  üpril  16S2,  durch  den 
0eneral--üicar  Cheologie-Doctor  5^ranz  Ooseph  ßarzaroll  ä  Garzarolshoffen. 

Jlus  (üagensperg,  24.  JTpril  16$2,  datiert  die  an  den  gelehrten  Bht 
von  St.  Paul  in  Kärnten  Jllbert  Reichardt  gerichtete  (üidmung  des  Heraus- 
gebers, des  5^reiherrn  von  üalvasor  in  lateinischer  Sprache,  welche  mit  den 
Cüorten  schliefet:  Cuo  igitur  Patrocinio  Cheatrum  hoc  mortis  instructum 
atque  firmatum  parens  evadet  faecundissima  Propheticorum  illorum  Chea- 
trorum  vbi  in  campis  et  pratis  inter  rosas  et  faeni  flores  extinctae  animae 
afflante  Domini  spiritu  reviviscant,  suam  haue  Jlnastasim  beatissimam  in 
acceptis  tibi  referentes,  vere  Patri  multarum  gentium.  Ita  opto  spero  et  supplico. 

Die  Einleitung  an  den  Eeser  (deutsch)  kündigt  vor  allem  an,  da(5  in 
diesem  ÜJerke  „keine  weltlichen  GrgötzlJchkeiten  begriffen  sind",  sondern 
nur  „aller  Grdwohner  letzter  5^eind,  der  dürrgerippte  Sensenmann". 


"&    176    'S 

Sodann  wird  der  Inhalt  der  drei  Abteilungen  kurz  charakterisiert. 

Hn  diese  Einleitung  schliefet  sieb  ein  lateinisches  Gedicht  und  ein 
lateinisches  üersspiel  von  Paul  Ritter  (üitezovich). 

I^ierauf  beginnen  sogleich  die  Zweigespräche  mit  dem  Code  (alle  in 
gebundener  Sprache,  lateinisch  und  deutsch). 

CUie  Samhaber  in  seiner  Besprechung  des  ersten  Ceiles  des  „Cheatrum 
mortis"  (auf  diesen  allein  sich  beschränkend)  ganz  richtig  bemerkt/^^ 
sind  die  deutschen  Uerse  Ualvasors,  eine  Uariation  der  lateinischen  Uerse 
darstellend,  sprachlich  zwar  oft  ungeschlacht  und  derb,  entschädigen  aber 
dafür  durch  ernste  Cüahrheit  und  heitern  Rumor  der  Gedanken. 

Den  Jlnfang  macht  das  Zweigespräch  des  nienschen  (im  allgemeinen) 
mit  dem  Code  (lateinisch  und  deutsch)  und  ihm  folgt,  nachdem  die  Gr-- 
schaffung  der  Cüelt  und  des  Hlenschen  sowie  der  Sündenfall  behandelt 
worden,  die  Unterredung  der  ersten  Gltern  mit  dem  Code;  der  Grzählung 
über  die  Erschaffung  der  Cüelt  und  des  menschen  ist  auch  die  erste 
Kupfertafel  beigegeben  (die  Erschaffung  der  Eva  aus  der  Rippe  Jldams 
darstellend);  nun  folgen  die  übrigen  Darstellungen  (alle  von  Kupfern 
begleitet):  der  Sündenfall,  die  üerjagung  aus  dem  Paradiese,  die  Jlllegorie 
der  fortgesetzten  männlichen  und  weiblichen  Jlrbeit  auf  Erden  und  der 
Reihe  nach  die  üorführung  all  der  dem  Code  geweihten  Gestalten  (Re- 
präsentanten aller  Stände  und  Berufe  mit  dem  Papste,  Kardinal,  Bischof, 
Jlbt,  Kanonikus,  Pfarrherrn,  Prediger,  mönch,  Äbtissin,  Klosterfrau,  Kaiser, 
König,  5ürst,  Graf  usw.,  beginnend  mit  den  5^rauengestalten,  dann  den 
Kindern  und  den  Personifikationen  der  Jugend  der  Criumphierenden, 
Christus  am  Kreuze,  mit  dem  Gebein  aller  menschen  [die  Gerippe  aller  als 
musikchor],  dem  jüngsten  Gericht  und  dem  Cüappen  des  Codes  schliefend). 

Jluf  der  letzten  Seite  des  ersten  Ceiles  steht:  Ende  des  Ersten  theils 
Jinno  MDCLXXXI. 

Stellt  sich  diese  erste  Jlbteilung  als  eine  ziemlich  genaue  Jlnlehnung 
an  l)olbeins  Cotentanz^^*  dar,  nur  ab  und  zu  sich  eine  Jlbweichung 
gestattend  --  es  erscheint  zum  Beispiel  hier  bei  üalvasor  in  die  Reihe 
der  Gestalten  auch  der  Bettler  aufgenommen,  der  ja  doch,  so  schlecht  es 
ihm  geht,  nicht  sterben  will  — ,  so  sind  die  beiden  weiteren  Abteilungen 
des  „Cheatrum  mortis"  in  Erfindung  und  Ausführung  originelle  Schöpfungen 


*'=»  Caibacher  Zeitung  1$$$,  Hr.  71,  p.  000. 

*'*  Unter  den  Dacbsticben  in  Kupfer  ersdieint  Ualvasors  Hacbsticb  zugleid)  mit 
Umbildung  der  €inzelbeiten  von  n^a^mann  in  seiner  Citeratur  der  Cotentänze  als  dritter 
der  Zeit  nad)  aufgeführt.  —  Serapeum,  1.  jabrg.  Haumann,  Ceipzig,  C.  0.  Cüeigel  1840, 
Hr.  16  ff.,  p.  243. 


;:.<'> 


-©    177    '& 

unseres  5^reiberrn,  beziebungsweise  seines  Rauskünstlers,  des  IDalers  Job.  . 
Kocb,  dessen  Dame  denn  aucb  auf  den  Bildeben  dieser  beiden  Jlbteilungen: 
„IL  Unterscbiedlicbe  Codts-Gattung"  und  „III.  Pein  der  üerdambten"  an- 
gegeben erscbeint;  die  Kupferstiebe  weisen  ab  und  zu  das  IDonogramm 
des  Kupferstecbers  JIndreas  Crost.  Ober--  und  unterbalb  der  Bildeben  — 
welcbe  in  allen  drei  Jlbteilungen  die  scbon  in  einem  vorigen  Jlbteil  dieses 
Bucbes*^^  bervorgebobenen,  fein  stilisierten  pflanzen--  und  tiersymboliscben 
Darstellungen  entbaltende  Umrabmungen  weisen  —  steben  gleicbwie  im 
ersten  Ceile  die  lateiniscben  und  deutseben  Zitate  aus  der  Beiligen  Scbrift. 

Die  zweite  Abteilung:  Unterscbiedlicbe  Codts- Gattung  umfa(5t  die 
Seiten  121  bis  192,  bat  das  eigene  Citelblatt  mit  der  O^breszabl  16$1  und 
es  zäblt  diese  Jlbteilung  im  ganzen  35  Codesarten,  und  zwar:  1.  Jlescbylus 
der  Poet,  2.  Cleopatra  die  Königin,  3.  JIrius  Jllexandrin,  4.  Saxenbauser 
Braut,   5.  Procopius  der  Cyrann,   6.  5^ürstlicbe  Beiscbläferin,  7.  Regulus  ^ 

Jlttilius,   $.  Polydamos,   9.  Seneca,  10.  Dirce,  11.  Portia,   12.  Scbnitter-  1 

Burst,*iß  13.  3acobus  Uojnitscb,  14.  Batto  der  Biscbof,  15.  Oppia  Uestalis,  1 

16.  Jlmpbiaräus  der  UJabrsager,  17.  Der  Crack  (Dracbe),  1$.  Perill,  19.  Der  ^ 

niaxentius,  20.  IDetius,  21.  Basilius,  11,  flgazo,  23.  König  Ceutebert, 
24.  Okbürcben  (Okotcbiana),  25.  Jlsclepiad,  26.  In  Bauten,"^  U,  Democles, 
2$.  3ordanus,  29.  Servius,  30.  Gyrsilus,  31.  Segniensis,  32.  Baubtmann,  5 

33.  mit  Becb  (Pecb),  34.  JIn  dem  Galgen  und  35.  Jluff  dem  Pfal.  t 

Dacbstebend  wollen  wir  zur  Cbarakteristik  der  die  Stiebe  begleitenden  _ 

deutseben  Uerse  einige  berausbeben;  diese  Uerse  sind,  wie  scbon  erwäbnt,  * 

Uariationen  der  darüber  gestellten  lateiniscben  Uerse,  deren  Cenor  mebr--  1 

facb  aus  den  alten  Klassikern,  aber  aucb  aus  Gbroniken  und  dem  Uolks-  % 

munde  (Kroatien  —  Ritters  einflu(5)  stammt. 


Saxenbauser*^^  Braut. 

Gin  Saxenbauser  Braut 

CUird  baimb  beglaidt  zum  IDann, 
Die  freund  vnebrbars  vil 

Zu  treiben  fiengen  an. 


415 
416 


Bei  Schilderung  von  Ualvasors  Passionsbücblein. 

Die  Burscbt  =  jeder  Herein  von   unverheirateten  oder  nicht  als  Rausväter  be» 
traditeten  mannspersonen.  $d)nieller,  Bayer.  IÜ.--B.,  I.,  p.  2$1. 
■**'  Sueton  in  Deron,  Kap.  3S. 
*^^  Saxenbausen  =  anderer  Cell  von  Frankfurt  a.  in. 

V.  Radic$,  Ualvasor.  12 


-©    17$    ^ 

Der  CUagen  brach  zur  Stund, 
Rat  fünft  der  freund  erdruckt, 

Die  Braut  auch  schwer  verwundt, 
Dem  Codt  kaum  war  endzuckt. 


Citius,  üb.  11,  p.  319. 


Jacob  US  üoynitsch. 

Z'war"^  üoynitsch  der  Crobath, 

Ist  g'west  sein  gantzes  Ceben, 
€in  wackerer  Soldat, 

Gin  rnörder  doch  darneben, 
Zwölff  Schlösser  er  au(5  l)a(5 

Gim  (einem)  Graffen  abgebrändt, 
Sein  Schwester  über  das 

Dem  Cürcken  in  die  l)ändt 
Uerkaufft  zum  Üenus-Brauch, 

Der  0raff*2o  stölt  heimlich  Cüacht, 
Die  ihn  in  kurtzem  auch 

Künstlich  ins  Hotz  gebracht: 
Die  Straff  sodann  war  dif) 

Jluffs  rnörders  Casterthatten, 
Gr  wardt  an  einem  Spi[5 

Cangsamb  beym  5eur  gebratten. 


Der  Crack.^^i 

Jlls  Chunsa*22  ^vard  |  belagert  hart, 
mit  5^eindes  IDacht  eing'spörret, 

Byrsener  Cand  |  mit  Raub  und  Brand 
Jiuch  damals  gantz  verhöret: 


In  Croatia. 


**»  Zc  war  =  in  lüabrbcit. 

^"^^  Das  Gcsidit  des  den  Befebl   erteilenden  Grafen  scheint  nacb  den  markant  ge- 
haltenen Zügen  ein  Porträt  zu  sein. 
*^'  Der  Dracbe. 
*"  Cunis. 


'S)    179    -2) 

Darvon  obng'febr  |  pflegt  in  das  lUcer 

Der  Pograd--5^1u(5*23  zu  scbwallen, 
Ine  iner  Cack*^^  |  ein  grof^er  Crack 

Zu  negst  dabey  tbet  stallen: 
Jlls  nun  die  Burst^^s  |  vor  grof^em  Durst 

ßedacbtem  51u(5  zuegangen, 
nian  keinen  mebr  |  zurück  ins  Beer 

J\n{j  ibnen  sab  gelangen: 
Dann  sie  gestrack  |  der  scbröcklicb  Crack 

M  unibgebracbt  vnd  g'fressen, 
0  tbeurer  Crunck,  |  nacb  mein  Bedunck 

Uerlaidt  er  wol  das  Gssen. 

B.  ßellius,  üb.  C,  cap.  3.^26 


JIgazo. 

ein  Obrist  Ceutscbes  Bluts, 

Jfgazo  gnant  von  Peeren, 
Uon  dem  al(5  (alles)  bö(5,  nicbts  guets 

lUar  liberal  zu  boren: 
Dann  (Denn)  Böll  und  Bimmel  er 

Gott  vnd  Codt  nur  verlacbte, 
Stainvöst  vor  allem  ß'wöbr/^^ 

Durcbs  Ceuffels  Kunst  sieb  macbte, 


^"^^  Badagradam.  bunc  fluvium  Plinius  naturalis  Ristoriae  libro  V.  in  Jffrica 
collocat  in  altero  sinu  iuxta  Uticam  urbeni  Catonis  mortc  cclcbrcni  flnnotationes  Pctri 
tnosellani  Protogensis  in  £lari$$inias  Jluli  ßelij  lloctcs  fltticas  goloniac  MDXXXIII. 
In  VI.  üb.,  cap.  III. 

*^*  In  einer  Cad)e. 

^'^  Burscht  =  Uerein  von  männern  (s.  $.  177,  Hnm.  416). 

*^^  B.  ßclüus  schreibt  in  seinen  Hoctivn  Btticarum,  üb.  VII  (vulgo  VI),  cap.  III: 
Ristoria  sumpta  est  ex  übris  Cuberonis  de  serpente  invisitatae  longitudinis.  Cubero 
berichtete,  dab  im  ersten  Panischen  Kriege  der  Konsul  Reguius  in  Afrika,  nachdem  er 
beim  Jlusse  Bagrad  ein  Cager  aufgeschlagen,  eine  grofK  und  scharfe  Schlacht  gegen 
eine  in  der  dortigen  Gegend  hausende  $cl)lange  von  bisher  ungesehener  ßröf^e  mit 
allen  Geschossen  geführt  und  das  erlegte  Cier  in  einer  Cänge  von  120  Juf^  nach 
Rom  ge$chid<t  habe.  Rertz,  flul.  Gelüus,  Doctium  Jltticarum  Cibri,  XX.  üolumen.  Prius 
Beroüni  1883. 

*^^  Uergleiche  üalvasors  persönliche  Bnsicht  über  diesen  Aberglauben  im  Abteil : 
Dalvasor  als  Krieger. 

12* 


<©    180    -2) 

Durch  der  Crobatben  ÜJütz 

CUar  gfangen  diser  Röcbten, 
}\\$  an  ibni  aber  ß'scbütz 

Und  Säbel  nichts  vermöchten, 
ßrueben  sie  disen  Cropff 

In  d'  Grden  bi(5  an  Kragen : 
Und  theten  ihm  den  Kopff 

mit  $tuck--Kugeln  zerschlagen. 

harsdörffer,  Der  grofK  $d)auplatz,  pars  2,  cap.  70. 


Okhürchen  (Okit Chiana). 

Doch  fünffinal  nicht  |  den  Cauff  verriebt 

Die  Sonn  mit  ihrem  CUagen, 
Da[5  sich  ein  Chat  |  z  Okhürchen  hat 

ßantz  seltzamb  zugetragen : 
Sein  rnagd  ein  niann/^s  |  gf^j^  in  Jlrgwobn, 

Eis  ob  sie  was  entragen, 
Ob  nun  die  Hlagd  |  solch  Chat  gewagt, 

Kan  ich  für  gwi(5  nicht  sagen: 
Doch  nahm  er  die  |  vnd  bunde  sie 

Im  CUinter  an  ein  Pfahle 
Hackend  vnd  blo(5  |  vnd  sie  bego(5 

rnit  CUasser  sovill  mahle. 
Bis  sie  zu  ey(5  |  auff  solche  CUei[5 

Grtödtet,  gantz  erfrohren, 
Da  gwit5  nicht  hat  |  sein  Praedicat 

Der  kalte  Codt  verlohren. 

In  Croatia. 
* 

Segniensis. 

Uor  Zengger  Statt  |  ein  Knab  sich  hat 

Gtwa(5  hinauf^  begeben 
Uierhundert  Schritt,  |  vil  weiter  nicht, 

Da  kostet  's  ihm  sein  Ceben. 


*"  €s  ist  d)araktcristiscb,  dab,  indem  in  der  !?abel  ein  mann  als  Strafender  hier 
erscheint,  der  Zeichner  auf  dem  Bildchen  ein  UJeib  mit  den  Zügen  einer  Xanthippe 
dargestellt  hat. 


-©      1$1      'S) 

€in  Schlangen  gro(5  |  gab  daber  scbof^ 

niit  zween  gar  langen  Scbwaiffen, 
erscbröcklicb  sebr  |  baumbt  sie  daber 

mit  ziscben  vnd  mit  Pfeiffen, 
Sie  sprang  in  ibn  |  mit  Ungestimm 

Und  gleicbsam  gantz  einscbnierte, 
Sie  truckt  ibn  sebr,  |  bi[5  immer  mebr, 

So  lang  er  sid)  nur  rübrte. 
€r  starb  dabin,  |  sein  niutter  ibn 

Zwar  bat  bernacb  gefunden, 
Jlber  —  scbon  todt,  |  erbarm  es  ßott, 

ßantz  voller  0ift  vnd  Cüunden. 

*  In  Dalmatia. 

Jluff  dem   Pfal. 

Die  gro(5  Zabl  |  der  Scbmertz  vnd  Qual, 

So  Codt  und  Ceben  bäuffen 
Uon  auf5  vnd  inn  |  kann  menscben  Sinn 

Zwar  niemals  gnug  begreiffen, 
mebr  immer  docb  |  der  menscben  nocb 

Ibr  ßrausambkeit  nacbgründet, 
mit  grol^em  51ei(3  |  vnd  neue  CUei(5 

Der  Pein  vndt  Codt  erfindet: 
Zu  diser  Zeit  |  man  gar  die  Ceutb, 

Uon  denen  man  kan  wissen, 
Da(5  sie  dem  5^eind  |  Uerrätber  seynd, 

J\n  g'spitzte  Pfäl  tbut  spissen: 
Da  gebt  der  Pfal  |  dem  manicbsmal 

Beim  Kopf  au(5,  dem  beym  0nücke, 
Dem  durcb  die  Seit,  |  der  stirbt  bey  Zeit 

Kan  's  balten  für  sein  Glücke. 

*  In  üngaria  et  Croatia. 

Die  Pfäblung,*29  ^jj^^^  grausame  Jlrt  der  Codesstrafe,  die  scbon  in 
den  Gesetzen  des  Rammurabis,  Königs  von  Babylon,  um  2250  v.  Cbr. 
im  153.  Jfrtikel :  „CUenn  jemandes  Gbefrau,  wegen  eines  andern,  ibren 
Gatten  bat  ermorden  lassen,   so   soll   man   sie   auf   den   Pfabl   stecken", 


*^^  Dr.  Siegmund  Sliassny,  Die  Pfäblung  eine  Yorni  der  Codesstrafe.  Kultur-  und 
recbtsbistoriscbe  Studie,  UJien,  Hlanzscbe  k.  u.  I<.  bof-Uerlags-  und  Universilätsbuch« 
bandlung  1903. 


enthalten  ist  und  in  Deutschland  im  13.  Jahrhundert  eingeführt  erscheint, 
war  in  Ungarn  von  den  Reitervölkern  übernommen  worden,  die  die  grof^en 
Ebenen  durchströmt  hatten.  l)ier  in  Ungarn  waren  es  die  Delikte  des 
Cotschlages  und  des  Rochverrates  (üerrates  an  den  5eind),  welche  namentlich 
für  die  Pfählung  gesetzt  waren. ^^^^ 

Die  5orni,  in  welcher  die  Pfählung  auf  dem  Bildchen  bei  Ualvasor 
dargestellt  ist,  entspricht  der  Schilderung  bei  l^esychius,*^^  welche  (in 
deutsche  Sprache  übertragen)  also  lautet:  „In  alter  Zeit  pfählte  man 
nämlich  die  Übeltäter,  indem  man  ein  Rolz  spitzte  und  durch  Rückgrat 
und  Rücken  trieb,  wie  die  tische,  die  auf  Bratspief^en  gebraten  werden." 

—  Über  dem  5euer  gebraten  mit  dem  Pfahl  im  Ceibe  wurde,  wie  oben 
erwähnt,  der  Kroate  Jacobus  üoynitsch. 

Der  dritte  teil  von  üalvasors  Cheatrum  ITlortis  stellt  die  „Undter-- 
schiedliche  Rollen -Peyn  der  üerdambten"  dar.  Gs  sind  31  Bildchen,  auf 
die  Seiten  193  bis  256  verteilt.  Die  5^orni  der  Behandlung  des  reichen 
mannigfaltigen  Stoffes  ist  eine  gleiche  wie  in  den  beiden  ersten  Abteilungen, 
links  die  lateinischen  und  deutschen  üerse,  rechts  die  Bildchen  mit  oben-- 
und  untengestellten  Zitaten  aus  der  heiligen  Schrift,  lateinisch  und  deutsch. 

Die  Bildchen  sind  auch  hier  (wie  in  II)  von  ]oh.  Koch  gezeichnet 
und  von  Jlndreas  Crost  in  Kupfer  gestochen,  die  Umrahmungen  die  gleichen 
wie  in  den  früheren  Abteilungen. 

Alleinherrscher  ist  der  Ceufel  in  seinem  demente,  dem  3^1ammenmeere, 
meist  verrichtet  er  sein  Amt,  die  Röllenpein,  allein,  öfters  hat  er  auch 
einen  Ceufelsgesellen  als  Reifer  zur  Seite. 

Die  Erscheinung  der  Ceufel  ist  in  den  verschiedensten  Ciergestalten, 
dann  auch  als  Ralbmensch  und  Ralbtier  dargestellt. 

Dem  an  einen  5^elsen  mit  Ketten  angeschmiedeten  5^1ucher  reifet  der 
Ceufel  in  nienschengestalt,  doch  mit  Bod^sbart,  Römern,  Krallen  an  den 
lüften,  ^ledermausflügeln  am  Rücken,  mit  einer  Zange  die  Zunge  aus,  um 
den  Unterleib  des  5^1uchers  sieht  man  eine  Schlange  sich  winden;  das 
Zweigespräch  zwischen  Ceufel  und  5^1ucher  lautet: 

Der  Ceufel : 
Den  Rimmel  du  angriffen  hast 
Und  6ott  sein  Ehr  gestohlen, 
Der  höllisch  Rachen  dich  nun  faf^t, 
Jetzt  pfeiff  auf  diesen  Kohlen. 

*"  Stiassny  1.  c,  p.  3Ö. 

"'  hesycbii  Jllexandrini,  Ccxicon.  Edit.  minor,  curavit.  mauritius  Schmidt,  Jena  1$67. 

—  Stiassny  I.  c,  p.  20  f. 


&    1$3    -2) 

Der  3^1uecber: 
0  Zimg,  auf  ewig  bist  verlobrn, 

Durch  dicb,  was  bab  icb  g'wunnen? 
Dicbts  als  die  ßöll  vnd  Gottes  Zorn, 
Das  beist  seyn  vnbesounen. 
* 

Der  Gbebrecber  erscheint  auf  dem  Rade,  auf  dem  Oberleibe  bockt 
eine  Kröte,  im  5^Iammenmeer  schwirren  durcheinander  auf  den  üerdammten 
berabzielend  ein  geflügelter  Drache,  der  l)öllenhund,  eine  ßexe  mit  dem 
Dreizack,  zu  oberst  eine  Uogelgestalt  mit  langem  Kopf  und  langem  Schnabel 
(alle  diese  Gestalten  sehr  en  miniature  gezeichnet). 

DerCeufel: 
JIvff  frembde  Häster  g'flogen  bist, 

Tn  disem  Beth  nun  raste. 
Die  Krott  dein  gifftiges  Bertz  zerfri(5t, 

Dach  frembden  fleisch  jetzt  faste. 

Der  Ghebrecher: 

Ghebruch,  o  grof^e  schwere  Sund, 

Bast  mir  all  Glieder  brochen  I 
ein  kurtze  5^reud,  so  schlecht  und  gschwind, 

Schau,  wie  sie  wird  gerochen. 

* 

Der  B  off  artige.  Der  Ceufel  hat  nienschengestalt  an  Ceib  und  Jlrmen, 
dazu  den  Kopf  mit  Saurüssel,  Bocksfüf^e,  Krallen,  blast  mit  einem  Blas-- 
balge  in  das  Gesäf^e  des  auf  einem  Steine  sitzenden  üerdammten,  im 
Hintergründe  das  lodernde  Flammenmeer. 

DerCeufel: 

Der  gar  zu  klein,  zu  gro(5  sein  will, 

Der  kann  nicht  lang  bestehen, 
Kombt  von  dem  Dunst  hinein  zu  vil, 

niut5  von  einander  gehen. 

DerRoffärtige: 
Di(5  meines  1)ochmuths  ist  die  Peyn, 

Da(5  ich  vor  Dampff  zerberste, 
Cüars  niemabl  werth,  bab  wollen  seyn 

Doch  überal  der  erste. 


"&     1$4     ® 

Der  Gif ersücbtige.  Zwei  Ceufel  ragen  als  I)albfi9uren  (bis  zum 
Scbamteil)  aus  dem  5^1ammenmeer,  beide  nienscbengestalten  mit  Bocksbart, 
l)örnern  und  5^ledermausflügeln.  In  einem  breiten,  im  Flammenmeere 
stehenden  Kessel  mit  geschwungenem  Dreifu(5  und  Ringen  als  l)andbaben 
ist  die  Gestalt  des  Uerdammten  aufrecht  bis  unter  den  Dabei  sichtbar,  die 
Jirme  ausgebreitet,  mit  heulendem  TDunde  (Jlusdruck  des  Schmerzes  über 
das  Gesottenwerden),  das  Raar  weit  nach  rückwärts  wallend,  so  dat^  man 
auf  eine  Frauensperson  schlie(5en  kann,  was  auch  der  Cext,  der  auf  IDann 
und  CUeib  pa(5t,  zulä[5t;  der  Ceufel  (rückwärts  links)  hält  an  den  Ceib  des 
oder  der  Uerdammten  einen  gebogenen  Gisenstab  (den  wir  uns  glühend 
vorstellen  müssen),  während  der  Ceufel  (rechts)  der  Gestalt  einen  (wohl 
gleichfalls  glühenden)  Dreizack  in  den  linken  J!rm  stö(5t. 

Der  Cext  lautet  hier  in  einem  Hlonologe  also: 

Der  Gy  ff  er  süchtige. 

Bey  Cag  und  Dacht  |  sich  mit  Uerdacht 

Die  Gyffersucht  stäts  quellet. 
Und  alle  Stund,  |  gantz  ohne  Grundt, 

Uil  falsche  ürtl  föllet. 
lUas  immer  gschicht,  |  das  kan  sie  nicht 

Jlls  nur  übel  ausdeuten, 
In  Gifft  verkhert,  |  wat^  sie  nur  hört, 

Für  Post  von  schlechten  Ceuthen. 
rDit  Jld)  vnd  ÜJehe  |  drumb  manche  Ghe 

CUird  gleich  der  f)öll  erfüllet. 
Das  Sacrament  |  der  Cieb  geschändt, 

CUeil  eins  stets  böt^  gewillet. 
Das  andre  doch  |  sein  Creue  noch 

Im  gringsten  nie  gebrochen. 
Solche  allhier  |  auf  ewig  wir 

Siedent  in  Kössel  kochen. 


In  dem  Dachlasse  unseres  edlen  Freiherrn  fand  sich  auch  „ein  (in) 
Grden  possirter  Codtentanz",  vielleicht  ein  ihm  nach  dem  erscheinen  seines 
„Cheatrum  FDortis"  von  irgend  einer  Seite  gewidmetes  „Souvenir". 


f. 


ValvasQTS  Kriegszug  gegen  die  Cörken  nach 

Steiermark  1683* 

a(5  Ualvasor,  wie  er  die  5^eder  wohl  zu  führen  verstanden,  auch 
mit  dem  Schwerte  wohl  umzugehen  wuf^te,  haben  wir  bereits 
in  einem  früheren  Jlbteil,  wo  von  seinen  ersten  UUaffengängen 
unter  dem  nachher  so  berühmt  gewordenen  Hiklas  6raf  Zrinyi 
Erwähnung  geschah,  hervorgehoben. 

Diese  seine  ersten  (Uaffengänge  hatten  dem  Crbfeinde  der  Christen-- 
heit,  dem  lästigen  Bedränger  auch  seiner  geliebten  Reimat  Krain  gegolten. 

Und  es  war  eine  vorzügliche  „Kriegsschule",  die  unser  edle  5^reiherr 
unter   dem   nachherigen  ßeldenführer  von  Sziget  durchgemacht  hatte. 

Hoch  in  späteren  fahren  war  er  voll  Begeisterung,  wenn  er  an  diese 
schönen,  herrlichen  Cage  seiner  „Parteigänge"  an  der  Seite  des  auch  von 
ihm  so  hochgefeierten  Kriegshelden  sich  erinnerte. 

Und  in  keine  geringe  Jlufregung  kam  Ualvasor,  wenn  man  wie  im 
allgemeinen  heldenmütigen  Kämpfern  und  glücklichen  Siegern  an  der 
Spitze  kleiner  Scharen  gegenüber  mächtigen  Gegnern,  so  auch  seinem 
Jlnführer  bei  den  ersten  ÖJaffengängen,  dem  Grafen  Diklas  Zrinyi  (Serin) 
im  Jlberglauben  der  Zeit  es  andichtete,  da[5  auch  dieser  sich  und  die 
Seinen  „stich-  und  hiebfest"  zu  machen  pflege. 

Gs  ist  gewi(5  interessant  und  für  unseres  Kriegers  Ualvasor  freieren 
Blick  bezeichnend,  wie  er  sich  zu  diesem  Aberglauben  vom  „Stich--  und 
Riebfestmachen"  der  Soldaten  und  ihrer  5^ührer  persönlich  gestellt. 

er  drückt  sich  diesbezüglich  gegenüber  einer  Jlnmerkung  seines  im 
Jlberglauben  der  tage  weitaus  mehr  als  er  befangen  gewesenen  mit-- 
arbeiters  Grasmus  Jrancisci  in  der  „Ghre  Krains"  ziemlich  ausführlich  mit 
nachstehenden  CUorten  aus:*^^ 

„Dun  ist  nicht  ohn,  da(5  man  zwar  von  vielen  Soldaten,  Officieren, 
Obersten  und  Generalen  dergleichen  oft  redet,  nemlich,  da(5  sie,  wenn 
es  zu  einem  treffen  kommen  oder  man  sonst  auf  Parthey  ^^^  gehen  soll, 

"^  Ualvasor,  Gbrc  des  hcrzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  100. 
''^^  einen  Streifzug  (gegen  die  Cürken)  unternebtnen. 


^    186    ® 

sowol  ihre  Soldaten  als  sieb  selbsten  fest  maeben.  Dem  Grafen  Diclas 
Zerin  bat  man  dergleicben  nacbgesagt.  leb  weif^  aber,  da[>  solebes  falscb, 
denn  icb  bin  selber  offt  mit  ibm  gewest  in  unterscbiedlicben  Occasionen 
wider  den  Grbfeind.  üon  meinem  Rittmeister  unter  den  Cesta-Piccolcmini- 
scben  Regiment,  JIdam  von  Hlbendorff,  bat  man  solebes  aucb  ausgestreut, 
leb  bin  aber  versicbert,  daf^  diesem  bieran  ebenso  Unrecbt  gescbiecbt  und 
er  von  der  besten  ebensowenig  gebabt  als  der  Grste  (Zrinyi),  aueb  andere 
Ceute  sowenig,  als  sieb  selbsten  unverletzlieb  gemacbt.  Ibr  friseber  Hlutb 
und  sonderbare  (ganz  besondere)  l)erzbaftigkeit  batten  alle  Zeit  das 
Glück  und  Jlusbelfferin.  Ibr  Rerz  wu(5te  nicbt,  was  5^urcbt  wäre  und  scbeute 
keinen  5eind.  Cüann  der  Jeind  nicbt  wutMe,  wie  stark  man  an  Uolk 
wäre,  so  gieng  der  Serini  allzeit  binein,  wie  ein  Blitz.  Solcber  ungescbeuter 
und  tapfferer  Uorgang  und  Jlnsatz  des  Generals  und  Obersten  zündete 
die  andere  Officiers  und  gemaine  Soldaten  an  zu  mutigem  Dacbsatz. 
Cüann  ein  solcber  kübner  f)eld  dann  mit  viel  kleinerm  l^auffen  einen  viel 
gröfieren  trennt  und  scbläget,  so  sagt  man,  er  babe  sieb  und  andre 
fest  gemacbt." 

Dieser  für  üalvasors  tapfern  Sinn  gleicbwie  für  seinen  aufgeklärten 
Geist  gleicb  scbönes  Zeugnis  abgebenden  fluf^rung  entnebmen  wir  zugleicb, 
dal5  unser  Ireiberr  aucb  unter  dem  Rittmeister  JIdam  von  Jllbendorff  des 
Cesta--Piccoloniiniscben  Regimentes  gedient  babe,  sowie  wir  an  einer  an- 
dern Stelle  des  Hauptwerkes"*  von  seiner  [)and  bemerkt  finden,  da(5  er 
in  5^rankreicb  in  einem  Scbweizer=Regiment  gestanden,  wo  „zwei  alte 
Soldaten,  ein  Resse  von  Geburt  und  ein  Polack  adeligen  Gescblecbtes", 
„gute  0ameraden  gewesen,  wiewol  nicbt  durcbgebends  in  guten  Sacben", 
und  deren  der  eine,  der  Polack,  der  in  seiner  Jugend  studiert,  nacbmals 
sieb  auf  unter^biedlicbe  Ceufelskünste  gelegt,  über  welcbe  sieb  nun  (was 
weiter  nicbt  bieber  gebort)  üalvasor  mit  [)umor  binwegsetzt. 

Seine  militärisebe  Uorscbule  batte  unserm  edlen  5^reiberrn,  als  er  von 
seinen  Reisen  und  flufentbalten  im  Jluslande  beimgekebrt  war  und  nun 
als  Scblo[5berr  auf  lüagensberg  sa(5,  seitens  der  krainiscben  Candsebaft 
die  Stelle  eines  besoldeten  Uiertelbauptmannes  über  einen  teil  des  in 
Kriegszeiten  zum  Jlufgebot  gelangenden  landscbaftlicben  „5u(5Volkes",  und 
zwar  über  das  5^u(3Volk  im  unteren  Uiertel  (Unterkrain),  eingetragen. 

In  Krain,  Steiermark"-^  und  Kärnten  batte  sieb  nämlicb  wäbrend  der 
jabrbundertelangen   Gpocbe   der   Cürkeneinfälle  und    „Cürkengefabr"    eine 

*"  Üalvasor,  Gbrc  des  Rerzogtums  Krain,  III.  (XI.),  p.  75. 
*^^  Über  die  flusrüstung  der  „landschaftlichen  tHiliz"  bietet   das  noch  beute  voll- 
kommen   intakt    erhaltene    landschaftliche    Zeugbaus    der    steiermärkischen    Candscbaft 


'S    \$7    "& 

eigene  „landscbaftlicbe  miliz**  herangebildet,  „ritterliche  Compagnien" 
zu  Pferd  —  das  waren  die  sogenannten  „ständischen  ßültpferde",  der 
aus  dem  IDittelalter  noch  erhaltene  Zuzug  des  üdels  mit  seinen  Reisigen, 
—  und  das  „Hufgebot  des  gemeinen  Hlannes",  wobei  je  nach  Bedarf 
der  10.,  20.,  30.  oder  auch  nur  50.  Itlann  unter  die  CUaffen  gerufen  wurde, 
über  ihr  Aufgebot  oder  3^u(5Volk,  das  die  krainische  Candschaft,  entsprechend 
der  damaligen  Ginteilung  des  Candes  in  fünf  Celle:  Ober--,  Unter-,  mittel-- 
und  Innerkrain,  dann  Istrien,  in  fünf  Abteilungen  geteilt,  setzte  sie  dem-- 
gemä(5  auch  fünf  üiertelhauptleute,  „doch  wurden"  —  wie  Ualvasor  es 
ausdrücklich  bezeugt  —  „nur  diese  sammt  ihren  Unterofficieren  und  die 
prima  plana  nebst  den  Crummelschlägern  und  5eldpfeifern  jährlich  be-- 
soldet"^^^•  der  „gemeine  Hlann"  aber,  der  in  den  CUaffen  wohl  geübt  sein 
mu(5te  und  nach  dem  jeweiligen  „Appell"  unverzüglich  an  dem  Orte  der 
„rnusterung"  einzutreffen  hatte,  leistete  den  Kriegsdienst  einfach  gegen 
Reichung  des  Cebensunterhaltes,  der  aus  der  landschaftlichen  Kasse  be= 
stritten  wurde. 

Das  grofee  Kriegsjahr  1683,  welches  den  Erbfeind  der  Christenheit, 
den  Cürken,  zur  zweiten  Belagerung  (Uiens  vor  die  Core  der  l)aupt--  und 
Residenzstadt  geführt,  versetzte  bereits  im  Mhsommer  die  benachbarte 
Steiermark  in  nicht  geringe  Unruhe,  da  die  Batthyänyschen  und  türkischen 
Scharen   aus  Ungarn  her  die  Ostgrenze  dieses  Hachbarlandes  bedrohten. 

Schon  am  11.  Juli  trifft  „im  tagenden  Ausschusse"  der  krainischen 
Candschaft  eine  „Staffeta"  der  Steirer  ein,  worin  sie  um  Bilfe  gegen 
den  über  Raab  erfolgten  Ginfall  der  Cürken  ersuchen. ^^^ 

Diese  „Stalfeta"  beschäftigt  nun  die  Ferren  krainischen  Uerordneten 
durch  mehrere  Cage  nacheinander  und  wird  in  den  betreffenden  Sitzungen 
02.,  14.,  16.  Juli)  lebhaft  über  die  Ausrüstung,  niontur,  Geld,  Bezugs» 
quellen  debattiert;  da  am  16.  Juli  ein  neuerliches  Schreiben  der  steirischen 
Candschaft  eingetroffen,  wird  einerseits  beschlossen,  den  Steirern  mitzuteilen. 


im  Candbause  zu  Graz  (in  der  hcrrengasse)  ein  imposantes  und  höchst  instrul<tives 
Bild  —  eine  kulturgescbid)tlid)e  Sehenswürdigkeit  ersten  Ranges  — ;  aniäf^lich  der 
Jliierböchsten  Kaiserreise  zum  600  jährigen  Jubiläum  der  Zugehörigkeit  der  Steiermark 
und  Krains  zum  €rzbause  Rabsburg  l$$3  bildete  ein  historisch  ausgerüstetes  Jähnlein 
solcher  steiermärkischen  IHiliz  die  Gbrenwache  vor  der  Industriehalle  und  wurde  von 
Seiner  majestät  unserm  allergnädigsten  Kaiser  und  herrn  Iranz  Josef  I.  unter  Bezeigung 
des  flllerhöcl)$ten  UJohlgefallens  besichtigt,  gleicl)wie  der  IDonarch  auch  beim  Besuche 
des  Zeughauses  für  dessen  €inrichtung  sich  eingehendst  zu  interessieren  geruhte. 

^^^  Ualvasor,  ehre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (X.),  p.  6. 

^^^  Uerordnetenprotokoll  Ilr.  32,  landschaftliches  Archiv  in  Caibach.  —  Candschaft- 
liches  niuseum  Rudolfinum. 


'&      \%%      'S) 

dat5  man  der  einbeiniiscben  Gefahr  wegen  sieb  vorsehen  müsse,  anderseits 
aber  wird  wegen  der  Ausrüstung  des  30,  niannes  gehandelt;  es  wird 
das  bezügliche  Patent  beschlossen,  dann  die  „Citation"  der  I)auptleute 
bei  Uerlierung  ihres  Dienstes  sowie  die  Uorsorge  zur  üerhütung  eines 
jähen  Ginfalles  in  Krain  durch  Kroatien  her. 

Im  Sinne  der  längst  gewährleisteten  Gegenseitigkeit  des  landschaftlichen 
Dreibundes  von  Steiermark,  Kärnten  und  Krain  wird  nach  den  durchgeführten 
Debatten  der  krainischen  Rerren  Stände  die  Jlbsendung  einer  l)ilfstruppe  aus 
Krain  nach  Steiermark  beschlossen  und  schon  am  6.  Jlugust  sehen  wir 
diese  l)ilfstruppe,  400  Hlann  stark,  aus  dem  „Jlufgebote  des  gemeinen 
niannes"  gebildet,  wohl  ausgerüstet  und  unter  dem  Oberkommando  des 
Zweitältesten  landschaftlichen  [)auptmannes,  unseres  3<5^^""  Cüeikhard 
5reiherrn  von  Ualvasor  stehend,  auf  dem  Caibacher  niusterungsfelde  unter-- 
halb  des  Schlosses  ünterturn  (Civoli)  —  auf  der  lUiese  nächst  der  heutigen 
Cattermannsallee  in  der  Richtung  gegen  das  sogenannte  Coliseum  —  zum 
Jluszuge  gegen  den  5eind  unter  zwei  5^ahnen,  blau  und  gelb,  versammelt. 

Bm  7.  Jlugust,  um  2  Uhr  nachmittags,  verliefe  dieser  „Sukkurs"  nach 
üalvasors  eigener  Jlufzeichnung  *^^  in  aller  €ile  die  Stadt  Caibach  und 
setzte  eilends  den  IDarsch  über  5^ranz  fort  bis  (Uildon  unterhalb  Graz. 

üon  ÜJildon,  17.  Jlugust,  richtete  Oberkommandant  Freiherr  von  Ualvasor 
an  die  krainische  Landschaft  seine  Hleldung  über  die  bisherigen  Uorkomm> 
nisse. 

Da  dieses  Schreiben  zu  seiner  Charakterisierung  als  Befehlshaber  von 
Cüichtigkeit,  lasse  ich  dasselbe  hier  wörtlich  folgen. 

Gs  lautet: 

€uer  Gnaden 

Rochwürdig,  hoch--  vnd  wollgeborne  l)errn  l)errn  D.  Präsident  und 
Uerordnete  in  Grain  meine  gnedige  vnd  gebietende  Rerrn  l)errn  etc.  etc. 

Hebem  Ginem  allezeit  gehorsamben  vnd  vndterthänigen  befelch  (Gmpfeh= 
lung)  bericht  gehorsamst,  da(5  wir  den  15.  dits  glücklich  hieher  auf  Cüildon 
gekhumen,  der  [)err  I^aubtmann  Portner  zu  Caimitz  (Ceibnitz)  mit  50  mann 
vnd  mit  50  mann  lieg  ich  hier  zu  Cüildon  und  die  andern  mein  Soldaten 
seind  bis  5^eldkirchen  bey  Graz  einquartiert,  des  andern  Rerrn  I)aubtmann 
aber  bey  Caimitz  herum.  Bin  also  gestern  (16.)  auf  Graz  zu  ihr  Gxc. 
I)errn  Candtsbaupimann  gangen  vnd  mich  representirt,  von  welchem  ich  mit 
allen  Ehren  bin  empfangen  worden,  und  sich  recht  erfreut,  da[5  wir  an= 
kbumen  seyn,    auch   meiner   und   des  Rerrn  Grafen  5^elix  von  Churn  an 


Ualvasor,  Gbre  des  Rcrzogtums  Krain,  IV.  (XV.),  p.  604  f. 


'S)    |$9    'S) 

seyfriediscben  Commissari*^^  zu  ITlarburg  correction  gutgebei(5en,  welcher 
commissari  zwar  unwürdiger  Commissari  vns  nicht  recht,  wie  sich  gebührt, 
empfangen,  also  haben  wir  nicht  weniger  thun  können,  als  ihm  eine 
Correction  zu  geben.  Sobald  ich  auf  0räz  khumen  bin,  so  schickt  der 
general  Graf  von  Strassoldo  also  zu  mir  vnd  begert,  ich  sollt  ihm  die 
Roll  (niusterrolle,  Uerzeichnis  der  unter  Ualvasors  Kommando  stehenden 
Cruppe)  der  Uölkher  (des  5^u(3VOlkes)  geben  vnd  zu  ihm  auf  Graz  zu-- 
marschiren,  so  hab  ihm  geantwortet,  da(5  ich  die  Roll  der  Uölkher  weder 
ihme  noch  keinem  andern  gebe,  weilen  (es)  landschaftliche  völkher  wären 
vnd  auch  von  der  löblichen  Candtschafft  vnterhalten  werden ;  zu  ihme  auf 
0räz  zu  marschiren  derzeit  erkhenne  ich  ihme  für  meinen  Generalen  nod) 
nicht  (an),  sundern  erkhenne  allein  Ihre  €xc.  den  Candeshaubtmann  vnd 
die  Cöbl  Candstände  in  Steyer,  werden  sy  mich  aber  vndter  des  Generalen 
sein  Kommando  geben,  alsdann  werde  ich  ihme  in  allem  gehorsamen, 
als  sich  einem  rechtschaffenen  Soldaten  gebuert,  bin  hernacher  ungefochten 
(unangefochten)  verblieben;  wie  ich  die  Cöbl.  Stände  des  Generalen  begern 
vnd  meine  darauf  gegebene  antwort  referirt,  hats  ihnen  wolgefallen,  weil 
sie  durchaus  nicht  wollen,  daf^  er  mit  Candtschafftlichen  Uölkhern  im 
geringsten  was  zu  commandiren  hätte;  also  erwarte  stündlich  Ordre  von 
€iner  Cöbl.  Candtschafft  in  Steyer,  ob  wir  also  einquartierter  sollten  ver- 
bleiben oder  sollten  wir  anderwertig  hin  verlegt  werden. 

Olildon  den  17.  Jlugust  ^,-^^1^  vzrhhihz 

€uer  Bochwürden  vnd  meinen  gnädigen  vnd 
gebietenden    Rerrn    trey    Dienstgehorsamster 

Johann  CUeikhard  Ualvasor  m/p. 
Baubtmann.**^ 

Ualvasor  lag  dann  mit  seinen  Ceuten  so  lange  auf  dem  Grazer  JzW  still, 
bis  er  von  der  steirischen  Candschaft  die  Ordre  erhielt,  gegen  ^ürstenfeld 
zu  ziehen  und  Radkersburg  nebst  etlichen  andern  um  5^ürstenfeld  liegenden 
Sd)lössern  von  den  feinden  —  den  Batthyänyschen  Scharen  und  den 
Cürken  —  zu  entsetzen. 

nachdem  er  seine  Unterkommandanten  und  Chargen  mit  gröf^eren  und 
kleineren  Jlbteilungen  an  verschiedene,  am  ärgsten  bedrohte  Punkte,  nach 
Burgau  (175  Hlann),  Deudau,  ßohenbruck  (30  mann),  Kapfenstein  usw., 


^'^  Seifried  von  ebrenfried,  Kriegskommissär.  (Siebe  weiter  unten.) 

""•^  Candscbaftlicbes  JIrcbiv  in  Caibacb,  Akten  ex  1683.  -     Candscbaftiicbes  museutn 


Rudoifinum. 


'S)     IQO     -2) 

detachiert  hatte,  zog  er  selbst  mit  100  niann  auf  die  Stadt  5ürsten- 
feld  los,  wo  er  am  24.  Jlugust  um  2  Uhr  nachmittags  anlangte,  eben  in 
dem  Jlugenblicke,  als  die  bisher  hier  gelegenen  kaiserlichen  Truppen  im 
Jlufbruch,  hingegen  die  JIufständi$d)en  und  Cürken  auf  diesen  Ort  im 
Jlnzug  begriffen  waren. 

es  kann  hier  nicht  der  Ort  sein,  die  Details  in  dem  Fortgänge  dieser 
Hilfsaktion  des  krainischen  Sukkurses  darzulegen,  man  findet  dieselben 
in  des  Jreiherrn  l)auptwerke  unter  den  „jahrgeschichten"  genau  ver-- 
zeichnet,**'  doch  dies  eine  mag  betont  sein,  da(5  auch  hier  wieder  Ualvasors 
Bescheidenheit  unter  möglichster  Zurückstellung  der  eigenen  üerdienste 
im  6egenhalte  zur  l)ervorhebung  fremder  Leistungen  in  glänzendstem 
Eichte  erscheint. 

€r  spendet  gleich  hohes  Cob  dem  vor  5^ürstenfeld  anwesenden  Grafen 
Karl  $erau,**2  Obersten  über  ein  Dragonerregiment,  sowie  dem  Oberst-- 
leutnant  Grafen  Dietrichstein,  welcher  das  metternichsche  Kürassierregiment 
befehligte,  dann  dem  Leutnant  Grafen  Schallenberg,  der  durch  einen  Schu(5 
in  den  niund  arg  verwundet  worden,  und  weiters  dem  am  2.  September 
zur  !)ilfe  herbeigekommenen  ^reiherrn  von  Stadel,  Obersten  der  steirischen 
Landschaft,  dem  Grafen  Crautmannsdorff,  Uizegeneral  an  den  windischen 
Grenzen,  und  dem  Grafen  Churn,  Kroatenobersten  aus  der  Grenzfeste 
Ivanic,  „mit  denen"  —  wie  er  in  vollbefriedigster  Grinnerung  hervorhebt 

—  „ich  offt  wider  den  5^eind  einen  Partheigang  gethan".  „Als  es  aber** 

—  so  schliefet  üalvasor,  sein  eigenes  l)auptverdienst  an  dem  Cüohlgelingen 
der  ganzen  Jlktion  in  die  dürrsten  lUorte  zusammendrängend  —  „das 
Jlnsehen  gewonnen,  die  Rebellen  würden  von  Pinkafeld  die  Stadt  I)artberg 
angehen,  bin  ich  sowol  mit  meinen  bei  mir  habenden  100  als  mit  denen 
zu  Radkersburg  gelegenen  100  ITlännern  den  15.  September  auf  Rartberg 
gerückt  und  allda  so  lange  verharrt,  bis  obgedachter  Graf  Batthyäny  sich 
eines  bessern  besonnen  und  wieder  an  seinen  rechten  l)errn  und  König, 
nämlich  an  die  Römisch-Rayserliche  Majestät  ergeben  vnd  gut  Kayserlich 
hernach  erwiesen.** 

J^uf  diese  Rückkehr  Batthyänys  zum  Gehorsam,  auf  die  Befreiung 
Cüiens  von  den  Cürken,  ferner  darauf,  da(5  Steiermark  in  keiner  Gefahr 
mehr  schwebte,  da(5  die  Pflichtfrist  von  drei  lHonaten  zu  gegenseitiger 
l)ilfe  der  Landschaften  bereits  verstrichen  war,  sowie  auch  darauf,  da(5 
eine   gröf^ere  JInzahl  des  krainischen  Jlufgebotes  erkrankt  war,  fa(5te  die 


**'  üalvasor,  ehre  des  Rerzogtums  Krain,  IV.  (XV.),  p.  604  ff. 
"*  Saurau. 


'&     101     "& 

krainiscbe  Candscbaft  ihr  unterm  2.  Oktober  an  die  steiriscbe  Candscbaft 
gericbtetes  Jlnsucben,  da(5  es  ibr  gestattet  sein  möge,  ibren  „Sukkurs"  aus 
der  Steiermark  zurückzuberufen.**^ 

Em  11  Oktober  ricbtet  die  krainiscbe  Candscbaft  die  Uerordnung  an 
Ualvasor  und  seinen  ünterbauptmann  Portner,  da(3  sie  bei  nunmebr  er-- 
loscbener  5^eindesgefabr  am  20.  desselben  IDonates  den  Zurückweg  nebmen 
sollen,  welcben  Befebl  „Oberbauptmann"  Ualvasor,  der  infolge  Ordre  der 
steiriscben  Candscbaft  an  eben  dem  20.  von  seinem  letztgenannten  Stand- 
orte ßartberg  aufgebrocben  und  in  Graz  am  21.  angelangt  war,  bier  in 
der  steiriscben  Candesbauptstadt  empfing  und  „geborsamst"  dabin  beant- 
wortete, da(5  er  seinen  weitern  IDarscb  derart  einricbten  werde,  „um  unfebl-- 
barlicb  am  2S.  bujus  auf  5^ranz  im  Dacbtquartier  anzulangen".*** 

In  6[raz  war  ibm  und  den  Seinen  ein  festlicber  Gmpfang  bereitet  worden, 
wobei  sie  von  selten  der  steirisd)en  Candscbaft  mit  ansebnlicben  Denk-- 
zeicben  beebrt  wurden.  Ualvasor  selbst  erbielt  in  einem  grünen,  mit  dem 
Candeswappen  der  Steiermark  in  0old  gestickten  Beutel  „als  güldenes 
Eingeweide  etlicbe  Stücke  zebnfacber  biezu  insonderbeit  geprägter  Ducaten", 
Hauptmann  Portner  einen  Beutel  mit  „etlicben  sonderbaren  51ei(5es  neu-- 
gescblagenen  Cbalern",  desgleicben  erbielten  die  5^äbnricl)e  und  jeder  der 
Unteroffiziere  ein  entsprecbendes  Andenken.  CUas  jedocb  unsere  Krainer 
bei  dieser  €brung  doppeltfreudig  berübrt  baben  mag,  war  der  Umstand, 
da(5  diese  Jlndenken  an  den  glücklieb  und  rübmlicb  vollbracbten  Kriegszug 
ibnen  aus  den  l)änden  eines  Candsmannes,  des  damaligen  (Uerordneten--) 
Präsidenten  in  der  Steiermark  Rerbard  6rafen  Jluersperg,  zukamen,  welcber 
bervorragende  Patriot  sieb  aucb  unterm  25.  September  erbötig  erklärt  batte, 
die  Kosten  von  206$  fl.  für  die  400  mann  des  krainiscben  Sukkurses 
der  krainiscben  Candscbaft  vorzustrecken.**^ 

Die  endlicbe  Reimkebr  des  krainiscben  l)ilfskorps  erfolgte  dann  am 
1.  Hovember  1683. 

(Uie  scbon  aus  dem  oben  wiedergegebenen  Scbreiben  Ualvasors,  das 
er  an  die  krainiscbe  Candscbaft  aus  CUildon  gericbtet  batte,  erbellt,  bat 
er  seinen  Standpunkt  als  Oberkommandant  des  krainiscben  „Sukkurses" 
gleicb  bei  Beginn  der  Jlktion  fest  wabrgenommen  und  aucb  fernerbin 
ebenso  gewabrt,  wie  er  sieb  überbaupt  kein  Dabetreten  in  irgend  einer 
Ricbtung  gefallen  liet^;  Beleg  dafür  mebrere  in  den  landscbaftlicben  Jlrcbiven 

*"  nach  Jlkten   des  landscbaftlicben  flrcbivs  in   Caibacb.   JInton   Koblar,  Izvestja 
muzejskega  dru§tva  za  Kranjsko  1893,  p.  231. 
"^^  Akten  der  krainiscben  Candscbaft  I.  c. 
*^^  üerordnetenprotokoll  Dr.  32,  fol.  401  b. 


'S)    102    '© 

von  Graz  und  Caibacb  bewahrte  anzeigen  von  ibtn  und  gegen  ihn  aus 
den  Cagen  dieses  seines  Kriegszuges. 

I)atte  er  sein  JInseben  als  Rubrer  des  l)ilfskorps  aucb  unterm  21 ,  Hugust 
„wegen  des  üortrittes  vor  einem  Ceutnant"  und  „wegen  des  Ungeborsambs, 
so  ibm  die  Burger  von  ^ürstenfeld  in  £ommandosacben  erzeuget",  aufs 
beste  zu  wabren  verstanden,**^  so  wu(5te  er  sieb  aucb  in  anderen  Fällen 
und,  wo  Cüorte  nicbt  mebr  fruchteten,  durch  die  Cat  den  gehörigen  Re- 
spekt zu  verschaffen,  in  letzterer  5orm  bei  einem  Unterkriegskommissarius, 
dem  gegenüber  er  —  die  rauheren  Kriegssitten  seiner  Cage  mögen  ihn 
entschuldigen  —  sogar  handgreiflich  geworden  sein,  den  er  mit  Schlägen 
traktiert  haben  soll/*^  Gine  Jlufklärung  in  dieser  Richtung  enthält  das 
Registraturbuch  der  steirischen  Landschaft  zum  13.  Dovember  und  29.  De- 
zember.**^ Unter  ersterem  Datum  finden  wir  nämlich  ein  Dekret  an  den 
Propst  von  Pöllau  und  an  den  Grafen  Johann  JIdam  Saurau,  beide  Uer-- 
ordnete  der  steirischen  Candschaft,  „sowol  die  zwischen  Rerrn  Ferdinand 
Philipp  Grafen  Cburn  und  Rerrn  Seifrid  von  Chrenfried  Gommissarius  ent- 
standenen gefährlichen  Differenzen,  als  die  von  Rerrn  Seifrid  wider  die 
crainerische  Dation  (Rerrn  ßaubtmann  üalvasor)  ausgegossenen  Injurien 
zu  vernehmen,  vermitteln  und  darüber  zu  berichten",  und  unterm  29.  De-- 
zember  werden  seitens  der  steirischen  Candschaft  „die  crainischen  Uer-- 
ordneten"  ersucht,  dem  Rerrn  üalvasor  die  Seifridsche  Beschwerde  (wegen 
der  Schläge?)  vorzuhalten  und  die  Rechtfertigung  üalvasors  einzusenden, 
damit  sie  I)errn  Seifrid  „zu  fernerer  Direction  communicirt  werden  kann", 
d.  h.  da(5  sich  Rerr  Seifrid  fernerhin  hüten  sollte,  gegen  die  freundnach* 
barliche  Dation  „Injurien  auszugief^en". 

Seinen  Untergebenen  war  aber  üalvasor  der  beste  Rerr,  wie  dies  aus 
allen  diesen  Kriegszug  betreffenden  Jlkten  und  Relationen  hervorgeht. 

Dach  Beendigung  dieses  seines  Zuges  gegen  die  Cürken  erhielten  die 
unter  seinem  Kommando  Gestandenen  auf  Jinlangen  einen  gedruckten 
„abschied",  eine  Jlrt  Zeugnis  über  die  geleisteten  Kriegsdienste.  Gin  Zufall 
hat  uns  einen  derartigen  vom  Oberkommandanten  ausgestellten  und  mit 
seinem  Siegel  versebenen  „Jlbschied"  erbalten.  Ihm  übriggebliebene,  nicht  in 
Benützung  gekommene  5^ormulare  für  solch  ein  Zeugnis  verwendete  nämlich 
der  Gelehrte  üalvasor  später  auf  deren  Rückseite  zu  Probeabzügen  der  lllustra= 
tionen  zur  „Ehre  Krains"  und  so  befinden  sich  derartige  Probeabzüge  mit  dem 
besagten  Jlbscbiedsformular  in  der  Bibliothek  der  „Royal  Society"  in  London, 

*"  Steiriscbcs  Candcsarcbiv.  Krg.  1679  -16$3,  fol.  236. 

"^  Uerordtietenprotokoll  Hr.  32,  landscbaftlicbcs  JIrcl)iv  in  Caibad). 


448 


Steicrmärkiscbcs  Cande$ard)iv  in  Graz. 


-g)    193    'S) 

WO  icb  denn  auch  den  Cüortlaut  eines  solchen  Zeugnisses  des  Hauptmannes 
Ualvasor  für  seine  Kriegsmannen  zu  kopieren  in  der  Cage  war/*^ 

Sold)  ein  Zeugnis  lautete: 

„leb  Jobann  CUeicbart  Ualvasor  5^reyberr  zu  6allnegg  und  Heudorff,  | 
Herr  zu  lUagensperg  und  Ciecbtenberg,  einer  Cöbl.  Candtscbafft  in  Crain  | 
bestellter  ßaubtmann  im  vntern  Uiertl  und  Oberbaubtmann  vnd  Comman-- 
dant  der  zum  Hacbbarlicben  Succurs  von  den  Cöbl.  Candt-Ständten  in 
Crain:  in  das  Rerzogtbumb  Steyer  abgesandten  Euxilar-Uölker  |  etc. 

Bekenne  biermit,  |  da(5  5^ürwei$er  ditz  (leerer  Raum  zum  eintragen  des 
Hamens)  vnter  meiner  (Quardi)ia  und  Kommando  drey  ITlonat  lang  für 
einen  (leerer  Raum  zur  Einsetzung  des  Dienstgrades)  gedient  |  vnd  sieb 
in  allen  für  (gefallenen)  Occasionen,  Scbarmützeln,  Zügen  vnd  CUacbten, 
wie  er  einem  recbtscbaffenen  Gbrliebenden  Soldaten  (zust)ebet  vnd  ge-- 
bübret,  |  verbalten,  daran  icb  vnd  alle  meine  vnterbabende  Officiere  ein 
sattsames  Genügen  (gebabt),  derowegen  batte  micb  geborsambist  vmb 
ein  scbrifftlicbe  Jlttestation,  welcbe  icb  ibme  |  einer  treugeleisten  (Dienste) 
balber  nicbt  abschlagen,  |  sondern  biemit  wilfabren  wollen. 

ßlangt  demnacb  an  all  vnd  jede,  was  (flmter)  lüürden  vnd  Dignitäten 
die  seynd,  |  mein  respective  dienst--freundtlicbe$  ersucben  und  bitten,  |  die 
wollen  (leerer  Raum  zum  Eintragen  des  Damens)  meinet--  vnd  seines 
tapfferen  ÜJollverbaltens  balber  allen  guten  beför--(dersamen)  und  geneigten 
ÜJillen  erweisen,  |  ibme  aucb  denselben  bestens  befoblen  sein  lassen,  | 
solcbes  begebre  icb  in  der--  .  .  .  nd  mebreren  fürfallenden  Occasionen  jedes 
$tands--0ebübr  nacb  binwiderumben  zu  verschulden.  Zu  ür--(kund)  (und)  Be-- 
kräfftigung  dessen  babe  icb  diese  Jlttestation  mit  meiner  eigenen  l)andtscbrifft 
vnterscbrieben  vnd  mein  an  (bangendes)  Cüappen  Insigl  bierauff  gedruckt. 

Actum  Caybacb  den  letzten  Octobris  16$3. 

■X- 
•X-  * 

Die  krainiscbe  Candscbaft  erbielt  von  der  steiermärkiscben  Candscbaft 
für  diesen  Sukkurs  drei  in  den  verbindlichsten  Jlusdrücken  abgefaf^te 
Dankschreiben  mit  den  Datierungen  vom  1$.  August,  vom  2.  Oktober  und 
vom  11.  Oktober  16S3,  in  welchen  die  Tapferkeit  der  beiden  l)auptleute 
Ualvasor  und  Portner  gebührend  hervorgehoben  erscheint. ^^'^ 


^^^  Die  Kopierung  erfolgte  von  einem  am  wenigst  beschnittenen  €xemplare,  doch 
mufften  aud)  bei  diesem  einzelne  weggefallene  UJorte  ergänzt  werden. 


450 


Steiermärkiscbes  Candesarcbiv  in  Graz. 


V.  Rddics.  Ualvasor.  13 


Wiederaufnahme  der  literarisdien  CätigkeiL 

er  blinkende  Küra(5  und  der  mit  blau-gelben  federn  —  den 
5^arben  der  Candscbaft  Krain  —  gescbniückte  l)elni  des  Kriegers 
Ualvasor  waren  kaum  zur  Seite  gelegt,  so  sa(5  aucb  scbon 
der  ßelebrte  wieder  mitten  unter  seinen  5^olianten,  vor  den 
zablreicb  gesammelten  Hotizen  und  den  leider  nur  allzu  spärlicb  mit- 
geteilten fremden  Ginsendungen,  um  die  üorarbeiten  für  sein  Hauptwerk 
weiter  zu  fördern. 

Scbon  unterm  26.  Hovember  bittet  Ualvasor  die  „Uerordneten",  „Gtlicbe 
Scbönlöbliscbe  Scbriften  zu  der  vorbabenden  Candbescbreibung  aus  der  Re-- 
gistratur  erfolgen  zu  lassen", *^^  wobin  der  bandscbriftlicbe  Hacblaf^  des  am 
15.  Oktober  1681  verstorbenen,  der  Zeit  nacb  ersten  Ristoriograpben  Krains 
und  unmittelbaren  üorgängers  Ualvasors  auf  diesem  Gebiete,  des  Dom-- 
decbanten  3obann  Cudwig  Scbönleben,  der  sein  [Hauptwerk,  die  „Carniolia 
antiqua  et  nova"  nicbt  mebr  batte  vollenden  können,  hinterlegt  worden 
war,  welcber  Dacblaf^  aucb  die  Daten  für  den  projektierten  zweiten  Band 
der  „Carniolia  antiqua  et  nova"  entbielt,  wozu  den  skizzierten  Gntwurf 
im  Manuskripte  die  k.  u.  k.  f)ofbibliotbek  in  Cüien  bewabrt,  aus  dem  icb 
diese  „Uorbereitungen"  Scbönlebens  in  meiner  kurzen  Biograpbie  dieses 
beimatlicben  vielverdienten  ßelebrten  im  Jluszuge  mitgeteilt  babe.*^^ 

6s  kann  bier  nicbt  der  Ort  sein,  auf  die  Untersucbung  darüber  näber 
einzugeben,  inwieweit  Ualvasor  in  der  ßescbicbtsdarstellung  Krains  vom 
rnittelalter  bis  auf  seine  Cage  etwa  auf  Scbönlebenscben  Üorarbeiten  fuf^t, 
docb  es  gebt  aus  den  von  Ualvasor  selbst  in  seiner  „Gbre  des  [Herzogtums 
Krain"  gewissenhaft  angezogenen  Quellenzitaten  genügend  bervor,  da(5  er 
die  Scbönlebenscben  Manuskripte  sebr  häufig  zu  benützen  Gelegenheit 
nahm  —  wobei  auch  die  hinterlassenen  chronikalen  Jlufzeicbnungen 
von  des  Dechanten  Uater,  dem  ausgezeichneten  Caibacher  Bürgermeister 
Cudwig  Scbönleben,  in  Betracht  kamen  — ,  docb  darf  nicbt  verschwiegen 
werden,  da(5  Ualvasor  dabei  nicht  selten  in  die  Cage  kam,  des  Dechanten 
Schönleben   Jlngaben    auf   Grund    eigener   selbständiger   5^orscbungen   zu 


*^^  DcTordncfcnprotokoll   Dr.  32,   fol.  471a.         £andsd)aftlid)e$  J{rd)iv   llluscuni 
Rudolfimim. 

^^'  mitteilungen  des  muscalvcrcincs  für  Krain  1694,  p.  56  ff. 


'S)    105    "& 

berichtigen  und  zu  ergänzen,  was,  wie  wir  in  einem  früheren  Jlbteil 
schon  festzustellen  Gelegenheit  fanden,  stets  in  der  zartesten  diskretesten 
Jorm  geschah.  Doch  genug  hievon.  Uüir  sehen  eben  Ualvasor  schon  am 
jlusgange  des  Jahres  16$3  an  dem  ßeschichtsteile  seines  Hauptwerkes, 
der  den  einen  Ceil  des  dritten  Bandes  und  den  vierten  ganz  füllt,  halten, 
was  uns  in  Übereinstimmung  mit  anderen  CUahrnehmungen  (Andeutungen 
und  Jlufzeichnungen)  zu  dem  Schlüsse  berechtigt,  da(5  bisher  der  topo-- 
graphische  und  folkloristische  Ceil  bereits  so  ziemlich  bearbeitet  vorlagen. 

Das  üorhandensein  der  den  Zeitgenossen  sicher  so  genehm  erschienenen 
Copographien  von  Krain  und  Kärnten  hatte  den  CUunsch  nach  guten,  zuver-- 
lässigen  Karten  dieser  Cänder  erregt  und  so  schritt  denn  Ualvasor  an  die  Gr-- 
füllung  desselben,  indem  er  aus  seiner  Kunstanstalt  in  CUagensberg  schon  1684 
eine  Landkarte  von  Krain  „Charta  geographica  Carnioliae"  erscheinen  lie(5. 

Diese  erste  genauere  Karte  unseres  Heimatlandes  hat  später  der  kais. 
Geograph  3oh.  Bapt.  Homann  zu  Hürnberg  neu  aufgelegt  *^^  und  weithin 
verbreitet, ^^*  in  der  allegorischen  Zeichnung  dieser  die  merkwürdigkeiten 
des  Candes  Krain  charakterisierenden  Gckverzierung  sieht  man  unter  andern 
Andeutungen  von  Krains  Daturreichtum  und  ßewerbstätigkeit,  wie  auch  des 
geschichtlichen  Ruhms  aus  den  Cürkenkriegen  alles  überragend  die  Abbildung 
der  von  Ualvasor  modellierten  lllarienstatue  (auf  dem  Jakobsplatze  Caibachs). 

Im  Jahre  1685  reiste  Ualvasor  wieder  in  das  „Beilige  Römische  Reich 
teutscher  Dation",  wahrscheinlich,  um  betreffs  der  nun  immer  näher 
rückenden  Drucklegung  seines  Hauptwerkes  mit  dem  Buchdrucker  Hloritz 
endter  in  Hürnberg  und  mit  dem  daselbst  domizilierenden  bekannten 
Schriftsteller  Grasmus  Jrancisci  in  Uerbindung  zu  treten,  damit  letzterer 
namentlich  das  Buch  „in  reines  Ceutsch"  bringe,  da  ja  Dürnberg  den  Ruf 
für  sich  in  Anspruch  nahm,  unter  allen  deutschen  Idiomen  das  vorzüg- 
lichste zu  reden  und  der  daselbst  wirkende  Pegnitzsche  Blumenorden,  mit 
deren  mitgliedern  Ualvasor  gleichfalls  in  5^ühlung  trat,  sich  im  €ifer  der 
Bewahrung  der  reinen  deutschen  Schriftsprache  Cuthers,  die  eben  in  Hürn- 
berg  an  Hans  Sachs  den  besten  Hachahmer  gefunden,  von  keiner  der 
übrigen  deutschen  Sprachgesellschaften  übertreffen  liet^. 

Der  Bischof  von  Caibach,  die  Äbte  der  Zisterzienser  Abteien  Sittich 
und   Candstra[5,    die   krainische   Landschaft,   die   Grafen   Auersperg   und 


'*"  Cabula  Ducatus  Carnioliae  etc.  ex  mente  lllustrissimi  quondam  £.  B.  (Jalvasorii 
concinnata  et  exbibita. 

^^*  Aus  dieser  Ualvasorscben  Karte  (von  Krain),  sagt  Büsching  (0ro|3c  erdbeschrei- 
bung  XV.,  p.230),  ist  die  bonianniscbe  entstanden,  welcbe  in  dem  fltlas  von  Deutschland 
die  siebente  ist. 

13* 


'&    106    "& 

Caniberg,  die  meisten  Städte  Krains,  Caibacb  und  Rudolfswert  in  rübtn-- 
licber  Cüeise  an  der  Spitze  (Krainburcj  tat  nicht  mit,  was  Ualvasor  in 
seiner  offenen  und  ehrlichen  Jlrt  an  gelegenem  Orte  ernstlich  rügt),  und 
auch  mehrere  Städte  au()erhalb  Krains,  so  zum  Beispiel  Graz  und  Cilli, 
hatten  dem  „l)errn  f)auptautor"  ihre  Sammlungen,  die  Archive,  beziehungs-- 
weise  Bibliotheken,  in  entgegenkommendster  Ciberalität  zur  Benützung 
geöffnet,  und  wie  uns  die  zahlreichen  Doten  in  üalvasors  „ehre  Krains" 
beweisen,  so  hat  unser  eifrige  und  gewissenhafte  5^orscher  von  diesen 
Bestattungen  ausgiebigen  und  fruchtreichen  Gebrauch  gemacht,  ja,  wir 
haben  infolgedessen  bei  ihm  heute  vieles  an  Dokumenten  alter  Zeiten 
(wenn  auch  nicht  in  stets  diplomatarisch  getreuem  Jlbdrucke)  in  Cüiedergabe 
erhalten,  was  leider  (wie  auch  anderwärts  vielfach  zu  beklagen)  im  Original 
hierlands  seither  verloren  gegangen  oder  mindestens  verschollen  ist. 

Die  krainische  Landschaft,  die  unsern  Ualvasor  in  seiner  Jlbsicht,  dem 
Cande  die  „Ghre"  des  Candes  zu  schreiben,  gleich  von  Jlnbeginn  durch 
die  oben  schon  angedeutete  Erlaubnis  der  Benützung  ihrer  reichen  archi- 
valischen  Schätze  mächtig  gefördert  hatte,  hat  dann  im  [)inblicke  auf 
seine  inzwischen  erschienenen  literarischen  und  künstlerischen  Leistungen 
und  insbesonders  in  CUürdigung  der  hohen  Kosten,  die  ihm  die  €inrichtung 
und  Erhaltung  des  Kunstateliers  auf  Schloff  Cüagensberg  verursacht  hatte, 
auch  materiell  dessen  patriotische  Bestrebungen  und  Unternehmungen  in 
gleich  patriotischer  Gntgegnung  wiederholt  wesentlich  unterstützt.  So  war 
ihm  schon  im  Landtage  von  1683  am  19.  Juni  „zur  Beförderung  seiner 
Chronik"  die  Summe  von  2000  fl.  „an  denen  Steuerrückständen"  be-- 
willigt  sowie  beschlossen  worden,  die  von  Ualvasor  „offerirte  dedication 
der  Ghre  des  l)erzogthums  Crain"  anzunehmen  und  seinerzeit  500  Exem- 
plare in  billichem  und  leidentlichem  CUert,  wie  solche  bei  Erstehung  (Er-- 
scheinen)  des  CUerkes  stabiliert  (festgesetzt  sein)  wird,  zu  übernehmen  (zu 
subskribieren),*^^  und  im  3ahre  1686  —  drei  ]ahre  vor  dem  Erscheinen 
des  f)auptwerkes  —  wurden  ihm  $00  fl.  Subvention  „zur  Beförderung 
der  crainerischen  Chronik"  ausbezahlt. *^^ 

Der  „Charta  geographica  Carnioliae"  hatte  unser  Freiherr  auch  eine 
„Charta  geographica  Carinthiae"  (16$5)  folgen  lassen,  an  die  sich  dann 
später  auch  eine  „Charta  geographica  Croatiae"  (16$$)  anschlo(5. 

'"  Candtagsprotokoll  ex  16S3. 
*■"  Candtagsprotokoll  ex  16S6. 


Cod  der  ersten  Gemahlin  und  Wiederuerheiratung. 


[eilige  CUocben  nach  dem  Code  ihres  letztgebornen  Sohnes  Jranz 

3osef  (t  14.  märz  16$7)   segnete  auch   die   mutter,   3<5hann 

ÜJeikhards   erste  5^rau,   Jlnna  Rosina  geb.  Graffenweger,   das 

Zeitliche  —  wie  bereits  in  einem  früheren  Jlbteil  erwähnt ;  sie 

starb  am  25.  Jlpril  16$7. 

Der  mit  vier  Kindern,  drei  Knaben  und  einem  IDädchen,  zurüd^gebliebene 
Freiherr  wollte  jedoch,  weil  auch  mitten  in  der  Arbeit  an  seinem  f)aupt= 
werke  stehend,  das  Bauswesen  nicht  lange  verlassen  wissen  und  vermählte 
sich  noch  im  selben  jähre  zum  zweitenmal. 

Diesmal  holte  er  sich  seine  Gemahlin  aus  dem  Schlosse  5^reihof  in 
Unterkrain  unter  dem  Uskokengebirge  (heute  im  Besitze  des  Berrn 
Dr.  Jlnton  Ritter  von  Schoeppl--Sonnwalden,  Direktors  der  Krainischen  Spar-- 
kasse,  gewesenen  Candtagsabgeordneten  und  Candesausschu(5beisitzers)  in 
der  Person  des  5^räuleins  JInna  maximilla  5^reiin  von  Zetschker,  Cochter  des 
5^reiherrn  *"  5^ranz  Grasmus  Zetschker  und  der  Hlaria  Sidonia  Gräfin  Catten-- 
bach  (nach  dem  Code  Zetschkers  vermählt  an  Johann  Georg  ^reiherrn 
von  Cüernegk,  zur  Zeit  von  Ualvasors  üermählung  Besitzer  des  Schlosses 
^reihof).*^« 

Dieses  Schloff  5^reihof  schildert  unser  5^reiherr  mit  ganz  besonders 
hellen  5^arben  als  „an  einer  JInhöhe"  gelegen,  „an  einem  hübschen  und 
lustigen  Ort,  der  einen  häuffig  guten  (Ueinwachs,  gantze  Cüälder  voll 
Kastanieen,  die  viel  dicker  und  besser  als  die  welsche  Kastaneen,  dazu 
ein  sehr  edles  Obst  zeuget;  wer  gern  lüeichseln  naschet,  der  findt  nirgends 
so  gute  lüeide  als  hie  noch  gröf^ere  5ülle:  angesehn  hieselbst  zwo,  drey, 
auch  wol  vier  CUeichseln  an  einem  einigen  Stengel  sitzen;  in  den  CUäldern 
wachsen  die  Imbern  (oder  Bolbieren)  in  grofjer  menge;  vor  dem  Schlosse 


*^''  Die  Uettern  Jranz  engclbrccbt,  Sicgmund  UJilbelm  und  Rans  Rerwart  Zetschker, 
aus  einem  uralten  Rittergescblecbt  in  Steier  und  Krain,  waren  von  Kaiser  Ceopold  I. 
unterm  14.  Dezember  1676  in  den  ?reiberrnstand  erboben  worden  (Diplom  niuseum 
Rudolfinum). 

''^  üaivasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  II.  (VI.),  p.  303;  III.  (IX.),  p.  109. 


'&    19$    ® 

mitten  im  Bofe  bat  es  einen  scbön  gro(5en  Cindenbaum  und  näcbst  bey 
dem  Scblosse  eine  trefflieb  gute  Brunnquelle  ei(5kalte$  Cüassers;  in  dem 
Scblosse  ist  eine  scböne  Capell  $.  Entonii  de  Padua".*^^ 

In  dieser  Kapelle  vor  dem  beute  nocb  erbaltenen  stilgerecbten  Jlltare 
fand  unseres  edlen  5reiberrn  Crauung  mit  dem  Fräulein  Jlnna  Hlaximilla 
5reiin  von  Zetscbker  am  20.  3uli  1687  statt. 

Die  krainiscbe  Candscbaft  votierte  aus  diesem  festlicben  Jlnlasse,  docb 
mit  der  ülotivierung,  da(5  da  über  die  Statuten  bin  eine  ganz  besondere 
Jlusnabme  gemacbt  werde  (specialissimo  supra  statutum  voto),  ein  „l)ocb-- 
zeitspräsent**  von  300  fl. 

Ualvasors  intimer  freund  Paul  Ritter  Uitezovicb  stellte  sieb  aber  mit 
einem  lateiniscben  Rocbzeitsgedicbte  ein,  „dieser  Rerr  Ritter,  der  —  wie 
unser  5^reiberr,  seiner  in  dem  Kapitel  von  den  , Skribenten*  ^''^^  gedenkend, 
von  ibm  scbreibt  —  sowol  mit  dem  Kriegsgewebr  wider  dem  5^einde  als 
mit  einem  wolklingenden  und  lorbeerwürdigen  Uerse  wider  die  Eangweil 
in  der  Poesey  mancbes  Ritterstüd<lein  erwiesen"  .  .  .  aucb  unlängst  nocb 
ibn  von  lüien  aus  mit  artlicben  Uersen  beglückwünscbend  beebrti 

Und  nun  lä(5t  der  „ßerr  Bauptautor"  diese  ßratulationsverse  folgen: 

lllustrissimo  Domino  Domino 

loanni  CUeicbardo  Ualvasor 

Cibero  Baroni  etc. 

Paul  Ritter  S.  P.  D. 

ßratulor  ad  nova  post  emensos  gaudia  luctus: 

Jld  Sacrca  connubii  foedera  pacta  novi 
Gratulor!  at  doleo  tot  laetos  inter  amicos 

non  collaetari  me  tibi  posse  simul. 
Quod  curae,  quod  vasta  loci  distantia  causat: 

Gt  tempus,  quod  me  non  sinit  esse  meum. 
Jlffectus  tuus  est  in  me;  qui  scilicet  absens 

laetabor:  nam  sum  totus  et  ipse  tuus. 
IDitto  mei,  CUeicbarde,  loco  tibi  Carmen  et  idem 

laetä  inter  reliquos  excipe  fronte  precor. 
Cumque  nova  illustri  vivas  bona  Saecula  Sponsä 

ITleque  tibi  addictum  semper  amato,  üalel 

Uiennae,  13.  3ulii  1687. 


"'  Ualvasor,  ehre  des  Herzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  150, 
'''  ebenda,  II.  (VI.),  p.  363. 


'S)    199    -^ 

Jlmantum 

Ric  nexus  clariis  lauris  et  laude 

coronans, 

Jleva,  lane; 

Sive 

loannes  Cüaicbardus  Ualvasor 

et 

J\nm  rnaximilla  Cetsekerin 

Sponsus  et  Sponsa  annagraniatic^  effigiati 

ac  in  nup^iali  festivitate  producti. 

Quis  mage  conveniens  par  invenisset  Jlmantum 

quam  vo$,  quos  fatis  iunxit  Deus  ipse  propinquis? 
5^elice$  tbalatni  fructus  sperantur  eosdem 

fata  fovent,  atque  ipsa  canunt  id  munus;  Jlmantum 
l)ic  nexus,  clariis  lauris  et  laude  coronans 

Jleva:  6  lane  tuis  olim  memoranda!  Coronet 
Omnia  inextinctos  bic  ergo  per  aeva  nepotes: 

queis  lauri  et  laudes  crescant,  vigeantque  perennes. 

ä 
Paulo  Ritjer. 

Der  von  diesem  in  der  5^erne  weilenden  5^reunde,  der  es  tief  bedauerte, 
an  dem  5^este  nicbt  teilnebmen  zu  können,  in  so  berzlicber  CUeise  aus-- 
gesprocbene  Uüunscb:  Ualvasor  möge  nun  nacb  unerme(5licber  Crauer  in 
neuer  Freude  an  der  Seite  der  neuen  Grwäblten  gute  Zeiten  dabinleben, 
ging  vvobl,  was  sein  weiteres  ebelicbes  Glück  betraf,  in  Grfüllung.  Diese 
seine  zweite  5rau,  in  deren  üaterscblosse  er  in  demselben  jabre  (16$7) 
nocb  einmal,  und  zwar  im  Rerbste  geweilt, *^^  bescbenkte  ibn  unterm 
2$.  Jlpril  16$$  mit  einer  Cocbter,  Katbarina  5^ranziska,  die  sieb  dann  im 
3abre  1704  am  2.  Februar  zu  Rastenberg  mit  Jldam  Seifried  5^reiberrn 
von  3uritscb  zum  Strugg  und  Jlltgutenberg  (*  26.  Dezember  16S3,  Be= 
sitzer  des  Gutes  Strug,  t  3.  September  1741)  vermäblte.*^^ 

*^^  Ualvasor,  Gbre  des  berzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  152,  wo  er  aud)  von  der 
in  einem  trüberen  Abteil  (vom  Jlberglauben)  erwäbnten  Pflanze  Dutroa  (Datura)  spricbt, 
die  er  damals  da  gefunden, 

*^^  Witting,  Beiträge  zur  Genealogie  des  krainiscben  Bdels,  Jabrb.  Jldler  1$95,  p.  169  f. 


niitglied  der  Königlidi  englischen  Sozietät 
Royal  Society  in  [iondon  1687* 


^Önig  Karl  IL  von  Gngland  war  au$  seinem  €xil  am  25.  IDai  1660 
in  sein  Reich  zurückgekehrt  und  mit  seinem  Ginzuge  in  lübite-- 
ball,  der  eine  tiefe  und  nachhaltige  Ueränderung  im  Charakter 
des  englischen  Uolkes  zur  5olge  hatte,  nahm,  wie  ein  geistvoller 
englischer  Schriftsteller,  john  Richard  Green,  bemerkt,  das  heutige  England 
seinen  Anfang. 

namentlich  war  gleich  bei  Beginn  des  neuen  Regimes  die  geistige 
Regung,  die  wissenschaftliche  Bewegung  eine  sehr  starke. 

Die  Gesellschaft,  die  später  unter  dem  Hamen  der  „Königlichen  Gesell-- 
schaft"  (Royal  Society)  weithin  bekannt  wurde,  hatte  sich  zunächst  im 
kleinen  Kreise  der  altberühmten  Universität  Oxford  gesammelt. 

In  dieser  Gruppe  wissenschaftlicher  Geister,  sagt  Green  weiter,  liegt 
das  Geheimnis  der  künftigen  Generation.  England  wandte  sich  endlich 
von  den  streitigen  Problemen,  politischen  und  religiösen,  mit  denen  es 
solange  vergeblich  gerungen,  zu  der  physischen  Hielt,  zur  Beobachtung 
ihrer   Erscheinungen,   zur  Entdeckung  der  dieselben  regierenden  Gesetze. 

€$  herrschte  nun  die  Beschäftigung  mit  den  Daturwissenschaften. 

Da  die  hervorragendsten  Mitglieder  der  Oxforder  Gesellschaft  gar  bald 
nach  Condon  übersiedelten,  wo  König  Karl  selbst  sich  mit  Chemie  und 
Problemen  der  Schiffahrt  abgab,  der  ßerzog  von  Buckingham  neben  Dicht-- 
kunst  und  IDusik  auch  in  seinem  „Caboratorium"  mit  Erforschung  der 
llatur  beschäftigt  war,  Dichter,  wie  Dryden  und  Gowley,  f)ofherren,  wie  Sir 
Robert  niurray  und  Sir  Kenelm  Digby,  der  neuen  Condoner  Gesellschaft 
beitraten,  so  verlieh  König  Karl  ihr  als  Beweis  seiner  besonderen  Sym- 
pathie den  Citel:  „Königliche  Gesellschaft".  Ein  Staatsmann  wie  Cord 
Somers  fühlte  sich  geehrt,  zu  ihrem  Präsidenten  ernannt  zu  werden,  und 
ihre  endgültige  Einrichtung  (1663)  bezeichnet  den  Beginn  einer  gro(Kn 
Zeit  wissenschaftlicher  Entdeckungen  in  England, 


'&     201     "2) 

Cüir  nennen  nur  die  Damen  des  Jlstronomen  Jlamsteed  und  seines 
Hacbfolgers  Ralley,  l)ookes,  des  üerbesserers  des  ITlikroskopes,  Boyles, 
des  Begründers  der  experinientalen  Chemie,  CUilkins,  der  durcb  seinen 
Plan  einer  Universalspracbe  auf  die  Philologie  hinwies,  des  Mediziners 
Sydenham,  der  zuerst  Cicht  über  den  Bau  des  Gehirns  verbreitete,  des 
Gründers  der  Hlineralogie  UJoodward,  des  Zoologen  3ohn  Ray,  der  die 
erste  wissenschaftliche  Klassifikation  der  Ciere  versuchte,  des  Botanikers 
Robert  ITlorrison  usw.,  welche  Hamen  jedoch  alle  durch  den  l)eroennamen 
Sir  Isaac  Hewton  verdunkelt  werden. 

Hewton  war  es,  der,  als  er  sich  anschickte,  Mitglied  der  „Königlid) 
englischen  Gesellschaft'*  zu  werden  (1671),  die  optischen  Entdeckungen, 
auf  welche  er  durch  seine  Experimente  mit  dem  Prisma  geführt  worden, 
in  der  „Cheorie  über  das  Cicht**  zusammenfa[3te,  welche  grof^artige 
JIrbeit  er  dann  der  „Royal  Society'*  zur  Kandidatur  als  deren  mitglied  ^ 

vorlegte.  ^ 

Um  dieselbe  Zeit  (166$)  sandte  die  Königlich  Englische  medizinische  ^' 

Gesellschaft  den  Dr.  Eduard  Brown,   einen  feinen  Beobachter,   auf   eine  ^' 

gro(5e  wissenschaftliche  Reise  nach   dem  Kontinent,   um   über  die  Hatur--  * 

merkwürdigkeiten  des  Jluslandes  zuverlässige  Berichte  zu  erhalten.  Brown,  ^ 

der  sich  auf  dieser  Expedition  —  auf  der  er  sich  auch  als  wackerer  Courist 
bewährte  ~  durch  fünf  3ahre  befunden  und  der  Reihe  nach  die  Hieder-- 
lande,  Deutschland,  Österreich,  Ungarn,  S.erbien,  Bulgarien,  Mazedonien  und 
Chessalien  besuchte,  überall  das  Interessanteste,  merkwürdigste  und  CUich-  § 

tigste  besehen  und  in   den   bedeutendsten  Städten  und  Orten  sich  auch  ^^ 

längere  Zeit  aufgehalten,  weilte,  wie  schon  erwähnt  worden,  auch  in 
Krain  und  nahm  hier  namentlich  den  Zirknitzer  See  und  das  Queck-- 
silberbergwerk  in  Idria  in  Augenschein,  die  er  dann  in  seinem  Reise-- 
berichte*ß3  beschrieb,  in  welchem  auch  der  Übergang  über  den  Coibl 
geschildert  erscheint. 

Uon  besonderem  Interesse  sind  die  beiden  seinem  Buche  bei-- 
gegebenen  Jlbbildungen  der  Sommer--  und  CUinterhantierungen  auf  dem 
Zirknitzer  See. 

IDit  Brown,  dessen  Jlnwesenheit  in  Krain  gerade  in  die  Zeit  von 
Ualvasors  grof^er  Reise  (bis  nach  Jlfrika)  fiel,  trat  unser  Freiherr  später 


^^^  €dward  Brown  IT).  D.  JTuf  genehm  gehaltenes  0utad)ten  und  Ueranlassung  der 
Kön.  €ngell.  medicinischen  Gesellschaft  in  Condon.  Durch  Diederland  (usw.)  gethane 
gantz  sonderbare  Reisen  (1668-1673)  ...  in  die  Roch-Ceutsche  (Sprache)  übersetzt, 
nürnberg  1711,  4',  334  $$. 


-2)    202     'S) 

in  brieflieben  Uerkebr,  gleicbwie  er  im  üerlaufe  der  Zeit  nacb  seiner 
$e()baftniacbung  in  Cüagensberg  mit  dem  Sekretär  der  „Royal  Society'*, 
dem  ßelebrten  Cbomas  ßale/^*  (seit  1676  in  dieser  Stelle  und  zugleicb 
Präbendar  an  der  St.  Paulskircbe  zu  Condon)  in  üerbindung  kam,  mit 
welcb  letzterem  er  dann  eine  regere  Korrespondenz  unterbielt;  Cbomas 
0ale  war  es,  der  unsern  ßelebrten  und  3^orscber  in  Beziebung  zur 
„Königlicb  Gngliscben  Sozietät"  selbst  bracbte,  von  der  dann  scblief^licb 
üalvasor  unterm  14.  Dezember  16$7  als  Mitglied  aufgenommen  wurde, 
als  das  er  sieb  dann  aueb  sebon  bei  Grsebeinen  seiner  ausfübrlieben  Copo-- 
grapbie  von  Kärnten  16$$  als  „FDitgenossen  der  Königlieben  Sozietät  in 
Gngeland"  auf  das  Citelblatt  setzte. 

Den  Spuren  dieser  Korrespondenz  mit  6ale,  beziebungsweise  mit  der 
ßesellscbaft,  naebgebend,  gelang  es  mir  im  3abre  1$93,  dieselbe  zu  er-- 
reieben,  und  die  Subventionen  der  löblieben  Krainiseben  Sparkasse  und 
weiters  des  krainiseben  Candesaussebusses  ermögliebten  mir  es  in  dankens-- 
werter  Cüeise,  die  Originale  im  JIrcbive  der  Royal  Society  in  Condon  an 
Ort  und  Stelle  kopieren  zu  können.  Und  ieb  kann  nicbt  umbin,  der  auf^er-- 
ordentlieben  Ciebenswürdigkeit  dankend  Grwäbnung  zu  tun,  mit  weleber 
mir  daselbst  in  der  zuvorkommendsten  Cüeise  seitens  der  üorstebung  dieser 
altberübmten  ßesellsebaft  begegnet  wurde. 

Daebdem  üalvasor  sebon  eingangs  des  Jäbi'^s  ^^^^  der  ßesellsebaft, 
beziebungsweise  dem  Sekretär  0ale  dureb  einen  Candsmann  desselben, 
3obann  Bobton,  den  unser  Jreiberr  in  üenedig  kennen  gelernt  batte, 
seine  Copograpbien  von  Krain  und  Kärnten  und  mebrere  Probeillustrationen 
des  unter  der  5^eder  babenden  Hauptwerkes:  die  vorbereiteten  üollbilder 
von  Seblol?  Ginöd  (beute  im  Besitze  Seiner  Dureblauebt  des  Fürsten  Karl 
Jluersperg,  [)erzogs  von  ßottsebee,  emer.  üizepräsidenten  des  österreiebiseben 
I)errenbauses),  von  der  Stadt  Jiume  („St.  Ueit  am  Pflaumb"),  von  lHünken-- 
dorf  (beute  Gigen  der  CUCüCe.  brauen  ürsulinen  in  Caibacb),  des  St.  jakobs-- 
platzes  in  Caibacb  mit  der  Jlnsicbt  der  von  ibm  modellierten  und  in  dem 
von  ibm  erfundenen  5^eingusse  ausgefübrten  „lllarienslatue",  des  Seblosses 
ebrenau  (beute  im  Besitze  des  emer.  Candesbauptmannes  von  Krain  Otto 
Gdlen  von  Detela),  des  eigenen  Seblosses  Cüagensberg  und  des  Pan-- 
oramas  von  Caibacb  sowie  ein  Gxemplar  des  „Cbeatrum  lHortis  bumanae" 


*"*  Cbomas  0ale  (*  1635,  f  1702),  ein  IDann  von  gründlicher  0elebr$anil<eit,  der 
voTzüglid)  schätzbare  pbiloio9isd)e  Kenntnisse  besaf^  und  sieb  um  die  neuplatoniscbe 
Philosophie  besonders  verdient  gemacht.  Döring:  ersci)  und  0ruber,  flilg.  Cnzyklo- 
pädie  LH,  p.  312  f. 


'&    203    -2) 

eingeschickt/^^  legte  er  demselben  unterm  29.  Jlugust  des  O^bres  16$6 
in  ausfübrlicber  Jluseinandersetzung  sein  üerfabren  des  verfeinerten  6rz-- 
gusses  dar.  Im  Eingänge  dieses  Scbreibens  bedankt  sieb  Ualvasor  bereits 
für  die  ibm  von  0ale  durcb  Brief  vom  3.  3uni  16S6  mitgeteilte  Dacbricbt 
seiner  bevorstehenden  WJabl  zum  Hlitgliede  der  Gesellschaft,  über  welche 
Dacbricbt  sich  Ualvasor  hocherfreut  äuf^ert,  da  es  ibm  nun  gegönnt  sein 
voerde,  sich  Hlitglied  dieser  Königlichen  Gesellschaft  zu  schreiben  („ut 
possim  inposterum  me  gaudere  titulo  ut  Socius  Regiae  Societatis,  pro 
quali  magna  gratia  summas  ac  maximas  ago  gratias  et  seruus  permaneo 
Societatis  Regiae  in  aeternum  obligatissimus").  J^us  dem  nun  folgenden 
Beisatze:  „utinam  possem  illi  quid  inseruire  ex  fidelissimo  corde  perficiam, 
modus  meae  inventionis  fundendi  statuas  ex  metallo  tenues,  qualem  jussit 
Societas  regia  ut  mitterem  hie  est'*  usw.  usw.  geht  hervor,  dal)  die  Sozietät, 
der  Ualvasor  durch  0ale,  beziehungsweise  Robton,  bereits  aufs  beste 
empfohlen  war,  ihn  hatte  auffordern  lassen,  seine  Erfindung  des  5^ein-- 
gusses  einzusenden,  was  nun  mit  diesem  Schreiben  an  Sekretär  0ale 
erfolgte. 

3a,  als  er  ddo.  lUagensberg  7./17.  Hovember  16$7  seine  umfassende, 
27  Seiten  starke  Beschreibung  des  Zirknitzer  Sees  an  die  Gesellschaft 
selbst  einsandte,  unterzeichnete  sich  Ualvasor  am  Schlüsse  dieses  in  Brief-- 
form*^^  gehaltenen  Berichtes  (dem  die  bereits  in  einem  früheren  Abteil: 
„Ceufel  und  Rexen'*  erwähnte  Karte  des  Zirknitzer  Sees  beigegeben)  schon 
gleichsam  als  IDitglied  der  Königlichen  Gesellschaft  (tamquam  indignus 
Regiae  Societatis  socius). 

Dieser  „Bericht"  an  die  Gesellschaft  war  eingeschlossen  in  dem  unter 
selbem  Datum  (CUagensberg,  7./17.  Hovember  16S7)  an  den  Sekretär 
Chomas  Gale  gerichteten  Schreiben, *^^  das  durch  seinen  Inhalt  von  mehr-- 
fachem  lokalen  Interesse  erscheint.   Im  Eingänge  setzt  Ualvasor  den  ihm 


^^^  Siebe  Bnbang:  Briefe  Ualvasors  I.  —  Diese  lUustrationen  und  lüerke  befinden 
sich  in  der  Bibliotbel<  der  „Royal  Society".  Die  Copograpbia  Carintbiae,  irrtünilicberweise 
mit  dem  Citelblatt  Carnioiiae,  Sign.  4$.  c.  27/143.  a,  16,  dazugebunden  die  oben  ange- 
fübrten  Probeillustrationen,  fluf^erdem  besitzt  diese  Bibliotbek  aucb  Ualvasors  Kupfer- 
stiebwerk: Copograpbia  flrcium  Eambergianarum,  Sign.  4$.  c.  20/143.  a.  15,  beides  braune 
Cederbände  (Uordcrdeckel  lackiert).  Jluf  der  Innenseite  des  Uorderdeckels  das  UJappen 
der  Royal  Society.  Die  „Copograpbia  Hrcium  Cambergianarum"  ist  äbnlid)  der  Edition: 
Carintbia  Salisburgensis  aus  seiner  „Copograpbia  Carnioliae"  zusammengestellt  und 
umfaf3t  die  Besitzungen  der  Camberge. 

''"^  Siebe  Bnbang:  Briefe  Ualvasors  IL 

"^  Siebe  Hnbang:  Briefe  Ualvasors  III. 


-2)    204     -g) 

befreundeten  Adressaten  davon  in  Kenntnis,  dal5  er  zum  zweitenmal 
einem  gewissen  l)errn  ].  Robton  nach  üenedig  gescbrieben  habe,  dieser 
möge  ihm  doch  mitteilen,  mittelst  welchen  Schiffes  er  an  den  Rerrn 
Sekretär  das  vor  einem  3abr  an  ihn  abgesandte  Scbriftbündel  befördert 
habe,  auch  auf  diese  Betreibung  sei  keine  Antwort  gekommen  und  er 
möchte  doch  gerne  wissen,  ob  jenes  Schriftbündel  in  Condon  angelangt 
sei  oder  nicht  ?M^^ 

nun  übersende  er  die  Beschreibung  des  Zirknitzer  Sees,  in  derselben 
sei  nichts  als  die  Cüahrheit  geschrieben,  alles  habe  er  selbst  erfahren  und 
was  er  nicht  mit  eigenen  Augen  gesehen,  habe  er  von  vertrauenswürdigen 
Eeuten  erfahren  und  überall  habe  er  beigesetzt,  was  er  auf  letztere  Cüeise 
überkommen.  Adressat  werde  wahrnehmen,  ob  er  (üalvasor)  vor  einem 
jähre  nicht  die  Cüahrheit  geschrieben  habe,  als  er  ausgesprochen,  da(5 
dieser  See  ein  grofKs  Haturwunder,  falls  etwas  in  seiner  Beschreibung 
nicht  verstanden  werden  sollte,  so  bitte  er  ihn,  ihm  dies  mitzuteilen,  um 
es  dann  besser  erklären  zu  können.  In  dem  Schreiben  weiter  fortfahrend, 
bittet  üalvasor  die  berühmte  Königliche  Gesellschaft  ganz  ergebenst  um 
Entschuldigung,  da(5  er  dieses  IDanuskript  nicht  früher  schon  gesendet,  er 
habe  es  wohl  schon  lange  in  üorbereitung  gehabt,  doch  sei  es  nicht  gut 
abgeschrieben  gewesen,  „üieles  habe  ich  —  schreibt  er  wörtlich  —  zu 
tun  gehabt,  da  mir  zwei  Söhne  gestorben *^^  sowie  meine  5^rau  (im 
April), *^<^  jetzt  aber  feierte  ich  meine  zweite  üermählung  mit  5^räulein 
niaximilla  Zetschekerin,  eine  geborne  Baronin;  unlängst  war  ich  auch  in 
Kroatien.  Als  ich  in  diesen  Cagen  erst  nach  Rause  kam,  habe  ich  auch  zu 
tun  gehabt  mit  meinem  Cüerke,  der  historisch-topographischen  Beschreibung 
(Krains).*'^  Gs  wird  diese  Beschreibung  des  Herzogtums  Krain  gleichsam 
eine  Chronik  des  Landes  Krain  sein,  worin  sich  gar  viel  ,Curiosa'  befinden 
werden.  £s  wird  ein  grot3es  Cüerk  sein,  es  wird  über  400  Bogen  (l)*'^ 
und  über  500  Bilder  enthalten. ^^^  ^5  y^\x^  ^in  genugsam  kurioses  Buch 
sein.  Bis  jetzt  (7./17.  Dovember  16S7  —  das  ÜJerk  erschien  16$9)  sind 
über  200  Bogen  *^^  gedruckt,  sobald  es  ganz  ausgedruckt  sein  wird,  sende 
ich   es  »Euerer  f)errschaft\    Die  grö(5te  Gunst  (aber)  würde  es  für  mich 


^"^  Das  qcmeinte  Scbriftbündel  entbleit  wobl  die  Copograpbie  von   Kärnten,  die 
Probeillustrationen  und  das  Cbeatrum  mortis  bumanae,  was  alles  einlangte  (siebe  oben). 
*'^^  Jobann  ßottlieb  und  Jranz  3osef  aus  erster  €be. 
^""^  Anna  Rosina  geb.  ßraffenweger. 
*''  „ebre  des  Herzogtums  Krain". 

*'^  Das  vollendete  Cüerk  zäblte  3320  Seiten  mit  533  Abbildungen. 
♦"  Jolio,  also  400  Seiten. 


'&    205    'S) 

sein,  wenn  es  mir  nämlicb  von  der  Königlichen  Sozietät  gegönnt  würde, 
da(5  icb  von  einem  oder  andern  oder  mehreren  ITlitgliedern  der  Königlichen 
Sozietät  ein  Cobgedicht  für  dieses  mein  Buch  erhalten  könnte,  um  selbes 
am  Eingänge  des  (Uerkes  abdrucken  zu  lassen,  weil  in  diesen  Gegenden 
ähnliches  hochgeschätzt  wird,  deshalb  würde  es  mir  zu  hoher  Gbre  ge-- 
reichen."  „Das  Buch  selbst  aber  umfaf^t  —  wie  er  zur  Orientierung  über 
den  Inhalt  behufs  allfälliger  Bezugnahme  im  eventuell  zu  erhaltenden 
Eobgedichte  beifügt  —  nachstehendes:  die  Jlbleitung  des  Hamens  Krain, 
die  ersten  Ginwohner,  die  Herzoge  von  Krain,  Regenten  Krains,  alle 
öffentlichen  Ämter  in  Krain,  die  Sitten,  brachten,  Sprachen,  Gewohnheiten 
der  Bewohner,  die  Beiligen,  Bischöfe,  die  Religion,  die  Regierung,  die 
Kriege,  die  Beschreibung  der  Pflanzen,  Ciere,  mineralien.  Berge,  5^1üsse, 
Klima,  merkwürdigkeiten,  Seltenes  und  Cüunderbares  im  Cande,  die  Schrift-- 
steller,  die  CUappen  der  Adeligen,  die  Grenzfesten  gegen  die  Cürken  in 
Kroatien,  Slavonien  und  Dalmatien,  endlich  alles,  was  auf  Krain  über- 
haupt Bezug  hat."*^*  Das  Schreiben  schliefet  mit  der  nochmaligen  Bitte, 
ihn  zum  Behufe  des  Grhaltes  eines  Cobgedichtes  der  Gunst  der  Königlichen 
Gesellschaft  anzuempfehlen.  Doch  wie  die  Überschau  über  die  der  „€hre 
Krains"  vorangestellten  Cob(Gratulations)gedichte  lehrt,  kam  unserm  5^rei-- 
herrn  leider  kein  solches  Gedicht  über  den  Kanal  herüber  zugeflogen! 

Jim  14.  Dezember  16S7  erfolgte,  wie  schon  oben  angedeutet,  der  for- 
melle Jlkt  des  Uorschlages,  der  Guthei(5ung  und  Grwählung  des  5^reiherrn 
von  Ualvasor  unter  die  Mitglieder  der  heutigen  Royal  Society. 

Die  Prozedur  dabei  war  folgende.  Im  Journal  Book  of  y  Royal  Society  *^^ 
lesen  wir:  Decemb.  14  16$7.  Sir  0yrill  (Uyche,  üicepresdt  in  y  Ghaire 
—  nir.  john  Cüeichard  Ualvasor  of  Garniola,  Hlr.  CUilliam  (Uotton,  IDr. 
Bautfeuille  and  IDr.  Bonj.  middleton  having  fomorly  ben  proposed  Gandi-- 
datos  to  the  Gouncell  and  approvon,  word  this  day  ballotod  and  choson. 
Gs  besagt  dies  also,  da(3  IDr.  3ohn  CUeichard  Ualvasor  aus  Krain  sowie 
die  nebengenannten  Gelehrten  in  der  Uorversammlung,  in  welcher  der 
Uizepräsident  der  Gesellschaft  Sir  ÜJyche  den  Uorsitz  führte,  durch  Ballo- 
tage  als  zur  Jlufnahme  in  die  Gesellschaft  geeignet  befunden   worden. 

In  den  „lUinutes  of  Council  der  Royal  Society"  *^^  lesen  wir  dann 
über  den  Uorgang  der  Aufnahme  selbst  wie  folgt: 


*'*  man  siebt,  in  dieser  Jlufzäblung  ist  die  im  lüerke  selbst  getroffene  Ulaterien-- 
einteilung  nicbt  eingebalten. 

*^^  Uol.  VIII,  1685-1600,  fol.  172.  —  Bibliotbek  der  Royal  Society  in  Condon. 
^'«  Uol.  II,  16$2-1717,  p.  75.  —  Bibliotbek  der  Royal  Society  in  Condon. 


'&    206    ® 

Ht  a  Councell 
Decemb.  14  ^"^  1687. 

Present: 

P.  earbory,  Praesdt.  $r.  Cyrill  ÜJycbe 

$r.  ]obn  Rofkins  mr.  Olallor 

nir.  Ronsbaw  lUr.  [)ill 

Dr.  Slard  IHr.  Rainos 

Dr.  Pitts  mr.  Porry 

Dr.  Cyson 

mr.  Borbert. 

mr.  3obn  (Ueicbard  Ualvasor  of  Carniola  was  proposed  Candidate  tbo 
tbe  Councell  and  approved  for  Glection. 

Gs  wurde  in  dieser  Ratsversamnilung  der  Königlicben  ßesellscbaft,  in 
welcber  also  unser  3^reiberr  als  Kandidat  vorgescblagen  und  zur  Hufnabme 
in  die  ßesellscbaft  gutgebeit3en  war,  der  erste  teil  seines  Briefes  über 
den  Zirknitzer  See  vorgelesen,  welcber  eine  genaue  Grklärung  der  ver-- 
scbiedenen  unterirdiscben  Gänge  und  Cöcber  entbält,  durcb  die  das  Cüasser 
in  das  Seebecken  tritt  und  dasselbe  wieder  verläf^t,  sowie  der  Jlrt,  in 
diesem  See  zu  fiscben,  und  die  JIngabe  der  Citel  und  Besitzungen  jener 
Ferren,  welcbe  das  5^iscbereirecbt  für  diesen  See  besitzen.  Der  restlicbe  Ceil 
des  unifangreicben  Berichtes,  der  sieb  mit  den  weiteren  Details  der  Unter-- 
sucbungen  Ualvasors  über  diesen  merkwürdigen,  schon  von  Torquato  Casso 
wegen  seiner  „wunderbaren"  Gigenscbaften  besungenen  verschwindenden  und 
wieder  zutage  tretenden  CUassers,  auf  dem  man  zu  verschiedenen  Zeiten  des 
Jahres  fischt,  jagt  und  erntet,  wurde  zur  üorlesung  in  der  nächsten  üer= 
Sammlung  der  Gesellschaft  nach  den  CUeihnachtsfeiertagen  bestimmt.  Statt 
der  ^Fortsetzung  der  Cesung  von  Ualvasors  Bericht  demonstrierte  mr.  f)alley 
einen  von  ihm  schon  auf  Grund  der  Ualvasorschen  Auseinandersetzung 
konstruierten  Apparat  von  drei  über=,  beziehungsweise  ineinandergestellten 
0efä[5en,  welche  die  Cheorie  des  ^^reiherrn  von  Ualvasor  von  dem  Sichfüllen 
und  Sichentleeren  des  Zirknitzer  Sees  verbeispielen  sollten.  ITlr.  l)alley 
nahm  zwei  0efä(5e  und  stellte  sie  eines  höher  als  das  andere  und  ordnete 
sie  so,  da(5  sie  durch  Schläuche  verbunden  erschienen,  die  in  verschiedener 
Rohe  angebracht  waren,  so  da(5  das  Cüasser  aus  dem  oberen  ausrann, 
wenn  es  voll  war,  und  schneller  fiel,  wenn  es  zum  Cell  leer  war,  das 
untere  0efä[5  hatte  nur  eine  Pipe,  das  Cüasser  auszulassen,  welches  das-- 
selbe  von  dem  oberen  0efä[5  empfangen,  und  nicht  grot?  genug  war,  um  all 
das  Cüasser  auszulassen,  wenn  das  obere  0efä(5  fast  voll  gehalten  wurde, 


-2)     207     -2) 

SO  da(5  sieb  dann  das  untere  0efä(5  füllte,  und  ein  drittes  0efä(5,  welches 
in  das  untere  gestellt  wurde,  mit  verschiedenen  Cochem  im  Boden  ver- 
sehen war  und  fortfuhr,  lUasser  in  sich  zu  fassen;  aber  wenn  das  Cüasser 
des  oberen  Öefäf^es  abnahm  und  die  Uerbindung  mit  dem  unteren  endlich 
aufhörte,  wurde  das  Cüasser  des  unteren  ßefät^es  in  einiger  Zeit  abgezogen 
und  das  dritte  Gefä(5  mit  den  Cochem  im  Boden  blieb  trocken,  sehr  gut 
darstellend  die  von  üalvasor  beschriebene  Jlrt  des  5^üllens  und  Jlustrod<nens 
des  Zirknitzer  $ees/^^ 

€inen  Jluszug  des  üalvasorschen  Berichtes  über  den  „wunderfull  Cac" 
brachten  die  „Philosophical  Cransactions"  vom  3ahre  16$$;*^^  letztgenannte 
gelehrte  Publikation  hatte  14  ]ahre  vorher  die  Beobachtungen  Browns 
über  den  „stränge  Cac  of  Zirknitz"  in  16  Jlntworten  erörtert, *^^  nach-- 
dem  sie  schon  im  Oahre  1669  den  Bericht  Dr.  Browns  aus  Uenedig  vom 
20.  Juni  1669  erwähnt  hatte.*«*^ 

Über  die  Beitragsleistungen  materieller  JTrt,  die  in  der  „Königlichen 
englischen  Gesellschaft"  in  jenen  Cagen  für  die  Mitglieder  festgesetzt 
waren,  erfahren  wir  aus  der  Geschichte  der  „Royal  Society",  da(5  jedes 
neue  mitglied  beim  Eintritte  in  die  Gesellschaft  als  Beitrag  5  Guineen 
und  hernach  vierteljährlich  13  Schillinge  zu  entrichten  hatte,  die  meisten 
—  hei(5t  es  aber  in  einer  Hebenbemerkung  —  geben  sogleich  20  Guineen 
ein  für  allemal  und  waren  nachher  von  allen  weiteren  Beiträgen  frei. 
Cüelchen  IDodus  unser  5^reiherr  hiebei  eingehalten,  ist  zwar  nirgends  er- 
sichtlich, doch  lät5t  sich  schon  wegen  der  weiten  Gntfemung  seines  CUohn- 
ortes  und  bei  seiner  gewohnten  Generosität  annehmen,  da(3  er  die  letztere 
J^rt  der  Beitragsleistung  gewählt  haben  mag. 

nahezu  ein  ganzes  3ahr  blieb  aber  üalvasor  über  das  Schicksal  seiner 
Beschreibung  des  Zirknitzer  Sees  im  unklaren,  wie  aus  einem  von  ihm 
an  die  Gesellschaft  gerichteten  Schreiben  vom  5./15.  Hovember  16$$^^^ 
hervorgeht.  Gr  erinnert  in  diesem  Schreiben  daran,  da(5  er  unterm 
7./17.  Dovember  16$7  geschrieben  und  den  Bericht  über  den  Zirknitzer 
See  eingesendet  habe,  und  zwar  auf  dem  Postwege,  er  habe  darauf  keine 
Antwort  erhalten,  auch  auf  sein  Schreiben  vom  9./19.  Hlärz  168$  habe 


''"  Che  bistory  of  tbe  Royal  Society  of  Condon  by  Cbomas  Bircb  D.  D.  Sccrctary 
to  tbe  Royal  Society,  Condon  MDCCLVII,  Uoi.  IV,  p.  55$.      Bibliotbek  der  Royal  Society. 

''^^  p.  411—426,  obne  Abbildungen,  obscbon  im  Cexte  die  Figuren  zitiert  erscbeinen. 
—  Bibliotbek  der  Royal  Society. 

''^  Pbilosopbical  Cransactions,  Uol.  IX  (MDCLXXIV),  p.  194—197. 

'''  ebenda,  Uol.  IV  (MDCLXIX),  p.  10$3-10$5. 

*^^  Siebe  flnbang:  Briefe  üalvasors  IV. 


©    20$     'S) 

er  bisher  keine  Aufklärung  —  doch  wäre  er  ja  nur  zufrieden,  wenn 
überhaupt  der  Bericht  dort  eingelangt  wäre,  sonst  nui(3te  er  denselben, 
was  er  jedoch  nicht  hoffe,  neuerdings  senden.  £x  zweifle  nicht,  da(5  seine 
Beschreibung  eingelangt  sei,  da  ja  doch  seine  anderen  Schreiben  an  Ort 
und  Stelle  gelangten,  üielleicht  sei  jetzt  anstatt  des  Rerrn  Cbomas  ßale, 
an  den  er  immer  seine  Sendungen  gerichtet,  ein  anderer  l)err  Sekretär 
der  Königlichen  Gesellschaft.  Gr  bittet  daher  die  berühmte  Gesellschaft  um 
die  Gunstbezeigung,  ob  dieselbe  seine  mehrgenannte  Beschreibung  er= 
halten  habe  und  teilt  behufs  der  Antwort  seine  genaue  Adresse  also  mit: 
„ITlonsieur  Hlonsieur  Jean  Cüeichard  üaluasor  /  Baron  /  Gapitaine  //  per 
üienne  en  Antriebe  ä  Caibach.**  Dann,  schliefet  er,  wird  mich  ein  Brief 
gewi[5  erreichen.  Dieses  sein  Schreiben  datiert:  „Cabaci  in  Carniolia 
5./15.  novembris  16S$". 

Der  Umstand,  da(5  von  der  Korrespondenz  unseres  5^reiherrn  mit  der 
Royal  Society,  beziehungsweise  mit  deren  Sekretär,  nur  die  Briefe  üalvasors 
nach  Condon  erhalten  sind  —  dank  der  Bewahrung  in  dem  nach  jeder 
Richtung  ausgezeichnet  geleiteten  Institute  — ,  die  an  ihn  gerichteten  Auf- 
forderungsschreiben  und  Hlitteilungen  über  seine  erfolgte  Aufnahme  als 
rnitglied  der  berühmten  Gesellschaft  hingegen  bisher  verschollen  sind, 
lä(5t  es  nicht  feststellen,  wann  und  was  man  ihm  auf  dieses  letzte  Schreiben 
geantwortet.  Da(5  er  aber  in  Kenntnis  gesetzt  war  von  seiner  Aufnahme, 
und  zwar  noch  im  selben  Jahre,  beweist  der  Umstand,  daf^  er  sich  als 
rnitglied  der  Gesellschaft,  wie  schon  erwähnt,  auf  das  Citelblatt  der  er- 
weiterten Copographia  Garinthiae  16$$  gesetzt  hat,  wie  er  denn  auch 
durch  den  Abdruck  seines  Berichtes  über  den  Zirknitzer  See  in  den  „Philo- 
sophical  Cransactions"  betreffs  des  richtigen  Eintreffens  dieser  Beschreibung 
schliet^lich  beruhigt  sein  konnte. 


üopographia  Brchiducatus  Carinthiae  antiquae  et 
modernae  completa  1688* 

er  im  3abre  16$1  erschienenen  „Copograpbia  Jlrcbiducatus  0a-- 
rintbiae  modernae'*  lie(5  Ualvasor  nocb  vor  dem  erscheinen 
seines  Hauptwerkes  über  Krain  eine  ausfübrlicbe  Copograpbie 
des  schönen  Dacbbarlandes  Kärnten  folgen,  und  zwar,  wie  er  H 

in  der  Ginleitung  betont,  „aus  eigener  Grfabrung  und  CUissenscbaft".  '^ 

Der  volle  Citel  dieses  noch  beute  für  Kärnten  den  gleichen  lüert,  wie  f; 

die  „Gbre  des  Herzogtums  Krain**  für  unsere  engere  Heimat,  besitzenden  - 

CUerkes  lautet: 

Copographia  |  Jlrcbiducatus  |  Carintbiae  |  antiquae  et  modernae  com--  - 

pleta:  |  Das  ist  |  Uollkommne  und  gründliche  |  Cand--Beschreibung  |  de(5  =5 

berühmten  |  Crz-Herzogthums  |  Kärndten  |  beydes  nach  dem  |  Uormaligem 
und  jetzigem  Zustande  desselben:  |  Darinn  |  J!lle  dessen  Städte,  Hlärkte,  - 

Klöster  und  |  Schlösser,  nebst  andern  Beschaffenheiten,  und  niiteinfübrung  | 
mancher  entweder  zur  Erläuterung  dienlicher  oder  sonsten   |   sich  dazu  ^ 

bequemender  Geschichten  |  Dicht  allein  mit  einer  warhafften  3^eder,  sondern  ^ 

auch  Datur  |  ähnlichem  flbri(5  der  beschriebenen  Oerter,  und  in  Kupffer  | 
gebrachten  Plätze  |  Ms  Cicht  gestellt,  |  Durch  Oöb^^n  CUeichard  Ualvasor, 
^^reyberrn  |  und  ITlitgenossen  der  Königlichen  Societät  in  |  Gngeland.  | 
Dürnberg  |  In  Uerlegung  lüolfgang  moritz  Gndters.  |  MDCLXXXVIII. 
5olio,  264  SS.  mit  223  Abbildungen/^^  Dem  Citel  vorangestellt  erscheint 
eine  Allegorie  „Carintbia**  (Kupferstich  —  gezeichnet  von  3.  Boner). 

Die  Abbildungen  sind  von  den  in  den  sonstigen  Cüerken  üalvasors 
vertretenen  Künstlern  hergestellt,  nur  mit  dem  Unterschiede,  da(5  wir  in 
dieser  Publikation  den  monogrammen  M.  P.  (Peter  ITiungerstorf)  und 
M.  (j.  (niatthias  ßreyscher)  häufiger  als  sonst  begegnen,  die  beide  an 
diesem  CUerke  ihre  Kupferstecherkunst  wacker  geübt  haben;  neben  WD 
(lUierix  del.),  der  durchaus  die  eigenen  und  des  5^reiherrn  Abrisse  aus-- 
geführt,  erscheint  in  dieser  Publikation  auch  ein  neuer  Künstler,  Schnabel 
(als  Kupferstecher)  genannt,  der  des  WD  Jriesach  in  Kupfer  gestochen  hat. 


*^^  Heu  bcrausgegcbcn  von  ].  Krajcc  in  Rudolfswert,  getreu  dem  Originale. 

V.  Radics,  Ualvasor.  14 


'S    210    'S) 

Die  Cüidniung  dieses  Cüerkes  ist  an  die  Stände  Kärntens  gerichtet  und 
beginnt  mit  den  Cüorten:  „Gs  verbündt  meines  Gracbtens  dieses  alle 
tugendbaff ten  ßemütber,  wie  ein  Gesetz,  da(5  man  seine  Grfabrung, 
Kenntnis  und  Beobachtungen,  wann  sie  gemeinnützlich  werden  können, 
nicht  bey  sich  verschliefK,  sondern  auch  andern  bey  aller  Gelegenheit  zur 
Dachricht  gedeihen  lasse  und  eine  Gleichwilligkeit  bezeuge,  sowol  in  der 
Jlusgabe  dessen,  was  uns  bekannt,  als  in  der  Ginname  dessen,  was  uns 
vorhin  unbekannt  war,  damit  gleichfalls  die  5^remden  von  uns,  wie  wir 
von  ihnen  erlernen  mögen,  was  beiderseitig  merkwürdig.  Solche  üerbind-- 
lichkeit  scheinet  denn  auch  dieses  die  Billigkeit  selbst  miteinzuknüpfen, 
daf5,  gleich  wie  wir,  gern  etwas  von  der  Gelegenheit  weitentlegener  Städte 
und  Länder  lesen,  also  wir  ebenfalls  von  denen,  welche  uns  entweder  die 
Gegenwart  oder  die  Habe  kundbar  gemacht,  dem  Gntfernten  zu  lesen 
geben,  was  des  Cesens  werth  erscheint."  Diese  Betrachtung,  sagt  üalvasor 
weiter,  habe  ihn  zur  Beschreibung  seines  geliebten  Uaterlandes  Krain  und 
dieses  „angrenzenden  hochpreislichen  Grzherzogthums"  geführt;  nicht  minder 
aber  habe  ihn  hiezu  geführt  die  Jlbsicht,  den  3^remden  die  Ginbildung  zu 
benehmen,  daf^  dieses  Cand  in  einem  lüinkel  versteckt  im  Schatten  liege, 
nicht  minder  aber  endlich  die  Ghrerbietigkeit  gegen  die  hochlöblichen  Stände 
und  der  ÜJunsch,  mit  einem  so  ansehnlichen  Stoff  seine  5^eder  zu  beehren. 
Gr  weist  zurüd<  auf  seine  erste  Betätigung  für  Kärnten  in  der  [Verausgabe 
der  Copographie  1681  und  wie  jenes  Cüerk  die  Grundlage  zu  diesem  um-- 
fassenderen  bilde.  3enem  Schlösserbuche  habe  er  nun  auf  allgemeinen 
Cüunsch  die  topographische  Beschreibung  beigefügt  und  in  „Grkundigung" 
desselben  keine  IDühe  gespart.  Diese  CUidmung  ist  „gegeben"  zu  Cüagens= 
berg  am  31.  niärz  16$$. 

Gs  folgt  ein  lateinisches  Begleitgedicht  von  Paul  Ritter  Uitezovich  und 
ein  deutsches  von  Grasmus  5rancisci  (Dürnberg,  14.  Jänner  16$$).  l)ieran 
reiht  sich  eine  Karte  von  Kärnten;  sodann  beginnt  die  topographische 
Beschreibung,  Cext  und  Bilder  nebeneinanderstehend;  auf  264  Seiten 
223  Jlbbildungen  mit  längerer  oder  kürzerer  Beschreibung  zur  Seite.  Den 
Jlbbildungen  erscheinen  je  die  Städte-,  Stifts-  und  Ortswappen  sowie 
lUappen  adeliger  Besitzer  nebengestellt. 

Die  Seiten  1  bis  5  nehmen  die  Beschreibung  Kärntens  im  allgemeinen 
ein,  welche  üalvasor  aus  Hlegiser,  Keichhardt  und  Hlerian,  aber  auch  zum 
gro(>en  Ceil  „aus  eigener  Grfahrung  und  CUissenschaft"  genommen. 

Gleich  auf  Seite  1  begegnen  wir  einer  charakteristischen  Jluslassung, 
die  lautet:  „Sonst  findet  man  in  den  uralten  Freiheiten  oder  Privilegien, 
da[5  ein  Rerzog  in  Kärnten  in  windischer  Sprach  investirt  und  eingeführt 


'S    211    'S) 

worden.  CUie  denn  aucb  Jleneas  Sylvius  in  seinem  Guropa  an  dem  Ort, 
wo  er  von  Kärnten  schreibt,  für  glaubwürdig  anzeigt,  da(3  ein  Hrst  in 
Kärnten  die  5^reibeit  hätte,  wenn  €r  bey  einem  Römischen  Kaiser  und 
dem  gantzen  hl.  Reich  angeklagt  würde,  dat5  er  sich  vor  demselben  änderst 
nicht  als  in  windischer  Sprach  zu  verantworten  schuldig  wäre.'* 

Jluf  Seite  7  kommen  wir  zu  den  Abbildungen  und  den  sie  begleitenden 
texten.  Gs  kann  hier  nicht  der  Ort  sein,  das  ganze  CUerk  Blatt  für  Blatt 
durchzugehen,  was  auch  bei  dem  Umstände,  als  die  von  ].  Krajec  in 
Rudolfswert  veranstaltete,  dem  Originale  getreu  nachgebildete  Deuausgabe 
der  bis  dahin  bibliographischen  Seltenheit  in  so  zahlreichen  Bibliotheken 
(öffentlichen  und  privaten)  verbreitet  ist,  ziemlich  überflüssig  erscheinen 
mü(5te. 

lüir  wollen  hier  nur  hervorheben,  in  welcher  (Heise  Ualvasor  bei  ]\n= 
läge  und  Jlusführung  dieses  seines  Kärnten  in  Cüort  und  Bild  verfahren 
ist,  „um  den  5^remden  die  Einbildung  zu  benehmen,  da{5  dieses  Eand  in 
einem  CUinkel  versteckt  im  Schatten  liege'*,  oder,  um  uns  modern  aus-- 
zudrücken,  dem  ^Fremdenverkehr  in  diesem  Cande  die  CUege  zu  öffnen. 

Schon  gleich  das  94  cm  lange  und  32  cm  hohe  (den  Ständen  de-- 
dizierte)  Panorama  von  „Ciagenfurt",  von  WD  (Cüierix)  mit  dem  größten 
5lei(5e  und  aller  Kunstfertigkeit  gezeichnet  und  von  JI.  Crost  mit  seinem 
so  äuf^erst  gewandten  Grabstichel  feinst  ausgeführt,  war  in  der  tat  ge-- 
eignet,  für  die  so  reizend  vor  die  Karawankenkette  hingebettete  Stadt  in  den 
weitesten  Kreisen  wirkungsvollste  Propaganda  zu  machen;  von  besonders 
zarter  Jlusführung  zeugen  die  ober  das  Gesamtbild  hingestellten  Detail-- 
ansichten  des  Candhauses,  des  Jllten  und  des  Heuen  Platzes.  Euch  der  Rumor 
fehlt  auf  dieser  Darstellung  nicht,  indem  im  freien  ^Jelde  vor  der  wohl-- 
ummauerten  Stadt,  und  zwar  in  der  Habe  des  Kirchleins  „Beim  Schutz-- 
engel",  zwei  Ringende  abgebildet  sind,  deren  einen  ein  dritter  von  rück-- 
wärts  zu  stützen  sucht,  ein  paar  über  den  Anblick  höchlichst  Erfreute 
breiten  aber  schier  jubelnd  daneben  die  JIrme  in  die  ßöhe! 

An  dieses  Panorama  von  Klagenfurt  $chlie[3en  sich  noch  zwei  Dar-- 
stellungen,  die  Candeshauptstadt  betreffend,  einmal  die  Abbildung  des 
Candhauses,  „wie  es  inwendig  zu  sehen",  und  dann  eine  kleine  Ansicht 
der  ganzen  Stadt  aus  der  Uogelperspektive  mit  dem  Karree  der  5Festungs-- 
mauer.  Diese  alte  Befestigung  wird  in  dem  begleitenden  Cexte  also  ge-- 
schildert:  „Diese  l)aubtstadt  ist  wol  fortificirt  und  viereckicht,  hat  S  Pasteyen 
von  Quaderstucken,  einen  tiefen  CUassergraben  um  und  um,  man  kann 
das  Cüasser  so  grof5  darein  lassen,  als  man  will  —  oben  auf  dem  Cüall 
seynd  lauter  Bäume  gesetzt,  man  kann  auch  rings  herum  mit  lüagen  und 

14* 


-g)    2\2    'S) 

Carossen  fahren,  im  Sommer  gebt  man  gemeiniglich  oben  herum  spazieren." 
Und  auch  schon  der  heute  von  blühenden  Sommerfrische-Stationen  umgürtete 
Cüörthersee  wird  in  diesem  ^Fremdenführer  unseres  edlen  Jreiherrn  lockend 
angepriesen:  „Hlan  fährt  —  schreibt  er  —  auch  im  Sommer  gegen  Jlbend 
auf  dem  (JUasser  spatzieren  bis  in  den  gro(5en  lUörd--See,  von  dannen  der 
gro[K  Canal  auf  eine  halbe  Stund  lang  bis  zu  der  Stadt  laufft,  darauf 
man  mit  kleinen  und  gro(3en  Schiffen  fahren  kann." 

€in  ausführlicher  Cext  ist  auch  dem  kärntnerischen  Rothenburg,  der 
Critt  auf  Schritt  an  das  mittelalter  gemahnenden  alten  Bischofsstadt 
5Friesach,  gewidmet,  dessen  Dominikanerkloster  mit  der  Stelle,  wo  Chomas 
von  Jlquin  gepredigt,  und  deren,  heute  durch  die  Umwandlung  in  ein 
segensreiches  Ordensspital  zu  neuer  humanitärer  Blüte  gediehenen,  alt- 
berühmten,  von  den  letzten  hochwürdigsten  Roch-  und  Deutschmeistern, 
den  kais.-königl.  Roheiten  Grzherzog  Cüilhelm  und  Erzherzog  Gugen  vor 
dem  Uerfall  geretteten  Ceutsch-Ordensniederlassung,  zu  5ü(Kn  des  ruinen- 
gekrönten  lUaldhanges  die  ältesten  Zeugen  der  längstverklungenen  histo- 
rischen Greignisse  geblieben  sind. 

Cüahre  Prachtbilder  sind  die  von  IDarkt  und  Chumstift  ßurk  und  des 
Chumstift  allein  (von  der  rückwärtigen  Seite). 

Sehr  anschaulich  sind  auf  dem  den  $tra(Knübergang  über  den  Coibl- 
berg  darstellenden  oberen  Bilde  die  „Serpentinen"  zu  Gesicht  gebracht; 
in  dem  Begleittexte  verweist  üalvasor  auf  die  Beschreibung  des  Coibl 
durch  den  Engländer  Edward  Brown,  indem  er  nur  bemerkt,  es  „müsse 
sich  jeder,  so  etwas  versteht  und  gesehen,  mit  ihme  (Brown)  über  diesen 
CUeg  verwundern".  Jluf  dem  untergestellten  Bilde  ist  der  Anfang  der 
Reise  von  der  Krainer  Seite,  dargestellt  mit  der  „von  Quaderstucken  ge-- 
machten  Brücken,  allwo  ein  lüasser  über  einen  mächtighohen  ^^elsen  ob 
der  Brücken  mit  einem  solchen  impetu  herab  und  unter  die  Brücken  in 
tiefe  Schlutten  über  die  Felsen  herunterschie(5t,  daf^  solches  grausam  an-- 
zusehen  ist".  So  beschreibt  er  die  „Ceufelsbrücke",  „von  der",  wie  er 
lakonisch  beifügt,  „der  , gemeine  Illann*  behauptet,  da(5  der  Ceufel  allda 
seine  mutter  bade". 

Uon  IDaria  Coretto  sagt  er:  „In  Summa,  es  kann  nichts  lustigeres 
sein  als  dieser  Ort" ;  bei  der  Propstei  Ularia  Saal  sieht  man  den  Königs- 
stuhl  im  Uordergrunde. 

Das  zur  Zeit  den  3esuiten  von  Graz  gehörig  gewesene,  ehemalige 
Benediktinerstift  (dann  St.  Georgenabtei)  Hlillstatt  weist  in  dem  mit  viel 
Sorgfalt  ausgeführten  Bilde  im  Rücken  des  Klostergebäudes  den  See,  von 
Enten  belebt;  im  Begleitlexte  hei[5t  es,  da(5  Jlbt  Otto  (im  14.  Jahrhundert) 


©    213    'S) 

den  Sarg  mit  den  Gebeinen  des  Herzogs  Domitian  (der  $29  n.  Chr.  der 
Stifter  von  IDüblstadt  gewesen)  und  dessen  Gemahlin  niarie  von  Hieran 
aufgefunden  habe. 

Dem  ehemaligen  Zisterzienserstifte  Ossiacb  sind  fünf  Seiten  Beschreibung 
gewidmet,  „welche  ich  —  wie  der  Uerfasser  sagt  —  theils  aus  IDegiser, 
theils  aus  dem  Breviario  Ristoriae  Carintbiae,  das  IDeiste  aber  aus  den 
Ossiachischen  Hlanuscriptis  und  uralten  Originalurkunden  extrahirt".  Jluch 
erwähnt  er  hier  eine  Prozedur,  die  mit  einer  in  der  Hlitte  11.  C.  Jrauen-- 
bild  enthaltenden  kristallenen  Kugel  vorgenommen  zu  werden  pflegte, 
indem  durch  diese  der  Sonnenstrahl  auf  unsinnige,  Caubsüchtige,  Stumme, 
Blinde  zur  Teilung  geleitet  wurde;  ein  Pater  nahm  das  Brennen  vor  und 
die  Peilung  erfolgte,  doch  „wer  Baccho  oder  Uenere  sich  ergibt,  wird 
recidiv''.  Giner  solchen  Prozedur,  wobei  der  Kranke  auf  einen  Stuhl  gesetzt 
wurde  und  der  Pater  das  Brennen  mit  der  Kristallkugel  vorgenommen, 
hat  Ualvasor,  wie  er  bemerkt,  „flnno  1680  selbsten  zugesehen'*  — ,  ob 
oder  da(5  er  die  Teilung  wahrgenommen,  davon  schweigt  er. 

Reizende  Bilder  sind  die  Einsichten  der  durch  die  fürstliche  Familie 
Khevenhüller  so  wohl  erhaltenen  herrlichen  mittelalterlichen  Burg  Roch-- 
osterwitz;  auf  der  Jlnsicht  der  Rauptfestung  sieht  man  am  ^\i{h  des 
Berges  den  Zeichner  mit  seiner  Hlappe  —  wohl  unser  5^reiherr  selbst, 
da  er  diese  altberühmte  5^este  „abgerissen". 

Imposant  präsentieren  sich  die  beiden  Einsichten  der  altehrwürdigen 
Benediktinerabtei  St.  Paul,  dieser  heute  weithin  bestbekannten  3ugend-- 
bildungsstätte,  welchem  durch  eine  Reihe  der  ausgezeichnetsten  Prälaten 
in  der  Geschichte  der  Kirche  und  der  Kultur  ruhmvollst  verdienten  geist-- 
lichen  pause  ein  ausführlicher  Cext  gewidmet  erscheint. 

Das  Bild,  das  heute  im  wohlverstandenen  Interesse  des  Besitzers  als 
„Ansichtskarte"  weit  in  die  lUelt  hinausflattert,  das  Bild  des  „Sauerbrunn" 
in  Preblau  (gegenwärtig  Gigentum  der  5^amilie  Jerlatti  Bancalari  und  der 
5rau  pofrat  Jlnna  Dr.  Schneditz)  weist  in  der  unteren  linken  Gcke  in  köst- 
licher Detailzeichnung  das  primitive  Kurleben  Preblaus  an  der  Crinkhalle 
des  17.  3ahrhunderts;  in  den  Fensternischen  stehen  die  Trinkbecher,  vor 
der  Balle  sitzen  mit  Bechern  in  den  l)änden,  promenieren  und  hocken 
Badegäste  und  auch  der  treue  Gefährte,  auf  alten  Bildern  nicht  fehlend, 
der  Bund,  fehlt  auch  hier  nicht.  Recht  gute  Bilder  sehen  wir  auch  von 
Sonegg,  von  Spittal  a.  d.  Drau,  von  dem  einst  bei  den  Gurker  Bischöfen  als 
Residenz  beliebten  Strat^burg,  von  dem  so  wichtigen  Grenzorte  Carvis,  von 
Schlo(5  Canzenberg,  im  Cexte  auch  nach  ehemaliger  Einnahme  als  „Geburtsort" 
Kaiser  ITlax  I.  hervorgehoben;  vorzüglich  schöne  Bilder  erhielten  aber  die 


■©    214    'S) 

alte  Hauptstadt  St.  Ueit,  das  alte  Scblof^  üelden  („von  dannen  man  bis 
Clagenfurtb  zwei  starke  Mleilwegs!  auf  dem  See  fahren  kann"),  die  ehe- 
malige Zisterze  Uiktring,  heute  ^abriksetablissement  der  weltbekannten, 
namentlich  durch  die  Cieferung  der  Codentücher  für  unsere  wackeren  öster-- 
reichischen  Dordpolfahrer  historisch  denkwürdigen  Jirma  Gebrüder  Illoro, 
dann  Stadt  und  Bad  üillach  („Cöplitz"  hier  genannt);  Stadt  üillach  stellt 
sich  als  noch  stark  befestigt  dar  und  vor  der  Brücke  ist  ein  starker,  doch 
sehr  niederer  Rundturm  sichtbar.  Im  Cexte  betont  es  üalvasor,  daf^  „hier-- 
durch  alle  Kaufmannswaar  aus  Italien  und  Krain  ins  Cand  Kärnthen, 
Salzburg  und  in  das  Reich  hinaus  und  wiederum  hereingehe'*. 

Bei  der  Stadt  Cüolfsberg,  wo  ein  gedeckter  Gang  ins  Schloff  hinauf-- 
führt,  sieht  man  zwei  gedeckte  Brücken  und  die  Cavant  mit  starkem  Gefälle; 
am  Südabhang  des  Schlof^berges  ist  ein  „Cüeinberg"  sichtbar. 

Bm  Schlüsse  dieses  seines  Kärnten  gewidmeten  Buches  bemerkt  üalvasor, 
sich  gegen  den  J!nwurf  der  Unvollständigkeit  mit  einer  Entschuldigung 
verteidigend:  „Und  weil  noch  mehr  (als  die  223  abgebildeten  Stätten) 
Schlösser  und  Jldeliche  Sitz  im  Cand  mutmaf^lich  vorhanden,  solche  aber 
mir,  da  ich  diese  obenbeschriebenen  abgerissen,  nicht  ins  Gesicht  gekommen, 
als  will  ich  zum  Beschluf^  Kraft  dieses  hiemit  protestirt  haben,  da(5  solche 
Jlusbleibung  wie  auch  sonst  durchgehends  in  diesem  topographischen  Cüerk 
niemand  etwas  zum  Präjudiz  gesetzt  sein  soll". 


i 


Die  ehre  des  Berzogtums  Krain  1680. 
Ual\)a$or  als  l)t$toriKer. 

fndlicb  nach  langen  fahren  mühevollen  Sammelns  und  gründ- 
lichen 5^orschens,  nach  rastlosen  üorbereitungen  mitten  unter 
anderm  literarischen  und  künstlerischen  Schaffen,  ja,  selbst  unter- 
brochen durch  einen  Kriegszug  zur  Jlbwebr  der  mit  den  Türken 
verbündeten  aufständischen  Ungarn,  deren  5^ührer  Batthyäny,  wie  u)ir  ge- 
sehen haben,  in  den  Osten  des  Dachbarlandes  Steiermark  eingefallen  war, 
und  unter  opferwilliger  Aufwendung  grof^er  materieller  mittel  vollendete 
Johann  (üeikhard  5^reiherr  von  Ualvasor  sein  Lebenswerk,  das  ihm  daheim 
und  nach  au(5en  unvergänglichen  Ruhm  und  einen  unvergef^lichen  Damen, 
insbesondere  bei  seinen  krainischen  Candsleuten  gesichert  hat,  die  um- 
fassende Beschreibung  seiner  von  ihm  so  sehr  geliebten  l)eimat,  die  „Ghre 
des  Herzogtums  Krain",  die  16S9  in  Hürnberg  bei  IDoritz  Gndter  in  vier 
5oliobänden  erschien,  deren  erster  L  und  696,  der  zweite  $36,  der  dritte 
396  +  730  =  1126  und  der  vierte  610  und  62  SS.  (Register),  das  ganze 
^erk  also  3320  Seiten  mit  533  Abbildungen  in  Kupferstichen  zählt. 

(Deiche  5^ülle  von  5^1ei(5  und  Arbeit,  von  Tüchtigkeit  in  Cüissen  und 
Grfahrung  des  üerfassers,  der  Künstlerschaft  seinerseits  wie  nicht  minder 
der  von  ihm  hiebei  beschäftigten  Künstler,  Zeichner  und  Kupferstecher, 
welche  5ülle  aber  auch  von  Anregung  für  alle  kommenden  Geschlechter, 
welche  daraus  gelernt  und  geschöpft,  lernen  und  schöpfen  werden  als  aus 
einem  schier  unerschöpflichen  Quell  der  Belehrung  und  der  Benützung, 
schliefet  nicht  dies  herrliche  „Buch  der  Bücher"  über  unser  so  schönes, 
immer  mehr  und  in  immer  weiteren  Kreisen  nach  seinem  wahren,  nach 
so  vielen  Richtungen  hin  nicht  genug  zu  schätzendem  CUerte  gewürdigtes 
teures  Krain  in  sich ! 

Das  CUerk  ist  in  fünfzehn  l)auptabteilungen  „Bücher"  geschieden,  jedes 
Buch  in  Kapitel,  zu  deren  Raupten  kurze  Übersichten  den  Inhalt  angeben, 
rnarginalnoten  am  Texte  erleichtern  das  Aufsucl)en  sowie  die  Cektüre. 
Den  Schlut^  macht  ein  Register,  welches  wohl  ziemlich  dürftig  ausfiel.  Cüir 


'S    216    -2) 

haben  scbon  oben  in  einem  früheren  Jlbteil  angedeutet,  da()  noch  heute 

trotz  der  gutgemeinten  Ausgabe  eines  ,,Repertoriunis'*  zu  der  ,,Ghre  Krains'* 

ein  allen  JInsprüchen  genügendes  Register  leider  vermif^t   werden   mu(5. 

* 
*  * 

Besehen  wir  uns  nun  im  raschen  Durchblättern  den  reichen,  kostbaren 
Inhalt,  und  zwar  zunächst  des  ersten  Bandes. 

Das  erste  Blatt  (Raupttitel  und  Citelkupfer)  enthält  nachstehendes  Cob-- 
gedicht  auf  Krain: 

„£rain!  wer  dich  kennt,  dem  blinkt  gar  so  schön  dein  Ghrenschein, 
Durch  manches  Kleinod,  so  Hatur  dir  angehängt; 
Durch  der  Regierer  61anz  so  dich  mit  Eicht  beschenkt. 

5ällt  mir  dein  Ritter-Hluth  und  gro(Kr  5ürst  dann  ein. 

So  mu(5  Carniolia  ein  Carneol  mir  sein; 

Dieweil  dein  Oberhaupt  viel  Ghre  zu  dir  lenket. 
Der  I)immel  ist  es  selbst,  der  deiner  Ghren  denket. 

Der  angeerbt  dich  dem  Ost--l)aus,  edles  Crain. 

Die  5ama  lä(3t  von  dir  den  ehrenschall  auch  hören, 

Dat5  du  den  Glauben  stets,  dem  Mlond  zu  Crutz,  beschützt 
mit  tapferm  Stahl  und  Bley  auf  Ost-Reichs  5eind  geblitzt. 

Der  seine  Ruhe  kam  und  deine  Creu  zu  stören. 

Die  Creu,  so  manches  Cand,  mit  ehren  kann  belehren, 
jetzt,  da  dein  Jldler--!)aupt*^2  Criumph-verehrlich  sitzt 
Und  der  verthierte  Skytb,  vor  Ängsten  Blut  hier  schwitzt, 

rnu(5  auch  dein  Ghre  nun  des  Cesers  Cust  vermehren.** 

Das  zweite  Blatt  bringt  im  „Citelkupfer"  (5^olio)  Jlustria  auf  dem 
Chrone,  vor  ihr  Carniolia,  geleitet  vom  Glauben  und  der  Capferkeit,  mit 
bezug  auf  die  oben  angeführten  Uerse.  Der  Gngel,  der  diese  Gruppe,  auf 
dem  Jlare  reitend,  umschwebt,  ruft  aus  seiner  Cuba  die  Cüorte:  „Garnia  fida 
Deo,  Garnia  fida  Duci"  und  „Ris  formis  lustrata  novis  patet  orbe  videnda". 

Das  dritte  Blatt  bringt  den  Buchtitel,  der  im  Geschmacke  jener  Zeit 
die  ganze  5^olioseite  füllt;  er  lautet  seinem  wesentlichen  Inhalte  nach  also: 

„Die  ehre  des  F)erzogthums  Grain:  Das  ist  wahre,  gründliche  und  recht 
eigendliche  Belegen-  und  Beschaffenheit  dieses,  in  manchen  alten  und 
neuen  Geschicht-Büchern  zwar  rühmlich  berührten,  doch  bishero  nie  annoch 
recht  beschriebenen  Römiscl)--Kaiserlichen  herrlichen  erblandes;  Jlnjetzo  ver- 
mittelst   einer   vollkommenen    und    ausführlichen    erzehlung    aller   seiner 


483 


Krain  bat  bekanntlich  einen  JIdler  im  CUappen. 


'S)    217    'S 

Candscbafften  usw durch  selbsteigene  ganz  genaue  Erkundigung,  Unter-- 

sucbung,  Grfabrung  und  ])istoriscb--Copograpbiscbe  Beschreibung.  In  fünf-- 
zebn  wiewol  in  vier  Baupt-Ceile  unterschiedenen  Büchern,  wie  auch  häuffigen 
abrissen  und  zierlichen  Kupferfiguren  ausgebreitet  von  3ohann  (Ueychard 
üalvasor  Jreiherrn,  Giner  Rocblöblicb.  Candschaft  in  Krain,  l)auptniann  im 
untern  üiertheil  und  der  Königlich  Gnglischen  Societät  in  Gngland  Mlit-- 
gliede;  Aber  in  reines  Ceutsch  gebracht,  auch  auf  Begebren  mit  manchen  bei-- 
gefügten  Crklärungen,  Jlnmerk--  und  Erzählungen  erweitert  durch  Grasmum 
5^rancisci  de(5  Bochgräflichen  Rauses  Rohenlob  und  Gleichen  Raht.  Caybach 
Jlnno  MDCLXXXIX.  Zu  finden  bey  CUolfgang  ITloritz  Gndter  Buchhändler, 
Dürnberg.  0um  privilegio  Sacrae  Caesareae  Hlajestatis." 

Die  darauf  folgende  Dedikation  an  die  Candstände  des  Herzogtums 
Krain,  welche  die  Hlotive  der  Herausgabe  dieses  UJerkes  darlegt,  umfaf^t 
samt  dem  Citel  acht  Seiten  und  gipfelt  in  dem  Satze,  da(5  der  Eutor  es 
sich  zur  Cebensaufgabe  gesetzt,  die  Unwissenheit  der  5^remden  durch  eine 
ausführliche  Beschreibung  des  Herzogtums  Krain  aufzuheben. 

Dun  kommt  das  Porträt  Ualvasors,  von  dem  CUiener  Kupferstecher 
ßreyscher  sehr  sorgfältig  ausgeführt;  der  edle  5^reiherr,  dessen  ebenso 
energische  als  gutmütige  Züge,  gro(5e,  offene,  ehrliche  Jiugen,  uns  freundlich 
entgegenleuchten,  erscheint  als  Krieger  abgebildet;  er  trägt  langes,  ge= 
welltes  Haupthaar  und  einen  sehr  schwachen  Schnurrbart,  auf  den  Küra(5 
herab  reicht  die  von  den  kroatischen  Offizieren  im  Drei(5igjährigen  Kriege 
in  Deutschland  und  dann  weiterhin  in  ITlode  gebrachte  weifte  Spitzenbinde, 
später  „Kravatte**  genannt. 

Dem  Porträt  folgen  die  üblichen  ßratulationsgedichte  zum  Erscheinen 
des  Uüerkes  in  deutscher,  lateinischer,  kroatischer  und  slowenischer  Sprache, 
darunter  auch  ein  deutsches  der  bekannten  deutschen  Dichterin  des  17.  3ahr-- 
hunderts  und  üorsteherin  der  Cilienzunft  in  dem  Pegnitzschen  Blumenorden 
zu  Hürnberg,  der  3^rau  Katharina  Regina  von  ßreiffenberg,  Ireiherrin  von 
Seisenegg,  dann  Gedichte  von  Prasch,  Petermann,  Begleiter,  Jrancisci, 
niajer,  Ritter  Uitezovich,  Sisentschelli,  Dolnitscher  von  Chalberg.  Die  slo-- 
wenischen  üerse  Sisentschellis  aber: 

„Bukve,  tedaj  pojte, 
na  vsem  svetu  stojte, 
po  vse  deshelah  letite 
in  moju  zhast  donesite" 

sind  in  der  Cat  glänzend  in  Erfüllung  gegangen,  Ualvasors  Buch  wanderte 
in  die  ganze  lüelt,  in  alle  Cänder  und  verkündete  überall  seinen  Ruhm. 


'&    21$    ® 

Dach  den  üorreden  Ualvasors  und  ^ranciscis  bildet  ein  Uerzeicbnis 
der  im  lüerke  angeführten  und  benützten  Skribenten  (11  Seiten  Jolio)  den 
Scbluf)  der  einleitenden  Blätter. 

lüir  blättern  um  und  sind  beim  Cexte  selbst  angelangt.  Das  erste 
Buch  des  ersten  Bandes  (von  5rancisci  gearbeitet)  bringt  gelehrte,  aber 
gegenwärtig  ganz  antiquierte  etymologische  Gxkurse  über  die  älteren  Damen 
der  Bewohner  Krains  und  über  den  Damen  Krain  selbst. 

Das  zweite,  von  üalvasor  selbst  gearbeitete  Buch,  von  grö(5erem  Um-- 
fange,  aber  auch  von  weitaus  gröfKrem  CUerte,  enthält  die  Copographie 
Krains  mit  den  Unterabteilungen:  „von  den  Crainerischen  Grenzstrichen", 
„Uorbericht  von  der  Lebensart,  Religion,  Sitten  etc.  der  Crainer",  dann 
von  den  einzelnen  Candesteilen,  und  zwar  „von  den  Grenzen,  Datur, 
Sitten,  Dahr-  und  Randthirung",  „von  den  Städten  und  FDärkten",  „be- 
wohnten und  unbewohnten  Schlössern",  „den  Dörfern",  „Bergwerken  und 
T)ammern",  „Posthäusern",  „Böden,  Chälern  und  5^eldern",  „Bergen", 
„Cüäldern",  „Cüeinbergen",  „Bädern  und  Sauerbrunnen",  „Seen",  „Flüssen 
und  Bächen",  „verschwindenden  CUässern",  „unterirdischen  Gängen,  Röhlen, 
Cochem",  „Kreutfeuern"  (Jllarmfeuern  auf  den  Rohen  als  Telegraphen  in 
den  Cürkenkriegen).  Dieser  Ceil  macht  also  den  Ceser,  wie  es  sich  gebührt, 
mit  dem  Boden  bekannt,  auf  dem  sich  die  später  erzählten  „Jahrgeschichten 
und  Randlungen"  abwickeln  und  abspielen.  Den  diesem  Abschnitte  bei= 
gegebenen  Bemerkungen  über  die  „Randthirung"  der  Bewohner  entnimmt 
man  noch  heute  hochwichtige  Daten  über  die  uralten  Hausindustrien*^* 
des  krainischen  Uolkes,  die  zu  erhalten,  beziehungsweise  neu  zu  erwecken, 
die  löbliche  Aufgabe  der  von  der  Regierung  vor  wenigen  Jahren  in  der 
Landeshauptstadt  errichteten  k.  k.  Fachschulen  für  Rolzarbeiten,  lllodel-- 
lieren  usw.  sowie  für  Stickerei  und  Spitzennäherei  ist,  welche  Schulen 
dank  ihrer  vorzüglichen  Leitung  und  der  Tüchtigkeit  der  an  ihnen  wir-- 
kenden  Lehrkräfte  die  schönsten  Erfolge  aufzuweisen  haben.  Den  diesem 
zweiten  Buche  in  seinen  Abteilungen  über  die  Sitten  und  Gebräuche  der 
Bewohner  beigegebenen  Illustrationen  entnimmt  man  dies  und  jenes  nicht 
uninteressante  kulturhistorische  IDoment,  so  zum  Beispiel  Seite  105,  wo  die 
krainischen  Bauern  eben  damit  beschäftigt  sind,  die  Garbenbunde  von  einem 
mit  vier  Ochsen  bespannten  Cüagen  abzuladen  und  in  eine  sogenannte  „Rarfe" 
einzulegen,  welche  Art  des  Trocknens  der  5^eldfrucht  heutzutage  noch  mit 

*^*  Diese  hier  und  außerdem  an  vielen  andern  Stellen  bei  Üalvasor  enthaltenen 
Daten  über  die  Rausindustrie  Krains  im  17.  ]abrbunderte  finden  sid)  in  3ob.  murniks 
trefflicher  Darstellung  der  Rausindustrie  Krains,  enthalten  in  ÜJ.  Gxners  zu  CUicn  heraus- 
gegebenen UJerke:  „Die  Hausindustrie  Österreichs",  Seite  22  bis  47. 


®    219    'S) 

Uariationen  in  der  Bauart  dieser  „Warfen"  in  allen  von  Slowenen  bewohnten 
Gegenden  vornebnilicb  Krains  und  der  südlicben  Steiermark  im  0e-- 
braucbe  steht. 

Das  dritte  und  vierte  Bucb  geben  die  Beschreibung  „von  der  natür- 
lichen Beschaffenheit  des  Candes"  und  von  den  „Datur-Raritäten".  Das 
dritte  Buch  handelt  ausführlich  von  der  Cage  des  Eandes:  „von  den  Bergen 
und  Gebirgen",  „von  den  Flüssen  und  Seen",  weiters  „von  der  CUitterung 
und  dem  Cufttemperament"  (wobei  das  Klima  von  Caibach  gegen  den 
üorwurf  der  Schädlichkeit  durch  die  Hebel  auf  6rund  fachlicher  JIngaben 
in  Schutz  genommen  wird),  „vom  Ungewitter,  Bagel,  Blitz  und  Donner" 
(„0rain  wäre  wol  ein  rechter  Kern  glückseliger  und  fruchtreicher  Cänder, 
wofern  ihm  nicht  der  Schauer  seine  Glückseligkeit  merklich  verringerte"), 
„von  den  Krankheiten  in  Kraiu"  nebst  einem  längeren,  einschlägigen  ärzt-- 
lichen  Berichte  des  Dr.  Jranz  von  Coppini,  „von  allerlei  Gewächsen  in 
Krain"  („CUeizen--  und  Rabernbier  in  Kraiu"),  „von  allerlei  l)ü!senfrüchten", 
„von  allerlei  Baum--  und  Staudfrüchten",  „von  den  niedrigen  Grdgewächsen", 
„von  allerlei  wilden  Bäumen",  „von  mancherley  Kräutern"  —  wobei  die 
Bemerkung  eingestreut  ist,  daf^  Krains  hohe  Berge,  die  Kerma  (im  Criglav-- 
stocke),  der  Gro(5Stuhl  (üeliki  stol),  die  5^eistritz  in  den  Steiner  Jllpen,  der 
Danos  und  der  Utschka  (FHonte  Hlaggiore),  alle  jähre  von  gewissen  Bo-- 
tanicis  und  CUurzelgräbern  aus  unterschiedlichen  Cändern  besucht  werden  — , 
„von  den  Blumen  in  Krain",  „von  der  Glückseligkeit  des  Eandes  Krain" 
—  nach  dem  Berichte  eines  wohlbewährten  praktischen  Jlrztes,  des  Dr.  5^ranz 
Corusa  in  Caibach  — ,  „von  den  Bädern  und  Kräutern"  unter  beson- 
derer Berücksichtigung  des  Bades  Cöplitz  in  Unterkrain,  mit  dem  ein-- 
schlägigen  Berichte  des  Dr.  Burchard,  „von  den  Hlineralien  und  Bergwerken" : 
Gisnern,  Kropp,  Gurk,  ]auerburg,  IDölpach,  Pleyofen,  Sava,  Steinbüchel, 
Cüochein,  Idria  —  wobei  Ualvasor  die  Bemerkung  mad)t,  da(3  ihm  von 
früheren  Schriften  über  Idria  am  besten  die  „Grzälung"  gefalle,  die  der 
Engländer  Dr.  Gualterus  Pope  in  einem  Bandschreiben  an  john  Cüilkins 
von  Uenedig  aus  mitgeteilt  und  die  er  aus  den  „Jlctis  Philosophicis"  der 
„Königlich  Englischen  Sozietät"  seinem  Buche  einverleibt  — ,  „von  dem 
vermeynten  Silbermachen  in  Idria,  ingleichen  von  einem  falschen  Cüahn 
wegen  der  Bergmännlein  samt  einem  Jlnhange  vom  CUeisen  Stein",  „von 
allerhand  unbestrittenem  Grz  und  mancherlei  mineralien",  „von  dem  €del-- 
gestein  und  IDarmel  in  Krain  und  dessen  Beschaffenheit  gegen  dem  aus- 
ländischen" („der  Jldler  Steine  habe  er  viel  hundert  in  andre  Cänder 
verschickt"),  „von  den  Chieren"  und  sonderlich  von  dem  sogenannten  Cierlein 
niyoxus  glis  (Grdratte)  —  von  dem   die  Sage  ging,  da(5  es  der  Ceufel 


'S    220     'S 

des  nachts  auf  die  Cüeide  treibe  und  die  lllenscben  bei  dessen  5ange  in 
den  CUäldern  zum  besten  halte  (was  auch  im  Bilde  dargestellt  erscheint, 
Seite  43$)  und  dessen  5elle  nach  Deutschland,  Rolland,  den  spanischen 
Diederlanden,  Gngland,  5^rankreich,  Italien  verführt  worden,  wobei  die 
Kürschner  dieselben  mit  Kalk  betupften,  wodurch  schwärzliche  Stellen  ent-- 
standen  und  das  Pelzwerk  tigerartig  erschien  — ,  „von  andern  wilden 
Chieren",  „von  allerhand  zahmen  und  wilden  Geflügel,  fürnehmlich  vom 
Edler",  „von  kleinem  Geflügel  und  fremden  üögeln  in  Krain'*,  „von 
Uögeln,  die  den  ÜJinter  über  in  der  €rde  wohnen  (!)",  „von  dem  5^isch-- 
werk  in  Krain",  „von  allerlei  ßeziefer  und  Ungeziefer",  „von  Skorpionen 
und  Schlangen". 

Das  vierte  Buch  bringt  die  unterschiedlichen  „Hatur-Raritäten"  des 
Candes,  in  erster  Cinie  die  Beschreibung  der  hochinteressanten  inner-- 
krainischen  l)öhlen--  und  ßrottenwelt  des  Karstes  —  die  krainischen  Grotten 
gehen  in  der  Kuriosität  schier  allen  andern  berühmten  Bohlen  vor  — ,  der 
Jldelsberger  Grotte,  in  der  der  Berr  Rauptautor  so  weit  vorgedrungen,  wie 
vor  ihm  noch  niemand,  der  Grotten  St.  Kanzian,  St.  Serf,  Kleinhäusl, 
Cueg  usw.,  „von  einer  wunderlichen  Schiffahrt  durch  einen  Berg",  „von 
Schlang-  oder  Steinzungen",  „von  versteinerten  Muscheln,  Schlangen  und 
üögeln"  und  dann  ausführlichere  Beschreibungen  des  Zirknitzer  Sees  und 
anderer  Seen  des  Candes.  Die  beiden  Bücher  (3  und  4)  geben  aber 
auch  in  den  daselbst  eingestreuten  Rexen--  und  Gespenstergeschichten  einen 
wichtigen  Beitrag  zur  Sittengeschichte  des  Candes  im  17.  Jahrhunderte,  und 
welcher  Boden,  fragen  wir,  konnte  tauglicher  sein  zu  solchem  Gaukelspiel 
als  eben  der  Boden  dieses  Candes,  wo  die  finstre  Böhlenwelt  des  Karstes, 
die  Cüildheit  der  Lüald--  und  Jllpenlandschaft,  wo  Cüind  und  Cüetter  der 
erhitzten  Phantasie  willfährig  ihre  Dienste  leihen? 

Der  zweite  Band  beginnt  mit  dem  fünften  Buche,  welches  von  den 
„ältesten  und  alten  Bewohnern  Krains"  handelt,  nachdem  Japydier,  Goten, 
Cangobarden  abgehandelt  sind,  wird  im  zwölften  Kapitel  gegen  die 
„Schwaben"  und  für  die  Slawen  als  neueste  Bewohner  des  Candes  plaidiert 
und  die  Geschichte  der  Slawen  dann  im  dreizehnten  und  vierzehnten  Kapitel 
des  weiteren  ausgeführt.  Cüährend  das  fünfzehnte  Kapitel  den  „flwaren 
und  Bunnen"  gewidmet  erscheint,  findet  die  Herrschaft  der  5^ranken  in 
Krain  im  sechzehnten  (dem  Schluf^kapitel)  ihre  Behandlung.  Der  Jlnfang 
zu  diesem  Buche  gibt  ausführlichen  Bericht  über  die  alten  Städte  in  Krain, 
sehr  weitläufig  wird  von  Gmona  (Caibach)  gesprochen  und  eine  daran  sich 
schliet)ende  Jlufzählung  der  archäologischen  5^unde  (Steine  und  münzen) 
im  Cande  zeugt  für  des  Jreiherrn  eingehende  Studien  in  diesem  5ache. 


-2)    221     ^ 

Das  sechste  Buch  ist  fast  durchwegs  ethnographischen  und  kultur- 
historischen Inhaltes.  Gs  handeln  dessen  elf  Kapitel  der  Reihe  nach  „von 
der  krainischen  und  slawonischen  (slowenischen)  Sprache",  von  den  Crachten, 
Sitten  und  Gebräuchen  im  ganzen  Cande,  nämlich  von  CUohnung,  lUaffen, 
Kleidung,  Rochzeitsfeier,  Kindstaufen,  Begräbnissen,  Uolksfesten,  Cänzen, 
Kirmessen  und  geselligen  Uersammlungen  des  Uolkes  sowie  von  den 
besonderen  Sitten  der  krainischen  Bürger  und  des  Jldels.  Das  altdeutsche 
Clement  im  Cande,  die  ßottscheer,  finden  bei  üalvasor  die  erste  ein-- 
gehende  Behandlung.  Der  Anhang  zu  diesem  Buche  gibt  als  flbschlul^ 
der  stufenweisen  Besprechung  von  J\rt  und  Sitte  aller  Stände  eine  treffliche 
Übersicht  der  bisherigen  Ceistungen  der  ßeistesaristokraten  unseres  Uolkes 
auf  dem  Gebiete  der  Citeratur.  Jln  der  Spitze  der  hier  in  chronologischer 
Ordnung  angeführten  namhaften  Zahl  der  „gelehrten  Skribenten"  Krains 
erscheinen  die  Slawenapostel  Cyrill  und  ITlethod,  „weil  sie  sich  durch  ihre 
hohen  Uerdienste  um  Religion  und  Dationalität  der  Slawen  in  allen  sla- 
wischen Canden  für  ewige  Zeiten  eingebürgert  haben".  Jlls  erster  Krainer 
von  hervorragender  Bedeutung  ist  der  berühmte  Siegmund  von  Berberstein 
aufgeführt,  der,  14$6  zu  Cüippach  geboren,  in  der  dortigen  Schule,  wie  er 
in  seiner  Selbstbiographie  erzählt,  das  Slowenische  gelernt  und,  am  Gipfel 
seines  Ruhmes  angelangt,  der  CUohltat  dieser  Sprache  nicht  vergaff ,  die 
ihm  das  Russische  zu  erlernen  so  leicht  gemacht  und  also  die  erste  Stufe 
zu  seiner  glänzenden  literarischen  Karriere  als  „(Uiederentdecker  Ruf^lands" 
gelegt  hatte.  Bm  Schlüsse  dieser  höchst  dankenswerten  ersten  Zusammen-- 
stellung  einer  krainischen  Citeraturgeschichte  aus  üalvasors  5eder,  die  uns 
56  Jlutoren  mit  kurzen  Biographien  und  Anführung  ihrer  Cüerke  namhaft 
macht,  gibt  5^rancisci  eine  Übersicht  der  umfassenden  literarischen  Tätig- 
keit des  „Berrn  Bauptautors"  selbst. 

Das  siebente  Buch  handelt  von  der  Religion  in  Krain,  der  alten  heid- 
nischen und  der  christlichen;  das  bedeutendste  Interesse  gewährt  hier  die 
ausführliche  Behandlung  der  Reformation  und  Gegenreformation  (Kapitel 
$  bis  14),  die  in  ihren  Crägern  Primus  Cruber,  „dem  kraiitischen  Cuther" 
—  noch  heute  gefeiert  als  Begründer  der  slowenischen  Schriftsprache  — , 
und  dem  Gegenreformator,  dem  ebenso  geistvollen  als  energischen  Caibacher 
Bischof  Chomas  Chrön  dargestellt  werden;  dem  evangelischen  Rektor  der 
Caibacher  Candschaftsschule,  dem  vor  den  Anfechtungen  seiner  feinde  aus 
Deutschland  nach  Krain  geflüchteten  gelehrten  Philologen  nikodemus 
!?rischlin,  ist  ein  ganzes  (das  zehnte)  Kapitel  gewidmet.  In  den  Schlufv- 
abteilungen  (15  bis  17)  finden  die  heiligen  Gebräuche  des  krainischen 
Uolkes,  als  5^asten,  Speisenweihe  zu  Ostern,  die  sogenannten  „ümsinger" 


'S)    222    'S) 

(Koledniki)*^^  usw.,  dann  die  abergläubischen  Gebräuche  und  Hexereien,  die 
dem  griechischen  Kultus  konformen  Religionsijebräuche  und  die  Zeremonien 
der  Uskoken  ihre  Stelle. 

Das  achte  Buch  enthält  in  fünf  JRbschnitten  die  Cegenden  aller  jener 
I)eilicjen,  die  in  irgend  einem  Bezüge  zum  Cande  stehen,  dann  die  0e-- 
schichte  des  Eaibacher  Bistums,  gegründet  von  Kaiser  Friedrich  HI.  im 
3ahre  1460,  am  Cage  des  hl.  Hikolaus,  des  grof^en  Zisterzienserstiftes 
Sittich  *^'''  in  Unterkrain  (gegründet  1133,  aufgehoben  17$4),  des  Caibacher 
3esuitenkollegs  (eingerichtet  um  1596)  und  sämtlicher  (171)  zur  Zeit  be-- 
standenen  Pfarren  in  alphabetischer  Reihenfolge  mit  Dennung  aller  Cokalien, 
Schlo()kapellen  usw.,  der  Series  der  Pfarrer  mit  Hamhaftmachung  der 
Kirchweihen  und  Patrone  und  mit  den  statistischen  Jlngaben  der  in  den 
einzelnen  Pfarren  jährlich  Sterbenden  und  zur  Caufe  Gebrachten  und 
anderen  Details. 

Der  dritte  Band  bringt  die  weitaus  wichtigsten  Bücher.  Das  hier  be- 
ginnende neunte  Buch  schildert  in  eingehendster  Cüeise  die  althergebrachte 
Landesverfassung  und  die  üerwaltung  des  Candes  durch  die  krainische 
Candschaft  und  führt  die  landschaftlichen  flmter  und  lUürden  auf;  das 
zehnte  Buch  handelt  dann  „von  den  Candesfürsten"  und  das  elfte,  das 
sogenannte  „Schlösserbuch",  von  den  Städten,  markten,  Schlössern  und 
Klöstern  in  Krain.  Im  erstgenannten  Buche  sind  die  Jlbschnitte  über  den 
Candeshauptmann  und  die  übrigen  Dienstposten  der  autonomen  üerwaltung 
lokalgeschichtlich  von  grof^em  Belange.  Der  Reihenfolge  der  Candeshaupt-- 
leute,  deren  vorzüglichste  biographische  lllomente  mitgeteilt  sind,  ent-- 
nehmen  wir  die  interessantesten  historischen  5akta;  so  erfahren  wir  zum 
Beispiel  über  den  grof^en  „windischen  Bauernkrieg"  des  Jahres  1515 
wichtige  Details  aus  der  Selbstbiographie  des  Rerrn  von  Camberg,  bei 
dem  Candeshauptmanne  Katzianer  sind  sein  Unglücksfall  gegen  die  Cürken 
und  sein  dadurch  herbeigeführtes  tragisches  Gnde  angemerkt  usw.  Im 
zehnten  Buche  jst  die  Candesgeschichte  fortgesetzt  und  gewinnt  deren  Be- 
handlung ganz  besonders  von  dem  Zeitpunkte  an,  wo  Krain  unter  öster-- 
reichischer  t^errschaft  aus  den  bis  dahin  zerstreuten  Ceilen  vereinigt  wird 
(1283),  erhöhte  Bedeutung.  Gs  ist  aber  charakteristisch,  wie  der  dem 
l)ause  Rabsburg  treu  ergebene  l)istoriograph  doch  bei  aller  Coyalität  in 
der  Darstellung   mit   offenem  5^reimute   jene  Stellen   behandelt,   die  eben 


'"*^  Gleich  den  deutschen  Sternsingern. 

*'*'^  Vergleiche  über  die  Geschichte  dieses  Stiftes  meine  Schrift  „Die  Gegenäbte  Jfibert 


und  Peter  von  Sittich",  Uerlag  der  mechitaristen,  (Dien  1$66. 


'S)    223    'S 

eine  so  gewiegte  Jeder  zur  Behandlung  erfordern,  wie  üalvasor  sie  zu 
führen  verstand,  jene  Stellen,  wie  zum  Beispiel  den  Jlkt  der  Gidesver-- 
weigerung  der  krainischen  Candschaft  1521  für  den  Jall,  als  Karls  V. 
Projekt,  Criest  dem  spanisch-italienischen  Anteile  des  l^auses  Rahsburg 
zuzuschlagen,  in  Erfüllung  gegangen  wäre,  was  eben  infolge  dieser  in 
Jlussicht  gestellten  (Ueigerung  der  Krainer  nicht  geschah,  so  dat5  Criest 
der  Gruppe  Innerösterreich  unter  dem  Szepter  Kaiser  5^erdinands  I.  verblieb. 

Das  elfte  Buch  enthält  die  Beschreibung  aller  Städte,  niärkte,  Schlösser 
und  Klöster  Krains,  jenen  Ceil  der  „Ghre  des  l)erzogtums  Krain",  der  das 
öJerk  im  Cande  selbst  am  meisten  populär  und  zum  „Rausbuche  unseres 
Uolkes"  gemacht,  welche  Bedeutung  sich  bis  auf  unsere  Cage  ungeschmälert 
erhalten  hat. 

Gs  umfa(5t  dasselbe  mit  abgesonderter  Paginierung  730  5^olioseiten. 
Die  einzelnen  Ortschaften  sind  in  alphabetischer  Reihenfolge  geordnet. 
Uorauf  geht  die  schon  erwähnte  Klage  des  Uerfassers  über  die  geringe 
Unterstützung,  die  ihm  bezüglich  der  erbetenen  Beiträge  für  diesen  Ceil 
seitens  seiner  Candsleute  geworden.  Bei  jedem  einzelnen  Orte  findet  man 
eine  oder  mehrere  Ansichten,  eingedruckt  oder  üollbilder,  alles  in  Kupfer» 
druck,  dann  topographisch--historische  Dachrichten.  Seite  57$  bis  589  findet 
sich  eine  ausführliche  Beschreibung  von  Criest,  in  welcher  üalvasor  „aus 
unterschiedlichen,  aus  dem  16.  und  17.  Jahrhunderte  stammenden  Doku-- 
menten"  der  krainischen  Candschaft  den  quellenmäf^igen  Dachweis  liefert, 
da(5  diese  Stadt  ehedessen  gleich  5^iume  zu  Krain  gehört  habe. 

Die  Beschreibung  der  Stadt  Caibach  ist  wegen  des  bedeutenden  Cext-- 
umfanges,  namentlich  der  aus  den  Originalakten  der  Stadt  geschöpften 
historischen  Daten,  am  Schlüsse  des  Buches  gegeben  und  mit  einer  be-- 
sonders  gelungenen  panoramaartigen  Jlnsicht  der  Stadt  nebst  kleineren 
Detailansichten  derselben  geschmückt.  Sie  behandelt  die  Copographie  der 
Stadt,  den  51ut5,  die  Schiffahrt,  die  geistlichen  Gebäude,  den  Rat,  die 
Bürgerschaft,  deren  5^reiheiten  und  die  merkwürdigsten  Stadtbegebenheiten 
bis  auf  seine  Cage  herab  in  Chronikform,  heute  eine  Rauptquelle  für 
den  Ristoriographen  der  Stadt  Caibach. 

Der  vierte  Band  beginnt  mit  dem  zwölften  Buche  und  mit  dem  aus- 
führlichen Berichte  „über  die  kroatischen  Hleer-  und  windischen  Grenzen", 
den  Schauplatz  krainischen,  von  den  Candesfürsten  jederzeit  hochbelobten 
Heldenmutes.  Dieses  Buch  ist  wie  an  und  für  sich  als  Ganzes,  so  haupt- 
sächlich auch  in  den  Details  von  hoher  Cüichtigkeit,  so  zum  Beispiel 
durch  sein  Kapitel  über  das  Generalat  an  den  Grenzen,  welche  Stelle  fast 
durchgängig   von    Krainern   mit  vorzüglichstem   Gifer   und    heldenmütiger 


'&    224    -2) 

Eingebung  verseben  ward.  Sebr  wertvoll  für  die  krainiscbe  Candesver-- 
fassung,  für  die  ßescbicbte  des  Steuerwesens  der  Candscbaft  sind  die 
in  diesem  Jlbscbnitte  zerstreut  vorkommenden  statistiscben  Daten  über 
die  Beitragsleistungen  der  „löblicben  Candscbaft"  zur  Erbaltung  der  „6renz-- 
bäuser". 

Das  dreizebnte  Bucb  gebt  wieder  auf  die  Urgescbicbte  des  Candes  zurück, 
auf  die  japoden,  die  Karner,  auf  Jason  und  den  Hrgonautenzug. 

(jüäbrend  das  vierzebnte  Bucb  der  römiscben  6escbicbte,  der  üölker-- 
wanderung  und  der  ßescbicbte  der  nacbfolgenden  Zeiten  gewidmet  ist, 
gibt  das  fünfzebnte  (letzte)  Bucb  die  denkwürdigsten  3abrgescbicbten  Krains 
unter  der  Oberberrscbaft  des  glorreicben  Rauses  Rabsburg. 

Ilacbdem  bereits  im  zebnten  Bucbe  die  diesbezüglicbe  politiscbe  0e-- 
scbicbte  gegeben  worden,  erübrigt  bier  nur  mebr  —  analog  dem  Cbarakter 
des  ganzen  Bandes,  den  man  das  Kriegsbucb  von  Krain  nennen  kann  — , 
die  Jlufzäblung  der  Kriegsgescbicbten  des  Candes  unter  der  rubmreicben 
5übrung  des  Kriegswesens  durcb  die  Candesfürsten  aus  dem  geliebten 
Rause  l)absburg.  Gs  sind  vornebmlicb  die  Cürkenkriege,  die  in  dieser 
Abteilung  auf  Grund  der  im  landscbaftlicben  Jlrcbive  zu  Caibacb  niassen- 
baft  erliegenden  Originalbericbte  ausfübrlicb  gescbildert  werden,  die  Kämpfe, 
welcbe  die  Glanzperiode  in  der  Gescbicbte  des  krainiscben  üolkes  bilden, 
wäbrend  welcber  im  Cande  Krain  alles  wie  ein  IDann  gerüstet  dastand 
zur  Jlbwebr  des  „Erbfeindes  der  Cbristenbeit",  wäbrend  welcber  das  ganze 
Cand,  um  die  ÜJorte  Jlnastasius  Grüns  zu  gebraueben,  „einer  in  CUaffen 
starrenden  Burg"  glicb. 

Cüir  lesen  aus  diesem  „goldenen  Bucbe",  wie  der  „gemeine  mann" 
—  Uater  und  Söbne  —  und  der  „adelige  $cblo(3berr"  vereint  Gut  und 
Blut  binopferten,  Generation  auf  Generation.  CUir  lesen  aber  aucb,  wie 
die  üereinigung  der  Stände,  die  krainiscbe  „Candscbaft"  als  moraliscbe 
Person,  die  Zeiten  über  stets  die  böcbsten  Anstrengungen  zur  Besiegung 
der  ungestüm  andrängenden  ITluselmänner  macbte,  wie  sie  zum  Beispiel 
im  engen  Zeiträume  von  acbt  3abren  (1594  bis  1602)  auf^er  der  „Dar- 
reichung der  Ceiber",  der  Ausrüstung  und  Uerpflegung  ibrer  Cruppen  und 
teilweise  aucb  der  l^ilfsvölker  blo(5  zur  Instandbaltung  der  Grenzbäuser 
die  unerhörte  Beisteuer  von  IV2  IDillion  leistete  und  von  da  weiter  bis 
1680  „etliche  andere  IHillionen". 

eine  der  vorzüglichsten  Stellen  in  der  Erzählung  von  den  Kämpfen 
mit  den  Cürken  nimmt  der  Bericht  über  die  ruhmvolle  Besiegung  der- 
selben in  der  Schlacht  bei  Sissek  ein  (1593  am  22.  Juni).  Au(5er  der 
genauen  Aufzeichnung  der  einzelnen  mehr  oder  minder  wichtigen  „Uisiten 


'S)    225    ^ 

dieses  ungebetenen  Bastes"  bewahrt  das  „Kriegsbucb  von  Krain"  auch 
andre  nicht  unwichtige  Ereignisse,  so  die  Kämpfe  der  Cillier  0rafen, 
Baumkirchers  Schicksal,  die  Kämpfe  Österreichs  mit  Uenedig,  die  Bauern-- 
rebellionen,  Jlusschaffung  der  Juden  usw. 

Dies  Buch  und  mit  ihm  das  ganze  Cüerk  schlie(5t  mit  der  nach-- 
stehenden  patriotischen  Apostrophe: 

„(Uelche  fernere  Ausbreitung  und  noch  höheren  Schwung  der  Kays. 
JIdlerflügel  sammt  völligen  Criumpf  über  Cürken,  Cartaren  und  alle  Ihrer 
majestät  ungerechte  5^einde  der  Allerhöchste  gnädiglich  befördern,  mein 
wertes  liebes  Uaterland  Krain  aber,  dem  zu  Ghren  ich  dieses  (0ott  Cob 
hiemit  beschlossene)  Cüerk  herausgegeben,  von  nun  an  in  einem  ruhigeren 
und  blühenden  Zustande  erhalten  und  an  seiner  Arbeitsseligkeit  (gleichwie 
ich  an  der  Beschreibung  desselben)  machen  wolle  ein  glückseliges  Gnde." 


nachdem  wir  den  reichen  Inhalt  des  CUerkes,  soweit  es  der  Raum  hier 
gestattete,  dargelegt,  kommt  die  ^rage  zur  Beantwortung,  inwieweit  die 
vom  Uerfasser  erbetene  geistige  Unterstützung  für  dasselbe  im  Cande  selbst 
gediehen  war. 

l)ierüber  gibt  die  Ginleitung  zum  elften,  dem  sogenannten  „Schlösser-- 
buche"  die  beste  —  leider  nicht  im  ethischen  Sinne  „beste"  —  Aufklärung. 

Ualvasor  beschwert  sich  an  dieser  Stelle  bitter  über  die  herrschend  gewesene 
Ceilnahmslosigkeit  seiner  Zeitgenossen  bezüglich  einer  geistigen  Unterstützung. 

6r  sagt:  „Bei  welchem  (Cüerke)  ich  unzälige  Schwierigkeiten  gefunden, 
indem  mir  fast  niemand  von  seinem  Schlol^  oder  Herrschaft  einigen  Bericht 
ertheilt,  so  da(5  ich  mit  höchstem  Grunde  der  Cüahrheit  in  diesem  an  dem 
hellen  Cageslichte  liegenden  Buche  bekennen  kann,  da(5  nicht  mehr  als 
sieben  unter  einer  so  grof^en  und  bevölkerten  menge  mir  etwas  beigetragen. 
Auf  die  sich  meine  Hoffnung  am  meisten  gegründet  hatte,  da  hat  sie  meistens 
gefehlet,  indem  sie  nicht  mit  einem  Buchstaben  diesem  mühsamen  Cüerk 
die  geringste  Beförderung  thun  wollen,  meine  mündliche  Bitte,  eigene  an 
sie  abgefertigte  Boten,  die  Ginladung  und  Ersuchen  meines  ihnen  geschickten 
Copisten  und  Schreibers  war  unkräftig,  auch  nur  das  Geringste  zu  erhalten. 
Ganze  Castwägen  voll  üersprechungen  brachten  zwar  die  Ausgeschickten 
mit,  aber  im  Cüerk  (in  der  Cat)  ist  nicht  ein  Stäublein  erfolgt.  Etliche 
beherrschte  der  Argwohn,  weil  sie  vermeinten,  man  möchte,  wei(5  nicht, 
was  für  Heimlichkeiten  aus  diesen  ihren  Dachrichten  erzwingen  wollen, 
etliche  aber  lebten  in  einer  solchen  Unwissenheit,  da(5  sie  auch  ihres  eigenen 
Destes  keine  Cüissenschaft  trugen." 

V.  Radics,  Ualvasor.  15 


-©    226    'S) 

Riibnilicbe  flusnabme  inacbten  von  Körperschaften  die  krainiscbe  Cand- 
Schaft,  die  bischöfliche  Kanzlei  und  das  Domkapitel,  die  Städte  Caibach, 
Rudolswert  und  Stein,  die  Klöster,  allen  voran  die  3esuiten  und  Sittich, 
von  Kavalieren:  die  Jluersperge,  Caniberge,  6all,  6allenberg,  ßrimschitz, 
Robenwart,  Cichtenberg,  nicht  zu  vergessen  die  befreundeten  (verwandten) 
Kauber,  Cüiederkebr,  und  au[5er  Candes  die  Candschaft  in  Steiermark,  die 
Städte  Graz  und  Cilli. 

5ür  solch  freundliches  Gntgegenkommen  verfehlt  er  nicht,  an  den  zu-- 
gebörigen  Stellen  seinen  Dank  auszusprechen,  und  er  bebt  besonders  die 
„leutseligst  willfährige  Cancelley"  der  Candschaft  in  Caibach  lobend  hervor. 

Bezüglich  der  üorenthaltung  der  Krainburger  „Freiheiten  und  schönen 
Privilegien",  deren  IDitteilung  man  ihm  hartnäckig  verweigert  hatte,  da  sie 
niemandem  gezeigt  werden  sollten,  führt  er  als  argumentum  ad  bominem 
an,  wie  verderblich  der  Stadt  dieses  Geheimtun  mit  ihren  Freiheiten  bereits 
geworden,  indem  er  ihnen  nachweist,  da(?  sie  aus  keinem  anderen  Grunde 
als  dem  der  Dichtkenntnis  ihrer  alten  Urkunden  das  ,Ju$  praesentandi" 
des  mit  den  Caibacber  Bürgern  gemeinschaftlich  (1495)  gegründeten  und 
alternierend  mit  Caibach  zu  besetzenden  „Benefiziums  in  flachen"  schon 
längst  liederlich  verloren  und  verscherzt,  welches  Benefizium  zur  Zeit  nur 
von  Caibach  aus  präsentiert  werde/^^  Die  Rauptschuld  an  dieser  Geheimnis^ 
tuerei  mit  den  Privilegien  der  Krainburger  mi(3t  aber  üalvasor  dem  dortigen 
Stadtrichter  bei,  der  doch  den  Gid  geleistet,  das  Beste  der  Stadt  stets 
fördern  zu  wollen,  im  Gegenteil  aber  jene  Aktenstücke  (und  nebenbei 
auch  jene  Antiquitäten,  Gold-  und  Silbergeschirre,  IDünzen  usw.)  zurüd<-- 
balte,  ,,so  man  der  Stadt  zum  Dutzen,  Ruhm  und  Gbren  diesem  CUerke 
mit  hätte  einfügen  können*'. 

So  sab  sich  denn  unser  edle  Freiherr  behufs  Beschaffung  des  Ouellen= 
materials  so  ziemlich  auf  seine  eigene  Kraft  und  Tätigkeit  zur  Bebung 
desselben  angewiesen. 

Und  es  ist  in  der  Cat  staunenswert,  welche  Hlenge  von  Exzerpten 
aus  öffentlichen  und  privaten  Sammlungen  er  für  seinen  Zweck  zustande 
gebracht  bat. 

Die  dem  Cexte  seines  ÜJerkes  angefügten  Doten  geben  uns  —  indem 
wir  uns  die  ITJübe  nehmen,  dieselben  von  den  einzelnen  Seiten  der  elf 
Bücher  abzulesen  —  davon  ein  umfassendes  Bild. 

Da  sind  es  vor  allem  die  an  I)andschriften  überreichen  Sammlungen  (Ur-- 
kunden  und  Akten,  amtliche  und  nichtamtliche  Aufzeichnungen,  ITlemoranden 


*^"  üalvasor,  ehre  des  hcrzogtums  Krain,  III.  (XL),  p.  112. 


-2)    227    ^ 

und  rnemoiren  usw.)  der  krainiscben  Candscbaft,  des  Bistums  und  des 
Domkapitels  in  Caibacb,  die  Jlrcbivalien  zu  Oberburg  *^^  in  der  unteren 
Steiermark/^^  der  Stadt  Caibacb  und  die  um  diese  Zeit  scbon  1035  CUerke 
zäblende,  von  Scbönleben  scbön  geordnet  und  katalogisiert  gewesene  [)aus-- 
bibliotbek  des  ersten  Fürsten  Jluersperg/^^  aus  denen  er  eine  5^ülle  des 
wertvollsten  Hlaterials  scböpfte.  Euf^erdem  benützte  er  das  Jlrcbiv  auf  $cblo{5 
Jluersperg  sowie  Jircbiv  und  Bibliotbek  der  Camberge  auf  $cblo(5  Stein  (bei 
üigaun  in  Oberkrain)  —  als  Rerrscbaft  zuletzt  im  Besitze  des  vor  kurzem 
verstorbenen  bervorragenden  Patrioten  Rerrn  Uiktor  3ei*niann,  eines  der 
gründlicbsten  Kenner  und  begeistertsten  Scbätzer  der  ÜJerke  Ualvasors  — 
die  Scblof^arcbive  von  Raunacb,  Reifnitz,  die  Jlufzeicbnungen  der  beiden 
Scbönleben  (Bürgermeister  sowie  Domdecbanten),  der  Strassoldo  in  Duino, 
der  Grafen  Cburn--Ualsassina,  des  Scblosses  Cburn  unter  Deuburg  (beute 
im  Besitze  des  kunstsinnigen  ßerrn  Janko  Urbancic),  das  landesfürstlicbe 
Uizedom--Jlrcbiv.*^^  Jlu[5er  der  Benützung  der  auswärtigen  JIrcbive  von 
Cilli  und  Graz  —  die  scbon  erwäbnt  worden  —  lesen  wir  aus  den  dem 
Cexte  unterstellten  Zitaten  Ualvasors  beraus,  da(5  ibm  aucb  Jlrcbivalien 
aus  (Dien,  aus  Kloster  Seitz  in  Steiermark,  aus  Kloster  Uiktring  in  Kärnten, 
von  den  Familien  Scbertz  und  Scbrott  u.  a.  m.  zur  Uerfügung  standen;  ein 
5^reiberr  von  Rossetti  lieferte  ibm  (von  seiner  Besitzung  Heu-Roffel  ber) 
einen  ausfübrlicben  Beriebt  über  eine  Pulverexplosion  in  Divacca  1687.  ^^^ 
Sebr  getreu  zeicbnete  Ualvasor  die  Begebenbeiten  in  Krain,  die  sieb  in 
seinen  tagen  ereigneten,  auf  und  finden  wir  an  den  betreffenden  Stellen 
der  cbronikalen  Cüiedergabe  in  seinem  Hauptwerke  bier  stets  das  Zitat 
beigefügt:  „meo  tempore",  „nostro  scilicet  tempore**,  „notitia  nostri  tem-- 
poris",  „notata  mea",  „collectanea  mea",  „e  collectaneis  meis";  speziell 
die  Greignisse  der  Stadt  Caibacb  notierte  er  vom  13.  Cebensjabre  an  (vom 
jabre  1654),  was  auf  das  frübe  Grwacben  seines  „bistoriscben"  Interesses 
scbliet^en  lä(5t,  und  fübrte  die  bezüglicben  Jlufzeicbnungen  bis  zum  jabre 
16S7  (21.  3uli),  wäbrend  er  die  „3abre$gescbicbten  des  Candes  Krain"  nocb 


^^^  Dotationsberrscbaft  des  Caibad)er  Bistums. 

^^^  beute  zum  größten  Ceile  im  Candesarcbive  zu  0raz. 

*""  Gegründet  von  dem  kunstsinnigen  Candesbauptmanne  Cüolf  Engelbert  Grafen 
Huersperg. 

^^^  beute  zur  Hufbewabrung  im  land$d)aftlicben  J{rd)ive  im  THuseum  zu  Caibacb 
untergebracbt,  dürfte  dasselbe  bei  der  in  absehbarer  Zeit  aud)  bier  (wie  in  Graz)  zu- 
stande kommenden  Kreierung  eines  Candesregierungsard)ives  wieder  in  die  Bewahrung 
bei  der  kais.  Regierung  zurüd<komnien. 

"^  Ualvasor,  Ehre  des  berzoglums  Krain,  III.  (XL),  p.  404. 


-©    22$    'S) 

bis  zum  3abre  1689  (4.  3uli)  führte,  welche  Ungleichheit  sich  jedoch  aus  der 
Technik  der  ^Fortführung,  beziehungsweise  Drucklegung  der  einzelnen  Bogen 
und  Bände  der  „Ghrc  Krains"  erklärt. 

^^ünf  jähre  angestrengten  Samnielns  waren  ins  Cand  gegangen,  ehe 
unser  Freiherr  an  die  Jlbfassung  des  l)auptwerkes  denken  konnte,  im 
rnanuskripte  lagen  dann  der  erste  Band  1686,  der  zweite  1687,  der 
dritte  1688  und  der  vierte  im  Juli  1689  vollkommen  druckfertig  vor,  was 
jedoch  nur  mit  der  Ginschränkung  gilt,  da(5  einzelne  spätere  Celle  des 
Cüerkes  früher  aus  der  l)and  Ualvasors  vollendet  vorlagen,  als  andere  der 
Reihenfolge  nach  frühere.  So  erfahren  wir  aus  einer  Bemerkung  5ranciscis, 
des  „Jlmanuensis"'^^^  des  Rerrn  l)auptautors  —  wie  er  sich  selbst  nennt — , 
da(5  er  (der  l^err  l)auptautor)  das  zwölfte  Buch  von  den  ßrenzörtern 
schon  1686  aufgesetzt  hatte, *^*  das  doch  erst  im  vierten  (dem  Schlufv- 
bande)  enthalten  ist.  Und  doch  hat  5rancisci  den  bezüglichen  Jlufsatz  des 
Rerrn  l)auptautors,  „um  die  üollendung  des  Cüerkes  desto  mehr  zu  be-- 
fördern",  das  hei[5t  das  liegengebliebene  IDanuskript  ins  reine  Ceutsch  zu 
bringen,  „eine  andere  (nicht  genannte)  gelehrte  5eder"  erbeten,  dieses  zwölfte 
Buch  von  den  ßrenzörtern  zu  stilisieren,  „doch",  fügt  er  beruhigend  bei, 
„habe  ich  selbst  alles  wieder  nachgesehen"  und  dem  (üesen  nach  „bei 
der  Ginrichtung  gelassen,  die  der  l)auptautor  selbst  gegeben". ^^^ 

Die  jeweilig  ausgedruckten  Bogen  wurden  dem  ^reiherrn  durch  5Fran-- 
cisci  von  Hürnberg  zugeschickt,  was  dann  auch  ab  und  zu  veranla(3te, 
da(3  üalvasor  Bemerkungen  ausführlicherer  Jlrt,  die  er  an  ^ranciscis  Be-- 
merkungen  knüpfen  zu  müssen  für  gut  hielt,  an  einer  weiteren  Stelle  des 
Cüerkes,  wo  er  auf  den  Gegenstand  nochmals  zu  sprechen  kommen  konnte, 
eingeschoben  hat,  so,  um  nur  ein  Beispiel  zu  nennen,  die  Jlbhandlung 
über  die  „pacta". '^^^ 

Cüie  genau  Jrancisci  die  ihm  gewordene  Jlufgabe  der  Stilisierung 
genommen  wissen  wollte,  erhellt  zum  Beispiel  aus  einer  Jlnmerkung  zur 
namenliste  der  aus  Krain  zur  Krönung  Kaiser  IDaximilians  II.  zum  König 
von  Ungarn  erschienenen  adeligen  [)erren.  In  der  vom  I)errn  l)auptautor 
eingesandten  Eiste  hatte  der  Jlbschreiber  derselben  beim  Hamen  Georg 
von  Jluersperg  blot^  ein  l)(err)  gesetzt,  Jrancisci  korrigierte  aus  [)err 
„Freiherr",  ohne  erst  den  Rauptautor  zu  fragen,  „weil  hierüber  —  wie 
er  sagt  —  eine  entzweifelung  zu  erholen  die  unaufhaltliche  Presse  nicht 

''='  Ualvasor,  Gbre  des  herzogtums  Krain,  II.  (VIII.),  p.  690. 

''*  ebenda,  IV.  (XII.),  p.  61,  Anmerkung. 

'"=  ebenda. 

'''  ebenda,  III.  (XL),  p.  57  ff. 


erwarten  konnte"; *^^  freilieb  aber  passierte  bei  der  „unaufbaltlicben  Presse" 
docb,  da(5  neben  den  Jreiberrn  Cüeikbard  Rerward  und  Georg  Jluersperg 
„])err"  l)ans  von  Jluersperg  steben  blieb,  obscbon  aucb  dieser  l^err  Rans 
von  Jluersperg  5^reiberr  gewesen! 

Bereits  im  Hlärz  16$9  batte  üalvasor  von  der  i.  ö.  l)ofkaninier  in 
Graz  die  mautfreie  Cinfübrung  durcb  Kärnten  nacb  Krain  erwirkt,  und 
zwar  mit  der  Begründung,  dal5  die  also  eingefübrten  Exemplare  seiner 
Cbronik  bierlands  nicbt  zum  üerkaufe  gelangen,  sondern  unter  die  löblicbe 
krainiscbe  Candscbaft,  das  bei(5t  unter  die  Ständemitglieder  zur  Uerteilung 
gelangen  sollen,  die  ibn  ja  wiederbolt,  und  zwar  wieder  16$6  mit  SOO  fl. 
subventioniert  batten,*^^  und  nun,  als  dann  das  ÖJerk  beendet  vor  Jlugen 
lag,  für  500  Gxemplare  eine  Jlnzablung  von  1044  fl  votierten  nebst  einer 
sogenannten    „Jlnscbaffung"    (oder   Uormerkung)   auf  weitere  1954  fl.*^^ 

über  die  Rereinbeförderung  der  „Gbre  Krains"  selbst  fand  icb  in  der 
früber  bestandenen  sogenannten  älteren  Registratur  der  Grazer  k.  k.  Statt-- 
balterei,^"^  deren  Benützung  icb  der  freundlicben  Gestattung  Seiner  Gxzellenz 
des  gewesenen  [)errn  Statthalters  der  Steiermark  Guido  Baron  Kübeck, 
beziehungsweise  weiland  des  ßerrn  k.  k.  Bofrates  Rudolf  Grafen  Cborinsky, 
verdanke,  zwei  wichtige  Jlktenstücke,  die  bier  in  ibrem  vollen  CUortlaute 
folgen  mögen,  da  sie  sowohl  in  amtlicher  Beziehung  wie  nicht  minder 
in  betreff  des  nach  und  nach  erfolgten  Rereingelangens  der  Bände  von 
gro(5em  Interesse  sind. 

Das  erste  dieser  Aktenstücke  ist  eine  Jinzeige  der  Oberbeamten  der 
i.  ö.  Zollstation  zu  Kremsbrücken  bei  Gmünd  in  Kärnten  an  die  i.  ö.  Re-- 
gierung  in  Graz  ddo.  1$.  3uli  16$9,  betreffend  die  Ginfuhr  von  Ualvasors 
„Grainerischer  Ghronik". 

Diese  Zuschrift  lautet: 

Rochlöbliche  1.  Oe.  Roff  Gammer 

l)och-  vnd  ^olgebohrener  [)err  Graf  auch  Boch--  vnd  Cüolgebohrne,  Cüol-- 
gebohrne,  CUohl  Gdlgeborne  Genedig--  vnd  l)öchgebiettunde  f)errn,  Berrn  etc. 

Gs  haben  Gure  Bochgräffl.  Gxcell.  Gnaden  vnd  Gnaden  vndter  dato 
10.  ITlarty   scheinenden  Jahres  ain   paat^brieff  ausfertigen   lassen,   Grafft 


^^''  Ualvasor,  €bre  des  herzogtums  Krain,  III.  (X.),  p.  341. 

"^^  Candtagsprotokoll  Hr.  37,  fol.  10$.  —  Can(Jsd)aftlicbcs  Archiv  im  inuseuni 
Rudolfinum. 

*^^  Sieb  meinen  Artikel:  Dalvasor  und  die  krainisd)e  Cand$d)aft.  (Hacbwort  zur  fieu- 
ausgabe  der  €bre  Krains  von  3-  Krajec.) 

^°°  heute  k.  k.  Stattbaltereiarcbiv. 


'S)     230     ® 

dessen  wir  dann  die  allda  ankbombendten  Gxemplarien  der  Craineriscben 
0ronic,  welicbe  der  l^err  Baron  üalvasor  aufgericbt-  vnd  zu  Dürnberg 
trukben  lassen,  aucb  solicbe  vnter  Gin  Cöblicbe  Candtscbafft  in  Crain  ver-- 
tbailt  vnd  daruon  nicbts  verkbauft  würde,  alda  mautbfrey  passiren  lassen 
sollen,  denie  wür  aucb  Geborsambist  nacbzukbomben  gedenken. 

CUann  aber  nun  auf  solicb-- obigen  Conto  vmb.  5.  mablen  mit  ein= 
scbluf)  16.  dit5,  scbon  netto  In  die  54  Centen  (dauon  sonst  die  6ebübr 
per  22  fl.  30  kr.  austriege)  also  durcbgefiert  seind,  vnd  wa(5  nocb  bernacb 
kboniben  würdet,  wir  derniablen  nit  wissen  kbönnen,  darob  wür  mit 
verboffen  nit  vnbillicb  in  Cubio  steben,  zumablen  im  gemelten  Pa(3  kbein 
gewisses  0Ȋntum  begriffen  ist,  da(5  villeicbt  vndter  solieben  Pretext  nit 
aucb  ein  mebrers  als  sieb  gebürdt,  von  ain  oder  andern  Kauffman  Ibres 
aignen  nutzen  wegen,  durcbspediert  werden  mecbte. 

So  baben  demnacb  Gure  T)ocbgräfflicbe  Gxcellenz  etc.  wie  wür  vnt5 
in  deme  fürobin  sollen  verbalten,  dero  Gnaden  bescbaidts  geborsambist 
Grbollen  vnd  anbey  zu  bebarrlicben  Gnaden  vndtertbenigst  empfelcben  wollen. 

Guere  l)ocbgräfflicbe  Gxcellenz  Gnaden  vnd  Gnaden  Undtertbenig  ge-- 
borsambste  Cüolf  f)inankbonig  m.  p.  Cbristopb  Stockber  m.  p. 

Crembspruggen  den  1$.  July  16S9. 

Denen  Rocb-  und  Cüollgebobrnen,  Cüolgebobrnen,  CUol  Gdlgebobrnen, 
Berrn,  Berrn,  n.  und  D.  der  Rom.  Kay.  aucb  zu  Rungarn  und  Böbeimb 
Königl.  IDay.  etc.  etc.  verordneten  1.  Ö.  Roffkammer  Praesident  vnd 
Rätben  etc.  vnsern  gnedig  vnd  bocbgepiettunden  l^errn  (in)  Graz. 

JIus  dieser  Zuscbrift  gebt  au(5er  der  scbon  angefübrten  Catsacbe,  dal5 
üalvasor  die  zollfreie  Ginfubr  scbon  am  10.  märz  1689  erwirkt  batte, 
weiters  bervor,  da(5  die  Oberbeamten  der  i.  ö.  Zollstation  zu  Kremsbrücken 
aus  dem  Umstände,  als  bis  zum  16.  Juli  1689  a  conto  des  für  die 
„Graineriscbe  Gbronik"  ausgestellten  Pa(5briefes  in  fünf  erfolgten  Gxpedi-- 
tionen  bereits  ein  ibnen  auffallendes  Bücberquantum  von  54  Zentnern 
mautfrei  bereinbefördert  worden,  und  in  Grwägung  dessen,  dat^  man  nicbt 
wissen  könne,  wie  viel  davon  nocb  nacbkomme,  den  üerdacbt  scböpften, 
es  könnten  die  mit  der  l^ereinbeförderung  betrauten  Spediteure  sieb  diesen 
Pafibrief  für  die  kraineriscbe  Cbronik  zu  nutze  macben  und  in  den  dieselbe 
verwabrenden  Paketen  aucb  andere  Bücber  oder  verzollbare  Oüaren  mit 
bereinscbleppen;  desbalb  fragen  sie  sieb  bei  ibrer  vorgesetzten  boben  Be-- 
börde,  der  i.  ö.  I^ofkammer,  um  weitere  üerbaltungsma(5regeln  an. 

Aus  diesem  Jlktenstücke  gebt  aber  weiters  und  im  Zusammenbalte 
mit  Bemerkungen  im  CUerke  des  5^reiberrn  von  Üalvasor  selbst  aucb  nocb 


{ 


®    231    ^ 

hervor,  da(5  bei  den  bis  zum  16.  Juli  erfolgten  fünf  Expeditionen  wobl 
nur  die  zwei  ersten  Bände  der  Chronik  von  Dürnberg  hereinbefördert  sein 
mochten,  nachdem  wir  in  dem  dritten  Bande  der  „Ghre  des  Herzogtums 
Krain"  im  zehnten  Buche  auf  Seite  396  (also  am  Schlüsse  beiläufig  des 
ersten  Drittels  dieses  396  +  730  Seiten  umfassenden  Bandes)  im  Cexte 
die  CUorte  lesen:  „sowohl  im  angehenden  Jrühlinge  des  16$9  3ahres"  usw., 
was  wohl  zur  Jlnnahme  berechtigt,  da(5  dieser,  wie  schon  angedeutet, 
noch  weitere  730  Seiten  umfassende  und  durch  die  so  zahlreichen  in 
den  Cext  eingedruckten  Illustrationen  der  Schlösser,  Städte,  markte  usw. 
von  Krain  wohl  nur  langsam  im  Drucke  vorgeschrittene  dritte  Band  bis 
zum  16.  ]uli  kaum  zur  Rereinlieferung  bereit  gewesen  sein  mochte.  0anz 
ausgeschlossen  aber  von  der  Rereinbeförderung  bis  zum  16.  3uli  erscheint 
der  vierte  Band  der  „Ghre  des  Herzogtums  Krain",  da  wir  auf  Seite  60$ 
desselben  einen  aus  der  „ordinari  Relation  von  1689"  abgedruckten  Be-- 
richt  aus  Dalmatien  vom  4.  ]uli  eingefügt  finden. 

Büi  die  bandweise  Hereinlieferung  des  fertigen  und  fertigwerdenden 
Buches  deutet  übrigens  auch  schon  der  Satz:  „und  was  noch  hernacher 
khomben  würdet"  in  der  Anzeige  der  Oberbeamten,  die,  wenn  sie  das 
ganze  CUerk  in  den  bereits  eingeführten  54  Zentnern  inbegriffen  erachtet 
hätten,  einerseits  nicht  Uerdacht  geschöpft,  anderseits  dann  auch  den  eben 
ausgehobenen  Passus   anzuwenden   keinen  Jlnla(5  gehabt  haben  würden. 

Die  „JInzeige"  der  Oberbeamten  zu  Krembsbruggen  vom  18.  ]uli  fand 
seitens  der  i.  ö.  Hofkammer  zu  Graz  ihre  Erledigung  unterm  1.  Jlugust 
desselben  Jahres  und  es  liegt  das  Konzept  der  höheren  Orts  erflossenen 
Entscheidung  (ein  Bogen  Kleinfolio)  mit  folgendem  Cüortlaute  vor: 

(Graz)  1689,  1.  Jlugust  (Rubrum):  „Die  Oberbeamten  an  der  Krembs- 
pruggen  sollen  ein  Pakhet  der  von  Herrn  Baron  üalvasor  durchführenten 
Exemplarien  der  Krainerischen  Cronic  eröffnen  und  durchsuchen,  ob  nit 
andere  Sachen  al(5  besagte  Cronica  darinen  und  wofern  etwa(5  dergleichen 
gefunden  wurde,  hinwekhnemben." 

Dann  lautet  der  Inhalt  des  Jlktenstücks  selbst  also  weiter: 

„Es  ist  weniger  nit,  da(5  wür  auf  die  von  Herrn  Baron  üalvasor  in 
Drukh  au(3gebne  Cronica  des  Herzogthumbs  Crain  und  selbige,  bey  denen 
Kais.  IDajestät  IDauthstädten  frey  passiren  zu  lassen  ein  Paaf^brief  den 
10.  IDarty  scheinenden  H^hrs  ertheilt  haben  vnd  weilen  dem  vermomben 
nach  an  solichen  Exemplarien  bi(5  anhero  alberaith  bey  Eurem  anver- 
trauten ambt  in  die  54  Centner  durchgefiert  worden  sein,  welches  sich  auf 
eine  soliche  quantitet  erstreckhen  mu(5,  daf^  man  souil  solicher  Cronik 
nicht  von  nethen  haben  khan,  daher  zu  llluthmassen,  da(5  vndter  diesen 


'S)     232     '© 

pra^text  der  exemplarien  aucb  etwo  andere  IDaiUbbare  guter  oder  bücber 
durcbfieren  niöcbte,  also  di[5fabl$  aus  dem  Ergwobn  vnd  auf  die  ÜJabr-- 
beit  zu  kbomben,  so  befelben  wür  Gucb  biemit,  dat^  Ibr  den  ersten  Pakb, 
üafi  oder  Uerscblag  so  vndter  der  ansaag  erwäbnter  Gxeniplarien  an-- 
kbunibt  in  Guerer  vnd  der  gescbworenen  Beanibten  aucb  anderer  aldort 
set)bafften  Gbrlicben  IHäner  (Gegenwart)  mit  aller  Bescbeidenbeit  eröffnen 
vnd  durcbsuecben  sollet,  damit  nicbts  anders  als  besagte  Cronica  darinen 
seye,  da  aber  dabey  andere  bicber  oder  mautbbare  Sacben  gefunden 
wurden,  Ibr  selbige  binwegkbnemben,  die  Gxeniplarien  aber  widerumb 
sauber  einmacben  vnd  vnter  Gwer  oberämtlicbe  Petscbaftsfiertigung  gleicb 
passieren  lassen,  vnf^  aber  des  abgenomben  balber  ein  specification 
berau()Scbikcben,  daryber  fernere  bescbadung  (Bescbeid)  erwarten  sollet, 
vnd  kban  diese  Eröffnung  nicbt  nur  einmabl,  sondern  nacb  Cwren  bedunkben 
vnd  vorfallenden  üerdacbt  öfters  fürgenomben  werden.  1.  August  16S9. 
Graf  von  Dietricbstein  m.  p.  (L  Ö.  Rofkammer-Präsident.)  €x  offo.  fln  die 
Oberbeamten  zu  Krembspruggen." 

Aus  diesem  zweiten,  den  Gegenstand  betreffenden  Jlktenstücke  gebt 
bervor,  da(5  die  i.  ö.  [)ofkammer  den  üerdacbt  der  Zollbeamten  von 
Kremsbrücken  teilte,  da[5  sie  die  fallweise  Durcbsucbung  der  weiter  a  conto 
des  an  üalvasor  erteilten  Paf^briefes  einlangenden  Pakete  und  die  Cüeg-- 
nabme  etwa  auf  solcbe  lüeise  eingescbmuggelter  anderer  Bücber  und 
mautbarer  Sacben  anordnete,  es  gebt  aber  aucb  daraus  bervor,  da(5  diese 
oberste  Bebörde  die  Scbonung  des  Cüerkes  unseres  5^reiberrn  von  üalvasor 
dabei  wobl  im  Jluge  bebielt,  indem  sie  nicbt  versäumte,  den  Oberbeamten 
zu  Kremsbrücken  es  einzubinden,  nacb  gescbebener  Durcbsucbung  die 
Gxemplare  der  „craineriscben  Gronic"  „wieder  sauber  einzumacben"  und 
mit  dem  oberamtlicben  Siegel  zu  verscblief^en. 

5ragt  man  nun:  i^aben  die  Beamten  in  Kremsbrücken  bei  der  nun 
gewi()  vorgenommenen  Durcbsicbt  der  weiter  eingelangten  Pakete  mit 
üalvasors  Cüerke  ibren  üerdacbt  bestärkt  gefunden  oder  nicbt?  —  so 
können  wir  diese  5^rage  mit  annäbernder  Bestimmtbeit  dabin  beantworten, 
da(5  bei  der  erfolgten  Eröffnung  der  bezüglicben  Pakete  wobl  nicbts 
anderes  darin  vorgefunden  worden,  als  eben  üalvasors  Bucb  allein;  denn 
im  gegenteiligen  Jalle  mufften  wir  in  den  Akten  der  Grazer  Registratur 
zum  mindesten  in  den  daselbst  bewabrten  mustergültig  und  mit  exaktester 
Genauigkeit  gefübrten  ein  und  denselben  Akt  öfters  wiederbolt  indi-- 
zierenden  Protokollen  der  i.  ö.  Rofkammer  irgend  eine  darauf  bezüglicbe 
Andeutung  über  etwa  in  genannten  Paketen  gefundene  Anstände  ange-- 
merkt  finden,  was  jedocb  nirgends  verzeicbnet  erscbeint. 


'S)    233    'S) 

Die  „€bre  des  Herzogtums  Krain"  erschien,  wie  die  erhaltenen  Gxemplare 
beweisen,  in  dreierlei  ausgaben,  und  zwar  1.  auf  sehr  starkem  Büttenpapier 
mit  breiten  Respekträndern,  dann  1.  auf  ziemlich  starkem  und  scblief^lich 
3.  auf  bedeutend  dünnerem  Papier.  Die  erste  der  genannten  J!usgaben  war 
die  der,  heute  zu  den  grö(5ten  bibliographischen  Seltenheiten  zählenden 
Dedikationsexemplare,  welche  der  Autor  für  ganz  besonders  hervorragende 
Persönlichkeiten  bestimmt  hatte,  und  die  sich,  wie  schon  angedeutet,  nur 
mehr  in  sehr  wenigen  Exemplaren  nachweisen  lä(5t;  ein  derartiges,  vor= 
züglich  erhaltenes  Dedikationsexemplar  hat  jüngst  erst  der  Chef  der  5^irma 
lg.  V.  Kleinmayr  ^  5^ed.  Bamberg,  ])err  Ottomar  Bamberg,  Präsident  der 
Krainischen  Sparkasse,  auf  antiquarischem  Cüege  käuflich  erworben.  Die  zweit-- 
genannte  Ausgabe  war  diejenige,  welche  von  den  Herren  der  krainischen 
Candschaft  beim  Autor  durch  die  erwähnte  Subvention  mitsubskribiert 
worden  war,  und  die  dritte  Ausgabe  war  diejenige,  welche  dann  in  den 

Bändel  kam.  * 

*  * 

Die  Bedeutung  Ualvasors  als  Historiker  mu(5  von  verschiedenen  Stand- 
punkten aus  ins  Auge  gefaf^t  werden,  einmal  vom  Standpunkte  der  all- 
gemeinen Historie,  dann  von  dem  der  österreichischen  Geschichte  und 
schlief^lich  und  hauptsächlich  von  dem  der  Candesgeschichte  und  hier  wieder 
von  der  kulturgeschichtlichen  Seite  derselben.  CUas  die  allgemeine  Geschichte 
betrifft,  soweit  sie  in  die  Candesgeschichte  von  Krain  herübergreift,  so  sind 
die  Bemerkungen  und  Ausführungen  über  die  üölkerschaften,  welche  ur- 
sprünglich (I)  und  namentlich  im  Zeitalter  der  Uölkerwanderung  Krain 
bewohnt  und  hier  Geschichte  gemacht  haben  und  haben  sollen,  derart 
kompilatorisch  und  abstrus,  daf^  wir  sie  nur  auf  das  Kerbholz  des  lllit- 
arbeiters  Jrancisci  setzen  können,  obschon  auch  unser  5^reiherr  dazu  Gin- 
schläge gegeben  haben  mag,  so  zum  Beispiel,  da(5  die  Cschitschen  Istriens 
noch  Überreste  der  ersten  Bewohner  Krains  gewesen,  als  welche  Jrancisci 
die  Chitim  angesehen,  auf  welche  nach  weiterer  Annahme  die  japydier, 
lllyrier  und  Pannonier,  die  Caurisker,  Skordisker  und  Doriker,  die  Römer, 
üandalen,  Goten,  Cangobarden,  Slawen,  Awaren  und  Hunnen  und  endlich 
die  tranken  folgten. 

Auf  dem  römischen  Boden  Krains,  da  findet  sich  aber  schon  der  Herr 
Hauptautor  zurecht.  Gr  folgt  hier  der  Behauptung  Schönlebens,  ^<^^  daf)  das 
Gmona  der  Römer  an  Stelle  des  heutigen  Caibach  gestanden  und  folgt  auch 
sonst  in  den  archäologischen  Grörterungen  dem  üorgehen  dieses  seines 
Uorgängers  in  der  Geschichtschreibung  Krains. 

^"*  „flcmona  vindicata." 


'&    234    'S) 

„Bemerkenswert  ist"  —  wie  der  fleif^ige  Forscher  auf  dem  Gebiete 
krainiscber  Geschichte  Professor  JInton  Kaspret  in  seinem  die  einzelnen 
Buchkapitel  der  „Ehre  Krains"  mit  kurzen  Bemerkungen  versehenden 
Gssay  über  Ualvasor^*^^  hervorhebt  —  „da(5  üalvasor  alle  Konjekturen  des 
Cazius,  Pyrkheimer  u.  a.,  betreffend  die  tage  des  römischen  Deviodunum, 
verwirft  und  auf  Grund  eines  alten  Itinerars  den  Ort  ganz  richtig  nach 
ünterkrain  verlegt.  Gin  im  jähre  167S  in  der  Dähe  der  Stadt  Gurkfeld  aus-- 
gegrabener  Stein,  auf  welchem  die  Silben  ,oduni'  zu  lesen  waren,  gab 
zum  erstenmal  der  üermutung  Raum,  da()  Deviodunum  in  der  Dähe  Gurk-- 
felds  zu  suchen  sei,  und  dies  weist  auch  üalvasor  nicht  zurück/'  Bekanntlich 
bestätigten  die  neueren  Jlusgrabungen,  um  die  sich,  wie  wir  beifügen 
wollen,  in  der  zweiten  Rälfte  des  vorigen  Jahrhunderts  Ingenieur  Cein-- 
müller  grolle  üerdienste  erworben,  die  Richtigkeit  dieser  Jinnahme. 

In  der  allgemeinen  Geschichte  des  Mittelalters  fuf^en  des  „Rerrn  Baupt-- 
autors"  und  seines  „flmanuensis"  ^rancisci  Darstellungen  auf  den  Jln-- 
gaben  der  bis  auf  ihre  Cage  gediehenen  allgemeinen  und  speziellen 
Chroniken  und  stellen  sich  zumeist  kritiklos  denselben  gegenüber,  daher 
die  bezüglichen  Daten,  die  uns  hier  geboten  werden,  von  verschwindendem 
lüerte  sind. 

Besser,  weitaus  besser  wird  die  Geschichtsdarstellung  da,  wo  sie  aus 
dem  Rahmen  der  allgemeinen  Geschichte  heraustritt  und  auf  das  besondere 
Jeld  der  österreichischen  Geschichte  herüberkommt;  da  werden  neben  ver-- 
lät^licheren  Chroniken  auch  archivalische  Schätze  zur  Bearbeitung  heran= 
gezogen,  zum  Beispiel  bei  Behandlung  der  venetianischen  Kriege  unter 
anderm  zum  Jahre  1617  die  venetianischen  5riedensartikel,  die  üalvasor 
nach  in  der  landschaftlichen  Registratur  vorgefundener,  von  der  k.  majestät 
in  Böhmen  der  krainischen  Candschaft  zugeschickter  Abschrift  wörtlich 
mitteilt. ^^2  Und  greifen  wir  in  das  16.  Jahrhundert  zurück,  so  ist  es  in 
erster  Cinie  die  bei  Jintritt  der  Reichsregierung  durch  Kaiser  Karl  V. 
entstandene  Kontroverse  zwischen  dem  neuen  Herrscher  und  den  so-- 
genannten  n.  ö.  Canden  wegen  der  von  Karl  V.  beabsichtigten  Ceilung  der 
habsburgischen  monarchie,  welche  Kontroverse  durch  unsern  5^reiherrn  eine 
auf  Dokumente  gegründete  Behandlung  erfährt.^"*  Hlit  nicht  geringer 
Befriedigung  stellt  es  üalvasor  fest,  wie  durch  das  Jluftreten  der  krai= 
niscl)en  Candschaft,  welche  die  Huldigung  für  5^erdinand  I.  ein  Jahr  lang 
aufgeschoben,  es  dahin  gebracht  wurde,  da(3  zwischen  Kaiser  Karl  V.  und 

^"^  mittcilungen  des  musealvcrcincs  für  Krain  1$Q0,  p.  17  ff. 
^"^  Üalvasor,  Cbre  des  Rcrzogtums  Krain,  IV.  (XV.),  p.  5$5  ff. 


S04 


ebenda,  III.  (X.),  p.  320  bis  330. 


'S)    235    'S) 

seinem  Bruder  Grzberzog  5^erdinancl  eine  andere  als  die  beabsichtigt 
gewesene  Cänderteilung  vorgenommen  wurde,  infolgederen  nun  „bei 
Krain  die  Rerrscbaften  Hlöttling,  Isterreicb  (Istrien)  und  Karst,  wie  aucb 
alles  andere,  was  zuvor  von  Rechts--  und  Gewohnheit  wegen  gehört  und 
von  den  üenetianern  erobert,  dem  Hrstenthum  Crain  zugeeignet  und  ein-- 
geleibt,  nichts  ausgenommen,  unzertrennt  verblieben  und  alles  beisammen 
gelassen  worden".  ^^^  hierdurch  ward  dem  Cande  Krain  die  aus  allen 
Blättern  der  „Ehre  Krains"  hervorleuchtende  und  von  unserm  edlen  Jrei-- 
herrn  an  all  den  betreffenden  Stellen  dokumentarisch  belegte  Ceistungskraft 
als  festes  Bollwerk  gegen  die  alten  feinde  Österreichs  von  Süd  und  Ost 
—  gegen  Osmanen  und  (Uelsche  —  für  alle  Folgezeit  gesichert. 

Der  glühende  Patriotismus  üalvasors  für  das  angestammte  erlauchte 
Grzhaus,  für  die  glorreiche  habsburgische  Dynastie,  den  wir  schon  in  einem 
vorhergehenden  Jlbteil  dieses  unseres  Buches  zu  charakterisieren  versucht 
haben  und  der  in  seinem  natürlichen  Bunde  mit  dem  gleichglühenden 
Patriotismus  für  die  engere  Reimat  Krain,  die  durch  die  festen  Bande  der 
Creuergebenheit  und  des  bestbegründeten  Dankgefühls  dem  €rzhau$e  ver- 
knüpft erscheint,  er  findet  in  der  „6hre  Krains"  seinen  durchwegs  doku- 
mentarisch belegten  Jfusdruck,  einen  Jlusdruck  aber,  der,  frei  von  Schön- 
färberei, schlicht  und  offen  gegeben  wird  —  wie  er  dem  nach  allen  Seiten 
unabhängigen  üerfasser,  zudem  einem  erprobten  Krieger,  zu  eigen  ge- 
wesen und  wohlangestanden;  was  sich  allenfalls  an  Floskeln  und  mehr 
oder  minder  geschraubten  Redensarten  um  die  Skizzen  und  Jlufsätze  des 
„Berrn  Bauptautors"  arabeskenartig  herumschlingt,  ist  das  zweifelhafte 
Uerdienst  des  „Jlmanuensis"  5rancisci,  der  —  wir  wollen  sein  Uerdienst 
an  der  IDitarbeiterschaft  nicht  mindern  —  damit  nur  das  Beste  geben 
wollte,  was  er  an  „schöner  Schreibarbeit"  zu  leisten  vermochte! 

Immer  und  überall  in  seinem  Cüerke  bleibt  Ualvasor  als  Historiker 
seinem  Grundsätze  treu,  der  vollen  Cüahrheit  nachzugehen,  denn,  sagt  er: 
„ein  ßeschichtschreiber,  der  wissendlich  Romanen  für  Historien  ausgibt, 
beleidigt  nicht  allein  die  Ceser  seiner,  sondern  auch  der  folgenden  Zeit 
und  verführt  manches  auch  wol  gelehrtes  Jluge,  das  der  Sachen  so  bald 
nicht  nachdenket,  sondern  sich  auf  ihn  verläl^t  und  also  den  Ungrund 
(Grundlosigkeit)  immer  weiter  fortpflanzet*'.  ^°^  CUo  und  wie  es  ihm  nur 
möglich  war,  gedruckten  Unrichtigkeiten  gegenüber  den  Dachweis  des 
5^alschen   zu  liefern,   da   ergreift  er  die  Gelegenheit  mit  allem  Eifer  und 


'''  1.  c.  p.  330. 

^°^  Ualvasor,  Gbre  des  hcrzogtums  Krain,  III.  (X.),  p.  130, 


"&    236    ® 

setzt  vollbefriedigt  das  urkundliche  Beweismittel  entweder  vollinbaltlicb 
der  bisher  umgegangenen  falschen  Hachricht  entgegen  oder  zitiert  er  nur 
die  entkräftigende  Stelle  allein;  seine  Beisätze,  wie:  „dies  bezeugen  folgende 
sonderbaren  Jieifies  ausgezeichnete  Dachrichten  unterschiedlicher  nianuscripte'*, 
oder:  ,, dieses  llknuscript  gereicht  uns  also  zur  gründlichen  Belehrung'*, 
klingen  dann  stets  wie  ein  Criumphlaut  des  glücklichen  5^inders  der  Cüahrheitl 

Da(i  Ualvasor  seine  Jirt  der  ßeschichtschreibung  auch  von  der  morali-- 
sierenden  Cendenz  nicht  freigehalten,  lag  ebenso  im  0eschmacke  seiner 
Zeit  als  auch  in  seiner  eigenen  Persönlichkeit,  tut  aber,  wie  jeder  Ceser 
der  ,,Ghre  Krains"  sich  überzeugen  kann,  dem  Cüerke  durchaus  keinen 
Jlbtrag,  zumal  wir  aus  ihnen  den  gediegenen  Charakter  des  Uerfassers 
nach  seinem  vollen  CUerte  zu  beurteilen  in  die  Cage  kommen,  Cr,  der 
vor  sovielen  Burgruinen  als  Zeichner  gesessen,  er  ruft  im  Anblicke  solchen 
Zusammensturzes,  im  Jlnblicke  des  Romantischen  aus:  „dat^  die  Zeit  endlich 
wieder  einrei(5e  und  die  Überbleibsel  uns  zur  Cehre  hinterlasse,  man 
müsse  seine  Cüohnung  nicht  nur  auf  f)olz.  Stein  oder  IDarmel,  sondern 
auch  auf  Cugend  gründen,  damit  ijian  dermal  eins  aus  den  vergänglichen 
zu  den  ewigen  Rütten  und  Sternpalästen,  die  aller  Zerstörung  frei  sind, 
gelangen  könne". 

„Schlie()lich"  —  sagt  Kaspret*'*'^  —  „wollen  wir  noch  die  l^rage  be-- 
antworien:  Cüelche  Stellung  nahm  Ualvasor  zum  üaterlande  (Krain)?" 
„Ualvasor  war  sich  wohl  bewu(5t,  da(5  er  als  öffentlicher  Zeuge  der  CUahr-- 
heit  berufen  sei,  durch  CUeckung  vaterländischen  Sinnes  und  Kundgabe 
staatsbürgerlicher  Gesinnung  die  Ghre  und  IDacht  seines  engeren  und 
grö(5eren  Uaterlandes  (Österreichs)  zu  fördern,  mit  vollem  l^erzen  seinem 
l)eimatlande  und  seinem  landesfürstlichen  l)ause  ergeben,  ist  sein  Sinn 
immer  auf  die  0rö[5e  beider  gerichtet.  Deshalb  hebt  er  jene  geschichtlichen 
Begebenheiten  und  Grscheinungen  hervor,  welche  Krain  und  Österreich  zum 
Ruhtue  und  zur  Ehre  gereichen.  Jluf^er  den  fast  unzähligen  Opfern,  welche 
Krain  zur  Abwehr  der  türkischen  Barbarei  brachte  (von  1597  bis  1613 
allein  an  Kontribution  für  die  ßrenzorte  1,699.269  fl.),  gedenkt  er  rühmend, 
doch  ohne  sein  Uaterland  mit  ,überniä(5igen  Cobsprüchen  herauszustreichen' 
der  niiiwirkung  der  Krainer  bei  der  Uerteidigung  (Uiens  im  3ahre  1529 
und  1683,  der  teilnähme  der  krainischen  Ritlerschaft  bei  der  Befreiung 
Maximilians,  welcher  von  den  Ilandrern  in  Brügge  gefangen  gehalten 
worden  (14S$),  des  Beistandes,  den  Baunikircher  mit  seinen  Krainern  dem 
von   CUienern   hart   bedrängten  Friedrich  V.  (III.)   gewährte   und   anderer 


507 


a.  a.  0.  p.  3$. 


-2)    237    'S) 

kritischer  Hlomente,  in  welchen  sich  seine  Candsleute  in  hervorragender 
UJeise  ausgezeichnet  und  um  das  Uaterland  und  um  das  angestammte 
l)aus  verdient  gemacht  haben.'' 

Um  die  oben  erwähnte  kulturgeschichtliche  Seite  der  Bedeutung  von 
Ualvasors  l)auptwerke  zu  kennzeichnen,  genügt  wohl  der  Hinweis  auf  den 
Inhalt  des  sechsten  Buches,  wo  er  von  der  Sprache  (den  Dialekten),  den 
erachten,  Sitten  und  Gebräuchen  der  krainischen  Bevölkerung  handelt  und 
in  welchem  er  uns  ein  Bild  aller  Grscheinungen  des  Uolkslebens  seiner 
Cage  hinterlassen  hat,  das,  durch  seine  meisterhafte  5^eder  in  der  ihm 
eigenen  Ciebe  zum  üolke  der  Reimat  festgehalten,  eine  wahre  Perlenreihe 
seines  literarischen  Uermächtnisses  darstellt.  Ratten  wir  nicht  diese  Schil- 
derungen in  Cüort  und  Bild  über  Ceben  und  treiben  unseres  üolkes  im 
17.  3ahrhunderte  durch  ihn  in  dieser  CUeise  überkommen,  wäre  dieser 
Schatz  der  5olkloristik  für  immerwährende  Zeiten  auf  Himmerwiedersehen 
dahingeschwunden.   So  aber  kann  man,  an  dieses  älteste  uns  erhaltene  | 

Denkmal   heimatlichen  Uolkstums  die   gleichfalls  hochwertvollen  üufzeich--  ^ 

nungen  und  Darstellungen  Belsazar  Racquets  aus  dem  1$.  ]ahrhunderte,^°^  j 

dann  die  Hermanns  ^^^  und  Korytkos^^^  aus  dem  Beginne  des  19.  3^^^'  " 

hunderts  in  vergleichenden  Studien  anschlief^end,  zu  einem  bis  in  die 
neueste  Zeit  fortzuführenden  und  mit  den  bezüglichen  Darstellungen  im  ; 

monumentalen  UJerke  unseres  unvergef^lichen  Kronprinzen  weiland  Seiner 
k.  u.  k.  Roheit  des  durchlauchtigsten  Rerrn  Erzherzogs  Rudolf:  „Die  öster- 
reichisch-ungarische nionarchie  in  CUort  und  Bild''  abschliet^enden  Gesamt- 
bilde der  krainischen  ^olkloristik  von  Cinst  und  3etzt  gelangen,  eine  in 
der  Cat  ebenso  anziehende  als  lohnende  JIrbeit,  die,  populär  gefa(3t,  den 
hohen  Intentionen  des  erlauchten  Chronfolgers,  Seiner  k.  u.  k,  Roheit  des 
durchlauchtigsten  Rerrn  Erzherzogs  5^ranz  5^erdinand  von  Österreich  ent- 
sprechend, gewi(5  das  ihrige  dazu  beitragen  könnte,  nicht  nur  dasjenige, 
was  im  Uolkstum  aus  alten  Zeiten  noch  sichtbar  erhalten,  in  seinem  bis= 
herigen  Bestände  fort  zu  sichern,  sondern  auch  manches,  sich  trotz  der  leider 
raschen  Divellierung,  noch  verborgen  Raltende  alten  Uolkstums  neu  zu  be= 
leben  und  an  den  Cag  zu  bringen,  wie  dies  ja  durch  die  Bemühungen 
der  heimatlichen  Sprachgelehrten,  deutschen  und  slawischen,  bezüglich  der 
Sprache  der  slawischen  und  deutschen  Bewohner  unseres  Candes,  bereits  mit 
vielem  Erfolge  —  man  denke  nur  an  die  bezüglichen  Jlrbeiten  in  lexikaler 

^°^  0csd)ici)te  der  Südwest-  und  östlichen  Slaven. 
^°^  Reisen  usw. 

^*"  flbbilduncjen  im  museum  Rudolfinum  in  Caibad)  (gemalte  Crad)tenbilder  von 
Kurz  von  ßoidenstein). 


m 


-2)    23$    '& 

Beziehung  auf  slowenischer  und  deutscher  (ßottscheer)  Seite  —  ins  ÜJerk 
gesetzt  worden  und  wie  die  eben  im  Gange  befindliche  Sammlung  des 
ßesamtschatzes  der  Uolkslieder  in  Krain  zur  Einfügung  in  ein  ßesamt-- 
werk  der  Uolkslieder  ganz  Österreichs  auf  diesem  Kulturgebiete  anstrebt 
und  gewi(5  glänzend  erreichen  wird. 

Und  man  denke  nur,  wie  der  eine  Zweig  uralter  krainischer  Raus-- 
industrie,  die  von  weiland  Ihrer  niajestät  unserer  allgefeierten  Kaiserin 
und  Königin  Elisabeth  geförderte  Spitzenindustrie  Krains  eben  durch  so 
mächtigen  Jlnsporn  zu  einem  neuen  lohnenden  Grweibszweige  und  in 
ethischer  Beziehung  zu  neuer  Betätigung  heimatlichen  Kunstfleil^es  aufge-- 
rufen  und  entwickelt  worden,  zu  welcher  Entwicklung  in  edler  Hach-- 
eiferung  des  Impulses  durch  die  erhabene  Protektorin,  in  materieller  Be-- 
ziehung  die  unentwegte  Förderin  der  gesamten  üolkswohlfahrt  des  Candes, 
die  Krainische  Sparkasse,  nicht  den  wenigsten  teil  beigetragen  hat. 

Doch  kehren  wir  nach  dieser  bereits  in  den  Gesichtskreis  tretenden 
und  hoffentlich  noch  weiterhin  sichtbar  werdenden  Perspektive  der  Siche-- 
rung,  Rettung  und  CUiederaufnahme  heimatlichen  alten  üolkstums  zu 
Ualvasors  Stellung  zur  Kulturgeschichte  zurück.  Da  haben  wir  noch  kurz 
seiner  Stellung  zur  Literaturgeschichte  und  zur  Uolkswirtschaft  Erwähnung 
zu  tun. 

Im  Jlnschlusse  an  die  Schilderung  von  Sprache,  Sitten  und  Gebräuchen 
der  Bewohner  finden  wir  die  Grundlage  für  eine  Citeraturgeschichte  Krains, 
geliefert  in  dem  ,, Anhang  des  sechsten  Buches,  welcher  eine  Jlnzahl 
gelehrter  Skribenten  begreift,  so  aus  Krain  bürtig  gewest".  Gs  wird 
darin  ^^^  von  56  Skribenten  eine  Reihe  von  lüerken  krainischer  Schrift-- 
steller  mit  üoranstellung  längerer  oder  kürzerer  biographischer  Daten 
geliefert,  die  für  spätere  Bearbeitungen  bereits  vielfach  wertvolles  Hlaterial 
geboten  haben  und  betreffs  mehrerer  noch  bieten  können;  die  hervor= 
stechendsten  Damen  sind  da  Siegmund  Freiherr  von  l)erberstein,  Primus 
Cruber,  lllartin  Pegius,  Jidam  Bohorizh,  Georg  Dalmatin,  Chomas  Ghrön, 
Johann  Caufrer,  David  üerbez,  Cudwig  Schönleben,  Jldam  Sebastian  von 
Siezenheim,  IDartin  Bautscher,  ITlatthias  Gastellez,  Georg  Sigismund  5^reiherr 
von  l)allerstein,  Paul  Ritter  üitezovich  (zwar  nicht  aus  Krain  gebürtig, 
doch  dem  „Berrn  Bauptautor"  so  innig  befreundet  und  in  so  innigen  Be- 
ziehungen zum  CUerke,  da(5  er  nicht  übergangen  werden  durfte,  wenn  man 
die  zeitgenössische  Literatur  in  Krain  in  Betracht  zog),  Johann  Daniel  von 
Grberg,  Jranz  5^reiherr  von  Cüützenstein,  5^erdinand  von  ITlontagnana  S.  ]. 


'"  Seite  343  bis  370. 


'S    230    'S) 

(der  die  Jlnnales  Societatis  Jesu  plurium  annorum  geschrieben,  welche  aber, 
wie  üalvasor  beifügt,  annoch  nicht  in  Druck  herausgekommen)  u.  v.  a.  Den 
Beschlu(5  dieser  ersten  Citeraturgeschichte  und  Bibliographie  bildet  die  von 
^rancisci  signierte  „Zugabe  von  de(5  I)errn  Raupt-- Jluthoris  dieses  lüerkes 
selbst-eigenen  vilfältigen  Schriften",  deren  im  ganzen  bereits  im  Druck 
erschienenen  und  in  Uorbereitung  befindlichen  die  Zahl  22  angegeben 
erscheint.^^^  üon  den  zum  Druck  vorbereitet  gewesenen  sind  die  wichtigsten 
die  sechs  Bände  „Cumen  Daturae":  1.  de  üitro,  2.  de  Pasta,  3.  de  Colore, 
4.  de  Sympathia  et  J^ntipathia,  5.  de  5^uco  und  6.  de  Hledicina  und  dann 
die  drei  Bände  ,Jlos  Physico--rnathematicus",  „in  denen  von  allen  mathe= 
matischen  Sachen  sowie  auch  von  den  eigenen  Erfindungen  gehandelt  wird". 

€s  braucht  nicht  erst  eigens  betont  zu  werden,  es  ist  bei  Ualvasors 
Charakter  selbstredend,  da(5  er  in  Beurteilung  der  von  ihm  namhaft  an-- 
geführten  „Skribenten"  mit  voller  Objektivität  seine  wenngleich  kurzen 
aber  doch  treffenden  Kritiken  abgegeben  und  so  von  den  namhaft  gemachten 
üorgängern  und  Zeitgenossen  im  literarischen  Schaffen  für  die  Reimat  der 
nachweit  ein  ungetrübtes  Spiegelbild  ihrer  Bestrebungen  und  Ceistungen 
bewahrt  hat,  möge  deren  lüirken  auf  dem  oder  jenem  Gebiete  des  CUissens 
gelegen  gewesen  sein,  mag  der  oder  jener  Schriftsteller  dieser  oder  jener 
geistigen  Richtung,  dieser  oder  jener  sozialen  Stellung  angehört  haben, 
katholischer  oder  protestantischer  Schriftsteller,  Priester  oder  Caie,  Jldeliger 
oder  nichtadeliger,  eines  jeden  literarisches  üerdienst  um  die  Reimat  hat 
der  vorurteilslose  Freiherr  willig  anerkannt  und  gebührend  hervorgehoben! 

Jlus  den  verschiedenen  Jlbteilungen  der  „€hre  Krains",  wo  er  von 
der  Bodenbeschaffenheit  der  einzelnen  Eandesteile,  von  den  Früchten,  die 
der  Boden  hervorbringt,  von  CUäldern  und  Cüässern,  von  den  Beschäf-- 
tigungen  der  Bewohner,  von  f)andel  und  Gewerbe  spricht,  überall  hat  er 
das  Beste  für  die  üolkswirtschaft  im  Enge,  und  er  verfehlt  nicht,  indem 
er  die  Betätigung  seiner  Reimatsgenossen  auf  diesem  Gebiete  behandelt, 
ab  und  zu  Ratschläge  zu  erteilen,  wie  dies  und  jenes  vorteilhafter  vor  die 
Rand  genommen  werden  könnte!  Ganz  besonders  aber  betont  er  —  die 
Grundlage  der  Uolkswohlfahrt  —  die  J^rbeitsamkeit  unseres  Uolkes!  „Die 
Ceute  —  schreibt  er  —  seynd  arbeitsam  und  solches  Ruhms  sowol  die 
CUeiber  als  Hlänner  fähig";  er  lobt  die  Jlbhärtung,  das  Blo[3fü(5iggehen, 
auch  bei  Schnee  und  grot^er  Kälte,  was  nicht  aus  Jlrmut,  sondern  aus 
üerachtung  der  Kälte  geschieht,  das  Schlafen  auf  harter  Schlafstelle  (oft 
nur  auf  Bänken),   „müssen  sie   auf  so   unsanfften   höltzernen  Bettwerk 


üalvasor,  Gbre  des  Herzogtums  Krain,  II.  (VI.),  p.  36$  bis  370. 


•2)    240    'S) 

dennocb  sanfft  genug  schlafen,  weil  sie  den  Bemühungen  ihres  Jlcker-- 
und  l)ausvves*ens  nicht  schläfrig  obliegen  sondern  durch  unruhige  tage 
ihnen  (sich)  ruhige  Dächte  verschaffen". ^^^  uj\^  blättern  um  und  sehen ^^* 
unsere  fleif^igen  Candleute  an  der  Einbringung  der  Kornfrucht  in  die 
landesübliche  „l)arfe",  wie  sie  au(5er  in  Krain  nur  noch  in  angrenzenden 
Landstrichen  und  im  hohen  Horden  gebräuchlich. 

Die  heute  noch  nicht  ganz  durchgeführte  Jlustrocknung  des  Caibacher 
nioores  beschäftigte  auch  schon  den  Dationalökonomen  in  unserm  edlen 
5reiherrn,  und  er  kann  nicht  umhin,  bei  der  Erwähnung  des  Umstandes, 
da(5  zwei  von  krainischen  Kavalieren  gemachte  JInerbietungen  betreffs 
Jlustrocknung  dieses  IHoorgrundes  nicht  angenommen  wurden,  tadelnd  zu 
bemerken,  dat^  mancher  „rnif^freund"  dies  verhindert  habe.^^^ 

Da(5  üalvasor  neben  der  vollen  und  reellen  Beachtung,  die  er  allen 
Zweigen  der  Eandwirtschaft  gewidmet  —  der  Bodenkultur,  der  üieh--  und 
Fischzucht  (unter  namentlicher  f)ervorhebung  des  Karstgestütswesens  und 
des  weit  über  die  lllarken  Krains  bekannten  Krebsreichtums  und  der 
Krebsengröfie  und  -gute)  — ,  das  Gewerbe  und  die  Industrie,  insbesondere 
das  ßewerkswesen,  sowie  die  damalige  Bandeisschiffahrt  auf  der  $ave 
und  dem  Caibachflusse  nicht  übersehen  und  ihrer  vollen  Bedeutung  nach 
gewürdigt  bat,  springt  dem  Ceser  der  „Ehre  Krains"  in  erfreulichster 
Cüeise  ins  Enge  und  ist  uns  heute  gleich  dem  sechsten  Buche  eine  reiche, 
kulturgeschichtliche  Quelle. 

Cüelch  weiten  Blick  üalvasor  aber  in  betreff  des  Gewerbes  besessen, 
dafür  liegt  der  Beweis  in  der  Stelle  vor,^^*^  wo  er  davon  spricht,  „da(^ 
aus  dem  Umstände,  als  in  der  Stadt  Caibach  viele  das  gleiche  Gewerbe 
treiben,  den  Herrschaften  als  auch  dem  Uolke  ein  gröfKrer  nutzen  fliefKt, 
angemerkt  —  sagt  er  —  die  Cüaaren  viel  wolfeiler  zu  erhandeln  an 
einem  Ort,  da  viele  einerlei  Gewerbe  treiben,  und  daher  auch  dem  Grund-- 
herrn  eine  grc)(5ere  Steuer  erwachset".  Zählte  üalvasor  demnach  zu  unseren 
Zeitgenossen,  so  sähen  wir  ihn  als  getreuesten  JInhänger  der  Gewerbe-- 
freiheit,  und  auch  die  Steuerbehörde  hätte,  wie  gewi(5  zur  Zeit  auch,  als 
er  dies  geschrieben,  an  ihm  ihre  Freude! 

[)eben  wir  es  noch  in  dieser  leider  nur  gedrängt  möglichen  Über-- 
schau  über  des  so  vielseitigen  Gelehrten,  Forschers,  Beobachters,  Ratgebers 
und  üolksfreundes  Stellungnahme   zu   allen  jiu(5erungen  des  üolkslebens 

^*^  üalvasor,  Cbrc  des  Herzogtums  Krain,  I.  (II.),  p.  103. 

''*  ebenda,  I.  (IL),  p.  105. 

'''  ebenda,  III.  (XI.).  p.  677. 

'''  ebenda,  III.  (XI.),  p.  700. 


-2)     241     -2) 

und  der  Uolkswoblfabrt  nocb  eigens  heraus,  da(5  sid)  Ualvasor  aud)  als 
Statistiker  bewährt  hat,  indem  er  an  die  kompetente  Instanz,  an  die 
hochwürdige  Geistlichkeit,  das  Grsucben  gestellt,  ihm  für  das  achte  Bud) 
von  den  Pfarren  in  Krain  die  Jlngaben  über  Geburten  und  Codesfälle  zu 
liefern,  weldiem  Ersuchen  auch  —  wie  man  beim  Durchblättern  dieser 
Jlbteilung  der  „6hre  Krains"  sich  zu  überzeugen  in  der  Cage  ist  —  von 
den  meisten  ßerren  Pfarrern  pünktlich  entsprochen  wurde. 

JIls  „Statistiker"  hat  er  uns  denn  auch  die  Jlnzahl  der  Bäuser  und 
der  Bewohner  der  Candeshauptstadt  Eaibach  zur  Zeit  des  Grscheinens 
seines  Hauptwerkes  aufgezeichnet,  nach  dieser  Aufzeichnung  zählte  die 
Stadt  Caibach  um  16$9:  500  Bäuser  und  20.000  Einwohner  —  Bürger=  \  i 

meister  Schönleben  notierte  in  seiner  handschriftlich  erhaltenen  Chronik 
der  Stadt  Caibach, ^^^  daf^  „am  16.  3uli  16$2  der  Crsame  IHagistrat  alle  ^ 

die  Inwohner  diser  Stadt  durch  gewisse  dazu  deputirte  Rerrn  Burger  habe  ^ 

beschreiben  lassen,"   daher  wir  annehmen  können,   da(5  Ualvasor  seine  3 

Eufzeid)nung  auf  Grund   dieser  so  frühzeitigen  Caibacher  üolkszählung  -^' 

gemacht  habe. 


'"  K.  u.  k.  hofbibliotbck  in  (üien,  ms.  15400. 


.s£ 


HZ 


V.  Radics,  Ualvasor.  16 


Erstes  fachmcinnisches  Urteil  über  üaluasors  ,,6hre 
des  Berzogtums  Krain''  in  den  ,,flcta  Gruditorum'' 

in  Leipzig  1689, 

lald  nachdem  Ualvasors  Hauptwerk,  dessen  Uorrede  „(Uagens- 
berg,  15.  Epril  1689"  datiert  ist,  erschienen  war,  brachte  schon 
das  Doveniberheft  16$9  der  1682  zu  Ceipzig  von  einem  Kreise 
gelehrter  IDänner,  wie  Carpzow,  6ttmiiller,  IDenke,  Olearius, 
Ittig,  Rechenberg,  Pfautz,  Ischirnhausen,  Seckendorf,  Reichsgraf  Bünau, 
begründeten,  später  vom  grofjen  Ceibnitz  mit  Beiträgen,  so  zum  Beispiel 
zuerst  seiner  5^orschung  über  die  Differentialrechnung  1684,  wesentlich  geför= 
derten  „Jlcta  Gruditorum"  "^  (die  es  sich  zur  Ghre  rechneten,  mit  einem 
weltbürgerlichen  Blick  ganz  Guropa  zu  umfassen,  sie  brachten  sogar 
schwedische  und  polnische  Bücher  zur  Jlnzeige^^^)  eine  elf  Quartseiten 
umfassende  Besprechung  des  ersten  Bandes  des  sensationellen  Buches 
unseres  Jreiherrn  von  üalvasor,  von  welchem  Cüerke  der  üerfasser  selbst, 
als  er  noch  mitten  in  der  Fertigstellung  desselben  begriffen  gewesen,  in 
einem  vertraulichen  Schreiben  an  den  Sekretär  der  „Königlich  Gnglischen 
Gesellschaft"  ausgerufen:  „Grit  über  sat  curiosus". 

Die  Beurteilung  in  den  Jlkten  dieser  in  Deutschland  und  im  ganzen 
Jluslande  in  grof^em  Jlnsehen  gestandenen  0elehrtengesellschaft  ist  eine 
ebenso  gründliche  als  eingehende  und  in  hohem  0rade  anerkennende. 
Beigegeben  erscheint  derselben  eine  Kupfertafel  mit  der  Jlbbildung  des 
Zirknitzer  Sees,  doch  ist  dieselbe  nicht  ganz  kongruent  mit  der  in  Ual- 
vasors Cüerke  befindlichen,  denn  es  sind  auf  der  nach  Ceipzig  mitgeteilten 
Cafel  die  aus  dem  Ungewitterloch  auffahrenden  l)exen  ausgelassen. 

Die  Besprechung  beginnt  mit  dem  l)inweise  darauf,  da(^  die  „Jlcta 
Gruditorum"  schon  1682  (also  gleich  im  ersten  3ahre  ihres  Bestandes) 
ein  Cüerk  über  Krain,  und  zwar  Scheinlebens  „0arniola  antiqua  et  nova", 

^'*  „Acta  eruditorum,"  Cipsiac  1689,  £alendi$  novembris. 

^'^  Schmidt  Julian,  Geschichte  des  geistigen  Cebens  in  Deutschland,  Ceipzig  1862, 

I..  p.  162  f. 


-2)    243    '& 

ihrer  Beurteilung  unterzogen  haben,  und  es  wird  hier  gleich  im  Eingänge 
der  Beleuchtung  von  Ualvasors  Buche  wiederholt,  daf^  Krain  unter  den 
Besitztümern  des  erlauchten  Bauses  Österreich  nicht  das  letzte  sei  und 
da(5  Berr  Schönleben  es  unternommen  habe,  dasselbe  aus  dem  Dunkel 
hervorzuheben, ^2°  in  welchem  es  nicht  durch  eigene  Schuld,  sondern  durch 
die  Schuld  der  Kosmographen  bislang  verborgen  geblieben  war.  Schön-- 
lebens  Beispiele  sei  nun  Ualvasor  gefolgt  aus  Ciebe  zum  Uaterlande.  Dach 
dieser  Konstatierung  heif^t  es  weiterhin:  „Minimum  omnibus  ad  ingens 
hoc  opus  absolvendum  adminiculis  destitutus  praeter  documenta  nonnulla 
ex  Cancellaria  ipsi  communicata  et  paucula  ista,  quae  ex  magno  autorum 
cumulo  hanc  in  rem  delibare  ei  licuit,  necesse  habuit  pleraque  ex  propria 
experientia  ac  indefessa  indagatione  haurire  atque  sibi  comparare,  proin-- 
deque  ipsemet  passim  montes  atque  valles  hujus  regionis  peragravit,  ac 
singula  notata  digna  perquisivit,  situmque  lacorum  utplurimum  propria 
manu  delineavit,  suis  potius  quam  aliorum  oculis  confidere  edoctus." 
Die  weiteren  Jlusführungen  anerkennen  voll  Ualvasors  umfassende  Studien 
und  ^Forschungen,  die  er  sich  nicht  nur  aus  dem  Staube  der  Jlrchive 
sammelte,  sondern  die  er,  die  Beimat  durchwandernd,  aus  eigener  Hn-- 
schauung  schöpfte. 

Jlnschlie(5end  an  diese  allgemeine  Charakteristik  der  für  Ualvasors 
Gründlichkeit  und  Ursprünglichkeit  zeugenden  Gigenschaften  des  Buches 
gibt  nun  der  gelehrte  Rezensent  der  „Ehre  des  Herzogtums  Krain'*  eine 
detaillierte  Jlnalyse  des  ersten  Bandes  auf  den  zehn  weiteren  Seiten  der 
Kritik,  in  welches  Detail  wir  ihm  wegen  Raummangels  nicht  folgen  können, 
auch  würde  die  Aufzählung  des  Inhaltes  des  ersten  Bandes  sich  hier 
wiederholen.  Besonderes  Interesse  findet  der  Rezensent  an  den  Angaben 
Ualvasors  über  die  „Cabors",  die  befestigten  Eager  der  krainischen  ßrenz-- 
verteidiger  in  den  tagen  der  Cürkenkriege,  über  die  vielen  CUarmbäder 
(slowenisch  toplice)  in  Krain,  über  Idria,  Adelsberg  und  seine  Grotten, 
über  den  Zirknitzer  See  usw.  Das  Hlärzheft  1690  brachte  sodann  die 
Rezension  über  den  zweiten,  dritten  und  vierten  Band  der  „Ghre  des 
Herzogtums  Krain'*  auf  den  Seiten  105  bis  114  (inklusive),  eingehend  be- 
sprochen findet  sich  das  sogenannte  „Schlösserbuch",  ferner  das  Sprach-- 
verhältnis  in  Krain,  das  der  beiden  Bauptsprachen  Deutsch  und  „Scla-- 
vonisch"  (Slowenisch),  „die  Christophbruderschaft  der  niät^igkeit",  gegründet 
unter  Kaiser  IDax  L,  die  Aufzählung  der  berühmten  IHänner:  der  gelehrte 

"°  Dieser  Passus  weist  auf  die  entstebung  der  Besprechung  im  Reitnatlatide  selbst 
und  vielieicbt  haben  wir  als  Autor  derselben  den  Heften  Schönlebens,  den  historiker 
3ohann  Gregor  Dolnicar  von  Chalberg  anzusehen. 

16* 


'&    244    'S) 

Berberstein,  der  kriegerische  Bischof  Christoph  Rauber,  der  freund  und 
Ratgeber  des  „letzten  Ritters",  der  Reformator  Cruber,  der  schwäbische 
Schulmann  Jrischlin  u.  a.  m.  J\m  kürzesten  kommt  der  vierte  Band  weg, 
die  Erzählung  der  kriegerischen  3ahrgeschichten.  Die  Leipziger  Gelehrten 
legten  nämlich,  indem  sie  der  gelehrten  Cüelt  einsieht  in  den  Inhalt  der 
Riesenschöpfung  üalvasors  eröffneten,  das  Hauptgewicht  auf  die  Copo-- 
graphie  und  Kulturgeschichte  Krains,  da  letztere  ihnen  als  völlig  neuer 
Beitrag  auf  diesen  Gebieten  erschienen. 


Daluasors  letzte  [lebenstage* 

Cod  *  Beisetzung  In  der  Tamiliengruft  auf  Scblog  Galleneck  1693« 

ie  I)erau$gabe  der  „Gbre  Krains",  die  ihm  im  In--  und  Jlus-- 
lande  soviel  Cob  und  €bren  eingetragen,  sie  war  aber  durcb 
die  für  ibn  damit  verbundenen  grof^en  Kosten  der  Herstellung 
zugleicb  die  Ursacbe  des  Zusammenbruches  seines  l)auswesens, 
welcber  trotz  der  nambaften  Subventionen  der  krainiscben  Candscbaft  und 
trotz  der  aucb  sonst  ibm  zugekommenen  Jlusbilfen  erfolgte.  ^^^ 

Gs  wurde  bereits  in  früheren  Jlbteilen  erwähnt,  da(5  1692  der  Uerkauf 
von  Cüagensberg  und  der  Dependanzen  stattfand  und  das  3ahr  darauf  1693 
der  Uerkauf  des  Rauses  in  Caibach;  ehevor  hatte  er  sich  bereits  von  der 
grot^en  in  CUagensberg  befindlichen  Bibliothek  getrennt,  welche  bekanntlich 
vom  Bischöfe  von  Jlgram  schon  1690  angekauft  worden  war,  gleichwie 
auch  schon  1691  der  ,Jugendzehent"  zu  CUagensberg  und  30  Buben  in 
den  Besitz  des  Zisterzienserstiftes  Sittich  käuflich  übergegangen  waren, 
nachdem  also  nichts  mehr  imstande  war,  unsern  edlen  5reiherrn 
weiterhin  „an  dem  lust--  und  fruchtreichen  St.  IDartiner  Boden'*  festzu= 
halten,  beschlot?  er,  seine  ferneren  Cage  in  einer  anderen  Gegend  der 
geliebten  ])eimat  und  doch  in  dem  ihm  so  sympathischen  Unterkrain  zu 
verbringen.  Gr  wählte  daher  als  buen  retiro  die  rebenumkränzte  Stadt 
ßurkfeld  in  Unterkrain,  wo  einst  der  erste  Ualvasor  in  Krain,  Berr 
Johann  Baptist,  Besitzer  des  Schlosses  gewesen,  die  liebliche  Stadt,  an 
dem  red)ten  Ufer  der  hier  schon  ziemlich  breit  dahinfliefKnden,  damals 
noch  reichlich  mit  Schiffen  besetzten  Save.  Knapp  am  Ufer  des  schönen 
Stromes,  mit  dem  reizvollen  Hinblicke  auf  die  am  jenseitigen  Ufer  sich 
breitenden  CUeinberge  der  grünen  Hlark  von  Steier,  erwarb  sich  Ualvasor 


"^  So  zum  Beispiel  finden  wir  in  einem  Cestamente  seiner  Schwester  maria  Clara 
vom  29.  flprii  1679  die  Bestimmung,  demselben  die  Scbuldobligation  „auf  ain  bunderdt 
Gulden  vnd  6  Cronen"  nebst  dem  davon  verfallenen  Interesse  gegen  dem  heraus- 
zugeben, dal5  „der  vielgeliebte  Rerr  Bruder"  zu  nutzen  ihrer  Seele  50  hl.  messen 
lesen  lasse.  —  Archiv  des  k.  k.  Candes9erid)tes  Caibach,  Cestamente. 


-2)    246    'S) 

mit  den  beaux  restes  seines  Uermögens  im  5^ebruar  1693  käuflieb  das 
dem  Ratsbürger  3akob  Uodnik  gebörige  Raus,^22  i^^y^^  ^^^  Sieebenbaus 
von  ßurkfeld  —  eine  Stiftung  des  im  Uereine  mit  seiner  nocb  lebenden 
ßemablin  josefine  Rotscbevar  (Dame  des  Glisabetb-Ordens,  Besitzerin  des 
goldenen  Uerdienstkreuzes  mit  der  Krone)  um  6urkfeld  wie  um  ganz 
Krain  unvergänglicb  verdienten  Rerrn  martin  l)otscbevar  (Ritter  des  Gisernen 
Kronenordens,  durcb  eine  Reibe  von  3abren  Reicbsrats--  und  Candtags= 
abgeordneter  aus  Krain)  — ,  voelcbes  durcb  üalvasor  als  Besitzer  und  als 
Sterbebaus  Ualvasors  dauernde  Bedeutung  für  die  Reimat  gewjonnen  bat 
und  seit  1893  —  dem  200.  ßedenkjabre  von  Ualvasors  l)inscbeiden  — 
durcb  die  IDunifizenz  der  eben  genannten  grotKU  CUobltäterin  und  Patriotin 
sovoie  edelgesinnten  lüitvoe  5^rau  l)otscbevar  mit  Gedenktafeln  an  üalvasor 
und  IDartin  l)otscbevar  gescbmückt  erscbeint.  Das  Baus  batte  1609  Cukas 
Kunez,  gewesener  Stadtricbter  und  l^andelsmann,  erbauen  lassen,  wie  nocb 
beute  im  Corbogen  zu  lesen  mit  dem  Beisatze:  „6nad  im  0ott,  wes  ists 
gwesen  und  wes  wirds  nocb  werden".  In  diesem  pause,  das  nacb  der 
einen  Seite  auf  einen  grö(5eren  Platz  blicken  lä(5t,  wäbrend  nacb  der  dem 
Jlusse  zugekebrten  Seite  scböne  scbattige  Bäume  vorgepflanzt  sind,  ver-- 
lebte  üalvasor  seine  letzten  Cebenstage  im  traulieben  Reim  mit  Cektüre^^s 
der  ibm  verbliebenen  Randbibliotbek  und  mit  rnusik;^24  ^^^  ^j^  letzten 
Cage  seines  so  segensreicben  Grdenwallens  waren  gezäblt. 

Zwar  batte  er  selbst  scbon  16$7,   damals  erst  46  3abre  alt,  an  den 
Sekretär  der  „Royal  Society"  in  Condon  gescbrieben,^24  ^^[^  ^,.  ji^^j^  ^j^| 

mebr  für  die  Reimat  leisten  würde,  füblte  er  nicbt  unverbofft  die  Kräfte 
weicben;  docb  da(5  er  scbon  mit  52  jabren  das  Zeitlicbe  segnen  sollte, 
das  bätte  wobl  niemand  geabnt,  zum  mindesten  der  flei()ige  IDitarbeiter 
am  I)auptwerke  Grasmus  5^rancisci,  der  nocb  dessen  „als  eines  activen 
und  arbeitsamen  f)errn  eisernen  rnutb"  bocbgepriesen  und  ibm,  „seinem 
gnädigen  [)errn  die  fernere  eiserne  6esundbeit  gewünscbt".^^^  Gine  zwar 
nicbt  quellenmä(3ig  verbürgte  Dotiz  in  einem  Aufsätze  von  5^r.  X.  Ricbter 
gibt  Podagra  und  Diarrböe  als  Codesursacbe  an;  vielleicbt  aber  ward 
sein,  wie  in  jenem  obzitierten  Briefe  nacb  Gngland  üalvasor  selbst  ange= 
deutet,  bereits  1687  arg  gescbwäcbt  gewesener  Körper  von  den  im 
Sommer  1693  beftig  aufgetretenen  epidemiscben  Jiebererscbeinungen  er-- 
griffen,   deren   letale  Cüirkungen   auf  nicbt  widerstandsfäbige   Körper  der 

"^  Jlnton  3«lov§ck  im  „üodnikalbum"  von  Dr.  €.  R.  Costa. 

"'^  Siebe  im  Jlnbange  das  nacblabprotokoil. 

®"  Brief  vom  7.  17.  Dovember  I6$7  im  flrcbiv  der  Royal  Society.  —  Siebe  Jlnbang. 

"^  Üalvasor,  Gbre  des  f^erzogtums  Krain,  II.  (VI.),  p.  370. 


-©    247    'S) 

berühmte  zeitgenössische  Caibacher  Bxzi  max  ßerbez  in  seinem  trefflichen 
CUerke  „0hronologiae  niedicae^^^^  konstatierte,  und  so  der  gröf^te  Patriot 
Krains  in  allzu  frühen  O^bi'^n  dahingerafft. 

Ualvasor  starb,  wie  man  annimmt,  zu  Gurkfeld  am  19.  September  1693, 
was  jedoch  wegen  Jlbganges  der  älteren  Sterbematrikeln  in  der  Pfarre 
l)aselbach  bei  ßurkfeld,  wohin  diese  Stadt  bis  zu  der  vor  kurzem  erfolgten 
Errichtung  der  Pfarre  ßurkfeld  (auch  ein  Uüerk  der  Familie  Rotschevar) 
eingepfarrt  gewesen,  nicht  mehr  quellenmäf^ig  zu  belegen  ist. 

£ange  bestand  auch  die  5^rage,  wo  Ualvasor  zur  Ruhe  bestattet  worden. 

Da(3  er  zu  0urkfeld  gestorben  und  da(5  er  in  der  Familiengruft  zu 
0allened<  beigesetzt  worden,  beide  diese  Tatsachen  stellt  eine  Jlufzeichnung 
des  zeitgenössischen  Schriftstellers,  des  bekannten  Chronisten  Johann  Gregor 
Chalnitscher  (Dolnicar)  von  Chalberg  fest.  Gr  schreibt  zum  Damen  Johann 
lUeikhard  Ualvasor  in  seiner  „Bibliotheca  Eabacensis  publica  Collegii 
0arolini  nobilium"^^^:  „Jln.:  demum  1693  Gurkfeldum,  quo  aeger  aductus 
fuerat,  rebus  humanis  est  ereptus  ingenti  bonorum  luctu;  fuit  enim  vir 
animi  candore  suavissimo,  et  humanitatis  pleno;  habet  tanti  viri  mortales 
exuvias  media, ^^^  natale  solum,  eruditae  uero  mentis  immortale  depositum 
in  tot  historicis  uoluminibus  aeternum  vigebit." 

In  diesen  wenigen  aber  schwerwiegenden  CUorten  hat  der  geistvolle 
literarische  Kollege  Ualvasors  nicht  nur  dessen  hervorragende  Cugenden 
und  literarischen  Uerdienste  gepriesen,  sondern  auch  die  allgemeine  Crauer 
aller  Guten  ob  des  Dahinscheidens  des  den  irdischen  Geschäften  entrissenen 
sowie  die  beiden  5^akta  des  zu  Gurkfeld  erfolgten  Codes  Ualvasors  und 
der  Bestattung  auf  dem  Schlosse  Galleneck  der  Dachwelt  erhalten. ^^9 

über  die  5^amiliengruft  in  Galleneck  schreibt  unser  5^reiherr  selbst, 
nachdem  er  von  der  Grbauung  der  neben  dem  Schlosse  stehenden  Kapelle 
durch  seinen  l)errn  Uater  Bartholomäus  gesprochen,  wie  folgt: 

„Jetzt  berührte  Kapelle  beruhet  meiner  lieben  seligen  Gltern  Gebeine, 
wie  auch  etlicher  meiner  Brüder  und  Schwestern,  dazu  unterschiedliche  Kinder 
unseres  Geschlechtes,  darunter  fünff  meiner  selbst  eigen  und  leiblichen,  wie 


^"  Bnnus  Sccundus  Cabaci  ad  annum  1603. 

^"  Kurz9efal3te  dankenswerte  Biographien  berühmter  und  bekannter  Krainer  in  der 
Bibliothek  des  f.  b.  Seminars  in  Caibach. 

^^®  media,  der  slowenische  Dame  für  ßalieneck. 

"^  Auf  diese  Aufzeichnung  machte  mich  in  liebenswürdigster  üJeise  der  f.  b.  Kanzlei- 
direktor und  Konsistorialrat  Rochw.  herr  Uiktor  Steska  aufmerksam,  noch  ehe  derselbe 
die  „Bibliotheca"  Chalnitscl)ers  selbst  in  den  „Izvestja  muzejskega  druitva  za  Kranjsko" 
publizierte. 


-©    24$    'S) 

aud)  meine  vorige  €blieb$te,  die  erst  vor  einem  nabr^^**  bineingelegt 
worden,  welcbe  allda   einer  fröblicben  Jluferstebung  alda   erwarten." ^^^ 

Ober  dem  Eingänge  in  die  Kapelle  erblickt  man  efeuumrankt,  in 
eine  Hiscbe  bineingestellt,  die  üolivstatue  der  unbefleckten  Empfängnis 
niariens,  darunter  die  Cüappen:  üalvasor  und  Rauber,  dann  die  Inscbrift: 
Jld  majorem  Dei  61oriam  $$.  Dei  6en  (etricis)  Ur  (Uirginis)  niariae 
Patronae  Suae  Canquam  üocatae  Gt  Saluti  Invocantium  Dedic.  Sacellum 
Boc  11.  D.  D.  Bar(tbolomaeus)  üalvasor  in  ßollneg  cum  Conjuge  $ua 
11.  D.  D.  Jlnna  Itlaria  Data  Ravberin  Jlo.  1677. 

Ebevor  icb  in  die  Kenntnis  der  Cbalnitscberscben  Jlufzeicbnung  kam, 
trug  icb  micb  scbon  mit  der  auf  einer  Bemerkung  l)acquets  und  auf  einer 
Jlufzeicbnung  von  Boff,^^^  da(5  man  in  einer  kleinen  Kapelle  des  Scblosses 
Gallened{^^^  das  Grabmal  dieses  berübmten  IDannes  sebe,  fu(5enden  Uer-- 
mutung,  da(5  üalvasor  in  die  Gruft  in  Galleneck  zur  Beisetzung  gebracbt 
worden  sei. 

leb  wandte  micb  daber  an  den  mir  befreundet  gewesenen  Besitzer  des 
$d)losses,  weiland  l)errn  Jllois  Prascbniker,  dessen  grolle  Pietät  für  üalvasor 
sd)on  an  anderer  Stelle  gebübrend  betont  wurde,  mit  der  Bitte,  den  $cblu(5= 
stein,  beziebungsweise  Gingang  zur  Gruft  freimacben  zu  lassen  und  mir 
die  Untersucbung  derselben  freundlicbst  zu  gestatten;  diesem  Jlnsucben 
wurde  seitens  des  l)errn  Prascbniker  in  der  liebenswürdigsten  Cüeise  wilN 
fabrt  und  icb  konnte  im  l)erbste  1894  in  Gemeinscbaft  mit  unserem  gemein-- 
samen  5^reunde,  dem  Berrn  kaiserlicben  Rate  und  üermögensverwalter 
zu  St.  Stepban  in  Cüien  5^1orian  Bostnig  binabsteigen,  um  nacb  den 
irdiscben  Überresten  unseres  edlen  Jreiberrn  und  seiner  JIngebörigen  zu 
forscben.  Cüelcb  erscbütternder  Jlnblick  bot  sieb  unserem  Jlugel  In  einer 
Hiscbe  lagen  aufgebäuft  ganze  Stö[5e  vermoderter  Sargbretter,  auf  dem 
Boden  zerstreut  lagen,  im  l)umus  balb  vergraben,  morscbe,  bei  der  leisesten 
Berübrung  zu  Staub  zerfallende  Gebeine,  Stücke  von  Cotenscbädeln;  aus 
dem  l)umus  im  Hintergründe  förderten  wir  dann  Celle  von  Gewändern 
(Brokate),  Spitzenreste  (von  der  3äud)e  braun  gefärbt),  einen  Gedäcbtnis= 
Pfennig  und  eine  grolle  Jlnzabl  (über  40  Paar)  lederne  Scbubsoblen  von 
gro(5  und  klein,  männern  und  brauen,  Knaben  und  lHädcben  zutage  !^^* 


"°  16$7. 

"*  Üalvasor,  €brc  des  Herzogtums  Krain,  IIL  (XL),  p.  104. 
"*  Oryctograpbia  Carnioliae  1764,  IIL,  p.  21. 
"'  Gemälde  von  Rrain,  IIL  Ceil  (l$0$),  p.  134. 

"*  Alles  Gefundene  u^urde  dann   in  ein  Bündel  zusammengetan   und  darauf  an 
einem  trockeneren  Orte  in  der  Gruft  wieder  hinterlegt. 


'S)    249    -2) 

nichts  jedoch  konnte  auf  ein  Zugehör  zur  Ceiche  Johann  (üeikhard 
Ualvasors  schlief^en  lassen,  au(5er  vielleicht  die  Sohlen  von  einem  Paar 
Reiterstiefeln,  die  vorne  „in  rundlicher  Jlbstumpfung" ^^^  die  5^orni  von 
Soldatenstiefeln,  wie  sie  wohl  auch  die  krainisch-- landschaftliche  ITliliz 
getragen,  erkennen  lie(5en. 

Diesem  Zugehör  für  Johann  CUeikhard  üalvasor  scheint  aber  zu  voider-- 
sprechen  die  Jlnmerkung  im  Grwerbungsprotokoll  des  krainischen  Eandes-- 
museums  vom  jähre  \Z25,^^^  wo  es  ausdrücklich  hei(5t:  1825  6.  Dovember, 
Seikota,^"  Itlitglied,  ingleichen  2  metallene  5u(5schnallen  nebst  einem  derlei 
Kreuzl  und  Jlblaf^pfcnnig,  welche  in  der  Gruft  zu  ßallenegg  im  Sarge  des 
verstorbenen  Jreiherrn  von  üalvasor  gefunden  worden  sind.  Doch  können 
immerhin  auch  Reiterstiefel  mit  Schnallen  am  Rist  versehen  gewesen  sein, 
etwa  auch  als  festhält  für  angeschnallte  Sporen. 

(Uie  aber  in  der  0ruft  heute  weder  mehr  von  einem  Sarge  noch  von 
Ceichenresten  unseres  5^reiherrn  auch  nur  die  geringste  Spur  zu  entded<en 
war,  so  fehlt  auch  —  und  dies  wohl  lange  schon  —  das  von  ßoff  er= 
wähnte  Grabmal. 

[Uährend  sich  an  der  Jlu(5enwand  der  Rapelle,  links  vom  Eingänge  in 
eine  Steinumrahmung  eingelassen,  ein  Grabstein  des  1650  am  10.  Juni 
verstorbenen  Johann  B.  üalvasor  ^^^  noch  heute  vorfindet,  begegnet  unser 
Blick  rechts  in  gleicher  Situation  einer  gleichen  Umrahmung,  die  aber  nur 
eine  leere  Cüand  umgibt,  in  welcher  freilich  wohl  einmal  ein  Grabstein 
und  wahrscheinlich  der  Johann  ^eikhards  eingelassen  gewesen. 

Cüann  das  [)inwegkommen  dieses  Grabmals  und  wann  die  üerwüstung 
der  Gruft  stattgefunden,  dies  festzustellen  ist  wohl  heute  nicht  leid)t 
möglich,  sowie  es  auch  nicht  sicherzustellen  ist,  ob  die  Rervorholung 
der  oben  erwähnten,  dem  Candesmuseum  dann  zum  Geschenke  gemachten 
Gegenstände  aus  dem  Sarge  unseres  Ristoriographen  aus  der  bereits  ver-- 
wüsteten  Gruft  erfolgte  oder  ob  blol5  (um  l$25)  der  Sarg  Johann  CUeik= 
hards  geöffnet  worden  —  dies  alles  mu(5,  bis  vielleicht  der  Zufall  auf 
eine  bezügliche  Jlufzeichnung  führt,  dahingestellt  bleiben. 

* 
*  * 

In  Caibach,  wo  die  Dachricht  von  ualvasors  Code  die  allseitig  innigste 
teilnähme  erregt  hatte,  verfa(5te  der  dem  5^reiherrn  aufrichtig  ergebene 

"^  CUcib,  Kostümkundc  (3/2),  p.  019. 
^^^  OriginalprotokoU  Hr.  56. 
^"  Jllois  Seikota. 

^'^  einer  der  beiden  Brüder  Ualvasors,  die  den  Damen  Jobann  gefübrt.  Siebe 
Stammbaum. 


-Si)    250    '& 

und  befreundete,  in  JRbfassung  von  Gpitapbien  besonders  geüble  3obann 
Gregor  Cbalnitscber  von  Cbalberg  nacbstebende  Grabscbrift  für  ibn: 

D.  0. 
loannj  Cüaicbard  Ualvasorio 

Cabaco  Oriundo 

Inclyti  Ducatus  0arnioliae 

Cosrnograpbo 

Kegiae  Societatis  Jlngliae  Jlcadeniico 

Jlntiquitatum  Studio  Dulli  Secundo 

Qui 

Domestica  IDusis 

Jlniica  Pietati 

Bellica  Citteris 

Jidiunxerat 

Ob 

Undique  Strenue  ßesta 

5^acundum  Roc  Jid  Posteros 

monunientum 

$.  P.  Q.  L 

Poni  curavit 

III  Id.  Decernb.  MDCXCIII 

Ob  dieses  Gpitapb  einen  Grabstein  geziert  oder  ob  es  nur  Entwurf 
geblieben?  voer  mag  dies  beute  entscbeiden?  Davon  ist  bis  auf  diese  Zeilen 
keine  weitere  Spur  vorbanden;  aucb  fällt  es  auf,  da(5  diese  ßrabscbrift 
au(5er  der  JIngabe  des  Geburtsortes  Caibacb  keine  Daten  darüber  entbält, 
voann  und  wo  Ualvasor  gestorben  und  wo  er  begraben  worden,  üielleicbt 
war  das  Gpitapb  nur  für  den  Katafalk  einer  Crauerfeier  bestimmt,  aber 
aucb  darüber,  ob  eine  solcbe  stattgefunden,  feblt  jedwede  Jlndeutung  oder 
Jlufzeicbnung. 

*  * 

Ucrld$$en$cDaft. 

Zur  Hufnabnie  der  Uerlassenscbaft  in  Gurkfeld  waren  von  der  Candes= 
Obrigkeit,  der  krainiscben  Candscbaft,  abgeordnet:  Kaspar  Cunkelsteiner, 
Stadtpfarrer  in   Gurkfeld,   Corenz  CUogatbey,   Pfarrer  zu  Jlrcb,   Cüolfgang 


'&    251     'S) 

Busetb  als  ex  offo  adjungierter  Inventurskommissarius  und  0.  ^rid.neapolitan 
als  Koitimissionsscbreiber;  die  Inventur  wurde  am  16.  Jänner  1694  beendet 
und  unter  diesem  Datum  das  31  Blätter  Jolio  umfassende  Inventarium  der 
Candesobrigkeit  vorgelegt.^^g 

Diese  Inventur  zeigt  uns,  da(5  üalvasor  bei  weitem  nicbt  in  der  Hrmut 
dabingescbieden,  als  bisber  angenommen  worden,  wobei  freilieb  zu  bedenken, 
da(5  immerbin  der  gewaltige  ünterscbied  zwiscben  der  Cage  des  einstigen 
mäcbtigen  Scblof^berrn  von  CUagensberg  und  der  partes  andnexae  ver-- 
glicben  mit  der  Cage  des  einfacben  Bausbesitzers  in  der  Stadt  ßurkfeld 
im  allgemeinen  die  Cradition  von  der  vollkommenen  Uerarmung  zum  min-- 
desten  von  den  äuf^erst  dürftigen  üerbältnissen  unseres  edlen  5reiberrn 
erzeugen  muffte. 

In  dem  Inventar  wird  als  nacbgelassener  Besitz  an  erster  Stelle  als 
„liegendes  Grundstück"  angefübrt:  „Gin  Baus  allda  zu  ßurkfeldt  mit= 
sambt  dem  zuegebörigen  6arten  so  pro  acbt  bundert  Gulden  Craineriscber 
UJebrung^**^  von  dem  Berrn  3acob  Uodnikb  erkaufft,  dabey  ein  neues 
0ebäu  aufgefübrt  worden";  man  siebt,  üalvasor  batte  in  der  kurzen 
Zeit  zwiscben  dem  JRnkauf  des  Bauses  (im  5^ebruar  1693)  bis  zu  seinem 
Code  (September  1693)  nocb  einen  Heubau  bei  diesem  JFInwesen  auf-- 
fübren  lassen. 

J!n  barem  Beide  fand  die  Kommission  650  „0allierte  ßuldlner'*  macbt 
575  fl.  45  kr.,  item  gute  ßuldiner  acbt  =  $  fl.  und  eine  sebr  bescbnittene 
spaniscbe  Cronen.  Uon  diesem  Bargeld  bracbte  die  Kommission  sofort 
$0  fl.  als  Inventurskosten  in  Abzug. 

Hiebt  unbeträcbtlicb  ist  das  vorgefundene  Silbergescbmeide,  das  zumeist 
aus  Silber--Cafelservice  bestand;  au(5erdem  ist  eine  vergoldete  Cascbenubr 
mit  zwei  Zeigern,  auf  beiden  Seiten  mit  01as  vermacbt,  verzeicbnet. 

Die  „brieflieben  Urkunden"  weisen  3$  Dummem  und  geben  vielseitig 
interessante  Jlufscblüsse  über  die  WJirtscbaftsverbältnisse  im  üalvasorscben 
Bause,  über  aufgenommene  Darleben,  über  Käufe  und  Uerkäufe  usw., 
sebr  zu  bedauern  ist  der  üerlust  derjenigen  „Briefe",  die  seine  unter= 
scbiedlicben  Kekommandationen  betrafen,  als  er  sieb  in  fremden  Cändern 
befunden,  seine  Korrespondenz  mit  Grasmus  5^rancisci,  „die  Uerrättung 
(üerrecbnung)  der  Gndterscben  Grben  Bucbfürerey",  die  uns  das  Bild  der 
Druckkosten  der  „Gbre  Krains"  bätte  bieten  können,  u.  a.  m. 

"'  Candcsgcricbt  in  Caibacb,  Invcntaria  U  1-17,  Pars  I,  U  1-17  (Hr.  7).  Siebe 
flnbang. 

^^^  macbte  nacb  Karner  von  Hamburgs  ümrecbnungstabelle  675  fl.  Ceut$cl)e  Uläbrung. 


-sy    252    ^ 

Bn  Büchern,  Bildern  und  Spiegeln  sowie  an  niatbematiscben  und 
anderen  Kunstinstrumenten  (niusikinstrunienten)  fand  sieb  eine  Verhältnis^ 
niäf^ig  noch  ansehnliche  Zahl  vor,  so  auch  an  Kleidungsstücken,  Rüstung 
und  Gewehr,  unter  letzteren  beiden  Rubriken  auch  noch  eine  gelbe  Cand-- 
schaftsfahne,  das  l)auptniannsportepee  mit  goldenen  und  rotseidenen  5^ransen 
und  die  viermal  mit  silbernen  und  rotseidenen  fransen  verbrämte  Schärpe, 
wie  sie  der  Uiertelhauptmann  Ualvasor  getragen  und  bis  an  sein  Cebens-- 
ende  bewahrt  hat,  sowie  auch  Küra(5  und  Raskett,  mehrere  Pallasche,  ein 
ungarischer  Cschakanj  und  die  Pistolen,  die  ihn  auf  seinen  „Parteigängen" 
und  auf  dem  Rriegszug  1683  begleitet  hatten;  5^rauenkleider,  Bettgewand, 
unterschiedlicher  I^ausrat,  Silber-,  Zinn-,  Kupfer--  und  Gisengeschirr,  „so 
die  5rau  Cüittib  vorgewiesen'*,  bilden  den  Schluf^  dieses  Inventars. 

Jlu(5erdem  liegen  noch  zwei  Inventare^"  vor.  Das  eine  wurde  von 
3ohann  Corenz  Paradeiser,  5^reiherr  und  Hauptmann  (anstatt  des  am  Gr-- 
scheinen  verhinderten  Baron  von  Cüernegk),  und  von  Johann  Jlndrä  ßandin 
(anstatt  des  gleichfalls  nicht  anwesenden  Reinrich  Julius  Jlpfaltrer,  5^rei-- 
herr)  als  erbetenen  Inventurskommissarien  zu  lüagensberg,  13.  Jänner  1693 
(also  tags  vor  der  Jlufnahme  in  0urkfeld)  aufgenommen,  da  sich  auf 
Schloff  Cüagensberg  noch  Bücher  und  mathematische  Instrumente,  Bilder 
und  „Rolzwerk"  befanden,  die  zum  Eigentum  des  Uerblichenen  gehörten. 

Das  andere  dieser  noch  weiteren  Inventare  wurde  aber  erst  im 
Jahre  1700  im  pause  zu  Caibach  (26.  und  27.  IDärz)  von  den  Rommi$= 
sären  Dr.  Jlnton  Ceopold  0oppini  und  j.  ü.  Dr.  Georg  Raspar  Sagar  als 
in  Sachen  bevollmächtigten  Romnnssarien  aufgenommen  und  die  von  der 
Rans  Josef  Graffenwegerischen  üerlassenschaft  separierte  üerlassenschaft 
Johann  ÜJeikhard  ^reiherrn  von  Ualvasorsche  darstellte,  die  jedoch  nur 
ganz  wenige  Stücke,  namentlich  briefliche  Urkunden,  umfa(5te. 


541 


Siebe  Jlnbang. 


Denkmäler  für  Paluasor. 

fnregungen  zur  Grricbtung  eines  Denkmales  für  3obann  CUeik= 
bard  Jreiberrn  von  Ualvasor  wurden  im  Caufe  der  Zeit  niebrere 
laut,  die  frübeste  Stimme  in  diesem  Sinne  erbob  der  ibm  kon= 
geniale  5^orscber  und  ßelebrte  Belsazar  Racquet,  welcber  in 
seiner  „Oryctograpbia  Carnioliae"  1784^*2  ^\^q  scbreibt:  „Um  wieder  zu 
den  üerdiensten  des  unermüdeten  Ualvasor  zu  kommen,  wünscbte  icb 
einmal  die  Grlaubnis  zu  baben,  ibm  ein  kleines  Denkmal  nacb  meinen 
Kräften  erricbten  zu  können,  um  docb  einzelne  Hlitglieder  des  £andes  zu 
erinnern,  dat5  bier  die  Gebeine  des  krainiscben  ßerodot  liegen. 

Dieser  (Uunscb  Bacquets  ging  ein  jabrbundert  später  in  €rfüllung, 
als  in  dem  durcb  den  Besitzer  l)errn  Jllois  Prascbniker  neubegründeten 
Bade  0allened<,  unweit  S(blo(5  0alleneck,  zu  Gbren  Ualvasors  in  scböner 
Pietät  für  den  grol5en  Patrioten  ein  Hlarmor-- Obelisk  zur  JTufstellung 
gelangte,  der  folgende  Inscbrift  trägt:  Dem  |  edelsten  |  krainiscben  |  Patrioten  | 
Berrn  |  Jobann  |  CUeikbardt  |  Ualvasor  |  5^reyberrn  |  zu  ßallenegg  etc.  etc.  | 
anlä(3licb  der  |  Eröffnung  dieses  Bades  |  im  Jm]  1$77  |  zum  ebrenden 
Jlndenken  |  gewidmet  von  |  Jllois  Prascbniker  |;  auf  den  beiden  anderen 
Seiten  sind  die  vom  5^reiberrn  in  seiner  „€bre  Krains"  I.  (IL),  Kapitel  7, 
und  I.  (IL),  Kapitel  14,  der  Beilquelle  des  scbon  in  seinen  tagen  bekannten 
und  gerübmten,  freilieb  zur  Zeit  nur  böcbst  primitiven  Bades  gewidmeten 
Gmpfeblungsworte  eingemeif^elt.  Den  von  Obrfandl  in  Klagenfurt  sebr 
scbön  ausgefübrten  Obelisk  bat  Berr  5ranz  Prascbniker  seinem  Uater, 
Berrn  Jllois  Prascbniker,  zum  Gescbenke  gemacbt,  sowie  der  Uerebrung 
des  letzteren  für  unsern  Ireiberrn,  der  Scbwiegersobn  des  Berrn  Jllois 
Prascbniker,  Berr  3-  Kecel  in  Stein,  seiner  Uerebrung  gleicbfalls  Jlusdruck 
gebend,  für  das  „Ualvasorzimmer"  auf  $cblo(5  ßalleneck  das  Porträt 
unseres  Bistoriograpben  durcb  die  ITleisterband  des  beimatlicben  Künstlers 
Berrn  kaiserlicben  Kates  und  Professors  5^ranke  in  Caibacb  in  einem  grollen 
Ölbilde  nacb  dem  Bilde  ßreyscbers  in  der  „€bre  Krains"  ausfübren  lie(5. 


542 


Leipzig,  Band  III,  p.  21  —  bei  Besprechung  seines  Besuches  in  0allened<. 


-ö     254     '& 

Der  marmorgedenktafel  am  Sterbebause  Ualvasors  in  ßurkfeld,  gewidmet 
von  5rau  josefine  y)otscbevar,  wurde  bereits  in  dem  vorbergebenden  Abteil 
gedacbt. 

Gin  grol^es,  des  gro(5en  Patrioten  würdig  gedacbtes  Denkmal  für  dessen 
6eburtsstadt  Caibacb,  bescblo(5  die  bobe  k.  k.  Regierung,  beziebungsweise 
das  bobe  k.  k.  Kultus-  und  Unterricbtsministerium ,  1894,  als  Seine  Gx- 
zellenz,  der  nacbberige  Rerr  Sektionscbef  im  Hlinisterium  des  Innern, 
Seiner  k.  u.  k.  apostoliscben  niajestät  CUirklicber  gebeimer  Rat  üiktor  Baron 
l)ein  der  Regierung  in  Krain  als  £andesprä$ident  vorgestanden,  erricbten 
zu  lassen. 

mit  dem  betreffenden  Kunstauftrage  wurde  der  beimatlicbe  Künstler 
Berr  Jllois  6angl  betraut,  der  vorerst  ein  Rilfsmodell  in  ein  Uiertel  der 
natürlicben  0rö(5e  zu  liefern  batte,  das  dann  aucb  die  Billigung  der  kom-- 
petenten  Kreise  fand.  Dacbdem  man  von  der  Jlusfübrung  des  Denkmals 
in  marmor,  wie  ursprünglicb  beabsicbtigt  war,  Jlbgang  genommen  batte, 
wurde  die  Jlusfübrung  in  Bronzegu(5  bescblossen  (1$97)  und  nacb  einigen 
5^äbrlicbkeiten  (CUabl  des  Jlteliers  für  die  l)erstellung  des  ßuf^modells  in 
überleben$grö(5e,  dann  kurz  vor  Uollendung  des  niodells  in  Cüien  das 
Unglück  der  Coslösung  einer  Stütze  und  des  infolgedessen  stattgebabten 
Ginsturzes  des  bereits  ßescbaffenen)  erfolgte  der  0u(5  in  tadelloser  (Heise 
in  der  k.  k.  Kunsterzgie(Krei,  einer  Filiale  der  Berndorfer  lUetallwarenfabrik 
von  Jlrtbur  Krupp. 

Dacbdem  die  Platzfrage  entscbieden  war,  wurde  das  Denkmal,  das 
unsern  5^reiberrn  balb  als  Krieger,  balb  als  Kavalier  im  Staatskleide  dar= 
stellt,  —  den  Krieger  deutet  nur  der  Küra(5  und  der  Degen  an,  wäbrend 
die  übrige  Cracbt  die  allgemeine  Kavalierstracbt  der  zweiten  Rälfte  des 
17.  3abrbunderts  repräsentiert  —  auf  dem  üorplatze  des  IDuseums  Rudol-- 
finum  1903  entbüllt. 

Die  vom  Künstler  nacb  seinem  besten  Können  in  ÜberlebensgröfK  aus-- 
gefübrte  Gestalt  Ualvasors  mi(5t  3 '4  IDeter  und  erscheint  auf  einem  0ranit-- 
postament  von  4 '2  IDeter  I)öbe,  das  nur  das  einzige  Cüort  „Ualvasor" 
in  Bronzebucbstaben  aufweist,  aufgestellt.  Diese  Jlufscbrift  wurde  von  der 
biesigen  k.  u.  k.  Rof-ßlockengief^erei  und  Bronzewarenfabrik  Samassa  in  ge- 
wohnt ladellosem  Gusse  ausgeführt  und  wirkt  in  ihrer  vornehm  einfachen 
Erscheinung  in  der  Cat  monumental. 

Die  Kosten  des  Denkmals  beliefen  sich  in  allem  auf  31.000  Kronen, 
wozu  der  Staat  die  Summe  von  24.000  Kronen  votierte,  die  restierenden 
7000  Kronen  wurden  von  Seiten  der  Krainischen  Sparkasse,  die  aucb  hier, 
wie  immer,  wieder  fördernd  eingriff,  von  der  Stadtgemeinde  Caibach  und 


^    255    '2) 

von  einigen  privaten  Uerebrern  Ualvasors,  vom  ßerrn  ^Fabrikanten  Jlndreas 
ßassner  in  HeuTnarktl  und  der  mebrgenannten  5^rau  josefine  Botscbevar 
in  Gurkfeld  aufgebracbt. 

Denkmäler  in  modernem  touristiscben  Sinne  wurden  unserm  5^reiberrn  in 
der  Benennung  einer  Scbutzbütte  auf  dem  Stol  in  Oberkrain  als  „Ualvasor- 
bütte",  in  der  Bezeicbnung  Ualvasorwand  in  der  St.  Kanziangrotte  bei  Criest 
gewidmet,  wäbrend  die  Stadt  Caibacb  den  scbönen  Platz  vor  der  altebr-- 
würdigen  Kircbe  des  boben  Deutseben  Ritterordens  als  „üalvasorplatz" 
bezeicbnete,  nacbdem  der  vorber  kurze  Zeit  so  benannt  gewesene  Platz 
angesicbts  des  nacb  dem  Grdbeben  von  1895  demolierten  ebemaligen 
Cyzealgebäudes  auf  den  Hamen  des  sloweniscben  Dicbters  und  gleicbfalls 
Historikers  üoduik  umgetauft  worden  ist. 

Und  um  ein  Denkmal  nicbt  zu  vergessen,  wobl  eines  der  scbönsten, 
das  unserm  edlen  5reiberrn  auf  literariscbem  Gebiete  erricbtet  worden,  ist 
das  Denkmal,  das  ibm,  dem  ßocbverdienten,  ein  nicbt  minder  ßocbverdienter 
auf  dem  5^elde  der  beimatlicben  Gescbicbtsforscbung  und  Gescbicbtsscbreibung, 
das  ibm  Jlugust  Dimitz,  der  leider  allzufrüb  aus  unserer  IDitte  Entrissene, 
in  seinem  gleicbfalls  monumentalen  CUerke  „Gescbicbte  Krains"^*^  erricbtet 
bat,  in  welcber  der  geistvolle  Uerfasser  eine  eigene  Jlbteilung,  die  Scbil-- 
derung  der  Zeitepocbe  des  CUirkens  und  Scbaffens  Ualvasors  mit  dessen 
Hamen  benannt  bat  —  ein  berrlicb  Denkmal  für  die  spätesten  Gescblecbter!  — 
mit  der  überscbrift:  „Ualvasors  Kulturepocbe  in  Krain." 


5"  ßescbicbte  Krains  von  Jlugust  Dimitz,  IV.  Band,  Seite  35  ff.  —  Caibad)  1$76, 
Drud<  und  üerlag  von  lg.  v.  Kleinmayr  $(  Jed.  Bamberg. 


Einhang* 


* 

s- 


O   Q    Q 


«1. 


c: 


V.  Radics,  Ualvnsor  17 


Bus  dem  üestamente  des  ?ohann  Baptist  Ualuasor 

1581.* 

Hacb  dem  in  der  Übung  der  Zeit  gelegenen  frommen  Gingange,  mit 
der  Jlnrufung  der  heiligen  Dreifaltigkeit  und  der  Betrachtung  über  die 
Hinfälligkeit  des  Cebens  und  einigen  persönliche  Uerhältnisse  betreffenden 
Bemerkungen,  so  daf^  er  von  Ougend  auf  durch  emsigen  5^1ei(5,  harte  JTrbeit 
und  mannigfache  Gefahr  sich  ein  üermögen  zusammengebracht,  erspart, 
gewonnen  und  zum   wenigsten  Ceil   ererbt,   verordnet   er  seinen  letzten  ^ 

Cüillen  in  16  Punkten.  Punkt  1:  die  Beisetzung  seines  Ceichnams  an  der  * 

Seite  seiner  vor  ihm   verstorbenen   ersten  Jrau  Gmerenzia,  geb.  Khislin,  ^ 

in  dem  Spital  zu  Cüffer.  Punkt  2:  seiner  ältesten  Schwester  Surmonika 
in  Unser  Cieben  Brauen-Kloster  zu  €lison  in  Bergamasco  1000  venedische 
Dukaten  zu  6  Pfund  und  4  Schilling.   Punkt  3:  den  fünf  Söhnen  seiner  '^ 

Schwester  Katharina  ITloscon,  seinen  „üettern"  Joannes  Jllexander,  Innozenz,  5 

Peter,  michael  und  IDarx  JInton  Gebrüdern  FHoscon  seine  väterliche  Grb--  | 

Schaft  zu  Celegat  (in  Bergamasco)   samt  dem,  was  er  selbst   „dazu  ge^  , 

bessert  und  erkauft".  Punkt  4:  seinen  Uetter  Innozenz,  den  er  von  3u9^"d  J 

auferzogen  und  bestens  hat  lernen  lassen,  dem   er  auch  die  zwei  l)err--  | 

Schäften  Cüffer  und  ßonobitz  etliche  3ahre  lang  ohne  einige  Raitung  (Jlb--  ^ 

rechnung)  überlassen  und  der  sich  dann  gerühmt,  er  bedürfe  seines  (des 
Oheims)  „Guts  und  Jlrmuthey''  nicht,  schliefet  er  von  weiterer  Erbschaft 
aus.  Punkts:  dem  Alexander  ITloscon,  dem  ältesten  der  Brüder,  vermacht 
er  von  allen  Gütern  in  diesen  Canden  und  in  Bergamasco  und  auch  von 
dem  Geld,  das  zu  üenedig  bei  dem  Rerrn  nioffetten  liegt,  10.000  fl.  rh., 
jeden  Gulden  zu  60  kr.  gerechnet,  und  auch  in  der  Stadt  Pettau  den  Raus-- 
garten  und  die  CUiese.  Punkt  6:  die  Herrschaft  Churn  am  Hart  mitsamt 
dem  Pfandstück  Cüffer  und  auch  den  Sitz  und  5^esten  Sperkenthurn  in 
Bergamasco,  die  Summa  Gelds  zu  üenedig  bei  Herrn  nioffetten,  bares 
Geld  zu  Churn  am  Hart,  ungefähr  10.000  fl.  rh.,  verbriefte  und  unver- 
briefte   Schulden,   Silbergeschmeid,   Kleinodien  und   nichts   ausgenommen, 


*  Candcsarcbiv  in  0raz. 

17* 


'&    200    'S) 

den  drei  Uettern:  Peter,  lllicbael  und  IHarx  Hnton  IHoscon  Gebrüdern, 
sollten  Peter  und  IHicbael  nicbt  im  Cande  bleiben  wollen,  solle  sie  Illarx 
Jlnton  i]ebübrlicb  abfertiijen.  Punkt?:  „aus  sonder  bewegens  und  erbeb- 
licben  Ursacben,  die  zu  erzälen  unnotb  sein  und  aus  guten  lüillen  dem 
marx  Jinton  10.000  fl.,  dem  micbael  5000  fl.  rb.  zu  CO  kr.  gerecbnet." 
Punkt  $:  „wie  wol  icb  meiner  Scbwester  Glisabetb  sei.  gelassenen  Gnkel 
Simon  Skaromuzen  und  seinem  üetter  bis  dato  2000  fl.  rb.  und  mebr 
als  icb  zu  tbun  scbuldig  gewesen  wäre,  geben  und  aber  alles  übel  an-- 
gelegt  babe,  nicbts  weniger  scbaffe  ibme  aus  freien  willen  und  gar  kein 
ßerecbtigkeit  (Recbt)  500  venediscbe  Dukaten  zu  6  Pfundt  und  4  Scbilling, 
damit  soll  er  durcb  meine  drey  Uettern  gegen  einen  genügsamen  verzicbt 
völlig  abgefertigt  sein  und  mag  sieb  daran  überflüssig  genügen  lassen." 
Punkt  9:  verscbafft  er  seiner  5^rau  IDutter  sei.  Bruders  Cnkel,  namens 
Scbout  niuscbkon,  „wegen  vilfältiger  zueinander  erwiesener  freundscbaft 
500  venediscbe  Ducaten  zu  6  Pfundt  und  4  Scbilling,  die  ibm  mit  ersten 
bezalt  werden  sollen".  Punkt  10:  scbafft  er  des  Cngelin  5^ranz  Cöcbtern 
als  seiner  5rau  llhitter  Scbwester  Gnkelkindern,  „wann  die  Gbrlicb,  Cbristlicb 
und  ebelicb  verbeiratb  werden,  zu  ibren  bocbzeitlicben  Freuden  einer  jeden 
100  Kronen  in  6old".  Punkt  11  (entbält  die  Bestimmungen  für  den  6ro(5- 
vater  unseres  Jobann  (Jüeikbard  und  lautet  wie  folgt): 

„Zum  Giften:  Hacbdem  Jeronimo  üavasor  gleicbwol  meines  Hamens 
und  aber  in  der  Blutfreundscbaft  mir  gar  nicbts  verwand  nocb  befreind 
ist,  um  da(5  Gr  aber  bey  mir  etlicbe  3abr  lang  treulieb  vnd  fleysig  ge- 
dient und  mir  bievor  in  etlicben  meinen  von  0ott  gescbickten  Ceibs  Scbwa-- 
beiten  und  anietzo  Gmbsig  und  mit  besten  Jleif^  au(5gewart  und  meiner 
gepflegt  bat,  wie  ers  dann  nocb  tbun  soll  vnd  wird,  derobalb  und 
sunderlicb,  da(5  mein  Damen  der  Uavasorn  in  die(K  ibrer  fürl.  Durcbl.  etc. 
Erblanden  erbalten  werde,  so  scbafe  icb  ibme  und  seinen  Grben  aus 
freyen  woblbedacbten  IDuetb,  aucb  bey  guter  Uernunft  und  Sinnen  die 
besten  0ollnegkb  an  der  llluday  gelegen  mit  samt  allen  Uorratb,  5^abr- 
nul5,  üieb  und  anderes  so  jezt  dabey  ist,  nicbts  davon  ausgenobmen 
und  aucb  die  Rerberstaneriscbe  6ült  mit  samt  derselbigen  zugebörigen 
frey  eigentbumlicben  und  bekannten  ßütern,  wie  icb  die  an  niicb  erkauft 
babe.  lllindert  nocb  nicbts  ausgenobmen  in  bernacbfolgenden  Bescbeiden-- 
beit  nemlicb,  da()  6r  sieb  im  land  oder  auf^er  des  tandts  verbeiratben 
möge  und  docb  im  I^and  wobne,  da  es  sieb  aucb  nacb  dem  Cüillen  Gottes 
begab,  wie  icb  den  zu  0ott  verboffe,  daf^  Gr  ebelicbe  l^ibs  Erben  ITianns-- 
stamnien  bekomme,  so  sollen  ibme  obgedacbte  meine  3  Uöttern  Peter, 
IHicbael   und   IHarx   Jlnion   nocb   zeben   Tausend   öulden    rb.  Baar   geld 


'S)    261    ^ 

ausricbten  und  erlegen,  damit  soll  Gr  und  seine  Crben  mit  vermachen, 
versebaffen  und  in  ander  (Ueeg  zu  tbun  und  zu  bandeln  als  mit  andern 
ibren  frey  eigenen  güttern  5^ug,  Recbt  und  niacbt  baben  obne  meiner  Grben 
und  menniglicbs  Irrung,  l)indernu(5  und  UJidersprecben.  meine  Grben  sollen 
ibme  aucb  die  Hauff  und  Cebensbrief  darüber  lautend  unvermölligt  aucb 
treulieb  und  ungefäbrlicb,  was  derzu  gebort,  einbändigen  und  zustellen." 
Punkt  12  betrifft  die  Spitalsbesserung  in  Cüffer.  Seine  Uettern  Peter, 
micbael  und  marx  Jlnton  sollen  ibm  und  seiner  daselbst  bereits  bestatteten 
ersten  0emablin  ein  „ebrlicb  €pitapbium  aufrichten  lassen".  Dann  beit5t 
es  weiter:  „und  weil  dann  bey  solchem  Spitall  der  armen  Cent  so  gar 
wenig  eingenomben  vnd  unterhalten  auch  die  verstifften  Spitalgüter  mehres 
tbeils  zu  dem  Priester  (die  sich  nunmahlen  Spitalmeister  zu  nennen 
schämen)  eigenen  nutznief^en  und  ergerlich  verschwendt  werden,  darob 
sich  viel  Ceute  ärgern  und  nicht  viel  in  dergleichen  Spital  stiften  wollen", 
was  er  sich  zu  Rerzen  geführt;  „auf  da(5  aber  nun  hinfüran  vmb  so  vil 
mehr  prestbafftige  vnd  zu  disem  Jllmosen  würdige  Spitaler  angenomben 
und  erhalten  werden  mögen",  verordnet  er  zu  solchem  Spital  „sein  vier 
frei  eigene  und  bekannte  Buben  und  Untertbanen  zu  £aak  bei  Ratschach 
und  ihre  Bubdiensten  sammt  allem  und  jeden  derselben  gerechtigkeiten 
an  und  zugehörungen  zu  bauf^  und  feld  nichts  ausgenomben  vnd  insonder- 
heit 200  Pfundt  Berrengülts".  Punkt  13:  „schaffe  in  das  Burgerspital  zu 
ßurkfeld  zweihundert  ßulden  rheinisch,  dieselben  sollen  Sye  (die  Uettern) 
dem  Spital  und  armen  Ceuten  zu  Guten  auf  einliegend  Stuck  anlegen,  ich 
will  und  ermahne  auch,  dieselben  gestifften  ßüter  nit  miprauchen,  sondern 
mehr  arme  Ceuth  und  mit  besserer  Jluswartung  einnehmen  und  unter- 
halten, auf  da(5  man  christliche  Ursach  habe,  dergleichen  Jllmosen  und 
Spital  zu  stiften."  Punkt  14  bestimmt  seinen  drei  „mabmen"  0assandra, 
Ginita  und  Glisabetb  leiblichen  Schwestern  (der  Brüder  nioscon),  obschon 
er  ihnen  „zur  Ginrichtung  ihrer  ehelichen  Bauswirtschaft"  mehr  als  er 
schuldig  gewesen,  in  barem  6elde  dargeben,  daran  sie  sich  auch  ganz 
wohl  begnügen  möchten,  nichtsdestoweniger  einer  jeden  100  Kronen  in 
Gold,  die  ihnen  die  drei  Brüder  entrichten  werden.  Punkt  15  erklärt,  „wie 
wol  des  Hamens  der  Uavasoren  allenthalben  in  Uüälschland  viel  seynd", 
aber  keine  ihm  in  der  üerwandtschaft  so  nahe,  da(3  sie  vor  den  von  ibm 
eingesetzten  Grben  ein  Uorrecht  oder  irgend  einen  Anspruch  hätten,  nichts-- 
destoweniger  schaffe  er  aus  „freiem  und  gutem  lüillen  und  gar  keiner 
Gerechtigkeit  (Recht)",  „allein  denen  so  in  51ökben  Celegat",  allda  er 
geboren,  wohnhaft  seien,  zu  freier  0ab  „200  üenediscbe  ducaten  zu 
6  Pfundt  und  4  Schilling",   die   ihnen  durch   die  drei  Uettern  bar  erlegt 


'S)    262     'S) 

werden  und  die  zwischen  einander  teilen  sollen.  Punkt  16  lautet:  „Zum 
Sechzehnten  und  Cetzten.  nachdem  mir  meine  armen  Unterthanen  bey 
allen  dreyen  [)errschaften  am  ßetreid,  auch  Zin()  und  Steuer  einen  an-- 
sehnlichen  Rest  zu  thun  schuldig  sein,  denselben  will  ich  ihnen  um  Gottes 
cUillen  völlig  nachgelassen  und  geschenkt  haben",  „den  andern  Unter-- 
thanen  aber,  die  mir  nichts  schuldig  sein,  will  ich  jedem  des  Jahrs  nach 
meinem  Jlbgang  halben  Cheil  seines  Rubzinf)  Gelds  nachgelassen  und  ge-- 
schenkt  haben".  —  Dieses  Cestament  datiert:  Churn  am  l)art,  2.  August  15$1, 
und  erscheint  gesiegelt  und  gefertigt  von  Johann  Baptista  üalväsor,  dann 
von  den  erbetenen  Zeugen:  Christoph  Freiherr  zu  Jluersperg,  lUilhelm 
von  Camberg,  Rerr  zu  Savenstein,  !?ranz  von  Scheyer  (von  Cillia),  Diclas 
von  Banhaimb  (Bonomo)  zu  lüolfsbühel,  üicedom  in  0rain,  und  Caspar 
Ilkuritsch  zu  nia[^burg,  f.  D.  Candrath  in  Crain  (die  beiden  noch  erbeten 
gewesenen  Zeugen:  Jranz  ßall  von  Gallenstein  und  zum  Cueg,  Inhaber 
der  Rauptmannschaft  Rain,  und  Christoph  Räz,  Inhaber  der  I)errschaft  l)ör-- 
berg,  waren  zur  Unterfertigung  nicht  erschienen). 


Supplik   der   Frau   Anna   Illaria  Paluasorin  und 

ihrer   Sdiwester   geb*  Freiinnen  von  Rauber   an 

Seine  Illajestat  und  deren  Erledigung  1639» 

Jillerdurcbleicbtigister,  ßrof^iTiecbtigister  vnd  vnüberwindlicbister 

Rötniscber  Kbayser. 

Jlllergnädigster  Rerr  vnd  Candtsfürst.  Regina  Dorotbea  Kaspin  und 
Hnna  maria  Ualvasorin  voeillendt  Georgen  Raubers  nacbgelassenen  Gbe-- 
leiblicbe  Cöcbter  baben  bey  €.  Kbayttllay:  wider  einem  zwiscben  Ibrer 
IDuetter  Dorotbea  und  3obann  Gkbinger  Rboo  als  respective  notbgerbabin 
vnd  verordneten  Curatori  dann  weilandt  f)ann(5  Iriedricben  Rauber,  an 
$t.  jigidytag  des  1619  3^^^  aufgericbten,  durcb  das  Scbranengericbt  in 
Crain,  Confirmierten  üertrag  0opialiter  sub  J\.  biebey  mit  ibren  sub  Hr.  1 
beygescblossenen  Suppliciern,  aus  nacbvolgenden  Ursacben,  vnd  ratione 
enormissimae  laesionis  restitutionem  in  integrum  allergebors.  gesuecbt  vnd 
gebetten,  vorwendent,  daf^  durcb  angezogenen  Uertrag,  Inen  anstatt  der 
abgeledigten  vnd  von  l^ans  5^ridricben  Rauber  Iren  gegentbaill  selbst 
gestandenen  in  dem  vilerbalten  üertrag  specifice  eingefierte  der  $97$  fh 
40  kr.  scbuldige  Summa,  neben  ainliff  Oarigen  genu(5  vnd  ßerbabscbaffts 
praetension  mebrers  nit  allein  220  fl.  20  kr.  zuegeaignet  worden,  welcbe 
220  fl.  20  kr.  bernacber  zwiscben  ibnen  Raubern  und  obberuerte  ibre 
6erbabin  vnd  Curator  getroffener  abraittung  verscbwunden,  vnd  die  $up-- 
plicantin  mebrgedacbten  l)an(5  5riedricben  Rauber  2519  fl.  1$  kr.  scbuldig 
verblieben,  da  Ibnen  docb  wegen  des  abgenombnen  genu(5,  entrattung  vnd 
Interesse  vermög  der  sub  0  beygelegten  specification  vber  m/50  fl.  gebürtb 
betten  vnd  dise  sey  die  Ursacb,  warumben  erst  post  mortem  patris  l)ann(5 
5^riedricb  Rauber  sieb  zu  weillant  Jldamen  Raubers  verlassenscbaft  für 
einen  Grben  erklärt  vnd  wegen  der  Cambergeriscben  scbuldt  der  3500  fl., 
die  man  in  anderweeg  salva  substantia  bonorum  woll  zallen  kbonnen, 
disen  vertrag  zu  seinem  sin  gericbtet  babe,  zu  deme  weren  Ibnen  nit 
allein  die  obeingefierte  m/50  fl.  verscbwunden,  sondern  aucb  weinegg* 


Sd)lol3  lüeineck  in  Uiiterkrain. 


-g)    264    '& 

entzogen  vnd  niebrcjemelt  \)änn\i  yriedricb  Rauber  ibnen  zum  ßerbab 
verordnet  worden,  Bitten  derentwegen,  weillen  die  laesio  manifestissima 
niebrbenanter  Rauber  propter  titulum  affectatum  suspect,  daneben  seine 
Kbinder  beraicbt  vnd  Sie  Supplicantinnen  am  Betlstab  kbomben,  $ye  für 
alle  Ibre  praetensiones  nicbts  empfangen,  ibnen  bey  dem  abgestorbnen 
curatore  ordinarium  remedium  abgengig  vnd  $ye  dise  restitution  infra 
tcmpora  legitima  1.  fin.  (de  tempore  in  integ.  restitu)  angesuecbt,  Guer 
Kbay:  Hlay:  gerubeten  $ye  wider  den  obberuerten  Contract  allergnädigist 
zu  restituiren;  die  vnd  andere  mebr  ad  consequendam  restitutionem  wider 
den  angezogenen  decreto  judicis  approbirten  Contract  von  denen  Sup-- 
plicantinen  eingewente  vnerböblicbe  motiva  tbuet  das  Scbranengericbt  in 
Crain  auf  vorgebunde  gegentbailliscbe  vernembung,  mit  nacbvolgenden 
rationibus  refutiern,  da()  der  in  dem  1610  jar  zwiscben  der  Supplicantinen 
IHuetter  und  Hotbgerbabin  vnd  dero  Kuratoren  l)ann(5  Gckbinger  Rboo, 
dann  der  Beclagten  üättern  I)ann[5  Jriedricben  Rauber  aufgericbte  vnd 
propter  enormissimam  laesionem  in  obeingefierter  restitutionsscbrifft  an- 
gefochtene Uertrag  cum  consensu  judicii  durch  ansebenlicbe,  vernünfftige 
Comissarios  tractiert,  darinnen  Georgen  Raubers,  als  der  Supplicantinen 
üatters  bey  CUeinegkb  gehabte  praetensiones  vleissig  vnd  specifice  exami- 
niert, verglichen  vnd  auf  des  Schrannengerichts  ratification  remittiert,  vnd 
von  demselben,  als  ein  denen  Rauberischen  Pupillen  nuzliches  werkh 
cum  causae  cognitione,  approbiert,  auch  von  den  1619  3ar  bi[5  auf  das 
abgewichne  163$  3ar  darbey  vnverbrichig  gelassen  worden  €t  cum  lites 
transactionibus  finitae,  ne  quidem  imperiali  rescripto  resuscitandae  sint,  die 
allegierte  enormissima  laesio  aus  dem  vber  beede  guetter  allegierte  be= 
standt  anschlag  vnd  die  auf  900  fl.  aut^geworfne  3ärliche  ertragnus,  da-- 
runiben  nit  zu  finden,  da[)  der  halbe  thaill  des  genus  crafft  aufgerichten 
Chaill  libell,  der  Beclagten  Öhn  Ildamen  vnd  consequenter  Iren  Uattern 
gebiirt  vnd  destwegen  die  Rauberische  Cöchter  nit  auf  die  16500  fl., 
sondern  allein  auf  die  halben  theill  des  Bestandt  anschlags  mit  4950  fl. 
von  den  Jlinliff  3arn  die  Raittung  machen  muessen,  dauon  auch  die  vndter-- 
haltung  ihres  üatters  in  pupillari  statu  abzuziehen,  das  vbrige  als  lang 
obbemelter  Georg  Rauber  in  possessione  weinegkh  gewesen,  nit  zu  raithen 
ist,  über  dises  die  beschaffenheit  des  Georg  Rauberischen  Uerlat5,  inmassen 
nach  Ime  allein  40  kr.  gefunden  worden,  wegen  der  Cambergerischen 
Gerhabschaft  Raittung  vnd  anderer  Kreditoren,  in  ainem  solchen  standt 
gewesen,  daf^  die  Doibgerhabin  vnd  Kurator,  das  bey  weinegkh,  wegen 
der  Rauberischen  praetension  vnd  an  sich  abgeledigter  schuldtbrieff  habende 
Pfand!  Jus  angreiften,  vnd  denen  Rauberischen  periclitirunden  guetter  in 


'S)    265    'S) 

ventianglung  ander  mitl,  cum  consensu  iuditij  zu  bilff  kbomben  muessen, 
dat5  mebrgedacbter  ßeorg  Rauber  bey  Cüeinegkb  kbein  aigentbumb  bat 
praetendieren  kbönen,  sondern  JRdaniben  Raubers  Grben  befuegt  gewesen, 
gegen  ablegung  seiner  anspracb,  Ibnie  vnd  seine  Grben,  wie  bescbecben, 
abzufertigen,  die  Cöcbter  bey  demselben  als  einem  manstämblicben  lebengut 
(„Cecbenguetb")  kbein  2^^  derzeit  praetendieren  kbönen,  die  von  denen 
vermainten  persuasionibus  und  circumventionibus,  aucb  weiblicber  scbwacb- 
beit  bergenombene  vermuetungen  nit  probiert,  sondern  blo(5  wörtlicb  vor-- 
getragen  worden,  aucb  kbeine  laesion  beybringen,  ja  propter  integritatem 
der  Berrn  0ommis$arien  das  gegenspill,  da(5  alles  ebelicb,  ebrlicb,  recbt 
vnd  rödlicb  zuegangen,  zu  praesumiren,  die  solang  gestandtne  vnd  guet= 
willig  nacbgesebne  gerbabscbafftsraitung  bey  verlobmen  vnd  cassierten 
Scbrifften  derogleicben  importanz  nit  sey,  dal5  Sie  Commissiones,  causae 
cognitiones  vnd  transactiones  aucb  gericbtlicbe  ratificationes  aufbeben  sollten, 
die  tempora  restitutionis  allberaitb  vberflüssig  verstrieben,  aucb  nit  billicb, 
dat^  die  pacta  Conuenta  und  transactiones,  aucb  von  iedermeniglicb  auctoribus 
judicy  cum  decreti  interpositio  et  confirmatio  omnem  dolum  excludet, 
beuorab  weillen  man  nit  von  Stegreiff  aus,  sondern  wie  der  aus  dem 
Protbocoll  sub  B.  gezogne  eingefierte  extract  selbst  ausweist,  fein  langsamb 
darmit  vmbgangen  vnd  offt  vnd  vilmals  destbalben  vors  geriebt  kbomben, 
verscbimpfft  worden,  J\u\^  wellicben  vrsacben  mebrwollgedacbtes  Scbranen-- 
gericbt  in  £rain  mit  ibren  in  sacben  abgeforderten  rätblicben  voto  dabin 
scbliesset,  dat^  die  Supplicantinen,  welcbe  Tro  5^rau  Dluetter  12016  fl.  zu 
Ibrer  abfertigung  tacendo  zieben  lassen  vnd  Iren  3uri,  wann  $y  ainiges 
gebabt  betten,  guetwillig  renunciert  von  der  angesucbten  restitution  ab-- 
gewisen  werden  möcbten,  vnd  weillen  sowol  aus  denen  actis,  als  l)errn 
Candtsuerweser  vnd  Scbrannengericbt  in  Crain,  in  sacben  eingewendten 
beriebt,  vnd  motiuis,  ainicbe  angezogne  laesion  Probiert,  der  angefocbten 
Contract  bono  ordine  aufgericbt,  billicbermassen  ä  competente  3udice  ap-- 
probiert,  vnd  ratificiert  worden,  et  cum  nullus  esset  litium  finis  si  a 
transactionibus  bona  fide  interposibi  facile  discederetur  J\ho  wollen  CUür 
vns  mit  dem  obuerstandenen  Rätblicben  uoto  consimiliter  vergleicben  vnd 
zur  abweisung  allergeb.  geratben  baben;  dises  iedocb  obne  wenigister 
ma(5fürscbreibung  Guer  Rbay:  lUay:  sieb  Regierung  in  allervndtrtbenigkbeit 
empfelcbendt,  6räz  den  9  3uny  Jio.  1639. 

(Rubrum:)  Decret  das  Regina  Dorotbea  Raspin  vnd  Jlnna  Illaria 
Ualuasorin  weill.  Georgen  Raubers  nacbgelassene  Gbelaiblicbe  Cöcbter  contra 
weil.  [)ans  ^riedricben  Rauber  Grben  vnd  Pupillen  dabin  restituirt  worden, 
das  $y  die  anziebende  laesion  Recbtlicb  Ciagen  vnd  docieren  mögen. 


C 


'S)    266    'S 


Die  I).  Geb.  Rätbe  wollen  die 
Supplicantinen  au(5  erbeblichen  ür-- 
sacben  dabin  restituirt  baben,  dat) 
Sy  Ir  anziehende  laesion  Recbtlicb 
clacjen  vnd  dociren  niöcjen  Gx 
Cons.  Sacr.  Caes.  lllaj  intinio 
IS  3uny  1639. 

U.  Bäring  ni/p. 


16  3uny  1639. 
Der  Rom :  Kbay :  aucb  zu  Run- 
garn  vnd  Bebainib  Ron.  niay.  un- 
seres allergnedigisten  l)errn  vnd 
Candtsfürsten  von  deroselben  1.  Ö. 
Regierung  in  aller  vntertbanigkbeit 
zu  übergeben. 


5ial  vnd  die  Hotturfft  resol= 
uirterniassen  au()zufertigen  den 
1  3uly  1639. 

I).  B.  Ciecbtstock  m/p. 


1  3uly  1639. 
Regina  Dorothea  Raspin  vnd 
Jlnna  lllaria  Ualuasorin  geborne 
Rauberin  contra  weil,  Banns  5^ried-- 
richen  Rauber  Grben  vnd  Pupillen 
pro  restitutione  ad  versus  trans-- 
actione. 


ßrazer  Stattbalterei  Expeditum  1639  Juli  Dr. 


Briefe  Johann  Weikhard  Paluasors  an  die  Royal 

Society  1686  bis  1688- 

über  seine  €rfinaung  ae$  Teingu$$e$. 

Wagenspergi  in  Carniolia  39  (sie!)  augusti  st:  nouo   1686. 

Perillustris  Nobilis  Domine  D'e  cui  ad  seruitia  semper  paratus. 

Penes  seruitia  mea  certiorem  facio  Dominationem  Vestram  me 
his  diebus  summo  gaudio  percepisse  litteras  mihi  ualde  gratas  Lon- 
dini  3.  iuny  st:  uet:  datas,  perueniebant  quidem  iam  ante  quatuor 
septimanas  in  absentia  mea,  dum  absens  fueram  aliquot  septimanis, 
ex  quibus  primo  laeto  animo  percepi,  me  esse  tauquam  indignum 
susceptum  ä  Regia  Societate  in  confraternitatem  eiusdem  Societatis, 
ut  possim  inposterum  me  gaudere  titulo  ut  Socius  Regiae  Societatis, 
pro  quali  magna  gratia  summas  ac  maximas  ago  gratias,  et  seruus 
permaneo  Societatis  Regiae  in  aeternu(m)  obligatissimus,  utinam 
possem  illi  quid  inseruire  ex  fidelissimo  corde  perficiam,  modus 
meae  inuentionis  fundendi  statuas  ex  metallo  tenues  qualem  iussit 
Societas  Regia  ut  mitterem,  hie  est,  primo  ex  bona  argilla,  quae 
constans  est  in  igne  et  quae  sie  condo  et  conde  faciendo  non 
rumpitur,  facio  talem  figuram,  siue  statuam  qualem  cupio  habere, 
cu(m)  sit  opus  bene  siccum,  tunc  hinc  inde  facio  parua  foramina 
et  non  profunda  prout  deniq'(ue)  opus  magnu(m)  nel  paruu(m)  est, 
et  intropono  particulas  metallicos,  ficulae  quod  rotas  uel  rotundos 
perinde  est  ut  lit:  a.a.a.a.a  istae  particulae  sunt  usui  ut  nucleus 
et  mudellum  non  se  attingant  uel  simul  cadent  sed  semper  con- 
stanter  et  firmiter  permaneant  quando  cera  efluit,  tunc  cu(m)  scalpro 
ferreo  siue  cultrö  depono  totius  statuas  crassitiem,  id  est  tantum 
rodo  uel  depono  ubiq'(ue)  argillam  qua(m)  crassam  cupio  habere 
statuam,  postea  circumfacio  ex  tegulis  siue  latcribus  quasi  foucam 
pro  faciendo  igne  carbonum  ut  exurat  seu  condefaciat  nucleus, 
cum  postea  sit  frigcfactus,  tunc  ubiq'(ue)  ungo  nucleum  (nucleum) 
semper  uoco  illam   primam    statuam    ex   argilla    factam    cum    terra 


'S)    26$    'S) 

siue  colore  quo  figuli  in  germania  utiintur,  quando  in  aliquo  cubiculo 
fornacem  ex  testis  ponunt,  et  illani  argillam  penes  testas  est  ungunt 
siue  pingunt,  est  color  sicuti  plunbu(ni)  marinu(m),  quod  galice 
plomb  de  mer  dicitur  quo  pictores  ad  designandu(m)  supra  cbartani 
utuntur,  qui  color  cu(m)  pane  iteruni  deleri  potest,  eiusmodi  est 
iste  color  attamcn  non  iste,  sed  quasi  talis,  qualem  cu(m)  aqua 
misceo  et  inungo  ubiq'(ue)  nucleum ,  qaia  supra  hanc  terram  siue 
coloreni  libenter  metallu(m)  fluit,  dantur  quideni  etiani  aliae  argillam 
siue  colures  supra  (|uos  libenter  metallum  fluit,  sed  ego  semper 
supra  dictö  usus  suni  maxime  ad  tenues  statuas,  puto  etiam  esse 
bonuni,  si  cum  a(}ua,  in  qua  esset  salormoniacuni  uel  borax  solutum, 
inungeretur,  sed  ego  non  probaui,  sed  proxiniä  uice  faciam  ex- 
perientiam,  hoc  facto  ubiq'(ue)  pono  ceram  ordinariani  luteam  in 
qua  tarnen  niultum  sit  picis  siue  rasina^  (quia  quando  cera  in  qua 
pix  est,  exuritur,  tunc  multu(m)  fumat,  et  ille  fumus  ul3iq'(ue)  in 
niudello  adha^ret  et  per  illuni  funiu(m)  libenter  fluit  metallum,  uti 
expertus  sum)  tanta;  spissitudinis  prout  uolo  opus  habere  crassum 
uel  tenuem,  et  formo  figuram  siue  statuam  optime,  notandu(m) 
est  quod  illai  iam  prius  impositx  particula^  metallica^  debent  esse 
cu(m)  cera  a:quales,  ut  eas  postea  mudellum  attingat,  hoc  peracto 
poncj  liinc  inde  supra  hanc  statuam  ceream  paruas  particulas 
ex  cera  factas,  quos  uoco  canales  paruos  uti  lit :  c.c.c.c.c.c 
ut  ueniant  usq'(ue)  ad  canales  magnos  d.d.d  hoc  facto  circumpono 
ubiqYuej  bonam  argillam  qua^  siccando  et  candefaciendo  non 
rumpatur  et  cu(m)  hoc  mudellum  sit  factum  (hoc  uoco  ego  semper 
mudelum)  tunc  pono  canales  magnos  ex  cera  factos  perpendiculares 
et  transuersales  prout  opus  est,  uti  lit:  d.d,d  tot  (juot  opus  est 
secundum  iudicium  meum,  ad  istos  magnos  canales  debent  omnes 
ilH  parui  canales  ire,  ut  in  fusicjne  per  hos  et  illos  metallum  facile 
fluat,  isti  magni  canales  superius  id  est  supra  statuam  simul 
conueniunt,  ita  ut  superius  unicum  foramen  uti  lit:  e  sit,  in  quo 
funditur  metallu(mj  et  neccsse  est  ut  statua  habcat  unum  uel 
duos  canales  ut  lit:  /./,  ex  quibus  acr  exit,  quando  funditur,  in- 
ferius  in  pede  uer(j  debet  habere  unum  uel  duo  foramina  uti 
^'^•«^•J?"  ut  canales  magni  et  statua  cerea  simul  concurant,  quando 
postea  mudellum  condefit  uel  exuritur,  ut  per  illa  foramina  cera 
tarn  bene  ex  statua  quam  ex  canalibus  effluat,  quando  sie  canales 
magni  facti  sunt,  tunc  opportet  iteru(m)  illos  cu(m)  argilla  bona 
obducere,  ego  semper  mudellu(mj  cu(mj  filo  ferreo  hinc  inde  ligaui 


©    260    '2) 

siue  circum  uolui  et  iteru(m)  argilla(m)  supra  posui,  et  cu(m)  hoc 
mudellu(m)  sit  bene  siccu(m)  tunc  condefacio  et  exuro  sicuti  prius 
nucleum  (est  quidem  hie  tarn  bene  nucleus,  quam'  mudellum  simul 
ego  prima  uice,  quando  probaui  modu(m)  istu(m)  meum  una  uice 
simul  nucleum  et  mudellum  exussi,  sed  omnes  particulae  illae 
metallicae  fluxerunt,  tamen  Deo  volente  bene  successit  opus  sed 
cu(m)  magno  meo  timore  et  periculo,  sie  postea  semper  nucleum 
prius  exurebam,  ut  postea  mihi  non  opus  fuit  tarn  fortem  ignem 
dare  ad  exurendu(m)  siue  candefaciendum  mudellum,  si  uero 
statuae  paruae  erant  unius  uel  alterius  pedis  geometrici  tunc  una 
uice  simul  exussi  et  non  feci  illa  inferiora  foramina^.^  sed  inuerte- 
bam  mudellum,  ut  effluxerat  cera  per  canales  /./  et  e)  et  cum 
exuritur  mudellum  tunc  obturo  cum  argillä  illa  inferiora  fora- 
mina  g.g  hoc  peracto  ubiq'(ue)  circu(m)  et  circum  mudellum 
fouea  obturatur  uti  mos  est  in  fundendis  campanis  et  alijs,  metallum 
uero  oportet,  ut  bene  ac  optime  sit  in  fluxu,  si  uero  statuam 
paruam  unius  uel  alterius  pedis  fundo,  cuius  mudellum  manibus 
tractare  possum,  tunc  facio  et  fundo  prius  statuam  ex  cera  con- 
cauam  tantae  spissitudinis  uti  uolo,  tunc  facio  canales  supra 
ex  cera  illas  paruos  et  magnos,  uti  supra  dictu(m)  est,  hoc 
facto  pono  hoc  integrum  in  materia(m)  liquidam  ex  gipso  et 
puluere  tegulino  siue  laterino  et  aqua  communi  factam,  uti  non 
dubito  quöd  modus  ac  (?)  in  gipsum  fundere  metallum  sit  Londini 
bene  notus,  ideo  non  opus  est  illu(m)  hie  scribere,  sed  si  facio 
tenuissimas  figuras,  tunc  accipio  cuprum  siue  aurichalcum,  et  cum  J 

bene    in    fluxo    sit    tunc    intropono    multum    de    Zincco    (est  vero  \ 

Zinccum  mineralis  materia  quasi  morcosita  siue  Wismutum   gallice  * 

dicitur  du  sine  oü  du  zinc  et  sine  hoc  non  succederet  bene  opus 
si  nimis  tenue  esset,  quia  expertus  sum  aliquoties  hoc  minere 
libertissime  fluit,  et  facit  pulchrum  metallum  sicuti  aurum)  pondus 
uero  certum  nunquam  obseruaui,  si  plus  de  Zincco  posui  tanto 
melius  fuit,  ad  paruas  et  tenues  figuras  posui  aliquando  plus  qua(m) 
tertia(m)  partem  Zincci  et  cu(m)  hoc  factu(m)  sit,  tunc  depono 
mudellum  et  abscindo  ä  figura  omnes  illos  paruos  canales  (et 
mundo  ac  rodio  figuram,  et  ex  inferiori  parte  paulatim  effodio 
nucleum  cu(m)  instrumento  aliquo  ferreo)  et  illi  canales  magni  et 
pauci  sunt  repleti  motallo  qui  seruantur  iterum  ad  alium  usum, 
in  cjuibus  multo  plus  est  metalli  (|uam  in  statua,  (|uia  si  tenuiorem 
statua(m)  facio  tunc  plures  canales  debeo  facere,  sie  si   uilior  statua 


3). 


41 


^    270     '^ 

tanto  ponderiüsores  sunt  canales  siue  inetallu(m)  rcnianens,  et 
quando  facio  tale  opus  tunc  prius  de  illa  cera  cu(m)  pice  mixta 
accipio  paruam  particulam  et  pondero  eam,  supra  illa(m)  modellu(m) 
facio,  et  introfundo  tale  metallu(m),  de  quo  opus  uolo  facere,  tunc 
post  fusionem  metallum  pondero  et  computo  proportionem  metalli 
et  cera^,  et  cu(m)  opus  postea  magnu(m)  facio,  tunc  obseruo  pon- 
dus  cerae  acceptx  tarn  pro  figura  qua(m)  pro  canalibus,  et  sie 
scio  quantum  circiter  oportet  habere  uel  fundere  de  metallo,  et 
hie  est  modus  meus  ä  me  inuentus  fundendi  statuas  tenues  et 
taHter  mihi  semper  feHcissime  successit  opus,  ultra  novem  pedum 
geometricorum  altam  quidem  nullam  feci  statuam,  sed  Deo  iuuante 
mihi  fido  tali  modo  una  fusione  maximam  quam  quis  cuperet, 
statuam  fundere,  si  Deus  mihi  prolongabit  uitam,  et  si  meliora 
tempora  ratione  nostri  vicini  scilicet  turce,  erunt,  tunc  fundam  ex 
metallo  una  fusione  Imperatorem  nostru(m)  Leopoldum  I  sedentem 
supra  equu(m)  multö  vitae  majorem,  de  hac  re  iam  fui  cu(m)  pro- 
vincia  ratione  impensorum  in  tractatu  et  si  istae  molestiae  turcicae 
non  uenissent,  iam  fuisset  opus  factum.  NB:  pro  paruis  figuris  est 
notandum,  quöd  in  cera  alba  uel  lutea  non  bene  possit  formari 
figura  propter  radios  et  reflexiones,  sie  accipio  ego  ceram  albam 
et  ea  coquo  cum  radice  tinctoria  siue  rubia  (est  radix  rubra)  et 
sie  tingitur  cera,  cui  admisceo  paruu(m)  picem  et  tantillu(m)  tere- 
binthinae  et  alic[uot  guttulas  olei  olinarum  et  sie  fit  cera  optima 
pro  faciendis  paruis  figuris,  color  alius  nullus  est  bonus,  quia  in 
effussione  cera^  permanet  in  mudello,  quod  magnu(m)  est  impedi- 
mentum,  et  ex  alba  cera  non  possunt,  illi  qui  figuras  et  res  paruas 
ex  cera  manu  formant  siue  faciunt,  quid  quam  boni  facere,  sed 
semper  laborant  ex  cera  colorata  taliuero  suprascriptä  cera  ego 
aliquoties  cu(m)  bono  successu  usus  sum,  id  est  ad  paruas  figuras 
et  res,  sie  non  dubito,  quöd  unusquisq'(ue)  liunc  modu(m)  bene 
intelliget,  cui  minima  j^raxis  in  arte  fusoria  nota  sit,  si  in  uno  uel 
in  alio  non  intelligent,  uel  me  non  satis  explicui,  uel  fortassis  quid 
ex  inc(jnsideratione  siue  ex  praicipitantia  nun  (|uidem  uolenti 
animo  omisi,  rogo  Dominatio  Vestra  mihi  scribet,  tunc  statim  melius 
exblicabo.  Descriptionem  uero  lacus  Circnizensis  manuscriptam 
omnia  (juai  ex  propria  experientia  et  aliorum  audita  separatim 
notata  breui  mittam,  et  c]uo(j'(ue)  iudicium  meu(m)  totius  operationis 
huius  lacus  et  petam  pro  gratia  ut  illa  descriptio  (quam  mittam) 
lacus  Circnizensis  ad  acta  philosophica  inseri  potcrit,  isla  praeterita 


'S)    271    ® 

septimana  scripsi  Venetias  D.  D.  ioan.  Hopkins  et  petij  ut  digneretur 
me  certiorem  facere,  an  miserit  Dominationi  Vestrae  topographias 
meas,  cum  aliis  iconibus  et  Theatro  mortis  humanae,  quia  necdu(m) 
responsu(m)  ab  ipso  habeo,  sed  non  dubito,  quod  iam  miserit.  Si 
quis  amicus  ex  anglia  per  prouinciam  nostram  Carnioliam  uenetias, 
uel  uenetiis  Viennam  in  austriam  transiret,  rogo  pro  hac  gratia 
Dominatio  Vestra  uel  quisquis  alius  ex  Anglis  det  ipsi  litteras  ad 
me,  inseruiam  illi  laeto  ac  uolenti  animo  secundu(m)  possibilitatem 
mea(m).  Summas  ago  gratias  pro  notificatione  illoru(m)  arboru(m) 
mirabiliu(m),  quae  etiam  certis  temporibus  uirescunt,  sicuti  nostra 
arbor  nux  iugulans.  Sic  permaneo 

Dominiationis  Vestroe 

obligatus 

Wagenspergi  in  Carniolia  39  (!)  augusti         et  semper  paratus 
st:  nouo   1686  ad  seruitia 

P:  S:  Rogo  humillime  Dn'atio  V'stra  mihi  proxima  uice  labacum 
scribat,  si  descriptionem  lacus  Circnizensis  uenetias  D:  Domino 
Hopkins  uel  per  postam  mitterem  sicuti  praesentes  litteras  mitto, 
descriptio  uero  erit  magna  quatuor  uel  ad  sum(m)um  quinq'(ue) 
filerarum,  cicius  veniet  si  per  postam  mitto  mihi  perinde  est 

Joannes  Weichardus  Valuasor 
Über  baro  m/p. 

Auf  der  vierten  Briefseite,  zugleich  Kuvert  (7  cm  hoch,  unten 
durch  Aufschneiden  lädiert),  in  der  oberen  Hälfte  rotes  Wachssiegel 
Valvasors,  ziemlich  gut  erhalten  (etwas  plattgedrückt),  P/g  cm  hoch, 
1  cm  breit;  neben  dem  Siegel  (rechts)  die  Kanzleibemerkung:  ,,John 
Weichard  Valvasor  f.  Aug.  29.  1686,  read  Decemb.  1.  1686.  Journall 
Book  R. S. Nr. 8,  p.  1 1 1.  Entred  into  the  Letterbook  R.  S.Nr.  10,  p.  342." 
In  der  unteren  Hälfte  steht  die  Adresse: 

A  Monsieur 

Monsieur  Thomas  Gale 

Secretaire  de  la  Fraternite  Royale 

Presentement 

par  Vienne  en   Austrice  ä  Londres  en  angleterre 
durch  Wienn  London  in  Engelandt 

Papierformat:  Kleinfolio,  31  cm  hoch,  2O2/3  cm  breit. 


-©    212    'S) 

BcscDreibimd  des  Zirknitzcr  $ee$. 

Inclytae  ac  Venerandae  Societati  Regali  Londinensi    in    Anglia   ad 

scientiam   naturalem    promovendam    institutae   Joannes  Weichardus 

Valuasor  Liber  Baro  Salutem. 

Ex  obligatione  illa  sinceroq'(ue)  cordis  affectu,  quo  animus 
meus  incredibili  in  inclytam  Regiamq'(ue)  fertur  uinculo  Societatem 
his  incultis  paucisq'(ue)  lineis  nostrae  non  uile  miraculu(m)  terrae, 
Cirknicensem  scilicet  lacum  in  nostro  situm  Carnioliae  Ducatu 
Venerandae  Societati  Regiae  patefacere  uolui  qui,  ut  miraculum 
natura^  ä  quamplurimis  quidem  sed  inexperto  calamo  tactus,  a 
nullo  tarnen  illorum  hactenus  radicitus  et  enucliatiue  descriptus. 
meminerunt  eins  fateor  geographi,  cosmographi,  historici,  poetae  et 
peregrinatores  plurimi  generaliter  tantum,  ego  uerö  ueritatem  loqui 
non  erubesco,  specialiter  et  membratim  ex  propria  et  omni  possibili 
facta  experientia  sine  minima  dilogia  brachtilogice  (?)  descriptum 
trado. 

Hie  lacus  antiquis  erat  authoribus  lugea  palus,  modernis  lacus 
lugeus,  hodiernis  uerö  latinis  lacus  est  Cirknicensis,  germanis  uerö 
Zirknizer  See,  et  nobis  carniolis  est  zirknisko  jesero:  cuius  deriuatio 
antiquis  nulla,  aut  si  aliqua  est,  illa  incerta,  modernis  certior, 
originem  enim  suam  sumit  ä  proximo  sibi  adiacente  Oppido 
Cirknitz  nomine,  hoc  uero  suam  traxit  denominationem  ab  Ecclesia 
Beatae  Virginis  Marias,  quae  primo  in  deserto,  nulla  cincta  domo 
erat,  iam  uerd  oppido  circumdatur,  aedificij  huius  initium  paruum  et 
ideo  Ecclesiae  gaudebat  nomine,  quod  Carniolis  Zirkuiza  est,  et 
sie  adiacens  lacus  Zirkuisko  jesero,  quod  ecciesiasticum  sonat 
lacum   iam  uero  per  abusum  mutata  litera  u  in  n  fit  Zirknisko  jesero. 

Distat  ä  metropoli  ciuitate  Labaco  sex  milliaribus  germanicis, 
longus  est  bono  milliari  germanico,  id  est  uultra  quatuor  millia 
passuum  geometricorum,  dimidio  uerö  latus  id  est  uultra  duo  millia 
passuum  geometricorum  profunditas  eins  com(m)unis  siue  ordinaria 
decem,  minima  quinq'(ue)  uel  sex  etiam  quatuor  uel  trium,  maior 
uero  sedecim  cubitorum  nemorosis  ubi(]'iue)  montil)Us  cinctus,  ex 
parte  mcridiana  et  occidentali  habet  montes  praealtos,  latos  trium 
milliarium,  in  longitudinem  uerö  extendentes  in  terram  turcicam 
multorum  milliarium,  cjua:  nil  praeter  h^ca  horribilia  deserta,  saxosa 
et  varijs  arboribus  plena  repraesentant :  ex  parte  uerö  orientali  et 
septentrionali   adest  inter  montes    et    lacus    territoriolum    angustum 


-©    273    'S) 

licet  utcunq'(ue)  tarnen  amoenum,  unö  Oppido,  tribus  arcibus, 
nouemq'(ue)  pagis  accolitum,  nee  non  uiginti  Ecclesijs  ornatum,  ut 
apparet  in  praesenti  ichonographica  icone  No.  1  ä  me  summa  ac  possi- 
bili  diligentia  ad  uiuum   delineata. 

In  monte  jauornikh  dicto  penes  lacum  iacente  adsunt  duo  fora- 
mina  siue  profundissima  praecipitia,  in  quibus  totä  hyeme  permanent 
multa  millia  columbarum  siluestrium,  quae  appropinquante  authumno 
intrant,  adueniente  uere  exeunt,  nutrimentum  earum  in  his  speluncis 
est  incognitum,  credo  tamen  esse  arenam  salnitrosam.  in  altero 
uero  monte  Sliuenza  habent  sagae  suum  saboth  seu  congregationem, 
ut  creditur,  quia  saepius  uidentur  luminaria  in  forma  scintillarum 
hinc  inde  uolantia  et  saltantia  :  in  apice  seu  accumine  huius  montis 
est  cauerna  incognitae  profunditatis,  ex  qua  halitus  subterranei 
saepissime  ascendunt  causantes  incolis  noxias  tempestates,  fulgur, 
tonitrum  et  grandinem,  ideo  haec  cauerna  anuuatim  ä  clero  Cirknizensi 
processionaliter  cum  magno  concursu  hominum  huc  uenientium 
die  lunae  pentecostium  exorcismis  consuetis  benedicitur. 

Intrant  hunc  in  lacum  constanter  fluuij,  quorum  duo  minores 
beliebrech  et  tresenz  nomine,  tertia  est  scaturigo  oberch  nominata, 
ex  qua  multum  aquae  cum  magno  impetu  exit  et  in  lacum  decidit, 
quarto  influit  riuus  utcunq'(ue)  magnus  Sterberziza,  quinto  similiter 
riuus  lipsinziza,  sexto  taliter  riuulus  seromschiza  septimö  parimodö 
riuulus  martinschiza  ex  rima  saxea  scatens  ac  uultimö  riuus  sat 
magnus  cirknizerbach  nominatus. 

Cum  uerö  lacus  iste  ubiq'(ue)  montibus  cinctus  et  exitum 
nuUum  habere  potest,  ideo  natura  tribuit  ipsi  duos  oculares  exitus 
nimirum  duo  antra  saxea  Velka  Karlouza  et  mala  Karlouza  nominata, 
per  quae  fluit  lacus  in  montem  (aHum  uerö  occultum  exitum 
subterraneum  postea  ostendam)  haec  duo  antra  unacum  subterraneo 
exitu  procul  dubio  sub  terra  simul  concurrunt  (ut  postea  probabo) 
qui  percurso  semi  milliaris  germanici  ex  altera  parte  montis  prope 
sanctum  Cantianum  uti  in  icone  No.  2  ä  me  ad  uiuum  uidetur 
delineata,  in  loco  deserto  ex  spelunca  saxea  lit:  A  exit  lacus  et 
nominatur  ab  accolis  jesero  id  est  lacus,  fluuius  iste  jesero  nominatus 
utcunq'(ue)  magnus  lit:  />  emerso  semiquadrante  milliaris  fluit  in 
cauernam  saxeam  sat  amplam  lit:  7  et  sie  fluit  quiete  per  montem 
in  longitudine  unius  bonae  emissionis  tormenti  brachialis,  post 
praedictum  tractum  exiens,  ex  altera  parte  montis  fluit  per  terri- 
toriolum  saxeum  lit:  ;;/.;//  intrat  in  grottam  siue  speluncam  lit:  c, 

V.  Radics,  Ualvasor.  1$ 


-^    27A    '^ 

in  qua  post  quinquaginta  passuum  potest  dici,  siste  viator,  non 
plus  ultra,  quia  amplius  nee  quiete  nee  pacifice  fluit,  sed  fluuius 
iste  summo  strepitu  et  fragore  multum  inclinatus  in  descendentem 
eanalem  saxeum  pra^eipitatur,  ultra  nee  mihi,  nee  alijs  eum  pro- 
sequi  lieuit:  usq'(ue)  ad  istum  deseendentem  siue  inclinatum  eanalem 
cueurri  ego  solus  7  iuny  St.  N.  anno  1678  eum  exigua  nauicula 
piscatoria  per  eauernam  siue  montem  lit:  /  et  per  grottam  siue 
Joveam  lit:  C  usq'(ue)  ad  supradietum  eanalem  siue  uniea  eom- 
moditate  eum  perieulo  cum  eauerna  sat  ampla  sit. 

Supra  eauernam  id  est  supra  montem  lit:  /  stant  duo  Eeelesiae 
una  maior,  alter  minor,  eum  unä  domo,  maior  lit:  F  est  Saneti 
Cantiani  minor  uero  lit:  E  Saneti  Benedieti,  lit:  ;/  est  domus 
eustodis  Eeelesiae,  lit:  G  est  via  ad  Eeelesiam,  seiendum  est,  quod 
uallis  sit  profundissima,  in  qua  fluit  fluuius  jesero  lit:  B  territoriolum 
lit:  ;;/.;;/  est  planum  et  saxeum  in  forma  ouali  tamquam  altissimo 
propugnaeulö  ita  ubiq'(ue)  einctum  lit:  K.K.K  ut  impossibile  sit 
eato  exire  nisi  ex  uniea  parte  retrö  siue  infra  domum  eustodis 
eeelesiae  lieet  et  homini  deorsum  et  sursum  sed  non  sine  perieulo 
uitae  ire,  eum  uia  ita  areta  sit,  ut  in  aliquibus  loeis  uix  trium  aut 
quatuor  digitorum  larga,  et  ubi  largissima  uix  semipedis  geometrieis 
sit,  eum  anno  1684  28  deeembris  st:  N:  eum  uno  peregrinatore 
gallo  iaeques  senebier  hue  uenerim,  non  habens  nauieulam  in  qua 
potuissem  ipsum  dueere  per  montem  et  in  grottam  lit:  C  uenire, 
deseendimus  per  supradietam  uiam  perieulosissimam,  peruenientes 
deorsum  non  potuimus  in  grottam  lit:  C  intrare  propter  nimiam 
aquam  redeuntes  et  intrauimus  eum  magna  diffieultate  per  unum 
quasi  perpendicularem  profundum  et  angustum  spiroeulum  lit:  D, 
et  sie  peruenimus  in  grottam  maiorem  maximo  templo,  per  quam 
fluuius  jesero  fluit,  in  illa  uariae  figura^  lapideae  ä  natura  elaborata^, 
uariaq'(ue)  antra,  fouea^,  grottam  et  similia  hine  inde  apparent,  ultra 
ipsum  dueere  hoe  tempore  non  potui,  quia  tune  magnus  fluuius 
jesero  nostrum  erat  impedimentum  penes  quem  alias  itur  accensis 
faeibus  per  eertum  angustum  foramen,  et  uenitur  iterum  ad  fluuium 
eurrentem  penes  quem  itur  per  modieum  tempus,  tune  permittitur 
fluuius  et  est  uia  ad  leuam  manum  ubi  itur  per  uiam  seu  foramen 
longum  et  angustum  quasi  per  unum  canalieulum  sat  longum  et 
ex  una  eauerna  siue  grotta  in  aliam  et  est  in  una  eauerna  figura 
siue  statua  lapidea,  qua:  repra^sentat  unum  textorem  laborantem 
et  in  alio  angulo  est  unum  foramen  sursum  tendens  repraesentans 


'S)    27S    'S) 

camin  um  fornacis,  in  quo  quasi  lardum,  scapulae,  pernae,  forcimina 
et  similia  pendent,  et  quasi  naturalia  et  uera  in  saxum  conuersa, 
ideo  dicunt  rustici,  quod  laborauerit  semel  unus  textor  in  hoc 
cauerna  (quam  habuit  pro  cubiculo  suo)  in  festo  Sancti  Cantiani, 
ob  quod  peccatum  factum  malignus  Spiritus  suflauit  in  eum,  et 
omnia  coauersa  sunt  in  lapidem  et  talem  lepidam  narrationem 
multi  crediderunt,  uti  scribit  philosophus  conradus  de  meydenberg 
cum  certo  cancellario  austriaco  se  uidisse  in  Carniolia  similia 
Corpora  ä  maligno  spiritu  inhalata  in  lapidem  salsum  conuersa 
hoc  quoq'(ue)  credidit  Sigismundus  ä  Birken  in  speculo  honoris 
domus  Austriae  fol.  322  nee  non  ante:  guiliel:  Ertl  in  relationibus 
curiosis  bauaricis  fol.  siue  pag.  13  et  quamplurimi  aUj,  qui  dicunt 
hoc  fuisse  factum  anno  1348  in  certo  terraemotu  magno,  in  quo 
montes  conciderunt  (si  natura  illusisset  ad  lardum  et  forcimina 
etiam  unum  cotum  credo  quod  dicerent  ignorantes  accolae  illum 
fuisse  lutheranum  comedentem  lardum  et  forcimina  die  ueneris 
uel  sabatti,  et  ob  hoc  peccatum  in  lapidem  conuersum  fuisse,  iocus 
iste  nee  catholicis  nee  lutheranis  sit  hie  ignominiae)  simiHa  concre- 
menta  uaria  dantur  hie  in  Carniolia  in  multis  cauernis  et  grottis 
subterraneis  hinc  inde  in  summa  quantitate  et  sil  aliud  est,  quam 
illusio  naturae,  quae  nee  habitu  diabolico  nee  terraemotu,  sed 
successu  temporis  aqua  stillante  fiunt:  obseruaui  in  cauerna  siue 
grotta  lugea*  dicta,  ubi  etiam  quam  pluriimas  figuras  natura  per 
aquam  stillantem  repraesentat,  quae  grotta  a  plurimis  peregrinatoribus 
inuisitur,  et  multa  sua  nomina  ad  figuras  illas  lapideas  scribunt, 
quae  ante  70  et  80  annos  scripta  sunt  accumine  cultri,  possunt 
adhuc  legi,  etiamsi  continuo  aqua  stillante  madefiunt,  sie  iudico 
naturam  multo  plus  temporis  quam  300  uel  400  annorum  opus 
habuisse  ad  perficiendum  similia,  cum  in  70  uel  80  annis  uix 
crassitiem  cultri  perfecit,  non  quidem  nego  me  obseruasse  in  ali- 
quibus  locis  etiam  creuisse  lapides  huius  speciei  adiutorio  aquae 
stillantis  20  annis  fere  crassitudinis  digiti  humani.  lapis  uero  iste 
est  plerumq'(ue)  albissimus,  durus  et  aliquantisper  perlucidus  uti 
est  alabastriter,  probaui  illum  bulliendo  in  aqua  simplici,  permansit 
durus,  itaq'(ue)  in  aqua  salsa,  dum  uero  addidi  parus  salisarmoniaci, 
fiebat  parum  mollior,  urendo  uero,  dum  bene  ustus  esset  erat  totus 
mollis  et  fragilis  cinerei  coloris,  in  fractura  erat  scintillans. 

*  Lueg. 

IS* 


'&    270    '& 

Vt  iterum  ad  nostrum  lacum  ueniam,  dico,  quöd  lacus  iste  fere 
omni  anno  circa  festum  Sancti  Joannis  Baptistae  uel  Sancti  Jacobi, 
alicjuando  etiam  in  augusto  deffluit  et  exsiccatur,  repletur  uero 
itcruin  plerunq'(ue)  in  octobri  uel  nouembri,  deniq'(ue)  non  habet 
certiim  tempus,  fit  quo'(que),  quöd  aliquando  in  uno  anno  bis  etiam 
ter  deffluit,  uti  anno  1685  deffluebat  in  ianuario,  item  15  augusti 
st:  n:  incaepit  defluere,  et  octaua  septembris  totus  euacuabatur,  hoc 
anno  1687  ter  deffluebat,  tunc  fit  piscatio  leuis  et  quasi  inanis, 
fit  quo'(que)  etiamsi  rarissime  quod  in  tribus  uel  quatuor  annis  non 
euacuetur  uel  deffluat,  et  tunc  fit  piscatio  ditissima:  nunquam  uerö 
permanet  siccus  per  integrum  annum. 

lus  piscandi  certo  ordine  (uti  postea  dicam)  in  hoc  lacu  habent 
moderno  tempore  dominia  siue  arces  nimirum 

I.  liaasperg  iaonnis  Sigisfridi  principis  ab  Eggenberg  supremi 
capitanei  in  Carniolia,  olim  quidem  spectabat  hoc  ius  piscandi  et 
dicasterium  ad  dominium  seu  arcem  adlsperg,  dum  uerö  principes 
ab  Eggenberg  principi  ab  Aursperg  hoc  dominium  Adlsperg  uen- 
diderunt,  pro  se  obseruarunt  dicasterium  et  ius  piscandi  et  incor- 
porarunt  arci  haasperg. 

IL  Steegberg  est  etiam  supradicti  principis  ab  Eggenberg. 

III.  laas  est  Francisci  Ferdinandi  principis  ab  Aursperg. 

IV.  Schneeperg  est  supra  dicti  principis  ab  Aursperg. 

V.  Aursperg  est  Wolffgangi  Engelberti  comitis  ab  Aursperg 
mareschalli  in  Carniolia  et  uindorum  marcha. 

VI.  Sitticium  est  monasterium  monachorum  Cisterciensium  Ante 
paucos  annos  dedit  quidem  supradictus  princeps  ab  Eggenberg 
suum  ius  piscandi  monasterio  Vallisiocosae  uulgo  Freydenthal  (sunt 
monachi  Cartusiani)  certis  conditionibus  id  est  non  in  perpetuum 
nee  in  proprium,  cum  solus  princeps  non  continuo  in  Carniolia 
resideat. 

Vasas  insulas  habet  lacus  iste  tres,  scilicet  malagoriza  et  uelka- 
goriza  sunt  sine  terricolis:  tertia  uero  ad  mirum  pulchra  insula  vornek 
nominata  sat  magna  et  elegans,  quae  unö  pago  quatuor  domorum 
ottok  dicto  accolitur;  supra  pagum  in  periucundo  monticulo  stante 
Ecclesia  Sancti  Primi  et  Feliciani  non  parum  ornatur  insula,  terricute 
huius  insulai  sat  elegantem  campum,  agros,  prata,  pabula,  lignationem 
hcjrtos  et  pomaria  deniq'(uej  omnem  neccessitatem  habent. 

Est  et  pulcherrima  peninsula  tota  nemorosa  doruasck  dicta: 
cum  lacus  sit   in  plenitudine,    et    quis    in    naui    huc    inter   insulam 


'S    277    'S) 

uornek    et    peninsulam    doruasek   uenit,    non    aliter    posterior   pars 
lacus  sub  monte  siti  quam  portus  pulcherrimus  apparet. 

In  superiori  parte  effluente  aqua  apparent  pali,  est  signum  olim- 
fuisse  pontem,  ideo  adhuc  hodie  nominatur  pons  antiquus. 

In  inferior!  parte  prope  lacum  est  magna  concameratio  saxea 
Skednenza  dicta,  quam  ibi  in  uicinitate  pascentes  equi  et  equae  in 
aestate  ob  nimios  punctiomes  et  molestias  muscarum  se  ad  refri- 
gerandum  uisuntur,  quia  in  illa  concauitate  nulla  musca,  nee  insecta 
alia  propter  frigidum  aerem  permanent. 

In  hoc  lacu  multae  sunt  foueae  in  forma  cacabi  uel  lebetis,  quae 
non  sunt  eiusdem  profunditatis  nee  latitudinis,  latitudinem  habent 
20  etiam  60  plus  etiam  minus  cubitorum  et  profunditatem  8  etiam 
20  plus  aut  minus  cubitorum,  in  fundo  habent  istae  foueae  parua 
foramina,  in  quae  aqua  et  pisces  intrant  quando  lacus  defluit. 

Praecipuae  uerö  foueae,  in  quibus  piscatur  sunt  octodecim  sitae 
et  nominatae  uti  in  praesenti  magna  icone  No.  1*  uideri  potest 
uocantur  nimirum:  maljoberch,  uelkjoberch,  kamine,  suejnska  jamma, 
uodonos,  louretschka,  kralouduor,  rescheto,  ribeska  jamma,  rethje, 
sittarza,  lipauza,  gebno,  koteu,   ajnz,  zeslenza,  pounigk  et  leuische. 

Praeter  has  sunt  adhuc  multae  foueae  paruae  sed  nullius  aesti- 
mationis,  quia  non  piscatur  in  illis  sicuti  in  supradictis. 

Dum  incipit  in  iunio,  iulio  uel  in  augusto  lacus  iste  euacuari 
uel  deffluere,  tunc  deffluit  intra  25  dies,  si  nulla  magna  tempestas 
interuenit,  supra  dictae  18  foueae  semper  certo  et  infalibili  tempore 
euacuantur,  hoc  ordine. 

Dum  incipit  lacus  decrescere,  quöd  apparet  in  certa  petra  seu 
lapide,  hoc  indicant  incolae  pagi  ober-  siue  seedorff  omnibus 
piscatoribus  circumiacentibus  ä  suis  dominis  ius  piscandi  habentibus 
constitutis,  isti  incolae  ex  pago  seedorff  sunt  ordinati,  ut  attendant 
non  solum  ac  deffluxum  sed  etiam  supra  lacum  plenum  aqua,  ne 
quis  in  eo  piscatur,  quia  nuUus  audet,  piscari  in  eo  dum  plenus 
aqua  sit,  sunt  itaq'(ue)  huius  pagi  incolae  quasi  custodes  huius  lacus. 

I.  Fouea  malj  oberch  nominata  euacuatur  (non  est  quidem  uera 
fouea  uti  lebes,  sed  est  terra  pari^im  demissa  sine  foraminibus 
ubi  magnum  gramen  et  alga  crescit  et  multi  pisces  inueniuntur) 
ab  initio  deffluxionis  aquae  post  tres  dies,  tunc  dat  Signum  ictu 
campanae   aeditimus    siue  custos  Ecclesiae  Sancti  Cantiani   in    pago 


*  Siehe  Abbildung:  Ehre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  S.  632. 


-e)    27$    -© 

Seedorff,  tunc  omnes  incolae  huius  pagi  permittunt  labores  tarn 
campestres,  quam  domesticos,  et  se  deuestiunt  et  cununt  toti  nudi 
sicuti  sunt  de  matre  nati  sine  pudore  et  uerecundiä  iuuenes  et 
senes,  faeminae  et  uiri  ad  piscationem,  captos  pisces  diuidunt  in 
duas  partes,  unam  dant  principi  ab  Eggenberg  uti  domino  dicasterij 
huius  territorij,  altera  pars  illis  cedit. 

IL  fouea  uelkjoberch  tertia  die  post  maljoberch  uacuatur,  modus 
et  ius  piscandi  est  sicuti  in  maljoberch  dictum  est.  anno  1685  die 
tertia  septembris  st:  n:  mane  ante  orteum  solis  a  Caelo  ictus 
tonitru  in  hanc  foueam  factus,  et  erant  65  magni  pisces  et  innu- 
merebiles  parui  fulmine  icti;  isti  fulmine  icti  pisces  supernatant, 
et  si  cito  in  aliam  recentem  aquam  ponantur  recolligentes  se 
reuiuiscunt. 

III.  fouea  kamine  decrescit  quatuor  horis  post  velkjoberch,  in 
hac  fouea  tragulatores  uulgo  perner  capiunt  pisces  tragullä  pis- 
catoriä  uulgo  mit  Fischpern  (qui  tragulatoribus  cedunt  soluto  ab 
unoquoq'(ue)  eorum  uno  floreno  principi  ab  Eggenberg  uti  domino 
dominij  siue  arcis  haasperg  cuius  est  dicasterium  huius  territorij 
tales  tragulatores  sunt  multi,  qui  hinc  inde  in  lacu  et  in  parui 
ualoris  foueis  pisces  tragulä  piscatoriä  capiunt,  et  unum  florenum 
quisq'(ue)  supradicto  principi  ab  eggenberg  soluit)  capiunt  multos 
pisces  et  in  magna  quantitate  quidem  magnos  sed  macros  et  non 
boni   saporis  cancros. 

IV.  fouea  suejnska  jamma  minuitur  una  hora  post  kamine  in 
qua  fouea  etiam  tragulatores  capiunt  sicuti  in  fouea  kamine,  in  qua 
pariter  magna  copia  cancrorum  est  sicuti  in  supradicta  fouea  kamine. 

V.  fouea  uodonos  siccatur  quinta  die  post  kamine  in  hac  (et)  in 
alijs  sequentibus  foueis  piscatur  sagenä  id  est  longissimo  rete  pis- 
catorio,  in  ista  fouea  uodonos  habet  primum  tractum  cum  rete 
piscatorio  siue  sagenä  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  haasperg. 
Secundum  tractum  habet  comes  ab  Aursperg  ab  arce  Aursperg, 
tertium  iterum  princeps  ab  Eggenberg,  quartum  comes  ab  Aursperg, 
quintum  princeps  ab  Eggenberg,  sextum  comes  ab  Aursperg,  uulterius 
piscari  non  potest,  fjuia  aqua  nimis  diminuitur,  et  cum  nimis  magno 
impetu  intrat  in  foramina  (quae  in  fundo  fouex  sunt)  et  sie  fouea 
euacuatur,  tanto  impetu  et  uelocitate  currit  aqua  in  foueam,  ut 
quis  eam  uelocissimus  ueredacius  non  percurreret  et  sie  absorbentur 
pisces  et  aqua,  fit  saepius  quod  uix  duos  tractus  perficiunt,  si  ali- 
quantispcr  piscatores  tardant    ob  quam  causam  inter  illos  magnae 


■^Ji- 


contentiones  oriuntur  ad  uitendum  similia  habent  signum  prope 
foueam  uodonos  unum  lapidem  ribeskekamen  id  est  lapidem  pis- 
catorum  dictum,  quamprimum  deffluente  aqua  lapis  iste  apparet, 
tunc  ex  antiqua  obligatione  et  obseruatione  tenetur  princeps  ab 
Eggenberg  piscationem  huius  foueam  incipere,  et  primum  tractum 
facere,  quando  nimis  magna  copia  piscium  rete  concluditur  ad 
ripam  uenientes  tragulä  rete  euacuant,  modus  iste  piscandi  est  in 
Omnibus  foueis. 

VI.  fouea  louretschka  semialtera  die  euacuatur  post  uodonos 
primum  tractum  habet  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  haasperg 
secundum  tractum  etiam  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  Steegberg 
tertium  comes  ab  Aursperg  ab  arce  Aursperg,  quartum  princeps 
ab  Aursperg  ab  arce  Laas,  quintum  etiam  princeps  ab  aursperg  ab 
arce  Schneeperg.  sextum  monasterium  Sitticense.  sciendum  est,  quod 
saepius  contigit,  quod  uultimi  non  possunt  suos  tractus  perficere,  si 
primi  parum  tardant,  quia  prius  euacuatur  fouea  antequam  uultimi  ^\ 
ad  suos  tractus  ueniunt,  ideo  saepius  fiunt  contentiones.  Ij 

VII.  fouea  kralouduor  recedunt  aquse  semidie  post  louretschka,  ■" 
in  qua  solus  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  Haasperg  uti  dominus  f 
dicasterij  huius  territorij  habet  ius  piscandi  et  nuUus  alius  cum  ipso.                   ;;• 

VIII.  fouea    rescheto    relabitur    tertia    die    post    kralouduor,   in  '^ 
qua  tractiones  siue  tractus  habent  princeps  ab  Eggenberg  et  comes  ^ 
ab  Aursperg  sicuti   in    fouea    uodonos    unusquisq'(ue)    tres    tractus. 
Anno   1655  (cum  antea  quinq'(ue)  annis  consequenter  lacus  repletus  ^ 
aqua  steterat)  acquisiuit  in  hac  fouea  rescheto  princeps  ab  Eggen-                     ^. 
berg    primo    tractu    21    carros    siue  currus  piscium  secundo  tractu 

comes  ab  Aursperg  17  carros.  tertium  tractum  donauit  principissa 
ab  Eggenberg  (quae  tunc  temporis  praesens  erat)  monasterio  Sitticensi, 
quo  9  carros  acquisiuit.  quot  carros  in  reliquis  tractibus  adhuc 
acquisiuerunt  non  scio.  hoc  ä  fide  dignis  qui  in  praesentia  fuerant 
percepi.  dicitur  esse  in  fundo  huius  foueae  in  foramine  ferreum 
clathrum  talem  nee  inuenire  nee  uidere  potui  etiamsi  summa  ad- 
hibita  diligentia  quaesiui  et  aspexi,  ideo  credo  esse  uerba  inania. 
Villi,  fouea  ribeska  jamma  retrogreditur  cum  rescheto,  est  etiam 
proxima  ipsi,  in  hac  fouea  habet  ius  piscandi  solus  princeps  ab 
Eggenberg  (siue  in  fouea  kralouduor)  sed  cum  haec  fouea  non  sit 
magnac  a^stimationis,  tunc  princeps  semper  dedit  illam  piscatoribus 
tanquam  pro  remuneratione  eorum  industria^  quam  piscatores 
saepius  alijs  hominibus  uendiderunt  pro  8,   10  etiam  aliquando  pro 


m 


'S)     2$0     -2) 

12  florenis.  ante  quinq'(ue)  annos  uendiderunt  piscatores  hanc 
foueam  uni  uigiliaruin  Custodi  militum  (uulgo  Wachtmeister)  qui  in 
oppido  Cirknitz  perhijemabat  pro  12  florenis  et  pro  uno  aureo 
in  specie;  supradictus  uigiliaruni  custus  octo  carros  (id  est  quantum 
octies  unö  equö  in  curru  uehi  potuit)  bonis  et  magnis  piscibus 
plenos  acquisiuit  in  hac  fouea  subterranea. 

IX.  nunuerö  dum  possessione  iuris  piscandi  principis  ab  Eggenberg 
monachi  cartusiani  in  ualle  iocosa  gaudent,  perdita  est  remuneratio 
piscatorum,  talem  monachi  siti  appHcant.  Piscatio  in  hac  fouea  sub- 
terranea est  sat  curiosa  nee  non  iucunda  et  fit  aHo  modo,  quam 
in  alijs,  quia  haec  fouea  habet  in  fundo  magnum  foramen  petiosum, 
per  quod  facillime  homines  accensis  facibus  descendunt  deorsum 
quasi,  in  aUquam  cisternam  sat  profundam,  inferius  uero  sub  terra 
est  spatium  largum  in  forma  magnae  camerationis,  cuius  fundum 
siue  pauimentum  tanquam  cribrum  paruis  foraminibus  plenum,  sie 
aqua  deffluente  pisces  permanent  sine  aqua  in  ista  fouea  subterranea, 
ex  qua  pisces   in    hneis    saccis    positi    et   funi    alhgati    extrahuntur. 

X.  fouea  rethje  euacuatur  duabus  horis  post  ribeska  jamma  in 
hac  liabet  ius  piscandi  solus  princeps  ab  Eggenberg  uti  dominus 
dicasterij,  est  quidem  parui  ualoris  fouea  ista,  quia  parüm  acquiritur 
in  ea,  ideo  nunc  dant  talem  monachi  Cartusiani  scholarchae  siue 
ludimagistro  Cirknizensi  pro  remuneratione,  ut  attendat  ne  quis 
in  lacu  piscationem  ahquam  faciat. 

XI.  fouea  Sittarza  euacuatur  una  hora  post  rethje,  in  hac  fouea 
habet  primum  tractum  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  Haasperg, 
secundum  tractum  quoq'(ue)  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  Steeg- 
berg,  tertium  comes  ab  Aursperg  ab  arce  Aursperg,  quartum  prin- 
ceps ab  Aursperg  ab  arce  Laas,   quintum   monasterium  Sitticense. 

XII.  fouea  lipouza  euacuatur  quinq'(ue)  uel  sex  horis  post  Sittarza 
ius  piscandi  et  tractus  in  ea  habent  sicuti  in  praecedenti  fouea  sittarza. 

XIII.  fouea  gebno  euacuatur  tertia  die  post  rescheto,  in  qua 
primum  tractum  habet  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  haasperg, 
secundum  quoq'(ue)  princeps  ab  Eggenberg  ab  arce  Steegberg. 
tertium  comes  ab  Aursperg  ab  arce  Schneeberg,  quintum  mona- 
sterium Sitticense.  rarissime  uero  piscantur  in  ea  retibus,  sed 
plerumq'  permittunt  foueam  euacuari  (quia  haec  fouea  in  fundo 
parua  foramina  habet,  maiora  uix  sunt  crassitudinis  brachij  humani) 
ideo  permanent  magni  pisces  omnes  in  fouea,  quos  diuidunt  in 
partes,  et  quisq'(ue)  suam  partem  accipit. 


®    2$1     'S) 

XIV.  fouea  koteu  euacuatur  secundä  die  post  gebno  in  qua 
habent  ius  piscandi  et  faciendi  tractus,  sicuti  iu  praecedenti  fouea 
gebno,  et  quoq'(ue)  permittunt  aliquando  eam  euacuari,  et  quia 
haee  fouea  koteu  maiora  habet  in  fundo  foramina,  per  quae  conse- 
quenter  inaiores  etiam  pisces  absorbuntur. 

XV.  fouea  ajnz  euacuatur  quatuor  uel  quinq'(ue)  horis  post 
koteu,  in  qua  habent  ius  piscandi  et  faciendi  tractus  sicuti  in  fouea 
lipauza  permittunt  aHquando,  rarö  tarnen,  eam  euacuari,  sicut  in 
fouea  gebno,  et  diuidunt  pisces,  hoc  fit  solum  modo  tempore 
necessitads,  cum  necdum  in  fouea  koteu  sunt  expediti  cum  pis- 
catione,  quia  fouea  ista  unum  utcunq'(ue)  magnum  foramen  in  fundö 
habet,  per  quod  multi  magni  pisces  ab  aqua  absorbentur. 

XVI.  fouea  zeslenza  euacuatur  tertiä  horä  post  ajnz,  in  qua  ius 
piscandi  et  faciendi  tractus  habent  sicuti  in  fouea  gebno,  nunquäm 
permittunt  euacuari  eam,  semper  faciunt  tractus  retibus. 

XVII.  fouea  pounigk  euacuatur  secundä  die  post  koteu,  in  qua 
habent  ius  piscandi  et  faciendi  tractus  sicuti  in  fouea  lipauza. 

XVIII.  uultima  fouea  leuishe  euacuatur  tertiä  die  post  pounigk, 
id  est  uigesimä  quintä  die  post  inchoatum  refluxum  aquae  siue 
lacus,  in  qua  ius  piscandi  et  ordinem  faciendi  tractus  habent  sicuti 
in  fouea  hpauza.  sie  uigesimä  quintä  die  est  piscatio  huius  lacus 
absoluta. 

ante  17  annos  (uti  ä  fide  dignis  et  qui  in  praesentia  fuerunt 
dictum  est)  fulmen  tempore  piscationis  inciderat  in  hanc  foueam 
leuishe,  suoq^(ue)  uaporoso  ac  sulphureo  praepotenti  impetu,  quam- 
plurrimos  grandes  pisces  extinxit  seu  sopiuit,  quibus  in  unum 
coUectis  28  currus  impleti  fuere,  qui  in  quinq'(ue)  partiti  partes 
unicuiq'(ue)  dominio  sua  data,  pisces  quidem  non  sunt  fulmine 
tacti,  sed  ab  impetu  et  ä  uapore  sulphureo  fiunt  quasi  semimortui, 
et  supernatant  quasi  essent  mortui,  et  hoc  saepius  fit  in  hoc  lacu,  si 
tales  pisces  cito  ponuntur  in  aliam  recentem  aquam,  tunc  fiunt 
uiui,  si  uerö  relinquuntur  sie  supernatare  tunc  moriuntur. 

finita  piscatione  datur  signum  pulsu  campanae  per  aeditimum 
Ecclesiae  Sancti  ioannis  baptistae  adiacentis  oppido  cirkniz,  dato 
signo  omnes  incolae  ex  circumiacentibus  pagis  et  oppido  cirkniz 
senes  cum  iunioribus,  uiri  cum  faeminis  omnes  permixti,  et  quam- 
plurrimi  sine  pudore  et  uerecundiä  toti  nudi  tam  faeminae  quam 
uiri,  iuuenes  et  senes  (rari  habent  aliquod  linteolum  circa  pu- 
denda)    currunt    ad    lacum,    quacrunt    ac    leuant    pisces,    ubi    illos 


'S)    2$2    'S 

in  arrundine,  alga,  et  in  paruis  foueis  inueniunt,  multi  descendunt 
in  subterraneas  foueas  et  foramina,  ubi  multos  magnos  pisces 
acquirunt,  deniq\ue)  unusquisq'(ue)  quaerit  pro  suo  placitu  ubi 
uult,  exceptis  foueis  pjauze,  narte,  uelkjobcrch,  alias  ubiq'(ue)  au- 
dcnt  queerere  pisces,  quidquid  acquirunt  eorum  est,  quisq'(ue)  dat 
unum  solidum  id  est  semicrucigerum  supradicto  aeditimo  pro  dato 
signo  campana^. 

tentabant  quidem  saepius  adhibita  possibili  industria  monachi 
Cartusiani  hanc  nudi  incessus  consuetudinem  seu  intollerabilem 
honestatis  coruptelam  eradicare  seu  parum  aut  nihil  effecere,  pro- 
fundiores  enim  sunt  peruersitatis  quam  uirtutis  radices,  quia  nee 
tantuni  efficere  possunt,  ut  uerecunda  ualerent. 

quamprimum  incipit  lacus  diminui,  tunc  habet  princeps  ab 
Eggenberg  uti  dominus  dicasterij  ius  piscandi  uno  rete  piscatorio 
id  est  sagenä  uulgo  rachnez  taliter  etiam  comes  ab  Aursperg, 
princeps  ab  Aursperg  et  monachi  sitticenses,  si  uero  princeps  ab 
Eggenberg  non  uult  piscari,  tunc  alij  non  audent,  quia  dominus 
dicasterij  habet  ius  incipiendi  cum  tali  rete  pisces  capere  rarissime 
quidem  intermittitur  itaq'(ue)  his  sagenis  hinc  inde  in  lacu  (exceptis 
foueis)  pro  libitu  piscatur. 

similiter  etiam  ab  initio  diminuente  aqua  habet  princeps  ab 
Eggenberg  uti  dominus  dicasterij  ius  incipiendi  et  ponendi  nissas 
secundum  antiquam  consuetudinem  solumodo  Septem,  iam  uero  ponit 
plures  et  antehac  non  uulterius,  quam  ab  inferiori  parte  incipiendo  ä 
fouea  kralouduor  usq'(ue)  ad  portum  insulse,  uel  usq'(ue)  ad  foueam 
pounigk,  nunc  uero  (uti  dicitur  quöd  per  abusum  uenerit  in  posses- 
sionem)  ponit  nissas  uulterius  pro  placitu.  hae  nissae  uulgo  fisch- 
reusen  ponuntur  trans  canales  in  lacu,  quaeuis  nissa  est  48  cubitorum 
longa,  postea  habet  ius  ponendi  comes  ab  aursperg  ab  arce  aursperg 
quinq'(ue)  nissas,  nunc  uero  ponit  etiam  plures  hinc  inde  per  lacum 
pro  placitu  ä  superiori  parte  usq'(ue)  ad  foueam  kralouduor,  unam 
nissam  solumodo  habet  ins  ponendi  ultra  kraloudour.  postea  habet 
ius  ponendi  monasterium  sitticense  tres  nissas,  nunc  uero  etiam 
plures  ponit,  usq'(ue)  ad  foueam  rescheto  et  non  ultra,  postea 
habet  ius  ponendi  princeps  ab  aursperg  ab  arce  laas  duas  nissas, 
nunc  uero  etiam  plures  ponit,  ä  superiori  parte  incipiendo  in  oberch 
usq'(ue)  ad  foueam  pounjgk  et  non  ultra,  et  etiamsi  princeps  ab 
Eggenberg  non  faceret  initium  ponendi  has  nissas,  nihilominus 
possunt  alij  ponere,  et  liabent  ius  ponendi  sine  principe, 


®    2$3    ® 

Dantur  quoq'(ue)  aliae  foueae  in  lacu,  uti  Skednenza,  mala  bob- 
narza  et  uelka  bobnarza,  in  quibus  supradicti  tragulatores  piscantur, 
sie  etiarn  in  malakarlauza  et  uelkakarlauza,  in  bis  duabus  longum 
eunt  iter  accensis  facibus  sub  terra  et  quaerunt  pisces,  quia  hae 
foueae  paruae  sunt  aestimationis.  in  uelkabobnarza  itur  per  foramina 
magna  sub  terra  multarum  orgyarum  profunde,  isti  tragulatores 
ubiq'(ue)  sub  terra  descendunt  et  quaerunt  pisces. 

fouea  mala-  et  uelka  bobnarza  habent  nomen  ä  tympano,  quia 
parua  tympanistria  seu  tympanistrix  uocatur  in  nostra  carniolica 
lingua  malabobnarza,  mala  tympanistria  uel  tympanistrix  uero 
uocatur  uelka  bobnarza,  quarum  non  frustranea  deriuatio,  quia 
Caelo  fulminante  et  tonante  auditur  pariter  in  his  duabus  foueis 
non  aliter  ac  si  essent  in  hac  fouea  sub  terra  multi  tympanistae. 
quod  ego  18  octobris  st:  n:  anno  1685  meis  auribus  non  sine  magna 
admiratione  audiui  Caelo  tribus  consequenter  uicibus  mugiente 
pariter  tympanorum  corespondisse  strepitum. 

Adsunt  adhuc  duae  foueae  in  hoc  lacu  narte  et  pjauzae  dictae, 
quae  nunquam  exsiccantur,  sed  semper  permanent  paludosae,  etiamsi 
lacus  totus  exsiccetur,  creditur,  quöd  in  his  duabus  foueis  multi 
pisces  generentur,  ideo  nuUi  licitum  est  in  illis  piscari,  in  his  foueis 
est  incredibilis  copia  sanguisugarum,  quae  ad  sonum  et  cantum 
certorum  uerborum  (sicuti  xiphia  piscis  uulgo  pescespada  in  freto 
mamertino  sono  et  cantu  certorum  uerborum  capitur  de  quo 
P.  Äthan.  Kircherus  in  musurgia  lib.  9  par.  2  cap.  7  item  P.  Gasp. 
Schottus  in  magia  naturali  par.  2  lib.  4  de  magia  phanurgia  cap. 
uult :  p.  214  prolixe  scribunt)  non  credidissem,  si  oculis  non  ui- 
dissem  anno  1685  1  octobris  st.:  n:  in  exsiccato  lacu  ad  foueam 
paludosam  pjauze  dictam  cum  ultra  80  annorum  sene  piscatore 
bartholomeo  roshenta  uulgo  jerne  roshenta  nominato,  qui  intrauit 
paludem  usq'(ue)  ad  genua  et  protulit  paulatim  cantando  haec 
uerba  pij  mene  pjauka  et  haec  tria  uerba  saepius  reiterauit,  tunc 
statim  proberabant  sanguisugae  in  maxima  copia  ad  ipsum,  ille 
uerö  statim  exiuit,  iussi  ipsum  post  paululum  iterum  intrare  et 
intus  Stare,  tunc  rarö  una  ad  ipsum  uenit,  ([uam  primum  uerö  incaepit 
supradicta  uerba  quasi  candanto  dicere,  in  summa  celeritate  et 
quantitate  ad  ipsum  uenerunt,  quöd  summe  mirabor,  uerba  uerö 
ista  pij  mene  pjauka  sunt  uerba  carniolica,  quorum  interpractatio 
est  bibas  mc  sanguisuga. 


-2)    264    'S 

Dictum  est  mihi  pro  certo  ä  fide  dignis  adfuisse  ante  aliquot 
annos  hie  tempore  piscationis  certum  famulum  natione  germanum 
principis  ab  Eggenberg,  qui  noluit  credere,  quod  sanguisugae  ad 
supradicta  uerba  ad  hominem  properarent,  iuit  itaq'(ue)  nudus  in 
paludosam  foueam  pjauze  et  modo  supradicto  protulit  uerba,  ante- 
quam  exire  potuit,  adhaerebant  per  totum  corpus  sanguisugae, 
quiscunq'(ue)  potuit  (salua  uenia)  minxit  supra  illas,  sugerunt  tantum 
sanguinis  ipsius,  quod  ceciderit  et  non  potuerit  surgere  multö  minus 
ambulare,  sie  ipsum  quasi  semimortuum  portabant  ad  arcem  haasperg. 

tempore  piscationis  contigit  sxpissime,  quod  istac  sanguisugae 
(quiE  etiam  hinc  inde  in  lacu  inueniuntur)  uiris  et  faeminis  adhaereant 
tunc  (salua  uenia)  mingit  unus  supra  sanguisugas  alteri  adhaerentes, 
et  hoc  fit  sine  minima  uerecundia  in  praesentia  omnium  hominum. 
nimis  scandolose,  maxime  quando  faeminis  adhaerent  in  certis  parti- 
bus  corboris,  quod  meis  oculis  24  augusti  st:  n:   1685  uidi. 

sunt  in  monte  penes  lacum  altiores  tamen  lacu  duae  magnae 
speluncae  terribiles  saxeae  una  uocatur  urajna  jamma,  alia  uero 
sekadulze,  etiamsi  procul  distant  ab  inuicem,  nihilominus  habent 
unam  uirtutem,  nimirum  dum  fulminat  et  tonitruat,  tunc  dant  hae 
duae  speluncae  admirabili  et  incredibili  magno  aquam  et  aliquando 
magnam  copiam  anatum  et  minorum  piscium,  quod  ego  summa 
admiratione  18  octobris  st:  n:  anno  1685  uidi,  et  quidem  cum 
summo  periculo  uitae. 

Sereno  caclo  ascendi  equum  acceptis  mecum  duobus  senibus 
et  peritis  piscatoribus,  equitaui  per  lacum  siccum  usq'(ue)  in  in- 
sulam  uornek,  et  ecce  in  monte  Sliuenza  ex  cauerna  ascendebant 
nebulosi  halitus,  formantes  se  in  nubem,  quo  uisu  socij  mei  fugam 
urgebant  dicentes  infalibiliter  has  nubes  ex  cauernali  illo  halitu 
ortas,  tempestatem  causaturas,  dictum  factum  nam  in  instanti  fulmen 
cum  horribili  tonitru  adest,  urgebam  illos  me  comitare  ad  foueam 
uelka  bobnarza,  ut  de  eo  uere  satis  experimentum  caperem,  praecedo, 
sequntur,  necdum  aderamus  et  iterum  secunda  ac  tertia  uice  ex 
formatis  illis  nubibus  horrendum  mugit  Caelum  et  audiui,  quod 
non  credebam  in  illa  scilicet  fouea  uelka  bobnarza  strepitum  quasi 
multorum  tympana  pulsantium  tympanistarum,  hoc  audito  continuö 
cum  festinatione  curimus  ad  insulam  uelkagoriza,  uiterius  enim 
nunc  ire  non  licuit,  excreuerat  enim  iam  aqua  homine  altior  in 
locis,  quae  duas  ante  horas  sicco  transiuimus  pede,  ascendimus 
nauim  paruam  indroducto  equelo  (quae  naucs  hinc  inde  sicco  lacu 


-©    2$5    "& 

dispersae  iacent)  et  inueisa  naue  natare  discimus,  unä  manu  nauim 
tenentes,  altera  natantes,  tandem  Deo  duce  naufragi  ad  alteram 
peruenimus  ripam,  non  praecedente  equo,  qui  fortior  uiribus  prior 
enatauerat.  tunc  ex  aduerso  uidi  ex  spelunca  sekadulze  tanto 
impetu  aquam  triuni  uel  quatuor  orgyarum  procul  prosilientem, 
non  aliter  ac  si  ex  incendiario  diabete  pressa  iuisset  (sciendum 
est  quod  riuuli  intrantes  in  lacum  tempore  sicci  lacus  in  planitie 
inter  arundineta  et  quidem  ubiq^(ue)  sorbentur)  multae  caecae  anates 
cum  aqua  eiectae  fuerant,  non  est  mirum  aquam  tam  cito  fieri 
magnam,  cum  tanto  impetu  exit,  facit  magnum  fluuium,  quia  haec 
spelunca  sekadulze  est  lata  unius  orgijae  et  altior  homine,  peri- 
culosissimum  est  intrare  eam,  quia  cito  quasi  in  momento  uenit 
cum  stupendo  impetu  aqua,  supra  nominatus  senex  piscator  jerne 
roshenta  dixit  mihi  se  in  iuuentute  sua  aliquoties  in  longitudine 
duarum  uel  trium  emissionum  tormenti  brachialis  intrasse  in  hanc 
speluncam,  ulterius  tentare  non  ausus,  erat,  quia,  si  uenisset  aqua, 
impossibile  fuisset  auffugere,  dixit  intus  esse  quamplurrima  pauenda 
et  detestanda  antra  et  speluncas  (sie!) 

Quando  modium  pluit,  tunc  magno  impetu  exit  aqua  duarum 
uel  trium  orgyarum  perpendiculariter  in  altitudinem  ex  fouea  koteu  et 
zeslenja,  similiter  ex  scaturigine  uelkj  oberch  multum  aquae  et  magna 
copia  piscium  minor  uero  anatum  exit  ex  ista  scaturigine  uelkj  oberch. 

dum  uero  continuo  pluit  et  fortiter  tonitruat  et  fulminat,  ut 
terra  commoueatur,  tunc  exit  aqua  non  solum  ex  omnibus  supra- 
dictis  foueis,  foraminibus  et  antis  cum  maximo  impetu  (ex  aliquibus 
uti  ex  uodonos,  rescheto  et  ex  alijs  magnis  foraminibus  magna 
copia  piscium  uenit  cum  aqua  non  procul  quidem  ä  lacu  uenit 
aliquando  summa  copia  anatum  caecarum  ex  uno  foramine  Storsek 
dicto,  de  quo  postea  dicam)  sedetiam  ex  multis  millenis  alijs  paruis 
foraminibus  exit  aqua  in  altum  multorum  cubitorum  et  orgyarum, 
ex  aliquibus  perpendiculariter,  ex  aliis  oblique,  nil  iucundius  est 
visu  quam  hoc  et  dum  continuo  pluit,  tunc  etiam  supradicti  octo 
fluuij  sua  tribuunt,  tali  occasione  fit  lacus  intra  diem  et  noctem 
(id  est  intra  24  horas  dum  prius  erat  siccus)  fit  plenus  aqua,  fit 
etiam  aliquando  inter  18  horas  plenus,  contigit  etiam,  quod  ah- 
quando  vix  inter  tres  septimanas  fit  plenus,  deniq'(ue)  tonitru  (sic!j 
et  fulmen  maxime  iuuant  uelocem  plenitudinem. 

Admirandum  est,  non  solumodo  uni  usui  hunc  lacum  esse, 
sed  pluribus  in  uno  anno.  Scilicet 


'S)    2$ö    'S) 

I.  Dum  sub  aqua  iacet,  id  est  cum  sit  aqua  plenus,  in  eo  uola- 
tilia  diuersa  aquatilia,  uarij  coloris  et  generis  anseres  siluestres, 
et  anates  uulgo  nominatae  arjauke,  liske,  pasauze,  kreplize  zherne, 
pandirke,  pjuel  nee  non  aliorum  specierum  aues,  uti  ardeae,  cygni 
et  quamplurrima^  aliae  aues,  possunt  iaculari  et  acquiri,  uolant  in 
acre  hinc  inde  supra  lacum,  multi  accipitres,  nisi,  falcones,  aquilae 
et  ali?e  rapaces  et  prsedabundae  aues. 

II.  statim  post  euacuationem  huius  lacus,  extradunt  accolae 
scirpum  et  algam,  quod  est  optimum  substramen  pecuarium. 

III.  post  siccitatem  huius,  circa  uigesimam  diem  faenum  copiosum 
secatur  ab  accolis. 

IV.  post  sectionem  fseni  aratur  et  seminatur  milium,  quod  ali- 
quando  quidem  mature  ueniente  aqua  destruitur,  plerumq'(ue)  tarnen 
peruenit  usui. 

V.  staute  milio  in  agro  quamplurrimae  adsunt  coturnices,  quae 
niso  possunt  aucupari. 

VI.  post  scisum  et  introductum  milium  pascuntur  pecora. 

VII.  toto  tempore  uacuitatis  locus  iste  animalium  uenationi  par 
commodus  est,  possunt  uenari  et  iaculari  diuersa  animalia,  qua)  in 
magna  copia  ex  circumiacentibus  siluis  et  montibus  ueniunt  quam 
primum  exsiccatur  lacus,  multi  lepores  ulpes,  lupi,  cerui,  apri, 
multi   ursi,  nee  non  alia  animalia. 

VIII.  tempore  pleni  lacus  potest  piscari. 

(in  hyeme  tempore  congelati  lacus  potest  redis  et  curru  trahis 
et  uehi,  ita  fortiter  congelatur,  ut  supra  cum  accolse  ligna  ducant 
et  uehant  cum  curribus  et  trahis. 

(tempore  deffluxus  fit  piscatio  copiosissima,  uti  iam  supra  dixi. 

Et  hodic  quod  sat  mirabile  in  uno  anno  et  in  uno  eodemq'(ue) 
loco,  si  mature  exsiccatur  lacus,  et  si  tarde  aqua  repletur,  non  tamen 
ubiq'(ue)  crescit  faenum,  nee  ubiq'(ue)  seminatur  milium,  hoc  fit 
solumodo  in   locis   fertilioribus. 

In  lioc  lacu  solumodo  tria  genera  piscium  optimi  quidem  saporis 
inueniuntur  nimirum 

I.  mustella  fluuiatilis  siue  lacustris  unius,  duarum  etiam  trium 
librarum  ponderis. 

II.  tinca  3.  4.  5.  6  etiam  Septem  librarum  ponderis. 

III.  lucius  in  summa  copia  10.  20.  30  etiam  (juadraginta  librarum 
ponderis  (libra  nostra  est  16  unciarum)  in  uentriculis  luciorum  in- 
ueniuntur saepissime  integrae  anates. 


"&    2$7    '^ 

Cancri  uerö  nullibi  inueniuntur,  nisi  in  fouea  kamine  et  suejnska 
jamma  quidem  magni  sed  non  boni  saporis. 

Quando  non  singulis  annis  deffluit  tunc  incredibilis  ditissima 
fit  piscatio,  maxime  quando  per  tres  uel  quatuor  annos  non 
deffluxit. 

Causam  seu  potius  modum  tot  mirabilium  operationum  huius 
lacus  Cirknizensis  tredecim  punctis  secundum  speculationem  et 
opinionem  meam  explicatum  pono  una  cum  icone  No.  3  * 

Litt:  AA  est  lacus  noster  Cirknizensis,  litt:  CC  est  lacus  sub- 
terraneus  infra  lacum  cirknizensem,  litt:  B.B  est  lacus  subterraneus 
in  monte  jauornik  altior  lacu  Cirknizensi,  lit:  D  et  lit:  E  sunt  duo 
parui  lacus  subterranei  altiores  lacu  Cirknizensi  et  demissiores  lacu 
BB,  litt:  F  est  paruus  lacus  subterraneus  altior  lacu  ^.  ^,  reliquos 
siphones  et  canales  iam  statim  suo  loco  dicam  (notandum  est,  quod 
lacuum,  siphonum  et  canalium  in  icone  non  sit  uera  proportio 
magnitudinis  et  paruitatis). 

I.  Cur  solumodo  ex  duobus  antris  scilicet  ex  urajna  jamma 
lit:  P  et  ex  sekadulze  lit:  7"  tempore  fulminis  et  tonitru  magno 
impetu  aqua  exit,  nee  non  saepius  multae  anates  et  pisces,  similiter 
etiam  fit  tempore  continuae  siue  magnae  pluuiae.  rationem  do  dum 
fulminat,  tunc  sonus  profligatur  in  cauernam  lit:  G  et  transit  per 
canalem  /  ad  lacum  semiplenum  aqua  B,  qui  tali  sono  et  motu 
movetur  (notandum  est,  quöd  lacus  iste  habeat  paruam  scaturiginem 
aquae  Y,  ut  uero  continuo  semiplenus  permaneat  habet  canaliculum 
No.  9,  8,  per  quem  exit  aqua  ex  lacu  B  in  lacum  B.B)  sie  leuatur 
aqua  per  siphonem  lit:  d  in  uno  Horizonte  cum  aqua  stantem  ad 
minimum  motum  aquae,  iste  siphon  d  intrat  apud  lit:  /  in  alium 
siphonem  e,  cuius  curuatio  alte  supra  horizontem  aquae  in  lacu  B 
stat,  ex  quo  aqua  per  siphonem  d  fluens  eleuat  aquam  per  si- 
phonem e,  sie  intrat  apud  6  et  exit  apud  5.  in  lacum  E,  qui  cito 
repletur  aqua,  quae  per  magnos  canales  Q  et  B  cum  multis  anatibus 
et  paucis  piscibus  apud  P  et  J  (id  est  majna  jamma  et  sekadulze) 
magno  impetu  exit,  quia  altum  casum  in  monte  habet. 

Quod  tempore  magnae  et  continuae  pluuiae  etiam  aqua  cum 
impetu  exit  per  B  et  B  ratio  est  quia  aqua  congregatur  in  V  et 
fluit  per  canalem  /  in  lacum  B  ex  quo  eleuatur  aqua  per  siphonem  d, 
et  fit  ut  supra  dixi. 


Siehe  Abbildung:  Ehre  des  Herzogtums  Krain,  I.  (IV.),  S.  688. 


'S)    2$S    "& 

II.  cur  auditur  tempore  fulminis  et  tonitrui  quasi  sonus  tym- 
panistarum  in  foueis  malabobnarza  et  uelkabobnarza  apud  s.s,  et 
cur  ex  illis  nunquam,  nisi  tempore  magna^  pluuiae  aqua  exit. 

ratio  est  quod  sonus  fulminis  et  tonitrui  in  cauernam  G 
ueniens  se  extendat  et  transit  per  canalem  magnum  //  (qui  sine 
dubio  plures  canaliculos  et  cauernas  in  se  habet,  qui  causant  talem 
sonum)  et  exit  apud  5.5  id  est  auditur  talis  in  foueis  5.5. 

exeuntis  aquae  tempore  pluuiae  magnae  ratio  est,  quia  con- 
gregatur  aqua  in  V  et  fluit  per  canalem  H  et  exit  magno  impetu 
apud  5. 5. 

III.  cur  aqua  ex  quatuor  foraminibus  nempe  ex  fouea  koteu  n, 
et  ex  fouea  zeslenza  m,  quae  siccae  sunt,  et  ex  scaturigine  uelkjo- 
berch  16  et  ex  scaturigine  tresenz  K  (ex  quibus  bis  duobus  uultionis 
semper  aqua  fluit)  tempore  modicae  pluuiae  aqua  cum  impetu  exit 
et  quare  ex  scaturigine  sola  uelkjoberch  No.  16  pisces  et  anates 
cum  aqua  ueniunt. 

ratio  est  quia  aqua  congregatur  in  T.T  Qt  currit  in  lacum  ^.^ 
parum  crescente  lacu  B.B  siphon  No.  11  (cuius  curuatio  est  in 
uno  Horizonte  cum  aqua)  eleuat  aquam  apud  10,  quae  exit  apud  K 
tresenz.  ex  siphone  11  intrat  aqua  in  siphonem  /  et  exit  aqua 
apud  m  zeslenza  et  apud  //  koteu. 

quöd  uerö  scaturigo  tresenz  semper  parum  aquac  det  ratio  est 
quia  per  canaliculum  h  in  siphonem  11  fluit  et  apud  tresenz  K 
exit  uel  etiam  potest  infra  melius  aliquam  aliam  scaturiginem 
fontis  habere,  quod  non  exeat  apud  m  et  n,  est  ratio,  cum  siphon  / 
curuatus  sit,  et  cum  parum  aquae  per  canaliculum  h  intret,  non 
potest  in  siphonem  /  fluere. 

quöd  tempore  modicae  pluuiae  magno  impetu  exeat  aqua  apud 
uelkjoberch  16  ratio  est  similis  priori,  quia  curuatio  siphonis  13 
est  in  uno  horizonte  cum  siphone  11  sie  apud  17  eleuat  siphon 
aquam,  quae  exit  apud  18  in  lacum  D,  tunc  intrat  acjua  unacum 
piscibus  et  anatibus  apud  15  et  transit  per  canalem  magnum  iV, 
quae  apud  scaturiginem  uelkjoberch  16  exit  in  lacum  Cirknizensem. 

Quöd  uero  in  uelkjoberch  semper  acjua  fluat  ratio  est,  quia 
per  canales  C  et  W  ex  lacu  B  in  lacum  D  continuo  fluat,  et 
iacus  J)  non  habet  alium  exitum  praeter  canalem  N  sie  fluit  con- 
tinuo jjcr  istum  et  quia  ex  altera  parte  montis  unus  riuulus  laser- 
bach  nominatus  intrat  in  montem,  et  hie  exit  quöd  uero  multi 
pisces  et  anates  ex  uelkj  oberch  tempore  modicae   pluuiae  ueniunt 


'S)    260    '^ 

ratio  est,  cum  siphon  13  aquam  eleuat,  quae  cum  impetu  ex  lacu 
D  exit  et  secum  abripit  pisces  et  anates  ex  lacu  D  per  magnum 
canalem  N. 

Quod  uero  spelunca  urajna  jamma  P  et  sekadulze  J  non  con- 
tinuo  aquam  dent,  ratio  est  quia  lacus  E  habet  alium  canalem  M 
per  quem  continua  aqua  exit. 

IV.  cur  non  ex  omnibus  foueis  siue  foraminibus  (quando  aqua 
magno  impetu  exit)  pisces  cum  aqua  ueniunt,  siculi  ueniunt  ex 
fouea  rescheto,  uodonos  et  ex  aliis  uti  4.  4.  4,  ex  multis  uero  uti 
0.0.0.0  sola  aqua  sine  piscibus  uenit. 

ratio  est  quando  magnus  siphon   K  eleuat  aquam  ex  lacu  B .  B 

et  implet   lacum    C .  C  et   cum   altum  habet  casum  tunc  exprimitur  ^ 

aqua  ex  lacu  C,   quae    transit   per   canales  magnos    0.0.0  et  exit  ^ 

una  cum   piscibus  cum  impetu  apud  4.  4.  4,  istis  magnis  canalibus  '^^ 
adhaerent  alij   parui   canaliculi    uti    o.o.o.o.o,    per    quos    sola   aqua 

sine  piscibus  exit,  similiter  fit  etiam  cum  canale  p  et  cum  pluribus  ;^ 

alijs.    Pisces    uero    ueniunt    in    hunc    lacum    C.C  ex  lacu  A.A  per  E 

eosdem  canales  siue  foueas,  uti  per  rescheto  uodonos  et  per  alios.  ^ 

V.  cur  inter  25  dies  lacus  A.A  euacuatur  et  e  contra  aliquando  "^ 
inter  18  horas  repletur  aqua.  5 

ratio  est    cum  diu   non    pluat    id    est    tempore    siccitatis    omnis  |; 

aqua  congregata  apud   T.T  deffluit  et  quamplurrimae   aliae    scaturi-  !* 

gines  uti  t.t  cessant  fluere,  sie  lacus  B.B  (cum  nulla  aqua  in 
eum  influat)  per  magnum  siphonem  K  continuo  fluentem  breui 
euacuabitur,  dum  diminuitur  aqua  usq'(ue)  ad  Xtunc  cessat  siphon  K 
fluere,  cessante  hoc  siphone  lacus  inferior  C.C  incipit  (qui  prius 
plenus  aqua  erat)  deffluere  per  canalem  Z  qui  canalis  Z  est 
capatior  omnium  supradictorum  octo  fluuiorum  in  lacum  ^.^  sine 
interuallo  fluentium,  dum  lacus  iste  C.C  incipit  deffluere,  tunc 
statim  incipit  lacus  A.A  diminui  et  paulatim  euacuari  seu  deffluere 
per  omnes  paruas  et  magnas  foueas  seu  canales  uti  o.o .o .o .o .o 
4.4.4  quae  foueae  altius  iacent  prius  euacuantur,  demissiores  uero 
tardius,  uti  iam  supra  dixi  quomodo  consequenter  euacuantur. 

Obseruaui  quod  canalis  6^  (qui  est  malakarlouza  et  uelkakarlouza 
1,  1)  et  canalis  Z  sxxnnX  concurrant  (et  iste  ^  est  canalis  ille  ocultus 
exitus  lacus  Cirknizensis,  quem  superius  ocultum  exitum  lacus 
Cirknizensis  nominaui)  usq^(ue)  ad  alteram  partem  montis  sanctum 
Cantianum  se  extendit,  est  quidem  prope  vS  Cantianum  unicus 
canalis  seu  spelunca  saxea,  per  quam  tarn  ex  lacu  A.A  quam  ex 

V.  Radics,  Ualvasor.  19 


'S)    200    'S) 

lacu  C .C  aqua  fluit,  quae  aqua  jesero  nominatur,  cum  lacus  A.A 
Sit  in  summa  plenitudine  aquae,  ut  talis  fluat  in  foueam  mala  kar- 
louza  et  in  uelkakarlouza  1.  1.  tunc  ex  altera  parte  montis  fluuius 
jesero  prope  vS  Cantianum  exundat,  et  magno  impetu  exit,  si  lacus 
parum  diminuitur  et  in  sua  ordinaria  distantia  et  altitudine  sit,  tunc 
solumodo  in  cauernam  mala  karlouza  (quia  cauerna  uelka  karlouza 
parum  altius  quam  mala  karlouza  in  monte  sita  est)  fluit  aqua  tali 
tempore  etiam  jesero  multo  minor  et  minori  impetu  exit,  cum  uerö 
lacus  A.A  sit  in  deffluxione  seu  decrescentia  quöd  nee  in  cauer- 
nam mala  karlouza  nee  in  uelka  karlouza  aqua  fluat,  tunc  temporis 
fit  fluuius  jesero  etiam  minor,  et  cum  lacus  A.A  iam  totus  deffluxit, 
nihilominus  adhuc  per  duas  dies  fluuius  jesero  fluit  uti  antea, 
elapsis  his  duabus  diebus  fluuius  jesero  paruus  fit.  ratio  est  cum 
jesero  adhuc  per  duas  dies  post  euacuationem  lacus  A.A  fortiter 
fluat,  qui  fluit  fortiter  donec  lacus  (7.  ^'deffluat  et  euacuatur  usq'(ue) 
ad  canalem  Z,  postea  uerö  fluuius  jesero  non  est  maior,  quam  illi 
octo  supradicti  fluuioli  et  scaturigines  continuo  in  lacum  A.A  fluentes, 
qui  in  lacu  statim  absorbentur  et  per  paruos  canales  o.o.o.o.o.o 
fluuit  in  inferiorem  lacum  C.C  et  exeunt  per  exitum  ocultum  Z. 
probatio  est  ista  clara  (quod  hi  duo  canales  S  et  Z  simul  con- 
currant)  quam  ego  aliquoties  summa  diligentia  obseruaui. 

Quomodo  uero  lacus  cirknizensis  A.A  aliquando  intra  18  horas 
aqua  repletur.  hoc  fit  tempore  magnae  pluuiae,  fulminis  et  tonitru, 
quando  cauernae  7]T  plenae  aqua  et  aliae  aquosae  quamplurrimae 
scaturigines  /./  propter  magnam  pluuiam  multum  aquae  dant  lacui 
B.B  donec  aqua  uenit  in  altum  ad  summam  curuitatem  siphonis 
magni  K,  tunc  eleuat  siphon  iste  aquam  ex  lacu  B.B  quae  intrat 
in  siphonem  apud  X  et  exit  apud  V  in  lacum  c.c,  cum  lacus  C.C 
fit  plenus  aqua,  tunc  exit  aqua  summo  impetu  per  omnes  paruos 
et  magnos  canales,  foueas,  foramina,  canaliculos  in  lacu  A.A  sitos, 
similiter  tempore  pluuiae  multum  dant  aquae  mala  bobnarza  et 
uelka  bobnarza,  et  omnes  aliae  foueae  et  cauernae  et  cum  fulminat 
et  tonitruat  dat  urajna  jama  P  et  sekadulze  7  maximam  copiam 
aquae,  reliquae  scaturigines  et  fluuij  in  lacum  continuo  currentes, 
tempore  magnae  et  continuae  pluuiae  magnifiunt,  et  sie  etiam  sua 
lacui    tribuunt. 

notandum  est,  quod  siphones  17,  10  et  12  non  profunde  stant 
in  lacu  B.B  fsi  profunde  starent  tunc  continuo  fluerent)  canalis 
uero    magnus    K  sat   profunde   cum    suo    orificio   X,    quando    iste 


<2)    291    'S) 

canalis  cessat  aquam  attrahere  tunc  incipit  lacus  noster  cirknizensis  A.A 
diffluere  et  euacuari,  iste  canalis  seu  syphon  magnus  K  est  causa 
deffluxionis  et  effluxionis  ac^uae  siue  nostri  lacus  cirknizensis  A.A. 

VI.  Quomodo  fit,  quod  per  easdem  foueas  aqua  exeat  cum 
impetu,  per  quas  intrauit,  rationem  dixi   in  praecendenti  puncto  V. 

VII.  Quomodo  fit,  cum  lacus  cirknizensis  A.A  ubiq'(ue)  sit 
montibus  cinctus,  quöd  non  circumiacentes  pagos  inundet.  rationem 
dixi  in  supradicto.  puncto  V,  quöd  nimirum  lacus  A.A  habebat 
suum  exitum  per  duas  cauernas  oculares  scilicet  mala  karlouza  et 
uelka  karlouza  1.  1.  et  per  unum  ocultum  canalem  Z,  fit  tamen 
aliquando  etiamsi  rarö,  quod  erescat  aqua  in  lacu  A.A  ultra 
cauernam  uelka  karlouza  ad  summum  sex  aut  Septem  cubitorum, 
sed  cessante  pluuia  cito  deffluit  per  cauernam  uelka  karlouza,  quae 
alias  capax  est  accipiendi  aquam  pro  necessitate,  quod  non  omnis 
aqua  possit  per  1.  1.  deffluere,  hoc  fit  solumodö  tempore  extra- 
ordinariae  tuermae  (turmae?)  et  continuae  pluuiae. 

VIII.  quare  illi  octo  fluuioli  et  scaturigines  sine  intermissione 
in  lacum  A.A  fluentes  tempore  siccitatis  lacus  non  faciunt  lacum, 
uel  qua  euanescit  aqua  illa,  hoc  iam  superius  puncto  V  dixi,  quod 
sciHcet  absorbeantur  illi  riuuU  et  fluit  illa  aqua  per  paruos  hinc 
inde  in  lacu  sitos  caniculos  o.o.o.o.o  uel  aqua  postea  ex  inferiori 
lacu   C.C  apud   19  in  ocultum  canalem  seu  exitum  Z  fluit. 

IX.  cur  duae  fouae  soles  scilicet  narte  et  pjauze  2.  2.  semper 
paludosae  permanent  et  non  exsiccantur  cum  alijs  foueis.  ratio  est, 
cum  habent  hae  duae  foueae  unum  canalem  M  ex  lacu  E  in  quem 
canalem   fluit   aqua   apud   3    et  exit  in  fouea  pjauze  et  narte  2.  2. 

X.  quare  in  uelk  oberch  16  (quando  aqua  cum  impetu  tempore 
modicae  pluuiae  uenit)  aqua  citius  cessat  cum  impetu  fluere,  quam 
in  koteu  et  reshenza.  ratio  est  quia  orificium  17  siphonis  13  non 
ita  profunde  stat,  quam  orificium   10  siphonis   11. 

XL  quare  tempore  sereno  (cum  lacus  A.A  sit  siccus,  et  nulla 
pluuia  sit)  etiam  aliquando  scaturigo  uelkj  oberch  16.  tresenz  K 
zeslenza  m  et  koteu  n  aquam  cum  impetu  dant.  ratio  est,  quia 
paulatim  congregatur  aqua  in  lacum  B.B^ev  scaturigines  et  canales 
T.T.t.t  et  cum  ascenderit  lacus  usq'(ue)  ad  siphonum  curuationes  13 
et  11  in  urajna  jama  et  sekadulze  taliter  fieri  non  potest,  cum  sit 
siphonis  curuatio  e  nimis  alta. 

XII.  unde  fit,  quöd  lacus  iste,  Cirknizensis  A.A  omni  anno  semel 
etiam   bis   uel   ter    deffluat    et  exsiccetur,   aliquand   uerö   inter   tres 

IQ' 


'S    202    '& 

uel  quatuor  annos  solumodo  semel  euacuatur,  nunquäm  tarnen  per 
integrum  annum  uacuus  siue  siccus  permanet. 

ratio  potest  ex  supradictis  uideri,  quöd  siccitatis  tempore  cum 
canalis  magnus  siue  siphon  ATcessat  aquam  attrahere,  cum  scaturi- 
gines  et  cauernae  T.T.t.t  nullam  tribuant  aquam  lacui  B.B,  tunc 
euacuatur  lacus  A.A  et  hoc  fit  aliquando  in  anno  saepius  et 
quoq'(ue)  in  hyeme,  si  nee  pluuia  nee  niues  cadunt. 

quöd  uerö  per  integrum  annum  nunquam  siccus  pet-maneat. 
ratio  est,  quia  nunquäm  contigit,  ut  per  integrum  annum  nee  pluuia 
nee  niues  caderent,  ut  non  possit  impleri  lacus  B.B. 

XIII.  unde  fit  (quando  magno  impetu  aqua  uenit  ex  uelkj 
oberch  16,  urajna  jamma  P  et  ex  sekadulze  *J)  quod  ex  uelkj  oberch 
magna  copia  piscium,  minor  uero  anatum:  per  contrarium  uero  ex 
urajna  jamma  et  sekadulze  magna  copia  anatum,  minor  uero  piscium 
cum  aqua  eicitur.  ratio  est  quia  per  canalem  c  (qui  quasi  in  fundo 
lacus  B.  B  Situs  est)  muulti  pisces  ueniunt.  per  canalem  siue  foramen 
IV  uerö  (quod  foramen  minus  siue  angustius  est  quam  X)  raro 
ueniunt  anates,  sie  maior  copia  piscium  quam  anatum  in  lacum  D 
uenit,  contrarium  uerö  fit  in  lacu  E,  quia  per  foramen  siue  canalem  X 
(cum  sit  magnus)  magna  copia  anatum  transit  per  illum,  et  minor 
piscium,  quia  hoc  foramen  uel  canalis  non  est  in  fundo  sed 
plerumq'(ue)  sequalis  aquae  in  lacu  B.B  hae  anates  ex  monte  uenien- 
tes,*  quarum  hie  saepius  mentio  fit,  generantur  in  monte  in  lacu 
subterraneo  B.B  quando  aqua  ea  eijcit,  tunc  sunt  caecae  nihil  uident, 
et  sunt  implumes  quasi  nudae,  non  habent  plumas  (inter  14  dies 
uero  acquirunt  plumas  et  uisum  adhuc  cicitus  et  saepius  postea 
turbatim  abuolant,  sunt  nigri  coloris  in  fronte  sunt  albae,  corporis 
non  magni,  de  reliquo  sunt  formatae,  uti  aliae  ordinariae  siluestres 
anates)  ideo  a  terricolis  facillime  baculis  mactantur  (quia  nee  uident 
nee  possunt  uolare.  natant  uero  optime)  sunt  optimi  saporis  sed 
nimis  pingues,  habent  fere  tantum  pinguedinis  quantüm  carnis. 
Ego  quamprimüm  ex  sekadulze  eiectae  fuerant  baculo  mactaui, 
Corpora  eorum  aperui,  in  quibus  multum  arenae  inueni,  in  aliquibus 
paruos  pisces,  sumä  admiratione  uerö  inueni  in  aliquibus  quidem 
paucis  uiridaria,  id  est  gramen  siue  herbas,  cum  in  nullo  lacu  sub- 
terraneo in  Carniolia  sito,  nee  in  subterraneis  speluncis  quidquam 


*  Deschmann :  Valvasors  angebliche  ,, blinde  Enten".  Mitteilungen  des  Museal- 
vereins für  Krain,  1889,  p.  272. 


'S    203    'S 

uiriditatis  iuueni  (tentaui  etiam  pisces  eiectos  acquirere,  et  tales 
aperire,  ut  uidissem  nutrimentum  eorum,  sed  non  potui  illos  tempore 
eijcionis  acquirere  et  si  multum  adhibui  diligentiae,  incassum  tarnen 
laporaui)  mirabilis  constitutio  huius  lacus  subterranei  esse  debet, 
in  quo  gramen   et  herba  crescit,  pisces  et  anates  generantur. 

aliqui  accolse  ab  his  anatibus  pinguedinem  separant,  quam  pro 
quotidiano  usu  habent.  uti  anno  1683.  colonum  nomine  hanshe 
uerbane  (id  est  ioannes  uerbane),  qui  tres  magnas  ollas  pinguedinis 
anatum  supradictö  anno  congregauit.  aliqui  uerö  illa  sale  condunt, 
et  per  annum  eas  comedunt,  sed  sale  conditae  non  sunt  boni 
saporis  ob  nimiam  pinguedinem. 

Saepissime,  fere  omni  anno  ex  uno  in  monte  sito  foramine 
storseg  nominato,  semi  miliaris  germanici  distante  ä  lacu  cirknizensi 
prope  ciuitatem  laas  nominatam  tempore  magnae  inundationis  et 
pluuiae  in  maxima  copia  magno  impetu  tales  anates  unacum  aqua 
admirabili  modo  eijiciuntur  est  hoc  foramen  prope  ciuitatem  laas. 
credo  quid  hoc  foramen  storseg  sit  canalis  lit:  L  ex  lacu  subter- 
raneo  B.B  et  cum  lacus  iste  B.B  k  nimia  pluuia  repleatur  tunc 
anates  intrant,  uel  potius  ab  aqua  impressae  siue  pulsae  apud  23 
in  canalem  L  et  apud  storseg  eijiciuntur.  notandum  est,  quöd  in 
hac  icone  No.  3  foramen  storseg  non  sit  signatum,  id  est  ubi  in 
storseg  exeunt  anates. 

Anno  1677  multa  millia  anatum  per  hoc  foramen  eiecta  erant, 
quas  accolae  bacculis  mactant,  uidi  supradictö  anno  apud  unum 
molitorem,  ibi  prope  habentem  molendinum,  habere  duo  dolia  siue 
labra  plena  anatum  sale  conditarum. 

Anno  1679  (uti  mihi  ä  fidedignis  dictum  est)  multae  centenae 
anates  ex  hoc  foramine  storseg  eiectae  sunt,  similiter  anno  1683, 
et  sie  fere  omni  anno  fit,  magnum  beneficium  est  accolis  et  pro 
nuUa  raritate  habetur. 

Siuerö  quis  mihi  obijceret  se  non  posse  credere,  tot  lacus,  si- 
phones  et  canales  subterraneos  esse,  fateor  esse  non  difficile  cre- 
ditu  (si  quis  uerö  bene  praecogitat  omnes  supradictas  operationes, 
quae  omnes  uerissime  fiunt,  quae  egomet  expertus  sum,  necesse 
est,  ut  supradictö  modo  fiat)  ideo  nunquam  hanc  meam  specula- 
tionem  et  opinionem  luci  dedissem,  nisi  pro  defensione  huius  mei 
studij  habuissem  in  succursum  grottam  subterraneam  podpetschjo 
dictam,  quam  iconismus  No.  4  repraesentat  (est  in  Carniolia  haec 
grotta  Sita  in  parochia  guetenfeld,  distat  ä  metropoli  Ciuitate  Labaco 


-2)    294    -2) 

quatuor  milliaribus  germanicis)  lit:  a  est  foramen  siue  introitus  in 
petrosum  montem  lit:  /;  est  grotta  seu  spelunca  sub  terra  in  monte 
magna,  in  qua  plures  quam  centum  equites  stare  possent  lit:  i 
et  K:  est  canabis  sat  amplus  eundi  per  illum  usq'(ue)  ad  unum 
paruum  lacum  lit:  o  ex  quo  lacu  uicini  accolae  sumunt  quotidie 
aquam  pro  quotidiano  usu  (quia  propius  nullam  aquam  habent, 
ideo  natura  illis  hanc  tribuit)  accensis  facibus  euntes,  in  lacum 
istum  lit:  o  fluit  magno  impetu  aqua  per  unum  canalem  /  ex  lacu  o 
uerö  fluit  in  unam  profundam  cauernam  tam  rapaci  impetu,  ut 
exploratio  seu  explosio  Sclopi  (!)  hie  non  audiretur  ob  nimium 
murmur  impetus  aquae.  est  et  alius  canalis  obliquus  in  altum  id 
est  sursum  tendens  lit:  ;//  per  quem  uenitur  ad  magnum  lacum  ;/, 
cuius  longitudo  et  latitudo  hucusq'(ue)  ä  nemine  recognita,  multis 
accensis  quidem  facibus  hinc  inde  aspexi,  sed  nil  praeter  aquam 
uidere  potui  et  ä  me  proiectos  hinc  inde  lapides  semper  audiui 
in  aquam  cadere,  profunditatem  huius  lacus  decem  cubitorum 
prope  ripam  inueni,  absq'(ue)  dubio  in  medio  profundior  erit 
dixerunt  mihi  accolae,  quod  canalis  /  aut  semper  aequaliter  dat 
aquam,  aut  est  plane  siccus,  dixerunt  quod  in  uno  momento  ali- 
quando  cessat  dare  aquam,  et  permanet  per  aliquot  septimanas 
siccus,  postea  iterum  quasi  in  uno  momento  incipit  summo  impetu 
fluere  non  sine  tremore  perterrefacti  pro  aqua  venientes  aliquando 
percipiunt.  quo  audito,  cito  mihi  imaginabor,  quod  talis  operatio 
per  aliquem  siphonem  fiat,  ideo  tantum  laboraui,  donec  penes  mag- 
num lacum,  id  est  in  ripa  magni  lacus  ad  canalem  lit:  t  perueni, 
et  inueni,  quod  mihi  imaginabor,  sciHcet  verum  siphonem  circiter 
unius  pedis  geometrici  habentem  largum  foramen  siue  orificium, 
qui  Siphon  attrahit  aquam. 

ex  spelunca  b  est  alius  canalis  c,  qui  diuiditur  in  tres  alios 
canales  uti  lit:  d.e.f. 

Canalis  /  tendit  deorsum  oblique  in  profundum,  et  uenitur  ad 
aquam  curentem  g,  penes  quem  patet  uia  usq'(ue)  //,  ibi  uidetur 
per  unum  foramen  paruum  aliquis  paruus  lacus,  apud  /  sunt  ueri 
siphones  magni  et  parui  quasi  perpendiculariter  in  altum  tendentes, 
funiculo  ligatum  lapidem  sursum  tamdiu  proieci,  donec  per  aliam 
partem  siphonis  relapsus  est,  sunt  tales  quamplurrimi  siphones  et 
canales  magni  et  parui.  omnia  ista  sunt  ex  petra  durissima  quasi 
prolita,  ac  si  illa  manu  humana  fuissent  facta,  omnia  ista  possunt 
uideri,  et  ubiq'(ue)  iri  facibus  accensis,  sunt  adhuc  multi  alij  canales 
in  quibus  necdum  fui. 


^    295    'S 

procul  dubio  signis  paruam  nauiculam  portaret  ad  lacum  lit:  n 
et  nauigaret  per  lacum,  fortossis  curiosa  inueniret:  credo  istum 
lacum  extensum  uno  milliari  germanico,  quia  ab  ista  grotta  pod- 
petschjo  dicto  distat  uno  milliari  germanico  pagus  Kumpale  dictus, 
cuius  incoloe  non  aliam  aquam  habent,  quam  in  monte  petroso, 
pro  qua  eunt  facibus  accensis  per  unum  sat  amplum  canalem  ad 
magnum  lacum  subterraneum  mensuraui  instrumentis  bonis  geo- 
metricis  et  fodinarijs  hos  duos  lacus  subterraneos  nimirum  pod- 
petschjo  et  Kumpale,  et  inueni  tales  esse  in  uno  horizonte,  hoc 
reiteraui  bis,  nempe  dum  podpetschjo  canalis  /  fluebat,  item  quando 
non  fluebat.  quando  incepit  fluere,  tunc  inueni,  quod  lacus  lit.  7i 
duorum  cubitorum  fuit  altior,  quam  prius  erat,  quando  cessauit 
fluere  (ex  industria  enim  reiterato  huc  ueni)  in  eodem  horizonte 
inueni  etiam  alium  lacum  apud  Kumpale,  ergo  certum  est,  quod 
Sit  solumodo  unicus  lacus  subterraneus. 

Tantum  tentaui  ego  et  monstro  alijs  uiam  ä  me  satis  tritam  ad 
maiorem  experentiam,  plura  quidem  tentarem,  si  iunior  essem, 
curiositas  quidem  adhuc  in  me  uiret,  uires  uerö  inopinate  transeunt. 
his  me  comendo  in  gratiam  Inclytae  Societatis  Regiae  et  permaneo 

datum   in    arce  Wagensperg  in  Carniolia  7./17.  nouembris  1687 

obligatissimus 

Joannes  Weichardus  Valuasor  Baro  m/p. 
tanquam  indignus  Regiae  Societatis  Socius. 

Brief:  27  Seiten  lang;  Schrift:  groß,  leicht  leserlich;  Papier:  fest, 
Bütten,   gut  erhalten,    20^2   cm  hoch,    15^/2  cm  breit,    Goldschnitt. 


datum  Wagenspergi  in  Carniolia  7./17.  nouembris  1687. 

Perillustris  ac  Nobilis  Domine  Dne  cui  seruitia  mea  semper  parata 

(Read.  Dec.  14  1687) 
Certiorem  facio  D'nationem  Vestram  me  iterum  postea  bis 
scripsisse  Venetias  D'no  J.  Hobton,  quem  petii  ut  mihi  scribeat  per 
quem  uassellum  siue  nauem  misit  D'nationi  Vestrae  fasciculum 
meum  ante  annum  ipsi  missum,  sed  nullum  responsum  ab  ipso 
percaepi,  libenter  scirem  an  peruenerit  nee  non  fasciculus  ille.  iam 


-2)    296    'S 

uero  transmitto  descriptionem  lacus  Cirknizensis  (in  qua  nil  praeter 
ueritatem  scriptum,  quae  ego  omnia  solus  expertus  sum,  quae  ego 
oculis  non  uidi  et  ä  fide  dignis  habeo,  ubiq(ue)  scripsi  quöd  ä  fide 
dignis  percaeperim,  uidebit  D'natio  Vestra  an  non  ante  annu(m)  ueri- 
tatem scripserim,  cu(m)  dixerim  quod  sit  magnum  naturae  miraculum, 
si  quid  intelligere  non  poterint,  rogo  mihi  scribere  tunc  me  melius 
explicabo).  Inclyti  Societati  Regiae  et  praecor  humillime  ueniam, 
cum  non  prius  miserim,  habui  quidem  iam  ä  longo  tempore  paratum 
sed  non  bene  descriptum,  multa  habui  ad  agendu(m)  cu(m)  mihi 
duo  filii  praeterita  quadragesima  moriebantur,  et  in  aprili  mea 
consors,  nunc  uero  celebraui  secundas  nuptias  cum  Domicella  anna 
maximilla  zezhekerin  Baronissa.  nuper  etiam  in  croatia  fui,  primo 
his  diebus  domum  ueni.  etiam  habui  ad  agendum  cum  opere  meo 
scilicet  cum  descriptione  historico-topographica  descriptio  Ducatus 
Carnioliae,  erit  opus  quasi  Chronicon  Carnioliae,  ubi  quamplurrima 
curiosa  erunt,  erit  opus  magnum  erunt  ultra  400.  fiUerae  et  ultra 
500.  iconismi,  erit  liber  sat  curiosus,  nunc  sunt  ultra  200  fillerae 
impraissae,  quam  primu(m)  impraessus  erit,  tunc  mittam  D'nationi 
Vestrae.  Summa  gratia  mihi  fieret,  si  possem  hanc  gratiam  a 
Societate  Regia,  uel  saltem  ab  aliquo  uno  uel  altero  uel  ä  pluribus 
Socijs  Societatis  Regiae  unum  Carmen  encomiasticum  pro  supra- 
dicto  meo  libro  habere,  ut  illud  ad  initium  libri  imprimeretur,  quia 
in  his  partibus  similia  multum  aestimantur  ideo  mihi  magni  honoris 
esset,  liber  uero  continet  in  se  sequentia  deriuatio  nominis  Carniolia, 
primi  inquilini,  duces  Carnioliae,  gubernatores  Carnioliae,  omnia 
officia  in  Carniolia,  mores;  uarij  uestes;  linguae,  consuetudines  in- 
colarum,  Episcopi,  Sancti,  religio,  regimen,  bella,  uegetabiliä,  animalia, 
mineralia,  montes,  fluuij,  temperamentum,  curiosa  et  rara  et  mirabilia, 
scriptores,  insignia  nobilium  nostra  turcica  confiniä  in  croatia  et 
sclauonia  et  dalmatia,  deniqu(e)  omnia  quae  ad  Carnioliam  spectant. 
Sic  rogo  humillime  Dn'atio  Vestra  me  recomendat  ut  potero  hac 
gratia    gaudere,    scilicet    tali    carmine    suprapetito.    Sic    permaneo 

Dn'ationis  Vestrae  ,  ,        .     . 

obligatissimus 

semper  paratus  ad  seruitia 
datum  Wagenspergi   in  Carniolia  7./17.  nouembris   1687. 
Rogo  pro  gratia  ut  breui  mihi  scriberet  Dn'atio  Vestra 

Joannes  Weichardus  Valuasor  Baro  m/p. 


Papier:  ein  halber  Bogen  starkes  Büttenpapier  mit  Goldschnitt, 
Farbe  gelblichweiß,  in  Quart  gefaltet,  20^2  cm  hoch,  lÖ^/g  cm  breit, 
davon  die  erste  und  zweite  Seite  beschrieben.  Auf  der  vierten  Seite 
oben  ist  die  Bemerkung:  „Journall  Book  R.  S.  Nr.  8,  p.  171." 


Labaci  in  Carniolia  5./15.  nouembris   1688. 

Perillustris    ac    Praenobilis  Dn'e  Dn'e    cui  seruitia  mea  ante  omnia 

semper  parata 

Certiorem  facio  Dn'ationem  Vestram  me  praeterito  anno  1687. 
7./17.  nouembris  scripsisse  et  lacum  Cirknizensem  cu(m)  omnibus 
circumstantijs  descriptum  per  postam  misisse,  sed  nullum  responsu(m) 
acquisiui,  scripsi  iterum  hoc  anno  1688.  9./19.  marcij,  summe  miror 
me  esse  ita  infortunum,  quöd  ad  binas  litteras  et  per  tam  longum 
tempus  responsum  mihi  non  peruenerit,  modo  recte  uenisset  de- 
scriptio  supradicti  lacus,  contentus  essem.  rogo  itaq'  humiliter 
Dn'atio  Vestra  dignetur  me  uno  responso,  an  talem  descriptionem 
recte  percaepit,  si  non  (quod  quidem  non  spero)  tunc  statim  aliam 
descriptionem  iterum  mittam,  quidem  non  dubito  eam  non  per- 
uenisse,  cum  alias  omnes  aliae  litterae  semper  recte  peruenerint, 
fortassis  est  nunc  alius  Dominus  Secretarius  Societatis  Regalis 
Londinensis  ad  scientiam  naturalem  promovendam  institutae,  quam 
antea  fuit  Dominus  Thomas  Gale  cui  ego  semper  scripsi.  ideo  rogo 
solumodo  pro  hac  gratia,  ut  mihi  scriberet  an  supradicta  Inclyta 
Societas  percaepit  talem  descriptionem  ä  me  missam,  et  si  me 
dignabitur  responso  tunc  mihi  sie  sunt  dirigendae  Htterae 

Monsieur 

Monsieur  Jean  Weichard  Valuasor  Baron 

Capitaine 

par  Viennae  en  Anstriche  ä  Labach 

tunc  mihi  litterae  recte  peruenient.  nil  aliud  quam  permaneo 

Dominationis  Vestrae 

ad  seruitia 
semper  obligatissimus 

Labaci  in  Carniolia  5./15.  nouembris   1688. 

Joannes  Weichardus  Valuasor  Über  Baro  m/p. 


'S)    20$    'S 

Auf  der  Rückseite  des  stark  lädierten  zweiten  Blattes,  zugleich 
Kuvert,  steht  die  Adresse: 

Monsieur 

eur  N:  N:  Secretaire 

....  Societe  Royale  en 

ä  Greshum  Collega 

Presentement 
striche  ä  Londres  en  Angleterre 

Ober  der  Adresse  rotes  Wachssiegel  Valvasors,  gut  erhalten, 
11/2  cm  hoch,  1  cm  breit;  neben  dem  Siegel,  links,  der  Post- 
stempel, rechts  die  Kanzleibemerkung:  „A  Letter  from  Monsieur 
Valuasor  concerning  Description  of  the  Lac  of  Zircknits,  Journall 
Book  R.  S.  Nr.  8,  p.  171,  173  &c."  Papier:  gutes,  festes  Büttenpapier 
mit  Goldschnitt,  Farbe  gelblichweiß,  20^3  cm  hoch,   151/2  cm  breit. 


Erfindung  des  Feingusses,  Beridit  an  die  Royal 

Society  1687. 

Pars  Epistolae  ad  Thomam  Gale,  S.  T.  D.  Secret.  Reg.  Soc.  e 
Carniolia  perscriptae  a  Dn.  Joh.  Weichardo  Valvasor,  Lib.  Barone: 
qua  continetur  Methodus  Statuas  ex  Metallo  fundendi:  una  cum 
ejusdem  invento,  pro  istiusmodi  Statuis  extraordinaria  tenuitate 
conflandis,   ultra  quam  hactenus  cognitum  aut  in  praxi  visum  fuit. 

Translata  ex  Transact.  Philos.  Angl.  M.  Januar  1687,  Nr.  186, 
pag.  259.  Vobis  meam  hie  methodum  Statuas  ex  metallo  fundendi 
communico,  satisfacturus  jussui  Regiae  Societatis:  ea  vero  se  modo 
sequenti  habet.  Ante  omnia  ex  meliori  luto,  quodque  ignem  patitur, 
neque  aut  inter  siccandum  aut  percoquendum  rimas  agere  com- 
pertum  est,  efformo  talem  figuram  aut  statuam  qualem  conflare 
fert  animus.  Haec  postquam  bene  siccata  est,  sparsim  per  totam 
figurae  superficiem  parva  excavo  foramina,  non  ita  magnae  pro- 
funditatis  (sed,  tam  hujus,  quam  amplitudinis  intuitu,  congrua  pro- 
portioni  magnitudinis  statuae),  quibus  aptata  immitto  exigua  frustula 
metalli,  paux'illo  ejusdem  luti  firmiter  ea  foraminulis  insigens. 
Usus  horum  metalli  frustalorum,  quae  in  (Fig.  3)  indigitantur  per 
a,  a,  a,  a,  a,  is  est,  ut  prohibeant  Nucleum  et  formulam  a  mutuo 
contactu:  ne  scilicet  collabantur  erga  b  invicem,  dum  cera  effluit; 
utque  adeo  utrumque  eorum  in  eodem  fixo  positu  constanter 
remaneat.  Hoc  facto,  convenienti  quodam  instrumento  abrado  tan- 
tum  de  superficie  luti,  quantum  crassitiei  statuae  futurae  tribuere 
decrevi:  atque  tum  nucleum  hunc  furno  immissum  percoquo,  donec 
penitus  candefiat  (per  nucleum  vero  ubivis  intelligo  statuam  ita 
primum  ex  luto  effictam).  Cum  refrixit,  eum  undiquaque  perfrico 
isto  genere  Terrae  aut  pigmenti,  quo  Germani  nostri  figuli  utuntur 
ad  colorandas  juncturas  fideliarum,  postquam  fornaces  fictiles  e 
talibus  construxerunt.  Pigmentum  illud  valde  ei  simile  est,  quod 
Gallis  vocatur  Plomb  de  mer  (Plumbago  alias),  cujus  usus  frequens 


'S)    300    ^ 

est  ad  primas  picturarum  lineas  in  charta  ducendas,  a  qua  dein 
panis  mica  facile  uusuni  abstergitur;  non  tarnen  cum  eo  omnino 
idem  est.  Hoc  inquam,  pigmentum  aqua  misceo,  eoque  totum  per- 
lino  nucleum :  dum  compertum  est,  Metallum  super  eo  liberius 
fluere.  Dantur  quidem  et  aliae  materiae  huic  fini  inservientis:  at- 
tamen  ego  hac  semper  usus  sum,  maximo  pro  statuis  tenuioribus. 
Id  postquam  peractum  est,  jam  nucleo  superinduco  tantum  cerae 
flavae,  pice  aut  resina  permixtae,  quantam  facere  cupio  crassitiem 
statuae  statuae  occoeptae:  quam  adeo  in  ipsa  cera,  quanta  maxime 
valeo  accuratione  e  labore. 

Notandum  hie  est,  quod  istae  metalli  particulae,  quas  supra 
dixi  nucleo  infigendas  esse,  ad  eum  in  distantia  aliqua  a  modulo 
distinendum,  ita  debeant  esse  collocatae,  ut  parallelae  coincidant 
exacte  cum  superficie  cerae.  Ratio  autem,  quare  picem  aut  resinam 
cerae  admisceam,  haec  est,  quod  eae  materiae  cum  dein  exuruntur, 
validum  reddunt  fumium,  qui  ipse  adliaerescens  modulo  efficit,  ut 
metallum  eo  liberius  se  diffundat  ac  discurrat,  prout  ipsemet  ex- 
perientia  didici. 

Porro  hinc  inde  per  superficiem  cereae  hujus  statuae  dispono 
exigua  cerae  frustula,  quae  vocare  soleo  canaliculos  minores,  et  in 
figura  exhibentur  sub  c,  c,  c,  c,  c,  c  (quos  singulos  ita  adaptari 
oportet,  ut  semet  inserant  in  canales  illos  majores  d,  d,  d).  His 
peractis,  ab  omni  parte  nucleum  ceramque  obduco  eodem  luti 
genere,  quod  ignem  patitur  fissurarum  expers;  atque  sie  jam  statua 
concava  sive  formula  perfecta  est.  Supra  hanc  dein  colloco  majores 
illos  canales,  signatos  literis  d,  d,  d,  d,  tam  erecto,  quam  transverso 
sitae,  formatos  pariter  ex  cera;  ita  eos  disponens,  prout  Optimum 
esse  judico,  ad  recipiendas  extremitates  minorum  canaliculorum 
c,  c,  c,  c,  c,  et  commodiorem  metalli  distributionem.  Majores  bi 
canales  necessum  est  ut  universi  concurrant  circa  verticem  statuae, 
sie  ut  ex  unico  foramine  sortiantur  exitum,  prope  e,  ubi  postmodo 
metallum  infundendum  est.  Praeterea  etiam  oportet  ipsam  esse 
instructam  uno  alteroque  canali  ad  emittendum  aerem,  dum  me- 
tallum in  ejus  locum  subintrat,  quales  indicati  sunt  per/,/;  pariterque 
opus  est,  ut  unum  vel  duo  foramina  prope  basin  relinquantur,  ubi 
^^ic  g,  g,  ubi  canales  majores  cum  statua  cerea  conjunguntur;  per 
quae  ipsa  nempe  cum  Formula  percoquitur,  cera  statuae  non 
minus,  quam  ipsorum  canalium  effluere  valeat.  Majoribus  canalibus 
ita  dispositis,   Formulam   denuo  totam  convestiri  oportet  ejusmodi 


'S)    301    'S 

luto  (semper  autem  soleo  formulam  prius  filis  ferreis  circumligare, 
atque  sie  demum  plus  luti  superinducere):  cumque  paratus  ita 
Typus  jam  probe  siccatus  est,  tum  eum,  usque  donec  candescat, 
igne  percoquo:  atque  sie,  ut  antea  Nueleum  solum,  ita  jam  utrumque 
simul  tracto. 

Prima  quidem  viee,  eum  hancce  methodum  praxi  darem,  tam 
Nueleum,  quam  Typum  simul  et  una  opera  pereoquebam,  adeo 
quidem  valido  igne,  ut  euneta  ista  metalli  frustula  inde  una  lique- 
facta  forent,  atque  sie,  quamvis  tum  quidem  easu  res  prospere 
sueeederet,  ingens  tamen  perieulum  esset,  ne  labor  frustaneus 
evasisset :  ex  eo  autem  tempore  nunquam  non  soleo  Nueleum 
primum  perurere,  ne  tam  acri  dein  igne  indigeam,  ad  pereoquendum 
modulum.  Attamen  pro  minoribus  et  faeile  traetabilibus  statuis, 
unius  puta  aut  duorum  pedum  altitudinem  haud  superantibus, 
utrumque  eorum  simul  pereoquere  lieet:  quo  easu  etiam  non  opus 
est  foraminibus  g,  g,  dum  formula  inverti  atque  sie  eera  mox 
effluere  potest  per  eanales  /,  f  ete. 

Typo  sie  exeoeto,  duo  ista  foramina  g,  g,  luto  saepius  memo- 
rato  obturo  atque  tum  illum  in  serobem  defodio,  eodem  modo 
proeedens,  qui  usitatus  est  in  eonflandis  eampanis  et  similibus: 
eura  tamen  imprimis  habenda,  ut  metallum  per  fusionem  probe 
fluidum  reddatur. 

Si  statua  non  ita  magna  sit,  unum  nempe  duosve  pedes  haud 
exeedens,  cujus  adeo  modulus  manibus  unius  hominis  traetari  aptus 
sit,  tum  eoncavam  mihi  ex  eera  statuam  formare  soleo,  ea  qua 
lubitum  est,  erassitie,  atque  sie  super  hae  dispono  omnes  illos 
majores  minoresque  eanales,  ut  antea  indieatum  est:  quo  faeto 
totam  eam  eompagem  simul  immitto  substantiae  liquidae,  paratae 
ex  gypso  et  latere  eoetili  in  pulverem  eomminuto,  aqua  temperatis. 
Verum  eum  non  dubitem,  quin  modus  hie  typos  e  gypso  fingendi 
jam  Londini  affatim  eognitus  sit,  hine  non  opus  mihi  erit,  plura 
hae  de  re  verba  faeere. 

Cum  statuam  valde  tenuem  eupio  fieri,  tum  sumo  cuprum,  eique 
eum  per  fusionem  jam  satis  fluidum  evasit,  admiseeo  bonam  quanti- 
tatem  zinethi,  non  tamen  observata  eerta  ponderis  proportione:  quo 
enim  plus  zinethi  additur,  eo  melius  fluit  metallum,  et  quandoque  pro 
parvis  ae  tenuibus  statuis  plusquam  tertiam  zinethi  partem  apposui. 
Est  vero  Zinethum  substantia  quaedam  mineralis,  similis  Marcasite 
seu  Bismutho,  et  Gallis  appellatur  du  Zine:  absque  qua  sane  opus 


-g)    302    '& 

nostrum  successu  cariturum  foret,  si  tenuitas  ejus  permagna  ex- 
petatur:  etenim  per  experientiam  edoctus  sum,  minerale  hoc  efficere, 
ut  metalluin  libere  fluat ;  cui  praeterea  elegantem  auri  colorem 
conciliat. 

Statua  tandem  ita  conflata,  modulum  amoveo,  et  ab  ea  reseco 
cunctos  istos  canales  minores:  omnes  quippe  illi  tarn  majores,  quam 
minores,  tunc  metallo  oppleti  sunt;  quod  ipsum  adeo  adservari  ad 
futuros  usus  potest:  dum  sane  in  bis  multo  plus  metalli  est,  quam 
in  tota  statua.  Haec  enim  si  valde  tenuis  fieri  debeat,  plures  et 
ampliores  oportet  esse  canales:  atque  sie  quo  vilioribus  ipsa  statua 
sumtibus  parabilis  est,  eo  majus  canalium  pondus  fit,  eoque  plus 
metalli  dein  residuum  mannet. 

Ad  cognoscendam  vero  quantitatem  Metalli  ad  opus,  quod 
taliter  molior,  requisiti,  de  eadem  mixtura  e  cera  et  pice  confecta, 
ex  qua  formulam  statuae  futurae  confingo,  qualemcumque  massam 
adsumo  et  pondero;  super  qua  dein  peculiarem  modulum  efformo 
eo  fine,  ut  huic  dein  infusa  metalli  massa  ejusdem  cum  illa  molis 
fiat:  e  cujus  ipsius  quoque  pondere  explorato,  computo  propor- 
tionem  inter  pondus  metalli  ac  cerae:  hac  ita  cognita,  si  modo 
post  observem,  quot  libras  cerae  insumam  tam  figurae,  quam 
canalibus  formandis,  facile  calculum  ad  exiguum  usque  momentum 
valeo  subducere,  quantum  metalli  ad   fusionem  mihi   opus  sit. 

Hie  est  modus,  quo  in  conflandis  statuis  insigni  tenuitate  pol- 
lentibus  utor,  qui  etiam  nunquam  non  exvoto  mihi  succcssit.  Hac- 
tenus  equidem  nullam  adhuc  fundere  aggressus  sum,  quae  ultra 
novem  pedes  altidunis  habuerit:  neutiquam  tamen  dubito,  quin, 
eadem  observata  methodo,  tales  in  quacumque  magnitudine  desi- 
derata  parare  valeam.  Ac  sane,  quamprimum  quietiores  erimus  a 
malo  nostro  vicino  Turca,  animus  est  unica  fusione  conflare  statuam 
Imperatoris  nostri  Leopoldi  I.  equo  insidentis,  multo  grandiorem 
naturali  statua:  imo  jamjam  de  sumptibus  ei  impendendis  tractavi 
cum  Statibus  hujus  provinciae,  et  forte  dudum  res  ad  finem  per- 
ducta   foret,  nisi  bellicis  hisce  motibus  turbati  fuissemus  etc. 


'S)    303    "& 


Übersetzung  ins  €ngli$clie. 

Es  folgt  nun  die  durch  den  Sekretär  der  englischen  Sozietät 
Thomas  Gale  besorgte  Obersetzung  in  das  Englische  behufs  Re- 
ferates in  der  Royal  Society.  Dieselbe  lautet  nach  dem  im  Archive 
daselbst  erliegenden  Original  also: 

I  send  you  likewise  my  method  of  casting  thin  Statues  in  Mettle 
in  obedience  to  the  Commands  of  the  Royall  Societie:  it  is  as 
followes.  First,  I  form  out  of  good  clay,  that  will  endure  the  fire, 
and  not  crack  either  in  drying  or  burning,  such  a  figure  or  Statue 
as  I  desire  to  cast ;  when  this  is  well  drie  I  make  all  over  the 
figure  little  holes  of  no  great  depth  (but  both  size  and  depth  pro- 
portionale to  the  bigness  of  the  Statue)  into  which  I  let  small 
peices  of  mettle,  and  with  some  of  the  same  clay  fix  them  firmly 
in  the  holes.  The  use  of  these  bitts  of  mettle,  marked  in  the 
figure  a  a  a  a  a,  is  to  keep  the  core  and  mold  from  touching 
one  the  other  or  falling  togather,  when  the  wax  runs  out,  and  that 
they  remain  constantly  in  the  same  fixt  posture.  This  done,  I  scrape 
away,  with  some  proper  Instrument,  as  much  of  the  clay  in  thick- 
ness  as  I  dessign  for  the  thickness  of  my  Statue,  and  then  laying 
it  in  a  furnice  I  burn  the  core  tili  it  be  red  hot  (by  the  core  I 
mean  alwais  the  statue  first  made  in  clay).  When  it  is  cold  I  rubb 
the  Core  all  over  with  that  sort  of  earth  or  colour  which  our 
German  potters  use  to  colour  the  joynts  of  the  tiles  when  they 
sett  Stores  of  tiles  or  (  )*;  this  colour  resembles  much  that 
which  the  French  call  plomb  de  mer  (Black  lead)  which  is  used 
to  design  on  paper  and  easily  wipes  out  with  bread,  but  it  is  not 
the  same :  this  colour  I  mix  with  water  and  daub  all  over  the 
Core,  because  the  mettle  is  found  to  runn  freely  upon  it.  There 
are  other  substances  proper  for  this  purpose,  but  I  have  alwais 
made  use  of  this,  especially  for  thin  Statues.  This  done  I  lay  on 
upon  the  Core  as  much  ordinary  yellow  wax  mixt  with  pitch  or 
Rosin  as  will  make  the  thickness  of  the  intended  statue  which  I 
form  in  the  wax  with  all  the  exactness  possible.  Here  note  that 
the  particles  of  mettle  mentioned  to  be  lett  into  the  Core  to  keep 


*  In   the   original   th^re   is   a  word   written   inside  (         )   but  the  word  is 
illegible.  It  is  apparently  a  German  word,  and  looks  like  Kachelofens. 


'S    304    ® 

it  at  a  distance  from  the  model  must  be  so  sett  as  to  fall  in  with 
the  surface  of  the  wax  exactly,  and  that  the  reason  of  mixing 
pitch  or  Rosin  with  the  wax  is,  because  that  when  it  is  burnt  out, 
it  makes  a  great  smoak,  and  that  smoak  adhering  to  the  model 
occasions  the  mettle  to  runn  more  freely,  as  I  have  experienced  it. 
Next  I  put  all  over,  upon  the  surface  of  this  statue  of  wax,  little 
peices  of  wax  which  I  call  the  little  chaneis;  in  the  figure  mar- 
ked  c.c.c.c.c.c  (all  which  must  be  contrived  so  as  to  enter  into 
the  great  Chanells  d.d.d).  This  done  I  cover  the  Gore  and  wax 
all  over  with  the  same  sort  of  clay,  that  will  endure  the  five 
without  Cracking  and  so  I  have  my  concave  Statue  or  Mould  made, 
upon  which  1  lay  the  great  Chaneis  marked  d. d.d.d  both  upright 
and  transverse,  formed  likewise  in  wax,  and  placed  according  to 
judgment,  so  as  best  to  receide  the  ends  of  the  little  Chanells 
c.c.c.c .c  for  the  more  easy  distribution  of  the  mettle.  These  great 
chanells  must  all  meet  at  the  top  of  the  Statue,  so  as  to  come  out 
by  one  hole,  as  at  E,  where  the  mettle  is  to  be  poured  in;  It  is 
also  necessary  to  have  a  chanell  or  two  to  let  out  the  Air  as  the 
mettle  enters,  as  those  marked  /./,  and  there  must  be  a  hole  or 
two  left  at  the  foot,  as  g.  g,  where  the  great  Chanells  and  waxen 
Statue  joyn  ;  and  wherat,  when  the  mould  is  burnt,  the  wax  as 
wel  of  the  statue  as  of  the  chaneis  may  run  out.  The  great  chaneis 
being  thus  placed,  the  mould  must  be  again  laid  over  with  the 
same  sort  of  clay  (I  use  constantly  to  bind  about  the  Mould  with 
Iron  wire  and  then  lay  on  more  clay)  and  when  this  Mould  is 
well  drie,  then  I  heat  it  red  hot,  as  I  did  before  the  Core,  so  now 
both  togather.  (The  first  time  I  practised  this  method  I  burnt  both 
Core  and  Mould  togather,  and  all  the  small  bitts  of  mettle  melted 
so  that,  though  it  chanced  to  succeed  well,  yet  I  was  in  great 
danger  of  miscarriage  and  ever  since  I  burn  the  Core  first  that  so 
there  may  not  need  so  strong  a  fire  to  burn  the  Mould;  but  for 
small  manageable  statues  of  not  above  a  foot  or  two  high  they 
may  be  both  burnt  togather,  and  there  is  no  need  of  the  holes  ^.^ 
but  the  Mould  may  be  inverted,  and  the  wax  run  out  by  the 
Chaneis  /./  and  E) 

The  Mould  being  thus  burnt  I  stop  with  the  same  clay  the 
two  holes  g.g  and  then  i  bury  it  in  a  pit,  and  proceed  as  is 
usuall  in  casting  of  Beils  and  the  like,  but  care  must  be  taken 
that  the  mettle  be  very  well  in  fusion. 


'&    305    'S) 

If  it  be  a  small  statue  not  above  a  foot  or  two  high,  whose 
mould  may  be  managed  in  one's  hands,  then  I  make  me  a  con- 
cave  Statue  of  wax,  of  the  thickness  I  desire,  and  then  place  upon 
it  all  those  great  and  lesser  Chaneis,  as  afore,  which  done  I  put 
it  alltogather,  into  a  liquid  substance,  made  of  Plaster  and  Tile  or 
Brick  dust  tempered  with  water;  but  I  doubt  not  but  the  way  of 
Casting  in  plaster  is  well  known  in  London,  and  therefore  shall 
not  need  to  write.  it. 

If  the  Statue  be  intended  very  thin,    then   I    take   Copper   and 

when  it  is  well  in  fusion,    I  mix  with  it  a  good    quantity   of   zinc 

(now  zinc  is  a  certain  minerall  substance  like  Marcasite  or  Bismuth, 

in  French  du  zinc;    without  it  our  work  would  not  succeed,   if  it  4. 

be  very  thin,    and  1  have  found  by  experience    that   this  minerall  s 

makes    the    metall    run    most    freely,    and    gives    it    a    fair    golden  s 

coulour)    without    observing    any    certain    proportion    of    weight;  "" 

the  more  zinc,    the    better   the   mettle  runs,    I  have  sometimes  for 

gl 
small    and    thin    statues    put    in    above    a   third    part  of  zinc;    now  t 

zinc  &c.  js, 

The    Statue    being    cast,    I  take  off  the  Mould  and  cutt   off  ah  c 

the  little  Chaneis,  all  which  both  great  and  small  are  filled  with 
mettle,  which  may  be  kept  for  farther  use;  In  these  there  is  much 
more  mettle  than  in  the  whole  statue,    for    if  the    statue    by   very  ^ 

thin,  there  must  be  more  and  bigger  Chanells;  and  so  the  cheaper  ^ 

the  statue  the  more  weighty  the  chaneis  and  the  more  mettle 
remaining.  To  know  the  quantity  of  mettle  requisite  for  my 
intended  work  I  take  a  lump  of  the  same  mixture  of  Wax  and 
Pitch,  with  which  I  make  the  Mould  of  my  statue;  and  having 
weighed  it,  I  make  a  mould  upon  it,  and  cast  in  the  same  a  lump 
of  mettle  of  the  same  size;  which  1  weigh  and  thereby  compute 
the  Proportion  of  the  weight  of  the  mettle  and  wax ;  then  ob- 
serving how  many  pounds  of  Wax  I  use  about  the  Figure  and 
Chaneis,  I  can  calculate  to  a  small  matter  how  much  mettle  I 
need  to  melt. 

This  is  my  manner  of  casting  Statues  very  thin  and  which 
alwais  succeeded  happily  with  me.  Hitherto  I  have  cast  no  statue 
above  nine  foot  high,  but  I  doubt  not  but  I  could,  by  the  same 
methods,  cast  one  of  any  bigness  desired.  And  when  we  shall  be 
more  at  ease  from  our  ill  neighbour  the  Turk,  I  will  cast  at  one 
fusion  the  Statue  of  our  Emperour  Leopold  I.  setting  on  Horsback 

V.  Radics,  üalvasor.  20 


JK 


X 

cc 


®    306    'S 

much  greater  than  the  life;  I  have  been  already  in  treaty  about 
the  charges  there  of  with  the  States  of  this  Country;  and  if  these 
Turkish  troubles  had  not  come  upon  us,  it  had  been  now  finished. 

Part  of  a  tre  written  in  Latin  to  Dr.  Thomas  Gale  S.  T.  D.  and 
Societ.  Reg.  Soc.  from  Carniola  by  Mr.  John  Weichard  Valvasor 
hber  Baro;  containing  the  method  of  Casting  Statues  in  Mettle, 
together  with  an  invention  of  his  for  making  such  Gast  Statues 
of  an  extraordinary  thinness,  beyond  anything  hitherto  knovvn  or 
practised. 


Beiratsabrede  des  Johann  Weikhard  Freiherrn  von 
Paluasor  mit  Anna  maximilla  Freiin  uon  Zetsdiker 

20.  3uli  1687. 

Tn  dem  ersten  O^brgange  des  von  ihm  redigierten  „Casopis  za  zgodo-- 
vino  in  narodopisje"  (herausgegeben  vom  historischen  Uereine  in  Hlarburg) 
veröffentlichte  Berr  Professor  Jlnton  Kaspret  Seite  1$7  ff.  aus  einem  im 
Jluerspergischen  JTrchive  vorfindlichen  5^ormelbuche  die  nachstehende  „Beirats-- 
abrede",  welche  unser  5^reiherr  von  Ualvasor  anläf^lich  seiner  zweiten  Ghe 
mit  der  5^reiin  Hlaximilla  von  Zetschker  im  3ahre  1687  getroffen  und 
welches  Schriftstück  wir  an  dieser  Stelle  wiedergeben  wollen. 

Beuratsabredt. 

Zwischen  den  wolgebornen  Berrn  Rerrn  Johann  (Ueykhardten  Ualuasor, 
5^reiherrn  zu  6allenegkh,  ülildenegkh  vnd  Deudorf,  Berr  zu  Cüagensperg 
vnd  Cichtenberg,  einer  löbl.  landschaft  in  Krain  hauptmann  in  unterm 
Uiertel,  dann  der  wolgebornen  5^reylein  Jlnna  maximilla,  des  wolgebornen 
Berrn  5^ranz  Grasemb  Zetschkher,  seligen  3^reiherrn  auf  lUeinpichl  vnd 
yjaldekh,  Berrn  auf  iüüeixl,  Ober--  vnd  Unter-Grkhenstein  mit  der  wol-- 
gebornen  5^rauen  ITlaria  Sidonia,  gebornen  Gräfin  von  Cättenpach  erzaigten 
eheleiblichen  freylen  tochtern,  welche  ihme  herrn  Ualuasor  anheut  vnten-- 
gesetzten  dato  auf  geburlich  gethane  Werbung  mit  rath,  wissen  vnd 
einwilligung  beederseits,  höh--  und  ansehnlich  vnverwandten  zu  einer 
khünftigen  gemählin  verlobt  vnd  versprochen,  auch  derswegen  hernach-- 
volgende  heurathsabredt  in  beyseyn  der  beederseits  hierzu  erbetenen  hoch-- 
ansehnlichen  herrn  vnd  beystände  zur  richtschnur  des  aufsetzend  ordent- 
lichen heuratsbrüfs  abgeredt  vnd  geschlossen  worden. 

ßeuratguet  900  fl.  landtswehrung;  diese  hat  der  herr  bräutigam  sein 
lebenlang  zu  genue(5en. 

CUiderlag  900  fl.  landtswehrung;  diese  hat  die  freyle  braut  ir  leben- 
lang  zu  genuetKn,  hernach  vnd  nach  ableiben  eines  oder  des  andern, 
fallen  die  heuratguet  vnd  widerlag  auf  beyder  mit  einander  erzeugende 
kinder,  in  ermanglung  derselben  aber,  das  ist,  wenn  sie  entweder  nicht  ge- 
boren würden,  oder  in  dero  vnvogtbarkeit  abscheyden  sollen,  das  heuratguet 
auf  der  freylen  braut,  die  widerlag  auf  des  herrn  bräutigamb  nächste  erben. 

20* 


^    30$    'S) 

lHorgengab  1$00  fl.  auch  gemeiner  landtswebrung,  freye  donation, 
ausser  dessen,  so  der  berr  bräutiganib  jetzt  oder  künftig  der  freylen  braut 
verebrn  niöcbt,  500  fl.,  mit  diesem  ist  die  freyle  braut  als  mit  andern 
ibrn  frey  eigentbumblicben  gänzlicb  frey. 

Die  fabrende  baab,  darunter  das  Silber  gescbmeydt,  item  die  scbulden, 
so  nicbt  ein  bundert  gülden  austragen,  item  getbraidt  vnd  dergleicben, 
landtsgebräucbigernia(Kn  den  vberlenden  die  belfte  vnd  dem  kindern  die 
andere  belfte,  in  ermanglung  der  kinder,  wan  die  freyle  braut,  das  gott 
daruor  seye,  ibren  necbsten  erben  solcbe  belfte  anfallen,  welcbes  mit  dem 
berrn  bräutigam  einen  gleicben  verstandt  baben  solle.  Dauon  werden  die 
mannsklayder  vnd  gewöbr  an  selten  des  berrn  bräutigam,  der  frauen 
gescbmukb  an  selten  der  freylen  braut  landtsgebräucbigermafKu,  aus-- 
genomben  den  jabres  genu(5,  vnverraittet  zuegemessen  baben.  Item  vol- 
gendts  zur  wittiblicben  vnterbaltung,  da(5  solang  die  freyle  braut  den 
namben  nicbt  verändert,  jäbrlicben  400  fl.  landtswebrung,  die  belfte  zu 
anfang,  die  andere  belfte  zu  ausgang  des  jabrs,  baus  und  garten,  zins 
vnd  aller  anlagen  frey  zu  Caibacb  oder  Rudolpbsvoert. 

Zur  abfertigung  ein  guttscbe  wagen  mit  2  bespandten  pferden. 

Cüegen  dieser  pactorum  dotalium,  wie  aucb  wegen  dessen,  so  ferer 
die  freyle  braut  väter-  müetterlicbes  oder  sonst  quocunque  modo  nacb  den 
befreyndten  anerben  vnd  den  berrn  bräutigamb  zuebringen  möcbte,  ist  er 
berr  bräutigam,  sye  freyle  braut  auf  seyn  baab  und  guett  die  versicberung 
zu  tbuen  vnd  zu  geben,  von  welcben  die  freyle  braut  bis  abzablung 
letzten  beller  vnd  Pfennings  abzutretten  nicbt  scbuldig.  Jllles  tbreulicb  vnd 
obne  geuäbrde,  aucb  bey  verpündung  des  landtsscbadenpunts  in  £rain. 
Dessen  zu  wabren  vrkbundt  ist  diese  beuratsabredt  neben  beederseits 
erbetenen  bocbansebnlicben  berrn  vnd  beyständen  aigene  bandscbrift  vnd 
pöttscbaft  fertigung  aufgericbt  vnd  gescblossen  worden.  Bescbeben  zu 
Jreybof  den  20.  july  anno  16S7. 

(C.  $.)  3obann  CUeykbard  üaluasor      (C.  $.)  ülaria  Sindonia  von  Uernekb. 
freyberr. 

(C.  $.)  5ranz  Gngelbrecbt  Zetscbker      (C.  $.)  5^erd.  Grnst  graf  von  Saurau. 
freyberr. 

(C.  $.)  marx  JInt.  Caufrer  freyberr.      (L  $.)  5^ranz  fl.  graf  von  Camberg. 

(C.  $.)  6eorg  Andre  ßraffenweg.         (C.  $.)  Sigmund  lüilbelmb  Zetscb. 

(C.  $.)  Ernst  Jriedricb  Graffenweg.       (C.  $.)  (üolf  Jriedricb  freiberr  von 

Jöritscb. 


-2)    300    'S) 

Beute  untersetzten  dato  habe  id)  unterschriebener  von  meiner  geniablin 
trauen  JTnna  Hlaximila  Zetscbkberin  freyin  das  den  20.  july  1687  jabres 
in  der  beuratsabredt  mir  verscbribene  beuratguet  der  900  fl.  id  est 
900  fl.  C.  CU.  paar  empfangen  vnd  dorumben  in  kraft  des  beuratsbrüfs 
auf  mein  baab  vnd  guet  versichert;  alles  bey  dem  landscbadenpunt  in 
Crain.  Zur  vrkbundt  dessen  ist  mein  eigene  5^ertigung.  Datum  5reybof 
den  21.  Oktober  1689, 

(C.  $.)  3ob.  Cüeykbardt  Ualuasor  freiberr. 


InDentarien  über  den  Ilachla^  des  Johann  Weikhard 
Freiherrn  von  Valvasor  1693.* 

Inventarium 

über  Cüeillundt  des  CUollgebornen  Rerrn  Renn  3obann  CUcykbardten 
Ualuasor  5reyb.  zu  ßollenekb  vnd  Deudorf  Giner  Cöbl.  Caa.  in  Undtern 
Uiertl  des  Berzogtbunibs  in  0rain  gewester  Raubtniann  seel.  etc.  vnd  dessen 
voriger  5^rauen  Gbegemablin  brauen  Jlnnae  Rosinae  geborner  ßraffen-- 
weegerin  alda  zu  ßurgfelt  befundenen  üerlat^  so  anbeut  durcb  vnf^  zum 
Gnde  vndterscbribene  als  von  der  Cöbl.  Candtsobrikbeit  beuolmäcbtigte 
Comniissarien  in  praesentia  des  CUoll  Cdlgebornen  l)errn  Georg  Jlndreen 
ßraffenweeger  der  Ualuasoriscben  ersten  Gbekbinder  gericbtlicb  geordneten 
ßerbaben,  dan  der  CUollgebornen  brauen  Jlnna  fllaxiniila  üaluasorin 
geborner  Zetscbkberin  ^reiberrin  CUittib  5^rauen  anbeut  zum  Gnde  gesezten 
dato  bescbriben  vnd  ordenlicb  aufgericbt  worden. 

Cigunde  ßrundtstükb: 

€in  Bau(5  alda  zu  ßurgfeldt  mitsambt  dem  zuegebörigen  ßartten  so 
P. :  acbt  l^undert  Gulden  Craneriscber  CUebrung**  von  dem  Rerrn  Jacoben 
Uodnikb  erkaufft  dabey  ein  Heues  gebey  aufgericbt  worden. 

Pares  Geldt: 

Secbs  hundert  vnnd  fünfzig  Callierte  Guldiner  Id  est     575  fl.  45  kr. 

Item  guette  Öuldiner  acbt  Id  est $  „ 

€in  sebr  bescbnitene  Spaniscbe  Cronen. 

Daruon  $0  Gulden  P:  den  Inventars  ünkbosten  expendirt  worden. 

Silbergescbmaidt : 

€in  7  Gggete  Zukberpiexen  Zirverguldt  wägt    ...  14  Cotb 

Gin  Silber:  ganz  vergultes  brauen  Kbandeln  mit  2  Cüappen 
prob  Silber  wägt 27V2     » 

*  Sämtliche  Invcntaricn  im  Archive  des  k.  k.  Candesgericbtes  in  Caibad)  (Candtafel). 
**  mad)t  075  fl.  Ceutsdie  ÜJäbrung  nach  Cabelle  Karner  von  Hamburg. 


'S)    311    'S) 


Gin  anders  rundes  Zukberpüxell  mit  2  CUäppen  wägt 
Zway  ganz  vergülte  kbleine  pöcberlein  prob  Silber  wägt 
€in  par  3 :  Gggete  tbeils  vergülte  $alzvä(3lein  wägt 
€in,par  3  Cgget:  kblein  ganz  vergülte  Salzvaf^lein  wägt 
€in  Silbernes  Scballerl  ein  wenig  vergulter  prob  Silbe 

wägt 

Gin  par  kbleine  Runde  Salzvat^lein  etwas  vergult  wägt 
Gin  ganz  vergultes  Scballerl  prob  Silber  wägt  .     . 
Item  ein  deto  etwas  vergult  obne  prob  wägt   .     . 
Item  ein  ganz  kblein  etwas  vergultes  Scballerl 
Item  ein  deto  ganz  kblein  nur  Inwendig  vergult  . 
Gin  duzet  dreyer  Sorten  Cöfell,  deren  einer  zerbrocben 

wägt 

Gin   IDaiolikben   Kbandl    mit   Silbernen    dekben   vnd 

5^ue(5poden. 

Gin  vergülte  Cascben  Ubr  mit  2  Zaigern  auf  beeden 

Seiten  mit  gla(5  vermacbt. 

Gin  belffenpanerer  0ompa(5  sub  Dr.  35. 

Gin  Silberne  scblingen  au(5  5^adensilber  mit  2  vergulten 

stefften  wägen 


19 
13 
II 


Cotb 


10 


S:1q: 

7V2 

3 
2 

34 : 1 : q  : 


6V2 


Briefflicbe  Urkbundtn: 

Hr.  1.  Gin  Uergleicbs  Contract  zwiscben  den  Brn.  3oban  üJeykbardten 
Ualuasor  5^reyb.  seel  dann  l^errn  6eörg  JIndreen  0raffenweeger  ein  Do- 
nation P.  5000  fl.  betreffent,  so  aber  P.  1200  fl.  verglicben  worden  dat. 
29  3enner  16S3. 

Dr.  2.  Item  ein  £ontract  Zwiscben  merbegedacbten  Berrn  Ualuasor  dan 
ieztgedacbten  l^errn  ßraffenweeger  wegen  von  dem  f)errn  ßraffenweeger 
dem  Berrn  Ualuasor  Grkbaufften  4  Bueben  dat.  den  9  Juni  Jfnno  1684 
mit  Gtlicben  quittungen  vnd  Sandtbrieffl. 

Hr.  3.  Item  2  Collmainer  Jfufuug  vndter  31  ]enner  1690  dan  vndter 
dato  11  Oenner  Jlnno  1692  mit  dabeiligunder  annotation  wegen  scbuldiger 
490  gülden. 

Hr.  4.  Gin  Kbauffsabredt  zwiscben  gedacbten  Berrn  Ualuasor  dan  Rerrn 
Candin  dat.  den  $  %\  Jl.  1692. 

Dr.  5.  Gin  kassierter  Scbuldtbrieff  von  Brn.  O^l^^i^"  CUeykbardten 
Ualuasor  vnd  seiner  5^rauen  Gbegemablin  Jlnna  Rofiina  see.  auf^gebend 
an  l)errn  Jllbrecbten  Kbaysell  vnd  seine  Grben  P.  300  fl.  Candtswebrung 
lautendt  dat.  den  1  X'':  Jl.  1676. 


'&     312     'S 

Hr.  6.  Iteni  sub  Hr.  6  3  gleicblautendte  Jrauen  Hnnan  Rosinec 
Ualuafiorin  cjeborner  ßraffenvoeegerin  Cbarta  Bianca. 

Dr.  7.  ein  Cassierter  scbuldtbrieff  an  Renn  Ualuasor  für  sieb  selbst  vnd 
als  üertrettern  seiner  Grsten  Gbe  kbinder  dan  seiner  iezigen  brauen  CUittib 
P.  2/'ni  fl.  an  dem  Rerrn  Collnieiner  lantend  datuni  den  15  Renner  Jlnno  16S9. 

Dr.  $.  ein  original  kbanfbrieff  zwiscben  Rerrn  Ualuasor  dan  Rerrn 
3obann  Jindreen  0andin  das  guett  wagensperg  betr.  datuni  den  2  S*?/ 
JInno  16Q2  neben  den  Zeugbrieff  IDontags  nacb  $.  Crinitatis  Jlnno  1693 
sambt  etlicben  dabeyligunden  annotationen  vnd  quittungs  £opeyen. 

Dr.  9.  ein  kassierte  Kbaufsabredt  zwiscben  l^errn  Ualuasor  see.  dan 
denen  Rannf^  Jrölicbiscben  erben  wegen  der  Bebau(5ung  zu  Caybacb  datuni 
den  4  niarty  16$1. 

Dr.  10.  ein  Kbaufabredt  sambt  der  Petzedl  da(5  zu  0urgfeldt  er- 
kbauffte  I)au(5  betreffend  den  26  Februar  Jlnno  1692  sambt  dem  auf 
den  Bergame  (Pergament)  gescbribnen  Kbauffbrief  dat.  in  X*^!  Jinno  1692. 

Dr.  II.  ein  Spänzedl  von  21  Play  Jlo.  1685  da(5  guett  wagensperg, 
Schwärzen:  vnd  Ciecbtenbacb  betreffend. 

Dr.  12.  ein  gro(5.:  Zusambengepundtner  Paquet  Ualuasoriscber  Sendt-- 
brieff. 

Dr.  13.  ein  abrattung  Zwiscben  Rrn.  Ualuasor  seel.  dan  Bm.  Baron 
Zetscbkber  dat.  6urgfeldt  den  11  3uny  1693. 

Dr.  14.  ein  quittung  von  l)rn.  ]ob.  JIndreen  ßandin  au(5gebend  an 
den  Bocbwollgebornen  l^errn  3obann  l)erbarden  0raffen  von  JRuersperg 
Caut.  P.  146  fl.  15  pf.  dat.  den  1  9*^!  1692. 

Dr.  15.  ein  scbuldtbrieff  von  l^errn  Joban  lierbarden  ßraffen  von 
fluersperg  vnd  [)rn.  joban  Jlnd.  ßandin  vnd  seiner  brauen  Gemahlin 
rnaria  niagdalena  Salome  geborne  Cauferin  P.  4/m  fl.  Candtswebrung 
ausgebend  sub  dato  17  3uny  1692  darunter  ein  Zession  de  dato  Caybacb 
1  9^'  Jlnno  1692  an  [)rn.  jobann  Cüeykbardten  Ualuasor  5^reyb.  see.  in 
proprio  und  al(5  Dotbgerbaben  seiner  ersten  ebekbinder  lautend. 

nr.  16.  ein  Paquetl  vndterscbidlicber  recommendationen  des  l)rn. 
Ualuasor  seel.  als  derselbe  in  frembden  Cändern  sieb  befunden. 

Dr.  17.  ein  aufsandt  an  Rerrn  Jranz  Jllbrecbten  Kbaysell  seel.  von 
!)errn  3ohann  CUeykbardten  Ualuasor  vnd  seiner  5^rauen  Gemahlin  au(5- 
gebend  da|3  guett  wagensperg  betreffend  dat.  den  11  %^}  Jlnno  1672. 

Dr.  1$.  ein  Paquet  vndterscbidlicber  alten  schrüfften  darunter  der  Jln-- 
schlag  des  guetl  Jlltenburg  vnd  0escbie(5. 

Dr.  19.  Specification  einer  aus  der  Cöbl.  Caa.  in  0rain  Jlrchiuio  ge-- 
numbenen  Schrüfften  vom  26  9^J  Jinno  1683  so  widerumb  restituirt  worden. 


-2)    313    ® 

Hr.  20.  Gin  J!b$cbrüfft  €iner  Ualuasorscben  Diplonia    De  anno  1553. 

Dr.  21.  Gin  Paquet  0orrespondenz$cbreiben  des  Hiernbergscben  Ristorici 
Grasmo  5^ranci$ci. 

Dr.  22,  Jligenbändige  Komposition  des  Rerrn  Ualuasor  zu  der  Cngelandt. 
Societet  Cirkbnizer  See  betreffend,   dabey  vndterscbidlicbe  Sändtscbreiben. 

Hr.  23.  €in  action  der  brauen  lHagdalena  Pedtscbouerin  contra  Berrn 
Ualuasor  seel. 

Dr.  24.  Gin  Paquet  vndterscbidlicber  IDugerrscber  Sändtscbreiben. 

Dr.  25.  Gin  Paquet  vndterscbidlicber  üerordnungen  vom  Berrn  Cudujigen 
Jobbten  von  Sitticb  aucb  andern. 

Dr.  26.  Gin  Zession  sambt  einen  Jluf^zug  von  Berrn  Collmainer  au(5- 
gebend  an  Rerrn  3obann  CUeykbardten  Ualuasor  lautend  den  Berrn  5^ranz 
ebristopben  Kbaysell  betreffend  P.  1$25  fl.  datum  den  15  jenner  Jlnno  16$9. 

Hr.  27.  Uerrättung  der  Gndterscben  Grben  Bucbfübrerey. 

Hr.  2$.  Gin  recognition  von  ßerrn  Hdamen  Seyfriden  an  ßerrn 
3oban  ÜJeykbardten  Ualuasor  3  lUagenspergscbe  Grbbolden  betreffend. 

Dr.  29.  Berrn  jobann  Bapt.  Ualuasor  testaments  Copey  neben  etlicben 
andern  scbrüfften  Berrn  Hloscbkbon  vnd  Brn.  CUaykbardten  Ualuasor  be-- 
treffend. 

Dr.  30.  Gine  den  12  %\^  Jlnno  1672  zwiscben  Brn.  ]ob.  CUeykbard 
Ualuasor  see.  dann  Berrn  5ranz  Cbristopben  Kbaysell  voegen  des  guett 
CUagensperg  aufgericbte  Uerrättung  darneben  vndterscbidlicbe  andere 
scbrüfften  vnd  Sändtbrieff. 

Dr.  31,  32,  33,  34,  35,  36,  37.  Gin  Paquet  mit  7  Posareliscben  Kas- 
sierten scbuldtbrieffen  von  der  5^rauen  Jfnna  Rof^ina  Ualuasorin  geborne 
Graffenweegerin  see.  als  der  erste  de  dato  6  X"!  J!nno  1672  P.  1/m  fl. 
Candtswebrung,  der  andere  dato  6  X^:  Hnno  1673  P.  $00  fl.  Candts-- 
webrung,  der  drite  de  dato  1  ]uny  1674isten  P.  200  fl.  Candtswebrung, 
der  4'^  sub  dato  1$  T^:  JInno  1674  P.  1/m  fl.  Candtswebrung,  der  5^^  de 
dato  30  may  1677isten  P.  133  fl.  20  kr.  Candtswebrung,  der  6*^  de  dato 
4  9^:  Enno  1677  P.  1590  fl.  Candtswebrung  vnd  der  Tl  als  ein  Kbarta 
bianca  de  dato  25  jenner  Jlnno  1680  P.  400  fl.  Candtswebrung. 

Hr.  38.  Gin  Kbopff  Steuer  quittung  P.  bezalte  57  fl.  45  kr.  von  Berrn 
Zacbaria  Kottbardt  5^reyberrn  von  CUebersperg  auf^gebend  de  dato  Enno  1691. 

Hr.  39.  Gin  Contract  zwiscben  Berrn  JInton  Jlbten  zu  Sitticb  vnd  den 
Convent  dan  Brn.  CUeykbardten  Ualuasor  seel.  vnd  dessen  brauen  ßemablin 
Enna  IDaximila  geborne  Zetscbkberin  5^reyb.  einen  Zebendt  von  30 :  bueben 
in  Cemeniz  gelegen  anbetreffend:  datum  den  2%  lUay  Enno  1691. 

Dr.  40.  Gin  Paquet  0raf  ßallenbergscbe  Sändtscbreiben. 


•2)    314    -a) 

Dr.  41.  Gin  Paquet  vndterscbidlicbe  J!ut)Zügl. 

Dr.  42.  ein  Paquet  Jacob  CUiuizscben  Bricff. 

Dr.  43.  Gin  Paquet  scbrüfften  des  Rerrn  üaluasor  I)aubtiTian  vnd 
Soldatescbkba  betreffend. 

Dr.  44.  Gin  Paquet  Sändtscbreiben  des  Pauli  Kitters. 

Item  2  Cädlein  vntderscbidlicber  Correspondenzbrief  so  nicbt  nutnerirt 
worden. 

Dr.  45.  Gin  Paquet  der  Catbolog :  die  Buecber  vnd  vndterscbidlicbe 
Hlatematiscbe :  sacben  betreffend. 

Item  ein  Scbuldtbrief  von  dem  l^errn  Jobann  Berv^arden  ßraffen 
V.  Jluersperg  auf^gebend  an  l)rn.  jobann  Jlndre  ßandin  P.  3000  fl.  Cautend : 
so  dem  l)rn.  3oban  Cüeykbarden  üaluasor  seel.  cedirt  vnd  post  mortem 
dessen  dem  l)rn.  Geörcj  Jlndre  ßraffenweeger  als  der  Ualvasorscben  Grster 
Gbe  kbinder  ßerbaben  ßericbtlicb  zuegestelt  voorden. 

Buecber : 

Gin  eingebundten :  gedrukbtes  Buecb  oder  Description  des  Curkb. 
Ursprungs. 

Item  ein  vneingebundtnes  detto  vber  da(5  KbÖnigreicb  Poblen. 

Gin  buecb  in  4'?  franzesiscben  pundts  intitulirt  Cbeatrum  pacis. 

Item  ein  Im  franzesiscben  pundt  deto  in  quarto  genant  Rercules. 

Gin  buecb  in  fol :  teutscbe  Jlcademi  Zweyter  l)aubtbeill  von  Bau  vnd 
mallerey  Kunst. 

Ovidij  Hasonis  buecb  von  Ceben  vnd  Codt. 

Opera  Jllberti  Direri  in  folio. 

Perspectiua  l^ieronymi  Boseris  ein  weissenpundt  in  folio. 

Ingenierkbunst  erster  Cbeill  durcb  Ooban  Jaulbabern  in  weifen  pundt 
in  quarto. 

Gin  Buecb  manuscript:  im  franzesiscben  pundt  sub  lit.  D.  vnd  Hr.  67. 

Item  ein  registcrl  manuscript  in  Gemeinen  Bargamepundt. 

nietamorpbo:  Ovidij  mit  Figuren  in  franz(ösi)scber  Spracb  in  alten 
u^eissen  Bargame  sub  lit.  G.  vnd  Dr.  252. 

liem  ein  deto  in  franz.  pundt  tbeutscb  vnd  franzesiscb  mit  Jigur  sub 
lit.  5.  vnd  Hr.  106. 

Item  deto  2  Ovidij  Dasonis  gro(5  vnd  kblein  obne  Figuren. 

Poliygonal-Jlritbmeticb  in  franzesiscb  spracb  in  vweissen  papier  ein-- 
gebundten. 

Gin  buecb  Bescbreibung  IDoreae  in  welliscber  Spracb. 

Gin  bandtbucb  des  ßrn.  üalua[)Or  see.  darinen  Soldaten  annotata. 


-g)    315    '2> 

niebr  2  deto,  darinen  de(5  ßesündt  besoldungen  vnd  ansät  de(5  guett 
CUagensperg  zu  finden. 

Cractatus  de  usu  proportionatoris  in  fol.  in  weiften  pundt. 

Pauli  Ritteri  equitis  aurati  anagramatum  de  auxiliatoribus  Rung:  üb  2. 
in  Stauo  weiften  pundts. 

Uer^aicbnu(3  €ra$tni  Irancisci  gedrukbter  scbrüfften  in  franzesiscben 
pundt  in  octauo. 

Hr.  23.  Jlndren  jRlberti  Jlritmet:  in  fol.  Casimiri  Smirouitscb  Pixmeister 
kbunstbuecb  sub  Hr.  69  in  fol. 

Item  in  fol.  3oban  Bilbelmi  werkbmaisters  arcbitectura  ciuilis. 

Perspectiu  Rei(5kbun$t  in  fol.  de(5  Peter  Jllten. 

üictronius  Doct.  Qualteri  sub  Dr.  62  in  fol.  in  bescbriebenen  Bargame. 

Beinrieb  Cautensakb  ^oldtscbmidts  vnnd  Maliers  0ircl  vnd  perspectiua 
in  fol.  vnd  IDaculierten  Bargame. 

JIrcbitectura  Qualteri  ariuij  IDedici  et  Hlatematici  in  fol.  sub  Hr.  61. 

Pbilippi  Pecby  Bergwerkbbucb  in  rotten  pundt  in  fol. 

Clauis  macbinarum  Jlndreae  ]ungenikbeli  in  4^?. 

Jobann  Cbristopb  Cüagner  Prouintiarum  Panoniae  et  Imperij  Curcici 
delineatio  in  fol.  in  franz.  pundt. 

^lorilegium  fortificatorium  tripartitum  inu)ei(Kn  pundt  sub  lit.l.  und  Hr.  99. 

3o.  Cbristopb  Sturmii  Colleg.  curiosum  sub  Hr.  111  in  wei(3en  Pundt. 

Cbriptograpbia  Jriderici  in  weiften  pundt  sub  lit.  B,  u.  Hr.  113. 

6eometria  loan.  Jlrdusar  in  weiften  pundt  in  4^?  sub  Hr.  151. 

Der  tbeutscbe  Rercules  vnd  Cadisla  in  tbeutscb  pundt  in  4^?. 

Cbristopb  Zwükber  Compendium  borologicum  et  ßeometricum. 

Bilder: 

ein:  par  waxpossierte  mit  scbwarzen  ramen  eingefaste  Bilder,  deren 
ains  mit  61afi  verdekbt. 

2  deto  mit  01a(5  überzogene  mit  waxpossierte  Bilder,  an  deren  ainem 
3  Bauern  an  dem  andern  aber  ein  Crobatb  gemallen. 

4  altvatterscbe  mit  scbwarzen  ramen  eingefaste  mit  geflamet  güldenen 
Caisten. 

16  stuckb  deto  eingefaste  zimblicb  alte  mit  frücbten  vnd  andern  sacben. 

I  bildt  $.  l)ieronimi  obne  Ramen. 

II  deto  mit  scbwarz  ramen  eingefaste  ein  wenig  bessere. 

4:  Kupferstukb  in  fol.,  daran  franzesiscbe  stl.  deren  eins  etwas  Cenger. 
15  ganz  kbleine  Bildlein  in  Stauo  in  scbwarzen  ramen  eingefast. 
ein  grosser   Spiegel   mit   grof^en  Ramen   vnd  3  deto  etwas  kbleiner. 


'S)    316    © 

4  Candscbaften  mit  schwarzen  Kamen. 

2  deto  in  dem  formb  mit  güldenen  Flamen  vnd  I).  Gesiebtem. 

3  Controfee  Bilder,  deren  zway  mit  schwärzen  Kamen  eingefast. 

4  5^rucbtbilder  obne  Kamen. 

1  ganz  altes  Bildt  mit  schwarzen  Kamen  aus  deichten  (lichten)  Rolz. 

Bilder  vnnd  Spiegl: 

€in  Puschen  vndterschidlicher  Cand  Khupfferstuckb. 

ein  grofier  Uenetian.  Spiegl  mit  schwarzen  Kamen. 

Item  ein  spiegl  mit  schwarzen  ramen. 

Zway  gleiche  Bilder  mit  bluemben  mit  schwarzen  Kamen,  vnd  ge-- 
flamten  verguldten  Caisten. 

Zwey  gleiche  l)ollendiscbe  stuekblein  herumb  auf  bretter  IDanier  vnd 
schwarzen  Kamen  dan  verguldten  Caisten. 

Zwey  gleiche  gemaine  quadri,  alwo  an  ainem  2  Spinerinen,  an  den 
andern  3  Bauern  Spiller. 

€in  zimblich  groj^  vergult.  Candschl.  daran  ain  Cheatrum  angemallen. 

Item  ein  Candsch.  mit  schwarzen  Kamen  vnd  vergulten  5^lamleisten 
daran  dat^  IDeer  mit  2  Schüffen. 

5unff  gleiche  quadri  Mlitterer  grosse,  daran  üictualien  gemallen. 

ein  Jeldscbläcbtl  mit  vergultem  Kamen. 

ein  Bildt,  daran  lHansgewehr,  Sabl,  Pistolln  vnd  Balfften. 

ein  Candschafft  gemain. 

ein  bollendisch  stiikhl,  daran  ein  Bauern  Khnecht  mit  einer  fHagd 
mit  schwarzen  Kamen  vnd  verguldten  Caisten. 

ein  schwarzes  Creuz  mit  Cristall  versetzt. 

ein  l)ollendisch  stukh  au[5  wax  possiert  mit  schwarzen  Kamen  mit 
einem  gla(5  herumb  verdekht,  daran  ein  Bauern  Zech. 

Jlcht  deto  mit  gla(3  verdekhte  kbleinere  st.  aul5  wax  possiert. 

24  deto  auf  gla(5  vnd  sonst  gemahlene  theils  mit  schwarzen  Kamen 
theils  ein  wenig  vergülte  khleine  Bildlein,  daran  Bluemen,  Jrüchte,  hollend. 
Bauern  vnd  Poetische  6edichter. 

Item  ein  st.  mit  vergulten  Kamen,  daran  eine  trauben  vnd  öpffell. 

ein  erden  possirter  Cottentanz. 

Drey  gleiche  Bilder  mit  gefliglwerkh  vnd  gewildt  ohne  Kamen. 

ein  schwarzes  Candsch.  st(ück)  mit  schwarzen  Kamen. 

Unser  Cieb  5r.  Flucht  in  Jleggipten  ohne  Kamen. 

Zway  gleiche  ^eldtschlächtl. 

Zway  gleiche  Candsch.  mit  Kamen,  daran  die  Schlacht  mit  Cauaglieri. 


'S)    317    -2) 

rnatbem.  vnnd  andere  Kbunst  Instrumente: 

Gin  rundes  matbemat.  Instrument  von  ITleister  Jacoben  ßenewürtb 
Rorizon  mobilis  intituliert  sanibt  den  stokb  vnd  requisiten  dazu  mit 
rnessing  u.  Gisen  bescblagen. 

Gin  deto  Inst,  in  rott  Cidernen  vergulten  5^uterall  langekbt,  darinnen 
ein  quadrat  und  triangl.  Inst:  sambt  IDessing  Zürkbl:  3  IHessinginen  rna(5 
Instrument  mit  4  Gysernen  deto. 

Gin  deto  quasti  (Kästeben)  von  roten  Ceder  vergult  mit  zwayen  Inst, 
darunter  ain  Zürkbl  vndter  dem  Damben  Cinea  contingentia. 

Item  ein  Instr.  von  roten  Ceder  vergult,  darinen  ein  3  eggetes  lUes-- 
singines  Instr.  per  modum  quadrantis. 

Item  ein  4  eggeter  Zürkbl  von  IDessing  in  ainem  au(5  rotten  ver-- 
gulten  Ceder  gemacbten  Futteral 

Ttem  ein  Cederner  vergulter  Jueterall  in  Jormb  eines  balben  IDandts 
(Ralbmond)  darinen  2  gelb  ITlessingine  Instr.  vnd  1  voeis  lUessinginer 
grof^er  compa(5  neben  andern  Zierkblen  vnd  abtbeillungen. 

Gin  deto  in  ledernen  vergulten  5^ueterall  befindunder  0ompat5  von 
u)ei(5en  Hlessing  mit  denen  darzue  gebörigen  Silbernen  scbraufen  vnd 
andern  Doturfften  vndter  den  titul  Description  Instrumenti  Borologici. 

Item  ein  deto  5^uetterall  von  roten  Ceder  etwas  alt  darinen  ein  kbunst= 
liebe  metallwaag  neben  dabey  ligunden  gewücbten. 

Drey  Gggete  IHessinge  IDatbem:  globi  dan  ain  4:  eggeter  6V2  Pfund 
IDessing  mit  5  Rädlein,  darunter  ein  rundes  stk.  in  5^ormb  einer  Kblappen. 

Gin  Zwifacb  IDessingen:  prigundes  nia(5  Instrument. 

Gin  5^uetterall  4  egget  in  franzesiscben  pundt,  darinen  alles  mit 
rne(5inginen  Instr.  angefüllt,  vnd  besonder  drey  IDessingine  rna(5  Instru- 
mente zum  Jestungsbau. 

Gin  rnessingines  zimblicb  scbwäres  Instrument  in  5^ormb  eines  Hacbtlicbts. 

Gin  rnessingines  deto  rna(5  Instrument  an  einem  Bolz. 

Item  ein  deto  an  einem  Bolz  rund,  darunter  numerirt  mit  Dr.  121. 

Siben  Bilzene  Instrumente  grien  in  Jormb  einer  pfeiffen  darunter 
fünff  mit  rnessing  bescblagen. 

Gin  4  eggetes  Instrument,  daran  ein  Zedl  mit  Ilr.  15  mit  dieser  Über-- 
scbrifft  5:  regulirte  cörper  von  IDessing  solicbe  in  grund  zu  legen. 

Gin  aisene  IDaf^ruetten  mit  glidern. 

Gin  (üeif^belffenpainerner  perspectiv. 

Gin  Bilzenes  kbleines  quasti  (Kästeben)  darinen  5  messingene  kbleine 
stk.  in  5^ormb  einer  duggaten  waag  gewücbten. 


'S)    31$    ^ 

Item  in  einem  Rilzenen  quastl  darinen  zwainzig  stukblein  von  Hlessinginen 
Zirkhl  vnd  andere  Instrnniente  ancb  ein  scbabtl,  darinen  2  0ompa()  Zeiger. 

Gin  messingene  Scbabtl,  darinen  2  Kbnpferne  0ontrafee. 

€in  messingener  7  Cggeter  Zirkbl  sub  signo  J\  et  B. 

Zwelff  ündterscbidlicbe  Instr.  Zeug,  darob  man  die  messingene  Instr. 
pflanzet. 

Zway  Rilzene  deto  Instrumente  mit  Scbrauffen  vndter  Hr.  16  und  lit.  P.  l). 

Gin  rundes  vnd  besonders  ein  triangl  Inst,  etwas  alt  obne  ainiber  Zifr. 

Gin  magnetstain  in  me(5ing  eingefaf^t. 

Gin  lang  messingines  Instrument  in  ein  HufKuen  Rülzenen  5^uetteral, 
daran  das  Cüort  „stain"  gescbriben.* 

Gin  messingene  Sandvbr. 

Item  ein  grosse  Sandvbr. 

üier  vnd  dreit^ig  bilzene  Buecbstaben. 

Zwey  Cristallkbugl  vndterscbiedlicber  0rö(5e. 

Gin  quastl  (Kästeben)  mit  allerband  Buecbdrukberei  eisenen  Buecbstaben. 

Gin  rundes  Instrument  von  Zun, 

Item  ein  $  egget:  bläuscbwäres  ßilzenes  Instrument  darinen  ujas 
verborgenes. 

5ünff  Cinier  neben  2  CUinkbl  ma[5. 

Jünff  f)ilzen--  vnd  papierne  perspectiv. 

Jlylff  bilzene  kbleine  Instrumente  in  5^ormb  der  kbleglein. 

Gin  f)ilzenes  Insr.  mit  Hr.  4  bezeicbnet,  darinen  ein  Kbunststain  mit 
ßlasscbeiben  vermacbt. 

Gin  Heues  musical  Instr:  5agot  genant. 

Zway  Kbünstlicbe  franzesiscbe  scballmaypfeiffen  gro(5. 

Gin  Rarpfen. 

Gin  Heue  Zierlicbe  mit  messing  bescblagene  deto. 

Gin  messingenes  Postbörendl. 

Zway  Heue  Dudlsakb. 

Item  drey  kbleinere  scballmaypfeiffen. 

Gin  aisen  vnd  kbupfernes  Instr.  zu  Buebdrukberey  gebörig. 

Gin  brät:  vnd  vergultes  Yueterall  tbeils  egget,  tbeils  rund,  darinen 
ein  Silbern   vergulter   meebrcompa(5   sambt   zuegebörig  2  Instrumentlein. 

Item  ein  deto  etwas  kbleiner,  darinen  ein  wei[5messingener  meebrcompat^. 

Item  ein  deto  in  Jormb  eines  Ziebbrun  rott  vnd  vergult  oben  an  mit 
einem  kbleinen  compa|5. 


Stain,  IHarkstcin  =  Instrument  zur  Gemarkung.  Scbmeller,  Bayer.  Cü.-B.,  IL,  p.  763. 


'S    310    'S) 

Ttem  ein  deto  brät :  4  egget,  darinen  ein  messingene  ingenirtafel  mit 
einem  kbleinen  £ompa(5  declinatorium  genant. 

Item  ein  deto  lang  vnd  scbmall  darinen  4  lange  Instr. 

Item  ein  wenig  kbleineres  deto,  darinen  ein  Instrument  mit  4:  tbeillen 
zusamben  gelegt. 

Item  ein  4  eggetes  scbwarzes  Crübl  voll  mit  Hlatbemat.  Instrumenten 
und  raii^zeug. 

Item  ein  kbleines  trübl  mit  matbem.  Zeug  neben  einem  compa(5. 

Item  ein  grosses  mit  scbwarzen  leder  vberzogenes  rundes  3^uetterall, 
darinen  ein  grosses  matbem.  Instr.  vnd  in  der  miten  ein  0ompa(5. 

Item  ein  gemaine  waisse  Scbabtl  mit  vndterscbidlicben  messingen  vnd 
aisnen  Tnstrum. 

ein  matbem.  ma(5  von  Relffenpain  die  maillen  damit  au(5zumessen. 

Item  ein  plecbene  runde  Scbabtl  mit  messing. 

Item  ein  Hut^baumbenes  quastl.  Darinen  auf  einer  Seiten  ein  mef^ingenes 
Kbästl   auf  der  andern  selten  aber  mit  vndterscbiedlicben  Instr.  angefüllt. 

Item  2  lange  bilzene  ßeometr.  ma(5Stab. 

ein  Kbästl  sub  Hr.  51  darinen  etlicbe  st.  Belffenpain,  5^arben  vnd  mallerzeug. 

Item  ein  kbleines  bilzenes  Kbästl  mit  bargame  überzogen,  darinen  ein 
kbleines  Instr. 

Item  ein  Bilzenes  Kbästl  sub  Dr.  21  darinen  allerband  messing.    . 

mebr  ein  deto  mit  Dr.  54  darinen  vndterscbidlicbe  teglein  (Ciegel) 
eiserne  vnd  Crdene  zum  5^arben. 

Item  ein  deto  sub  Hr.  43  darinen  2  possierte  CUaxköpff. 

mebr  ein  deto,  darinen  gla(5scbeiben  vnd  terpentin  sub  Dr.  50. 

Item  ein  Kbästl  mit  Dr.  26,  darinen  69:  tbeils  gestobne  tbeills  aber 
vngestobne  Kbupferene  blatt. 

Item  ain  deto  sub  Dr.  24  darinen  34  kbleinere  vnd  3  grössere Kbupferne  blatt. 

Item  ain  deto  sub  Hr.  25  darinen  2  stk.  ßelffenpain  vnd  aine  stainlein. 

maus  Kblayder,  Rüstung  vnd  ßewebr: 

ein  rotter  tuebener  pelz  mit  vbergulten  Knöpffen  vnd  5^üxpälgern 
gefuetert  sambt  der  Kbappen. 

Item  ein  gebrämbter  halbseidener  zerrissener  Rokb  von  barfarben 
Zeug  sambt  Rdo  (Keverendo)  Rosen  gebrämbter  voeste  vnd  Strümpff. 

Item  ain  maus  Rokb  au(3  scbwarzen  Sammet  mit  Silbernen  vnd  ver- 
gulten  Kbnöpffen. 

mebr  ein  Cristaminfarb  halbseidener  mit  vergult  vnd  Silbernen  porten 
gebrämbter  Rokb  mit  Silbernen  Kbnöpffen. 


-©    320     'S) 

Tteni  ein  alter  griener  (corr.  aus  roter)  Rokb  von  Plüscb  mit  gegossenen 
Kbnöpffen. 

Jünff  gebränibte  alte  l)uett,  darunter  2  der  brauen  CUittib  gebörig 
daran  auf  einem  2 :  weisse  vnd  ain  scbwartzer  Jederpuscben. 

€in  Raubtmans  Portapäe  mit  goldenen  vnd  rotbseidenen  5^ransen. 

€in  gelb  Candscbafft  Janen. 

Gin  Spaniscbrobr  mit  Silber  bescblagen,  daran  ein  Silbernes  KbetL 

Gin  altväteriscber  Spazierdegen  mit  Silbernen  6efä(5  vergult  sambt 
einen  alten  ledernen  Cüebrgebäng. 

Gin  Scbärpen  viermall  mit  Silbernen  vnd  rotbseidenen  fransen  verbrämbt. 

Zway  gelbe  verbrämbte  Ciberey  mäntel. 

Secbs  landscb.  Rökblein,  so  der  Br.  üaluasor  seel.  bey  gefuerter  Com-- 
pagnie  für  die  Officir  vnd  drumblscbläger  gebraucbt. 

Zway  Kbira[)  sambt  dem  Kbaf^kbet. 

Gin  par  liderne  £astraunfelL 

Zway  par  weisse  tuecberne  alte  strümpff. 

Gin  par  Pistollen  Säkbl  von  rottem  tueb. 

Zway  scbwarze  Rofigescbier. 

niebr  2  andre  alte  Kasketen. 

Gin  rotte  Ro(5dekben  mit  üaluasorscben  UJappen. 

Drey  Säbel  mit  Silber  bescblagen  vnd  ein  Palläscb  mit  vergulten  bescblebt. 

Item  2  alte  gemeine  Säbl. 

Gin  Rirscbfänger  mit  sambt  Hlesser  vnd  5^reimb  (?) 

Item  ain  gemainer  mit  Hlessing  bescblagener  Palläscb. 

Gin  ^ungarischer  Cscbekbän. 

5^ünff  alte  Degen. 

Zway  Karabiner  mit  Ceutscben  Scblössern. 

Zway  par  Pistollen. 

Zway  niuscbquetten,  darunter  eine  mit  teutscben  scblof^  die  andere  mit  flinten. 

Zway  par  Jlintenpistollen  mit  toppelten  Cauffen. 

Item  ain  par  alte  Pistollen  mit  teutscben  Scblössern. 

Item  ain  Cerzeroll. 

Drey  gemaine  Karabiner  Riemb. 

Gin  5^euerzeug  in  Relffenpain  eingefasst. 

Zway  Puluerflascben  sambl  dem  Spaner. 

Gin  ßuertl  von  jucbtenleder. 

Gin  par  Panzer  Grnibling. 

Gin  jopra  au()  llleebrkalb  Ceder. 

Gin  par  f)ulfftern  von  nieebrkalb. 


'S)    321     'S) 

5^rauen  Kblayder: 

ein  schwarzes  Sametes  altes  Hlueder  (mieder)  mit  vergulten  ßallanen 
gebrämbt. 

Item  2  deto  ein  schwarz:  vnd  ain  rottes. 

ein  schwarzes  CUeiberwames  von  0ronra$ch*  ohne  Brämb. 

Item  ein  deto  schwarz  mit  Kö(5lein  darzue  auch  ain  Rokh. 

niehr  ain  Isabelafarben  weiber  Rokh  mit  schwarzen  drukh. 

5^ünff  CUeiber  Ralshemeter**  von  teutscher  Cainwatt. 

Item  drey  raistene  alte  CUeiber  Balsfäter.** 

niehr  ain  CUeiber  Remmet  von  teutscher  Cainwatt. 

Ttem  2  Cüeiber  Remeten  von  grober  Cainwatt. 

Sechs  CUeiber  Petschen. 

Sechs  raisten  vnd  ain  rupfenes  CUeiberfuertueh.  8 

Caingewandt:  ^ 

Uier  par  alte  abgetragne  Khüf^  Ziehlein  (Kopfpolsterüber-  * 

Züge)  mit  vndterschidlichen  weissen  Khleglwerkh***  Id  est   .  4  par  t 

Item  Zehen  vnd  V2  P^t*  deto  schiebt  vnd  guet  mit  schwarz,  ^ 

rot  vnd  griener  seidten  auf^gemacht  Id  est IOV2     »  ^ 

Zehen  par  raistene  Ceilaher  mit  Spizen  Id  est.     .     .    .  10     „  "^ 

Item  aylff  par  deto  subtil  vnd  gröber  mit  Khleglwerkh  Id  est  11     „  ^ 

mehr  zway  par  deto  auf?   raistener  Ceinwatt  ohne  Spiz  Y 

vnd  Khleglwerkh  Id  est 2     „  i^ 

mehr  ain  par  deto  mit  Khleglwerkh  roth  auf^genäet  Id  est  1     „ 

Item  ain  par  öhlwerkhene  mit  Spizen  Id  est    .     .     .     .  1     „ 

Item  ain  ainschichtiges  Ceillach  mit  Spizen  Id  est  .    .    .  1  stukh 

Cischgewandt: 

Zway  dutzend  tischfazelet  von  Chomaschkh  sambt  denen  zuegehörigen 
Cischtuecher  vnd  Bandtuehern. 

Item  auf  Sehs  tisch  deto  au(3  Zwillich  Subtiler  granatur. 

Item  auf  drey  tisch  deto  etwas  gröber. 

mehr  auf  ain  tisch  deto  von  Zwillich. 

mehr  auf  ain  tisch  deto  au(5  raistener  Subtiler  Cainwatt  mit  Spizen. 


*  Krön--  oder  Cuchrascb  von  kurzer  KrünpelwoUe.  Sanders,  lü.-B.,  IL,  p.  641. 
**  hcind,  das  nur  den  Oberleib  bedeckt.  €benda,  I.,  p.  740. 
***  Klöckelwerk  =  Sainnielausdrud<  für  geklöppelte  Spitzen.  Umjer^Kbull,  Steierischer 
CUortscbatz,  p.  394. 

V.  Radics,  üalvasor.  21 


'S)    322    ® 

TteiTi  Zway  ainscbicbtige  Zwillicbene  Ciscbtuecber. 

Item  Sechs  alte  bandtuecber. 

Item  auf  fünf  Ciscb  öblwerkbene  granatur. 

Pettgewandt: 

lünii  guet  vnd  scblebte  5^ederpetter  Id  est 5  stukb 

Zvvelff  pölster  Id  est 12 

Gin  IDadratzen  sambt  zway  Pölster  Id  est 3 

neun  Baubtkbüssen  Id  est 9 

Kbulter:* 
Gin  seidener  Kbulter  von  £äpizoll  gestraifft  vnd  Cristamin-- 

farb  Id  est 1  stukb 

Item  zvoay  türkiscbe  deto  Id  est 2      „ 

niebr  ein  gestraiffter  deto  mit  rotb  tafeten  blatt  Id  est  .  1 
IDebr  ain  Citronifarber   seidener  Kbulter  mit  ßoldt  blaw 

vnd  barfarben  poden  Id  est 1 

Item  ein  rotbseidener  deto  mit  gleichen  poden  Td  est     .  1 

Item  ein  halbseidener  mit  rotseidene  poden  Id  est     .     .  l 
Gin    5^ierschab  (Pfirsich)  farber    deto    mit    tunkhlgeröselten 

poden  Id  est 1      „ 

Item  ain  gueter  deto  von  Cegaturarbeith  Id  est     .     .     .  1 

Item  Zway  deto  ganz  alt  Id  est 2 

Cewich  (Ceppich): 
Gin  grien,  rotb  vnd  blawer  seidener  Cewich  Id  est     .     .         1  stukb 
Item  aylff  gemaine  Cewicher  Id  est 11      „ 

Züngeschier: 

Gin  0ie(5pökb  mit  bluemen  auf^gearbeit  auf  alte  IDanier  Id  est  1  stukb 
Zway  U(iertl)  haltende  Kbandl   mit  bluemen  auf^gearbeit 

auf  alte  IDanier  Id  est 2 

Item  Zway  zu  ü(iertl)  haltende  Flaschen  Id  est    .     .     .  2 

IDebr  deto  aine  Zway  U.  haltend  Id  est 1      „ 

IDebr  zway  deto  zu  ain  ü.  haltend  Id  est 2 

Item  Zway  Uiertlkbandl  Id  est 2 

Item  zway  l^albkbandl  Id  est 2 

*  goltcr,  gulter  (bayr.),   neuslov.  koltcr,  altslov.  koHcru,  lat.  culcitra  =  Bcttded<e. 
iniklosid),  etym.  Ol.-B.,  p.  125. 


'S)    323    'S 

Gin  dutzend  niittere   scbüssl   acht  vnd  zwainzig  pfundt 

wägend  Id  est 2$  pfundt 

Item    zway    dutzend    dergl.    scbüssl    wägend    zwainzig 

pfundt  Id  est 20 

mehr  zwainzig  Cäller  vnd   ain  zerlassne  Scbüssl   darbey 

wägend  drei  vnd  dreisig  pfundt  Id  est 33 

Item    dreyzeben    kbleine    Scbällerlein    wägen    fünff   vnd 

V2  pfundt  Id  est SV^      „ 

rnel^inggescbier: 

Secbs  IDessingine  Ceibter  vnd  zway  deto  etwas  kbleiner  Id  est  $  stukb 

€in  par  Hlessingine  Oell  Ceibter  Id  est 2 

Kupfergesebier : 

Hebt  vnd  zwainzig  pfundt  Kbupfergescbir  Id  est    .     .     .  2$  pfundt 

Gisenwerkb : 

ein  Centen  vnd  90  pfundt  alten  Gisen  Id  est .     .     .     .  190  pfundt 
Gin  stukb  oder  tbeill  von  einem  anipaf^  (Jlnibos)  mit  etlicben  wenig 
pfeillen  (teilen)  vnd  andren  Scblosserzeug. 

Undterscbidlicber  Sorten  ßauf^ratb: 

Gin  gewandtkbasten  von  barten  Rolz  mit  scbwarzgepazten 

(gebeizten)  Ziratten  Id  est 1  stukb 

Zwey  Pettstätt  von  dergl.  Bolz  vnd  Zieraten  Id  est    .     .  3      „ 

Gin  scbreibtiscb  oder  Kbästl  von  dergl.  Bolz  Td  est    .    .  I 

Drey  kbleine  Ciscblein  Id  est 3 

Item  ein  Scbreibtiscb  mit  scbwarzgepazten  Cädlein  inwendig 

auf  beeden  Seiten  mit  glas  eingemacbt  Id  est 1      „ 

Gin  Spaniscbe  Cüandt  mit  Figuren  Id  est 1      „ 

Dreyzeben  trübin  Id  est 13 

Gin  grosser  Kbasten  in  der  Stuben  mit  ßewürzlädlein  Id  est  1 

neun  alte  mit  Ceder  überzogene  Sessel  Id  est  ,     .     .     .  9 

Drey  Cain  (Cebnsessel)  deto  Id  est 3      „ 

Uier  vnüberzogene  Sessell  Id  est 4 

Siben  Cainstuell  Id  est 7      „ 

Zway  tiscblein  mit  gedräxelten  Gerüst  Id  est    .     .     .     .  2 

Gin  Zimmersaag  (?)  Id  est 1 

5^ünff  kbleine  Ciscblein  obne  Saill  Id  est 5      „ 

2\* 


'&    324    'S) 

Item  aylff  mit  Icder  überzogene  Sessel 11  stukb 

Zway  Petstätt  von  gemainen  Rolz  Id  est 2 

Item  ain  Rai(5pettl  Id  est 

€in  grosse  Scbabtl  mit  Sandl  Id  est 

Drey  Oell  Campen  oder  Dacbtlicbter  mit  scbain  Id  est 

€in  deto  gro(5  mit  4  tobt  Id  est 

Item  ain  gro(5  deto  mit  2  tobt  Id  est 

Zway  IDesserstokb   mit  Hlessern   von   vuaissen  painernen 

bescbläbt  ganz  angefuelt  Id  est 2 

IOV2  Presil  Cowagkb,*  den  Rr.  Jranz  Gnglbrecbt  Zetscbkber  Jreyb.  den 

gangbabren  u)ertb  nacb  zu  bezallen  übernommen. 

Kublgescbier: 

Gin  Kbössl  Id  est 1  stukb 

Jünff  brattspie(5  Id  est 5  „ 

Drey  Pfannen  Id  est 3  „ 

Drey  Scböpfflöffl  Id  est 3  „ 

Gin  Kubl(Kücben)mörser  sambt  dem  aisenen  Stössl  Id  est  1 

Gin  aisen  zum  Oliupaben**  Id  est 1  „ 

Pferdt: 
Zway  pferdt  als  nemblicben  ain  Scbwarzscbimbl  vnd  ain  braun. 


Uerzaicbnus  Ibrer  gnaden   der  3obann  CUeykbard  üaluasorsicben   5^rauen 
Cüittib  so  sy  auf  begebren  vorgewisen. 


Silbergescbmaidt: 

Zway  Silberne  vnuergulte  gleibe  (gleicbe)  scballen  Id  est 

Item  ein  deto  rund  vnd  glat  Id  est 

Gin  kbleines  Salz  Uassl  Id  est 

Eylff  geringe  Cöfl  Id  est 


2  stukb 


11 


Züngescbier: 

Gin  vnd  V2  dutzend  grosse  Zünnerne  Scbüssel  wägen 
Secbs  vnd  acbtzig  pfundt  Id  est 86  pfundt 

Drey  dutzend  zünnerne  Cäller  aines  5^ormb  wägen  ^ünffzig 
pfundt  Id  est 50 


*  Schnupftabak  (siebe  p.  10$  f.). 
**  €isen  zum  Backen  der  Ölkrapfen. 


'S    325     ® 

Cewicb : 

Gin  par  nürnberger  Cewicb  vndterscbiedlicber  Farben  Id  est       1  par 

Item  ein  Cürkiscber  deto  Id  est 1  stukb 

Item  ein  legatur  Id  est 1      „ 

Caingewandt: 

Uierzeben  par  Ceillacber  mit  vnd  obne  $päz  Id  est    .     .     14  par 

Zway  par  deto   au(5  oblwerkb   (?)   deren  ain   par  mit 
Spützen  Id  est 2     „ 

neun  par  Raubtkbüszieblein,  darunter  tbeils  mit  scbwarzen 
seiden  auf^gemacbt  (gestickt) 9     „ 

Jluf  Secbs  Ciscb  oder  Cafel  Zwilcbene  Ciscbfazelet  sambt  Ciscbtuecber 
vnd  Bandtuecbern. 

Item  auf  zway  tafl  deto  auf^  Cbomascbkb. 

niebr  auf  drey  taffl  deto  au(5  oblwerkb. 

Kbulter: 

Gin  rotbtaffeter  Kbulter  mit  scbwarzsameter  Caffl. 
Gin  Citronifarber  deto  mit  einer  Caffl. 

Item  ain  au(5  leibfarben  Cbomascbkb  vnd  feigifarben  Sameten  blatt. 
IDebr  ein  deto  von  ferscbacbfarben  tobin  die  taffei,  die  Seiten  berumb 
aber  mit  gedrukbter  Cainwat. 

Item  Zway  deto  von  roter  Cainwatb  mit  gedrukbter  Cainweter  taffei. 
Gin  deto  au(5  Citronifarber  Cainwat  mit  gedrukbter  Cainwetener  taffeil. 
Item  ein  deto  von  legatur. 
rnebr  ain  von  l)aimbiscber  legatur. 

Dessen  zu  wabrer  ürkbund  Ist  vnser  birundter  gestehe  Fertigung. 
Datum  ßurkbfeldt  den  16  january  Ho,  1694^?. 


iL  $.) 


Caspar  Cunkbelsteiner,  Stadtpfarrer  alda 
als  beuolmäcbtigter  Inventurs  Commissarius. 


(C.  $.)  Corenz  Cüogatbey,  Pfarrer  zu  Jlrcb. 

CUoIfgang  Busetb  m/p. 
al(5  ex  officio  adiungirter  Inventurs  Commisarius. 


(C.  S.) 
(C.  $.) 


0.  5^rid.  Deäpolitan  m/p. 
als  Commissionscbreiber. 


'S)    326    'S) 

Inliegend  der  Brief  der  drei  Comniissäre  an  den  Rerrn  Candesverwalter 
aucb  Candesverweser  in  Crain  S.  Hlaj.  w.  geb.  Ratb  Georg  Sigmund  Reicbs-- 
grafen  und  f)errn  von  ßallenberg,  worin  sie  niiltbeilen,  da(5  sie  die  untern 
IHontag  nacb  S.  Ceopoldi  näcbst  abgerukbten  Jlo.  1693  aufgetragene  In-- 
ventursaufnabme  unter  Zuziebung  eines  „tauglicben  Comniissionsscbreibers", 
des  Stadtscbreibers  von  ßurgfeld  Georg  5^riedricb  Deapolitan  in  praesentia 
des  vvoll  Gdlgebornen  Rerrn  Georg  Jlndren  Grafenweeger  als  des  ]ob. 
Cüeykb.  Ualuasor  erster  Gbe  Kbinder  gericbtlicb  geordneten  Gerbaben  dann 
aucb  im  Beysein  der  wollgebornen  brauen  Jlnna  niaximilla  Ualuasorin 
Jreyin  CUittibfrauen  vorgenommen  und  das  nebenbefindige  verscblossene 
Inventarium  vorlegen. 

(Das  Inventarium  zäblt  31  Blätter  5olio.) 

Inventaria  U  1—17,  Pars  I  U  1-17  (Hr.  7), 
Candesgericbt  Caibacb. 

Innen  liegt  das  Inventarium  über  den  zu  Cüagensberg  vorgefundenen 
üerlat). 

Inuentarium 

über  Cüeillandt  joban  Beykbardt  und  Jlnna  Rosina  üaluasoriscben  zu 
Cüagensperg  sieb  befundenen  verlat^,  so  an  beut  zu  Gndtgesetzten  dato 
bescbriben  worden. 

Biecber: 

1.  ein  aigenbändiger  Baron  üaluasoriscber  Cibrorum  Catalogus  in  folio 
vnd  franzesiscben  bundt. 

2.  ütriusque  Cosnii  majoris  Scilicet  minoris  lUetapbisa  Pbysica  atque 
Cecbnica  l)istoria  autbore  Ruberto  51ud,  Com.  I,  sub  Citt.  5=  et  fir.  49. 

3.  microcosmi  bistoria  autb.  R.  3^1.,  Com.  II,  C.  J,  Dr.  50. 

4.  niedicina  Catbolica  seu  misticum  artis  medicandi  Sacrarium  in 
tomos  diuisum  duos  autbore  R.  5^1.  s.  C.  5^,  Hr.  51. 

5.  Integrum  morborum  misterium  siue  medicina  Catbolica,  Cbomi  I 
tract.  2^,,"^  autb.  R.  II.,  C.  5,  Hr.  52. 

6.  Pbilosopbia  mosaica  autb.  R.  51.,  5,  53. 

7.  lois  Blaeu  nouum  ac  magnum  teatrum  ürbium  Belgicae  Regiae, 
Com.  I,  C.  f),  Hr.  1. 

$.  Com.  II,  Belgicae  foederatae,  \),  2. 
9.  Com.  III,  admirandorum  Italiae,  Pars  I,  I),  3. 
10.  Com.  IV,  Pars  II,  admirandoru?n  Urbis  Romae,  B,  4. 


'S»     327     '& 

11.  loannis  Blaeu  Jltlas  maior  siue  Cosmograpbia  et  ßeograpbia 
Blauiana,  qua  Soluiti,  Salum,  Coelum  accuratissime  describuntur,  üol.  1, 
Introductio  ad  ßeograpbiam,  R,  5. 

12.  Orbis  terrarum,  B,  5. 

13.  Hrctica  et  Byparctica  Siue  Regiones  sub  Polo  Boreali  quae  est 
ßeograpbiae  blauianae  Pars  I,  Ciber  unus,  1),  5. 

14.  €uropa  quae  est,  0.  Bl.,  P.  11,  Cibri  17,  f),  5. 

15.  Horuegia  quae  est  Guropae,  Cib.  1,  Cit.  B,  Dr.  5. 

16.  Dania  quae  est  €uropae,  L  2,  f),  5. 

17.  Ducatus  Sleuicensis,  B,  5. 

IS.  üolumen  2''"„"^  Suecia,  quae  est  Guropae,  lib.  3,  B,  6. 

19.  Russia,  quae  est  Guropae,  Ciber  4,  f),  6. 

20.  Polonia,  quae  est  Guropae,  Db.  5,  B,  6. 

21.  Regiones  orientales  vltra  germaniam  circa  Danubium  Guropae, 
C.  6,  B,  6. 

22.  ßraecia,  quae  est  Guropae,  lib.  7,  B,  6. 

23.  Uolumen  V'T  ßennania,  quae  est  Guropae,  lib.  $,  1),  7. 

24.  Uolumeu  4"T  Belgica  Regia,  quae  est  Guropae,  lib.  9,  1),  S. 

25.  Belgica  foederata,  quae  est  Guropae,  lib.  10,  B,  $. 

26.  üolumen  5',!""  Jlnglia,  quae  est  Guropae,  Cib.  11,  B,  9. 

27.  üolumen  6^1,""  Scotia,  quae  est  Guropae,  Cib.  12,  B,  10. 
2$.  Bibernia,  quae  est  Guropae,  Cib.  13,  B,  10. 

29.  üolumen  7'"',!'"  Gallia,  quae  est  Guropae,  Cib.  14,  B,  11. 

30.  Belvetia,  quae  est  Guropae,  Cib.  15,  B,  H. 

31.  üolumen  S'f,'"  Italia,  quae  est  Guropae,  Cib.  16,  B,  12. 

32.  üolumen  9"""^  Bispania,  quae  est  Guropae,  Cib.  17,  Bt  13. 

33.  Jlfrica,   quae  est  0eogr.  blauianae,   pars  tertia,  lib.  unus,  B,  13. 

34.  üolumen  10'"^!'"  Jlsia,  quae  est  0eog.  blau.,  p.  4^f ,  lib.  unus,  B,  14. 

35.  Sina,  quae  est  0eograpbiae  blauianae,  Cib.  2^,,"^  et  additamentum 
de  regno  Cabaye  et  bistoria  de  bello  tartarico  Cib.,  Cit.  B  et  Dr.  14. 

36.  üolumen  11'"'!'"  et  ultimum  Emerica,  quae  est  ßeograpbiae  blauianae, 
pars  5^?  et  vltima  Ciber  vnus  sub  Citt.  B  et  Dr.  15. 

37.  Hnderter  Cbeill  Diderlandt,  sub  lit.  B  et  Hr.  16. 
3S.  Comus  2'*„"^  5^rankreicb  Grster  tbeill,  B,  17. 

39.  Bispanien  Anderer  Cbeill,  B,  17. 

40.  Hsia  dritter  tbeill,  B,  17. 

41.  Jimerica  vierter  tbeill,  B,  17. 

42.  Comus  3'i,"^  Italien  Grster  Cbeil,  B,  IS. 

43.  Jlnderer  Cb.  ßriecbenlandt,  B,  IS. 


'S)    32$    '& 

44.  Anhang  Primi  et  2^,!  Comi,  1),  1$. 

45.  Conius  4"f  Gntjelandt,  1),  19. 

46.  Coniiis  5*',!^  Schottland  1  Ch.,  ß,  20. 

47.  Jinderer  theill  Irrlandt,  f),  20. 

4$.  Conius  6'!!^  Sina  sanibl  der  l)i$tori  vom  Cartarischen  Khrieg,  Cit.  1),  21. 

49.  f)er$tannnu3  bayder  Rayser  Baaden  vnd  von  Böllenstain  in  folio 
u)ei(5  Gingebunden. 

50.  Undterschidliche  abri()  allerhandt  (üasser--,  rol5  vnd  handt  müllen 
durch  Octauium  de  Strada  ä  Rosberg  ciuem  Romanum  in  folio. 

51.  Jlllgemeine  Schauplatz  oder  niarkth  vndt  Zusammenkhunfft  aller 
Professionen,  Khünsten,  geschafften,  handien  vnd  handtwerkhen  so  in  der 
ganzen   u)elt  geübt  vyerden  durch  Choman  ßarzonum  in  folio,  Hr.  $S. 

52.  Heue  Cronica  türkischer  nation  von  Cürkhen  selbst  beschriben  in 
folio  vnd  franzesischen  bundt. 

53.  Gin  vnGingebundenes  bueh  in  folio  Chesaurus  Gxoticorum  genandt 
die  Jlsiatische,  Jlfricanische  vnd  Jimericanische  nationes  betr. 

54.  Der  deutsche  Carl  oder  so  genaendter  Guropischer  geschieht  Roman 
auf  das  16S9  Jahr  in  $\?  vnd  franzesischen  bundt. 

55.  IDehr  der  drite  theill  des  teutschen  Carls  auf  das  1689  3ahr  auch 
in  S?  vnd  franzesischen  pundt. 

56.  Dritter  theill  von  Pharamund  oder  die  Geschichte  von  Frankreich 
in  $?  vnd  franzesischen  pundt. 

57.  Jlusführlicher  Gndtujurff  aller  Bayrischen  Rörzogen  bis  auf  das 
1681  3ahr  in  %\  v^eif^en  pundt. 

5$.  Khurzer  Gndtwurff  des  Cebens  der  Khönige  in  Gngelandt  bis  auf 
die  ]ezige  regirung  in  weiften  pundt. 

59.  Ristoria  von  5^alln  vnd  abnemben  des  Rhönigreichs  5^rankhreich 
in  u)ei(5en  pundt. 

60.  Jlnderter  theill  des  ottomanischen  Baiozetts  oder  sogenandten 
Guropaeischen  Ceschichtsromans  auf  das  16$$  3^br  in  $?  vnd  franzesischen 
pundt. 

61.  ßemaine  Darstellung  aller  der  von  vnd  an  der  Donau  gelegenen 
Rhönigreiche,  5^ürstenthümer,  Cänder  vnd  Stätte  in  $?,  franzesischer  pundt. 

62.  IDosella  Rheniamica  in  %\  weilten  pundt. 

63.  Rhurze  vnd  wahre  Beschreibung  der  5jährigen  harten  gefängnus 
Dicolai  Schmidt  in  $?,   vnGingebunden. 

mathematische  Instrumente 
Zwo  grosse  runde  Cüeldt  Rhugel. 


'&    329    -§> 

Pilder: 

Des  Rerrn  Jobann  Beikbardt  Ualuasor  5^reyb.  see.  waxposiertes  Contrafe. 

niebr  das  Contrafe  des  Brn.  Baron  Ualuasor  sei.  Erster  5^rauen  0e-- 
mablin  geborene  6raffenweegerin  aucb  nunmebr  sei.  wax  posiert. 

ein  gro(5es  Paquet  vndterscbidlicber  Kbupfersticb  sambt  €ineni  buecb 
bescbreibung  der  ßraff  Cambergeriscben  gütter  (Ualvasors  Copograpbia  arcium 
Eambergianarum). 

ßolzwercb: 

5^ünff  gro(3e  almarn*  von  bartem  Bolz  für  die  Bücber  mit  FHesingenen 
Drabtfligeln  oder  Cbüren. 
Zwen  deto  etwas  kleiner. 

ürkbundt  dessen  vnser  fertigung  Bescbeben  zu  Cüagensperg  den 
13.  janner  1694. 

Beinrieb  Julius  Jlpfalterer  Jreib.  m/p. 

3obann  Corenz  Paradeiser  Jobann  JIndrää  ßandin  m/p. 

Jreib.  m/p.  Raubtman  als  an  Statt  als  an  Statt  des  Berrn  Baron 

des  Bm.  Baron  von  Uüerneg  Jlpfaltrers  Grbettener  Tnuenturs 

erbetener  Inventurs  Commissarius.  Commissarius. 

m 

Inliegend  die  briefl.  Hlittbeilung  dieser  ünterscbriebenen  an  den  Candes--  |f: 

Verwalter  aucb  Candesverweser  Grafen  von  ßallenberg,  Sr.  niaj.  1.  ö.  geb.  / 

Ratb  aucb  D.  des  Cöbl.  Scbranengericbt  daselbst: 

„Jluf  die  von  euer  Rocbgrafl.  exe.  vnd  dem  Cöbl.  Scbranengericbt 
an  Brn.  l^einricb  Julius  5^reyb.  Cüernekb  vnd  an  micb  Bainricb  Julius 
Jlpfaltrer  5^reyb.  vnter  dato  montags  nacb  St.  Ceopoldi  des  necbst  ab-- 
gerükbten  1693  Oabrs  abgelassen  üerordnung  u.  s.  w.  in  Cüagensperg 
Inventur  aufzunebmen  vnd  ex  parte  ])rn.  Georg  JIndreen  ßrafenwegers 
als  der  Joban  Beykbardt  valuasoriscben  erster  ebe  Kbinder  geordneten 
ßerbaben  eingereicbtes  memorial  bab  leb  Jlpfaltrer  ^reib.  in  abwesenbeit 
wolgedacbtes  [)rn.  Baron  v.  WJernekb  zu  solieben  ende  den  tag  auf  den 
12  dits  nionatbs  january  webrenden  1694  jabrs  zu  Cüagensperg  nicbt 
allein  benannt  sondern  aucb  gemelter  gnedigen  üerordnung  sambt  der 
bestimbten  Inventurs  Cagsazung  den  Rrn.  Baron  von  Cüernekb  nacb  Deu-- 
markbtl  vnd  die  bindterlassene  Jobann  Cüeikbardt  üaluasoriscbe  5rau 
Cüittib  nacb  ßurkbfeldt  vnuerzogen  erindert. 

*  Kasten. 


3 


er 


'S)    330    ^ 

Cüeillen  aber  offlwol  gedacl)ter  Rr.  Baron  v.  Cüernekh  an  dem  be-- 
stinibten  Cag  noch  nicht  ankboniben,  ich  aber  auch  dergestalten  unpaf^lich 
befunden,  daf?  mir  nach  Cüagensperg  zu  erscheinen  unmöglich  war,  hin-- 
gegen  sich  aber  der  l)r.  6erhab  daselbst  in  tempore  wie  auch  ex  parte 
der  brauen  wittib  l)r.  Ueith  Jacob  Caufferer  5reyh.  eingefunden,  vnd  zu 
verhuettung  mehrerer  reisen  vnd  anwendung  der  vncosten  anstatt  offt 
wolgedachten  l)rn.  Baron  v.  Cüernekh  den  l)rn.  Johann  Corenzen  Paradeyser 
5reyh.  Ich  aber  an  meiner  Statt  I)rn.  Johann  Jlndree  ßandin  zu  obbesagten 
ende  erbitten"  —  legen  nun  die  Inventurs  Jlufnahme  vor.  Dieser  Brief 
unterschrieben  von  Jlpfaltrer,  Paradeiser  u.  ßandin. 


4 


Inuentarium 

über  weillandt  dej?  Cüollgebornen  l)errn  l^errn  Jobann  Beykbardten  Ualluaf^or 
Jreyberrn  zu  ßallenegkb  vnd  Heudorff  Ciner  Cöbl.  Candtscbafft  dises  l)ör-- 
zogtbumbs  0rain  in  Untern  Uiertl  gwestcn  Raubtman  seelligen  Jllda  zu 
Caybacb  befundenen  von  der  Ban(5  Joseph  ßraffenweegeriscben  Uerlassen-- 
scbafft  separierten  vnd  dem  Rerrn  Jobann  Josephen  von  (Uallensperg 
J.  U.  Dr.  vnd  Giner  Cöbl.  Candtscbafft  in  Crain  geschvoorenen  Schrannen 
Jldvokaten  alf^  voordenen  Johann  Beykhardt  üalluasorischen  ßerhaben  zue- 
gestelten  üerla(5,  so  an  heuth  durch  vns  Gndts  Unterschribene  al(5  von 
dem  Cöbl.  Schranengericht  beuollmächtigte  Inventurs  vnd  reuidierungs 
Comniissarien  beschriben  voorden. 

Brieffliche  Urkhunden : 

Hr.  1.  Da(5  Johann  Beykhardt  üalluasorische  Inventarium  sub  Dr.  1. 

Hr.  2.  Gin  Zaeugbrieff  oder  Bevollmächtigung  zu  der  Johann  Beykhardt 
üalluasorischen  gerhabschafft  sambt  ettlichen  darbey  befindlichen  Schriften, 
sub  Dr.  2. 

Hr.  3.  ein  üerzeichnus  der  üalluasorischen  Bibliotec  sub  Dr.  3. 

Dr.  4.  Gin  action  contra  5^rau  Jlnna  ülaximilla  üalluasorin  Jreyin 
wegen  liquidirung  der  heyrathlichen  sprüch  sub  Hr.  4. 

Hr.  5.  Gin  deto  contra  l)errn  Johann  Jlnthonio  Sumrekher  als  Johann 
Beykhardt  üalluasorischen  curatorn  ad  lites  voegen  liquidirung  der  bey  den 
üalluasorischen  Üerlaf3  zu  ersuchen  habenden  sprüch  sub  nr.  5. 

Hr.  6.  Gin  detto  contra  5^rau  JInna  rHaximilla  üalluasorin  5reyin 
wegen  des  geschenkhten  Schmukh  vnd  Silbergeschmaidts  sub  Dr.  6. 

Dr.  7.  Gin  Paquet  vndterschidlicher  Zeugbrieff  die  üalluasorische  6er-- 
habschafft  betreffendt  sub  Hr.  7. 

Hr.  $.  Gin  action  zwischen  Rerrn  I)an(5  Joseph  ßraffenweeger  al(5 
üaluasorischen  ßerhaben  denen  brauen  Jlnna  fllaximilla  üalluasorin  wittib 
wegen  durch  gedachte  5^rau  üalluasorin  Cüittib  5^rau  clagender  900  fl. 
sub  Hr.  $. 


'S)    332    'S) 

IDannf^gewäbr  vnd  Kleider: 

ein  Partesan  mit  rotb  vnd  güldenen  fransen. 

Drey  Cbeill  eines  Schwarz  Samtenen  alten  Kokh. 

Zwey  alte  vnd  abgerissene  Studenten  Hlantel  von  blaben  Cuecb. 

Zvuey  deto  Kbleine  scbwarze  Sumer  Hlantelen. 

€in  grien  barasener  Ciscb  Cebicb. 

Bausratb: 

€in  trugen  von  barteni  Rolz. 
Gin  grosse  Sands  übr. 

Kbupfer: 

79  allerley  Kbupfersticb. 
39  vngestocbene  Kupfer. 

Gin  Kbupferne  Scbacbterle  mit  2  Ualluasoriscben  und  einen  der  brauen 
Ualluasorin  Controfoe. 

ein  alte  vnbesaite  Barpfen. 

Zwaen  lange  angainzte  (Jüaxen  Kerzen. 

Zwen  Kbiress  (Kürasse)  sambt  denen  Kbascbikbeten  (Casquet). 

ürkbundt   dessen  Unser  aigne  ünterscbrift  vnd   Pettscbaffls  5^ertigung 
bescbecben  zu  Caybacb  den  26  und  11  FHarty  1700. 


Jintboni  Ceopoldt  Copini  m/p  Dr. 
al(5  in  sacben  beuollmäcbtigter  commissarius 


(C.  S.) 
(C.  S.) 
(3  5^oliobogen.)  Inventar  Dr.  11,  Candesgericbt  Caibacb. 


Georg  Casper  Sagar  1.  ü.  Dr. 
alt5  beuollmäcbtigter  Comissarius 


Inliegend  der  Beriebt  über  die  vorgenommene  Inventur  durcb  die  Com-- 
missäre  an  Jobann  JInton  3osepb  I)erzog  zu  Cruman  u.  5^ürsten  zu 
€ggenberg  R.  K.  HI  w.  geb.  Ratb,  Candesbauptmann  in  Crain  u.  dem 
löbl.  Scbranengericbt  in  0rain  zu  praesentiren. 

Durcbleucbtigster  l)C)rzog  bocbgebobrner  Reicbsfürst  vnd  })err  Rerr 
landtsbauptmann  in  Crain  gnädigster  f)err  [)err  Jluff  die  an  vn(5  von 
Guer  bocbfürstlicben   Gnaden  vnd   dem  Cöbl.  Scbranengericbt  vndter  dato 


'S    333    'S) 

niontag  nach  St.  Glisabetbä  1699*  Jahrs  abgelassene  gnädigste  üerord-- 
nung  Crafft  deren  wür  Grsuecbt  worden  Uns  der  mübewaltung  zu  vnter-- 
winden  eines  gelegsaniben,  docb  fürderlicben  Cag  zu  endtscbliessen  den 
auf  ableiben  des  Rerrn  I)ant5  3<>sepben  ßraffenweeger  seel.  vnter  die 
spör  genonibenen  Uerla(5  zu  Caybacb  es  seyn  in  ligenden  oder  fabrenden 
aucb  briefflicben  Urkbunden  zu  bescbreiben  vnd  darüber  ein  ordentlicbes 
Inventarium  auffzuricbten  in  allweg  aber  den  in  die  3obann  Beykbardt 
üalluasoriscbe  gerbabscbafft  gebörigen  3obann  Beykbardt  Ualluasoriscben 
üerla(3  zu  separiren  vnd  darüber  ein  besonderes  Separations  vnd  revi-- 
dirungs  Inventarium  aufzuricbten  vnd  sambt  Unserer  Uerricbtungsrelation 
bey  dem  löbl.  Scbranengericbt  vervoarrter  einzubringen  aufgetragen  voorden. 
Baben  wür  vn(5  des  beutigen  Cags  Gntscblossen  vnd  bedeut  ßanf^  Josepb 
ßraffenvoegeriscben  Uerlaf^  nicbt  allein  bescbriben  sondern  aucb  den  in 
die  3<5b^^in  Beykbardt  Üalluasoriscbe  gerbabscbafft  gebörigen  ]obann 
Beykbardt  Ualluasoriscben  Uerlaf^  separirt  vnd  darüber  biebey  verwarttes 
Separations  vnd  revidirungs  Inventarium  nicbt  allein  auffgericbt  sondern 
aucb  bedeut  revidirten  ]obann  Beykbardt  Ualluasoriscben  Uerlaf^  revidirter-- 
massen  dem  Rerrn  Dr.  Jobann  O^s^pb  CUallicb  als  jetzigen  3^^^^^" 
Beykbardt  Ualluasoriscben  gerbaben  vermög  eines  vn(5  vorgewisenen 
zvoiscben  ibnen  Berrn  dan  Berrn  ITlicbael  Sigmund  von  Bremberfeldt  als 
3obann  O^^sepb  ßraffenwegeriscben  gerbaben  vnter  dato  lHontag  nach 
bl.  €lisabetb  1699  Grsamen  Scbranengericbtlicben  Zeugbrieffs  vollständig 
extradirt,  souill  baben  wür  Guer  Bocbfürstl.  Gnaden  biemit  relationiren 
vnd  vnt3  gebor.  Gmpfelen  wollen  verbleibent  sub  dato  Caybacb  den  26  vnd 
27  niarty  1700  Euer  Bocbfürstl.  Gnaden  geborsamste  Jlntboni  Ceopold 
Copini  Dr.  m/p.  als  in  sacben  bevollmäcbtigter  Comissarius  Georg  Gasper 
Sagar  1.  U.  Dr.  als  Gomissarius. 


*  eiisabetb  19.  Sonntag,  also  IHontag  nad)  St.  eiisabetb,  20, 


i 


nachfrag. 


Q  o   Q 


i 


Cüenige  nionate  vor  des  Jobann  Cüeikbard  5^reibcrrn  von  Ualvasor 
Code  (am  19.  September  1693)  ward  ibm  von  seiner  ßemablin  zvoeiter 
Gbe,  5rau  Jlnna  ITlaximilla,  geb.  Jreiin  von  Zetscbkber,  ein  Sobn  geboren, 
welcber  am  15.  Jlpril  1693  auf  den  Hamen  5^ranz  Engelbert  getauft  wurde. 
Taufpaten  waren  3<>bäi^n  Georg  von  CUernegkb  und  Dlaria  Barbara  5^reiin 
von  Zetscbkber,  geb.  von  Syzenbeimb  (von  Scbivizbofen:  Der  Edel  in  den 
niatriken  des  Herzogtums  Krain,  p.  303). 


In  der  Bibliotbek  der  Royal  Society  in  Condon  befindet  sieb,  wie  nacb-- 
träglicb  mitgeteilt  wurde,  ein  €xemplar  der  von  Jobann  Cüeikbard  5^reiberrn 
von  Ualvasor  berausgegebenen  Kupfersticbsammlung:  „Copograpbia  arcium 
Cambergianarum"  nacb  Jlrt  der  von  ibm  zusammengestellten  „Copograpbia 
0arintbiae  Salisburgensis"  (p.  172  ff.)  aus  den  in  seiner  Gbre  des  ßerzog-- 
tums  Krain  entbaltenen  Jlbbildungen  der  Cambergscben  Scblösser. 


Im  IDanuskripte  blieben  aus  üalvasors  Studien  nacbstebende  arbeiten : 
Die  Satyren  des  Ovid  in  12^  Cumen  naturae  6  Bände:  1.  de  Uitro, 
2.  de  Pasta,  3.  de  Colore,  4.  de  Sympatbia  et  Jlntipatbia,  5.  de  Juco  und 
6.  de  IDedicina;  5^1os,  Pbysico-rnatbematicus  3  Bände  5^olio.  !Francisci 
scbreibt  über  dieses  letztgenannte  lüerk,  da(5  es  „annocb  unter  der  Jeder, 
in  deutscber  Spracbe  gedruckt  und  mit  vielen  Kupfern  geziert  werden  soll, 
er  wünscbt  dem  Uerfasser  eine  eiserne  ßesundbeit,  wie  er  einen  eisernen 
mut  und  eine  bocbpreislicbe  Geduld  besitze".  Ricbter  fübrt  obne  näbere 
Jlngabe  obige  zwei  Cüerke  als  gedruckte  an,  docb  es  gelang  bisber  nicbt, 

diese  Angabe  zu  bekräftigen. 

* 

Zur  Uergleicbung  mit  Üalvasors  Jlusfübrungen  über  den  Zirknitzer  See, 
die  er  an  die  Royal  Society  in  Condon  gesendet  —  Jlnbang  p.  272  ff.  — , 
dienen  einerseits,  worauf  scbon  in  diesem  Jlnbang  bingewiesen  wurde, 
die   den  Cext   über  diese  „Rarität"  Krains  in  der  „Gbre  des  Herzogtums 

V.  Radics,  Ualvasor.  22 


©    33$    '^ 

Kraiii"  begleitenden  Jlbbildungen  sowie  anderseits  die  mehrfachen  Bezüge 
auf  üalvasor,  wie  sie  in  des  bekannten  Röblenforscbers  [)errn  k.  k.  5orst-- 
rates  und  Inspektors  für  agrarische  Operationen  CUilhelni  Putick  über  die 
[)öhlenwelt  des  Karstes,  die  Entwässerung  der  Cäler  usw.  enthalten  sind. 


Da(5  unser  Freiherr,  als  er  sich  mit  dem  ,Jeingusse"  beschäftigte,  nach 
der  von  ihm  modellierten  lllarienstatue  auf  dem  Jakobsplatze  in  Caibach 
auch  ein  grofKs  lllonument  aus  Grz  schaffen  wollte,  bezeugt  sein  Brief 
an  die  Royal  Society  in  Condon,  in  welchem  er  es  ausdrücklich  sagt,  er 
habe  die  noch  nicht  aufgegebene  Jlbsicht  gehabt,  eine  Statue  Kaiser 
Ceopold  I.  überlebensgro(5  und  zu  Pferde  sitzend  aus  einem  Gusse  zu 
schaffen  und  er  sei  diesbezüglich  der  Kosten  wegen  bereits  mit  der 
krainischen  Candschaft  in  Unterhandlung  gewesen,  nur  die  dräuende  Gefahr 
von  dem  Cürken  habe  die  Jlusführung  des  UUerkes  verhindert.  Die  hierauf 
bezügliche  Stelle  des  Briefes  nach  Condon  (siehe  Anhang,  p.  270)  lautet: 
Si  Dens  mihi  prolongabit  uitam  et  si  meliora  tempora  ratione  nostri  vicini 
scilicet  turce,  erunt,  tunc  fundam  ex  metallo  una  fusione  Imperatorem 
nostrum  Ceopoldum  I  sedentem  supra  equum  multo  vitae  majorem,  de 
hac  re  iam  fui  cum  provincia  ratione  impensorum  in  tractatu  et  si  istae 
molestiae  turcicae  non  uenissent,  iam  fuisset  opus  factum.  Auf  die  „Uer-- 
handlung  Ualvasors  mit  den  krainischen  Ständen"  betreffs  Schaffung  eines 
von  der  Candschaft  beschlossenen  „monumentes  und  ßedächtnissäule"  an 
die  von  Kaiser  Ceopold  I.  1660  in  Caibach  entgegengenommene  „Grb-- 
huldigung"  des  Candes  Krain,  bezieht  sich  die  Stelle  in  der  „Ghre  des 
Herzogtums  Krain",  III.  (X.),  p.  371,  da(5  dieser  Beschlu(5  der  Candschaft, 
ein  Denkmal  für  Kaiser  Ceopold  I.  in  Caibach  zu  errichten,  „nach  der  Zeit 
getreulich  in  das  Cüerk  gesetzt  worden  sei";  dennoch  vereitelten  die 
späteren  Kriegsereignisse  das  tatsächliche  Zustandekommen  eines  solchen 
Cüerkes.  ^ 

(üie  aus  der  Genealogie  des  näheren  ersichtlich,  traten  die  schon 
zeitlich  in  die  Candmannschaft  aufgenommenen  Ualvasore  in  Krain  gar 
bald  in  Uerbindung  mit  den  ersten  und  ältesten  Familien  des  Candes 
durch  gegenseitige  Gheschliefnuigen  mit  Ungehörigen  der  Geschlechter: 
Jlpfaltrern,  Jluersperg,  Gall,  Graffenweg,  Gussitsch,  Rohenwarth,  Camberg, 
Cichtenberg  (Ireiherrn  und  Grafen),  IDoscon,  Paradeiser,  Rasp,  [Uerneck, 
Zetschker  u.  a.  m.  sowie  auch  mit  einer  Reihe  alter  5^amilien  auf^erhalb 
des  Candes  Krain,  z.  B.  den  Gabelkovern,  Gaisruck,  Dienersberg  u.  a. 


'S)    339    ® 

meine  in  die  l)underte  und  hunderte  zahlenden  noch  bandscbriftlicben 
Auszüge  aus  den  beimatlicben  und  auswärtigen  Jlrcbiven  und  Bibliotbeken 
über  die  5^aniilie  üalvasor  in  Krain  ini  allgemeinen,  die,  einmal  zusammen-- 
faf^t,  ein  gar  stattliches  Bucb  nicht  nur  über  dieses  im  Cande  mehrfach 
begüterte  und  verzweigte  Jldelsbaus,  sondern  zugleich  auch  einen  wichtigen 
Beitrag  zur  politischen  und  Kulturgeschichte  unserer  Reimat  liefern  könnte, 
bieten  schon  im  flüchtigsten  Überblicke  eine  Reihe  hervorragender  und 
charakteristischer  Persönlichkeiten,  deren  die  meisten  auch  für  sich  schon 
zu  eigener  Darstellung  geeignet  erscheinen  würden.  Um  nur  einige  wenige 
hier  anzuführen,  nenne  ich  in  erster  Reihe  die  beiden  „Uerordneten" 
(Candesausschuf^mitglieder)  Johann  Karl  (f  1697),  Bruder  unseres  Johann 
lüeikhard,  und  Johann  Karl  (f  1741),  zugleich  Candrechtsbeisitzer,  vom 
Grblandmarscball  als  sein  Stellvertreter  im  üorsitz  bei  den  Candtagen 
ernannt,  Johann  Berward,  Candrechtsbeisitzer  und  1679  Ceiter  des  Pestkordons 
am  Crojanaberg,  und  weiters  Jinton,  in  mehreren  öffentlichen  Stellungen  im 
Eande  tätig.  Cetztgenannter  hatte,  wie  eine  Jlufzeichnung  des  5^reiherrn  von 
Raigersfeld  im  landschaftlichen  Hluseum  Rudolfinum  besagt,  als  Konviktist 
im  CoUegium  0arolo  Hobilium  in  Caibach  das  ünglüd  gehabt,  das  linke 
Jluge  zu  verlieren,  worauf  er  später  ein  gläsernes  Jluge  bekam;  meine 
mitteilung  von  dieser  Jlufzeichnung  einer  frühzeitigen  Ginführung  eines 
gläsernen  Jluges  hierlands  veranlaf^te,  nebenbei  bemerkt,  Rerrn  Primarius 
Sanitätsrat  Dr.  Gmil  Bock  hier  zu  der  hochinteressanten  Studie:  Zur  Ge-- 
schichte  des  künstlichen  Jluges  (Jlllg.  medizinische  Zeitung  1S97,  Separat-- 
abdruck). 

CUaren  die  vorgenannten  Freiherren  von  Ualvasor  auf  politischem  und 
kulturellem  Gebiete  im  Eande  hervorragend  tätig  gewesen,  so  widmete 
sich  eine  Reihe  von  männlichen  und  weiblichen  niitgliedern  dem  Dienste 
der  Kirche  und  der  Cüissenschaft.  Unter  diesen  namentlich  der  Jesuit 
(üolfgang,  welcher  in  der  zweiten  l)älfte  des  IS.  Jahrhunderts  wiederholt 
die  Cüürde  eines  Rektors  der  ßrazer  Universität  bekleidete,  während  vor-- 
und  nachher  auf  mehreren  Pfarreien  in  Krain:  so  Josef  zu  Cöplitz,  niax 
Jinton  zu  Cemsenik,  Robert  zu  Cadez  und  Cüolfgang  Bartholomäus  zu 
Sachsenfeld  in  Untersteiermark  als  Pfarrer  wirkten,  während  andere  ITlit-- 
glieder  der  5^amilie  als  Ordenspriester  erscheinen,  so  Johann  lüeikhards  Söhne 
Johann  CUeikhard  als  F.  Jllexius  und  Johann  Cudwig  als  F.  Donatus,  beide 
Ordinis  S.  Francisci,  weiters  F.  5^elix  als  Hlönch  im  Zisterzienserstifte  Hlaria 
Brunn  in  Candstra(5  und  späterhin  Franz  Josef  als  Kapitular  des  Stiftes 
Sekkau  in  der  oberen  Steiermark  —  heute  Kloster,  der  fördersamen  Gr- 
wecker  kirchlicher  Kunst,  der  Beuroner  Benediktiner  — ,  welcher  sein  Ceben 

22* 


'S    340    'S) 

1795  im  hoben  Jllter  von  95  3abren  in  Caibacb  (im  beute  Ritter  von 
Cascbanscben  Rause,  Scblossergasse  Dr.  4)  beschlossen  bat.  Uon  weiblichen 
initgliedern  des  Rauses  nahmen  in  Klöstern  im  Cande  Krain  sowie  in 
6örz  den  Schleier  die  Damen:  Gleonore  als  lllaria  Karolina  3osefa  vom 
hl.  Caroli  im  hiesigen  Kloster  der  CUCUGG.  Ursulinen  (1713)  und  Sidonia 
Regina  als  M.  Egnes  Constantia  im  Kloster  der  CUCUGG.  Ursulinen  in 
0örz  (1697),  dem  später  aufgehobenen  krainischen  Klarisserinnen-Kloster 
in  niünkendorf  gehörte  Elisabeth  5reiin  von  üalvasor  als  Hlitglied  an  und 
in  das  gleiche  Kloster  zu  Biscboflack  war  eine  Cochter  des  5ranz  JIdam  und 
seiner  ersten  Gemahlin,  einer  gebornen  5reiin  von  Jlpfaltrern,  aufgenommen 
worden. 


Genealogie  der  Familie  Pabasor 

in  Krain« 


Q  o  o 


Genealogie  der  Berren  und  Freiherren  uon  üaluasor 

in  Krain^* 

Rieronymus  Ualvasor  von  ßalleneck,  Candstand  in  Krain  160$  12.  Jipril ; 
gest.  1612.  ^      . ,. 

Agnes,  Cocbter  des  Georg  von  Scbeyer  und  der  Sophie  Jlyzlin. 

Kinder. 

I.  Bartholomäus  (ältere  Cinie),  Uerordneter  und  ßeneraleinnehmer  der 
Candschaft;  geb.  1596  zu  ßalleneck,  gest.  1651. 

erste  ßeinahlin. 

niaria  Elisabeth,  Cocbter  des  Alexander  5^reiberrn  von  Dornberg 
und  der  Salomea  geb.  5^reiin  von  Ggkb. 

Zweite  Gemahlin. 

JInna   IDaria,    Cocbter   des    Georg    5reiberrn    Rauber   und    der 
Dorothea  £eyser;  vermählt  163$  20.  April,  gest.  1657. 

A.  Gottfried,  ^'^^^^  '''^''  ^^'^ 

B.  Johann   Karl    (älterer   Ast),    Uerordneter   1665,    5^reiherr   1667 
17.  Dovember;  gest.  1697  3.  Jänner. 

erste  Gemahlin. 

Anna  Christina  geb.  Gräfin  Schrattenbacb;  gest.  1649  16.  Jänner 
zu  Caibacb. 


*  QueUcn:  „Stanimrcibc  der  Ualvasoriscben  lamilie"  in  des  Renn  Jobann  ÜJeikbard 
5^reiberrn  von  llalvasors  „Gbre  des  Herzogtums  Krain",  III.  (IX.),  p.  109.  --  Beiträge  zur 
Genealogie  des  i<raini$cben  Adels  von  Dr.  Jobann  Baptist  lüitting  im  3<ibrbud)  der 
k.  k.  Reraldiscben  ßeseilscbaft  „fldler"  in  (iJien,  Deue  Jolge,  IV.  Band,  p.  142  ff.  (fufiend 
bauptsäcbiicb  auf  den  im  IDuseum  Rudolfinum  in  Caibacb  bandscbriftlicb  vorfindlicben 
Genealogien  von  Scbönleben,  Cukantscbitscb  und  Raigersfeld).  —  Scbiviz  von  Scbiviz- 
bofen:  „Der  Hdel  in  den  matriken  Krains".  —  Scblief^Iicb  des  Uerfassers  eigene  Jluf- 
zeicbnungen  aus  flrcbiven  in  Krain  und  Steiermark. 


'S    344    -2) 

Zweite  ßemablin. 

Bnna  Rosina,  Cocbter  des  Jindreas  Daniel  Grafen  Barbo-- 
CUaxenstein  und  der  Katbarina  6all  von  Rudolfseck;  verniäblt 
1650  11.  5^ebruar  zu  Caibacb. 

(Grste  ebe  kinderlos.) 

Kinder  zweiter  Gbe. 

1.  Daniel. 

2.  jobanna  Cberesia;  get.  1653  7.  Jänner  zu  Caibacb. 

3.  Jlnna  IDaria;  geb.  1656  15.  3uli  zu  Caibacb,   verniäblt  1677 
mit  5^ranz  von  l)obenwarlb  (gest.  1696). 

4.  Georg  rHaxiniilian;  get.  165$  21,  5^ebruar  zu  Caibacb  (dessen 
Cestament  1717  15.  Oktober). 

5.  IDaria  5^ranziska. 

6.  3obann    Karl,    Uerordneter,    Candrecbtsbeisitzer;    get.    1664 
13.  Jänner  zu  Caibacb,  gest.  1771  2.  Jlpril. 

ßemablin. 

JInna  Glisabetb  Gräfin  Jluersperg,  Cocbter  des  Cüolf  Gngelbert 
Grafen  Jluersperg  und  der  Jlnna  Katbarina  €lisabetb  Gräfin 
von  Crillegk;  geb.  1672  30.  Juli,  verniäblt  1690  30.  Doveniber, 
gest.  1728. 

Kinder. 

a)  lüolfgang  Karl  Oosef;  get.  1691  I.Oktober. 

b)  Jlnna  Katbarina;  get.  1693  4.  IDärz,  verniäblt  zum  erstenmal 
mit  Cüolfgang  Daniel  Grafen  Cicbtenberg  (gest.  1723),  zum 
zweitenmal  1734  mit  üeit  josef  Jakob  5^reiberrn  von  Deubaus. 

c)  maria  Glisabetb;  get.  1694  2.  niai,  gest.  1766  10.  märz, 
ledig. 

d)  CUolfgang  Josef;  get.  1695  IS.  mai. 

e)  Kajetana  ^elicitas;  get.  1696  23.  Juni. 

f)  IDaria  Eleonore;  get.  1697  30.  Dezember. 

g)  Georg  5elix;  get.  1699  15.  Februar, 
h)  IDaria  Jlnna;  get.  1700  S.  September. 

i)  Josef  Ignaz  Jlnton;  get.  1702  17.  Jlpril. 
k)  Jranz  Josef;  get.  1705  12.  5^ebruar. 
1)  Josef  Xaver  Kajetan  Jlndreas;  get.  1707  29.  Dovember. 


'S    345    'S 

ra)  Karl  3o$ef;  get.  1710  21.  3uli. 

erste  ßemablin. 

3osefa  Gräfin  Camberg;  vennäblt  1737  4.  Hovember, 
gest.  1742  21.  mai. 

Zweite  ßemablin. 

maria  Jlntonia,  Cocbter  des  3obann  Pbilipp  Jlnton  Grafen 
von  und  zu  ßabelkboven  und  der  Hlaria  Hntonia  Rosamunde 
Gräfin  Simicb  von  Sinnicb;  gest.  1753  6.  Dezember. 

Kinder  erster  Gbe. 

aa)  niaria  JInna3osefaJ!ntoniaCeopoldina;  get.l73916.Jlpril. 
bb)  IDaria  Hotbburga  Franziska  Josefa;   geb.  u.  get.  1741 

11.  Jänner,  gest.  1743  20.  flpril. 
cc)  Karl  Hlaria  Josef  Ceopold;  geb.  u.  get.  1742  $.  Hlai. 

Kinder  zweiter  Gbe. 

dd)  Karl ;  gest.  1746  11.  märz. 
ee)  Ceopoldine;  gest.  1747  23.  3änner. 
ff)  rnaria   Pbilippine    Rosina    Kajetana   Josefa    Franziska 

Salesia;  geb.  u.  get.  174$  29.  Jänner, 
gg)  rnaria  Entonia  lHaximiliana  J^sefa  Hlatbilde,   Stern-- 

kreuzordensdame;  geb.  u.  get.  1749  15.  Hlärz  zu  Caibacb, 

vermäblt  1766  mit  Jobann  O^kob  Grafen  von  Gaisruck 

(gest.  1801  zu  Cemberg). 
hh)  Karl  josef  Eeopold  üinzenz  flgydius;  geb.  u.  get.  1750 

1.  September, 
ii)  maria  Enna  Jobanna   Hepomuk  Franziska   Kajetana; 

geb.  u.  get.  1752  5.  September,  gest.  1753  12.  September. 

n)  rnaria  Jlloisia  5^e]icitas;  get.  1713  20.  Juni. 

7.  Ololf  Engelbert. 

8.  €va  maximiliana;  get.  1668  3.  Oktober. 

C.  Dorotbea. 

D.  5^ranz  Jldam ;  gest.  1663  im  ITlärz  zu  Gilli. 

E.  eiisabetb,  Donne  im  Klarisserinnen-Kloster  zu  niünkendorf. 

F.  l)ieronymus. 

G.  maria  Clara. 


'S)    346    ^ 

Kinder  zweiter  €be. 

H.  Jobann  Dietrich  (ansgevoandert). 
I.  Sigismund. 
K.  Regina. 
L.  maria.* 
M.  Sidonia. 
N.  Jobann. 

0.  Cüolfgang  Kajetan,  1652  Konviktist  zu  Hlaria  Rast. 
P.  Jobann. 
Q.  !5ranz. 

^*  !  Totgeborene  Zwillinge. 

T.  Olobann  lücikbara  (mittlerer  Jlst),  get.  1641  2$.  mai  zu  Caibacb, 
gest.  1693  19.  September  zu  ßurkfeld. 

Grste  ßemablin. 

Hnna  Rosina,  Cocbter  des  Baltbasar  6raffenweger  von  ßrafenau 
und  der  Jlnna  IDaria  von  Scbarffenegk;  geb.  165$  11.  Oktober, 
vermäblt  1672  10.  Juli,  gest.  16$7  25.  Jlpril. 

Zweite  ßemablin. 

Jlnna  Hlaximiliana,  Cocbter  des  5^ranz  Crasmus  5^reiberrn  von 
Zetscbker  und  der  Hlaria  Sidonia  Gräfin  von  Cattenbacb  (wieder-- 
vermäblt  mit  Jobann  Georg  5^reiberrn  von  Cüernegk);  vermäblt 
1687  20.  Juli. 

Kinder  erster  Gbe. 

1.  TDaria  Sidonia;  geb.  1674  16.  Jlpril,  gest.  1676  17.  Juli. 

2.  niaximiliana  0ordula;  geb.  1675  10.  Jlpril,  gest.  1677  13.  Juni. 

3.  J!nna  Cberesia;  geb.  1677  15.  Februar,  gest.  1681  21.  Hovember. 

4.  Jobanna;  geb.  1678  11.  Juni,  vermäblt  1705  9.  Dovember  mit 
5^ranz  Cudwig  von  Scarlicbi. 

5.  Cüolfgang  Cüeicbard  (unter  dem  Hamen  F.  jllois,  Franziskaner 
der  strengen  Observanz,  Dovitius  1698  29.  Juli);  geb.  1679 
25.  September. 

6.  Jobann  Gottlieb;  geb.  1681  16.  Juli,  gest.  1687  4.  Hlärz. 


*  Im  Inventar  nad)  dem  Code  Jobann  Rerbards  1681  erscheint  ein  Uerzicbtbrief 
lUolf  Bartlnie  Ualvasors  pro  empfangene  schwesterliche  Hnna  Katharina  Ualvasorische 
erbschaft,  wahrscheinlich  darunter  IDaria  (flnna  Katharina)  gemeint. 


-2)     347     -2) 

7.  Jobann  Cudwig  (unter  dem  Hamen  P.  Donatus,  gleichfalls 
Ordinis  $t.  ^rancisci);  9eb.l6$3  10.  Epril,  gest.  1752  29.Jlpril. 

8.  jobann  UJolf  Gngelbert  (unter  dem  Damen  F.  Stepban,  IDöncb 
im  Zisterzienserstifte  ITlaria  Brunn  zu  CandstrafO;  geb.  16$4 
25.  3uli. 

9.  5ranz  josef ;  geb.  16$6  13.  ]uni,  gest.  16$7  14.  Illärz. 

Kinder  zweiter  Gbe. 

10.  Katbarina  5^ranziska;  geb.  16S$  2$.  Hpril,  vermäblt  1704 
2.  Februar  zu  Rastenberg  mit  Jldam  Seifried  Jreiberrn  von 
juritscb  zum  Strugg  und  Jlltgutenberg  (geb.  16$3  26.  De-- 
zember,  gest.  1741  3.  September). 

11.  5^ranz  Engelbert;  geb.  1693  15.  Jlpril  zu  ßurkfeld. 

U.  Kosalia  0onstantia;  vermäblt  1670  2.  Dovember  mit  Laurenz 
5(ü)aganelh\  Scbreiber  bei  Karl  5reiberrn  von  Cüüzenstein,  ßemabl 
der  Polyxena  von  Ualvasor. 

V.  3öbann  Rerbard  (jüngerer  Jfst  in  Deudorf);  gest.  16S1  26.  Jlpril 
zu  ßalleneck  (Inventarium  16$1  12.  Jlugust  zu  6alleneck). 

erste  0emablin. 
ITlaria  Hlagdalena,  Cocbter  des  Sebastian  von  Kezenbam  und 
der  0äcilia  von  Krazenbacb. 

Zweite  ßemablin. 

niaria  Salomea,  Cocbter  des  3obann   Baptist  5^reiberrn   von 
rnoscon  und  der  ITlaria  Sidonia  5^reiin  von  Rasp. 

Kinder  erster  Che. 

1.  Jlnna  ITlaria. 

2.  Georg  niaximilian;  gest.  1717  20.  Oktober. 

6emablin. 

maria   5^ranziska,   Cocbter  des  5^ranz  JIdam   von  Seetbal 
und  der  Hlaria  Regina  5^reiin  ITlordaxt  von  Portendorf. 

Kinder. 

a)  niaximilian  Daniel;  get.  1696  13.  Dezember. 

b)  Ceopoldine  5^elicitas;  get.  169$  16.  Jänner. 

c)  maria   Anna    lllaximiliana;    get.  1701    3.  ITlai,   vermäblt 
1736  9.  3i'li  "lit  Siegfried  Karl  ^reiberrn  von  0all. 


^    34$    <2) 

Kinder  zweiter  €be. 

3.  maria. 

4.  3ob$t. 

5.  5ranz  josef;   get.  1677  5.  Dezember,   gest.  1721   (Cestanient 
3.  märz). 

6.  IDaria  Eleonore;  get.  1679  4.  3änner. 

7.  5ranz  Grasnius;  16$0  24.  Jänner. 

8.  5ranz  €rasinus;  geb.  1681  16.  Jlpril,  gestorben  am  Cage  der 
6ebnrt. 

W.  Cüolfgang  Bartbolomäus,  Konviktist  in  Hlaria  Rast  1655,  Uikar 
zu  St.  üeit  bei  montpreis  167$  bis  1680,  Uikar  in  Pra(5berg  1680 
und  1681,  Pfarrer  in  Sacbsenfeld  1683,  Benefiziat  des  Rauberscben 
Barbara --Jlltars  in  der  Caibacber  Domkircbe  1686,  Inbaber  des 
von  seinem  üater  in  6alleneck  gestifteten  Benefiziates  1689; 
get.  1646  30.  September. 

X.  jobannes  3^erdinand;  get.  1649  20.  Februar. 

Y.  maria  Isabella. 

IL  Jldam ;  gest.  1624  29.  September  zu  Caibacb  (Inventar  1625  8.  Februar). 

ßemablin. 

Sidonie    Gussitscb,    Cocbter    des   Sigismund   ßussitscb;    Beirats-- 

abrede  1611  9.  mai. 

Kinder. 

A.  3obann  Baptist,  5^reiberr  seit  1667;  geb.  1618,  gest.  1650  10.  Juni. 

Gemablin. 

Sidonia   Regina,   Cocbter   des  Jlndreas  Daniel   Grafen  Barbo 
und  der  Katbarina  von  0all. 

Kinder. 

1.  niaria  Katbarina. 

2.  Jinna  Glisabetb;  vermäblt  1668  5.  Jlugust  mit  Jobann  Berbard 
Posarell. 

3.  Jidam    Siegfried,    Candrecbtsbeisitzer;    geb.  1649    18.  Jlpril, 
gest.  1699  12.  Oktober. 

0eniablin. 
maria  Jlnna,   Cocbter  des  ]obann  Baptist  Jreiberrn  von 
nioscon  und  der  maria  Sidonia  von  Rasp. 


'S)    340    ® 

Kinder. 

a)  Sidonia  Regina  (als  M.  Agnes  0onstantia  im  Ursulinen-- 
kloster  in  0örz,  eingekleidet  1697);  gest.  1717  2$.  Oktober. 

b)  rnaria  (Anna  Susanna),  Gemahlin  des  Georg  Jldam  Gall 
von  Gallenstein;  Beiratsabrede  1691  22.  3uli  —  nachdem 
das  Jlufgebot  von  1691  13.  Jänner  mit  einem  Rerrn  von 
Ramschissel  rüd<gängig  gemacht  worden  war  „copulatio 
in  suspenso"  (Hlatrikel  der  Pfarre  WJatsch);  gest.  1713 
25.  3uli. 

c)  Anna  Rosina  3osefa;  vermählt  1705  2.  5^ebruar  mit  $igis= 
mund  Oosef  Posthumus  Cukantschitsch  von  l)ertenfels.* 

d)  markus  Jlnton,  Pfarrer;  gest.  1709  31.  3uli. 

e)  5ranz  Jidam. 

Gemahlin. 

Regina  Franziska,   Cochter  des  Georg  Sigismund  5rei-- 

herrn  von  Jlpfaltrern  zu  IHötnig  und  der  Regina  Sidonia 

Samtpaur  von  Samburg;  vermählt  169S  25.  Dovember  zu 

Caibach. 

Kinder. 

aa)  Jlnton  Siegfried;  geb.  1719,  gest.  1761  11.  niärz. 

Gemahlin. 

rnaria   Rosalia    Gräfin   von    Rasp;    vermählt   1760 

5.  Jlugust. 

Kind. 

niaria  JRnna  josefa  5^ranziska   Ursula;   geb.  u. 
get.  1761  1$.  5^ebruar. 

bb)  Georg  Siegfried,  landschaftlicher  Brückenmautbeamter  in 
Cernuce;**  geb.  1700  22.  Jlpril,  gest.  1759  15.  märz.*** 


*  Ihrer  ehe  entsprossen  zwei  Söhne  (Karl  3osef  geb.  1706  19.  niärz,  und  Siegfried 
JInton  geb.  1707  27.  niärz)  und  eine  Cocbter  (Hlaria  Unna  Susanna  geb.  170$  10.  Jfugust). 
**  Diesen  zur  Zeit  des,  bis  zur  Gröffnung  der  Südbabnstrecke,  überaus  regen  Uerkebrs 
der  Reicbsstrabe  bin  und  wieder  so  wichtigen  niautnerposten  versahen  unmittelbar  nach 
ihm  3osef  3^reiherr  von  üimburg  und  dann  Karl  Bernhard  5^reiherr  von  Rauber,  beide 
mit  dem  Citel  Inspektor.  Die  Amtswohnung  der  Brückenmautbeamten  befand  sich  in 
dem  heutigen  sogenannten  Cavcarhof. 

***  Sein,  ihm  von  der  Cüitwe  gewidmeter,  an  der  Kircl)e  zu  jezica  befindlicher 
Grabstein,  welcher  seinerzeit  über  Anregung  des  Rerrn  k.  k.  Candesschulinspektors  Jranz 
Cevec  behufs  besserer  Bewahrung  an  die  gegenwärtige  Stelle  gelangte,  besagt  das  von 
Georg  Siegfried  erreichte  Alter  mit  5$  Jahren,  10  IDonaten  und  23  Cagen. 


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Grste  Geniablin. 

niaria    Susanna    (Cüitwe    nach    Kreszenz    Caurenz 
Poikner);  verniäblt  173$  29.  lHai. 

Zweite  ßemablin. 

Franziska   3osefa   von   CUirtb    aus    lUien    (Cüitwe); 
vermäblt  1755  25.  Jlugust. 

f)  loannes  Ualerius,  l  ^   .,,.  ,  ,,^^,^  v^^  -     ^  „ 
;,,,,,         ,,    ,    '  }Zwillinge;get.l68310.niaizu Galleneck. 

g)  Cüolfgang  Karl,      i  ^  ^ 

h)  3^ranziska  Kordula;  get.  16$9  10.  Itlai. 

B.  Georg  Sigmund.  ^ 

^     ^  Gemablin. 

Gine    Bauernstocbter,    wegen    welcber   Uennäblung    er   auS' 

wanderte.  „.   , 

Kinder. 

1.  jobann  5^erdinand;  geb.  167$. 

2.  Sigisniund;  1690. 

3.  Grnst  Sigismund;  169$. 

4.  Barbara;  gest.  1650. 

C.  3obann  Siegfried. 

D.  Polyxena;  vermäblt  zum  erstenmal  mit  5^ranz  Gbristopb  5^reiberrn 
von  Cicbtenberg  1643  5.  Juli,  zum  zweitenmal  mit  Karl  Jreiberrn 
von  CUüzenstein;  gest.  1687  2.  ]änner  zu  Caibacb. 

III.  Cukretia;   vermäblt   mit    tllattbias    Posarell    (gest.  1627);    l)eirat$-- 
abrede  1603  17.  märz. 

IV.  Sopbie;    vermäblt  mit  Jobann  JIdam   von   Jlpfaltrern;    seit  1622 
(jüitwe,  kauft  1624  das  Scblof^  Obermöttnik. 


Uorstebende  Genealogie  der  Ferren  und  5^reiberren  von  üalvasor  konnte 
nur  den  Zweck  baben,  die  Uerzweigung  dieser  5^amilie  in  Krain  im  Caufe 
dreier  jabrbunderte  aufzuzeigen,  nacbdem  aus  mebr  denn  einem  Grunde 
absolute  Uollständigkeit  zu  erzielen  gänzlicb  ausgescblossen  erscbien,  sagt 
docb  die  freundlicbe  mitteilung  des  in  betreff  der  Genealogie  inneröster-- 
reicbiscber  IJamilien  in  erster  Cinie  kompetenten  5^acbmannes  des  Rerrn 
Cudwig  von  Scbivizbofen:  „Die  Jlnzabl  derer,  in  denen  üalvasoriscbes  Blut, 
nicbt  nur  jenes  des  üerfassers  der  ,ebre  des  l)erzogtums  Krain'  flief^t,  ist 
Eegion!" 


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Zu  Seite  9 


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Gmcrcntiana  Vavasor  de  6allcnch  nata  de  Kbisel 


Zu  Seite  15 


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Zu  Seite  16 


Hgncs  Vavasor  de  GaUcneh  nata  de  Sbayer 


Zu  Seite  23 


Bartbolomacus  de  Valvasor 


.,Zu  Seite  23 


Hnna  Cßaria  Valvasor  de  Gallcnch  nata  £.  B.  Ravbcr 


Zu  Seite  58 


Valvasors  6ßburtshaus  in  Caibacb 


Zu  Seite  69 


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Junge  Cavaliere  des  XVII.  Jahrhunderts 
auf  Reisen 


Zu  Seiten  82  und  83 


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Zu  Seite  92 


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flßßssung  mit  dem  Hstrolabium 


Zu  Seite  141 


Die  von  Valvasor  modellierte  ffiarienstatue 
auf  dem  St.  jfahobsplatje  in  Caibacb 


Zu  Seite  158 


??t|r  @rtctrfen  a?»ö|   tn^tj^t,  in  weCle^i^er    da^    |?r^|it    ^ 


ödidmungsblatt  ^u  Valvasors  Bildcrausgabc:  Ovids  ffietamorphosen 


Zu  Seite  160 


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i>Uinjprf)mejel6(t  (^e|a(Ü    U'nb  w\^  mcme  ^|(wm   vajtav»,.  ^ 


Hus  der  Bildcrausgabc:  Ovids  ffietamorpboscn  von  Valvasor 


Zu  Seite  162 


^^Atdidfrta,  d  Hippoaie»ef  owfa  caUsäUs 
\  Jy  \ppmeu  imf.  m  ben  Ärei|,  J>vm  Coj^  er 


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Hus  der  Bilderausgabe:  Ovids  fißetamorpbosen  von  Valvasor 


Zu  Seite  172 


Citelblatt  ^ur  Copograpbia  Carintbiae-Salisburgensis  von  Valvasor 


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Zu  Seite  198 


Hltarblatt  im  Schlosse  freibof  in  dntcrhrain, 
wo  Valvasor  mit  seiner  ^weiten  Gemahlin  getraut  wurde 


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Zu  Seite  246 


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Valvasors  Y)äus  in  Gurhfcld  —  sein  Sterbebaus 


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Zu  Hnbang:  Bcsd^rcibung  des  feingusscs 


Zu  Valvasors  Gründung  des  fcingusscs 


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DR  1350  .J84  R3  1910  IMS 

Radics,  Peter  von, 

Johann  Weikhard  Freiherr  von 

Valvasor  (geb.  1641,  gest.  1 

47087895 


3F    MEÖfAEVAU  STUDtftfc 

Sil    OUEEH^    PAUK